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Samstag, 24. Dezember 1921.
Der Weg zur sozialen Versöhnung.
Ein« Weihnachts betrachtung.
Berliner Abteilung des Wi«hadener Tagblatts: Berlin IV. 9. Vohstrahe 18. Fernsprecher: Amt Zentrum 11435-11437,
Abend-Ausgabe.
Die Tagung d§s Obersten Rates in Cannes.
Von Anna Pappritz.
£ en . gesellschaftlichen Schichten, tzj« ^^-^vllenhaß sefuftrt hat. beruht viel weniger auf der Lerschiedenhelt des materiellen Besitzes als auf der Vec- iEledMhelt der Kultur. Der Unterschied zwischen „arm und 25 s'J* 8 ™? 61 'nnerhalh der gebildeten Stände als zwi- M" gut entlohnteu Arbeiter einerseits und dem oft mt bitterer Not rmgeudeu Intellektuellen andererseits. ! i S e s Ä “fr der bedrängte Gelehrte bäht nicht £ n wohlhabenden Unternehmer, weil Seide sich als Ange- ^.'7° und derselben „Kaste" sühl-n. weil ihre Lebens-
oem '^lero als oer ri>er- 3ur den Arbeiter ist jeder, der sein Brot nicht mit der Hand verdient, die Drohne, der Schmarotzer, der vom sch werbe des Proletariers ledt. Er bat für die ffiufien und sorgen, für dl« Anstrengungen des geistigen cchasfens kein Verständnis Er versteht es nicht dah d-r geistige Arbeiter Kulturbedürinisi-: und damit' Mehrausgaben hat. die zu seinem Beruf gehören, so dah bei gleichen Einnahmen der Eebiloete bittere Not leidet, während sie >ur den Handarbeiter ein gute- Auskommen bedeuten. Der Rechtsanwalt der Lehrer müssen sich besser kleiden als der Arbeiter, ne brauchen ein ruhiges Studierzimmer: il? ^UIgelben für Bücher, die Teilnahme an wistenschaft- erschaften, der Besuch von Kongressen verschlingen Ä. - r Arbeiter llbbt in diesen Notwendigkeiten
ater lediglich einen ,.Luru» für reiche Leute". Darum wird materlelle Hebung des Arbeiierstandes, so notwendig und wünschenswert ste ist. doch niemals die soziale Versöhnung ^^tsuhren. wenn das Kulturniveau der breiten Massen ncht gehoben wird. Die höheren Einnahmen des Arbeiters w»den lediglich für materielle Genüsse angewendet wer- acn. so lange geistige Guter ihm einen unverständlichen .iixus bedeuten. Die erste Vorbedingung der Höherentwick- Ä 9 iinn?"urori.'it Bedürfnisse beruht darum auf der Schaffung von Wohnungen für das Volk, nie ihm mebr treten als ein Obdach. Wenn eine Fam-lie in einem ^’.mrner ^"sum/nengeofercht lebt, dann fehlt es an Rübe und M um stch m ein Buch zu versenken. Die Unordnung u^d !.nöehcrgliä)kei^. d^e m svllhen Rrmm vaturcremätt
Ä?sn, " inussen, lasten den Wunsch nach einem Schmuck des rl n,s , nach einem Bll». einem Blumenstrauß gar nicht aus !"r?lcn Dle zwe'te Huuptau'gabe liegt in der Erziehung.
dlldae geistiger und uberpersönlicher Interessen. Lj-xv ® r r 3 . ief lS n 3Ü : rind Schulreform, die wir anstreben Erste Brücke des Verständnisses schlagen, indem sie ! ? Binder der verschiedenen Stande in nähere Berührung und den begabten Kindern der arbeitenden Schichten neielben Aufsttegmoglichkeiten bietet. Andererseits er- En d.e Kinder der höheren Kreise jetzt vielfach prak- stsche Berufe, weil diese ihnen einen rascheren und sicheren Broterwerb gewährleisten. Durch diese Bern ischuna durch Lk Sinüberflnten aus den unteren Schichten in d,> oberen und umgekehrt, werden nach und nach die gegen- Ln' 8 n^^rteile fallen, die «ch wie Schranken zwischen v!ck,i"^^'Ed^nen Standen auchauten. Wir dürfen aber m, m!" “-Ir bie ^ l e,n automatische Wirkung hoffen, son- uni fordern und unterstützen, indem
w, i> eWt "-n den Iesteln der Konvention befreien und US unsren erzieherischen Einsluh auf die Jugend unserer dah m Zukunst der Mensch nicht nach Arbeit und nicht nach dem Umfang seines Geldbeutels beurteilt wird, sondern lediglich nach seinem «Richt Wissen bedeutet Kultur, sondern ul ® ,e Bildung des Herzens und des Gefühls, die -d ^ariobnung fuhrt kann sich der Mensch in jedem Stande mX« 1 x em ®l ri!f aneignen. Die Wege dafür frei zu inau™ Unb JU e6net1, ^ bie Kulturmission der gebildeten
Rkan bat das Weihnachtsfest stets „das Fest der Liebe" «. a £?5 ® ,r baben diese Liebe meist in recht egoistischer N^r. betätigt, indem wir nur daran dachten, unsere . 5tJ .erfreuen. Wir iahten das Wort „unsere Man im wörtlichen, nicht im .christlichen" Sinn auü W- wo der Ernst der Zeit das Feiern und Schenken sehr iucyrankt. sollten wir uns einmal darauf besinnen, was 8 5 er Vergangenheit versäumt haben und welche bre Ziikunst von uns iordert. Jetzt kann man mit ,.5^"berzigke,t nicht mehr Kelten, unser Volk fordert Ge- J l,nb Verständnis, und nur wenn wir selbst lernen. dost^Ebben und damit vieles zu entschuldigen, dürfen wir Klnl»’ aut ^ bas mißleitete Proletariat sich aus dem heraus zum Verständnis und damit zur Ver- ümung hindurchringen wird!
Dz, Paris
, Rach einer Meldung aus London beginnt die Tagur
am 6. "rivatverch Für die
« L t« s i n E a, n n e s endgiilti, retungen gehe redenfalls eine i Lloyd George und Bxiand voran
wrenz seien sechs Tage vorgeieoen. _
Konferenz der alliierten Auhenminister stattfin M Sraae. des nahen Ostens beschäftigen Dauer seien zehn bis zwölf Tage vorgesehen.
des „Petit des O bersten anuar. Den V. indlung zwischen Dauer der Kon- Dann werde eine stattsinden. die sich . .... ^ . . aftigen werde, für
m "IS zwölf Tage vorgesehen.
Der .,Matin sagt in einem Rückblick über die Ver- handluiWen von London Ende Januar müsse man einen
hi» edcraufrichtung Rußlands durch
Etseiibö^,mvÄellung feiner Eisenbahnlinie und seines “ b. was ein« Handels- und Finanzan- J on srohem Umfang sei. die politische Klugheit erfordere, . num nicht von den Sowjets geprellt ode durch die deutsche Mitarbeit überflutet werden wolle:
2. die Lösung der Wechselkursfrage und , li - ondlich. was^ Deutschland anbetreffe, besondere Mab- nahmen für die abwlute Kontrolle der Zoll ein- nahmen, der Ausfuhr von Kapital, des Budgets'der
äffIÄ nÄ'JS S
Ä"o" SS Äf “*“* dl, man !.
R* ÄH , mi( b ?i I * n des europäischen Wiederaufbaus, der ^direkt mit dem Revarationsoroblem vereine, weil befon- Deutichlands zur Bedingung die bvoochtigte Erfüllung dessen habe, was feine Gläubiger er- ßnH htrff«?!' Llw die Anstrengung einer europäischen zJLjJJm T JJ„ ä j durch klare und wirkungsvolle Garantien gewisfermasten in Münze umgewandelt werden, damit aus dem Finaiizmarkt elu Teil der deutschen Schuld mobilisiert werden und damit durch Anleihen den dringendsten Be^ Rationen Genüge geleistet werden könne, die
Dz. London. 24. Dez. „Daily Telegraph" schreibt werde aus^ der Konferenz von Tannes ?ein - f s re.doch wahrscheinlich, dah h^^^Eland. wenn auch nicht in unmittelbarer Weise £H<t ^t« SaHutei ber beutj^en Regierung, so doch mittelbar buttS technische Delegierte vertreten sein werde, die sich zu Jnformationszwecken,zur Verfügung des Obersten Rates halten würden, ebenwavie Rathenau, der während der lebten. onalisch-imnzostschen Beratungen «ch zur Verfügung des britllchen Schatzamtes gehalten habe. a
Reuter erfahrt' Man erwartet, dah die Außenminister Frankreichs und Italiens zur Erörterung der Probleme des naben Ostens am 12. Januar in Paris zusammentreten wurden. Wenn ein endaültiaer Rekck>k„K
"-»«x- "NS, AK?
X - X^' i n ' H' Das Reutersche Bureau erfährt dah das Datum der Einberufung des Obersten Rates zur Konferenz in Tannes noch nicht endgültig festgesetzt sei. Dem augenblicklichen Plan zufolge werde Llond George lein Sekretär London nächsten Montag verlassen, um Sudfrankreich zu begeben. Einige Tage später werde der Schatzkanzler mit den Vertretern des Schatzamtes nach Parts reisen.,um der englisch,franzö«schen Sachoerständiae^ T£’&Lu-\ , .r o l nim ' Im 2. Januar werde der grZU 5?^ Äomntiffion nctd) Sübfwittficidi absabren
5. t 3anuar erenä ^ Obersten. Rates beginne vermutlich am
Die Auffassung Frankreichs.
Na« ^®x- darifer Korrespondent der „Vo>d Ztg. berichtet über die Auffassung Frank- n/i 3 ^ Itcf) der in der Konferenz von Tannes zu er- orternden ^ Fragen, auf Grund einer an zuständiger iranzö«- sther Stelle erhaltenen Information dah im Gegensatz zu England Frankreich eine gleichzeitige Lösung der drei ^s.f.?AVnWen Probleme' die deutsche Frage, die mitteleuro- 8rage und die Wiederherstellung der wirtschaftlichen £rrl m, ns ’ti Rußland, als das dringendste Problem durch dessen Losung allem eine brauchbare Grundlage für den D^deraufbau Europas gescharsen werden könne, wünsche. >">r vre Sanierung der deutschen Finanzen die als Voraussetzung für die Wiederherstellung der nor- mX“ 3U - Een habe, hätten die franzö«-
Sachverständigen em Programm ausgearbeitet, das ®t® e, v ru S a t.Ü* Befugnisse des Garantieausschuffes mcht aber die Einsetzung einer ständigen Kontrolle vorsehe
Nr. 588. * 69. Jahrgang. Die englische Friedensoffensive.
v. Rom. 24. Dez. (Eig. Drahtbericht.) Hier ist die Hoffnung und die Überzeugung verbreitet, daß im Januar die Zukunft Europas entscheidend gestaltet werden kann. Man glaubt, daß durch die englische Friedens- oneniioe. wie ste luer genannt wird, die in dem Buche DittiS sicherlich nicht zufällig vorgezeichnete Sicherung --Ä/eichs durch den.englisch,italienischen Schutz garantiert sei. Die englisch-italtemsche Diplomatie ist entschlossen. Frank- reich den Vorwand zu nehmen, an dem bisher jede Initiative «kscheitert ist und oer auch in Frankreich den nicht chauvi- mstiscken Kreisen das Aufkommen unmöglich gemacht hat. So bestimmt die Garantien lauten werden, io bestimmt werden die englischen und italienischen Gegenforl an Frankreich sein.
Ein englischer Finanzrat.
D Amsterdam. 21 Dez. (Eig. Drahtbericht.) Aus London wird gemeldet: Lloyd George hielt gesteM in Gegenwart T h a m b e r l a i n s . des Schatzministers Horne und des Kriegsfekretars Evans in der Downing- street eine Konferenz mit vier führenden Vertretern der britischen Finanz und der Industrie ab. in der die Fraget des wirtschaftlichen Wiederaufbaus Europas behandelt wurden. An der Besprechung nahm auch K in- dersley. der Direktor der Bank von England, teil. In der nächsten Woche werden die vier Sachverständigen nach aris reisen, um dort mit dem Komitee der französtschech ..' " " Die W-
cderungcn
Die Oppofitton gegen Briand.
v. Paris, 24 Dez. (Erg. Drabibericht.) Bit and hat estern dem Prastdenten der Republik einen Dortrag ilvrr die Londoner Konferenz gehalten. Der Ministerrat wird sich mit den Plänen Lloyd Georges beschäftigen. Inzwischen hat der frühere Finanzminister Klotz, einer der Führer der Opposition, dem Mtnisterprästdenten angekündigt, daß er ihn über dre Stellung Frankreichs in der Wiedergutmachungsfrage zu interpellieren wünsche. Briand hat dem Abgeordneten gesagt, dah er vor der Konferenz von Cannes eine Diskussion dieser Art nicht eingeben könne.
Verminderung des Personenzugverkehrs -nach Weihnachten.
D-. Berlin. 28. Dez. Der R ü ck st a n d. worin die dsutfche Regierung mit den aufgezwungenen Koblenliets- r u n g e n an die Entente gekommen ist. beeinfluht naturgemäß die mr den inländischen Verbrauch verfügbar bleibende Kohlenmenge. Darunter wird auch die Re ich s» dabn zu leiden baben^da ihre Kohlenveriorgung unter den Redarfsziifern bleibt, Wenn auch für den eigentlichen Weih- nochtsverkebr eine Einschränkung des Personenverkehrs vet mieden wurde, so muh doch sogleich naS.Weibnaä ten eine.Verminderung der dem Personenverke
Beratungen des Neichskabinetts.
tun»» ?E,rlin. 24. Dez. Der „Deutschen Allgemeinen Zet- na»».-??^vlge beschäftigte «ch das Reichskabinett gestern nur der Koblenfrage. Die mahgebenden apI" l!»d der Auffaffong. daß alle Anstrengungen iieicL„ * .werden müssen, um den Kohlentransport zu iaitt™ unb;bannt die dem Wirtschaftsleben drohende Ee- '°nd — 2m Anschluß an die Kabinettssitzung
l«t»n^?v^rI^vrechung der an der Revarationsfrage betei- t *;“ Restorts über den gegenwärtigen Stand der Re- iuna frage statt. Der Termin für die Beantwor-
vy^-ver drei von der Revarationskomminion in ihrer Rot-> 17. Dezember gestellten Fragen steht noch nickt fest.
Deutschland wartet.
24 - Dez. (Eig. Drahtbericht.) Der berichtet: Auch bis gestern abend hatte die s-ä/Sregierung weder eine offizielle noch ? 'uoffizielle Nachricht über das Ergeb- üij .. 1151 Londoner Reparationsberatungen und ebenso- -usk^ ? tne Antwort auf ihren Antrag um Zahlungs- Wmyub. Ci« verhält sich also noch abwartend
Die französischen Vorschläge bezeichneten zunächst die Reu- ordnung der Reichsbank-Bersastung nach dem Vorbild des Statuts der Bank von Frankreich oder der Bank von England als unerläßlich. Sie forderten weiter die Schaffung einer Devisen zentrale zur Verhütung der Devilen- st'ekulativn und die Verschärfung der Vorschriften über die L-evisenabgabe von der Ausfuhr. Unter der Voraussetzung dah die. Sanierung der deutschen Bilanz erzielt werde sei Frankreich bereit, auf den Londoner Z a h l u n g s v l« zu verzichten und bei der Lösung der Revarations- ai? 1 U0 \l 9 * n x uet Grundlage mitzuwirken Frankreich habe auch nichts dagegen .einzuwenden, dah das R e v a r a t l o ns Problem auf der Konferenz unter iHtn^n-
k'ckX % r f ?' n?bs besprochen werde. Rach dem französi- schen Plane sollten d'e :n London vereinbarten Jabres- zab.lungen ourch eine grohe internationale An- t e i h e. btc 15 oder 16 Milliarden Goldmark erreichen konnte, abgelöst werden. rrrriaien
Die Entscheidung der Reparationskommission.
D. London, 24. Dez. (Eig. Drahtbericht.) Die Re- paratronskommiffion wird Deutschland die Mitteilung zukommen lassen, daß die beiden nächsten Zahlungen vollständig zu esr.f.o.lgen haken.
Slreikdrohung der Breslauer Eisenbahn«.
Br. Breslau, 24. Dez. (Eig. Drahtbericht.) Mchreve tausend Eisenbahner des hiesigen Direktionsbezirkes demonstrierten vor dem Direktionsgebäude und übermittelten der Reichsregierung sowie den Spitzenorganisationen telegraphisch eine Entschliestung, in der ein sofortiger Vorschuß von 1000 M. sowie die sosortige Regelung der Ortsklasseneinteilung für alle Orte gefordert wird. Im Falle der Ablehnung wird mit sofortigem Streik gedroht.
Br. Berlin, 24. Dez. (Eig. Drahtbericht.) Die Ortsverbände der Eisenbahner in Halle und Essen haben die Entsendung eines Vertreters des Berliner Hauptvorstandes verlangt, damit dieser sich von der Stimmung der Beamten unterrichten und den Reichsstellen Bericht erstatten könne.
Das Arbeitszeitgesetz für die Eisenbahnen.
Lr. Berlin. 24. Dez. (Eig Drahtbericht.) Die Eiseil- babnverwaltung bat den Entwurf des Arbeitszeitgesetzes mit den Sauvtvertretungskörvern des Personals unter Hinzuziehung von Gewerkschaftsvertretern beraten. Dabei baben
dem Verional weiterzuberaten, weil er bereits im Kabine!« m Behandlung genommen fei und weil man aus auhen politischen Gründen und auch nach dem persönlichen Wunsch des Reichskanzlers die Beschleunigung der Behandlung deö Entwurfes naheleae. Hiergegen wird seitens des Sauvtbe- amten- unb Sauvtbetriebsrates sowie auf seiten der Gewerkschaften Protest erhoben.
Der vom Reichsverkehrsministerium gebildete Organisa- twnsausschuh bat eine Sitzung abaebalten. in welcher Ober- Wier""«srat Kam beiger einen ausführlichen Bericht da» R e i $s eisenbabnflnanzgesetz gab. Eine
