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Strlinet Abteilung des Wiesbabener Tagblatts: Berlin
Freitag, 6. Januar 1922.
W & Voßstraße 18, Fernsprecher: Amt Zentrum 11435-11437.
Abend-Ausgabe. «- " -
Schwieriger Anfang.
Cs scheint nur natürlich, daß die Reparationsrage. weil ste den Änstotz zur Konferenz von Cannes gegeben hat. auch an erster Stelle aus Tagesordnung dieser Konferenz angesetzt ist Aber je rründlicher man überlegt, desto zahlreicher werde tzründe, die gegen eine Voranstellung der Reparations- rage sprechen. Nur datz eben ^ einziger ausschlaggebender Grund über all? jene Grunde st egt ^ Die Re- »arationsfrage ist dringlich, die Repcirationskomm - ion mutz noch vor dem 16. Januar Weisungen erhal- en. wie sie über das deutsche Stundungsgesuch ent- cheiden soll. Das ist also die erste Frage, mit der man ich in Cannes beschäftigen mutz, und man wird gewiß roch einen Schritt weiter gehen. Nicht blotz für d e Raten vom Januar und Februar sondern für vre Zahlungen während des ganzen Jahres 1922 wird man Bestimmungen vereinbaren. Aber was rst es mit Lloyd Georges grotzenPlan e n?
Er hat den Gedanken, das Reparationsproblem als inen nicht isolierbaren Teil des gesamten Weltwirt. chaftsproblems zu betrachten, das Weltwirtschafts- iroblem jedoch als ein solches, bei dem es keinen Unter- chied mehr zwischen Siegern und Besiegten geben ollte. sondern nur noch die Unterscheidung zwischen jilfsbedürftigen und hilfsbereiten Staaten Dieser bedanke, der gar nicht utopisch, sondern vielmehr höchst iraktisch ist. stützt auf ein ernstes Hindernis. °n dem >r völlig scheitern kann: Uber eine gemeinsame Politik gegenüber Deutschland können England und Frankreich ich so lang nicht einigen, als sie sich nicht verständigt baben über die Politik, die sie gegeneinander tteiben wollten. Die Entente ist gegenwärtig nur noch eine Form ohne Inhalt'. England und Frankreich halten noch immer an der Absicht fest. ,ich über ,ede Frage zu verständigen, die beider Interessen berührt, aber das gelingt ihnen seit anderthalb Jahren mit iedem- mal schlechter. Italien, als Dritter im Bunde, hat jedesmal den Vermittler mit wenig Begabung und Geist gespielt. Die Vermittlung führte regelmäßig dazu, daß Italien sich an die Seite desjenigen »teilte, ben es nach ganz geringen Zugeständnissen fest entschloss^ lab nicht weiter nachzugeben, und das war Frankreich. Allmählich haben sich die Italiener übrigens m eine zunehmende Feindseligkeit gegenüber Deutschland Hineintreiben lasten., die von deutscher Seite verm ns- tiaerweise nicht erwidert, sondern durch Nichtachtung aestraft wurde. Wir wußten ja, der Tag wurde kommen an dem sich die Italiener anders besinnen wurden.' Heute ist er da!, Frankreichs. Ri'stungsplane können Italien nickt gleichgültig, lasten Eine stark ausgebaute französische Flotte, ein mächtiges.französisches Tauchbootgeschwader im Mittelmeer wurde die Absperrung Italiens bedeuten. Und das französische Tauchbootgeschwader wird nur im Mittelmeer stationiert sein'können, denn seine Versammlung gegenüber den Küsten Großbritanniens und Irlands wurde die englische Regierung als offene Feindseligkeit betrachten und keinesfalls dulden. In welcher Lage wird -Italien dann fein? Zusammengepreßt zwischen französischen Hegemoniegelüsten und südslawischen Feindseligkeiten wird es einerseits das englische Bundms, die englische Hilfe brauchen und andererseits deutschen Schutz. Wenn sich der italienischen Volkswirtschaft nickt die Auswege über Tirol und durch die Schweiz nach Deutschland öffnen, wird Italien binnen wenigen Jal'ren ruiniert sein. Es darf sich den, Luxus einer Politik des gekrönten Gernegroß gegenüber Deutschland wirklich nicht länger erlauben. , Aber Belgien? Es ist für England eine Angelegenheit von nicht geringer Bedeutung, datz Belgien aufhören mutz die Stimme Frankreichs bei jeder wichtigen Entscheidung zu verdoppeln. Politik hat allerdings nichts mit Dankbarkeit zu tun. Belgien mag vergessen, daß es seine heutige Stellung allein England verdankt. Aber wenn England sich auch an der belgischen Küste gegenüber dem Einfluß ganz Frankreichs steht, das neue Klottenrüstungen plant, dann hat es , wahrlich den Krieg verloren: denn datz Englands Sicherheit dann geringer wäre, als sie vor dem Krieg war, ist gewiß
"^W!e s"l^ nun, ehe noch das weitere Verhältnis zwischen England. Frankreich. Italien und Belgien geregelt ist. das Reparationsproblem gelost werden. Sicherlich ist es ein guter Rat, dieses Problem zu ent- volitisieren. Aber gerade der Beschluß zur Entpoliti- sicrunq ist der schwierigste politische Entschluß. Er setzt nämlich voraus, daß Deutschlands Gegner ""«kennen, ihre bisherige Politik sei verfehlt gewe,em Run g'bt pl bei der Reparationsfraae blotz zwei Möglichkeiten. Deutschfreundliche oder deutschfeindliche Politik. Deutschfeindlich das heißt: Deutschland soll bis ?um Weißbluten ' zahlen! Deutschfreundlich aller bedeutet.
Deutschland mutz zahlungsfähig, Stacht werden, und desto bester für die Sieger, wenn es wieder zv i wtt schaftlicher Blüte und hoher Zahlungsfahigretgelansr. Eine dritte Möglichkeit, an die wohl englifche M N schen- und Des-chtsfreund- hauptsächlich den -n gibt
es nicht: Man kann Deutschland nicht viele Z°yre
lang in einem Zustand erhalten, bei dem ^ weder zu leben noch zu sterben vermag Man kann nicht °em
deutschen Ruin Vorbeugen zugleich aber auch Deu,ck lands wirtschaftliches Aufblühen verhindern m dem
man der deutschen Volkswirtschaft alle
Säfte abzapft. Diese Art von ..Sachlichkelt exi,n.r
blotz in den Köpfen, Sa^erstandlgen d e mq
vorst-ben was ste eigentlich sollen. Vamve.siai _b
braucht man in der Politik bloß, um st»r ^ofündung l-blüsie die Form der Ausführung und die Begründung zu finden Englische Sachverständige halten heute d e Zahlungsfähigkeit Deutschlands für !SeriMer als di^
französischen Sachverständigen sie tÄn
Briand und Llond George ihre PoUtil! tausche^ o wäre es umgekehrt. Sicherlich wird man s ch .
Cannes wieder an die Sachverständigen wenden, nicht IIN1 Rot zu suchen sondern weil man eben keinen -na WZ Der Anfang in Tanne- „t ui-rau-
schwierig!
Die ersts Vollsitzung.
Die Vorbesprechungen in Cannes.
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® e wTB »atu Wie der Sonderbericht.
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die Briand in diesem Falle geben werde, werde auch be- °^^Na'ch^den Meldungen der Sonderberichterstatter der
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Ecorae und Briand darauf bestanden, es cm di«.Me der
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Eine l Ausweg glaubt das Blatt gefunden zu haben, wenn
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* Gestern v.,mittag batte Briand mit den Sachver- aeorbeitet Naibmittonr von 4 bis 6 Ubr fand
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George in der Billa Maletta stat..
Sachleistungen für Belgien?
-ian lSavas.) Der Berichterstatter des Fntranstgeant" verzeichnet ein Gerücht, wonach die belgücke
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atn anzunebmen. Deutschland iolle das El!enbabU'
material für den belgischen Kongoitaat ueiern.
W.U.-V. Cannes. 6. Jan. Di- * ^
ferenz wird beute. Freitag, um 11 Ubr v°rmi^tags^^im
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fasiung darlegew D,e Frage der Reparat onen w ^ .
nicht zur Sprache kommen, da die vorverettenpen^^^ ^
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Untersuchung m Laufe des Samstags beendet i«
iV.^.-U. London. 6 2 °n. E.ne ErchE-Meldung be^ fast: Bisher wurde keiner l e i ll b e r «i "komm züglich des Programms der Konferenz des Ove u ^ erzielt. Lloyd Georg« m be !L> e t fr 1 *en ffiiebetttnf*
Frage der Reparationen, vom wirtichaMiwe ^ ^
bau Europas abhange, mochte Meie 5™« ««« (i4 j^och auf
des Programms geletzt leben. ^ r l a n o
einen anderen Standpunkt. <-nnd-r.
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iiEn Mund Sterling erlasien werde, wenn. Frankreich einer Verminderung der deuticben Schulden ^ustimmt dritischLN Sachverständigen seien der Annchi. die ^uidedung de! f^mLMcken Schuld an Großbritannien wurde außerdem tür die franzostichen Finanzen ein Gewinn von 400 Millionen Pfund Sterling bedeuten, da durch eine solche Maßnahme der Frank im Kurie steigen würde. Die Franzosen batten aber bisber den Vorschlag abgeleünt.
Ein englischer Plan für die Reparationen.
Hm Cannes. 6. Jan. (Sanas.) Wenn auch die Kor^ ferenz in Cannes offiziell erst beute beginnt, io war doch der Donnerstag sehr lebhaften Besprechungen zwi chen. den verschiedenen Delegationen gewidmet. Andererseits hatten L c u ch e u r und D o u m e r für Frankreich. Sir Wortbington Evans und Sir Robert Sorne. für Eng and Marauis dellaTorrettaund Raineri für Jta ,en. T h e u n,s und Jasoar für Belgien, zwei lange Besprechungen vor und nach dem Frühstück über die Frage der Reparat,o- n e n. Die Grundlage der Debatte war der Vorschlag Lloyd Eecraes von dem er Briand im Laufe ihrer letzten Be- g S in London'Mitteilung gemacht batte: Da Deutsch, fand naS, britischer Ansicht nicht «"der Lage ,st die fallen Beträge am 15. Januar und 15. Februar voll zu vegielwen. die sich auf ungefähr 600 Millionen Goldmark belamen.. so würde man von ihm im Laufe, des Jabres 1922. nntjjM Gesamtsumme von 500 Millionen, öablbar m tnemat- llchE Raten von 125 Millionen von fetzt ab bis 15 April „ast-tanoen Di* Sälfte dietes Detraaes wurde an Belgien fallm das bekanntlich ein Vorrecht auf 2 Milliarden Gold auf die deutschen Zahlungen bat. B e l g i «st.s""^e demnach ^ahr 1923 erwarten, bis feine beoorrccfitigte Forderung ausgeglichen ist. England würde teh!etieü5 auf naliezu den °av»en Betrag von 500 Millionen Goldmark vei-zichten. der ?bm zvft1bt und würde nur 60 bis 80 Millionen erha ten. Italien das 180 Millionen erhalten lallte, wurde ebenfalls ein bedeutendes Ovier bringen mutzen, mit dem sich die italieni'che Abordnung im Prinzis einverstanden erklärt bat. nbne dab iedacb der Betrag bisber Endgulilg fe.^tgestetlt wurde Die Rechte Frankreichs «erden nicht berührt. Lloyd George bot Hetzen besondere Lage anerkannt. Sie mutL.en das Wiesbadener Abkommen befriedigt, bauvt- !ächlich durch Sacklieferungen. Das Abkommen Loucheur. Rotbenau würde von England angenommen und sofort für die erste Periode von drei Jahren in Krakt treten, wabrend der Frankreich von Deutschland Sachlreferungen im Wert» „en nickt mehr als 1250 Millionen Goldmark 1922. 1500 Millionen für 1923 und 1824 veriangen konnte, -^.as stuu"' zielle Abkommen vom 13. August wurde zu Frankreichs
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isW^nTcönbert besonders in der Abschätzung der Saar, arnben deren Wert Frankreich erst ivat-r durch die Reva- ?^einn«kommitztan in Rechnung gestellt wurde. Das britiicks «rÄe't würde sich besonde's auf d-e deutschen Hablungen Fade« IMS beziehen Es umfaßt gteichzeitig ein System ^Garantien um aleichzeitia von Deutschland zu erlangen, unk e- kdrdnuna in seine Finanzen bring:, denn das ist di« Grundbed naüng für jede Regelung der Reparatronsfrage. Dos E^rantVystem schließt besonders ein: Kontrolle der R et ch s bank. Erhöhung der Poch. Telegravbcn- > ood Ei!enbab"tarire. Besteuerung der deutschen Koble. damit tze zum Weltmarktpreis nerkault wird. Einschränkung ves Pa nie r geldu mka ufs Znrückichasiung oller Devisen nach Deutschland d'e sich Deutschland durch leine Ausfuhr be- ,‘St Bflb ihre Verwendung iur che Reparationen. Di«
Verwirklichung des Planes bangt fast aus,cklienlich von der Zustimmung Belaiens ab. betz-", Vertreter bsb-r i^-r Änderung m-nig Reizung entgegenbrinaen. Frankreich ,'nt lick im Prinziv dem Vorschlag ongeicklotzen. unter der Bedingung, daß Belgien zustimmt. Die R^oreckungen werden am Freitaa und Samstag non den technischen ständigen der Alliierten fortaefetzt. Man hofft, daß nt «J einer ausgleickenden Lösung fuhren, die von allen beteiltgt«» Mächten aleichmäbiL «uurenommen weiden kann
