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Handelsstatistik und weltwirtschaftliche Solidarität.
Die Erkenntnis von dem innigen Zusammenhang zwischen der internationalen Handelsstatistik und der weltwirtschaftlichen Solidarität war bis vor kurzem noch bei wenigen durchgedrungen. Das ist nicht eben verwunderlich: Zn der internationalen Hendelsstatistik herrscht ein unbeschreibliches Chaos, das jeden inneren Zusammenhang vermissen und die Verflochtenheit der weltwirtschajtlichen Beziehungen unmöglich hervortreten läßt. Die Einsicht von der Resormbedürstigkeit dieses unerträglichen Zustandes hat am 31. Dezember 1913 29 Staaten, darunter auch Deutschland, veranlaßt. in Brüssel eine Übereinkunft aus Vereinheitlichung der internationalen Handelsstatistik zu-unterzeichnen. Allein der Krieg zerschlug, wie so vieles, auch diesen Plan. Der Nachkrieg freilich, vorab das Londoner Ultimatum, haben seitdem der Welt die unlösbare Solidarität der Weltwirischast mit Keuten- schlägcn ins Bewußtsein gehämmert und sie ihr an prqktischen Beispielen schmerzhaft demonstriert. Allein die allgemein anerkannte Leere blieb bestehen gerade in einer Zeit des wirtschaftlichen Wiederaufbaues, in der eine unbestechlich» internationale Statistik unentbehrlicher denn je ist. Die offizielle Welt versagte.
Diese Lücke hat nun ein einziger Mann ohne amtliche «nd ohne geldliche Unterstützung durch die Industrie »usgefüllt, und es darf uns mit Stolz erfüllen, daß es wieder einmal Deutschland, das niedergeknüppelte. «usgeraubte, wirtschaftlich versklavte, arme Deutschland ist. von dem der Ruhm ausgeht, dieses epochemachende Werk geschaffen zu haben. Auch di« ausländische Presse erkennt dies mit Berblüsfung an. Der ^Manchester Guardian" nennt es „ein staunenswertes Werk, das sich jedem als unschätzbar erweisen wird, der sich mit dem Studium des Außenhandels zu beschästi- gen hat". Das „Algemeen Handelsblad" erblickt »einen Beweis für die wiedererwachte Aktivität in Deutschland, daß man in dieser Zeit eine derartige Publikation gewagt hat". Und „Svens? Handels- Udning" nennt es „ein Standardwerk, einzig in seiner Art in der ganzen Welt" Gegenüber solchen Zeugnissen ist cs an der Zeit, die Aufmerksamkeit der weitesten Kreise auf diese Arbeit zu lenken.
Ihr Verfasser ist der von früheren statistischen Arbeiten her bereits vorteilhaft bekannte S. Zuckermann. In siebenjähriger intensivster Arbeit hat er mit unermüdlichem Bienenfleiß einen statistischen Atlas zum Welthandel verfaßt, in dem ein Riesenmcterial amtlicher handelsstatisiischer Publikationen der ganzen Wclt auf die kürzeste Formel einheitlich verarbeitet
und anschaulich zum Ausdruck gebracht ist. Das ungeheure hier errechn'ete Zahlenmaterial, die Äbersichttich-
handelsstatistischer Betrachtung die wirtschaftliche Bekämpfung der Mittelmächte durch die Entente auch nach dem Kriege zwecklos ist. Der praktische Geschäftsmann ersieht aus einer einzigen Tabelle dieses Werkes, in dem 60 Staaten genau untersucht und 182 Länder im ganzen, praktisch also die ganze Welt, berücksichtigt sind, die wirtschaftlichen Rivalitäten der Staaten untereinander. Aus anderen Tafeln werden die kausalen Zusammenhänge ersichtlich, so daß für me weltwirtschaftliche Ausbildung der weitesten Volksschichten wie für Diplomaten und Wissenschaftler die unentbehrlichen Unterlagen ohne weiteres gegebmi sind. Das Mißtrauen gegen alles, was aus Deutschland kommt, wird dadurch paralysiert, daß die amtlichen Unterlagen sowohl in der Währung eines jeden Landes als auch einheitlich im Goldfranken ausgedrückt sind, so daß der internationale Vergleich ln denkbar leichtester Weise gegeben ist. Trotz der inzwischen eingetretenen territorialen und goldparita-i- schen Verschiebungen bleiben die Ermittlungen und graphischen Darstellungen unerschüttert als Warnung und Wahrzeichen für den inneren Zusammenhang zwischen internationoler Handelsstatistik und weltwirtschaftlicher Solidarität.
Das Ausland hat, wie gesagt, die Bedeutung dieses Werkes erkannt. Es ist daher die dringendste Pflicht der führenden Kreise Deutschlands, im Interesse unserer Behauptung in der Weltwirtschaft diese neuen Unterlagen ausgiebig und zielbewußt auszuwerten, um sich bei handelsstatistischen Auseinandersetzu^en erfolgreich durchsetzen u»d dem andauernden Mißtrauen gegen Deutschland die Spitze bieten zu können. Dazu gebärt indessen auch die baldige Verwirklichung der von dem Verfasser vorgeschlagenen Maßnahmen^ und zwar: 1. die Ausarbeitung eines Gesetzes, wonach die Statistik als Reichssache und die Handelsstatistik als eine selbständige Disziplin erklärt wird: 2 die
Reorganisation der unzulänglichen Handelsabteilung des statistischen Reichsamts: die Einrichtung von
Vorlesunaen und Kursen über Handelsstatistik als selb- ständige Disziplin: 4 die Schaffung eines handels
statistischen Fonds. Die zielbewußte Auswertung vre« ser neuaeschaffenen Unterlagen und ihre Fortsetzung kommt letzten Endes der deutschen Volkswirtschaft zugute. _ -
Optimismus in Londoner amtlichen Kreisen.
keil der graphischen Tafeln ist schlechthin überwältigend. Unabschätzbar aber ist der Nutzen, der aus diesem Nachschlagewerk den Diplomaten, die Handelsverträge »orzubereiten haben, dem Exporthandel und der Erportindustrie, der Wistenschaft. insonderheit der Weltwirtschaft und der Wirtschaftspolitik erwächst. Der bekannte Zwischenfall in Spa mit der „Aktivität" der passiven Handelsbilanz Deutschlands und das ganze weltwirtschaftliche Dorgeben gegen Deutschland wären nicht annähernd in diesem Maße denkbar gewesen, wenn dieses Material von unseren amtlichen Stellen rechtzeitig ausgewertet worden wäre.
Zuckermann geht von dem schon im Jahre 1914 von ihm ausgestellten Grundsätze aus: „Die Ausfuhr
eines Landes ist zu bewerten nach der Einfuhr demjenigen Landes, in welches die Ausfuhr erfolgt." Don . welch großer wirlschaftspolitischer Bedeutung dieses Axiom'ist und welch greifbare Werte es gerade für die Praxis hat, zeigen z.' B. die „Grundlagen für die Gestaltung der wirtschaftlichen Beziehungen für Deutsch- !and und Rußland nach dem Kriege", jene unzulänglichen, irrefübrenden und schädlichen Unterlagen, mit denen der Deutsch-Russische Verein, eine große und «rnstzunehmende deutsche Organisation, die an maßgebenden Stellen noch beute als kompetent angesehen wird, selbst noch im Zabre 1916 operierte und aus Grund deren er die tatsächlich aktive Handelsbilanz Rußlands Deutschland gegenüber als stark passiv dar- z" stellte, eine Darstellung, die den Jongleuren der Statistik die Möglichkeit gab. in unheilvollster Wäise
S egen Deutschland zu agitieren. So ist das Werk Triumph und Anklage zugleich: Triumph, weil es zeigt wie man zu einer unbestechlichen Würdigung der wirtschaftlichen Tatsachen gelangt, gegen Lügenpropaganda und einseitige oder böswillige Auswertung machtlos sind. Anklage gegen die bisherige Tatenlosigkeit unserer führenden Kreise und das Chaos der internationalen Hnndelsstatistik Rein tabellarisch «ird hier schon im Jahre 1916 festgestellt, daß unter
Die Vertretung des Bankgcwerbes bei der Kredithilfe.
V t.b Berlin. 9. De». Me die Blätter melden, beschloß W beim Zentralverband deS deutIchen Bank- und Bankierpc werbe? in Sa^en der Kre- ditbilie bestellte Ausschuß, den Firmen S. Bleichroder. Dü M.^ Marburg. Diskonto-Gesellschaft Mendelssobn u. Co and Deutsche Bank in Gemeinschaft mft dem Präsidium des 3sn- tialverbandes die Vertretung des B a n r g e w,e r v e s bei den weiteren Deriiandlungen über die KreditakNon mit der entsprechenden Kommission des Reichsverbandes. der deutschen Industrie ui.d anderen beteiligten Stellen zu übertragen.
Droht ein Zusammenbruch der Kohlenvrrsürgung?
Br. Berlin. 10. Dez. (Eig. Drabtbericht.) Die Koblen- reriorguu.g sowie auch die Versorgung mit Harisbrandkohlcn llt zurzeit wieder in ein kritisches Stad i» m getreten. Die mebr als mangelhafte Versorgung der Industrie bat in einer Reibe von Bezirken schon überaus ernste Folgen gehabt. Es werden Arbeitseinschränkungen, auch Beiriebs- stilleaungen gemeldet. Die demokratischen Adgg. Ziegler und Erkelenz haben im Reichstag daber eine kl e I n » Anfrage an die Reg'erung gerichtet, welche Mittel onn«.- wendet worden sind, um eine besiere Kohlenversorgung zu ermöglichen.
Die Werbungskosten bei der Einkommensteuer.
Dz Berlin, 10. Dez. Wie der Präsident de? L a n. desfi nanzamtes Berlin erklärte, sollen die Werbungskosten bei der Veranlagung zur Einkommen- steuer die bisher 1800 M. betrugen, aus 3 5 00 M. erhöht werden. Die Beiträge für die Sozialverstche- rung sollen als Sonderwerbungskosten wieder einge- führt werden.
Zux Linderung der Rot vnter den Invaliden «nd Kleinrentnern.
Dz. London. 10. De,. (Drahtbsricht.) Laut ..Morniu»
H “ herrscht in Londoner amtlichen Kreisen Optimismus glich des Ergebnisses der Beratungen über die wirtschaftliche Lage Deutschlands. . ■ .
Wie der diplomatische Berichterstatter des ..Dmly Telegraph" mitteilt, werden L o u ch e u r und moglrcherweii« auch andere französische Minister B r i a n d auf seiner Reise nach England begleiten. Demselben Blatte zmolge:wurde bei den Beratungen mit Loucheur die Frage eines Moratoriums für Deutschland nur g e st r e i s t. Man Hab» jedoch unvermcidlicherweile in Betracht ziehen müssen, oo Deutschland seinen bevorstehenden Verpflichtungen nachzu- kvmmen in der Lage sei oder nicht, b.ezw. bis zu welchem Maße. Desgleichen habe man über die Garantien gesprochen, die Frankreich verlangen würde, falls Deutschland ein Zahlungsaufschub gewährt werde.^
Laut „Daily Telegraph" dürften die informellen englisch - französischen Besprechungen, die. wie man hofft, nächste Woche staitftnden sollen keineswegs als eine Konferenz des Obersten Rates angeiebtn werden. Cie leien auch ganz unabhängig von der geplanten Konferenz der Außenminister Englands. Frankrerchs und Italiens, betr. dir Fragen des naben Osten».
Loucheur und Ratheuau.
Vs. London, 10. De». (Havas.) Nach feiner Rückkehr von Eheauers nach London empfing Loucheur gestern morgen in seinem bokel den belgischen Gesandten und, daraus Dr. N a t h e n a u und stattete alsdann Winlton Churchill einen Besuch ab. Nach einer Havasmeldung drehte sich die vorgestrige Unterredung Louckeurs mit Rathenau um die Auslegung und das Funktionieren eines speziellen Punktes des Wiesbadener Abkommens, der noa» zu regeln war. In der Unterredung fei auch das deutsche Budget erwähn, worden, jedoch habe keinerlei allgemeine Erörterung stattgefunden, insbesondere keine solche. d,e d>» beiden Regierungen interesiierten.
Nathenaus Rückreise nach Berlin.
Vs. London. 10. De» lDrahtbericht.1 Die Blätter he- richten. Dr. R a t b e n a u . der gestern erneut aul-dem Schatzamt vorsorach. werde heute nach Berlin zurückkehren.
Laut ..Morning Post" wird beute in London Dr. Fischer vom deutschen Finanzministerium erwartet. Er kommt aus Paris. Der Zweck seiner Reise sei, mit Ratbenai» eine Rücksprache zu halten vor besten Abreise nach Berlin. Der Aufenthalt Fischers in London werde nur kur» sein.
.Die Zusammenkunft zwischen Lloyd George und Briand
Dz. Paris, 10. De, Nach dem. „Matin" wird in Ehequers im Verlauf de» nächsten Wochenendes dr« Zusammenkunft zwischen Briand und Lloyd George stattftndrn. Das englische Kabinett wird den Plan auf», stellen, welcher als Grundlage der Besprechungen der berdeir Ministerpräsidenten dienen soll. Von dieser Besprechung wird etwas später die E i n b e r u f u n g d e s Oberste» Rates abbängen. zu welchem auch die Belgier und Italiener berufen werden. Die Besprechung zwiichen Lloyd George und Briand wird nicht ausschließlich Un estnanz- ungclegenheiten gewidmet sein: es bleibt immer nach di» Angora-Frage zu regeln.
Rücktritt Lord Cnrzons?
Dz. Paris. 10. Dez. Der .,Matin"-Korrespondenh in London verbreitet das Gerücht, für das ihm ditz volle Verantwortung überlassen werden muß, manj spreche von dem Abgang Lord Curzons, und mni glaube, daß er durch den großen Freund Frankreichs L ar d Derby ersetzt werden könne.
Die Neuwahlen in England- Dz. London. 9. Dez. Reuter erfährt, in gutunter- richteten Kreisen sei man der Ansicht, daß die Neuwahlen nicht vor Juni oder Juli kommende» Jahres stattfinden.
Einberufung des Dölkerbundsrats.
Dz. Paris, 10. Dez. Nack einer Meldung aus Genf ist der Völkerbundsrat für den 10. Januar nach Geni einberusen worden.
W T.-B. Berlin. 9. Dez. Nach dem „B. T." sind die Reaterunasmaßnabn en zur Linderung dcr Not unter den Invaliden und Kleinrentnern als abgeschlossen amuleben. Für Inralidenrentner und Rentner ms der Angeltelltenversicbernng siebt ein letzt kerligg-stellter Gesetzentwurf eine tlnt-rstütznvg der .Reickmreg'ernng für tas Rechnnnasiabr 1921 in Hobe von einer Milliarde Mark vcr. D'e Hille für die Kleinrentner wird nicht ans gesetzlichem Wege, sovdc'-n durch von dem Ncichsarbeitsminute- rium- berausgegcbsve Richtlinien erfolgen. D,e Richtlinien, die ebenfalls bereits fertiggestellr sind geben die Art der Verteilung der Reichsbilke und den Kreis der ,n Betracht »nmenden Personen an. Im großen und ganzen wird den
rncriüci* vimmuhi au. -o»»* » 4 , Y t . *V' V ”, .p iL.
einzelnen Gemeinden ziemNck. frei« vand nelanen. Die Summe, die vom Reich für, die Kleinrentner angewandt
norden soll, beträgt 100 Millionen Mark. Rach Schätzung in unterrichteten Kreisen kämen etwa 200 000 bedürftige Kleinrentner m Frage. Die W Millionen vom Reiche sollen ols ZuiÄüste zu den von den Ländern und Gemeinden den
notleidenden Klei»renj.nxrn gegeben Unterstützungsbeträge verwendet werden.
Die deutsch-polnischen BesprechungL«.
W.T.-B. Beutben. 9. Dez. In der gestern abend ab^- baltenen Besprechung zwischen den deutschen Bevollmächtigten. Reichsminister a. D. Schisser und Staatssekretär, a. D. Lewald. und den polnischen Delegierten. Mimstep Olszowski und Ministerialdirektor Dr. Pradzynskr/ wurde der a l l g e m r i n e P l a n für die Arbeiten dev: Kommissionen erörtert. Beiderseits trat der Wunsch hervor. die Verhandlungen unbeichadet der Gründlichkeit mag, lickst zu beschleunigen. Der günstige Umstand, daß die Verhandlungen in Oberichlesien selbst stattkinden und daher die Hinzuziebung beruiener Sachverständiger aus allen Gebieieir keinerlei Zeitverlust bedeutet, wird dank der umfassenden Vorbereitungen bei den Verhandlungen voll zur Geltung kommen. Es wurde vereinbart, daß bei den heutigen Er» cssnungssitzungen der Unterkommistionen der an Lebensjahren älteste Bevollmächtigte den Vorsitz, kübren wird. Von der zweiten Sitzung ab wird sodann der Vorsitz täglich abwechselnd van einem deutschen oder polnischen Herrn besetzt.
Dz. Beutben. 10. Dez. Sämtliche Unterkom- misiionen hielten gestern ihre ersten Sitzungen ab. Di» Sitzungen einzelner Kommistioncn beschränkten sich aus Be- arüßvngen und Vorstellungen der Mitglieder untereinander. In anderen Kommistionen wurden die den einzelnen Mitgliedern vorschwebenden Grundlinien für die weitere»! Verhandlungen besprochen. Die fachliche» Nerbandtungei» werde» beute beginne».
