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Berliner «tteiltmg »tofrftetMt Ta-blatt»: g titm W. 9, «»Bftra&e 18, Fer«lpr«cher: tot 3 ******* 11436-11437.
Samstag, 10. Dezember 1921.
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Der Stuttgarter Parteitag der Deutschen Volkspartei stand insofern in einem starken Gegensatz zu der Bremer Tagung der Demokraten, als es in Stuttgart keine Auseinandersetzungen zwischen den doch nun einmal in jeder Partei vorhandenen linken und rechten Flügeln gab. Im Gegensatz zu der recht lebhaften Debatte in Bremen erhob sich in Stuttgart nur eine oppositionelle Stimme. Auch diese Stimme kam nicht, wie man hätte erwarten können, von dem rechten oder, wenn man so will, dem deutschnationalen Flügel der Partei, sondern sie kam merkwürdigerweise aus den Reihen der linksstehenden Parteianhänger. Wir haben in Nr. 555 des Wiesbadener Tagblatts vom 6. Dezember schon darauf hingewiesen, daß es für Dr. Stresemann unter diesen Umständen leicht war, den Sieg zu erringen. Zn den Kommentaren der deutschvolksparteilichen Presse hat man diesen Vorgang mit besonderer Genugtuung verzeichnet und daraus hingewiesen, daß so die große Linie der von der Reichstagsfraktion zu befolgenden Politik um so klarer hervorgebracht sei.
Es wäre nun aber unrichtig, anzunehmen, daß eine Opposition gegen die Parteiführung überhaupt nicht vorhanden ist. Wenn sich diese Kreise in Stuttgart große Zurückhaltung auferlegt haben, so beweist das noch nicht, daß sie nun ein Herz und eine Seele mit der Parteileitung sind. Im Gegenteil, man darf wohl annehmen, daß die Widerstände gegen die von Stresemann geforderte große Koalition in der Volkspartei doch recht stark sind. Zn diesem Sinne schrieb kürzlich ein volksparteiliches Organ, die ,,Kölnische Zeitung", in einem Artikel mit der bezeichnenden Überschrift „Stresemanns Monolog":
„Es gibt auch heute noch in der Deutschen Volkspartei Kreise, deren Einfluß man nicht unterschätzen darf, die statt einer Politik der Volksgemeinschaft und der Volksversöhnung eine Politik des Rechtsblocks mit den Deutschnationalen wünschen, die dann eine Politik des Klassenkampfes werden muß. Der Einfluß dieser Kreise ist namentlich in den parlamentarischen Vertretungen der Partei stark, und es beunruhigt uns. die wir in der Verwirklichung des Gedankens der Volksgemeinschaft ein dringliches Interesse des Vaterlandes sehen, auch im Hinblick auf die Weiterentwicklung der Partei, daß diese Opposition sich auf dem Stuttgarter Parteitag nicht offen zur Mensur gestellt hat, sondern den Führer der Partei einen Monolog hat halten lassen, dessen Richtlinien vielleicht später doch noch bekämpft und abgebogen werden sollen."
Daß die Befürchtungen des Kölner Blattes nicht ganz unberechtigt sind, zeigte eine Zuschrift, die fast gleichzeitig als „von besonderer Seite" kommend in den „Leipziger Neuesten Nachrichten" veröffentlicht wurde.
„Es unterliegt keinem Zweifel", so heißt es hier, „daß sich innerhalb der Reichstagsfraktion der Deutschen Volkspartei Auseinandersetzungen v o r b e r e i t e n, die entscheidend für die von der Fraktion zu treibende Politik sein können. Gewisse Kreise innerhalb der Fraktion der Deutschen Volkspartei sind bemüht, der Politik Strssemanns auf Schritt und Tritt Schwierigkeiten in den Weg zu legen. Es ist in jenen Kreisen sogar der Gedanke erwogen worden, zur Durchführung dieser Pläne den Abgeordneten Stresemann zu veranlassen, den Vorsitz in der Fraktion niederzulegen und sich auf den Vorsitz der Partei zu beschränken. Man hat in Verbindung hiermit den Namen des früheren hessischen ' Finanzministers Dr. Becker genannt und in jenen Kreisen erwogen, ihm den Fraktionsvorsitz anzubieten."
' Diese Äußerungen zeigen jedenfalls, daß die Oppo- mion in der Volkspartei nicht untätig ist Sie sind uw. so beachtenswerter, als sie von volksparteilichen "der doch der Partei nahestehenden Organen veröffent- sicht wurden. Es scheint uns daher nicht angebracht, niese Dinge einfach als „törichtes Gerede" abzutun. Die '.Nationalliberale Korrespondenz" hat unter Bezugnahme auf diese Angriffe darauf verwiesen, daß in der Sitzung des Zentralvorstandes der Partei die Opposition sehr schwach gewesen und daß grundsätzliche Anwendungen überhaupt nicht erhoben worden seien, '.«renn die Gegner auf dem Parteitag nicht zum Worte gekommen seien, so wäre das allein ihre Sache, Be- Ihränkungen irgendwelcher Art feien nicht vorhanden gewesen. Selbst wenn man annimmt, daß diese Ausführungen der amtlichen volksparteilichen Korrespondenz in allen Punkten zutresfen, so ist damit natürlich "uch nichts bewiesen. Eine Opposition, die sich nicht ausspricht, dies sich nicht zur Mensur stellt, sondern dnrter den Kulissen arbeitet, ist wesentlich gefährlicher a«s ein Gegner, mit dem man im offenen Kampf die
Abend-Ausgabe.
Klinge kreuzen kann. Daß innerhalb der Volkspartei gegen die Strefemannsche Führung sich wiederh ilt. wir erinnern nur an die letzten Vorgänge nach der Obevschlesien-Entscheidung — eine sehr scharfe Opposition bemerkbar gemacht hat, ist ein offenes Geheimnis. Deshalb will es unseres Erachtens auch noch nicht allzuviel beweisen — worauf das neue volksparteiliche Organ, „Die Zeit", hinweist —, daß auf dem Parteitag die Entschließung für die Parteileitung mit allen gegen drei Stimmen angenommen worden ist. „Die Zeit knüpft daran die Mitteilung, daß die Fraktion der Volkspartei.in etwa 8 Tagen zu einer Sitzung zusammentreten werde, in der die politische Lage im Anschluß an den Stuttgarter Parteitag erörtert werden soll. Man wird also gut tun, diese Sitzung abzuwarten. Ergibt sich, daß die Äußerungen volksparteilicher Blätter wirklich nur „törichte Gerüchte" waren, um so besser, denn es kann keinem Zweifel unterliegen, daß es im Interesse einer gesunden Politik der Mitte liegt, wenn sich der Stresemann-Flügel gegen die Anhänger des Rechtsblocks durchsetzt.
Protest gegen die Haftentlassung Smeets'.
Br. Berlin 10. Dez. (Eig. Drahtbericht). Das Auswärtige Amt bat die deutschen Millionen t u Baris. London und Brüssel angewiesen, wegen, der Haftentlassung des rbeinilcben Sonderbündlers Smee.s Protest einzulegen. . L . .... ,
Der Befehl der R b e rn l a nd k o m m i Ht o n. auf Grund denen gestern 9 llbr die Haftentlassung Smeets erfolgte. besagt u. a.. durch Vermittlung ihres Delegierten,m Köln fei die Rbeinlandkommilnon mit einem Antrag beschäftigt gewesen, der iw Namen des gegenwärtig nn (Sefanoms sitzenden Redakteurs der ..Rheinischen Republik ömgereicht worden sei und der darauf Hinziele, den Schutz der Rheinlandkommission auf Grund des Artikels 1 der Verordnung 70. 8 5 zu erlangen. Auf Grund vieles 8 5 der Verordnung ordn-t die Rheinlandkommtfston cm. das der Angeklagte bis zum Erlab der endgültigen Entscheidung in Freiheit gefetzt werde. • „ . ..
Br. Köln. 10. Dez. (Eig. Drahtbertcht.) Die Arbeiterschaft wendet sich in einer Entschließung gegen die Um- tiiebe des Sonderbündlers Smeets und seine von der Rbeinlandkommisston erzwungene Haftentlassung. In der Entschließung Hecht es: r . _ , .
Die heutige Versammlung der sozialistischen Parteien Köln, die von mehr als dreitausend Personen besucht ist. nimmt Gelegenheit, gegen die dunklen Machenschaften der Sonderbündler energischen Einsprilch zu erbeben. Wir warnen das Ausland, namentlich Frankreich, und Belgien, den Einbläsereien einflußloser Menschen, die stch auf unbedeutende Teile des rheinischen Volkes stutzen. Gehör zu schenken. Das rheinische Volk, namentlich die rheinische Arbeiterklasse, denkt nicht daran, sich aus dem Verbände der deutschen Revublik zu lösen.
Dz. Köln. 10. Dez. Vor der Kölner Strafkammer wurde gestern in der Strafsache gegen Smeets verhandelt. Der Verteidiger des Angeklagten bezweifelte die Zuständigkeit des deutsche Gerichts unter Berufung auf die Ordonnanzen 70 und 2 der Rheinlandkommission, da cs sich um Handlungen in der Zeit des Waffenstillstandes handle. Das Gericht kam zu dem Beschluß, daß die Ordonnanzen der Rbeinlandkommission bindend seien und daß der Fall daher nicht behandelt werden könne.
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Über den Lebenslauf Joseph Smeets teilt die „Köln. Zig." folgendes mit:
Franz Joievü Hubert Smeets ist am 29. September 1893 in Aachen geboren, heute also etwas über 28 Jahre alt. Uber seinen Bildungsgang ist nichts Näheres zu erfahren, auch
1 icht über feine Tätigkeit vor dem Kriege. Eine höhere
Schulbildung besitzt Smeets nicht. Während des Krieges war er als Sanitätssoldat eingczogen. wurde bei Ausbruch der Revolution Mitglied der Sozialdemokratischen Partei und als einer der zehn Soldatenvertreter in den Kölner Arbeiter- und Soldatenrat gewählt. Er kam jedoch nicht in den eigentlichen Akticnsausschnß. sondern wurde nur zu Botengängen und ähnlichen Diensten verwandt. Während dieser Zeit sprach er sich schari gegen die Bildung e-ner rheinischen Repilblik sowie gegen jegliche Sonderbündelei aus Er wechselte dann seine Partei und trat, ohne sich bei der Sozialdemokratischen Partei abzumelden. zu den Unabhängigen über, von denen er aber, als er im Jahre 1919 seinen Namen als Verleger und Redakteur der „Rheinischen Republik" hergab und sich als Strohmann an die Svitze der Loslöfungsbewegungen stellen ließ, die versuchen sollte, die Arbeitermassen zu gewinnen, ausgeschlossen wurde. Vermögen besaß Smeets bei der Revolution nicht. Er ist verheiratet mit einer Lotbringerin aus der Ges-ch von St. Avolt. Es ist ein offenes Geheimnis, daß Smeets nicht in der Lage ist. auch nur einen einzigen Artikel selbst zu schreiben. _
Die Maffenfunde in der Düsseldorfer Kaserne.
Br. Berlin. 10. Dez. (Eig. Drahtbericht.) Der „Vorwärts" brachte gestern abend eine Meldung aus Düsseldorf. nach der die dortigen Besatzungsbehörden ein größeres Waffenlager aufgefunden haben. Sie sollen
2 schwere und 6 leichte Maschinengewehre. 117 Gewehre und 30000 Stück Jnfanteriemunition gefunden haben. Die Meldung trifft, wie brs jetzt, festgestellt werden konnte, zu. Die Waffen wurden in einer Kaserne gesunden, die gegenwärtig mit französischen Truppen belegt ist. Die Gewehre und die arideren Massen waren unter dem Fußboden verborgen. Die Untersuchung ergab, daß die Mafien bei den letzten großen Unruhen dort von den Kommunisten untergebracht worden waren. Die französischen Behörden haben die Mafien beschlagnahmt.
Nr. 564. o 69. Jahrgang.
Englands Geneigtheit für ein Moratorium.
D. Paris, 10. Dez. (Eig. Drahtbericht.) Über die englische Auffassung der Reparationsfrage berichtet der Korrespondent des „Matin", daß man für den Gedanken eines Zahlungsaufschubs geneigt sei. Bedrn- g u n g würde sein, daß Deutschland die nächste oder die beiden nächsten Raten leiste und ernsthafte Garantien für eine rascheSanierung ferner Flnan- zen gebe. Eine solche Konzession an Deutschland wurde nicht ohne bestimmte Zugeständnisse unter den Alliierten möglich sein, die stch auf die interalliierten Kriegsschulden beziehen könnten.
Dz. London, 10. Dez. Der politische Berichterstatter der „Evening News" schreibt: Die Regierung, die für die Verschiebung der Reparationszahlungen ist, wir. durch nachdrückliche Verstellungen ^rLondonerErty beeinflußt, die dafür eintreten, daß Deutschland eine Atempause gewährt werde Lloyd George hat R a t h e n n a u bisher nicht g e s e h e n es ist aber wahrscheinlich, daß eine Zusammenkunft zwischen beiden stattfinden wird. - Laut „Evemng Standard zeigten sich bei den letzten Erörterungen mit Loucheur
Meinungsverschiedenheiten zwischen Eng-
Ld«" und F-uns-I-u. V°n Straf*« Seite »u.S die Ansicht ausgedrückt, daß Deutschland nicht in der Lage sein werde, die Zanuar-Rate zu zahlen.
Das Gutachten der Bank von England.
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wos ooaen StunflVftc Umwandlung der Weckiselkurfe vor- Kebm lei wodurch die Wirtschaftslage Europas stets m Mitleidenschaft gezogen würde. Und dres wurde dann t» wieder neue Probleme zeitigen.
Das Ergebnis der Londoner Reise Loucheurs.
Dz. Paris. 10. Dez. Minister Loucheur erklärte über lr-fne Reise seine Esn^rücke seren crusnezercbnet. Er habe uimt nur mit ^loyd George, sondern auch mit «u Robert £ incrley und auch mit W i nston. Eburck 1 11 verhandelt Menso wie die Regierung sei d'e City vollkommen von den Notwendigkeiten, auf die -rrankretch Univruch habe.
"^ach'dem „Matin" soll Lloyd George etwa gesagt haben er verstehe vollkommen die Lage Frankreichs und er utte Loucheur. die öffentliche Meinung Frankreichs vollkommen zu beruhigen 3stan habe und wolle mtt Deutsch- W kein Moratorium abschließen. Die Engländer seien mit den Framoicn über die -Tatsache ermg. daß d,e t>cutschen sehr wenig getan hätten, um ihre Vervslichtungen zu erfüllen Man müsse sie an ihre Berpfltchtungen ermnern. Aber in der Welt herrsche eine Lage, die beseitigt werden müsse Man müsse bessere Methoden suchen. Lloyd George habe brnzngesllgt. wenn in der Angelegenheit der Reparationen gewisse Opfer gebracht.werden mußten um c,n allgemeines Einverständnis zu erzielen, so werde England sich dem nicht entziehen. ^ ^ ,
Nack dem „Journal soll Lloyd George erklärt haben, es habe niemals in der Absicht der englischen Regierung gelegen. Deutschland bedingungslos irgend ernen Zahlungsaufschub zu gewähren. Der englische Minister habe das formelle Recht Frankreichs auf volle Reparationen anerkannt. aber die wirtschaftliche Unordnung der Welt ange- fichrt. die ernste Katastrophen nach sich ziehen könne. Man könne nicht mehr von einem Tag auf den anderen leben und dürfe nicht mehr von einem nicht erfüllten Zahlungstermin
o^>bänacn^^is. Dez. Sanas berichtet über die gestrigen Unterredungen Loucheurs mit Lloyd Georgs in Cbeauers. sie feien besonders herzlich gewesen. Die Unterredung habe iofort nach dem Eintreffen Loucheurs in Cbeauers begonnen sei nach dem Diner bis zu vorgerückter Stunde fortgeführt und auch gestern morgen nach, dem mit Lloyd George gemeinsam eingenommenen Frühstück fortgesetzt worden. Loucheur und Horne unterrichteten Lloyd George von der Besprechung, die sie im Schatzamt in London wegen der Naturalleistungen des Wiesbadener Abkommens gehabt hatten. Die Unterr-duna habe sich dann auch auf andere Punkte ausgedehnt, habe stch aber allgemein gehalten und !ei nickt auf Einzelheiten eingegangen. Es fei weder von einem Zahlungsaufschub noch von dem Fälligkeitstage des 15. Januar, noch von dem Finanzabkommen vom 13. August die Rede gewesen, obwohl darauf flüchtig angespielt worden sei.
Eine Konferenz zwischen Briand und Lloyd George?
D. London. 10. Dez. (Eig Drahtbericht.) Horne und Loucheur teilten den Inhalt der Besprechungen mit. die sie im Schatzamt über das Wiesbadener Abkommen und das Problem der Reparationszahlungen in Gütern ge- ltabt haben. Das iübrt zu einer allgemeinen Prüfung der Wirtschaftslage. Man ist zu dem Schluß gekommen, es fei ein Meinungsaustausch zwischen dem französtsche» und dem englischen Premierminister in der Sache wünschenswert. Da Lloyd George im Augenblick England angesichts der irischen Lage nicht verlassen kann, hoffe er. daß es Briand möglich lein werde, nach England zu kommen. Loucheur überbringt Briand diese Einladung, die noch vor Weihnachten verwirklicht werden soll.
