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Nerlag Langgasf« 21 ^»»blatth»»»-.

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Abend-Ausgabe.

Nr. 114. » 70. Jahrgang.

WeliliMlii« des BepntflflottsfBtfes.

Der Kurs der Reparationspolitik, den die deutsche Regierung gezwungenermaßen seit dem Londoner Ulti­matum eingeschlagen hat, ist noch immer, sei es aus Unverstand, sei es aus Übelwollen, so vielen Angriffen ausgesetzt, daß es von Zeit zu Zeit notwendig rst, die Grundlagen dieses Kurses vor der Öffentlichkett neu darzulegen, die Gründe, die ihn erzwingen, zu wieder­holen, gewissermaßen einen Repetitionskurs über den Reparationskurs abzuhalten. Nun machen es stch die Gegner jener Erfüllungspolitik, die mancherorts nur in Gänsefüßchen wiedergegeben zu werden pslegt, zwar insofern außerordentlich leicht, als sie nur erklären, was ihnen nicht paßt, kein Wort aber der Frage widmen, wie sie dieReparationsangelegenheit unter den gegenwärtigen Verhältnissen denn ihrerseits behandelt wissen möchten. Es ist trotz aller Aufforderungen bis zum heutigen Tage nicht gelungen, irgendeinen der Kritiker dazu zu bewegen, über die Negation hrnaus auch den Weg anzugeben, den er positiv für beschreit- bar hält. Angesichts solchen Mangels an wirklicher Substanz wäre es in jeder anderen Zeit und jedem anderen Thema gegenüber gar nicht notwendig, stch so häufig mit einer Opposition zu befassen, die so ganz -lur auf Stimmung und so wenig auf Erkenntms der Realitäten beruht. Aber die Zeiten, in denen wir leben, sind so explosiv, daß sie mehr als sonst dre Ge­fahr schaffen, daß auch durch an sich unfruchtbare Kritik die Gemüter der Öffentlichkeit in bedrohliche Verbitterung gejagt werden. Und die Frage der Re­parationen ist für unsere ganze Gegenwart und Zu- ? ;mft von so ausschlaggebender Bedeutung, ist durch die Leiden die sie uns bereits auferlegt hat und noch auf- rlegen wird, so sehr zum Zentralpunkt unserer ganzen tätlichen und privaten Existenz geworden, daß die altung unserer Staatsleitung ihr gegenüber auch aherausgefordert immer wieder vor der Öffentlichkeit eklärt werden muß.

der Dienstagsitzung des Hauptausschusses des -ichstags hat sich der Außenminister Dr. Ra t h e n a u afs neue dieser Aufgabe unterzogen. Es war nichts naentlich Neues, was er im Namen des ganzen Kabi- retts vorbrachte, aber es war doch eine Zurückweisung einzelner Mißverständnisse oder Entstellungen und ein Überblick über die Lage, so wie sie sich praktisch im Augenblick darstellt. Rathenau bezeichnet« die Ein­dellung der Reichsregierung d?m Reparationsproblem gegenüber als dritte von drei Möglichkeiten. Die erste Möglichkeit ist die von der absolut negativen Kritik inscheinend gewünschte: die Politik absolut passiver

Resistenz, die nach Ansicht der Reichsregierung und wohl nach Ansicht jedes ruhig Denkenden, solange ihm nicht schlagende Gegenargumente gezeigt worden sind, -ine Katastophenpolitik genannt zu werden verdient. Die zweite Möglichkeit ist die, prinzipiell zwar Bereit­willigkeit zu Reparationsleistungen zu versichern, gleich­zeitig aber fortgesetzt und in voller Öffentlichkeit zu erklären, die jetzigen Forderungen überstiegen das Maß unserer Leistungsfähigkeit so weit, daß es über­haupt keinen Zweck habe, sie in irgendwelchem bedeu­tenderen Ausmaß in Erwägung zu ziehen.. Diese Politik hält das gegenwärtige Kabinett für eine Politik mangelnder Pfvchologie und Erkenntnis der Weltlage. Die dritte Möglichkeit ist, die Unmöglichkeit durch sich selbst wirken zu lasten, und gerade durch den Versuch sorderungsgemäßer Erfüllungen zu zeigen, daß einer­seits Deutschland den Anforderungen nicht gewachsen ist und daß andererseits — und hierin liegt die wich­tigste Seite des Problems! — die reparationsberech­tigten Staaten gar nicht imstande sind, solche Leistun­gen ohne schwerste Schädigung ihrer eigenen Wirtschaft infolge Störung der gesamten weltwirtschaftlichen Zu­sammenhänge entgegenzunehmen. Die Arbeit, die Deutschland leisten muß. hat den Markt der ganzen Erde erschüttert und zerrüttet. Man braucht nur an die ungeheure Arbeitslosigkeit in England und Ame­rika aber auch in neutralen Ländern, an me Absatz­stockungen einerseits und die Überflutung der auslän­dischen Märkte durch deutsche Waren andererseits, dem­gegenüber an die Arbeitssülle in Deutschland, das wie ein grünendes Eiland in dem wüsten Meer der inter­nationalen Arbeitslosigkeit liegt, zu denken, um an diesen wenigen schlagwortartigen Beispielen mit schnei­dender Klarheit die Wirkungen des Reparations- problems auf die übrigen Völker auszuzeigen.

Der Weg der deutschen Politik ist langwierig und führt nur in kleinen Etappen vorwärts. Aber daß er porwärts führt, hat sich bereits in den bisher beschloste.

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nen Verminderungen der Lasten gezeigt, die gewiß nicht den schönen Augen der Doktoren Wirth »der Rathenau, sondern den wirtschaftlichen Bedürfnissen der Siegerstaaten selbst entsprungen sind, me aver trotzdem nicht eingerretetl wären, wenn durch den Ein­druck eines renitenten Deutschland die Aufmerksamkeit noch immer von den wirtschaftlichen Dingen vorzugs­weise aus politische, Macht- und Prestigefragen abge­lenkt worden wäre .. , .. m

Der weitere Fortgang der Entwickelung stellt sich nach Rathenaus Meinung — es ist sehr wichtig, das zu hören, weil man das jetzige Kabinett oftmals eines übertriebenen Optimismus bezichtigt — als eine Serie von Konferenzen dar, die das laufende und das nächste Jahr in Anspruch nehmen werden und von denen Genua nur ein erster Anfang sein wird. In Genua selbst wird nock Ansicht Rathenans das eigentliche Repara­tionsproblem, also die Höhe unserer Belastung, pro­grammgemäß gar nicht zur Sprache kommen AVer man wird !ich dort über die allgemeinen Ursachen der WeltwirtschastÄrankheit unterhalten und insoweit diese in hervorragendem Maße eben von den Repara­tionen herstammt, wird immerhin mindestens me Aus­wirkung dieser Lasten Erörterung finden Spezielle Beschlüste sind in Genua nach Ansicht der Reichsregle- runa nicht zu erwarten, wohl aber wird dort mn Bei­trag dazu geliefert werden, in den Völkern Klarheit über die eigentlichen Erreger ihrer Leiden zu schaffen und einen Zustand zu fördern, in dem schließlich doch einmal der endgültige Heilungsprozeß m Angriff ge­nommen werden muß!

macht, den Vertretern der früher uns gegnerischen Nationen dre gesamte deutsche Situation klarziilegen. ferner m » in Cannes dazu gekommen, dab eine Konferenz aller Ratio nen für Genua in Aussicht genommen wurde. Der in der deutschen Öffentlieft!eit. den Cannes gezeitigt habe, sei ni*t obne Widerspruch gewesen. Einerseits erklärte un Teil. " ' . r -

oes AU gern -LI. Jiuninuu. • or..t£,rc„„n,

dem Revarationsvroblem seien dre, Auffassungen in Deutschland erkennbar: die eine Auffassung mnae dainn. es müsse Festigkeit und Widerstand geleistet werden und es müßten die R.-varatwnsleistungen abaelednt werden, u-eil sie von Deutscbland nicht getragen werden konnten. " W" ---"

mevaraiion-vroorem rein wiw.

gleicher Seite die Boulogner Beschluss« dahin ausaeleat. daß dadurch die letzten Hoffnungen lur Deutsck- land auf eine Besserung des Revaratlonsvroblems ent­schwunden seien. Entweder sei nun aber in Cannes etwas erreicht worden, namlrch das Zustandekommen der , Konferenz von Genu«.

oder die Konferenz von Genua sei ohne BeMutung. ^Dann könnten aber die Boulogner Beschlüsse nichts verdorben haben. Der Minister erklärte, er habe nie erwartet, es könne einem aus 40 nickt durchweg am. Frledensvertraa be­teiligten Nationen bestehenden Gremium. wi« es Me Genueser Konferenz darstelle, das Revarationsvrcblem und der Versailler Vertrag zur Beichlubfassung unterbreitet wtt- den. Dafür sei Genua niemals der. Ort gewesen. .Wohl aber werde die Möglichkeit gegeben sein, in Genua me all­gemeinen Ursachen der Welterkrankung zu erörtern und ge­meinsam nach solchen Wegen »u suchen, die zu einer Gesundung des ganzen Kontinents führen. Vraktiick werde Genua vermutlich das ertte (Sttei) einer Serie van Konferenzen sein, die vorausnckt- lick dieses Jahr und dos nächste ^abr m Anspruch nehmen werden. Die Völker seien heute noch zu weit entfernt von der Klarheit über die Erkrankungsursachen der ganzen Welt­wirtschaft. als dab man annehmen könne, es konnte sofort ein endgültiger Heilungsvrozeb vorgenommen werden. .

Unter den heutigen Verhältnissen gibt es leider kemen anderen Weg als den der Konferenzen. Was

die Entwicklung des Reparationsproblems selbst betrifft, so werde das .hierfür, zuständige Gremium rstchtlick

lung die endgültige eintreten. äunäckft müsse sich aver der große Kreis der wechselseitigen Verschuldung m Europa lockern. Denn das Revarationsvroblem sei nur ein Teu- vroblem innerhalb des allgemeinen Weltveffchuldungs- kreiles. Wenn es gelänge .dieses Problem einer ertrag- licken Lölling zuzufübren. so sei damit auch d,e Losung der deutschen Reparationen erfolgt. Aber dies könne kaum anders als unter

Hinzu tritt von Amerika

gelingen In diesem Falle werde vielleicht mit Hilfe aller euroväiscken und aubereurovaischen Kavitalstaaten e in e grobe Anleihe von Deutschland ausgenommen werden.

— " Der Kredltge-

Eine solche Politik könne man als

. Kataftrophenvolitik

bezeichnen. Ern« zweite Auffassung ginge l^bm. dab man sich zwar bis zu einem bestimmten Mabe dem Revarations- vrvblem nähern dürfe, dab man. aber mit aller Dkfenbeit er­klären sollt«, die Leistungen seien vollkommen, unerfüllbar, und es habe Lberbauvt keinen Zweck, sie in irgendwelchem bedeutenden Ausmab« in Erwaaung. zu zreben Drei« Politik wurde hesei^n-et üls dre Dolitrk mungelnder Psycho- logie und Erkenntnis der Weltlage. ..Di« dritte Äunassung hielt eine Verrflicktring zur Reparation für das Reich ge- sckaffen druck di« Unterschriften seiner massgebenden Stellen D-ei- Aufsassnng vertritt auch die ReichsrePerung. Sr

l. IX.

Möglichkeit oder Unmöglichkeit der Erfüll«««

für das Revarationsvroblem überhaupt nicht von ausschlag­gebender Bedeutung ist. Vielmehr bat stch ergeben dab eine weitere Frag« bedeutend scharfer hernortritt. namlick dl«, wie weit eine Reparationsleistung Deutschlands für dre übrigen Völker erträglich fei. Denndre auf den Weltmarkt gebrachte Zwangsarbeit eines Landes filbrte..da»u. den ae- , amten Markt der anderen ßanber zu zerrütten. Vsocko- logisch lmt stck das Vorgehen der Regierung als richtig

erwiesen. Sprache der Tatsachen

sei sa stark gewesen, dab beut« in allen Ländern das Reva- ration-vroblem von neuem studiert werden müsse. .Gerade in diesem Moment schweben die Verhandlungen darüber, cm! welche Mabe die Sffoara trauen für das Jabr 1922 be. Kreml werden sollen. Die vrütl^e Volitil der Negierung führte als erst« Etappe

«ach Wiesbaden.

M-SST'ÄSf

Wüsteneien zwischen Deutschland und Frankreich lag«t. wür- den sie ein Symbol der Spaltung »wischen den Völkern bleiben. Während das Ergebnis von Wiesbaden ^> nnk-n einen berechtigten Erfolg gezeitigt hatte, sei es Änetn ,um Anlab einer schaffen Agitation und Kontro­verse. und zwar nicht nur gegen die Sachleistung ^worden. Die Argumentationen, dre dreftr Kontroverse ur Un.er-

um

zu bffriedigen.

waren. o>e oie grosr in» e m u i * j yr; -o”." aeaen Wiesbaden bervorriiefen. In diesem Zusammenbana Ks der Minister auf die veffchiedeiren, Wider!vrüLe n der Begründung der Agrtatwn gegen das.Wiesbadener Ab­kommen din. Wideffvrucke, wie sie stck dann auch bei der

kommen »in. Lvioeriviun:^ wie i» » inncrvolitischen Agitation siezüalick der

Konferenz von Tannes

wiederholten. Das Ergebnis von Cannes fei kein negatives gewesen, wenn auch durch die Amtsniederlegung des iranzo- ^scheu Miniitervräsidenten die Konferenz leider..nicht zu

ind« geführt werden konnte. Cannes bah« es möglich flt«

g seine Gläubiger ~ - ...

Währung an Deutschland standen aber zurzeit di« Bedingungen des Berfailler FffeÄeusvertraacs entgegen. Darüber höbe sich niemand deutlicher ausgelvrocken als der Leiter der Bank von England. Ob Genua ,um Markstein in der allgemeinen Entwicklung des Weltwesens werde, sei auch davon abhängig, wie sich Am er ika zu Genua ver­halte. Amerikas Macht sei durch den Krieg gewaltiger, ge­wachsen als die irgend eines anderen Landes. Durch seines Eintritt in dos Weltvroblem der Verschuldung und o« Sanierung werde Amerika in der Lage sein, die Welteni- wicklung in wirtschaftlicher und friedenbringender Ricktuim zu entscheiden. Der Minister sprach.die Hoffnung aus. dab in Amerika Kräfte wach und stark fein werden, die die Auf­fassung vertreten.

Curova dürfe nicht zugrunde sehen.

Er glaube, dab in Genua der Boden mr die Eröffermm wirtschaftlicher Grundfragen vorbereitet sei. Wenn wir auch noch immer weit vom wirklichen Frieden entfernt lebten, w wäre dock di« Hoffnung vorhanden, dab der wahre Frieden

*** 1 be^r 1 hieran anschliessenden allgemeinen Aussprache

hob Abg. Dr. H o o b s L (D.-Ratl.) hervor, das Programm, das Minister Ratbenau für die Konferenz von Genua ent­wickelt hob« sei zu unklar und unbestimmt gewesen. Der Redner forderte, das mit Vemelman aetatiae Abkommen über die Sachleistungen müsse dem Reichstag zur veffassun«- wäbigen Beschlntzfassuna vorgelegt werden. ..

Abg. v. R b e i n b a b e n (D. VvtZ erklärte, sein« voli- tiscken Freunde hätten bezüglich, der Konferenz von Genua auf rem Standpunkt des Ministers Ratbenau aestan^n. Mit Befremden habe er gesehen, dab in den lebten Wockxn von gewisser und gerade der Remeruna nabestehender Seite mit der Genueser Konferenz geradezu Pooanz getrieben wurde. Er stebe der Konferenz skeotisch und fühl abwartend gegenüber, und vermiss« m ten Aus­führungen des Ministers ein Eingehen auf unser vrrh«t-

U^Dr^B^reN'scheid 01. S.l betonte, die Cr- füllnngsvolttik des gegenwärtigen Kabinetts, habe seine Partei im wesentlichen immer unterstubt. Die Note vom 27 Februar sei di« einzige Möglichkeit gewesen, um sich mit der Entente zu verständigen. Allerdings warne auS er vor einem übertriebenen Optimismus. . _ . „ .

Abg Dauck (D. Vvt.) gab der Meinung Ausdnlck. man müsse mit.den Sachleistungen lebten Endes zu de» gleichen katostrovbcklen Wirkungen kommen wie bei den Goldzablungen. Er fragte, ob die Regierung an dem Wies­badener Abkommen festbalten wolle.

Abg. Dr. Haas (Dem.) erblickte im Wiesbadener Ab­kommen eine Verbesserung der volitischen Atinosvbare wo­durch sich eine wffentliche und wertvolle Verbesserung durck-

"^^AbgOtDr. Levv (Komm.) hielt die heutige Weltkrise für eine Folge des Kavitalismus^ , .

Abg. Müller- Franken (Soz.) ivrack die Honimna ans. dab Genua uns weiterbringe. an*inioe S&Ü> Deutschlands sei nie von seiner Partei behauptet worden.

Hierauf eigriff nochmals

Dr. Rntbena«

besti^iies^^rogiwimn^ür ^Genua^ festzul*w^ Das neue

taüÄ'ärifi n.'uaa