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Freitag, 2. Dezember 1921.

Abend-Ausgabe.

Nr. 550. ♦ 69. Jahrgang.

Der Börsenkrach.

Am Donnerstag bat sich an den Börsen ein kata­strophaler Kursrückgang vollzogen, der zu einer wahren Panik ausartete und in der Geschichte der Börse einzig dasteht. Fremde Zahlungsmittel und einheimische Wertpapiere wurden in gleicher Weise von dem Unglück betroffen. Der Dollar, der am 10. November den höchsten amtlichen Kurs von 310 M. erreichte, stürzte bis auf 186 M. herab, - die spekulativen Industrie­papiere, die in den letzten Wochen wahllos vom Publikum für jeden Preis gekauft worden waren, verloren mehrere 100 Prozent und fanden trotz stürmischen Angebots keine Käufer. Der Schaden, den die deutsche Wirtschaft und das spekulierende Publikum erlitten hat, läht sich noch gar nicht absehen. Alle früheren Warnungen hatten nichts gefruchtet. Jetzt müssen große und kleine Spekulanten" die Kosten für ihre ungezähmte Spielwut tragen. Man kann nicht einmal Mitleid mit den Massen der Kleinspekulanten haben, die ursprünglich die Börsengewinne nur als erwünschten Ausgleich der Geldentwertung und als not­wendigen Zuschuß zu ihren schwindenden Einnahmen betrachteten, dann aber auf der schiefen Ebene immer weiter rutschten und. vom ungesunden Spekulations­fieber ergriffen, kopflos und hemmungslos Zweiter spekulierten.

Die Ursache des Riesenkraches waren allerlei un­kontrollierbare Gerüchte über eine Besserung des Markkurses. Englische und französische Meldungen über die Moratoriumsverhandlungen in London und Privatnachrichten über die angeblich gesicherte Stun­dung der deutschen Reparationsdarlehen gaben der Meinung Nahrung, daß die Wechselkurse stabilisierr werden und die Mark wieder sprunghaft aufwärts steigen würde. In Wirklichkeit ist zu solchem Optimis­mus aber noch durchaus kein Anlaß. Die wirtschafts- oolitischen Berhandlunaen. die gegenwärtig zwischen amtlichen und nichtamtlichen deutschen und englischen Sachverständigen gepflogen werden, kaffen noch nicht klar erkennen, ob das beiderseits erwünschte Ziel einer baldigen Bessergestaltung unserer Reichsfinanzen er­reicht wird, ehe es zu spät ist.

Übereinstimmende Nachrichten aus Paris und Lon­don berichten, daß sich den Moratoriumsverhand­lungen noch sehr yrotze Schwierigkeiten entgegenstellen, nicht einmal darüber scheint zwischen englischen und deutschen Finanzsachverständigen Einigkeit zu herr­schen, daß eine Stundung der deutschen Darlehensver- vflichtungen eine ausreichende Stärkung der deutschen Finanzkräfte bedeuten werde. Trotzdem wird wenig­stens in England der Gedanke eines Zahlungsaufschubs für Deutschland ernsthaft weiter debattiert. Aber natürlich werden gleichzeitig auch die Bedingungen formuliert und erörtert, an die das Moratorium ge­rupft sein wird. Und diese Bedingungen sind selbst­verständlich einseitig durch das Intereffe Englands und seiner Verbündeten bestimmt, das heißt, sie sind mr Deutschland sehr drückend und vielleicht unan­nehmbar.

Selbst wenn man in London zu einem annehmbaren ^üebnis kommen sollte, wird Frankreich noch alles J 1 “* Mögliche tun. um die Bedingungen zu verschärfen und das Abkommen zu gefährden. Schon verlangen o»c französischen Zeitungen Sicherungen, Garantien und Stander. Wenn man auch annehmen darf, daß die eigene Not, die England zur Vernunft und Einsicht Mvracht hat, schließlich in Frankreich, das noch mehr j England leidet, ihre Wirkung nicht verfehlen wird, m muß doch sehr ernsthaft damit gerechnet werden, daß fische Zustimmung zu irgendwelchen für Deutschland erträglichen Abmachungen teuer erkauft werden muß. Solange man indessen die Einzelheiten

Londoner Verhandlungen und das voraussichtliche jKKfj? n,s no ^ kennt, wäre es verfrüht, zu den fran-

MWeff Befürchtungen Stellung zu nehmen. Daß aber

u , * en noch der Schleier des Geheimnisses aufrecht- ernciltsn wird, kann man nur gutbeißen. Schwierige olkswirtschaftliche und politische Verhandlungen, wie ue letzt in London gepflogen werden, können nicht zu 5pJJf. gedeihlichen Ende kommen, wenn alle Welt um ; Einzelheiten weiß und mit Hineinreden will. ^"Zwischen sind in Deutschland selbst alle in Be- brnt kommenden Stellen eifrig bemüht, die Kota- abzuwenden, die wahrscheinlich eintreten ^urde, wenn am nächsten Fälligkeitstermin, am

3°nuar. die Mittel für die neue Ratenzahlung 'wt vorhanden wären Die Reichsregierung hält Nklu ng 8k»^r Sitzung ab, um dieser Eventualität tJMfWflen Auch die Spitzen der deutschen Industrie sPaftigen sich mit den Einzelheiten des bekannten tu, brtangebots und lassen sich über die Ergebnisse der Verhandlungen Bericht erstatten, die ihre Vertreter im Ausländ üesülstst bähen. Selbst die Land­

wirtschaft bleibt nicht untätig und hat ihre Beratungen neuerdings wieder ausgenommen, wie sie an ihrem Teil der Finanznot des Vaterlandes zu Hilfe kommen kann. Man muß hoffen und wünschen, daß alle diese Kräfte einmütig zusämmenstehen, um die Katastrophe abzuwenden, die in den nächsten Monaten unver­meidlich wird, wenn keine neuen Wege zur Reparation der Reparationen gefunden werden!

Die Neuregelung der Reparationsfrage.

Br. Berlin. 2. Dez. mentarischen Kreisen Dr. Rath en aus ...

Nach Erledigung der Januar land eine mehrjährige

ie

und Frbruarrate wird Deut!

. ^ - Stundung erhalten,

am 1. Dezember fällige Goldrate ist noch nicht bezahlt wor wurzelt weilt ein deutscher Delegierter in Paris, um d-e Frage der Bezahlung dieser Rate zu regeln.

Dz. London. 1. Dez. Die Abendpreste beschäftigt sich eingehend mit den Ausstchten einer Neuregelung der A, e va rationsfrage a. Das plötzliche Steigen der Markerregt hier großes Aussehen. „Evening Standard" erblickt darin ein Zeichen für da» Vertrauen in die gunstme Entwicklung der zwischen der britischen Regierung und Rathenau geführten Beivrechungrn. Den Blättern zufolge bestehe die Möglichkeit, daß Llovd George Rathrnau empfangen werde, bevor dieser nach Deutschland zuruckkehrt. Laut „Evening Standard" wird die Frag« er­örtert, ob Frankreich «nd Belgien der abgeänderten Politik gegenüber Deutschland günstig gesinnt sein würden, da ohne Sie Zustimmung dieser beiden Länder eine solche Politik wirkungslos sein könnt«. Dem diplomatischen Bericht­erstatter des ..Enening Standard" zufolge ist die Frage einer kur,- oder langfristigen Anleihe noch nicht weit gediehen. Man nehme redoch in massgebenden politischen und finan­ziellen Kreisen Londons an. daß aus der augenblicklichen Lage eine n eu e R e va r a t i o n s v o l i t ik entstehen werde. Laut ..Pall Mall Dazette and Dlobe" wird ein wirk- licher Versuch unternommen, um die Reparationen auf eine feste und oraktische gesetzmäßige Grundlage zu stellen.

Dü. London. 2. Dez. Die Revarationsfrage steht nach wie vor im Vordergrund der Presseerörterungen. Gestern nachmittag fand unter dem Versitz Lloyd Georges eine K o n f e r e n z des Finanzausschusses de» Kabinetts statt, der »ich mit dem aunenblicklichen Stande der Repa­rationsfrage befaßte. Anwesend waren u. a. Churchill CvansCbamberlain und Sorne. Dem Ausschuß lag der Bericht des Schatzamtes über die Revarationsfrage vvr. Laut „Daily Telegraph" ist die Arbeit des Ausschusses der Mtnister und der Sachverständigen des Schatzamtes letzt genügend weit fortaeschrtilen. um die Regierung in den Stand zu setzen, ihre Vorschläge im Laufe des heutigen Tages zu erwägen.

Rathenau batte gestern vormittag eine neue Unter­redung mrt dem Schatz kan, ler. in der laut „Morning Post beide ihre Ansichten eingehend und offen darlegten „Daily Mail zufolge verlautet, daß di« Mtnister im Finanzausschuß des Kabinetts einem Moratorium für die deutschen Schulden grundsätzlich zustimmten und zu der Ansicht gelangt seien, daß bei dem augenblicklichen Stand des deutschen Kredits und der deutschen Finanzen kein anderer Weg möglich sei. Man glaubt, daß die französische Regierung dem britiichen Plan zustimmen werde, voraus­gesetzt, daß Frankreich» Interessen gewäbrleistet würden ^ Laut „Times" ist man in einflußreichen Kreisen immer noch der Ansicht, daß di« Bezahlung der Ianuarrate wenige: wichtig ist als die Erzielung einer festen Grundlage für die deutschen Finanzen, Man bält es für möglich, daß das Steigen der Mark eine sehr ermutigende Wirkung aus die-eniaen in Deutschland haben wird die bereit sind, eine ernste Anstrengung »,,r Erfüllung der Reva- rationsvervflichtnngen zu machen Die britisch« Regierung sei der „Times" zufolge der festen Meinung, daß die dringendste Frage dir der Wiederherstellung der deutschen Finanzen sei, und wenn Deullchland wieder auf einer gut:n Finanzlage steh«, würden die Revaratianen schan erfolgen.

Dz. London. 2. Dez. (Drablbericht,) Um 4.30 Uhr gestern nachmittag ist in Downinastreet eine Minister- konferenz zusammenaetreten, auf der. wie verlautet, die Frage der deutschen Revarationen besvrochen wurde.

Sine Zusammenkunft zwischen Briand und Lloyd George.

Dz. Paris. 2. De,. Der Londoner Korrespondent der „Chicago Tribun«" schreibt, daß non englischer Seite Zolles geschehe, um Briand zu einer Zusammenkunft mit George arckange nächster Woche zur Regelung der Frage der

Llovd

deutschen Revarationszablungen zu bewegen.

Die Aufhebnng der militärischen SanNionen.

Dz. London. 2. De». Zu der Frage der Aukbebuna der militärischen Sanktionen am Rbein und der interalliierten Militärkontrollkammission schreibt der divlematische Mit­arbeiter des „Daily Telegraph", vor einigen Wochen sei der britische Botschafter in Paris von neuem mit den Ansichten Londons über diele.beiden Fragen bekannt gemacht worden, und es lei daher möglich (okgl-kch hier nichts davon bekannt sei), daß Lord Hardinge die Absicht habe, die Frage, wenn ste nicht von irgend einer anderen Sette aufgeworfen wurde, auf der B o t s ch a s t e r k o n f e r e n z zur Sprache zu bringen. Die britisch« R-gierung habe sich seit der Annahme des Londoner Ultimatums durch Deutschland aanz offen und wtedrrbolt zugunsten der ,Aufhebung der mili­tärischen Sanktionen ausgesprochen.

Frankreichs Antwort auf die englische Reparationsnote

0. Gen?. 2. Dez. (Giß. Drahtbericht.) Der „Temvs" meldet: Der lranzösuch« Botschafter m London bat auf die englisck>e Rote, betreffend die August-Konvention über die' Aufteilung der deutschen Goldmilliarde, dcm Foreign Office die gewünschten Aufschlüsse über das Wiesbadener Abkommen gegeben und erklärt daß die fran-

n geae

zösssche Regierung die Detbinbung der Licht anerkennen könne

Bradbury über ein Moratorium.

Dz. Paris. 1. Dez. Der Vertreter Englands im Reva- rationsausichub. Bradbury. leugnete einem Redakteur des „Jntranstgeant" gegenüber, daß er seiner Regierung ein Memorandum überreicht oder eine Depesche geschickt habe, in der er ein Moratorium für Deutschland vorgescklagen habe. Er habe auch weder in London noch anderwärts eine Konfe­renz mit Dr^ R a t b e n a u gehabt. Bradbury erklärte fer­ner.

Rach

die die

der der Prüfung der Maßnahmen gegolten habe, deutsche Rcgierung getroffen habe, um die Zahlungen wenn möglich stcherzustellen. sei offiziös von der deutschen Regie­rung mitaeteilt worden, daß fte unkäbig sei zu zahlen, wenn sie keine ausländischen Kredite erbalte. Die Revarations-

rung mitaeteilt worden, daß fte unkäbig fei zu zahlen, wenn

lammission habe der deutschen Regierung 8 bis 10 Tage hs- willigt. um Verhandlungen zu führen. Es sei möglich, daß die deutsche Regierung die Revorationskommisston davon verständigen werde, daß sie dies« Kredite nicht erbalten könne. In diesem Falle, und wenn die deutsche Regierung rsubt lei.

immer noch der Ansi

daß üe odne Kredite nicht zahlen

könne, glaube man. daß sie vielleicht Zahlungsauf­schub verlangen werde. Aber die Möglichkeit sei doch, daß die deutsche Regierung unter gewissen Bedingungen die ge­suchten Kredite erbalten werde. Unter diesen Umständen

»rufen, ob sie diel« Be­lage sei also so. daß er. _ . . _ vertraulich und mündlich Mit­teilungen gemacht habe, damit sie ihre baltung bestimmen könne, wenn gewisse Eventualitäten einträten. Die Frage des Moratoriums könne nur gestellt werden, wenn die deutsche Regierung einen derartigen formellen Antrag bei der Revarationskommissson stelle. Das sei bis letzt nock> icht geschehen. Werde das Verlangen erfolgen, dann müsse die Rcvarationstommiision es nach dem Wortlaut des Frte- densvertrages in Betracht ziehen.

Dz. Bari», 2. Dez. Der „Petit Paristen" schreibt, daß kein Antrag zur Bewilligung eines Moratoriums von Deutschland vorliege, er ylaube zu wissen. Sir John Brad- h u r D habe offiziös weniger als Mitglied der Revarations- kommission. denn als Vertreter der englischen Regierung seine Kollegen über die Aufnahme befragt, die einem eventl. deutschen Verlangen nach einem Moratorium bereitet werden würde. Das Blatt glaubt andererseits zu wissen, daß die französische Regierung ibren Standounki noch nicht festgelegt Hab«, daß üe aber sebr ernstlich mit den französischen Dele­gierten in der Kommisston die Frag« erörtere, ob es nicht besser sei, in der Minderheit zu bleiben und alle Konle- a u e n»e n daraus aus sich zu nehmen, oder ob es im Gegen- teil besser sei. jene Einmütigkeit herbeiführen zu helfen, bi» 6« John Bradbury wünsch«

Die Aktion »er Landwirtschaft.

J3r. Berlin, 2. De,. (Eig, Drahtbericht.) über den Verlauf der bereits gemeldeten zweitägigen Besprechung im Rcichsausschuß der deutschen Landwirtschaft zur Vorberei­tung weiterer Derbandlungen mit der Reichsregierung er­fahren wir von maßgebender landwirtschaftlicher Seite noch folgendes:

Bei äußerst reger Beteil,gung aus allen Kreisen der dtutschen Landwirtschaft herrscht volle Einigkeit über die beschleunigte Inangriffnahme einer sehr bedeuten­denden Produktions st eiaerung trotz des damit verbundenen^ großen privatwirtschaftlichen Risikos und der icbr erheblichen technischen Schwierigkeiten. Nur auf diesem Wege erwartet man neben der im Vordergrund des Inter­esses stehenden Devilenerfoarnts eine für die Allgemeinheit erträgliche Preisgestaltung »nd Besserung der Lebens­haltung der arbeitenden Bevölkerung. Der bekannte baye­risch« Bauernsührer Dr. Seim war ungeachtet sein--.s leibenden Gestinddeitszustandas oerfönlich erschienen und

ltgte beachtenswerte clntite Vorschläge vor. Große Auf­merksamkeit fanden auch die finanswirtschaftlichen Dar­ss Zungen des ehemaligen preußischen Finanzministers

, ä m i f ch. Sodann wurden neben der Beschaffung großer Miticl aus der Landwirtschaft selbst zur Erhöhung der Er- tragssäbigkeit und einer sofort ein»« lei lenden umfassenden Moorkultur die staatlichen Kredit« »nd die Stickstoffrage be­sprochen. Dem Vernehmen nach sollen die Ovvauer Werke im Januar wieder »oll leistungsfähig '«in. Damit sind der LanteoirffÄakl S50 000 Tonnen Stickstoff sschergestellt.

beiden Abkommen

Beschlüsse des Reichsrats.

W.T.-B. Berlin, 1. Dez. Der Reichsrat nah« einen Gcsetzentwnrs über den Ersatz der durch den Krieg ver-, nrsachten Personenschäden an. Grundsätzlich sollen danach alle Reichsangehöriaen. die durch den Krieg inner­halb und außerhalb des Reiches Schädigungen an Leib uiü> Ltben erlitten baben und nicht unter da» Reichsveriorgungs- aeseh vom 12. Mai 1920 fallen, entschädigt werden. Der Reichsrat genehmigte ferner einen Gesetzentwurf über die

? ifändbarkeit von Gehaltsansvrüchen. Danach nd Penstonsansvrüche von Beamten. Offizieren und Ange­hörigen der Wehrmacht bis zum Betrag« von 8000 M.. bis­her 2000 M.. unpfänbbar. Gänzlich unpfändbar sind Teue­rungszulagen und Kinderbeihilfen.

Die deutsch-polnischen Wirtschaftsverhandlung««.

Vs. Berlin. 2. Dez. Der .,T>. Allg. Ztg." zufolge hübe» die deutschen Bevollmächtigten für die deuffö^ polnischen Wirtschustsverhandlungen über Oberschlesien in einer Sitzung des R e i ch s k a b i n e t t s. zu der auch die preußischen Minister zugezogen waren. Bericht über die Verhandlungen in Genf erstattet. Der Bericht fand di« allgemeine Zu st immun« der Mitglieder des Kabinetts.

Diplomatischer Empfang beim ReichsprSssdoute«.

Br. Berlin.

Präsidenten fand

Botichaiter und Vertreter der ausländischen Staaten Statt"