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Dienstag» 7. März 1922.
Morgen-Ausgabe.
Nr. 111 . ♦ 70 . Jahrgang.
Kirche und Oeffentlichkeil.
Von Fr«, Bbllivvi (Wiesbadenl.
In einigen Wochen, voraussichtlich am 9. Mar>
Der verfassunggebende Kirchentag 'n unserer Stad z sammentreten. Dann wird dre Arbeit der kirchliche Neuverfaffung beginnen. 78 erwählte Abgeordnete^ dazu noch 10 beratende Mitglieder .we^en sich mühen, jedenfalls in Wochentagen Sitzungen der nassauischen Landeskirche die künftige Gestalt zu geben.
Wer wird sich sonst noch üfret die Zukunft der Krrch den Kopf zerbrechen? An der Wahl ersten Kirchen Parlament haben sich aus unsrer Stadt nur eimge hundert Wähler beteiligt; bei ernrgen seAlgtacheno Evangelischen also eine verschwindende Minderheit.
Namen der Abgeordneten sind der breiten Öffe ch wch uob-I-mnt? n-ch Ich-'»'-'-»-»-- «
dasi dieses Jnkognita in der Presse bisher nicht als Lücke empfunden w-tide. Freilich ist zur Begrundu g dieses abnormen Zustands entschuldigend Mizufuhr^, daß die Wahl nicht im eigentlichen Smn eme Wahl war, weil wir eine Kandidatenliste."orK. freulicherweise hatten die Bemuh ingen. Znteresie des ^ri^dens eine gernemsaine Wahl-PiatrsoLM ou^ustellen Erfolg. Es herrschte llbereinstrrnnmng, ÄÄe L D-lldrrche wollten. Hatz di« «L"L frage unerörtert bliebe, datz Urwahlen urchder Schutz de/Minderheiten zugestchert rvurdem Zum neum Kirchenparlament zählen richt^gsinahrgie MAbg^ ordnete der Rechten und der Mitte, wahrend ib wlrr- qlieder der Linken zugebilligt wurden. D^ Lmk« war in einer Zwangslage und mutzte , auf das Kompromiß einaehen weil unser ohnedies kleines Kir^igebret m 8 Wahlkreise eingeteilt war. so daß ine.Minderheit^ stimmen unter den Tisch d^n. Die freiere Richvmg hat aber bislang nur ln den Städten, nicht auf vem platten Lande, eine erhebliche Anhängerschaft.
So gingen diese grundlegend wiS^A" Krrchen- wählen fast „unter Ausschluß der ^ffeiitlichkeit' vor sich Der Vorfall ist typisch ^r dre Einspitzung d» evangelischen Kirche. Bei der katholischen Kirche li^t die Sachlage völlig anders: sie sieht, dank ihrer siras- fe« Oraanisation und ihrer konfesiionell-politrschen Vertretung in einer glänzenden Machtstellung wie nicht mehr seit der Reformation. Es ist richtig, was der jüngst verstorbene Papst gesagt haben soll: „Luther hat den Krieg verloren." . . ..
Es hat demnach keinen Zweck, .abzustreiten, datz die Kirckie sich aecrenrvartic; m einer kritischen Ä“ pW* SgSnm» w°>P-
abgeben mästen an weltliche Organlsa^en. rvas an und für sich noch kein zu großer Schade wäre wenn die Kirche wenigstens auf ihrem eigensten Gebiet die Fühning der Seelen behalten hätte Die Riösenaus- gabe in^der Gegenwart, die eigentliche, Frage der religiösen Erneuerung und d,e Neugeburt der Bolk see e. wäre eine kirchliche Spezialausgabe. Aber die Kirche hat den Einslutz aus die Masten berlorem Die beiden arösiten Mastenbewegungen in der Gegenwart und längsten Vergangenheit — der Sozialismus und d^ moderne Jugendbewegung — sind Nicht aus dem Schoß der Kirche, vielmehr hti Gegensatz zu ihr spontan 2 elementar aus der Volksmitte aufgestanden Wrr haben kM kirchliches Dolksgefühl. höchstens noch em protestantisches Allgemeinbewutztsein mit negativen
^^Zur Kirche gehören die einzelnen, gewiß millionen- fältig, aber ohne aktive Kraft. Das Leben ber Kirche vuliiert in Minderheiten und ^onventikeln ohne spürbare Wirkung nach außen. Das Durchschnittsmitglied erinnert sich bei den hohen Daseinsgelegenheiten und Sterben Konfirmation und Trauung de. Z-ch- Erlebmii« dos E-dmlM-i-
eine feiernde Begleitung verlangen. Die Kirche lebt von dM Amtshandlungen, die fast ausnahmslos - bei uns 99V 2 % Taufen der Geborenen — noch beehrt Eden Aber in der Zwischenzeit liegt auf der Kirche ein unausgesprochener Bann, zumal der Gebildeten u7d der Arbeiterschaft. Der Kirchenbesuch betragt noch nicht 10 Prozent der Erwachsenen m unserer Etadi ^ Das ist die unverschleierte Sachlage. Mir haben »mar keine nennenswerte Austrittsbewegung, aber die Kirche steht bei der Überzahl ihrer Glieder unter einem stillschweigenden Boykott. Und das zu einer Zeit, wo es die Spatzen von den Dächern pfeifen: „So kann s nickt weiter gehen" und „es mutz endlich anders wer- h$‘ S io 9 selbst die kaltklingende Vernunft zu dem Eingeständnis ihrer Ohnmacht kam daß mcht der Jn- fl-n»ti,,alismus sondern eine neue Religiosität uns aus Anarchie und vom Untergang erretten
^"Zweifellos würde eine Volksabstimmung über
Weiterbestehen oder Aufhebung der Kirche hugu s der kirchlichen Fortexistenz aussallen. Als ^n i
Sünden Maienblüte der Revolutronsmrnrster H o N-
niann mit einem Federstrich bon kirchlipn gionsunterricht abschaffte, erhob sich.der Sturm Mastenpetition mit mehr als 7 Millionen Unterfchns ten, die erheblich auch aus den Kreisen der Arbeiter-
schuft stammten. Aber ein Vertrauensvotum für me
Kirche war das nichts sondern eine Äußerung des Doiks- instinktes für die Unentbehrlichkeit der Religionspflege.
Kann's uns unter solchen Umständen wunprn, 8 die Reuverfastung der Kirche keinem Allgememinterepe begegnet? Das Empfinden scheint vorzuher^chen. s die wenigen Ausnahmsfälle, da wrr den Diens Kirche berrötiaen. ändert sich doch nichts. Man mochte um alles nicht ein „Kirchenläufer fern und z „Frommen" zählen.
Und irrt inzwischen, an Gott undder Welt zweifelnd, seelisch heimatlos im faustdickenRebel der Gegenwart dahin und murmelt m Freberangsten. kann's nicht bleiben!
Soll da nicht endlich Kirche und ÖfstntliMmt sich rückhaltlos offen darüber ausspreche»: Wie kann's ander» werden?_
Das Portefeuille des Reichsernährungsministers.
Br. Berlin. 6. März. (Eia. Drahtberichtf Zud« Frage der Neubesetzung des FinanzmiNistertuE dez«. des Reichsernährungsminifteriums erfahren wrr von zuständiger Sette, daß eine Entscherdimg hieruber n o ch i^diefer Woche fallen wt^. «s k-mn ate W wahrscheinlich angenommen werden, daß Minister Dr. Hermes das Finanzmmrsterium behalt mrd das Ernähr« n g s m i n i st e r iu m neu beseht werden
nährungsministerium ne« wird. Als künftigen Reichserncrhrungsminister hat bekanntlich die „F. Z." den Präsidenten dn Hamburger Bürgerschaft Dantzel gerannt; d,e NachrM wuü>e bisher nicht bestätigt, aber auch noch nicht dementiert.
Eine Rede Stegerwalds i« Bochum.
Lr Bochum. 6 . März. (Eis. Drabtberickt .1 Ein« ms dien Teiler Deutschlands stark besuchte Arbeltertcumng des Zentrums fand am Sonnlas bier stgtt. Relkbstaasabaeord- neter ^ o b n - M.-Elcrdlmck svrack über das Thema „Wir v sHrrrtvim“ Dss bauvtgeMickt der Versammlung
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ausT rprbei er die leickifertiaen Streik um BaMreu^r verurteilte Vcr der Reareruna verlangte er aubeme aneraie «eaer die Forderungen der Entente, die. uns Lasten auserlegt die La nicht tragest können... Degen e-n- UL^vannuna der
Leilältnis zwischen. Staat und Wirtschaft.
eine Tntsestelung des Kapitals aebracht. Ls ieblt
rrt iiomen Der sinanzbetriebsrecktliche ®eten!e der
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Hochfinanz v „_.
Das „Ende einer Legende.
W.T.-B. Berlin. 5. März. Die Deutschen We?:ke Minister^n^^D Wissell und der Reichstagsabaeardnete Hoch
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dkr 'Deuten °S?Äktien°esellschaft nicht besriebmen- der hätte aussallen können.
Die Räumung Oberschlesiens.
Br. Breslau. 6. März. «Eis. DrabtSerick» ..Jsvr^ teilt mit. lab bei d'er Übergabe Obersa £ 0I Einmarsch der volnrlcken Truppen «.1 Stund ' Strickweis« Einmarsch der deutschen Truppen ersten fTÄ.. Ergeben wollen die interalliierten Truppen das V,c,-Mlesien und sich dann nach ihrer Konzentratwn aus „ suiückziehen. Die Franzosen Ä sammeln, um über dre Tschechoslowake. „ "Man
Italiener in Ratibor und dteEndand,rln^res ist der Ansicht, dab wabrend des Emmarfches der vomnu Truppen keinerlei Ausschreitungen zu besurÄten nno.
Der Wiederaufbau der Marine.
Br. Berlin. 6 März. (Eis. Drabtbericht ) Im S a u v t - ausickub des Reichstages wurde am. 4. -Ucarz o vausbalt der Marineverwaltung, bewrochen. gemeinen Aussprache wurde eme Reche von F f ^
> üibrt. in denen Marrneangeborige nichs. melemge vaiiuns eingenommen haben, die von den Oisizleren u
der Republik erwartet werden mutz. Dre Vorfälle Nnv in
ihren Einzelheiten noch nickt völlig geklart es ickemt aver
manche Übertreibung unterlaufen w p ^ R-icksmarine wurde anerkannt, dab der Wiederaufbau der Re,cksmarine auf einer völlig veränderten Grundlage autzerit ickwierrg ier. Man ^kannte au^ nickt. datz nach der eEerchene„ allge- meinen Unordnung fick dre Zustande m den atzten auberordentlick aebestert batten. Minister Detz ler er klärte er nimt Perlintwortung tut ieo^n einLembsi
Mann tragen könne sondern üaatsrechtlick nur für d,e von ihm vollzogenen Matznabmen verantwo.rtlicb.sei n oer
Einzelberatung schnitt der Demokrat Seile die sckon baung erörterte Frage der Fa boffrzr er t an. pielc mueitert infolge des Friedensvertrages beseitigt oder zu Marrnebe- amt«n gemacht werden.. Seile hWMgelte. datz tze. soweit sie Beamte geworden seren, jetzt schlechter behandelt wurdLn. als menn sie noch Offiziere geblieben waren. Wiederholt vom Reickstag angenommene Anträge auf Verbesserung seien nickt ausgefübrl. gegen diese D'skedrtierung des Parlamentarismus müsse entschieden, vrotestrert werden. Er beantrag^. da« dre in Bruno- 7 bis 10 ausgefübrten Beamten dieselben Bezüge erhalten sollten, dre sie als Offiziere e^bat- ten hätten, entsprechend 8 27 des Besoldungsgesetzes. Ein Regierungsvertreter mernte. datz dieser Paragraph hier nrair zuträfe.
Eine Neuregelung der Wahle« der Berficherungs- behörde«.
Br. Berlin. 6. März. (Eis. Drahtbericht.) Die Wahlen zu den Versicherunasbebörden. zu den Vertretern der Ver- fickerien für die UnfaNverbutung und zu den Ausschüssen und Verständen der Verücherungsamtalten sollen durch erneu soeben dem Reichstag zugeganaenen Desetzentwurs.eine vorläufige Neuregelung finden, da die.allgemeinen Neuwahlen. die infolge des Krieges und semer .Folgen, lange Jahre hindurch unterblieben ünd. nicht mehr langer hnmus- geschcben werden können. Ein« endgültige Ordnung k-mn naturgemätz erst erfolgen, wenn das gesamte Rerchsvertzche- runsswesen einmal neu aufgebaut fern wird. Mahgebend für die Änderungen, die auch..mir provisorisch sein sollen, ist die Rücksicht auf möglichste Kostenersparnis..und Vereinfachung des Veriabrens. Dre Wahl, zu den Veriiche- runssaussckutzmitgliedern bei den Bersicherunasanstalten soll durch die von den Versicherten gewählten Vorstandsmitglieder der Krankenkassen erfolgen. Dre Versichertenmitglieder in len 2lusscküssen der Versickerungsanstalien wählen dann die Dersicherten-Beisitzer der. Oberoertzcherungsamter.
die nichtständigen Versrchertenmitglreder des Rercks- (Lrmdes-)Derfichernngsamtes und dre Bertzchertenvertreter für die Ur.savsverbütung ber den gewerblichen und landwirtschaftlichen Berussgenossenschasten. Dre Arbertgebei- mitglieder der Ausschüsse der Versicherungsanstalten sollen
neu. e ue --—
Die Luther-Erinnerungsfeier in Wittenberg.
W. T. B. Wittenberg. 5. März. Unter sehr starker Be- r«iiia„na ber evangelischen Kirchen des Inlandes nno des
Auslandes der Svitzrnverbände der evangelrsch-tbeologrscken
ltiikultäten der Kirchengemeinden und Siadtaemernden. begann am Samstag die Lutber-Erinn er uns si e r e r. Dis ertte Anregung zur 400. Jabrferer der Rückkehr Luthers ?vn Är Wartburg mit der fertigen Übersetzung des Neuen Testament md seines ..Kampfes gegen die Schwarmgeistes' du« von dem Pfarrer D. v. SöderWom von der schwedischen evangelischen K'rcke aus. Eestersi abend fand
eiie BegrühunMierer m der ^ckilobknLe. statt, die ore
unflRtettt in cet ^o?wBtxra,e jiuu. BrabllättH Luthers und Melanchtons umlcklietzt. Von den Eästen sprachen dabei Erzbstckos Dämel von
VDOIT-cti ipxua^ii uuwi 'J'H> ü 'i u,w V'V« k “ k ‘ w * n 11 Söderblom (üvsala). der Däne Dr. Jorgen!en (Kcv-e^bagcni. der finnische Bischof Dummerus. de. nnaorifche Brchof D. R a s s a i. Pastor Jukrus Junger aus der Ukrame und Pastor W e h.r l. von der deutsch-evan- N, rischen Kirche Nordamerikas. Bei einer Varallelveriamm luna im Volksgar ten sprachen Vertreter der norwegricken estnischen österreichischen, galiziscken und der lutherischen Kirchen Nordamerikas. An. diese Begru^ngsfeler schlo« tzch heut« ein Festzug und ern Festsottesorenit m oer geschmückten Stadt» »rcke.
Kapp.
Schreiben gerichtet, woran,r mttterlt. vas er am
dem Reichsgericht seine 4 00 000 M..
habe, ück unter Leistung emer Eutiervett von ^ ^ Uuteis
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