Einzelbild herunterladen
 

Verlag E«n*9«fl* A ^r»,»>-»>»-»»'.

ettffnrt oon 8 Udr morgen« «, « Uhr abend». P-Mchecki»««»: Sr«nls»v ». M. Nr. r»W.

Wöchentlich

di. Trigrr in» tzau. a'brachl Mt 11- monatli*.“,J?2£ B _ 3n ffün.n dSher.r »ewalt.

> ^Ädä-n.n7-n'°Dd«°8^.U.' L"d"" «Äi>« °'-in.n Anlvruch -viL,.,.rungd»B ^2 oder Erstoirung de» enilprechenden Tntgell». 11 aimn 1 aiiunomniTii■ ui. -

12 Ausgaben.

Fernruf:

p- 71 t. «SS»-SS.

Bon 8 Mn morgen» vi. 8 Uhr abend,. ®* nn, * 4Sk

Pvstsch-Mont«: Frsnksnrl a. M. 3h. 7405. _

rmrfaenottlle- SriNche Anzeigen MI. r— Mnonz- und LustbarkeU.-Ame'gen Mk.^8. ^>^u»««rUsr

averno—

Berliner Abteilung wi«,da»«,.r La ghlatts: Berlin SW. 61 , Blücherstratze 12 , S-rnspr.cher : Am, M-riZPiatz l-R>G

Donnerstag» 16. März 1922.

Morgen-Ausgabe.

Nr. 127. .'70. Jahrgang.

Die Lage in Indien.

. Zwei Ereignisse beleuchten scharf die Lage m In­dien: das Telegramm des Vizekönigs und die Ver-

Haftung Gandhis. Eins ist ohne das andere nicht denkbar Die Verhaftung des Führers der indischen Nationalisten wurde seit langem in England gefordert Der Vizekönig zögerte. Er sagte sich, datz gerade die Verhaftung im Frühjahr 1919 Gandhi .erst ^ der Stellung verholfen hat, die er heute einmmmt. Und Lord Reading mutzte, datz er den Schlag diesmal nur führen könne, wenn er den Unzufriedenen etwas dafür bot So erklärt sich das Telegramm, deffen in­diskrete Veröffentlichung den Rücktritt .des Staats­sekretärs für Indien, Montagu. herbeigefuhrt hat. Montagu ist über eine Formalität, allerdings eins für England sehr peinliche, gefallen. Die Tatsache, datz Lord Reading eine radikale Änderung der englischen Orientpolitik für nötig hält, bleibt trotzdem bestehen. And darum ist diese Depesche und ihre Veröffentlichung der englischen Regierung so unangenehm. Die Position der englischen Delegierten, die jetzt in Paris über den Vertrag von Stores zu verhandeln haben, ist von vornherein geschwächt durch eine Kundgebung, aus der die mangelnde Einheitlichkeit innerhalb der englischen Regierung klar hervorgeht.

Die türkenfeindliche Politik Englands ist der tiefste Grund der in Indien herrschenden Unruhe. Wen Nord Reading davon überzeugt ist, datz nur ein Bruch mit der unseligen Vergangenheit in Indien wieder ge­ordnete Zustände schaffen kann, verlangt er letzt eine entschlossene Neuorientierung. Ob sie möglich ist, ist eine andere Frage. Irgendwie wird ja England seine Orientpolitik revidieren, darüber besteht seit langer 3t'U kein Zweifel mehr. Aber daß die Zugeständnisse gegenüber der Türkei soweit gehen werden, datz ste die mohammedanische Welt zufriedenstellen, ist kaum an­zunehmen. England schleppt heute an den Ver­sprechungen und Bindungen herum, die es wahrend des Krieges und nachher eingegangen ist. Die Räumung Konstantinopels könnte England allenfalls (gegen Garantien bezüglich der Meerengen, wie Lord Reading vorschlägt) zugestehen. Aber- die RuSgabe Smyrnas und Thraziens mit Adrianopel wurde auf unüberwindliche Schwierigkeiten stützen Gegen me Preisgabe Smyrnas würde Griechenland, gegen die Rückgabe Thraziens zur Türkei der ganze Balkan, wenn man von Bulgarien absieht, revoltieren. Völlig ausgeschlossen ist aber die Wiederherstellung der Sou­veränität des Sultans über die Heiligen Statten, denn das würde die in Vorderasien eingeleitete Politik aufs schwerste gefährden. England hat hier alles aus die arabische Karte gesetzt. Es hat din arabisches ' Königreich in Mesopotamien errichtet, es plant für das Ostjordanland das gleiche, im Hedschas residiert unter Englands Protektorat König Huffein, nt Palästina sucht England noch einen Ausgleich zwischen den An­sprüchen der Araber, Christen und Zionisten. Die Araber sollen mit der Zeit die englische Schutztruppe werden, die den Weg nach Indien sichert. Wenn Eng- kand jetzt die den Arabern gemachten Zusicherungen rückgängig machen würde, so würde sich die Enttäuschung des" gesamten Arabertums gegen England kehren. — ohne datz Enaland die Gewissheit hätte, datz dieser Schritt seiner'Position in Indien nützt.

Es ist gewitz richtig, datz die ausgedehnte england­feindliche Propaganda von dem Vertrag von Sbvres ihren Ausgang genommen hat. Die Zerstückelung der Türkei rief die Kalifat-Propaganda ins Leben, die alle Mohammedaner in dem Gedanken der Wieder­errichtung des Reichs des Kalifen eint. Erst auf dem Boden dieser Propaganda erwuchs die von Gandhi ge­leitete Non-Eooperation-Bewegung. die sich unter den Hindus ausbreitete und durch Nichtbtteiligung an den non der Regierung geschaffenen Einrichtungen killmaH- lich die Selbständigkeit Indiens zu erringen hofft. Es ist nun aber durchaus nicht so. datz die beiden Beivegun- aen etwa getrennt nebeneinander hergingen. Sie er­gänzen und durchdringen sich und fließen in einen ein­zigen arotzen Strom der Auflehnung zusammen. Die Mohammedaner machen die Ron-Cooperation natür­lich ebenfalls mit. da sie als das wirk amste Mittel zur Unterhöbluna der britischen Herrschaft erscheint Man geht wobl nicht fehl, wenn man annimmt datz die indische Regierung Mohammedaner und Hindus zu spalten hofft, wenn sie jetzt vor aller Welt erklärt, datz der d-n Moslems verhaßte Frieden von Sdvres gbge- Sichert werden müsie. Aber es ist sehr unwahrschein- lich datz diese Regelung sich als richtig erweisen wird * Was vor allem dagegen spricht, ist die Tatsache, datz ^ angesichts der herrschenden politischen Konstellation schwerlich gelingen wird, den Vertrag von Sdvres so abzuändern datz er für die mohammedanische Welt er­träglich wird. Man darf aber auch nicht vergessen.

datz der Vertrag von Sdvres nur eme Quelle der U - zufriedenheit ist. Staatssekretär Montagu leibst hat vor vier Wochen im Oberhaus noch andere wrunoe genannt, die ebenfalls sehr schwer wiegen. Da ist zu­nächst die starke Rückwirkung der Reden Wilsons und der Erklärungen der Ententemächte, vor allem Eng­lands. über das Celbstbestimmungsrecht der Volker zu beobachten, und die Inder haben Gelegenheit, aus das Polen, auf die Nachfolgestaaten, vor allem auf das irische Beispiel hinzuweisen. Das Ergebnis des Krieges hat die nationalen Ansprüche aller Völker gesteigert, und die indische Forderung auf Selbstregierung if. alter als der Krieg. Die Inder können auch auf ihre Leistun­gen im Krieg Hinweisen, und sie empfinden es bitter, datz sie. in den englischen Kolonien, namentlich Ost­afrika. noch nicht einmal Gleichberechtigung be.chen Indien hat zwar heute eine Verfasiung. die dem Volk einen aewiffen Anteil an den Aufgaben der Gesetz­gebung gewährt. Aber die gesetzgebende Versammlung hat nur sehr beschränkte Kompetenzen. Die sogenannte Montagu-Cbelmsford-Verfaffung ist ein Werk Mon- tagus, der sicki das Ziel gesteckt hat. die Selbstregierung Indiens durch allmählich fortschreitende Reformen zu ^wirklichen. Durch die Boykott-Bewegung Gandhis ist diese Absicht sehr stark beeinträchtigt, da diS iRon- Gooperation natürlich die Nichtbeteiligung an dem von England geschaffenen Parlament proklamiert.

Sehr stark ins Gewicht fallen aber auch die wirt­schaftlichen Gründe der Unruhen. Man darf sich Indien heute nicht mehr als das Wunderland des Orients vorstellen, desien Bewohner ihre Tage in blumenhafter Sanftmut-und Sorglosigkeit verbringen. Die industrielle Entwicklung schreitet immer weiter fort Wenn üe auch hinter der europäischen natürlich stark zurückbleibt. so ergeben sich doch fetzt schon schwie­rige soziale Probleme. Arbeitskonflikte sind etwas Alltägliches geworden. Durch den Krietz ist auch in Indien eine schwere wirtschaftliche Erschütterung ein- getreten. Am nachhaltigsten davon betroffen ist, der Bauer der, wie es der herrschenden Wirtschaftsform entspricht, als Pächter das Land bewirtschaftet. Die Abgaben und Steuern sind ungeheuer gestiegen. Auch wenn die Kalifat-Forderungen der Mohammedaner befriedigt werden könnten, wäre .immer noch das Äkoslenis und Hindus gemeinsame Problem der wirt- ichaftlichen Besierstellunz der „Ryots". der Pächter, zu lösen. Es ist nicht einzusehen, wie dies von heute auf -.noraen möglich fein soll. Denn die Regierung braucht eben Steuern zur Erfüllung ihrer Aufgaben. Darum ist es nur natürlich, datz der „bürgerliche Ungehorsam . in den Gandhi zuletzt die einfache Nichtbeteiligung überleiten wollte, gerade in der Weigerung Steuern zu bezahlen, bestehen soll. Gandhi hatte bestimmte Provinzen ausgewählt. die geschloffen den Gehorsam verweigern sollten. Aus seine eigen« . Veranlassung beschlotz der allindische Nattonalkongretz m AhmedabÄ» zunächst davon abzusehen. da die blutigen ErergNiffe ! in Gorakbpur und anderswo zeigten, datz das indische 1 Volk noch nicht imstande sei. Ron-Tooperatron gemalt, lo- durchzuführen. Infolge der Verschiebung dieser Matznahme sah die indische Regierung von der Aus­führung des gegen Gandhi erlaffenen Haftbefehls ab. Nachdem aber jüngst eine in Delhi angenommene Re­solution sich für „individuellen" bürgerlichen Unge­horsam ausgesprochen hatte, hat der Vizekömg Earchhl jetzt doch verhaften laffen — allerdings erst, nachdem er sich durch sein Telegramm an Montagu gesichert

glaubte. - *

Es läht sich Heute schwer sagen, ob die Lage m Indien sich zum Befferen oder zum Schlimmeren wen­den wird. Das eine nur ist sicher. u"d das wird-die mit dem Telegramm des Vizekönigs beabsichtigte Wir­kung abschwächen, wenn nicht gar überhaupt unmöglich machen: die Entlastung Montagus wird von den

Mohammedanern Indiens als eine Absage empfunden, und die Verhaftung Gandhis wird als Einleitung zu einer Politik der starken Faust, wie sie von vielen Engländern schon lange gewünscht wird, ausgelegt wer­den Die Vorzeichen für eine Entspannung sind also nicht besonder» günstig!

Der südafrikanische Aufstand nieder geworfen.

rbrlb di«

v. London. IS. Mär». (Eis. DrabtberiG,) Im« Stunden haben. nack Meldungen aus Eudafrlka,

StB

toxiu'iiV V den bänden der Reaierungsttiwven Kords- buradEen ist nock ^ recke^n^esetzt.^^i

Bombardement de-

aonnen werden.

Em NSULS Rkparalloirsabkomirien.

Sr. Berlin, 15. März Eis. Drahtberickt) In den letzten

Tagen haben im W l e d e r a u f b a u m r n l st «r l u m

zumckcn deu ticken und iraiirbstiÄen Vertretern De

iptediunmn stattsefunden. dl« den Z weck venoigen Grundlagen zu vruien. ob und unter wem«.: Zorans sctzunsen die Grunbätze des logenannten.Vesnelma Abkommens (Sackte istunsen auf Grund steter Verein bnrnnai mit denen des Wiesbadener Abkommens. NM ver cknieen und auf den Zweck des Wftderagibaues. ,n Nord- srankreick stck auwenden lasten. Uder eme ablckletzrn« Stellungnahme beider Regierungen liest nock rnckts Die französischen Vertreter reüen beute von Berlin nuctz

Vari^ ab März (Eia. Drahtberickt.) Nack einer

T'i-ster Meldung der Ä. Z. teilt Rcrsto della Carmini mir daß vor.einigen Tagen >n Berlin »wl^cken der d e ,

ifof, r.'tiWHt i?« >---qMKAÜ»«

Grund dieses Abkommens werde das U? / ä

H *: u SJ'?u,l , 86e U o , S

Revarstionskonto gutickrerben. _

.Über die näheren Ginzekbeiten ^es tlbereinkommens meldet das Blatt weiter aus Rom. das Abkommen erstrecke ine, nii? -inen Zeitraum bis zum 30. Avrii uno .ioa

ts%& WR? «fWgSVV G.'DLZ

li 5 kll

boten oder kontingentiert ist ebenio d« Waren fremder

riibren ferner Gold- Platin- und SilLcrgesenstande. Die zwücken den deuticken Verkäufern und dem Käufer rn.den alliierten Ländern abgefcklostenicn Geickafte musien einen Mindest wert von 1500 Koldmark haben, sadrend die böckstgrenze nickt angeacben ist.

Zur Verteilung der ersten Gold Milliarde, v. Paris. 15. März. (Eil,. Drahtberickt.) Nack ein« Meldung der ..Chicago Tribüne" ioll die franzostfcke. Regie­rung bereit sein., das Barster Abkommen vom 11. Mar, über die Vertrilunk der ersten deutschen Gold- Milliarde zu revidieren, folls die Dereinmten Staaten darauf bilteben sollten. Die amerikanncke Regierung bat gestern erklären lasten, sie bleibe dabei daß Amerika an den Revarationen beteiligt sein musie.

Me Entscheidung über das Moratorium.

W. T. B. London. 15. Mär,. (Drahtberickt.) Der Bericht-

ÄÄSlflÄÄ? N-S

rolionskommistion zu der Art des Moratoriums, das Dcustckland für feine RevaratianszaÄungen für dieses Jabr erhalten ioll und bezüglick der von Deut ckland ru le.sten-

am 5. Mai 1931 gesatzten Beschlusten festgesetzt wurden, d b. lcickicre Losten annebmcn wird. Es herrsche aber kem Zweifel darüber, datz die Revarat'onskommlstion. darauf bestellen wird, dab die Alliierten durck die Komnnstron eine wirksame Kontrolle über die deuticken Finan­zen erhalt:n In Pariser amtlicken Kreisest wird es mehr

und N'cvr für wahrickeinlick gehalten, datz dre Pciricklag«. die bereits io oft aemackt wurden, mrt Bezug aus dre M-b,«. nerring der deustcken Sckuld. die durck »ewrst« Silfsauellen des Deutschen Re ckes, wie Bergwerke Eisenbahn. Zolle u^era^st-ellt wird, trüder over lvater klve vollendete Tatsacke würde. Was iedock °uck geickiebt die Revarations- kommillion wird zweifellos feststellen, dab. so wen die füt das laufende Jahr ,n Betracht kommen, die Gewährung irgend einer Art r.rn Moratorium 'nnvki'.mmen oddävMN fcf von den (5 c t et n 11 1 xi . Deutschland gäbe, und den Finansreformen. die es durckfübre.

Ein Buch über die Besetzung der Slheinlande.

m-rlin 15 Mär» (Eia. Drahtberickt.) Di« ..Zeit" «sn von dem Mvettitätsvrosesior Dr. M oIden- n e r acsckriebenes Buck über die Besetzung des Rbern, D« Broicküre legt m auv er ordentlich anschaulicher Weise' dar wie ^es gekommen ist. datz di« Besatzung v r e 1 reu«rer wurde, als man ursottinslick annabm. Nack den glichen Derbandlungen bette man aeglaubt die würde unnesäbr der deutschen Friedens- Nstrke aleickkommen "Die Stärk, der Besatzung betrage aber nmfäkrdasDovoclte. Ein« richtige Vorstellung her finan- ?,1?I«N Lasten bekomme man erst, wenn man berücksichtig«^ cramilienmitalteder unterzubriaaen D?« Rhetiilandkommistton sbllte ans 4 Mitgliedern br- rtek^n Es wären ab» neben der Rheinländkammistwu »4 «ieisdelegierte und 10 Bezirksdeleaterte vorhanden. Es ?5.°n„!berSand datz die Kosten alle Mittel aus,ehrten. d?e^Dcutschland überbauvt für di« Revarationskommistlon aufb ringe.

Die amerikanischen Besatzungskosten.

I) Paris, 15. März. (Eig. Drahtbericht.) Di- Ebicaao Tribüne" sagt, man nehme an. datz vom 1 Mal 1922 an die amerikanischen Besatzungskosten sich auf 6 5 0 0 0 D o l l a r täglich belaufen wurden Dä die amerikanischen Truppen im Jahre 19--. c 2500 Mann vermindert werden sollen» wurden diese »e- satzunaskosten für das am 1. Mar 1922 beginnende I Jahr nicht üüt ,4 SJIHI-Unt.n DülZgr Hsncu-s- i gehen. , .. . ..