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Seite 2. Samstag, 18. MSrz 1S22.

Mesbadener Tagblatt.

Morgen-Ausgabe. Erstes Blatt. Nr. 131.

Wiesbadener Nachrichten.

Reichszuschüise zur Besoldung der Aommunal» beamten.

Gelegentlich der Veratun« über di« Beaintenbesoldirn« hat sich di« Reich-regierung grundsätzlich bereit erklärt, den Städten Vorschüsse !ür die anttilige Deckun« der durch die Gebaltssteigerung entstandenen Erböhun« rdrer Verwaltungs­ausgaben zu geben. Es wird dabei Bezug genommen aui die Erklärung eines Regierungsvrrtreters. di« m dem steno­graphischen Protokoll über die Verbandlungen des Reichs­tags Aufnahme gesunden bat. In dieser Erklärung des Rcgierungsoertreters be^tzt es:Die Reichsregierun« Nt

der Auffassung, daß di« Mehrausgaben, di« den einzelnen Ländern. Gemeinden und Genlkindeverbänden durch eine Verbesserung der Deomtenbesoldung erwachsen, als unmittel­bar« Folg« der Geldentwertung automatisch einem diesen Mehrausgaben entsprechenden Teil der Mehreinnahmen Deckung finden werden. Da aber diese Mehreinnahmen erst 3922 eingehen werden. also dann, wenn das Geld erforder­lich ist. noch nicht zur Verfügung stehe, Nt das Reich bereit, zunächst für di« Rechnungsjahre 1921 und 1922 den einzelnen Ländern Vorschüsse in Höbe des Mehrbedarfs für Bejol- dungszwecke schon jetzt in Anrechnung auf di« später zu er­wartenden Mehreinnahmen an Über wei sungssteuern viertel­jährlich im voraus zur Verfügung zu stellen. Sollte die Er­wartung nicht in Erfüllung gehen, daß der Mehrbedarf für Bezoldungszwecke durch einen dem bisherigen Verhältnis der Vesoldungsausgaben zu den gesamten Staatsausgaben entsprechenden Teil der Mehrausgabe gedeckt wird, so wird das Reich dc>n danach fehlenden Betrag im Falle eines auch bei vorsichtiger und der gemeinsamen Notlage Rechnung tragender Aufstellung des ordentlichen Hausbaltsvlanes nickt vermeidbaren Defizits auf Grund von Richtlinien, die zwischen dem Reich und den Ländern vereinbart werden, als Zuschuß überweisen. Was die Mehrbelastung der Gemeinden durch di« Vesaldungsauibesserung betrifft, so ist es zunächst Cache der Länder, den Gemeinden und Ge­meinde vor bänden, di« nicht imstande sind, di« ihnen aus der Neuregelung der Beamtengehälter erwachsenen Mehrkosten selbst zu tragen, die erforderlichen Vorschüsse zu leisten. Das Reich wird den Ländern di« dazu nötigen Mittel zur Ver­fügung stellen. __

Zählkarten für Steuerentrichtung und Kapitalertrag» ste»er werden demnääft eingefübrt werden, um einen be­quemen. und billigen Weg für di« Abiübrung der Ein­kommen-, Umsatz-, Besitz-, Erbschafts- u'w. Steuer, des Reichsnotopfers sowie der Kavilalertragsleuer für Hvvo- thekenztnsen an die Finanz- und Struerkassen zu schaffen. Für Buckungszwecke bei dielen Kasten sind dl« Abschnitt« aut der Rückseite mit einem Vordruck verleben worden, den der Absender auszufüllen liat. Einen gleichen Vordruck, der ebenfalls auszufiillen ist. trägt die Rückseite des Postein­lieferungsscheins. Durch Vorlegung des von der Postanstalt vollzogenen Posteinlieferungslcheins kann der Absender der Zahlkarte die Entrichtung der Steuer jederzeit Nachweisen. Damrt di« Kavilalertragsteuer für die am 1. Avril fälligen Hyoothekenzinsen an die Finanzkast« mit Zahlkart« abgeführt werden kann, werden di« Vordrucke schon vom 20. Mär, ab bei den Postanstalten vorrätig gehalten werden. Die Zähl­karten für di« Entrichtung der übrigen Steuern werden von Ende März ab bei den Postanstalten abgegeben werden.

Rheinschisfghrt. Seit vergangenen Sonntag fahren di« Niederländer Perionenboote Sonntags früh 754 Uhr ab Biebrich wieder in der Richtung mach Köln, so daß schon jetzt Gelegenheit geiboten ist. per Dampfer einen Sonntags- Ausflug rbeinabwärts zu unternehmen, was von vielen sehr begrüßt werden dürfte.

Ein Familienabenb der Schwerhörigen. Der Schwer- börigen-VereinHephata"-Wiesbaden batte in Gemeinschaft mit demWiesbadener Evangel. Kirchen-Gelangverein" am Mittwochabend im Gemeindehaus tSteinsaste 9). gelegentlich der letzten Gesangübungsltund«. einen Familienabend arran- giert. um den Schwerhörigen mit einem kleinen Konzert rm engen Rahmen ein« Freude^zu bereiten. Dies war voll­auf gelungen. Der unter langjähriger bewährter Leitung des Lehrers K. H o l h c i n » stehende gemi'cht« Chor war gut besetzt. Er batte, um in diesem Einzesfalle seiner Auf­gabe voll und ganz gereckt zu werde», in unmittelbarer Nähe vor den Schwerhörigen den Platz gewählt. Ent­sprechend der Eigenart, wurden nach dem einleitendenSchon die Abendglocken klangen" von C. Kreutzer etwa zehn kirch­liche und Volks-Lieder in bunter Reibenfolg« klangschön ge­sungen. Das machte ofienstchtlich einen tiefen Eindruck auf die Zuhörer, denenko etwas" kaum wohl niemals vorder geboten worden war. wenigstens nicht seit der Zeit ihrer Schwerhörigkeit. Daß auch die nickt mit Hörrohren ver­sehenen Teilnehmer den Gelang vernahmen, bewies das in den Gesichtern ausgeprägte Verständnis und der lebhaft be­kundete Beifall. Herr Pfarrer Rumpf sprach als Vor­sitzender des Schwerhörigenvereins Herrn Hoi Heinz und feinem

(8. Fortsetzung.; Nachdruck verboten.

Saul und David.

Roman von Adelheid Weber.

Es war ein Schweigen unter ihnen, als sie geendet hatten. Frau Aleide hatte sich in die Polster des Sofas geschmiegt, aus denen ihr weißes Köpfchen lilienhaft herüberleuchtete. Nicolooius stimmte leise an seinem Cello. Die Sänne fiel durch die gelben Zweige der Trauerweide ins Zimmer und überflutet es mit goldenem Licht. Gisela trat zu ihrem Vater und faßte seine Hand.

Ist es nicht ein Wunder, daß diese Riesenfinger die Saiten so sanft singen machen?" rief sie zu Aleide hinüber.

Vom Sofa kam die Antwort.

Sie sind ja zu noch viel feineren Dingen geschickt, kleine Cisel.«

Ader die Worte klangen müde, als würden sie von «iner Stimme gesprochen, die lieber geschwiegen hätte.

Ja", sagte Eisel,ja. Es ist wie ein Wunder, daß dieser riesenhafte Paper! mit seinen schweren Händen das feinst .' Handwerk ausübt, das es gibt: an lebendi­gen Menschenaugen, wo es doch auf Haaresbreite um Glück oder Verderben geht."

Ulrich entzog seiner Tochter die Hand und sagte un­geduldig:

Kind, schwätz' nicht von Dingen, die du nicht ver­stehst. Und hör' mal. sieh deine Stimme mal ordent­lich durch; der Übergang von Dur zu Moll ließ an Reinheit zu wünschen; das Es war mindestens um eine Schwingung zu tief."

Eisel war kampflustig.

Ich glaub«, das Klavier steht um eine Schwingung zu hoch", stritt sie.

Unsinn, Eisel! Du stimmst doch deine Geige nach ihm."

Und doch hat Eisel nicht ganz unrecht", kam ihr

Eboi herzlichen Dank aus. Brahms ..Gut'n Abend" beschloß di« stimmungsvolle Familienunterhaltung. Manches Dankes- wort, mancher warme Händedruck waren Beweis«, daß die Veranstalter das Richtig« getroffen batten.

Jugendliche Einbrecher. Die hiesige Kriminalpolizei nahm zwei Mäbrige Burschen fest, als st« gerade einen Ein- bruchsdieMahl verüben wollten. Ihnen wurden außerdem noch 5 Einbrüche und 18 Bleirokrdiebstädle nachgewiesen.

Zeitungsdienst mit Frankreich. Vostamtlich wird mit­geteilt: Di« Post führt zum 1. Avril den Zeitungsdienst mit Frankreich ein. Sämtliche Postanstalten nehmen daher von jetzt ab Bestellungen aus franzöfisch«. insbesondere auch elsaß-lothringische Zeitungen entgegen. Aus folgenden fremden Gebieten können letzt Zeitungen durch di« Post be­zogen werden: Belg.en. Dänemark. Gebiet der Freien Stadt Danzig. England. Estland. Finnland. Frankreich. Holland. Lettland. Luxemburg. Memelgebiet. Norwegen. Österreich. Schweden. Schweiz. Tschechoslowakei. Ungarn.

Brirssendungen nach Weftvolrn. Postamtlich wird m-ttge teilt: Es ist vorteilhaft, bei Briefsendungen nach West- volen (den an Polen abgeiretenen deutschen Gebieten) in der Aufschrift neben der deutschen auch d>« volnNche Orts­bezeichnung anzugeben, da andernfalls Verzögerungen auf polnischem Gebiet nicht nusgechlossen stnd.

Galerie Beuger. Start (eilt uns berichtigend mit: Da« ÄIuMolal des Zentralverbandes der HotelangesteNten wurde In den früheren Räumen der Kunsthandlung Bange: (Luifenstratze 8), welche im Mai v. I. nach Wilhelmftratze 8 verlegt wurde, eröffnet, dagegen befindet sich die Galerie Banger nach wie vor Luisen strotz« 8.

WtesbvSener DergnügungsdShnen und Lichtspiele.

- Thaliatheater. Die bereits angekllndigt« Erfindung eines Deutsch- Amerikaner«: »Die Zauberpuppe", wird ab heute Samstag dem Publikum vargeführt. Als zweiter Hauptprogrammpunkt wird bas Abenteurer- DramaTreulase Frauen" mit Gerda Frey, Ludwig Hartau und Robert Lefsler gegebsn. Lutzerdem nach di« 18. Nobody-Episode »Di« Her« »an Quito".

* Die Kammerlichtspiel« bringen ab heute den 1. Teil des romantischen AbenteuerfilmsDer Fürst der Berge" mit Harry Piel tu der Hauptralle, ferner die 15. Nabady-Epifad«Der gelbe Drachen".

Aus dem Rereinskedev

» DerWiesbadener Lehrerverein" hält am Montag, den 20 März, abends 8 Uhr, tn derTurngesellschaft" seine Manatvaer« fainmlnng ob.

Aus Provinz und Nachbarschaft.

Das Sude des Metallartelterftveiks.

kpck. Frankfurt a. SU., 18 .Mörz. Nach stebenwöchiger Dauer Ist de, Streik der Metallarbeiter bei verschiedenen hiestgen Eratzfirman durch Bergleichsvcrhandlungcn beendet Warden. Den Arbeitern wurde »in Teil ihrer F.rderungen bewilligt.

Zweimal ein,«brache« und zweimal »erkauft.

fpd. Frankfurt «. SR.. 16. März. Ein tüchtiger Dieb Ist der 18fährig« ÄetI Schäfer. In der Nacht zum Dienstag brach er in einer Bäckerei ein, stahl hier 28 Mehlfäcke und verkaufte diele sofort an einen Händler in der Albusgaste weiter. In der nächsten Nacht erbrach stail den geller des Händlers und halte ihm die Säcke wieder ans dem geller heraus und verkaufte di« jetzt zum zweitenmal gestohlenen Säcke nach am gleichen Tage an «inen Sackhändlei in Sachfenhaufen. Diesmal erwischte man ihn.

Folgen des Eifenbahnerftrelk».

fpd. Frankfurt ». AI.. 18. März. Der Hauptvarftand de« Deutschen Elsenbahneraerbandes hat mehrere Führer der Frankfurter Eifenbahner, weil ste Ich gegen die Grundsätze der Berbandssatzungen während de, Eisenbahnerftreiks »ergangen haben, aus dem Verband ausgefchlasten. Zu diesen Gematzregrlten gebären u. a. der kommunistische Landtagsabgeardnete Johann gnadt, der Ortsbevallmächtigte des Frankfurter D. E. V. Heinrich Hertel, ferner Wilhelm Michel, Heinrich glichet, Georg R-mmelt, ber Schriftleiter desLammunift" Paul Schultz und der Elfeuhahnfekrelär Mtym au« Fulda.

Kanflrmatiansbeihilfe in Frnnkfnrt n. SR.

fpd. Frankfurt a. SR., 18. März. Der Magistrat hat di« Mittel für ein» Beihilfe zu den Einkleidungskasten für ginder minderbemittelter ade« sonst in Rat geratener Bürger, dl, ,« Ostern di« Schute »erlasfeu, zur Verfügung gestellt.

Teuer« Hunde.

fpd. Höchst *. SR., 18. März. Vom 1. April an beträgt dt» Steuer für die Haltung eines Hundes 158 SR., für zwei Hunde «85 M. und für drei nicht weniger als 855 M.

Sporr.

» EchwimmNvb Wiesbaden 1911, L. B veranstaltet am Sonntag, den

18. d. M., einen Ausflug nach Schierftein a. Ry. Gemeinsamer Abmarsch 2y, Uhr am Rondell. In Schierftein Treffpunkt im glublokal der Wasser, spartvereinigung Schierstein, GasthausZum Rheinseis". Dafelbp Bei- fammenfein mit den dortigen Cchwimmkameraden. Auf den am Vormittag ii Uhl stattfindenden Waldlauf wird hiugewiesen.

» Handball. Am Sanntagnachmiitag 3 Uhr spielt Turnverein Wies­baden gegen «ine komblnierlc Mannschaft der zwei Inrnverein« von Ried, darunter befindet sich der Mittelrheinkreismeister 1921. Das Spiel findet auf, dem Sportplatz an der Kaiferftratze statt.

Frau Aleide zu Hilfe.Wenn meine Nerven einmal angegriffen sind und darum überfein reagieren, höre ich sehr quälend die minimale Schwingungsdisionanz zwischen Klavier und Streichinstrumenten heraus."

Das Gespräch drehte sich noch eine Weile um die Besonderheiten des musikalischen Hörens und die Stel­lung des Ohrs zu den Instrumenten. Dann erhob sich Jupp Rcutz. der noch einen Eang nach der Klinik machen wollte, um zu inspizieren, ob für eine schwere Operation des nächsten Morgens alles bereit und in Ordnung sei.

Eisel stand auch auf.

Ich gehe mit Ihnen", sagte sie.Mama erwartet mich noch vor dem Nachtmahl."

Aber Sie bleiben noch, Herr Geheimrat", bat Frau Aleide.Es ist so herrliches Wetter, und ich bin in diesen Tagen so wenig hinausgekommen, daß ich gern noch einen kleinen Spaziergang machen würde. Wollen wir ein Stückchen gehen? Wenn Sie Zeit für mich haben."

Für Sie habe ich immer Zeit. Frau Aleide", sagte Nicolovius; er sprach die Worte mit einem Ernst, der keinen Gedanken an bloße Höflichkeit aufkommen ließ.

Cie gingen eine Weile nebeneinander in dem wohligen Schweigen/ das am sichersten zeigt, wie ver­traut zweier Menschen Seelen miteinander sind. Nico­lovius führte Aleide; ihr Arm lag leicht in dem seinen und ihr Schritt war sicher und federnd; er hätte wohl eine Weile vergessen können, wie wenig sie den Weg sah. den sie so leicht unter die schmalen Füße nahm. Cie gingen fast allein auf der Straße; auf den grünen Plätzen daneben aber war noch fröhliches Leben. Viele Kinder tummelten sich noch iu den Anlagen. Sie gingen weiter am Fluß unter den maigrünen Bäumen, schritten über die Brücke und die Anlagen weit hin­unter, die ihr Grün auch hier, mitten in der Stadt, breit am Isarufer hinstreckten. In einem der kleinen Gärten vor den Häusern stand noch ein Apfelbaum in

Handelsteil.

Berliner Devisenkurse.

Berlin, 17. Märx. Drahtli ad» 16. Märs 1928

AaJiih' ntfii für 17. Ulrs 1988

Holland........

Btienos-Airea . . , , , Belgien ........

Norwegan.

Dänemark..

Schweden.

Finnland.

Italien ..

London ... .

New-York.

Baris.

Schwsii.

Spanisn.

Wien (Deutach-Oaat).

Prag.

Budapest.

Polen ..

Bukarest.

Soli».

Geld

10239.75

9 .27 2242.75

7052.90

584.40

1363.60

1178.80

271.22

2426.05

5284.70

48-0.75

4.08

481.25

33.08

180 30

Briet lo8 0.25 l 7.47 2847.26

7097.10 585.60 1363.' O 1181.20 271.78 2429.9-, 5295. O 4229.25 4.12 482.25 33.14

180*70

Geld 10464.59 9 9.90

2312.65

4840.15

5809.15

7227.75 679.40

1408.55

1209.75 2 7.47

2512.45

5434.45

4345.65 3.98

479.-

33.86

18o!80

Brief 1148 .50 1001.10 2317.85 4 49.85 5820.83 7242.25 580.60

1411.45 1 12.23

276.03

2517.55

6445.45 4354.33

4.02

450.-

83.94

181.20

Industrie und Handel.

* Die Vertreter der Eisen- und Stahlindustrie, Lokomo- tiv-, Waggon-, Maschinen-, Eisenbahnbau-, Dampfkessel- und Apparatebau. Heizungs- und Schraubeninduslrie und a. m., traten auf Veranlassung des Reichsverbandes der deutschen Industrie zusammen und beschlossen u. a. einstimmig die Abgabe der Erklärung, daß Lieferungen für öffentliche Ar­beiten zu festen Preisen angesichts der genugsam bekannten Verhältnisse einfach unmöglich sind.

* Mech. Baumwollspinnerei und Weberei Bamberg in Gaustadt. Der Überschuß des LLeschäftsiahre» 1921 be­läuft sich, nachdem außerhalb der Gewinnrechnung vorweg 6 Mill. M. auf Werkerhaltungskonto zurückgestellt wurden, auf 6 122 061 M. (4 389 660 M.). Nach Abschreibungen von 791 331 M. <788 799 M.) verbleibt ein Reingewinn von 5 330 729 M. (3 600 861 M.b Hieraus soll eine Dividende von 35 Proz. (20 Proz. und 8 Proz. Bonus) auf die Stammaktien und von 4 Proz. auf die Vorzugsaktien und 2 524 328 M. (1900 000 M.) für Wohlfahrtszwccke verwendet, sowie 565 953 M. auf neue Rechnung vorgetragen werden.

* Die Essener Steinkohlenbergwerke. A.-G.. schlagen für das laufende Geschäftsjahr eine Dividende von 20 Proz. vor

wd. Beriin-Gubcner Hutfabrik. A.-G. Die Verwaltung beantragt eine Kapitalserhöhung um 9 auf 21 Mill. M., so­wie die Ausschüttung einer Dividende von 30 Proz. (wie i. V.). Die Betriebe sind mit Arbeit auf etwa 3 Monate versorgt.

* Essener Berrwerksverein König Wilhelm. Der Divi­dendenvorschlag für die Stammaktien wurde auf 25 Pros, gegen 20 Proz. L V.. für die jungen Aktien auf 30 Proz gegen 25 Proz. i. V. festgesetzt.

* Pongs Spinnerei und Weberei. A.-G. in Odenkirchen. Die Verwaltung schlägt wieder 80 Proz. Dividende und 10 Proz. Bonus (i. V. 0) vor.

Vers ich erungs wesen.

* Einstellung der Volksversicherungsgesch&fte bei der Viktoria. Die Viktoria hat beschlossen, keine neuen Volks­versicherungen mehr abzuschließen, da die Volks Versiche­rungen nicht mehr lebensfähig sind und eine Versicherung von wenigen hundert Mark den heutigen Geldverhältnissen nicht mehr Rechnung trägt.

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vie Morgen-Ausgabe umfaßt 6 Seiten.

gerantn-arlN« fit» den polltifchen Teil: H. L,lisch ; fflr den Unti taltungstni: F.flntbt«: für den («taten UNS orooinzirllen Teil, Ion »*n$fiaai UN» Handel: W. Etz: für sie An,eigen und Reklame,

H. Dvrnaus. sämtlich in Wieadaoen.

Druck u. Verlag der L. Schellen berg'jchen Haiduchdruckarei iit'OUakaM

_Vvrechstnnd« der Schriftleitun, ,2 dt» l Udr.

vollster Blüte, rührend jung anzuschauen im Schmucke

seiner kleinen offenen Röschen. Ringsum die Kerzen der Kastanien: die grünen Wiesen besät mit gelben Ringelblumen, roten Sumpfnelken, Dotterblumen. Der Duft des Faulbaumes durchzog weich und lastend die laue Luft; die Vögel lockten laut zur Hochzeit. Die Espen hatten ganz zarte grünsilberne Blättchen und die Birken kaum entfaltete zartgrüne, die sehr schön und leicht gegen den blauen Himmel standen. Die Buchen hatten noch viele Blätter wie Klümpchen ein­gewickelt. andere kamen schon zart und weichgrün heraus; noch standen aber die rosigen Kelchblätter um sie, während daneben schon Frucktsäckchen an den Zwei» gen hingen. Der Ahorn war schon verblüht und brei­tete seine Blätter breit aus, die Eschen aber hatten noch ganz junges Laub. Dazwischen steckten die Tannen bronzene Hütchen und die Kiefern lange, isabellfarbene Spieße durch das Grün. Es war wonnig^ durch das junge Werden und Treiben zu schreiten einen lieben Menschen zur Seite. Cie sprachen wenig und gaben sich dem Gefühl stillen Verstehens wohlig hin

Als ste zurückkehrten, lag das Mondsilber auf dem Waffer, und aus den Wiesen stieg weißer Nebel und vern'ifchse die llmrisie des Cteiubaues über der Isar, der an dieser Stelle sonst hart und prosaisch anmutet^ zu einer phantastisch undeutlichen Maste.

Der Abend ist doch ein großer Künstler; er löscht die Härten und die Kleinlichkeiten des Tages aus und läßt nur das Große und Eigentliche bestehen", sagte Nicolovius.

Aber gleich erschrak er! denn was er sagte, setzte voraus, daß Aleide das selbst sah wie er. Sie antwor­tete aber frisch und sicher:

Ja, und auch darin ist er Künstler, daß er eine Partie des Bildes ins Licht fetzt und die anderen im Schatten verschwinden läßt, so daß er wohl zeigt, was in Wirklichkeit da ist. aber anders als es wirklich ist bedeutender vielleicht, phantastischer gewiß."

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