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Nr. 582. Mittwoch, 81. Dezember

Die neue hessische Regierung.

Dz. Darmstadt, 20. Dez. Der Landtag trat heute vormittag zur Wahl des Staatspräsidenten und Bildung der heuen Regierung zusammen. Die Fraktionsbesprechungen alten zu dem Ergebnis geführt, daß die alte K o-a itionsregierung wiedergewählt werden solle, or der Wahl erhob Abg. Dr. Osann (D. Vpt.) schärfsten .tnspruch gegen die Regierungsbildung, die nicht dem in ^en Wahlen zum Ausdruck gekommenen Willen des Volkes Entspreche. Seine Partei werde der Regierung das Ver­bauen versagen und weihe Zettel abgeben. Eine gleiche Erklärung gab der Abg. Brauer im Namen des Bauern-

S undes ab. Die neu zu wählende Regierung bringe die in lussicht gestellte Verringerung der Ministeriellen nicht. Nur unter dieser Bedingung aber habe seine Partei die hohen Ministergehalter bewilligt. Auch der Abg. Werner er­klärte im Namen der Hessischen Volksvartei. daß feine Partei die Koalition ablehnen werde. Der kommunistische Abg. R i n k erklärte ebenfalls, daß er eine Regierung der Sozial­demokraten mit den bürgerlichen Parteien überhaupt ab­lehnen muffe. Im Namen der Mehrheitssozialisten erklärte der Abg. K e u l, daß seine Partei keinen Grund sehe zur Erweiterung der bisherigen Koalition. Der Abg. Len bart sprach im Namen des Zentrums und erklärte, seine Partei sei grundsätzlich für eine Verbreiterung der Koalition gewesen und hoffe, daß dieles Ziej, das stch jetzt nicht habe erreichen lassen, in absehbarer Zeit erreicht werde. Der Pertreter der demokratischen Partei, Reiber, erklärte, die demokratische Partei habe ursprünglich nicht in die Regie­rung erntreten wollen. Cie habe ffch aber dazu entschloffen. weil ohne ffe eine Regierung überhaupt nicht zustande ge­kommen wäre.

Darauf fand die Wahldes Staatspräsidenten statt. Auf den früheren Staatspräsidenten Ulrich ent­fielen 38 Stimmen. Außerdem wurden 27 weiße Zettel ab­gegeben. Der Staatspräsident sprach seinen Dank für das chm gezeigte Vertrauen aus und versicherte, daß er in allen Fällen die Jntereffen des Landes und des Volkes in vollem Umfang wahrnehmen werde. Zum Minister des Innern wurde der bisherige Iustizminister Brentano (Zentr.) gewählt, der zugleich Stellvertreter des Staatspräffdenten wird. Das Justizministerium bleibt vorläufig unbesetzt, ssinamm iniffer wurde wieder der Abg. Henrich (Dem ). Zum Wirtschaftsminister wurde Abg. Raab gewählt. Die bisherigen Landesämter werden unter die Ministeriellen verteilt werden. Diese Verteilung wird von den Ministe­rien selbst voraenommen werden.

Der Landtag gab darauf seine Zustimmung zur neugi-- wählten Regierung. _

Einschränkung der militärischen Kontrollkommissionen.

Br. Berlin. 21. Dez. (Eig Drabtbericht.) Wie verlau­tet. sollen die interalliierten Militärkontrollkommisllonen am 1. Januar auf ein Drittel ihres ursvrünglichen Bestandes reduziert werden. Die UnterkommiMonen in München. Dresden. Hamburg Königsberg und Köln beab­sichtigt man auszulöscn.

Ausschreitungen gegen Weihnachtsbaumhändler in Berlin.

W. T. B. Berlin. 20. Dez Heute vormittag ist es in Perlin an zwei Stellen zu Ausschreitungen gegen Weih- nachtsbaumbändler gekommen. Auf dem Nordbahnhof wurden einem Händler ungefähr hundert Weihnachtsbäume von einer größeren Menschenmenge geraubt. In der Rheinsberger Straße wurde ein mit Weihnachts- däumen beladener Wagen umgeworfen und die Bäume ge­raubt. In beiden Fällen konnten die Täter entkommen. Die Trzeoe sollen angeblich aus Erbitterung über die hoben Prerk der WcibnaÄtsbäume erfolgt fein.

Kern verbilligter Mais für die Spiritusbrennerei.

Br. Berlin. 21. Dez. (Eig. Drahtberickt.) Das Reichs- Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft bat. w,e wrr erfahren, die vom Berwertungsverbande Micher Sviritusiadrikanten angeregte Lieferung von ver­billigtem Mais an die Brennereien abgelebnt.

Ärzte und Krankenkassen.

Dz. Mannheim, 21. Dez. Nachdem die Berliner Ver­bandlungen zwischen den Krankenkassen und der Lrzte- draanisation gescheitert waren und die kürzlich in Offenburg zwischen den badischen Ärzten und Kaffen geführten Ver­handlungen zu keinem Ergebnis geführt hatten, e i n i g t e a ach beide Teile auf das im badischen Mantelvertrag vorge- isbene S ch i e d s a m t. das gestern seinen Schiedsspruch mllte. Dieser schlägt die Unbestimmtheiten bezüglich der Auerungszuschläge für das zweite Halbjahr 1021 aus dem Mae und ist voll von beiden Seiten anerkannt worden. Gleichzeitig spricht das Schiedsamt die Erwartung aus. daß das kommende erste Vierteljahr 1922 im Laufe des öanuars neue Verhandlungen bringen werde. _

_ Wiesbadener TagblaS. Wiesbadener Nachrichten.

Wintersonnenwende.

Am 22. Dezember, um 10 Uhr vormittags, tritt die Sonne aus dem Zeichen oes Schützen in das des Steinbocks, wie es in den Kalendern nach alter Sitte immer noch beißt, und damit beginnt der Winter im astronomischen Sinne. Richti­ger gesagt, ist die Sonne auf ihrem scheinbaren Wege unter den Bildern des Tierkreises in das des Schützen eingetreten, dem infolge der Zeichenverschiebung nun das Zeichen des Steinbocks zukommt. In diesem Sternbild liegt, wie der Himmelssreund durch einen Blick auf die Sternenkarte oder den Himmelsglobus recht anschaulich sehen kann, der südliche Wendepunkt der Sonne, also die Kurve, die dem absteigenden Tagesgestirn den Weg wieder nach Norden, zum Äquator hin, weist und die uns sonnenfrohen Menschenkindern ein Wegweiser der Hoffnung bedeutet. Denn wenn der 22. Dezember vorüber ist, haben wir die dunkelste Zeit hinter uns. Eine kurze Frist scheint die Erde, gleichsam wie aus liebgewordener Gewohnheit, in dieser Region des kürzesten Tages verbleiben zu wollen, dann aber beginnt auch praktisch eine täglich wachsende Lichtzunahme. Die Sonne steht, be­vor sie aus ihrer icheinbaren Himmelsbahn (die in Wirklich­keit ein Spiegelbild der Erdbahn ist!) den veränderten Kurs nach Norden einschlägt, gewissermaßen eine kleine Weile still, weshalb man auch vom Wintersolstitium spricht. Rich­tiger ist Wintersonnenwende. Um die Sonnenwenden (so­wohl im Dezember wie im Juni, wenn die Sonne den nörd­lichsten Stand erreicht) verändern stch di« Aus- und Unter­gansszeiten nur wenig, dann aber fetzt der neue Kurs kraft­voll ein. diesmal, wie schon gesagt, nach Norden und damit dem Licht und dem wachsenden Tag entgegen. Im Lauf des Januars werden wir das Längerwerden der Tagesdauer schon deutlich verspüren.

Bei der großen Bedeutung der Wintersonnenwende für das gesamte Leben und Weben auf der Welt ist es begreif­lich. daß schon in den ältesten Zeiten, in denen der Mensch viel inniger mit der Natur verbunden war als beut«, dieses wichtigen Ereignisses gedacht wurde, und wir haben ia bis in unsere Tage die Überreste der Sonnenwendfeiern verfol­gen können, wenn auch die zunehmende Nüchternheit und Poestelosigkeit unseres Alltagslebens immer mehr von den schönen überkommenen Bräuchen abrllckt. Der Wintersonnen­wendseier liegt eine viel tiefere Bedeutung inn« als der Johannisfeier, die eigentlich doch ein« Abschiedsfeier bar­stellt. weil sie mlr dem Abstieg des Tagesgestirns zusammen­fällt. Der 22. Dezember dagegen läßt uns hoffend dem neuen Erwachen der Natur und des Lebens entgegenblicken. Drei Monate später wird die Sonne bereits fo weit nach Norden geeilr sein, daß ste auf ihrer scheinbaren Himmelsbahn den Äquator schneidet, und zwar im Zeichen des Widders (in Wirklichkeit im Sternbild der Fische). Dann besehen wir den kalendarischen Frühlingsanfang. Daß der astronomische Beginn der Jahreszeiten nicht mit dem meteorologischen zu­sammenfällt. zeigt am sinnfälligsten dieser Winter, der nach einem wundervollen Nachsommer über Nacht anfangs November einletzte und sich mit großer Schärfe hält. Der Winter ldauert an sich länger, als ihm nach der kalendarischen Einteilung zugewrochen ist. Um so mehr darf man sich freuen, wenn, wie im scheidenden Jahre, der Sommer auch einmalüber die Stränge schlägt" und dem Kalender­mann dadurch ungehorsam wird, daß er nicht pünktlich von hinnen zieht. G. H.

Handelscrlaubnis für den Ankauf von Kartoffeln.

Der Polizeiprästdent erläßt folgende Bekanntmachung: Bezüglich des Ankaufs von Kartoffeln trat am 20. Dezember d. I. folgende Verordnung in Kraft: Wer außerhalb des Regierungsbezirks Wiesbaden in eigener Person beim Er­zeuger Kartoffeln »um Wiederverkauf oder zur gewerbs­mäßigen Verarbeitung oder für die Gemeinde. Verbände. Betrieb« oder als Beauftragter einer Mehrheit von Ver­brauchern ankauft, sei es im eigenen oder fremden Namen oder für eigene oder fremde Rechnung, bedarf einer beson­deren Erlaubnis, über deren Erteilung der Obervräsident (Regierungspräsident) entlcheidet, in deren Bezirk der An­kauf der Kartoffeln erfolgen soll. Falls mehrere Bezirke in Frage kommen, wird ein besonderer Erlaubnisschein für jeden Bezirk erteilt. Anträge aus Erteilung der Erlaubnis ssnd unter Beifügung eines Lichtbildes für den Stadt­kreis Wiesbaden bei der hiesigen Polizeidir^tion schriftlich zu stellen, die dann die Anträge nach Prüfung an die zuständige, Stelle weiter leitet. Die Erlaubnis ist ge­bührenpflichtig. und zwar kostet der erste Schein 300 M jeder weitere Schein 100 M. Keiner besonderen Ankaufs- erlaubnis bedürfen diejenigen, die im Besitz der Groß- handelserlaubnis nach der Verordnung vom 24. Juni 1916 für Kartoffeln speziell oder für Lebensmittel allgemein stnd. Dagegen bedürfen Angestellte und Beauftragte von Personen, die im Bentz einer Großhandelserlaubnis sind, zum Ankauf

' Abend-Ansqabe. Erstes Blatt. EeKe &

tufctet nach dem. was der Mensch unterlassen und wie er stch Mn bekämpft: nur der so das Wahre durchschaut und ins verborgene ssebt. richtet recht... Jedes Bild ist mehr oder weniger Charakteristik dessen, der es gemalt: so wie über­baust in allem Tun und Lassen eines jeden sich der innere, heutige Wert aussvricht. Je deutlicher aber und bestimmter und übereinstimmender alles Tun und Handeln und Schaffen V Einklang steht, ie rechter, ie bestimmter ist auch wohl der Mmsäl entweder gut oder schlecht."

* Falsche Rembrandts. Die große Zahl neuer Werke uon Rembrandt. die in den letzten Jahren aufgetaucht ist. stln nun eine Bewegung in der Kunstwissenschaft hervor, die ^ne größere Vorsicht in der Benennung von Gemälden mit bem Namen des größten Meuters fordert. Der Direktor des Mauritshuis im Haag. Prof. W. Martin, bat im ..Kunst­wanderer" einen solchen zur Vorsicht mahnenden Aufsatz ver» Memlicht. der das größte Aufsehen erregt bat. Wie nun Ä oeitichriit aus London berichtet wird, hat man dort eben- M die Erörterung über echte und falsche Rembrandts in Muerständigen Kreisen ausgenommen. Der Kustos der Muace-Sammluug in London. R. S. Me. Coll. erklärt, zwei «i» 'u «einer Sammlung befindlichen Bilder, dasBildnis wes Künstlers" undDer schwarze Bogenschütze", die früher nembrandt zugeichrieben wurden, für falsch. Sie führen jur im Katalog die BezeichnungRembrandt-Schule". Da- «wii sollen nach der Anstcht dieses Kenners di« von Martin >Mzweifelten Rembrandts des Louvre-MuseumsDer gut« I^nariier« und ..Christus in Emmaus" echt fern. Ebenso n /d auch von englischen Kennern die Echtheit der berühm- Landschaft Rembrandts. der jetzt bei Widener in d^bia befindlichenMühle", aufrechterbalten. ob- l EUb Zweifel an der Eigenhändigkeit bereits bei dem Ber- bes Werkes aus der Lansdowne-Sammlung bestanden, »'^.bestehen auch Zweifel über die Echtheit des im k.j °^bam-Palast befindlichen RembrandtPancras und an,iJr au Jedenfalls scheint es. als ob es heute ein« ganze M>bl ..falscher R-mbrandts" gibt. Die endgültige Fest- bC'tig der Echtheit eines Bildes ist häufig außerordentlich 8ir>! eu0 - Das zeigte sich bei der kritischen Sichtung der Dkui-" *** Batb-Galerie und des Soutb-Kenstngton- ben , ms. Jui ersteren Falle wurden von 250 Werken, die beüi»^o«ten Meistern zugeichrieben wurden, nur 70 als echi 2m Kenstngton-Mufeum ist eine Kommisston von dos, .Mandigen zu der Überzeugung gelangt, daß 50 der iLn 15 Kostbarkeiten bewahrten Gegenstände wertlo.se 881» ssnd.

Kleine LhroniL

Theater und Literatur. Der von Edmond de Goncourt gestiftete Goncourt-Preis von 15 000 Franken, der alljährlich dem besten in diesem Zeitraum erschienenen Roman zuerkannt werden soll, ist diesmal einem Farbi­gen zuteil geworden. R6nS Maran. für seinen Roman Batoula". Maran ist 1887 in Martinique geboren, bat in Bordeaur studiert, und steht in französtschen Kolomal- diensten. Nachdem das bis zum Frühjahr als Operetten­theater dienende Schumann-Theater wieder in ein BarietS- unrernehmen umgewandelt wurde, wird jetzt Frankfurt ein neues Operettentheater in dem bekannten Etablissement Groß-Frank?urt am Eschenheimer Tor erhal­ten. Dieses ist umgebaut worden, so daß Frankfurt nunmehr ein allen Anforderungen eines modernen Eroßstadt- Operetlentheaters genügendes Unternehmen besttzt. Die Direktion liegt in den Sünden der Herren Dewald und Elock. Zur Erstauffühiun« kommt die OperetteWenn Liebe erwacht" von Haller und Rideamus, Musik von Eduard Künnecke. Karl Heinz Martin beabsichtigt, wie die B. Z. bört. nach seinem Ausscheiden aus dem Verband der Holländer Bühnen ein eigenes Theater in Berlin zu gründen. Die Redaktion des literarischen Jahrbuchs Die Ernte' bat bei einer groben Zahl von Stadtbüchereien und Lesehallen eine Umfrage nach dem meistgelesenen Buch aus der schönen Literatur in der Zeit vom Oktober 1920 bis Juli 1921 veranstaltet. Als die meistoerlangten Werke erwiesen sich:Die Heilige und ihr Narr" von Agnes Günther, ..Das zweite Gesicht" von Hermann Löns.Die Buben der Frau Ovterberg" von Rud. Herzog.Der König" von Karl Rosner.Soll und Haben" von Gustav Freytag.

Wissenschaft und Technik. Walter Kinkel. Professor der Philosophie an der Universität Gießen, wird am 23. Dezember 50 Jahre alt. Der bekannt« Gelehrte hat einen großen Teil seiner Jugend in Wiesbaden verlebt. Walter Br a u n s f e l d s lorisch-vbantastisches SpielDie Vögel" bat. wie uns drahtlich aus Berlin gemeldet wird, gestern abend bei seiner Erstaufführung in der Staatsoper eine überaus freundliche Aufnahme gesunden, wofür sich mit dem Dichterkomponisten und den Hauptdarstellern auch der muss- kalische Leiter und der Regisseur bedanken konnten. Sämt­liche Darsteller sowie das Orchester und die Eböre boten aus­gezeichnete Leistungen. Auch die Vögelkostüme. Tänze. Pan­tomimen und die glänzenden Bühnenbilder trugen zu dem unbestrittenen Erfolg des Werkes und seines Schöpfers, der die fveibearbeitet« Aristophanische Komödie mit einer Fülle von Schönheit und Lbarakterifierungskuust umkleide:. Lat bei.

von Kartoffeln eines vorläufigen Ausweises von der Han- delserlaubnisstellr des Bezirks, in dem die Niederlassung des Auftraggebers ssch befindet. Der Erlaubnisschein kostet 10 Mark und muß mit Lichtbild versehen sein. Der vom Auf­traggeber einzureichende Antrag muß Name und Wohnort des Beauftragten, den Namen des Auftraggebers, für den er tätig ist, und die Nummer des dem Auftraggeber erteilten Eroßhamdelserlaubnisscheins enthalten. Ist letzter von einer anderen Stelle ausgefertigt, so ist dem Antrag eine beglau­bigte Abschrift des Handelserlaubnisscheins beizufügen.

Gegen den Kettenhandel mit Kartoffeln. Aus Ber­lin wird uns gemeldet: Wie derB. L.-A." hört, schweben gegenwärtig Berbandlungen der Landwirtschaft mit den Ge­werkschaften und Konsumvereinen zur besseren Regelung der Kartosselverteilung. Zweck der Verhandlungen ist vor allem, den Kettenhandel zu beseitigen, der zur Verteuerung der Kartoffeln im besonderen Maße beiträgt. Die Konsum­vereine haben sestgestellt. daß Kartoffeln in einzelnen Fällen durch zwölf verschiedene Hände gingen, ehe ste an die Verbraucher gelangten.

Eewerbelegitimationskarten. Der Polizeiprästdent erläßt folgende Bekanntmachung: Anträge auf Erneuerung von am 31. d. M. ablaufenden Legitimations- und Gewerbe­legitimationskarten für das Kalenderjahr 1922 sind aus­nahmslos beim zuständigen Polizeirevier unter Vorlage der abgelaufenen Karte und Entrichtung der Stempelgebühr so­wie Beifügung einer neuen Photographie zu stellen. Reisende haben ferner di« schriftliche Einverständniserklärung zur Er­neuerung der Legitimations- oder Eewerbelegitimations- kart« seitens der Firma, bei der sie tätig stnd. vorzulegen. Die neu ausgefertigten Karten können alsdann drei Tage nach Stellung des Erneuerungsantrags im Zimmer 50 der Polizeidirektion in Empfang genommen werden. Versuche, die Karten schon vor Ablauf dieser Frist abzuholen, ssnd bei der Fülle der zu erwartenden Erneuerungsanträge zwecklos. Es wird daher ersucht, die Frist von 3 Tagen innerzuhalten.

Kommunallandtag. Der 56. Kommunallandtag des Regierungsbezirks Wiesbaden wird auf Montag, den 13. Februar 1922. einberufen werden.

Wiesbadener Kinderhilfe. Die Firma Borinab bat in dankenswerter Weis« der Wiesbadener Kinderhilfe 1000 Mark überwiesen.

Weihnachtsfeier in der städtischen Oberrealschule.

Elternschaft. Lehrerschaft und Schüler der Oberrealschule ver­einigten sich gestern abend in der Aula ihrer Anstalt zu einer harmonisch verlaufenen Weihnachtsfeier. Ein reichhaltiges Programm wickelte ssch ab, das von gutem Können selbst der Jüngsten unter den Schülern Zeugnis ablegte. Mehrere gerade in ihrer Einfachheit wirkenden Aufführungen von Schülern der untersten Klassen führten die Zuhörer in die uns Deutschen so traute Weihnachtsstimmung hinein. Ein Melodrama zum Schluß gesiel besonders gut. Gesangliche und musikalische Darbietungen rahmten die stimmungsvolle Feier ein. Es verdient vollste Anerkennung, daß gerade in der heutigen schweren Zeit jm Rahmen einer schlichten deut­schen Weihnachtsfeier Elternschaft. Lehrerschaft und Schüler in so harmonischer Weise vereint werden, wie es gestern abend in der Oberrealschule der Fall war.

llmlagegetreide. In der Aufstchtsratssttzung der Reichsgetreidestelle ist auf kommunale Veranlassung bin ausdrücklich festgestellt worden, daß die Kommunalverbände nicht genötigt worden sind, den gesamten Bedarfsanteil, der ihnen auf Grund ihrer Bevölkerungsziffer zusteht. anzufor­dern. sondern daß die Höhe der monatlichen Anforderungen hinter diesem Höchstsatz »urückbleiben kann. Hierauf wird wegen des städtischen Ristkos besonders hingewiesen.

Mehrfrachten. Die bei der Mehl- und Eetreideliefe-

rung an Kommunalverbände entstehenden Frachten mußten bisher von den Kommunalverbänden verauslagt und als­dann von der R eich sgetrei de stelle angesordert werden. Auf

Antrag des Deutschen Städtetags ist jetzt ein« Vereinfachung eingetreten, insofern dl« der Reichsgetreidestelle angeschloffe­nen Mühlen beauftragt worden sind, die Mehllieferungen freizumachen, so daß die Kommunalverbände als vorläufig Zahlungspflichtige ausscheiden und ihr Betrieb dadurch wesentlich vereinfacht wird.

Planlose Zuwanderung ungelernter Arbeiter. Das

Landesamt für Arbeitsnachweis in Hessen-Nassau teilt uns mit: Im Industriegebiet Rheinlands und Westfalens wird von privaten Arbeitgebern und von öffentlichen Körverfchaf- ten über die neuerdings wieder lebhaftere Zuwanderung un­gelernter Arbeiter aus allen Gegenden Deutschlands stark ge­klagt. Di« planlos Zugewanderten werden in den meisten Fällen, da die Industrie und der Bergbau sich weiterer Auf­nahme Ungelernter verschließen müssen, in Not geraten und der Osientlichkeit zur Last fallen. Das Reichsamt für Arbeitsvermittlung warnt daher im Interesse der Arbeiter­schaft davor, ohne Zuhilfenahme der öffent­lichen Arbeitsnachweise das Ristko einer Zureise in jenes Gebiet zu übernehmen. Die Aufnahme der aus den abgetretenen Grenzgebieten geflüchteten und aus dem Aus­land ausgewiesenen deutschstämmigen Familien und Ledigen ist ein unbedingtes soziales Gebot. Eine namhafte Zahl solcher Familien und Ledigen ssnd bereits seit längerer Zeit den verarmenden Folgen der Arbeitslosigkeit ausgesetzt, die durch die unproduktive Unterstützung keinesfalls erfolgreich gemildert werden kann. Den Betreffenden können daher wohl zu Recht gewisse Vorzüge bei der Unterbringung m Arbeit eingeräumt werden. Zur Wahrung der Belange der Provinz Hessen-Nassaus. Hessens und Waldecks wird die Arbeitsvermittlung der sehr gesuchten Fachleute unrer den Flüchtlingen mit besonderer Aufmerksamkeit vom Lan­desamt kür Arbeitsnachweis beobachtet. Zurzeit befinden sich in dem Lager Zeithain noch eine Anzahl von Familien und Ledigen, die der Landwirtschaft und verwandten Beruss- zweigen entstammen und für die versucht wird, ähnliche Be­rufsstellungen zu erfassen. Di« Erfahrungen mit den Flücht­lingen stnd in der Regel durchaus zufriedenstellend.

Wäfchediebftäble. Das Zimmermädchen Maria Pack aus Böhmen, welches schon vor einigen Jahren einer ganzen Reibe von Wäschediebstählen überführt wurde, mußte vor einigen Tagen wegen ähnlicher Straftaten in Saft genom­men werden. Bei ihr wurden eine größere Anzahl Wäsche­stücke verschiedenster Art und Zeichnung, wie P. M.. E. L.. R. Z.. S. R., M. H.. E. M. Leivold usw.. vorgesunden. Personen, bei welchen das Mädchen seit 1918 in Stellung war. werden ersucht, zur Anerkennung der Sachen sich auf Zimmer 21 der Polizeidirektion zu melden.

Eine Messerstecherei, die stch in der Hellmundstraße abspielte, forderte zwei Ovfer. Die beiden Messerhelden, der 22iährige Arbeiter Heinrich Rücker und der Arbeiter Wil­helm Schmidt, bearbeiteten sich derart, daß ste. der eine mit einem Stich In der reckten Drustseite. der andere in der sinken Brustseite und außerdem mit Kopfverletzungen, in das städtische Krankenhaus gebracht werden mußten.

Uue der «reiovrrwolt»»,. Zu Kreisausschutzasststenten wurden er­nannt die Herren Seibert, Bernhardt, K. Hoffmann, Becker, P. Heller und E. Hossmann.

Die Durchflihr,n,»b«stimmu»gen zum Gesetz über dl« Einl-M««»- stener »am Arbeitelohn, weiche in der Nr. 52 des Zentralblattes füt da« Deutsche R ich unterm 13. Dezember »erSssenllicht sind, können I» der Geschäftsstelle der Handelskammer zu Wiesbaden iAdelheidstratze 33) eingesehen weiden.

»»rbertchte «»er Jttmtt, «ortrüge unv Der«,andres.

* Residenz-Theater. Der Spielplan für die Welhnachtsfeiertage bringt am heiligen Abend, Samstag, den 24. Dezember, nachmittag» 4 Uhr. noch­mal, da. Milchen, und RrtppenlpielThriftkindeletns Geburt" als Bor» fete.ium Weihnachtlich S» Sonntag, de» 25. (L Feiertags, nach- '

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