Einzelbild herunterladen
 

Stria« kimqpass» 21

**•»«.©«17» ef?ffn«t «an S Uhr nwr«<ne Mt («5» P.»Ich»tr»«i«! grilrffitrl *. W. Rf. UMk.

WochenLNch

Be,»,«preise Irualcbn

Ise: D»rch km *«!«« bettoat: BK. 4J« BK. 14.« -tertelsShrii-h, -hne

jkurdi M« Voft Mt.'dm: ®H « - mornttrid), Bl!, !*.- »t«tH(aorlid), nlt Itibü.

BtjuatbtHtllun^tn ntbntm k-r Beklag, bi« Aoagabeftellm, die Trag« unk ,ä,

^»ftanftattm.^ - S» fallen HSHerer »ewn». Beirie»tft»ru«g«n »»« Sire», dadm

jl»b»k Iwf' »nirnnt «i« f Swfmin* kt* Blatte» »ker Mmm»« de» mtlpreihmkm Entgalt».

12 Ausgaben.

Vaa » «Hr «argen» kt, » Uhr »denk», <mk« 9 »•Wge»»«»«! a. M. «r. 74».

AnPÜgenpeel!»: KrtNch« Anzeigen Bit 1 JO, ginnnj- unk 8»<tkart»,t».U»»,»igm BH. *.«, «inmartta« An>»>«en «t. iS». Sr« licht Reil amen Ml. 7.—, aa»«»«rtige R «Namen 1«.— ftt kw »tnipa i4»e Oalo»«l,e«Ie »ker deren itian«. — Bei tmederholter Aufnahme unv«Snkert« Anzeigen mtfgrechenker ßtachlah. — Schlich ker N«,eigen-Annatime für kn de Auagadan: ld Uhr narmittag». — Für kw Aufnahme »an An,eigen an »argeichriebenm Tagen unk PIS gen anr» tat»« ikeu»Shr gkernammen.

»erliver »1 (tlltitifl kt» SUestaktBtr letzkialt«: verft» W. 9, Sstzstrai« 1*. Fernsprecher: Amt Zentrum 11435 -11427.

Montag. 5. Dezember 1921.

Abend-Ausgabe.

Nr. 554. ♦ 69. Jahrgang.

Hin; iw PloWNÄr He

W. T.-B. Berlin. 1. Dez. Der Emvfnna des P e r e i n s Berliner Prelle im Reichstag nahm einen glanzen­den Verlauf. An »er Spitze der amtlichen Welt waren Reichsorüjident Eberl. Reichskanzler Dr. Wirtb die Minister Dr. ö e i m e 6 und Groener. der vreuk-llcke Ministerpräsident Braun und die Ctartspräsidenten von Wüttemberg und Baden. Dr. lieber und Dr Summe l. erschienen. Um 6 Ubr ceUnmmelten sich d'e Teilnebmer im protzen Sitzungssaal d> s Reichstags wo der Vorsitzende Georg Bernbard die Ebrenaoste begrützte. wobei er die Eigen­art des Vereins Berliner Prelle beleuchtete, der von jeder unter Beiieit-'assuna aller politischen künstlerischen und literarischen Geaenjätze das Wnbl des Standes und das Wobl des Vaterlandes sich zum Z'el gesetzt Knbe und insofern in gewissem Sinne zu einem Vorbild des denilchen Volkes in der gegenwärtlp n schweren Zelt werden lönne.

Hierauf ergrisf der Reichskanzler Dr. Wirtb das Wort zr. foloenden AusfUbrungen: Von meinem Standpunkt aus cls VoNtiker wende ich wich a-aen die Auslassung, als ob die Presse ein reiwr Nachrichtenaovarat sei. pUcin tczu bestimmt, die Llientli^keit über d"s. was v^rnebt oder angeblich oorgebr. zu informieren. Eine iol^e Auffassung wurde der Enrwlkklung der Prelle zu einem blitzen Senla- tronsnvvarat Vorarbeiten. Ich würde di.s für ei", bedauer­lich« Ausartung der Prelle ballen. Es kann nicht verkannt inerden. datz manche Anzeichen für eine solche der Entartung zustrebende, Entwickluno beute verbanden sind. Es gibt kein lelleres Mittel, dies.r Entartung zur Sensation vorz'.cheugen. als die Prelle nach einer elbischen Ausfassung zu oolitisieren und sie mit

politischem Perantwortiinosnefübl

zu diirchdringew. Die Prelle im modernen demokratischen Deutschland mutz mit Nachdruck in den oolitischen Kampf ein- areuen. Der Partc.kampf sollte sich aber nicht in den wider­lichen und rollen Normen abloielen. die wir alle beklagen! An einer so gearteten Prelle kann kein Staatsmann und Politiker voruberyeber und bier liegt die wabre Verb ndung von Prelle und Regierung wir alle, die wir Politik trei- len. llnd darauf angewiesen, datz di, Prelle schnell dos er- abrt was in der Welt ooraebt. Hier möchte ich die Wich tigkeit der

Anslandsberichterftattnnq

besonders bervorbcben. die ein schweres Problem nicht nur für die deutsche Pr.sie. sondern a'ck kür das deutsch« Volk geworden 'st. Mit grobem Bedauern und aufrichtiger Sorge verfolge ich es. datz es der deutichen Prelle immer schwerer die notwendige Auslandsbericht erstatt»«!« ausrechtzu- e'.nalten. von der >o wünschenswerten Verbesserung und Aus- dreitung ganz abgesebrn.

Wenn man die Politik im neuen Deutschland verfolgt. !£,es unverkennbar, »oft sie der Mechonisierung und Tlateriallsierung anbeimziikall-'n scheint. Hier gilt es. eine Ermtbsie zu ichaiicn znmckcn

Geist und Volitik.

wir nicht eine ungcistiae Politik und einen rmnoll- Gellt arotzzl.ben hier kann die Prelle als lnntb-r- ti.ches Werkzeug emgreifen. indem sie abseits siebende Kreiie Sem Staat zusubrt.

Die wirtjchastlichen I-terrllen baden sich in Denischland Imon vor dem Kriege stark politisch zusammeng-schlossen, Aus '»eite siebt die Arlleitersckast: auf der anderen

rnette baben wir erlebt die Bokitiüerung der Landwirtschaft aoearischen Gruov.m und die Vertretung der Grob Ä.rre und des Kai'italismns. Diele wirtschaftlichen iWssnvertrrtunnen können ein E- g'naewIcht in der Polllik allein nicht finden. Tritt da kein Ausgleich ein. so "Er Kamps rob »pd es drobt eine itberw»ck,erung der k-!? wirtschgftl eben Inieresian. Gewisie Porkommnille in .Entwicklung der letzten Monate lieben sich *co an'übren Dar Deutsche Reich in 'einer

bat gcw-tz die Zusammenfassung aller vroduk- nven Kralte z» seiner Rettung notwendig, und cs ist dank- „?. T . a XSV.^rfcnncn dnb es in der Industiie- und Bankwelt »Ibt. die d'e deutlRot einseben und zu Ergebni'ien kamm-'n wallen. Aber andererseits ■ oi* auch iinoerkennbor die Tendenz »>., merken, diese lürsrl 0111 7?, n?a ** 0,1 ableits vom Staat zu vollzieben, die Gefabr bin. den Staat dobei ausd^ren zu fttifc* l ?' er jScfaht wi-d vnrgebeiigt. wenn der Staat ge- "'"d durch di» geistigen und kulturellen Kräfte die man tvenlo wenig entbcbren kann wie Kiien und Kable. Aller S»i8L.' u !m'**'*", Ärnite bedürfen wir. wenn wir über die dr» w n t t ona ^? iiberbaiivt binweokommen wollen. Das ist und?» k °E^,die wir uns zunä^st in der Reichsregierung und t, den Landesregierungen gestellt baben-

Wie komme» wir über den Winter binwe»?

bi. "»'fc vorkalten: Das ist aber nicht die Politik.

Erstrebt batten, die Politik aui lange Eicht! Diele ein lS nRC ^"bt. von. der Sie wobl glauben, beute

ol?e;»E^'lles Programm bören zu können, ist ollerdinas nicht abbängig. Sie ist abbängig »an der ge- nafin^? m^tlage und von jener Erkenntnis inter- d?>n bdü mit nalitiichem Druck, datz mit einem

bi» mir»™ folgenden Illtimatiim. dab mit Sanktionen Di, E'l Sortiert werden kann. tBeiiall.1

?'E zunächst die innere nenne, die nicht «in- ''.EUl ist aus d»e Entwickluno von Iabren. kann auch nicht durch einen sich immer wiederbolenden wi^ ^ENwc^icl. Sic kann auch nicht gelöst werden — ebenso ^ anow,irtiae Politik — durch das Tick-Tack der libee k.» E Knalitioasbilduna. Rein: das chinweakommen Probtet ^'?E«r wie über die groben oubenvolitiiche» ovteme erfordert eine verantwortungsbewutzte . Mitarbeit aller Schickten unieres Volke»!

wenn"^ü" Ia ?, bt i ist. da grobe Entscheidungen rriken. gei'en ^8" ^4 entschlieben miib. diesen oder jenen Weg zu tilck.» bie Aufgabe der deutschen Prelle, allen voll

***• nÖllrtT^H ItliS ahVa»» Kam

deutet

Wollen wir über den W'nter binwcgkommen. so ist die ver- mortunasvolle Mitarbeit aller vraduktiven Kräfte unieres Volkes, mit der Regierung in einem Matze noti» wie kaum tcmals zuvor! lZusiimmung) Wollen wir Auk-eiwolink mochen, wollen wir insbesondere das grüble aller Probleme, das Reoarationsvroblem. das kein deutsches Problem allein nt. sondern ein Weltwirtschaftsvroblem. den Völkern näber- blingen. lo mllllen wir in Deutschland einen politiichen Wirrwarr zu einer Unmöglichkeit machen! (Lebbolte Zu- siimmuna.) Ich weib. datz man mit dem oder jenem Politiker v'cht zufrieden ist: ich meitz. datz man mit dieser oder rener Regierung sebr wodl einen sebr scharten Kamol au' voli- tislbem Gebiet aussechten kann' ich babc auch immer Ver­ständnis aebabt dafür dab die ft i n a n j m i n i fl e r beson­deren Anarikken ausgeletz! sind. Aber mit diesem oolitischen Komps allein wird das dentich« Volk nicht frei werden nno o irto auch sein tägliches Brot nickt bekommen. Wir morickieren die Rtchtung. die wir seit dem lv. Ma> einae- icllagen baben und für die wir au-d die Verantwortung tragen, weiter. Dabei ist es ein mübiges Gerede, etwa zu lagen: Hier siebt der

Kanzler der Erfüllung!

Will man ein kolckes Smlagwort in seinem ganzen Unwert erkennen lo muh man einmal zur Negation übergeben, und ick froge Sie: Wie mub eine Negierung der Nichterfüllung der Nicktleisiungen. des reinen Protestes sick in der Welt be­wegen damit schlieblich die Einbeit Deutschlands nickt in Gefabr kommt? Das ist doch das grobe Ziel unserer voll- tiicken Arbeit, das Letzte, was wir ans grober Vcraangenbeit

gerettet baben, die Einbcit des Vaterlandes und die Einbeii siiner Wiklschaftriiibriing binüberzuretten in eine Atmoivbäre. wo nickt mebr der Gedanke reiner oalitiichec

Auswirkung des Sieges, des Falles und der Zerstörung matz gebend ist. sondern wo der nolitilche k>ob wie rin Nebel am Morgen zerstoben ist durch die ouinebende Sonne, wo die N,nicken sich zur Beratung über dte groben wirtschaftlichen Probleme und über die Kuliurv'obleme der Welt wieder an dem Konferenztisch versammeln werden! (BeikaNN Diesem Ziel bat unsere mübsam« Arbeit gedient. Jeden britzen wir willkommen der dem Ziel d-r Neitnng de? deutschen Vaterlandes. l?iner Eiub»il und keiner Mirticknst mit uns entaegensirebt. Abii--t b"l>on roi r eine von weiten Kreisen verlangte Polemik zurückgeltellt. Ich oeriage es wir desbalb beute, manche Probleme zu brrübren. die uniere Herzen bewegen. Wir baden

den Weg ebrlickrr Verständigung nickt erst seit gestern betreten. Wir baben ibn in den letzten -ragen wieder betreten. Wir sind willens, auch beute noch die schweren uns auferleaten Bernslichtiingen zu erlllllen. Di« Regierung bat am in Mai bei der Annabme des Ulti­matums' die weltw'.rtschaiillchrn ftolgen der Annabme des Ultimatum» denen z»geschob-n. die uns dazu gezwungen laben. Hat jemand in der Welt geglaubt, datz man ein Volk wie das deutsche mit leinen RO Millionen Mensbcn isoliert berou?beb»n könne aus den nor dem Weltkriege so tief wirt­schaftlich-' und finanziell nerklockttenen Nationen, und datz man d'tses isolierte Volk dann ausorellen könne wie einr Zitrone auf Grund de, ftriedepevertragcs^! Ich weib nickt, wie unsere Kenner oon gestern sich die ftortietzung der Poli­tik im neuen Iabre denken. Wir wollen auch aufrichtig und rbrlick den Gedanken der Bereitwilligkeit, auch In Deutsch­land Substanz zur Verfügung zu stellen soweit ein Kredit auf der Grund! ge dieser Substanz möglich und leine Ab­deckung ökonomisch überbauot du-chsnbrbar ist. in den nächsten Tagen verfolgen. Aber die Entscheidung, ob Geldgeber be­reit sind, in den

groben Tops der Reparationen

»br Geld bineinzustecken. die Entscheidung darüber liegt nicht bei der deutschen Regierung, auch nickt allein bei der deut­schen Industrie und der Bantwelt, sondern !„i den E Id- gebern. dir N'ckt in Deutschland ibren Wobnsitz baden. Wir mullen desbalb mit Geduld der Entwicklung der kommen­den Wocken entoeaenieben. Es ist nickt möalick. in alle Kreiie den Gedanken bineinzptragen, datz gerade jetzt eine gewille Zuruckbattling nötig wäre.

Über den Januar und ftebrnar binwegzukommen ist aber rock nicht das einzige Eptickeidende für uns sondern datz überall, wo man die Wirtickast zum Gegenstand des Nach­denkens mackt das Ausscheiden Osteurooas mit seinen unzäbligen Mensckenmallen. das Riederbrrcken des wirr, ckafilicken Lebens in den österreichisch-unoariscken Nacksosge- taaten und der Zerfall des wirtschaftlichen Lebens und ins­besondere die wachsend« Kaukuntrast der 60 Millionen Deutschen als eine

Wektgefabr

erkannt wird. Diese Erkenntni, und die Notwendigkeit daraus volitUcke ftolaerungen zu zieben. auch wenn sie mit Ccm barten Buchstaben des Verla'ller Vertrag, nickt über- „nstimmen sollten, dir Notwendigkeit, di« Völker einander wieder näber »u bringen, ist im Laufe de« Sommers und gerade jetzt oewachlen. Jetzt ist es unsere Aufgabe, die wi-t- chaftlickien Probleme fern von jeder Polemik der leitenden Staatsmänner in tbrer wirklich arotzcn Tragweite nun end­lich »um Ausdruck kommen zu lassen. Ich bitte Sie desbalb nickt siir die Regierung, sondern für das deutsckc Volk den giotzen Problemen der Wirtschaft die die Völkerverstän- d'guna ,ur Vorausietzung bat. die Snoltcn Ibrcr Zeitungen ciinen »u wollen. Ich bin mir klar, datz ohne deutlich sicht­bare

Ovfer des Besitzes

eine innervolrtische Klärung und die Verabschiedung der neuen StEuergejetzentwüric ein Ding der Unmöglichkeit sein wird. Da» wird e-a« barte Arbeit lein, gerade in den nächsten Tagen.

Es ist mir eine begliche ftreude — und ich darf wob! euch im Namen de« Herren Reichspräsidenten und meiner Kollegen sprechen — in Ibrer Mitte eine Stunde verweilea ;u können. Und wenn wir oon Ibnen scheiden, tun wir es in dem Bewusilem. mit. Ibnen einig zu lein in dem festen Vertrauen, die E i n b e, t und ft r e i b e i t dem deutschen Volke, zu retten und für dieses Ziel alle geistigen und materielle« Kräfte aasulvanne»!

Das deutsche Antlitz in der Krise.

Deutschland steht mitten in einer Wirtschafts- untz außenpolitischen Krise, die mit den Kennworten Valuta und Reparation genügend gekennzeichnet ist. Es lft natürlich, daß sich die Aufmerksamkeit in dieser Lag« fast ausschließlich den Problemen zuwendrt, die un­mittelbar davon betroffen sind. Aber es ^ibt noch eine andere Frage, die zu beantworten ist: Dre Frage, wie es denn mit den» deutschen Organismus selbst be­stellt sei. der jetzt in die große Doppelkrise hinein­gestürzt ist, wie seine eigene Lebenskraft, seine eigene Konstitution beschaffen sei. ob überhaupt Hosfnungen dafür vorhanden sind, daß er — eine günstige Lösung beider Krisen vorausgesetzt — für die danach folgende Periode der Rekonvaleszenz noch genügende Vitalität besitzt. Praktisch gesprochen: ist unsere innerpolitische Situation so, daß uns selbst aus fühlbaren Verbesse­rungen . der außen- und wirtschaftüpolitischen Lag« dauerndes Heil erwachsen kann?

Die Frage stellen, heißt, vergleichend rückwärts­blicken. Erinnern wir uns. wie es vor drei Aahreir in Deutschland aussah. Jede..staatliche Autorität war vollständig in sich zusammengebrochen und in den Köpfen spukte die Idee, daß die Revolution weiter ge­trieben werden muffe. Auf der anderen Seite wuchs bereits eine Gruppe empor, deren Ziel es war, da» Geschehene mit allen Mitteln wieder rückwärts zu revi­dieren. Jahrelang taumelte die innere Politik zwi­schen diesen beiden Extremen hin und her: Zwischen dem Extrem des gewaltsamen Weitertreibens und dem Extrem des gewaltsamen Ungeschehenmachens. Ts war die Fl«belzeit des neuen deutschen Staates, die Zeit, in der >eder meinte, es gelte nun, den Gedanken der Volksherrschaft derart zu verwirklichen, daß jede i Gruppe, ofine Rücksicht auf die andere, der Herrschasts» form nachsage. die ihr selbst als die erstrebenswerre erschien. Alle Parteien unterlagen mehr oder minder dieser unglückliä>en Idee. Alle Parteien versteiften sich rücksichtslos auf Dekenntniffe und Formeln und glaubten stark genug zu fein, bei genügender Wieder­holung und genügender Konsequenz den Rest des Volkes mit sich fortschleifen zu können. Es war im Grunde genommen ein Politisieren nebeneinander, ja gegeneinander, keineswegs aber, wie es gerade im demokratisch-parlamentarischen Staat notwendig ist, miteinander. Wir kennen die Ohnmacht und Ver­worrenheit. die daraus entsprang. Der Staat trat vor den Parteien ganz zurück, die Beamtenschaft ge­horchte im großen und ganzen nicht mehr ihm. sondern den Gruppen, denen sie sich verschworen hatte- Da» Volk wurde in Lager gespalten, die sich mit erbittertster Feindschaft gegeniiberstanden. und der Zustand war derart, daß man sich sagen mußte, selbst bei minder­bedrängter äußerer und wirtschaftlicher Lag« sei dieses Volk gar nicht fäbig. zu existieren.

Langsam aber sichtlich und in steigender Geschwin­digkeit — das können wir bei gerechter Prüfung heut« sagen — hat sich dieser die schwersten Sorgen recht­fertigende Zustand znm Besiern gewandt. Die unbe­dingt Programmgläubigen, die mit dem Kopf durch die Wand wollten, sind ans den beiden äußersten Flügeln in vollkommene Isolierung gedrängt. Bei der weitaus überwiegenden Mehrheit des Volke» und feiner parlamentarischen Vertretung ist weder vom Weitertreiben noch von der Rückwärtsrevision praktisch mehr die Rede. Man hat gelernt, sich auf der mitt­leren Linie zu finden, man ist zu der Einsicht gelangt, daß es mit dem Gegeneinander und Nebeneinander auf die Dauer nicht geht. Und in demselben Maße, in dem sich diese Merhode durchsetzte, verminderte sich der innere Zündstoff. Sicher ist noch lange nicht alles so. wie es sein sollte, und in Hochspannungszeiten tre­ten immer wieder Rückfälle in die alten verderblichen Gepflogenheiten ein. Aber es läßt sich heute doch sagen, daß Demokraten. Zentrum, Sozialdemokraten und Deutsche Vokkspartei — ans allen Parteitagen kam das sehr deutlich zum Ausdruck — einen Block bilden, der zu gemeinsamer Arbeit willens und be­fähigt ist und auf dem sich die deutsche Zukunft als auf einer trapsäbigen Basis wird aufbmien können. Hoffentlich wird mit der Zeit von rechts und links noch weiterer Zustrom eintreten. der nach dem Gesttze von der Anziehungskraft der großen Masie sogar er. wartet werden darf. Jedenfalls ist beute kaum noch ein Zweifel daran berechtigt, daß Deutschland auf dem Wege ist, die innere Krise zu überwinden.

Das ist das deutsche Antlitz in dieser Krisenzeit. Reichskanzler Dr. Wirth wies in seiner bedeutsamen Rede im Verein Berliner Presse am Sonntag noch einmal auf alle Schwieriakeiten hin. die zu überwin­den waren und noch zu überwinden sein werden Es wird noch immer schwerer innerer Kämpfe bedürfen, his «üe Nachwirkungen der Krankheit weggetilgt fcfc