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Verlag Langgoffe 21

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12 Ausgaben.

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Samstag. 26. November 1921.

Abend-Ausgabe.

toijion Des Sepaiationsaölommens?

DerBund der englisch-britischen Industrien" ist mit einer Denkschrift über das Reparationsproblem hervorgetreten, in der auf die Unsinnigkeit der heuti­gen Losung dieses Problems verwiesen wird. Als der Dtaht den ersten kurzen Auszug übermittelte, war man nicht abgeneigt zu glauben, daß die Vernunft mar­schiere.Vernunft fängt wieder an zu sprechen und Hoffnung wieder an zu blühen", dies Goethe-Wort schien hier im besten und schönsten Sinne zu passen. Man wäre, hätte man nicht immer wieder allzu traurige Erfahrungen gemacht, geneigt gewesen zu glauben, die Vernunft habe jetzt in den Wirtschafts­kreisen Englands einen vollen Sieg errungen. Man kann sich natürlich heute auch in England nicht der Einsicht verschließen, daß der bislang beschrittene Weg nicht weiter verfolgt werden darf. Charakteristisch hierfür ist ja auch eine kleine Geschichte, die Direktor Krämer in einem Vortrag über das Kreditangebot der Industrie erzählte. Einem deutschen Bankier nämlich, der die Erfüllungsmöglichkeit Deutschlands kürzlich einem Engländer gegenüber auf etwa iy 2 Jahre angab, fei mit allen Zeichen der Erregung die Antwort erteilt worden:Um Eotteswillen, so lange halten wir es nicht mehr aus."

Die Denkschrift des Bundes der britischen Industrie zieht nun aus dieser Erkenntnis die Konsequenz und schlägt daher eine Revision des Reparationsabkommens vor. An Stelle der augenblicklichen Verbindlichkeiten Deutschlands * gegenüber den Ententeregierungen wünscht die Denkschrift Forderungen an die deutsche Industrie und Unternehmungen und sie verlangt ferner eine schärfere Umgrenzung der Warenklaffen und Ar­beitsleistungen, die Deutschland zu liefern hat. Zur Erläuterung des ersten Punktes wird hinzugefügt: alle deutschen industriellen Unternehmungen könnten beispielsweise angewiesen werden, besoidrere Vorzugs­aktien zu schaffen. Von den Inhabern von Grundbesitz könnte verlangt werden, daß sie erste Forderungen bis zu einem festgesetzten Verhältnis des Wertes ihres Be­sitzes übernehmen. Dringliche Hypotheken oder Vor­zugsaktien sollen geschaffen werden für deutsche Eisen­bahnen, Kanäle, Schiffahrtslinien und möglicherweise auch für die deutschen Banken und Großhandelsunter­nehmen. Diese Sicherheiten sollten dann von der deutschen Regierung den alliierten Regierungen aus­gehändigt werden, die sie an Privatpersonen verkaufen könnten. Was hier wiederkehrt, das ist der in letzter Zeit so viel erörterte Gedanke derErfaffung der Sachwerte". Aber selbst den unbedingten Verfechtern dieses Gedankens wird bei diesem englischen Pro­gramm nicht wohl, denn ganz offen spricht die Denk­schrift davon, daß so weit wie möglich eine Schädigung der alliierten Industrien vermieden werden müffe, und daß die vorgeschlagene Maßnahme den Alliierten eine Kontrolle über die deutschen Industrien ermöglichen würde, die groß genug wäre, umeinen beträchtlichen Einfluß auf die Entwickelung und Leistung des deut­schen Handels auszuüben". Auch derVorwärts", der sich ja immer für die Erfaffung der Sachwerte einge­setzt hat, verkennt den Pferdefuß, der in den Bedin­gungen der Engländer steckt, nicht.Die Engländer haben", so schreibt das sozialistische Blatt,hier das Verdienst, zu Ende gedacht und in wirtschaftliche Formeln gebracht zu haben, was das Versailler Diktat M bemänteln versucht hat. Deutschland wird zum Kuli der Welt degradiert." Tatsächlich laufen näm- lich die englischen Vorschläge auch auf nichts weiter hinaus. Deutschland soll nach Möglichkeit nur Kali. Holz und Kohle an die Alliierten liefern. Daneben rann es an dem Wiederaufbau der zerstörten Gebiete Mitarbeiten und es darf in den nicht entwickelten Teilen der Welt Bauten vornehmen, die sonst nicht rentabel unternommen werden konnten. In diesem Zusammenbang wird in der Denkschrift auch auf Ruß­land verwiesen. Im übrigen aber will man. wie die Denkschrift es aanz offen darstellt, den deutschen Han­del, von den Plätzen ableiten, die in der Hauptsache Markte Enalands sind. Mit Recht bezeichnet die »Boffische Zeituna" solche Abstchten als einenfür die deutsche Arbeiterschaft ruinösen Plan", da die Er- Seuming hochwertiger Fertigprodukte in Deutschland unterdrückt und die deutsche industrielle Betätigung auf die Herstellung von Rohstoffen beschränkt werden wu, an deren Weiterverarbeitung dann dse Industriel­len anderer Länder, vor allem Englands, verdienen können.

Diese Bestrebungen treten bier nicht zum ersten­mal zutage. Der ganze Rachkrieg, der mit allen er­denklichen Mitteln gcfübrt wird es fei nur erinnert an dir Zerstörung der Dieselmotore. an das Vorgehen Men die Deutschen Werke. kennt nur das eine Ziel: die unangenehme deutsche Konkurrenz zu unterdrücken.

Ein Engländer, und zwar ein Interessent der englrschm Farbstoffindustrie hat erst unlängst in einem umfang­reichen Werk (Dekt-bure. Th? Eiddle of the ItmD?J die Forderung erhoben, die Farbstosfproduktlon der Welt anders als bisher auf die einzelnen Landerizu verteilen, eine Forderung, die auf eine völlige -Ver­nichtung der deutschen chemischen Industrie hmaus- läuft. In dieser Richtung bewegt sich auch die eng­lische Denkschrift, in der es heißt, daß die deutsche Pro- duktiönskraft entweder für die britische Industrie un­schädlich oder ihr dienstbar gemacht werden muffe.

Auf der anderen Seite wird über eine Arbeits­teilung natürlich zu reden fein. Es ist auch anzu­nehmen, daß zum Beispiel während der Anwesenheit von Hugo StinneS in London eingehend über das große Problem desWiederaufbaus Rußlands gesprochen wor­den ist Unerträglich aber ist, daß diese Aufbauarbeit, w - es die Denkschrift fordert, unter Leitung und Kon­trolle des Ententekapitals, der Ententeingenieure statt­finden soll. Das beweist sehr klar, daß es den eng­lischen Industriellen sehr viel weniger um den Wieder­aufbau Europas oder den Wiederaufbau der Welt zu tun ist als um die Verfolgung eigennütziger Ziele für die britische Industrie. Beachtenswert an dmn ganzen Plan aber ist und bleibt, daß hier die erste Kund­gebung eines großen Unternebmerverbandes eines Ententestaates vorliegt für eine Revision des Londoner Ultimatums. Das ist immerhin ein Zeichen dafür, daß die Zeit nicht stillsteht!

Was Stinnes in London erreicht hat.

Dz. Berlin. 26. Nov. DemBerl. Lokalanzeiaer" zufolge befindet Nb Hugo stinnes leit gestern wieder in Deutschland. Er lall sich nach Mul des m a. d. Ruhr beaeben haben wohin auch der geschäftssübrende Vorsitzende des Retchsver- bandes der deutschen Industrie. E-beimrat Bücher, gereist sei. Das Blatt teilt ferner m»t. daß «tlnnes Samstag mit Llovd Eeorge auf deffen Landsitz verbanden habe.

Dz. Berlin. 25. Nov. Die ..B st a. M" erfährt von ihrem Londoner Berichterstatter: Die Verhandlungen, die

Stinnes in London nicht im Austrage der deutschen Re­gierung. sonocrn nn Namen der deutschen Industriellen führte, um diese durch die Gewäbruna einer graben Anleihe in den Staad zu sehen, die notwendigen Garanten für die weitere Erfüllung der Revarationsverpflichtunaen ,u über­nehmen. verliefen bisher durchaus zusriedenstel- l e n d Die Kreditgewährung an die deutsche Industrie würde so erfolgen, das? die englische Regierung und die beteiligten Kreisen unmittelbar am Wiederaufblüben der deutschen In­dustrie infereGeri sein würden, und zwar durch Beteiligung, nicht aber durch eine Finanzkontrolle. Es wurde sich>, um eines, die englischen Jnteresien berücksichtigendes, dem Wies­badener Abkommen an die Seite zu itellendes Sach­leistungs-Abkommen bandeln.

Eine Finanzkonferenz kn London?

Dz. Paris, 25. Rav. Dem ..Echo de Paris",soll eine hohe Persönlichkeit erklärt haben, es lei wohl möglich, daß Llovd George die Absicht habe, zu Beginn des kommen­den Jabres eine Finanzkonferenz nach London zu berufen.

Der Reparationsausschuß des Reichswirtschaftsrats zur Kreditaktion der Industrie.

W.T.-B. Berlin. 25. Nov. Der Reparation sauslckmb des Reichswirtschaftsrates faßte einstimmig eine Ent­schließung. nach welcher die unverzüglicheDurch- s ü h r u n g der Kreditaktion der Industrie eine Lebensnot- wendiokeit für Deutschland sei. Entschlossene Maßnahmen gegen die innere Defizitroirtschaft im Reiche, besonders bei den Reichsverkebrsbetrieben. leien daneben mit größter Be­schleunigung in die Wege zu leiten.

Das Inkrafttreten des Wiesbadener Abkommens.

Dz. Paris. 25. Nov. Die wirtschaftliche Tageszeitung ..La Iournve industrielle" berichtet über eine Sitzung des Zoll-Ausschuffes der Kammer, die am Mittwoch stattgefunden hat. Minister Lauch cur. der tbr beiwohnte, erklärte der ir. Wiesbaden Unterzeichnete Vertrag könne frühestens in* Mär, oder Avril kommenden Jahres, nachdem er die Zu­stimmung der Alliierten gefunden habe, in Kraft treten. Der Minister gab zu. daß Zollschwiengketten bestehen, die erst ge­regelt werden muffen. _.

Die Versailler Konferenz über die Deutschen Werke.

Br. Berlin. 26. Nov. lEig. Drabtbericht.) Ministerial­rat Schäfer vom Reichsschatzminlsterium und der Vertreter der Deutschen Werke. Funke, sind von ihren Besvrechungen aus Versailles zurückgekehrt. Sie haben hier mit dem Ver­treter Fachs, dem General W e y g a n d. konferiert und den Eindruck emokangen. daß man sich in die Angelegenheit sachlich vertieft und die Darlegungen der deutschen Delegierten durchaus gewürdigt bat. Die Entscheid düng wird allerdings von der Botlchakterkonfcrenz getroffen werden, nachdem sie di« interalliierte Militärkon- trollkommifflon angehört bat.

Der Weiterbetrieb der Wolfgang-Werke gesichert.

Bd. Franlsurt. 25. Nov. Wie aus Hanau gemeldet wird, ist der Weiterbetrieb der Woligangwerke (Pulverfabrik) gesichert. General N o l l e t bat sich durch die Besichtigung der Betriebsanlagen persönlich davon über­zeugt daß von der Herstclluny militärilcker Ausrüstungs- gegenstände keine Rede mehr sein kann.

Br. Frankfurt 26. Nov. (Eia. Drabtbericht.) Der fran­zösische General Rollet besuchte mit seinem Stabe den iczialistrichen Bürgermeister E r ä l aus dem hiesigen Rat­haus um mit ihm und dem Delegierten Ludwig Koch die Besvrechungen wegen der Deutschen Werke in Wolsgana. die schon in Berlin geviloaen worden waren, sorizusetzen.

Nr. 540- 69. Jahrgang.

Ein neuer amerikanischer Vorschlag in Wash.nglon.

D. Washington. 26. Nov. (Eig. Drabtbericht.) Dir Amerikaner bereiten eine neue Sensation vor. Dl« Kriegsschulden der Alliierten sollen auf dr« Hälfte herabgesetzt werden, wenn die Delegationen

dem Hughesschen Abrüstungsvlan ihre Zu­stimmung geben. Eine zweite Konferenz, von der man schon leit einer Woche svricht. soll alle finanziellen Örasen lösen und das Valutaproblem in Europa deffen Er­schütterungen auch aus das amerikanische Wirtschastsleben übergreisen, sanieren. Zu dieser zweiten Konferenz, wieder in Washington stattfinden wird, wrrd auch Deullw- land eingeladen werden.

Briands Abschiedswort an Amerika.

tv, <*, «7.« Rack einer Havasmeldung au«

New 'Bort W bei Eür-'wiästöe-t der Wo-i-ttb Oret

fteiimables ein Ablckiedswort an das amentaniiÄe ^olk uni sagten a : Dadurch daß Frankreich nach waibmato« ge­gangen sei. babe es seinen Willen zu erkennen gegeben, mit

.Sn"imMt'it «nb d-welbe. Encl: am

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aanzen Zivilisation willen bewaffnet bleiben muffe Es lei nickl Frankreichs Schuld, wenn die Natur es durch iptne» aenaraohtiefoe Lüge ZUM oOlbötcnpCt J/L eil 6k macbt habe, der über seinen Rudm nickt ^ote. Briand er- innerte an die friedliche Haltung Frankreichs »ach 1870 und dann^/tzie Marne und Verdun.^ Frankreich bube um Blllt vergießen zu vermeiden, zugegeoen. daß der Frieden :aut seinem eigenen Boden unterzeichnet wurde. Es habe dem Feinde erlaubt, sich mit. allen Ebren . mit voller Bewcfsiiung zurückzuzieben. unter würdevollen Bedingungen, die 50 Zaore öorber Frankreich verweigert wurde r seien.Man habe also kein Reckt. Frankreich als raubenicke Nation hivzustellen Briand erinnerte ferner daran, wie e^rankreick bck oemubi habe, nach dem Frieden von Frankfurt feine Verpflichtm^en zu erfüllen und wieder zu normalen Beziebungen zu ieinem Feinde von gestern zu gelangen. Solange das Deutsch­land von ehemals, fuhr er fort...nickt °vru,tel Staats streiche ausbeckt. Rachebosfnungen nabrt. sich in Verbände zusammenschlicßt. um seine verbotene Armee von ehedem zu ersetzen, muß Frankreich stark, blerben. An dem T.age. .rn dem Frankreich ickwack wurde, wurde e i n e n e u e K r l c«j g e - fahr entstehen und das demokratifche Regnne Deut.Lkands gestürzt werden. Frankreich dürfe dle Sacke des Frl.dcns >,ickt im Sticke laffen. Schließlich wandte sich Briand an die Deutsch-Amerikaner, die auf den sr.rnzonsck.cn Schlachtfeldern zusammen mit Amerika gegen das imo-ria- listiscke und militaristische Deutschland der Sobenzollern ge- kamvft hätten. Briand forderte ne auf. Deutschland zuzu­reden und es auf den Weg des normalen Lebens eines groben demolratilcken Landes zu lübren.

Japans Zfolierung.

D. Washington. 26. Nov. (Eig. Drabtbericht.) Admiral Kalo telegravbierte nack Tokio, dak; er den Kamm um das Flotten-Einbeitsverbältnis 10-10-7 aufgegeben, und daß die We i t e r b e t e i l i g u n g Japans an der Konferenz leinen Zweck babe. wenn nickt der ktatuo guo »ots als Grundlage der Abrüstung angenommen werde.

Die dritte Lohnaktion der Beamten und Etaatsarbeiter

Br. Berlin. 26. Nov (Eig. Drabtbericht.1 In den lücksten Tagen soll die dritte Aktion der Beamten und Staatsarbeiter zur Erb ob ung d er Geb alter und Löbne angesichts der noch immer fortschreitenden Teue­rung beginnen. Der deutsche Beamtenbund bat zum 28 d M. die Svitzenorgantsatlvnen der Reicks-, Staats- und Kommunalüeamten eingeladen, um über d,e Erbebung ge- meiniamer Forderungen Beichüib zu fallen. Don den Unter- rerbänden soll diesmal der Regierung gegenüber die Not­wendigkeit betont werden. dte..untcren und mittleren Eruv- ven der Beamten in ihren Bezügen wesentlich zu erhoben, um gegenüber den ietzt geltenden Bezügen der höheren Beamten einen Ausgleich zu schassen. Bon besonderem Jntereffe ist die Mitteilung der R e: ck s g e w e r k s ck a s t der d e u t s ch e n E'lenbabn -A »warter. dre verlangt daß die Beamten, wie es bereits eine Gruvve der Industriearbeiter getan habe, eine gleitende Gebaltsstala verlangen sollen, um ihr Ein­kommen cntwrechend der Inderrisier der allgemeinen Wrrt- Ickaftslage anvaffen »u können.

Reichshilfe für unterernährte Kinder.

Br Berlin. 26. Nov. (Eig. Drabtbericht.) Das Reichs- ko.binett bat in seiner letzten Sitzung beschlossen, zur Er- näbrnngsfürsorge für unterernährte Kinder einen Betrag n 10 0 Millionen Mark für den Etat des laufenden Jabres »ur Verfügung zu stellen.

Das Berliner Berfammlungsverbot aufgehoben.

Br Berlin. 26. Nov. (Eig. Drabtbericht.) Laut einer Bekanntmachung des P o l i, e i v r ä s i d e n i e n ist das Ber- iammlungsverbot ab 28. November aufgehoben worden.

Hungerstreik in Herne.

Dz. Berlin. 26. Nov. Die in der Strafanstalt Herne in Westfalen internierten politischen Gefangenen sind laut .Lokalanz." in den Hungerstreik eingctreten.

Ocrters Nachfolger.

Dz. vrannschwrig. 25. Nov. In der heutigen Sitzung der tandesversammlung wurde an Stelle des gestern zuruage- tretenen Ministers Oerter der . Abg Erotewobl (U. S. P. D.) mit 3V gegen 25 ungultlge Stimmen »um Mit­glied des Staatsminitteriums aewäblt.