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Verlag Langgass« 21

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Sonntag, 1. Januar 1922.

Uebergangszeit.

Neujahrsbetrachtung von Fritz Philippi (Wiesbaden).

§8ir Nerrschsn sind Geschöpfe des Nachdenkens. So­fern wir nicht in der Neujahrsnacht durch gewohn­heitsmäßige Spektakelmacherei unsere heimlichen Sinne iibertauden. sind wir an der Erenzscheide der Jahre hellhöriger für das Rauschen alle tiefen Brunnen des Seins. Ein stiller Augenblick nter dem gestirnten Mitternachtshimmel kann uns nbaren, daß in uns. dieser Winzigkeit Mensch, de tall sich spiegelt wie

im Tautropfen At Sonne.

Das Kos'.lfche ist unser Gex.nüber. E» tut not, uns das am Neujahrsanfang w.der zu vergegenwär. Ligen, damit wir den Überblick nicht verlieren vor dem Wirrwarr von Einzelheiten und Einzelsorgen, mit denen wir alltäglich eine ^angebrachte Wichtig­tuerei treiben. Wir dürfen beruhigt sein, daß in We't- zusammenhängen dielebenswichtigen Betriebe" zuerst versorgt werden. Und dazu gehör aufs Ganze gesehen, auch der Daseinsbetrieb eines bo-Millionenoolks trotz aller Zeitbedrängnis.

Wir wagen an Neujahr den Glauben an die Lebens­kraft des Deutschtums in der Welt. Wir sprechen als positives Ergebnis aus. daß die deutsche Einheit aus dem Zusammenbruch gerettet ist. Es fängt an, etliches sich zu konsolidieren und feste Bewußtseins- formen anzunehmen. Unsere deutsche CListenzberechti- gung wird sich durchsetzen. Seltsam war'» uns, bei den Gerichtsverhandlungen über den Kapp-Putfch bei uns selber festzustellen, vaß wir an ihm nur noch ein historisches Interesse haben. Soweit liegt dieser Dummejungenstreich schon hinter uns. Naiv und kläg­lich war nur die Schulbubentaktik derFührer", die hinterhernichts gemacht haben" wollten. Es hat sich bei uns schon mancherlei beruhigt.

Geduld und Arbeit! Ohne uns wird der Krieg nicht verdaut. Wir sind der Magen Europas.

Der Untergang ist hinter uns. Die bolschewikische Gefahr ist für Deutschland erledigt, der Kommunismus tötet sich selbst durch Lächerlichkeit. Nur als Hunger­bolschewismus könnte er noch belebt werden durch blinde Mißachtung weltwirtschaftlicher Lebcnsnot- wendigkeiten.

Neujahr trifft uns in einer typischen Über­gangszeit. Wir Deutsche haben zuerst das kalte Sturzbad in die Wirklichkeit durchmochon und unsere Illusionen fahren lassen muffen. Die Entillusionie- rung der Welt, bis der ungeheure Krieg begriffen ist als Weltunglück aller, wird nur schrittweis geschehen, und wir Deutsche werden das ui leiden haben. Auch in Cannes wird schwerlich das Weltproblem der Re­paration befriedigend gelöst. Aber der Friede zwischen England und Irland, das vorläufige Ergebnis von Washington und das Auftreten großzügiger Welt­programme sind ein Zeugnis, daß Ihren auf dem Marsch sind. Sie sind nicht mehr tot zu machen.

Ein kollektives Denken fetzt sich durch, des begriffen bat. daß bei der Frage der Wiederherstellung eines wirklichen Friodenszuftands die Welt solida­risch ist.

Gegen die, fortschreitende kolleftive Denken sich eigensinnig anstemmen, schafft nur Leid und die späte Einsicht, -ine unhaltbare Position mit vergeblichen Opfern verteidigt zu haben. Wenn wir Deutsche das endlich bei «ns selber begriffen! Wir sind noch ver­rannt im Klaffen- und Parteiegoismus und suchen wie der Köter mit der erbeuteten Wurst aus dem Metzger» laden zu stückten.

Wenn's nicht zum Heulen wäre, wär's zum Lachen. Wir sind vom Parteikollcr befallen, weil uns- in er­schreckendem Maß die weitblickenden Führer fehlen. Ist das wirtschaftsbegabte, deutsche Lernvolk wirklich so stiefmütterlich veranlagt für Politik, daß uns der Sinn für das Wesentliche abgeht? .

Bloße Weltvernünftigkeit hilft da nicht. Aus die­sem ausgelau^ten Knochen kocht sich keine Kraftbrühe non selber. Wir muffen uns schon an Weihnachten er­innern W-ibnachtliche Kräfte guten Willens von Mensch zu Mensch, von Stand zu Stand schaffen au» kr Übergangszeit neue Zukunft!

MWzlerung des Abkommens von Benedig.

B* Wen. 31. D<,-z. ((Eia. Drahibenckt.) Wie gemeldet o. bootn die Graßmäckit« der bstcrrrtbilcken Reaierun, Wiinlckrn rntioräckr wenn die Obtn<

.... m ..I..-gemeldet

»t«. da des ine Gros

erklärt, datz es ihren <L _ . .. .WWWW»HW»>

r«ek AnaeIee«nbelt öffj,iell erledigt tot Imol, rdi-uen iah sich die österreichische Regierung 'Miar da: Aokommen non Venedig zu nitiiizieren. Die Neinrru>>a wird red och weiter erliären. baß sie dia iLdcn- t'Uro.er Vmiirnminn nicht anerkennen könne. Inzwischen stnd v'e unga'ichea Truppen bare er» to Ldenbrue «inmarlchiert.

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Morgen-Ausgabe.

Nr. 1, 70. Jahrgang»

Ter Streik der Eisenbahner.

vr Elberfeld. 31. Der. (Drahtbericht.) Die Vertreter der Eilenbabnbeamten des Wuovertales und irtskartelle Elberfeld. Barmen und Lanserield. iowre

..... verweigern Notbilre.

Dir Derdandlnsgen in Berlin.

. Da. Berlin 31. De». (Drahtbericht.) Die Gewerkschaft deutscher Eisenbahner teilt mit' Im Reicksoerkekrrminiite- ftum wurden gestern nachmittag di« Perbandlunsen über dtc Lobnrorderunaen der Eisenbahner «jeder ausgenommen Der Bössttzende des deutschen Ejsenbabner- ttrbandes Scheitel gab die Erklärung ab. der Streik im Rheinland werde von seinem Verband mißbilligt Sodann wurde in die sachlichen Beratungen eingetreten. Der deutsch« Elsenbabnerverband hielt »»nächst an der Forderung gut Be- ^I'hlung von Vdi s(hi:Isen fest und gab nur die Höbe d'er «rorderunaen preis. ^.ie Forderungen wurden von den Ver- tretern ves Reichuvertehrsministeriuins unter Berufung auf den Beichlutz des Kabinetts abgrlehnt. Im Laufe der wer- stikn Verüaiidlungen wurde von den Vertretern der Gewerk­schaft der Eisenbahner ein n e u e r Vorschlag gemacht, der sich aus die O r t «k, a s!e n e I n t«i l u n g der Arbeiter, ou! Ihre Teuerung,»uschülle und auf ein» allgemein«, im Januar »u rrwortende Neurordnungder Be»ab- l u n g ^wm- Dresern Vorschlag traten die übrigen Organs- mtionen alsbald bei. Nom Nelchsverkebrsministerinm wurde der Vorschlag ,m ersten Pickte (Orrsklasieneinteilung, be- i.amvtt. im übrigen aber angenommen. Eine Einigung hier­über konnte nom nicht erzielt werden. Es wurde dann bi« ausgrworien ob nicht durch Gewährung einer einmaligen Bet bi kfean da« gesamt« Bersonal ver- konne. ^^uiinsterialdirektor Kötzler.

Holken «erven _

zwischen den Vorsitz

»«Mim», vuiiu. der in» übernommen batte, wies darauf bin.

Kabinetts. Deshalb »u vertasen Darauf

Keine Herabsetzung de, BSrsennnrsgtzsteaer.

«r ^ T " 1 ?- »0 Dez. In der Preffe wurde die

Ansicht geäußert daß die Beschlüsse des Reichstags, nusichuffes für Steuerfragen über den Entwurf des Kapi taloerkehrsfteuergesetzes eine Herabsetzung der Lörsenumsatzsteuer für Kundengeschäfte bedeuten. Diese Annahme trifft nicht zu, wie sich au» 8 71 des Gesetz, entwurfs in der vom Ausschuß beschlossenen Fassung ergibt. Danach ist die Reichsrrgierung ermächtigt, die Steuer für Kundengeschäfte über Aktien, ausländische Banknoten und Devisen bis 1 Prozent zu erhöhen Diese Ermächtigung entspricht der im Gesetz vom 7. November über die Erhöhung der Börsenumsatzstsuer

Cannes.

I>z. London, 31. Dez. (Eig. Drahtbericht.)Daily Ehronicle" schreibt in einem Cannes überschriebenen Leitartikel: Cannes könne den Grundstein einer neuen europäischen Solidarität legen und zur Einleitung einer neuen Politik inter­nationaler Unterstützung mit Geld und idealeren Dingen führen. Cannes müsse die politische Grundlage sicherstellen, auf der allein eine politische und wirtschaftliche Zusammenarbeit aufgebaut werden könne. Der Schlüssel dazu sei ein politisches Einver­nehmen zwischen England und Frankreich.

Das erste Ergebnis der interalliierte» Wirtfchafts» konfrrenz.

Dz. Van«. 31. D«. Die Arbeiten der interolliier- ten Wirtlckiaftsionferen, für den Wiederauf­bau Europas babrn narb dem ..Matin" »u einem ckste» Ergebnis gefubrt. Die frunzSillcken und britischen Drlegicr- un haben die Statuten de« »u gründenden Konsortiums ent­worfen und ste den itakienNcken und belgtick-en Vertretern vorgelest. Die italienis.be Delegation bar verschiedene Amendement« voraclcklagrn. weil sie wünsche, dah die Be- funniüe deg Konlorllums mb auch auf di« Stabilisierung der WeSlelkurte ausdehntcn. Auch die Frage der Bedingungen unter denen die Vereinigten Staaten an dem Äon- sorlium teilnebmrn können, ist diskutiert worden. Finan- »ielle Garantien tollen von den Regierungen der Länder ver­langt werden, die an dem Unternehmen teilnrbmen.

Da» Kapital zum Wiederaufbau Europa».

. Dz. Dari». 31 De». Wie da, tEcho de Boris" berichtet ,oll das Kapital der industriellen Konsortiums »um Wieder­aufbau Europas auf »wanzig Millionen Pfund h-r I. n a f-stg-ktzt werden, eingcteilt in Aktien, die ,u nleicken Teilen an Enqlnnd. Frankreich Italien. Amerika «nd Deu t!ch l a,n d gehen. Eine schwächere Beteiliguna ist für Brlgien und Holland Vorbehalten.

Die Einbernfnng einer internationale» Wirtschaft^

k»nferenz.

J)z. London. 31. Doz. (Erg. Drahtbericht.)Daily Mail" schreibt, es sei s, ch e r. daß der O b e r st e N a t die Einberufung einer internationalen Wiktschafts- konferenz zu Beginn des neuen Jahre» erörtern werde. Deshalb fei es wahrscheinlich, daß er der Anwesenheit sowohl deutscher als auch russischer Ver­treter auf der Konferenz zustimmen werde. Opti- mijien erwähnen sogar die Teilnahme d e r' V e r» einigten Staaten. ' .

Zum Jahresschluh.

Ellvestcrgedanken einer Drmokratin.

Mit hundert Fingern klopfen die Geschehnisse und Forderungen unserer ereignisbewegten Zeit täglich an die Türe unseres Innern und machen es uns schroer,

S jener Selbstbesinnung zu gelangen, die uns das ertvoll« unsere» Erlebens von Nichtigkeit und flüch­tigen Erregungen sondern läßt. Zu leicht verwischen die in unaufhörlicher Folge an uns heranflutende« Eindrücke die Spuren der vorausgegangenen und nur Ereignisse besonderer Art ober Abschnitte im Kreis­lauf unseres Lebens werden zum Anlaß, über unser Tun und Erleben uns Rechenschaft abzulegen. Dieser Einkehr zu uns selbst dienen die letzten Tag« de» Jahre» wie kaum, »ine andere Zeit.

Gleich dom Geschäftsmann wird dann auch die Frau, fei es, daß sie für einen Haushalt zu sorgen oder nur für ihre Person ihre Einnahmen und Ausgaben in Einklang zu bringen hat, in diesen Ta^en die Bilanz ziehen über materielle wie ideelle Güter. Und die Zahlen, mit denen sie sich dabei beschäftigen muß, ge­winnen Leben und erzählen von unseres Volke« Rot und unserer Gegner Unerbittlichkeit. Eie fragen die Frau, ob sie sich freisprechen kann von aller Schuld an Valutaelend und Teuerung, ob sie standhaft blieb bei der Lockung durch ausländische Modewaren, Näschereien, Delikatessen und Zigaretten: ob sie sich ihrer Verant­wortung bewußt war, orrderen gegenüber und nicht Waren anhäufte und damit zur herrschenden Teuerung beitrug: ob sie es verstand, übte und auch ander» lehrte, durch rationelles Wirtschaften all« Materialien, die durch ihre Hände gingen, seien e» Lebensmittel. Brennstoffe oder was sonst immer, aus» beste nutzbar zu machen, eingedenk dessen, daß e« vor allem Arbett und Sparsamkeit sind, wodurch wir wieder bessere Zeiten aufführen können.

Arbeit und Sparsamkeit und das Unseinsfsihken mit unserem ganzen Volk, jene Demokratie der Tat, die sich in unzähligen Dingen des täglichen Lebens zu erweisen vermag. Wir haben es in den vergangene« zwölf Monaten so vielfach erlebt, bi« zu welchen gründen die Zerrissenheit unseres Volkes^ v«rant«or»

tungslose Verhetzung und hemmungslose Selbstsucht zu führen vermögen, daß das Gelöbnis, zur Besserung helfen zu wollen, uns alle in das neue Jahr geleitert sollte.Nicht mitzuhassen, mittulieben bin ich da." Die Rachegedankcn hegend«, Rache säende Frau, welch eine Verzerrung naturgemäßer, liebenswerter Weib­lichkeit! Erst wenn jene Liebe wieder in die Welt kommt, die nicht an der Grenz« der Familie, de» eigenen Standes, des eigenen Lande» Halt macht, düt» fen wir alle wieder auf glücklichere Zeiten hoffen. Ihre Künderin muß di« Frau sein. Da» ist ihre hohe, heilige Mission. Nur ste kann in di« Herzen d«r Jugend jenes Gefühl edelster Menschlichkeit pflanzsn, das auch dem Andersdenkenden, Andersglaubenden die Reinheit des -Wollens zugesteht und nur von der Niedrigkeit der Gesinnung sich mit Schauder» oft» wendet.

Jenes Gefühl, dem m«ch die Niedrigkeit der Mttr-l verächtlich ist, bei den Frauen muß es Heimstätte und Pflege finden, wenn in unserem öffentlichen Leben, wenn !m Kampf der politischen Meinungen wieder reinere Luft wehen soll. In de« Vaterlandes schwer­ster Stund« hat man uns Frauen gerufen, fs wie der Mann in feiner schlimmsten Not sich zu dem Schoß flüchtet, der ihn getrogi V Wüßten wir nicht andere«» Rat wie die Männer, wüßten wir nicht Frauenrat, nicht Mütterrat, des Vaterlandes Ruf wäre Ver­geben» gewesen. Noch haben erst viel zu wenig Frauen

ihre Au ihr Ein rcchtigke

cib« erkannt. Viel zu

luß geltend, ihr praktischer Sinn, ihr Ge-

erft macht

Schwächen, der Hilfe Bedürftigen

tsgrstihl. ihre

Liebe zu den . müssen m | ganj anders wie seither zum Besten der Allgemeirrdeit aus» wirken. Diel Ungerechtigkeiten vergangener Zeiten harren des Hinwegröumrns. Durch die Verfassung ist der Boden geebnet, auf d«m Neues, Besseres erstehen soll. Nur vereinte Arbeit von Männern und Frauen kann es schaffen.

Einen Blick noch, ihr Frauen, auf da» entschwstv dende Jahr, um aus dem, was es brachte, aus dem, was es versagte, zu lernen! Und dann mit jenem Mut und jener Zuversicht, die der Glaube und di« Hingabe an eine gute Sackpe geben, an jene ernste« und wichtigen Aufgaben, die im neuen Jahr eurer harren! Damit, wenn ihr in Jahresfrist, wiederum vor den Toren eine» neuen Jahres stehend, di« Bilanz zieht eures Tun und Erlebens, ihr freudigen Herzens «in« Bereicherung buchen dürft, die hoffnunK.irL«ad in eine stetig licht« wertend- Zukunft weist)