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«chsNer-HoN» grfffnet von I Uhr morgen» M» < He Postlchrcklont»: gMuffurt a. M. Nr. 749b.

12 Ausgaben.

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Dienstags 13. Dezember 1921.

Die Entente des Ostens.

Man kann den Teilnehmern an der Pazific-Kon- ferenz in Washington nachfühlen, daß sie unter dem Eindruck eines welthistorischen Ereignisses standen, als in der letzten Vollsitzung der amerikanische Senator Lodge den Text des Vier-Mächte-Abkommens be­kannt gab. Schon rein geographisch betrachtet, liegt in dieser neuen Entente die Feststellung, dag Europa nicht mehr der herrschende Erdteil ist. Zum mindesten sind ihm Asien und Amerika koordiniert. Darüber täuscht auch nicht die Teilnahme Frankreichs an der neuen Entente. Man wird gern zugeben, daß Frank­reich zuletzt aus einer reinen Statistenrolle heraus- gerückt ist. Aber vielleicht planen Amerika und Eng­land mit der Teilnahme Frankreichs am neuen Vierer­bund noch etwas, von dem sich alle Staatsweisheit an der Seine noch nichts träumen lätzt. Herr Harding, der lediglich ein Vollstrecker eng begrenzten Partei­willens schien, wächst sich gleich seinem Vorgänger Wilsen zu einem Weltberater aus, nur mit dem Unterschiede, daß er in der Praxis und nicht in wol­kenferner Theorie lebt. Wer weist, ob Frankreich die hohe Ehre seiner Mitgliedschaft an der neuen Entente nicht noch einnial bar bezahlen mutz, wenn man sich auf einer neuen Konferenz in Washington über die Versachlichung des Reparationsproblems unterhält.

Fürs erste freilich haben die praktischen Ameri­kaner ihre Nächstliegenden Sorgen gebannt. Wie ein Alpdruck lag über dem fernen Osten die Erfahr eines möglichen Krieges zwischen der Union und Japan. Das Wettrüsten auf beiden Seiten mutzte die Spannung ständig erhöhen, und da der amerikanische Bürger kein Freund hoher Steuern ist, sah selbst das Land der un­begrenzten Möglichkeiten trotz seiner starken technischen Überlegenheit gewisse Grenzen. Herr Harding hat das Streben Englands zu Amerika trefflich zu benutzen gewutzt. Der Plan. England von Japan zu lösen, ist vollkommen geglückt. Zugleich aber hat man Japan dir Fessel eines Abkommens mit den übrigen drei größten Weltmächten angelegt Das Abkommen und die vorausgegangene Rüstungsbeschränkung ist darum zunächst ein außerordentlicher Erfolg der amerikani­schen Staatsleitung. Er ist um so höher zu bewerten, als die letzten Präsidentenwahlen zweifellos jeder Bindung Amerikas an gewisse Bündnisse abhold ge­wesen sind. Aber die Weltgeschichte steht nicht still. Bald liest sich erkennen, daß die Isolierung eine nicht ungefährliche Sache ist. Namentlich der Staatssekretär Hughes hat das deutlich herausgefühlt. Zwar wird in dem amerikanischen Volke noch die Wahlstimmung von 1920 hier und da vorhanden sein, die Mehrheit in der Union aber will kaum vor der Tatsache die Augen verschließen, daß das Pazific-Abkommen in erster Linie einen vollen Triumph für Amerika be­deutet. Darum ist es schon beute so gut wie sicher, daß sich die Gegnerschaft im Senat geaen dieses Ab­kommen auf eine kleine Minderbeit beschränken wird. Demnächst ist England der Sieger. Das enalisch- javanische Bündnis ist chen Briten wäbrend des Wdt- krieoes trefflich Zustatten gekommen. Japan bat feine Landsknechtsdienste geleistet und England bangte vor dem Tage, an dem etwa die Geaenrechnung präsen­tiert werden könnte. Die Zeche hat Japan zu bezahlen. Ab-r man schätze den Vorteil einer Verständigung nicht oerina. Auch in Javan sagt man sich, daß heute ein Vergleich und eine V-rständigung besser sind als ein gewonnener Krieg. Es ist darum durchaus ver­ständlich, wenn in Javan gleichfalls Freude berrscht. Freilich, der nationalistische Ehrgeiz gewisser sapani- scher Parteien bat einen starken Dämpfer erbalten, und auch bandelspolitisch wird Japan auf manches seiner Vorrechte verzichten müsien. Der erste Artikel des Abkommens bietet Japan die Möglichkeit, auf einer Konferenz seine Ansprüche' immer wieder zur Dis­kussion zu stellen, und es ist noch nicht ausgemacht, ob es auf einer solchen Konferenz immer in der Minder­heit sein wird

Natürlich wird die Nenreaelung im fernen Osten uuch ibre Rückwirkungen auf Europa haben. . England hüt durch diese Sicherung und durch die Lösung des irisch»« Problems iekt die Hände frei für eine stärker onf Europa einaeftellte Politik. Es wird gewiß N'chts Deutschland zuliebe unternebmen. aber dort, wo seine Interessen mit den unseren znsammenfnllen. darf man vsn ibm sicher in Zukunft eine größere Aktinität als bisber erwarten Deutschland ist gegenüber den Aü- luachunaen non Washington lediglich Zuschauer. Aber

Deutschlands Wirtschaftskraft, an dem Konsum von llsbzia Millionen mitteleuropäischer Menschen kann dauernd keine Mächtekoalition vorübergeben. Darum «ird auch der Tag wiederkebren. wo Deutschland in ** n Kreis der Weltmächte zurückkehrt!

Abend-Ausgabe.

Kurzfristize Kredite statt Moratorium?

Sr. Berlin, 13. Dez. (Eig. Drabtbericht.) Der ,.B. L.-A." berichtet: Gestern nachmittag trat das Reichskabinett zu der vcn uns angelündigten Sitzung zusammen. Im An­schluß daran fand ein? Besprechung statt, an der die Cbefs der zuständigen Ressorts teilnahmen. In dieser Sitzung erstattete Dr. Rathenau Bericht über das Ergebnis feiner Reife. Heute vormittag soll diese Cbesbesvrechuna über das Reparationsproblem fortgesetzt werden. T>er Termin des Zusammentritts der Kreditkommission steht noch nicht fest. Man rechnet damit, daß diese Mittwoch einbe- rufen werden soll. Im Revarationsausschuß des Reichswirtschaftsrats spricht der Reichskanzler heut? vormittag. Das Plenum tritt, wie wir bereits berichteten, um 3 Uhr zusammen. Ob Dr. Wirt b dort noch einmal das Wort nehmen wird, ist zweifelhaft. Dr. S t r e f e - mann hat den Reichskanzler telegraphisch um, Auskunft gebeten, wann er in der Lage sei, im auswärtiger Ausschuß Mitteilungen über die Entwicklung der Kredit- aktton und das Ergebnis der Londoner Verhandlungen zu machen. Der Reichskanzler hat Dr. Stresemann telegraphisch mitgeteilt, er könne dem auswärtigen Ausschuß in den nächsten Tagen nichts Näheres Mitteilen. In parlamen­tarischen Krei'en verlautet, daß englische Kreise nicht abge­neigt seien, uns für die beiden Raten einen Kredit zur Verfügung zu stellen, der aber nur kurzfristig lein könne.

Die Antwort der Bank von England eingetroffen.

Bi-. Berlin, 13. Dez. (Eig. Drahtbericht.) Laut „Berliner Tageblatt" ist die Antwort der Bank von England auf die Anfrage der Reichsregierung, ob sie gewillt sei, Deutschland einen Kredit einzuräumen, nunmehr eingetroffen. Über den Inhalt dieser Ant­wort wurde gestern abend noch st r e n g st e s Still­schweigen bewahrt. Voraussichtlich wird der Reichskanzler, wenn er heute über die Kredit­aktion spricht, auch auf die Antwort der Bank von England «ingehen.

Briand» Reise nach London.

Dz. London. 13. Dez. Die „Morning Post" berich­tet, Briand habe seine Ankunft in London a u f nächste Woche festgesetzt. Über den Zeitpunkt seiner Rückkehr sei noch nichts beschlossen worden, da Briand und Lloyd George die Wirtschaftslage der Welt unter Berücksichtigung der Lage Deutschlands er­örtern wollten.

Das Blatt erfährt: Obgleich Rathenau von

London keinerlei Vorschläge über irgend ein Abkommen mitgenommen habe, bestehe alle Aussicht darauf, daß die Alliierten einen Plan entwerfen würden, der der tatsächlichen Leistungsfähigkeit Deutsch­lands Rechnung trage. In gewitzen amtlichen Kreisen Englands herrsche die Ansicht, daß die geplante Erleichterung für Deutschland wahrscheinlich nicht die Gestalt eines Moratoriums erholten werde in dem Sinne, wie dieses Wort im allgemeinen verstanden werde.

Landwirtschaft und Kreditaktion.

Br. Berlin, 13. Dez. (Eig. Drahtbericht.) Die in der Pretze verbreitete Nachricht, daß am 15. Dezem­ber eine große Kundgebung der landwirtschaft­lichen Zentralorganisatian im Herrenhause stattfinden werde, in der zu den Reparationsleistungen Stellung genommen werden sollte, trifft nicht zu. vielmehr fin­det am genannten Tage eine Vollsitzung des Reichsausschutzes der deutschen Landwirtschaft statt, der sich mit der Frage der Kreditaktion und der Devisen­ersparnis befatzen wird.

Rathenau Wirtschaftsminister?

Br. Berlin, 13. Dez. (Eig. Drahtbericht.) Gerücht­weise verlautet, daß Dr. Rathenau nicht nur das Wie- deraufbauministerium, sondern auch das Wirtschafts­ministerium übernehmen werde.

Zur Beruhigung der Kriegsanleihebefitzer.

Br. Berlin, 13. Dez. (Eig. Drahtbericht.) Die ordentliche Generalversammlung der Reichs- anleiheaktiengesellschaft genehmigte den Jahresabschluß für 1920/21. In der letzten Zeit sind Gerüchte im Umlauf, nach denen ein Staatsbankerott bevorstünde. Um diesen Nachrichten entgegenzutreten, ist ein Rundschreiben versaßt worden, um be­ruhigend aus das Publikum einzuwirken. An die Er­klärung des Staatsbankerotts sei nicht zu denken.

Waffenfunde in Deutschland.

Bf. Berlin, 13. Dez. (Eig. Drahtbericht.) Die Meldung der „Times", daß die in Sachsen gefundenen 353 großen Haubitzen im Jahre 1919, also nach dem Kriege und nach der Unterzeichnung des Vertrages von Versailles hergestellt seien, wird amtlich dementiert. Damit entfällt auch der Vorwurf der Verletzung des Friedensvertrages,

Nr. 568. ♦ 69. Jahrgang.

Die Erhöhung der Postgebühren.

W. T.-B Berlin. 12. Dez. Der Reichs rat beschäftigte stch beute mit der neuen Vorlage über die kurz gemeloete Er- l,öbung der Post-. Telegramm- und Ferniprechgebubren. wonach die Postgebühren durchschnittlich auf das Zwanzigfache, die Fernsprechgebühren auf das Fiinfzebnfache der Friedensgebubren erbobt werden

^ e 9ius den neuen Gebiibrenfätzen ist bervorzubcben: 2m

Ortsverkebr soll eine Postkarte 75 Pfennig, ein 20 Gramm- Brief 1.25 Mark kosten, im Fernverkehr.eine Postkarte 1.25 Mark, ein 20 Gramm-Brief 2 Mark.. Briefe von 20 brs 250 Gramm im Ortsverkebr tollen 2 Mark kosten, im Fernvertebr von 20 bis 100 Gramm 3 Mark, von 100 brs 2o0 Gramm 4 Mark. Die Drucksachenkarte soll 40 Pfennig kosten. Druck­sachen von 50 Gramm 50 Pfennig, von 500 Gramm brs zu einem Kilogramm find die Sätze von 1 bis 4. Mark gestaffelt. Päckchen sollen 5 Mark kosten. Pakete brs fünf Kilo m der Rabrone 6 Mark, in der Fernzone 0 Marl Von 5 Kilo brs zur Höchstgrenze von 20 Kilo »teigen d,e Satze in der Ral>- und Fernzone bis zu 30 reiv. 40 Mark an. Postanweisungen kosten bis 100 Marl 2 Mark, das Porto steigt bis zu ernem überweisungsbetrage von 2000 Mark bis 7 Mark. Die Post- stbeckgebübren betragen für die Zablkarte brs 100 Mark iü Pfennig und steigen bis 6 Mark öd Zablkarten über Be­träge von mebr als 5000 Mark. Die Auszablungsgebubr be­trägt ein Fünftel vom Tausend des Betrages. Die Tele­gramm-Wortgebühr ioll eine Mark betragen, tote Mindestge- bübr für ein Telegramm 10 Mark. Die Fernsvrcchgebuhref tollen durchweg um 100 Prozent erhöbt werden. Zertungs- rakete in der Nabzone bis 5 Kilo sollen 5 Mark kosten. Die Zertungsgebübr für eine Nummer bis zu 20 Gramm soll GA Pfennig betragen und erböbt stch bis 16 Pfennig bei Ge­wichten von 60 brs 90 Gramm und steigt für jede werteren 30 Gramm um drei Pfennig. Die Mindestiabresgebuhr soll 3 Mark betragen, dte Peroackungsgebühr für le 100 Num­mern bis 20 Gramm 1.50 Mark, steigt für Gewichte bis 90 Gramm bis 2.30 Mark, für jede weiteren 300 Gramm 20 Pfennig mebr. Die Gebühr für Sammelüberweifungen bei einem Kilo Iabresgewicht soll vierteljährlich 40 Pfennig be­tragen. für jedes wertere halbe Kilo 20 Pfennig mebr.

An Mebrerträgen werden erwartet: Bei den Post- gebübren 1728.8 Millionen Mark, bei den Postscheckgebübren 57 Millionen, bei den Telegrammgebübren 200 Millionen und bei den Fernsprechgebühren 350 Millionen Mark.

Pom Berichterstatter des Ausschusses wurde darauf bin- gewielen. daß eine weitere Serauffetzung der Post - zeitungsgebllbren erst ab 1. Avril 1922 in Kraft treten soll und daß der Reichsvostminister sich überhaupt vor- bebalten habe, über die erböbten Sätze noch weiter mit der Prelle zu verhandeln. In der Aussprache lehnte der Ver­treter Sackiens die Vorlage ab. da die sächsische Regierung der Überzeugung iei. daß der Abbau des Defizits nicht ledig­lich durch fortgesetzte Gebübrenerböbungen erfolgen dürfe. Der Vertreter Bayerns stimmte mamens seiner Regierung der Vorlage angesichts der Zwangslage der Reichsregierung zu. knüpfte jedoch daran den ausdrücklichen Vorbebalt. dvh die Reichspottoerwalrung unverzüglich daran gebe, durch Änderung des Dienstbetrieber Erfparmlle zu erzielen. Die Vertreter Preußens und Anhalts schloffen stch dieser Erklä­rung an. Der Reichsrat nahm schließlich die Vorlage unverändert mit Stimmenmehrheit an.

Einstimniig angenommen wurde eine von dem Be­vollmächtigten der Provinz Westfalen. Buchdruckereibesttzer L e n i i n g. eingebrachte Resolution, wonach die Reichsvost- verwaltung wegen der Bemessung der Zeitungs­gebühren mit dem Verein Deutscher Zeitunasoerleger in Beratungen eintreren soll, sowie eine Resolution, die im wesentlichen die Erivarnisgedanken einer vom Reichsrats- olenum am S. Dezember angenommenen Entschließung wiederholt. __________

Die rheinischen politischen Parteien gegen die Sonderbündler.

Dz. Köln, 13. Dez. Die Zeitungskorrespondenz „Dar Rheinland' meldet: Die Unterzeichneten politischen

Parteien bejchlollen in der gemeinsamen Tagung in K ö n i g s w i n t e r am 12. Dezember einen A u s r u k. in dem es u. a. heißt:

Im Augenblick schwerster wirtschaftlicher und politi­scher Rot unseres deutschen Vaterlandes scheuen sich sonder- bündlerische Kreis« nicht, den Versuch zu machen, durch offenen Hochverrat das Rheinland vom Reiche zu trennen. Diese Menschen, die. wie ste selbst willen, nur eine Handvoll Anhänger hinter sich haben, glauben, sich auf eine fremde Macht stützen zu können. Sie werden sich täuschen.

Wir verlangen dieselbe unbedingte Achtung der llnab- bängigkeit und der Freiheit der Gerichte, die allen Kultur­völkern für eine unantastbare Grundlage des staatlichen Lebens gilt. Es ist ein frivoler Täuschungsversuch. zu be­haupten. daß de: Sonderbündler Smeets wegen seiner poli­tischen Tätigkeit verhaftet worden sei. Er wurde sestge- nommcn in einem seit Monaten gegen ihn schwebenden Strafverfahren wegen Nichtachtung einer Anordnung des zuständigen Gerichtes und seines unentfchuldigten Aus­bleibens als Angeklagter. Die vlanmäßig betriebene Hetze gegen Preußen bat nur den Zweck die Loslösung der Rbeinlandes vom Reiche vorzubereiten. Auk eine Neugliederung des Reiches auf Grund des Artikels ,8 der Reichsverfallung kommt es den Sonderbündlern in Wirklich- keit nicht an: vielmehr wi"bt man offen für eine angeblich neutrale Rheinland-Revublik.

Feierlich erklären wir: Im Abwcbrkampf gegen Hoch­verrat und Dummheit erneuern wir unseren Beschluß vom 9. 6. 1921. daß für die Dauer der Besetzung des rheinischen Gebietes eine Abstimmung auf Grund des Artikels 18 der Reichsverfaisung nie erfolgen kann. Wir halten auf ewig» Zeiten am Deutschen Reich fest uno wollen von einer Los- reißung des rheinischen Gebietes nichts willen. Das ist die innerste Überzeugung und der entschlossene Wille der Rheinländer.

Zentrumsvartei. Sozialdemokratische Partei. Deutsche

Volksvartei. Deutfchnativnale Volkspartei. Deutsche demokratische Partei.