Verla« Langgass« 21
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Mittwoch, 7. Dezember 1921.
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Morgen-Ausgabe.
Nr 557. ♦ 69. Jahrgang.
Moratorium?
Die Welt will durch Schaden klug werden, »nutz man sagen, wenn man die Entwicklung der Repaia- lwnsfrage verfolgt. Vor einem halben Jahr ist Deutschland als verstockter Sünder hingestellt worden, weil es sich nicht entschließen konnte, die Bezahlung von 226 Milliarden Eoldmark zu versprechen. Als wir uns seinerzeit, während der Friedensverhandluu- gen, erboten, 100 Milliarden Eoldmark, natürlich
zinienlos, zu bezahlen, ist das als ein geradezu unverschämtes Angebot bezeichnet worden. Man wollte darin beinahe eine Zahlungsverweigerung erblicken. Nun haben wir eine ganze Milliarde bar gezahlt, und die Frage, ob wir noch eine weitere Viertelmilliarde oder gar eine halbe bar zu zahlen imstande sein werden, beschäftigt alle Regierungen und die Fachleute in allen Ländern. Daß nach dem Januar eine Revision des uns durch ein Ultimatum aufgezwungenen Londoner Zahlungsplans unausbleiblich ist, wird gerade in London am allerwenigsten bezweifelt, und auch in Paris beschäftigt man sich nicht mehr mit der Durchführung des Londoner ZahlungsiMins, sondern nur noch mit den Bedingungen, unter denen man der Abänderung wird zustimmen müssen. Zwei Strömungen bekämpfen einander. ..Garantien" will man unter allen Umständen haben. Die einen würden sich mit wirtschaftlichen Garantien begnügen, deren wichtigste die Kontrolle des deutschen Außenhandels wäre, die doch schon als Preis für die Aufhebung der wirtschaftlichen Sanktionen gefordert, aber bisher, da die Verhandlungen in Koblenz abgebrochen wurden, nicht durchgesetzt werden konnte. Andere, voran wie immer Herr Poincarcl, verlangen neue militärische oder territoriale Garantien. Der Einmarsch ins Ruhrgsbiet - wird abermals anaedroht. Aber damit hat es einstweilen noch keine Eile. Bevor die Revisionsfrage zur Erörterung gelangt, muß erst die dringlichere Frage entschieden sein: Kann und muß Deutschland die
^anuarrate — und allenfalls sogar noch die Februarrate — in Gold und Devisen entrichten?
Wir wissen sehr wohl, warum diese — im Verhältnis zur Revision des gesamten Zahlungsplans — eigentlich so wenig belangreiche Frage gerade Frankreich in so hohe Erregung versetzt. Frankreich ist infolge eines Übereinkommens, das sein Finanzminister unterzeichnet hat bei der ersten baren Milliarde, die Deutschland gezahlt hat. leer ausgegangen. Das Über- ?/"runlmen ist noch nicht ausgeführt, denn die franzö- Me Regierung hat nachträglich die Unterschrift des Lmanzministers verleugnet und Protest erhoben. Das ist eine der Streitfragen zwischen Frankreich und England, die beiderseits des Kanals die Stimmung verbittern. Rach dem Friedensvertrag ist Großbritannien Zweifellos im Recht. Es verlangt drei Fünftel der non Deutschland bezahlten Milliarde als Ersatz für seine Desatzung-kosten. die vor allen Reparationssorderun- gen den Vorrang haben.
Frankreich hat außer den Saargruben ungeheure -.leserungen erhalten, die gegen seine Besatzungskosten verrechnet wurden, und hat dabei, weil für die Liefe- bloß der deutsche Inlandspreis bewilligt wurde, auf Deutschlands Kosten noch ein glänzendes Geschäft Zu machen. Den Rest der Milliarde sollte Belgien er- L“! *' Infolge der französischen Weigerung ist die w.uuarde bisher noch nicht zur Verteilung gelangt. ^ie Gelder liegen noch bei den großen Banken, in ?ar>s London und New Pork. Aber man begreift je- voch d,e Enttäuschung der französischen Öffentlichkeit: '-'et Goldregen, den man, als sich Deutschland dem -mmatum unterwarf, erwartete, ist ausgeblieben und niedergehen! Nur ein Trost winkte intn ° Ie .Hoffnung auf die Januarrate. Diesmal !/"^ondllch Frankreich zu barem Geld kommen. Und >e Deutschen bringen es nicht zustande, diese eine
"och zu befahlen? Die Franzosen verstehen nicht, atz der beste Wille der Deutschen daran nichts zu än-
5"niog. Eie meinen, das könne nur Betrug sein, r... old die Besetzung des Rubrgebiets wieder bevor- > >nd«, erHrirt Poincarch würden die Deutschen bald r^-oer entdecken, daß sie zahlungsfäbia sind. Es wird »nu ^ valt-'n, die Franzosen eines Bessern zu belehren, Kenner der Lage in Frankreich glauben, daß r./ond. wenn er nicht Poincarsss Bolitik treiben will, fr/o ""^spielt haben und daß PaincarF sein Rach- ' r ' n o?ird. Der würde, wie seinerzeit Herr ... ^"and bei der B-sttznng von Fronkfurt am Main, enfalls auch selbständig, ohne Zustimmung und so- & 1 äeoen den Widerspruch Enn-ands Vorgehen, »m ^ Zanuckrrate einnitreiben. Wenn die englische Re- der es ernstlich um die Beruhigung Europas v* n ist. die Gefahr vermeiden will, daß Frankreich v Vorgehen gegen Deutschland, bei dem die "ütander nicht mitnzachen könnten, den Bruch der
Entente herbeiführt, dann bleibt wohl nichts anderes übrig, als daß sie den Franzosen wenigstens 250 Millionen Eoldmark von der bereits bezahlten ersten Goldmilliarde ablassen und sich selbst mit 350 Millionen anstatt der 600 begnügen, die ihnen durch das Abkommen der Finanzminister bereits zuerkannt waren.
Bon Englands Bereitwilligkeit, Frankreich entgegen- zukommen, hängt also unser Schicksal zunächst ab. Denn wir werden die Januarrate kaum noch ausbringen können. Devisenkäufe sind ausgeschlossen, und Kredit werden wir, wenn überhaupt, nur unter unerträglichen Bedingungen erhalten. Die Kreditgeber, die in Betracht kommen, wären zwar bereit, Deutschland Geld nach einem Moratorium der baren Reparationszahlungen anzuvertrauen, aber nicht vor dem Moratorium!
Die beoorstchend« Zusammenkunft der interalliierten Außenminister.
Paris, 6. Dez. (Eig. Drahtbericht.) über die be vorstehende Zusammenkunft zwischen Curzon. Briand und einem italienischen Vertreter weiß eine Pariser Morgenzeitung folgendes zu berichten: Der englische Botschafter hat sich gestern, wie wir bereits gemeldet haben, zum hiesigen Minister des Auswärtigen begeben. Die Unterredung Briands mit Lord Harbins« bezog sich auf den Besuch, den Lord Curzon in Paris abstatten wird. Gewiss« Informationen nennen für die'en Besuch ein sehr nahes Datum. Am Quai d'Orsay scheint man dagegen der Meinung zu sein, daß dieser Besuch aus ein ferneres Datum fallen wird und es fehlt nicht nn Tatsachen die diese Voraussage rechtfertigen. Die irische Frage kann vom englischen Kabinett eine dringende Entscheidung verlangen. Andererseits wird nach einer Londoner Meldung di« Prüfling der Frage der deutschen Schuko erst gegen Ende der Woche beendet sein. „Und ist nicht anzn- nehmen . schreibt das Blatt, „daß Lord Eurzon abwarten wird, bis diese Frone geregelt ist. damit er hierüber in Pazis lorechen kann?
Der französische Botschafter bei Lord Curzon.
Dz. London. 6. Dez. (Drahtbericht.) Die ..Times" berichtet. daß der französische Botschafter gestern bei Lord Eurzon im Auswärtigen Amt vorivrach. Er bat — wie verlautet — mitgeteilt. daß Briand im Grundsatz die von Curzon voraeschlagene Konferenz annebme.
Herabsetzung der französischen Schulden an England?
v. London. 6. Dez.
(Eig. Drahtbericht.) Der ..Daily ick. gegenwärtig in London eine
Telegravb" meldet, daß si^. _ ...
Strömung geltend macht, die dafür eintritt. daß im'Falle eines Moratoriums für Deutschland die Schulden Frankreichs herabgesetzt würden: aus diese Weise sollte Frankreich für die Summe, die es dadurch verlieren würde durch die Herabsetzung seiner Schulden an England entschädigt werden.
Von der Abrü'tungskonserenz.
D. Washington. 6 Dez. (Eig. Drahtbericht.) Drr Begeisterung in den Washingtoner Blättern ist eine starke Ernüchterung gefolgt. Man bot erkannt, daß die Nachricht. Hughes. Valfour und Kato hätten in geheimen Besprechungen alles geregelt, nur ein Berfuchsballon gewesen sei Immerhin trirft es zu. daß Kato in den Besprechungen mit Hughes und Baliour sich bereit erklärt bat. die Annahme der Flottenverhältniszahl in Tokio zu empfehlen unter gewissen strategischen Bedingungen im Stillen Ozean und mit dem Vocbebalt. daß das chinesische Problem 'n zufriedenstellender Meise gelöst werde. Auch dir chinesisch e F r a g e ist nicht weitergekommen. Italien ist unzufrieden, da die Besprechung der Abrüstungsfrage zu Lande nicht aufgenommen wird.
Subveutionierung der amerikanischen Handelsmarine.
V5tT.-li. Paris 6. Dez. Der „New Bork Herald" meldet aus Washington: Präsident Harbins wird den Kongreß um die Bewilligung von Subventionen für die Handelsmarine ersuchen, damit die Hälfte aller nach Amerika ressenden Einwanderer auf amerikanischen Schiffen befördert werden kann. Der Plan werde auch die Möglichkeit schaffen, mit größter Sicherheit die Zahl der Einwanderer auf die jeder einzelnen Nationalität zugestandenen Quote zu be- ichränken und so den bekannten Mißständeu infolge der Überschreitung der Quoten abbelfen.
Schwere Explosionskata^trophe in einer Ty mmitfabrik.
Du. Saarlouis. 6. Dez. (Drahtbericht.) Heute mittag 12 UKr erfolgte in dem Betriebe A der Eaarwellinger Dvckamitfabrik (vorm. Alfred Nobel) eine schwere Ervlokion. die durch einen Ölbehälter hervorgerufen wurde. Eine Anzahl leicht Verletzter konnte sich aus den Trümmern retten. In dem brennenden Betriebe tollen kick noch etwa 50 Personen befinden. Da die Gefahr weiterrr Ervlosionrn besteht, ist die Arbeit drr Rettungsmannschaften und ihr Serankommen an die Unglllcksstätte sehr erschwert. Ein Teil des Waldes steht i n F l a m m e n. In der Umgebung sind sämtliche Fenster, scheiben aus weite Entkernungen bin gesvrungcn. Die Ent- üchunasursache bat sich noch nicht feststellen lasse«. Eiue spätere Meldung ivrichr vou über 100 Tute«.
Der britische Schatzkanzler über seine Br prechungen mit Rathenau.
en> London. 6. De». (Drahtbericht.) In einer Rede in Manchester über die finanzielle Lage behandelte der oritiiche Schatzkanzler vorne eingehend die Frage der De u 11 di e n Reoarationen und sagte, in Frankreich Icvecne eine gewisse Besorgnis zu bestehen über die Verband- Irngen. die er (Sorne) mit Na t b e n a u gebabt habe. Man >a>eine unter den Alliierten Englands zu befürchten, daß hinter ihrem Rucken ein Übereinkommen getroffen werde. Sie Mnenen der Ansicht zu sein, daß England aewissermaßen eine L ende nz zeigen könne, in solchen Unterhandlungen, an denen sie leihst keinen Anteil hätten. Deutschland Zugeständ- !«•»- su macken. Diese Haltung aus seiten einiger der -itluierten beruhe vollkommen, auf einem Mißverständ- n i s. England werde natürlicherweise kein Übereinkommen annehmen ohne sich mit seinen Alliierten darüber zu beraten. und zwar,,nicht nur mit Frankreich, sondern auch mit den anderen Alliierten. England erkenne, daß es beute von ebenso großer Wichtigkeit iei wie ie. daß die Allianz so fest bleibe wie „möglich Nichts wäre im Augenblick für dir ielt von gronerem Schaden als ein Bruch der Allianz. Es lec daner j e l b it o e r st ä n d l i ch. daß England nicht im -^.raume daran denke könne, ein Abkommen in irgend einer
U. eile obne angemessene Beratung und Entsihei- ^^i^abruschliesen. was leinen Freunden nachteilig sein
... Horne fuhr fort, die Personen, die England kritisierten, konnten ledoch nicht verkennen, daß sie während des lebten ^abres als Loucheur mit Ratbenan verhandelt habe, aus England »u keiner Zeit„den geringsten Einwand dagegen vernommen hatten. Tatsächlich seien jene Erörterungen sogar weiter gegangen, denn sie fanden ihren Ausgang in dem Wiesbadener Abkommen. Dieses Abkommen würde, wenn es in seinen Bedingungen durcbgefübrt würde. Frankreich gegenüber den, anderen Alliierten bei Bezahlung de:
V. evarationen Prioritäten geben. Horne sagte, diese .Frage liege ,edoch der Nevarationskommission vor und daher ^uusthe er. nichts darüber zu sagen. Er bube nick" den ge-
. otuctfel. daß bei all diestui Fragen England in der werde, mit seinen Alliierten unter Bedingungen kommen 8reundlchaft zu einem E i n v e r st ä n d n i s zu
mSchatzkanzler erklärte w-iter. soweit die d e u t s ch e n "c?! " > b ii u b langen in Betracht kämen, habe «,Äm. e ln( b - n Drundsiitz verfolgt lein Budget ohne Be- Msiabme auf irgend etwas zu machen, was von seiten Deutschlands kommen konnte. Man wolle weiter bei diesem Trund atz- bleihen D e u t k cM a n d erkläre jedoch daß S
unb inrt'fm m öe'aritroortcn e m'iiüten! 16n 0emeiniam "örtern
„Der Zusammenbruch Deutichlands — sollte er unglirck- bttb-^li?Urt'^eeu''^° --ne,Aktion von feiten der Alliierten 6 ~ ftn Unglück nicht nur für
Deutlchland. sondern für Europa und die ganze Welt.
Man leide heute bauvtiächlich daran, daß in Europa so viele W r a k g e w o r d e n e Lander seien. Österreich und Nuh- Englands waren, seien nicht mehr in der * englischen Waren zu kaufen' komme nun zu diesen Landern ein ,gebrochenes Deutschland hinzu, ko würde V Katastrophe sur Europa unbeschreiblich sein
Katastrophe fein, die nicht nur vom wirt. 'JVLih ^ en Starbpunfte fltkßtn. sondern auch vom volit iÄc» Ltandounkte von ungeheuerer Rückwirkung auf die Welt fein würde.
Horne sagte, wenn man einen Druck auf Deutschland Müden wurde, so würde Deutschland vielleicht in bei “aae ein zu zahlen, vielleicht aber auch n i ch t. und dies stl die unmittelbare Frage., die untersucht werden müüie Z"^^äudnisse gesucht werden sollten, so müsse si einige Dinge in Betracht ziehen. Deutschland al- Ganzes, sage, es könne die geschuldeten Revalatian°n
.^ ue iedoch verschiedene Dinge die gegen die Möglichkeit wirkten, daß es seine Verpflichtungen erfülle. Es leiste Beihilfen fii h.»
Mblers in ®?er Ut f, ! lf! a ( nb ' ® ic - 5 ßefd ^ [, , e r auf Kosten des Steuer’ 33ie5 fuhrt« zu einem Fehlbetrag an den Staats-
nebmer ^iti si""' die, deutschen industriellen Untcr- nehmer in der Lage seien, ihre Arbeiter mit niedrigeren
e l' lt !^ ol8c £ cr Vrotvreisbeihilfe. die der DvnlkchloÄ anderer Hinsicht subventioniere
Leutschland den Unternehmer. Die Eisenbahnen wllr.
neuen"Ne^»Ekn">Derlust betrieben. Tics fiätte einen
.^.ii Staats&ciusbalt zur Folge und setze den deutschen Jnduitriellen in die Lage, seine Waren billiger befördern zu, können, als dies der Fall fein müßte Koble werde beute in Deutschland etwa für die Hälfte des Preises verkauft, der überall in der.Welt dafür gezahlt werde Dies CI P, nn *J‘ c t} er lZeihilie lind daher werden
— wahrend in Deutschland der Staat selbst Geld ans der
vÄone;^B?ibi!'L''geÄäb'r?°^" ^ °"°issen Private
icht nach «K? ra? c - n Zeitraum — was wir meiner An. icht nach nicht beschließen dunen —. aber gesetzt den Fall baß cs geschieht, so Ist eins klar. Deutschland muß die Bes. Hilfen aufgebcn. um „ch in die Lage zu setzen, seine recht- väßigen Beroslichtungen den Völkern gegenüber zu er- ullen. bei denen es -Lchnlden habe. Sorne sagte. Deutschland kenne auch durch die S t e u e r e i n k ü n f t e seine Ausgaben ^v ner ^ü^ • ein £ s festzuletzenden Zeitraumes müsse Lk-utschland auch o,e Ausgabe von Papiergeld
m n tL e 1 l",: nF m ri c i" Defizit auszugleichen. Über den Vorschlag, daß Großbritannien ebenso wie Frankreich einen -veil seiner Schulden durch Vczablung in bar erbalten wolle erkläre vorne daß die Bezahlung in Waren an Frankreich' mit den. verwüsteten Gebieten zulammenbänoe. Zum größten Teil wurden die Dinge, die Frankreich England liefern vnne. gerade in England selbst hergestellt. Das Programm ei daher nicht lo leicht, wie cs von mancher Seite darge- rellt werde. Obgleich er nicht lagen wolle, daß es unmöglich ei. irgend eine Art von Plan anfzustellen. durch den Enn, lanfc ia dreier Süchlung einig« Ergebnisse erzielen könne. -
