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Freitag, 17. MSr, IS22.
Morgen-Ausgabe.
Nr. 129. ♦ 70. Jahrgang.
Die Not der Presse.
Ein demokratischer Staat, der nicht allen seinen Burgern das einfachste politische Unterrichtsmittel, die Zeitung, billig und bequem an die Hand zu geben vermag, gefährdet seine Existenz. Die Not der oeut- schen Presse ist weitaus größer, als die breite Masse sich vorzustellen vermag. Hunderte von Tageszeitungen und Zeitschriften sind bereits eingegangen. Es war vor dem Kriege der hohe Ruhm der deutschen Presse, daß sie im Gegensatz zu ausländischen Blättern absolut frei von Interessenteneinflüffen war. Die bittere Not hat manches Blatt genötigt, finanziell Anlehnung an Gesellschaften zu suchen, die leider dem Unabhängigkeitssinn der deutschen Presse Abtrag bereiten.-
Am bittersten trifft die deutsche Preffe das unausgesetzte Steigen der Papierpreise. Bon Weimar aus hat jetzt, wie wir gemeldet haben, der Verein deutscher Zeitungsverleger eine Kundgebung erlaffen, die endlich von denjenigen, die es angeht, gehört werden sollte. Die deutschen Zeitungsverleger stellen fest, daß bereits im Januar dieies Jahres die Papierpreise das 35fache des Friedenspreises erlangt haben. Damit aber nicht genug. Eine Erhöhung auf das 50- bis KOfache des Friedenspreises ist in Aussicht gestellt worden. Die Holzstoff-, Zellstoff- und Papierfabriken, die über eine festgefügte Organisation gebieten, sind in der Lage, die Preise zu diktieren, und im Reichswirtschaftsmimste- rium hat man dieser Preispolitik gegenüber bis jetzt eine milde Nachsicht' gezeigt. Dazu kommen nun noch die unerschwinglichen Verteuerungen für alle anderen Materialien, Löhne und Gehälter. Fast jede Zeitung hat eine empfindliche Einschränkung ihres Umfanges oder Betriebes vornehmen muffen. Es ist eine Lebensfrage für die große deutsche Preffe, aber auch für das kleinste Blatt im Lande, daß sie direkt oder indirekt über einen pulen Auslandsdienst verfügt. Die valuta- rischen Verhältnisse von heute machen es nahezu unmöglich, Auslandsvertreter in der gewünschten Zahl anzustellen. Selbst reichshauptstädtische Blätter sind heute darauf angewiesen, ihre Leser über Vorgänge in der großen Weltpolitik durch Wiedergabe der Nachrichten der gegnerischen Nachrichtenagenturen, wie Reuter. Havas usw. zu unterrichten. Politische und literarische Arbeiten erster Politiker und Schriftsteller können nicht mehr entsprechend honoriert.werden.
Die Notkundgebung der deutschen Zeitungsverleger hrt tausendmal recht, wenn sie die Regierungen, den Reichstag und die Parlamente der Länder auffordert, endlich an die Stelle der platonischen Sympathie-Erklärungen die Tat treten zu lasten. Der grenzenlosen Preistreiberei und Monopolwirtschaft auf dem Gebiete des Holzes, der Kohle und aller Vorprodukte des Papiers muß ein Ende gemacht, die Ausfuhr von Druckpapier und Zellstoff gesperrte werden. Gegenwärtig beschäftigt sich der Reichstag mit dem llmfatz- steuergesetz. Man hat die Zeitungsinserate zum Luxus erklärt und für sie eine Umsatzsteuer bis zu 10 Prozent erhoben. Dieser Ausnahmebehandlung und Sonderbesteuerung der Preffe muß auf das entschiedenste widersprochen werden. Hoffentlich wird man in den nächsten Tagen wenigstens diese Ungerechtigkeit aus der Welt schaffen. Auch beim Arbeitsnachweisgesetz wollte der Unverstand der Regierungs- und Eewerk- ‘ sbureaukraten die Preffe beschneiden, indem man
len Arbeitsnachweis zu monopolisieren trachtete. Dem lebhaften Widerspruch ist es gelungen, im Ausschuß dieses neue Attentat auf die Preffe abzuschlagen.
Regierung und Parlamente könnten noch mancherlei tun. Der Hinweis auf die Selbsthilfe müßte die Zei- tung in einem Umfange dem Leser verteuern, daß zahlreiche Staatsbürger gar nicht mehr in der Lage mären, sich eine Zeitung zu halten. Niemand will die Selbsthilfe ausschalten, aber Länder und Reich müffen sich endlich mit den Organisationen der deutschen Preffe in Verbindung halten und gemeinsam zu retten suchen, was noch zu retten ist. Das gilt namentlich auch von den Ländern, die sehr wohl in der Lage wären, für eine Preisregulierung in Holz und Zellstoff zu sorgen. Aber es ist allerhöchste Zeit, wenn nicht eine Katastrophe eintreten soll. Der gemächliche Schlendrian, der bisher dieser lebenswichtigen politischen Frage gegenüber beobachtet wurde, muß auf- hören. Es wäre sehr zu begrüßen, wenn auch die Konsumenten der geistigen Nahrung sich hier zur politischen Aktion bereit fänden. So wenig wie dem Volke die leibliche Nahrung unerschwinglich verteuert wer» den darf. el»enso wenig kann man das bißchen geistig« Nahrung, das uns noch verblieben ist, wahllos in die Höhe treiben. Bei dem bisherigen Gang der Dinge haben die Zeitungen einen großen Teil der Opfer selber gebracht. Das ist auf die Dauer ein unhaltbarer Zustand. Wenn Staat und Reich nicht schleunigst
begreifen, daß es sich hier um ihre Sache handelt, dann weiß niemand, was werden soll. Eine Regierung aber, die ihre Presse und die Presse überhaupt verderben läßt, dankt politisch ab!
Die Militärkontrolle über Deutschland.
v. Paris. 16. Mär,. (Er«. Drabtbericht.) Nachdem der Botschafterrat die Frage der Verlängerung der K o n t r c l l e über Deutschland »u Wasser. ,u Laude, und in der Luft dem interalliierten Kriegsrat in Versailles überwiesen batte, bat lick nun, auf französische Anregung bin. dieser dabin ausgesprochen. die militärische Kontrolle über Deutickland noch acht Jabre fort- » usetzen.
Die deutsche Antwort aus die neue Entwaffnungsnote.
0. Daris. 16. Mär,. (Eig. Drabtbericht.! Das Suvas- bureau eriäbrt aus Berlin über die Antwort der Reichs- regierung auf die Botschaiternote über die Kontra ll- k c m m i i k i o n. daki dir Reicksrevierung gestern abend den Ententebotsckaftern lediglich den Emvtana der Note bestätigt und ibnen gleichzeitig mitaeteilt bat. dast bezüglich der Bewaffnung und der Organisation der Schuvo. von der in der Note die Rede sei. Aufklärung an die Kontrollkommission erfolgen wird.
Die Entscheidung der Reparationskommiffiou über die deutschen Zahlungen.
D. Paris. 16. März. (Eia Drabtbericht.) Die Entscheidung der Rkvarationskommission über die deutschen Reparationen in bar und über die Sacklieferungen für da» 2aür 1922 wird morgen. Freitag, erfolgen.
Amerika und die Reparationen.
D. London. 16. März. (Eig. Drabtbericht.) Wie Rrnter aus Washington meldet, haben di« Vereinigten Staaten kürzlich
anerkannt werde. Nachdem die» der amerikanischen Regieruna zugestanden worden ist. bat sie keineswegs die Absicht, darauf »u dringen, da» ste sofort bezahlt wird.
Die Forderungen des französischen Aktiousausschuffes für volle Reparation.
W. T.-B. Paris, 15. Mär». Der nationale Aktionsauefchnb für volle Re,aration der Kriegsschäden verlangt in einer Resolution: Suspension der Beiegunasfrilten bis zu dem Tag an dem Deutschland rcgelmtzbia leine Dervflichtungen erfüllt., Steuererhebung im desrhten Geb,et durch die Besttzungsbrbor- den: Errichtung einer Kommission f ü r d ! e deutsche Revaration-schuld in Berlin mit Derwaltunasooll- mackten: Kontrolle des deutschen Wechselmarktes: Abfüb-
>ung eines Teiles der aus der Ausfuhr stammenden fremden Devisen an die Berliner Sckuldkommisston' Reorganisation der Reichsbahn. Sanierung der deutschen Finanzen: Durchführung des Wiesbadener Abkommens: wirtschaftlichen
Wiederaufbau Frankreichs durch internationale Kreditcweia- tionen vor Inanspruchnahme von Krediten für den Wiederausbau Europas. Im übrigen dringt der Ausschub auf rasche Wiederb-rstellung und Berücksichtigung aller dazu dienlichen Vorschläge._
Aus dem Reichswirtschaftvrat.
W. T.-B. Berlin. 16 März.. Der wirtschaktsvolt- tiicke Au sich» st des vorläufigen Reichswirtschaftsrates stimmte dem Erlab einer Bekanntmachung, brtrefsend Aufhebung der Ben,olhewirtschaf.tung zu Trr
Brnzoloerband oervklichict stch. für die Zwangslieserungen ar die Entente die notwendigen Mengen stcherzustellen und alle Teile Deutschlands, insbesondere Ostvreuben. ferner die Landwirtichafi. das Handwerk und die sonstigen kleinen Verbraucher in gleichem Umfange wie bisher zu versorgen. Dir Benzolstreckung durch Tetralinbeimischung. dem sogenannten .Reicksbrennsto^. wird beibebalten. Die Farbstoffindustrie wird mengenmäbig zuerst nach den Lieferungen aus dem Fliedensvertrag bedient werden.
Ferner stimmte der Auslchub einem Gesetzentwurf über die Regelung der Einfuhr zu. welcher bezweckt, die Organisation für dir Überwachung der Ein- und Ausfuhr aufzubeben und ihre Obliegenheiten auf die Zollverwaltung überzuleiten. Wie regiernnaskeitig erklärt wurde, wird die Verwertung der beschlagnahmten (tzüter auch weiterhin durch e,ne zur Reichsfiuanroerwaltung übertretende <5 m. h. £>. vorgenommen und auf alle an die Retchsfinanzverwaltuna fallenden Güter erstreckt werden. Der Geschäftsgang soll
beschh
nach kaufmännischen Gesichtspunkten geregelt und beschleunigt werden. Die gegenwärtig neben der Ein- und Aus- rubrstelle arbeitende Nberwachungsstelle der Relchsstelle für Tertilwirtschalt werde zu einer Aubenhandelsstelle umgewandelt werden. Eine Dermebrvng der Instanzen durch die Neuregelung nicht eintreten. vielmehr Verkürzung des Verfahren, ,u erwarten.
Endgültige Einigung in den Verhandlungen «ft den Eewerkfchafte«.
werde tci eine
Br. secrün, ic. 'jjicr». (ttuj. ütamDertmt.) Die Verhandlungen der Bcamtensvibeno'.«anilationen über die Höbe des Gehaltes der Arbeiter unb Angestellten haben gestern abend im Finanzministerium zu einer endgültigen Einigung aeiübrl.
Beratung de» Arteitsnachweisgesetze».
Br. Berlin. 16. März. (Eig. Drabtbericht.) D ische Ausschub des Reichstags stellte bei der
s Älbeitsnachwe'sgesehes
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n”8 467 bei von der..Über
leitung der gewerblichen Arbeitsvermittlung in di» öffentliche bandelt, bi» zur letzten Lelun» zurück
Die Konferenz von Genua.
Das englische Programm.
W. T.-B. London. 16. Mär,. (Drabtbericht.) Der diplomatische Berichterstatter des ..Daily Telegraph schreibt. Trotz der seltsamen Vrovaganda gewisser Kreise gegen die
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rungen bestrebt und entschlossen, die Genueser Konferenz ab- rubalten. Was die technische Seite der Konferenz betreffe so hätten die verschiedenen Sachverstandigen-Dele- gationen bezw. Gruppen von Sachverstandiaen-Deleaatronen ihre verbrreitenden Memoranden. fertiMestellt. von denen ernige in London in der nächst« Woche stattf,ndenden Caw- verständigenkonferen» geprüft werden sollen. In Penoui
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Staaten m alliierte, neutrale und vormals lerndlrcke Staaten erfolgen soll, sind die Vorschläge der brrtischen Sachverständigen nicht auf di« Oraanrsatron der alln«rt«n Macht« beschränkt worden. Der Berrchterstatter erklärt ferner: Vor einigen Tagen waren auch verschieden« deutsche Sachverständig« aus Derlin in London. Ein« allgemeine Übersicht der britisch-.ni Auffaffung über den europäischen Wiederaufbau befindet stch rn den Händen zahlreicher wenn nickt aller einaeladenen ReVr- runoen. Danach wurden behandelt: Vrobleme. di« di« Beseitigung aller künstlichen Eingriffe m die ffiabrun« bet Länder verfolgen, die Vereinfachung des brstebenden Verfahrens bezüglich der Ein- und Ausfuhr, dl« Regelung de» Pshgeletzes. die Fragen, betreffend Urheberrecht und inter- naiionales Eigenium. Unter den vom bmtlich^l Schatzamt ausgearbeiteten Plänen befinden sich auch solche über die Wiederber st ellung des Goldstandes in den eiiroväiicben Wätrunaen. obnleich die GolÄvarität nickt not- wendigerweise m allen Ländern erreicht zu werden braucht. Länder mit hochstrbenden Valuten, wie England. Skandinavien Holland, die Schwei, und Svanren. konnten den vollen Goldstand annebmen. wäbrend ,m Falle Frailkrtich.s. Belgiens und Italiens «in« Devalvation ratlam lein könnte dadurch, daf, der Franken beispielsweise zu 40 fui das Pfund und der Lire zu 70 für das Pfund festgesetzt werden würde. Dieser Prezetz könnte ausgedebnt werden, und dodliick könnten auch die tieferli«gr".den Valuten in stabi- l'fieren T«in Wie der Berichterstatter weiter schreibt, wird in britischen Kreisen grober Nachdruck darauf gelegt, dab die Wie d e r h Erstellung de» Vertrauen» in den Handel und die finanzielle Stabilität im «rosten Maste abbangen von der vraktischen Regelung der Revaratlons- als auch der Kriegskchuldenfrage.
Zu dem Plan Sir Bastl Blackeit betreffend die Der- autckuna der interalliierten Kriegsschulden m,t den deutschen Revarationszablungen schreibt der diplomatische Berichterstatter de» ..Da,ly Telegraph", die Ansicht des bri- lifchen Schatzamtes gebe dabin. dast der Gesamtbetrag der deutschen Revaratinnssrage in Betracht geroaen werden müsse. Das könne jedock nur geschehen, durch eine Vft« r «»ch n u n g mit dem Gesamtbetrag der alliierten Schulden an A m e r i k a. Grostbritannien und. Frankreich. D'e Schulden Erostbritanniens an Amerika wurden davon jedoch nickt bcrübrt werden, dast Grostbritannien sowohl bereit als auch ,n der Lage ist. »u bezahlen. Der Gesamtbetrag dieser alliierten Schulden wird auf 65 Milliarden Goldmark veranschlagt. ein Betrag der dieser Gesamtsumine entspricht bezw der Teil, der g-stricken würde, würde dann auch non den deutschen Revarationsraklungen abgezogen werden. Dis in Evaa ausgestellten Prozentsätze müstten in Übereinstimmung mit diesem Plan der Streichung der gegenseitigen Verpflichtungen neu erwogen werden. Grostbritannien würde stch in bezug auf die Reparationen cufriedrn geben mit einem Betrag in Höbe der englischen S-buld an die Vereinigten Staaten. Die>er Plan der Streichung der gegenseitigen Schulden würde natürlich nmk möglich lein unter Amerika» Mitwirkung.
Völkerbund und Konferenz von Genua.
W. T.-B. Genf. 16. März. Wie man hört, wird im Dölkerbundskekretariat die Frage erwogen, ob die Tagung b« Dölkerbundsrates, dir am 2 5. Avril in 0.enf erfolgen «all. nickt mit Rückstckt auf dir Konferenz non Genua, die am 10 Avril beginnt, verschoben oder früber einberufen werden soll' und zwar dürften hierbei nickt nur vie Interessen der Preffe und der ösfentlicken Meinung, deren Äüfmerklamkeit hinreichend durch die Konferenz non Genua beansprucht werde, mastgebend sein, sondern auch die Möglichkeit, dast die Völkerbundsorganisationen in irgend einer Form, zu der Konferenz von Genua berangezoaen würden sowie ebenfalls der Wunsch, die Arbeiten der Konteren» mit Must« verfolgen zu können. So riiürden im Dülkerbundssekretariat und im internationrlen Arbeitsamt aewiste Fragen bereits einer ringedendrn Drü- funa untrrzagen. die wwohl die Konferenz von Genua als auw die Vollerbundrorganilatlonen interelsterten.
Der wirtschaftliche Wiederaufbau Europa».
Drabtbericht.) Die bekannt» anchelter Guardian".
v. London. 16. Mär». (6
lberale engHUfie Zeitung ..Manchester Guardian", die von leher für Völkervcrständiaung und Dölk-rverlöhnung einae» tritcn ist. w'rd unter der Leitung von K e y n e s 12 Sondernummer' über den wirtschastliwen Wiederauibau Europa» beiausgebcn. Reben Asauitb. Riiti. Patnleve und Lenin naher als deutsche politisch« Mitarbeiter Wirtb unb Rat benau. old deutsche wirtichailtiche Mitarbeiter StaatsstkictSr Schröder Dr. Melchior. Geneiak- dt'ektor Euno. Dr. v. Elalener und Franz Urbla genaint.
Ein Zufatzantrag zum 4-MSchte-ALkommrn abgelehnt.
0. Washrnzton. 16. März. (Eig. Drabtbericht.) Der amerikanische Senat lehnt« «inen Zusatzantrag »u dem Piermächreabkemmein der die Teilnahme der anderen Staaten an der Diskussion über internationale Konflikte im Stillen Ozean vorlab. mit bü aeaea 27 Stimmen ab.
