Nr. 515. Freitag, 11. November 1921.
Wiesbadener Tagblair.
verstehe diesen Zustand schlechterdings nicht und solgere aus
dem Charakter der Blätter, da» auch der übrige Inhalt mindestens die Billigung der amtlichen Stellen besitz«. Das Fortbestehen dieses Zustandes bedeute eine schwere Gefährdung der Reichs- und Ctaatsautorität. Der Erlab ersucht drc Regierungspräsidenten, mit allem Nachdruck ihren Einslub dabin gellend -u machen, dab solche MMände in den amtlichen Kreisblättern vermieden werden. Wenn die Redaktion des betreffenden Kreisblattes die Angriffe trotzdem nickt labt, io sind die Beziehungen des Kreises zu dem Blatt baldigst zu lösen Co weit die kreiskammunalen Veröffentlichungen in Frage kommen, sollen dem Blatt die staatlichen Bekanntmachungen in kürzester Frist entzogen werden. Die Regierungspräsidenten sind angewiesen, dem Erlib mit allem Nachdruck in den ihnen unterstehenden Kreisen Geltung zu verschaffen.^
— Die EesundbeitsverhSltnisse haben sich in der letzten vollen Oktoberwoche vom 23. bis zum 29. in der Mebrzabl der deutschen Erobstädte verbültnismäbig günstig entwickelt. In 26 Städten mit mindestens 100 000 Einwohnern ist di« Sterblichkeit gefallen, aber nur in 23 gestiegen. Auf 1000 und auss Jahr berechnet fiel sie in Altona auf 10,4. Augsburg 17 5, BarmeN 6.7. Berlin 11.5, Lichtenberg 9 2. Schöneberg 8.2. Wilmersdorf 7.2, Böckum 8.6. Bremen 10.0 Kassel 8.8. Krefeld 7.6. Duisburg 10,3. Gellenkircken 12.8. Hamborn 10.0. Hamburg 9.6. Hannover 9.0. Karlsruhe 9.1. Königsberg i. Br. 10.1. Leiozig 9.3. Magdeburg 11,5. Mainz 8 2. Mülheim a. d. R. 8,9, Münster i. W. 13.1, Neukölln 4.9. Saarbrücken 6,7. Wiesbaden 110. Die Sterblichkeit stieg in Aachen auf 12.9. Braunschweig 10.8, Breslau 12.5. Cbar- lottenburg 10.1, Chemnitz 11.6, Dortmund 12.0. Dresden 9.8. Düsseldorf 11.3. Elberfeld 10,2, Erfurt 14.8, Ellen 11.8. Frankfurt a. M 9.4, Hall« a. d. S. 10.0, Kiel 8.4. Köln 13.1. Lübeck 13.5. Mannheim 103. München 11.8. Nürnberg 8.9. Oberbaulen 9.4. Plauen i. B. 8.7. Stettin 11.5. Stuttgart 7.3.
— Zählkarten als Überweisungen. Zahlkarlen können neuerdings auch als Überweisungen verwendet werden, eine Einrichtung, von der aber verbültnismäbig wenig Gebrauch gemacht wird, da die Änderung des Vordrucks verbältnis- mäbig umständlich ist. So haben sich denn auch auf ein« Umfrage von 38 Handelskammern nur 3 für Beibehaltung der
Aus Provinz und Nachbarschaft.
Eine Veflüqelausstellung.
— Biebrich, s. Nov. Zu der vom n. bi» tZ. November stattfindenden großen Geflügelausstellung im.Saaldau Insel find die Anmeldungen so zahlreich eingelausen, dag nicht alle angenommen meiden tonnten. E» find über 800 Tiere der verschiedenen Rafien gemeldet und werden Tier' gezeigt, die nicht aus jeder Ausstellung zu sinden find, Für Züchter und Liebhaber ist daher Gelegenheit geboten, fich von der fortschreitenden Ent- wickelurv der Geflügelzucht zu überzeugen und auch gutes Zuchtmaterial z« erwerben.
Nafiauischer Sängerbund.
- Slambach, ly. Noo. Hier hie« kürzlich die z. und 4. Gruppe des Nafiauischen Sängerbünde» ihren Delegiertentag ah. Vcu 18 Vereinen halten 12 Delegierte entsandt, und zwar: „Harmonie"
sBiebrich), ..Rheingold" (Biebrich), „(EoncotMa“ sRordenstadt), ..Germania" fSBttfldu), „Concorbia" (Sonncnberg), „Eef.-Verein Amöneburg". „Frohsinn" (Igstadt), „Eintracht" lBiebrichs, „Conrordia" (Kloppenheims, „Germania" sGriesheims und „Liederkranz" (Ramdich). Die beiden Vor- fitzenden der Gruppen, Herr Hollingsbnus lBiebrichs und Herr Ehrlst (Kloppenheims begrüßten die Delegierten der Bundesvereine. Der Gesangverein ..Liederkranz" (Rambach) brachte während der Tagung einig« Lieder zum Vortrag. E» wurde brschlossen, anläßlich de» ayjährigen Jubiläums des Gesangverein» „Liederkranz" lRambachs am 7. Mai 1822 einen gemeinschaftlichen Säugertag der 2. und 4. Gruppe in den beiden Sälen Saalbau „zum Taunus" und Snalbnu „Zur Mllldlust" abzuhalten. E» soll dabei ln zwei Abteilungen gelungen werden, und zwar Nr. l bis g im Saalhau „Zur Deldluft", Nr 18 bis 18 im Saalbau „Zum Taunus". Unter dem gemeinschaftlichen Gesang verschiedener Lieder nahm der Delegiertentag einen schönen Verlauf.
Sport.
Zahlkarte im _
mern finden ein« Erleichterung
hr erklärt. Diese drei Kam- , .M_ei der Benutzung d«r Zahl
karten kür Überweisungen darin, dah bei den Zählkarten z. T. Nummer und Adrelle eingedruckt ist. Es können so auch die Vordrucke von Wohltätigkeitsvereinen uiav. benutzt werden.
— Wirtschaftlich-wissenschaftliche Vorträge über Arbeits- Probleme. Der Arbeitgeberverband selbständiger Kausleute im bandelskammerbezirk Wiesbaden bar iür die Wintersaison fünf wirtschaftlich-wissenschaftliche Vorträge vorgesehen. Der erste Vortrag batte leider nickt den Besuch aufzuweisen, der der Bedeutung einer solchen Veranstaltung in d«r heutigen Zeit entspricht. Nach Eröffnung durch den zweiten Vorsitzenden Herrn M a t b a i sprach der Syndikus des Verbands Herr Dr. Friedrich Müller über „Arbeitsvrobleme". ein Thema, das geradezu unerschöpfliche Gedanken auslösen muh. Der Vortragend« entledigte sich seiner Aufgabe, so weit dies im Rahmen eines einzelnen Vortragsabends möglich ist mit grober Sachkenntnis und erntete dafür allseitigen Beifall.
— Schutz seltener Tiere und Pflanzen. Der „Deutsche Reicks- und oreuhische Etaatsanzeiger" veröffentlicht eine neue Polizeiverordnung. laut der selten« Tiere und Pflanzen geschützt werden sollen. Es wird allgemein intereffieren. welche Tier« über das Vogelschutzgesetz und Jagdgesetz hinaus im ganzen Staatsgebiet geschützt sind. Insekten: die Apollofalter. Gottesanbeterin. Kriechtiere: Sumpfschildkröte. Vögel: Kormoran. Höckerschwan. Zwergtrappe. Schwarzer
Storch. Weiher Storch. Reiber u. Rohrdommel, mit Ausnahme des Fischreihers, Schlangenadler, Schreiadler. Steinadler. Seeadler. Weivenbussard. Baumsalk. Rotfuhfalk. Turmfalk. Eulen, einschliehlich des Übu, Spechte, rotköokige und ickwarz- stirnige Würger. Kolkrabe. Stein'verling. Karmingimvel. Wasserschmätzer. Pflanzen: Strauhenfarn, Königssarn. alle Arten von Bärlavv. Schlangenmoos. Eibe. Federgras. Türkenbund. Frauenschuh. Strandvanille, Seidelbast. Wassernuß Stranddistel eiche-nblättriges Wintergrün, die ausdauernden tblaublübenden) Arten von Enzian. Linnäe.
— Reichsbabnwerkmeiktrr. Für die Prüfung zum Werkmeister auf der Reichsbahn bat der Reichsverkehrsminister umfangreiche Bestimmungen getroffen. Voraussetzung für die Zulassung ist die Erlernung des entsprechenden Handwerks und eine Tätigkeit von 7 Jahren als Handwerker oder Vorhandwerker, davon mindestens 5 in einer Ersenhahnwerkstätte. Unterschieden werden die Prüfungen für di« Werkmeister in Ricktballen für Dampflokomotiven und Tender. für elektrisch« Lokomotiven und Triebwagen, für Wagcn- richtballen. für die Schmiede, die Dreherei, die Kesselschmiede die Kuoferlchmiede. Klempnerei. Eieherei. Tischlerei. Stellmacherei. Lackiererei und Sattlerei, für Elektro-Maickinen. ban.für Betriebswerke mit Dampflokomotiven und solche mit elektrischen Lokomotiven, kur die Wagenunterhaltung, für Heizungsanlagen ufw. für größere Elektrizitätswerke und für die Unterhaltung elektrischer Leitungsnetze.
— Die Buchführung des Strahenbändlers regeln eingehende Aussübrungsbestimmungen des Reichsministers der Finanzen „im Umlatzsteuergeletz. Nack seiner Wahl muh der Steuerpflichtige 45. 90.. 180 oder mehr Mark Steuer an- »ahlen. Er erhält dafür ein grünes, braunes oder blaues Ctrahenfteuercheft. In vieles Sekt soll er täglich nach Beendigung der Eeschäftsausübung die Tages- oder Rackteinnabme «intragen. Notwendige Ausgaben dürfen nicht abgezogen werden. Die Losungen llnd täglich zusammenzuzäblen. Der SteuewMchtige muh ferner am ersten Werktag jeder Woche die Waren, mit denen er den Verkauf beginni. mit Ergänzungen nach Art und Menge nebst Lieferer eintragen. Wenn an einzelnen Tagen nickt gebandelt wurde, lo muh sogar der Grund angegeben werden. Der Händler muh das Heft stets hei stch führen und auf Verlangen den Beamten, nicht nur der Polizei- und Steuer-, sondern sogar auch der Ei'enbabn- verwaltunq vor,eigen. Ilberftrigen die Einnahmen einen gewissen Betrag, ko hat llch der Steuerofsichttge unverzüglich von dem Umiatzsteueramt etn Nachtragsbest mit einem roten Kreu, zu holen. Auherdem muh ein Einkauf-rbeft geführt werden. In das alle Einkäufe einzutragen und Qu ttungen «inzukleben oder zu vollziehen llnd.
«K» »cm SereinalcBen.
* Die Privatgesellschaft „Siegfried" t«>7 veranstaltete am vergangenen Samstag zur Feier Ihres 14jährige» Bestehen, In der Turn» hall, »In« Bbendunterhaklnng mit Ball unter reger Beteiligung einzelner dem verbände mittelrheinischer Prt».»llnteih. und Mand.-Gesellschaften angefchlojfenen Vereine »vn hier und an»wärt». Au, ocm vorzüglichen Programm lind besonders zu erwähnen die von dem Porfitzenden verfaßten und van Mitgliedern gestellten drei lebenden Bilder: ,.EIn wichtige, Ee- heimni»", „Guten mvrgen, mein Liebchen" und „Siegfried in der Schmiede" welche begeisterten Beifall ernteten und wiederholt werden mußten. Da» »an einem Mitglied »erfaßt« und von Ihm selbst sowie einer Dame ge- spielte Tanz-Duett „Apachen-Blut", außerdem da» von mehreren Mit- gltederu und Dame» gelptelte Theaterstück „Tiroler Blut" bilderen die Glanznummern de» Abends Auch die lauft nach zu Gehör gebrachte» Muudvllnenkauzerte und fanftigen Borträge verfchänerten da. Fest. Bei einem gutdeletzleu Lrchefter kam auch da, Tanzbein zwischendurch aus feine Rechnung und trennte mau fich bet Schluß mit der Überzeugung, bet der Prlvatgelelllchaft „Siegfried" wie stet» wieder einmal eln paar recht froh« Stunden verlebt zu Huben.
* „Wiesbadener Mlkttlraerelv". Di« Mitglieder ««rda» »as dt« Versammlung, welch, am Samstag, den 12. November, «band« 2 Uhr, Im ver«tn»h«im (Kelenrnftraße ZT) ftaitfindet, aufmert- |am »macht, wegen der Wichtigkeit »er Iage»»rdimal, Erhöhung de»
gtottoatOM. <9 «shlretch» «eteUtpur, erwünscht.
* Städtewetturuen Berlin-Hamburg. Bel dem neuerlichen Zusammen, treffen der besten Turner Hamburg» und Berlin, da» diesmal in Berlin im Sportpalast stattfand, tonnte Berlin mit 1933 gegen 1987 Punkten einen knappen Sieg davontragen. Der Kampf war äußerst spannend. In den beiden ersten Übungen des Eechskampfe», Ringen und Barren, erzielte Hamburg sofort einen bedeutenden Vorsprung. Pferdguer und Freiübungen wurden in gleicher Vollendung gezeigt, und erst im Pferde- long kam Berlin auf. da» beim Reckturnen eine derartig hohe Punktzahl erhielt, daß e» al» Sieger den Weltkampf beenden konnte.
* Der siegende Valion de» Gordon-Bennett-Fluge» deutsches Fabrikat. Man schreibt uns: Am >8. September ist oon Brüssel au» die „Gordon- Benneti-Fahrt" der Freiballone in internationalem Wettbewerb (Deutschland ausgenommen) entschieden worden. • Der schweizerische Ballon „Zürich", Führer Armbruster, hat mit 108 Kilometer Vorsprung vor dem zweiten die berühmteste Trophäe für den Luftsport gegen Amerika, Frankreich, Italien. England, Belgien und Spanien an fich gebracht. Armbruster hatte fich wegen finanzieller Schwierigkeiten mit dem Ballon „Zürich" begnügen müden, einem alten Ballon, der schon Im Jahre 1912 hergestellt war. Natürlich fiel dieser Ballon, was Ansehen und Ausstattung betraf, gegen die aus aller Welt zum Stelldichein herangekommenen, mit allen Erfahrungen der Zwischenzeit hergestellten „Neuesten" mächtig ab. Es soll viele lange Eefichter bei dem überlegenen Steg der „alten Gasblase" gegeben haben. Uns interefstert daran besonders, daß der fiegreiche Ballon deutsches Erzeugnir ist. hergeftellt im Jahre 1912 von der Firma Riedinger, Augsburg, aus „Tonttnental-Ballonstasf" der hannoverschen Evntinenial-Eummiwerke.
Eerichtsfaal.
— Bin Prelewucherer. 20 000 971. Geldstrafe en. vier Jahre Gefängni» wurden vom Schöffengericht in Darmftadt dem Kaufmann K. Rost dahier wegen Pret»wucher» diktiert. Er hnt al» Angestellter einer Darmstädler Firma E. einen Posten für etwa 2380 M. gekaufter unvmarbetteter Kreide, die von der Firma zur Herstellung von Leimerfatz verwendet wurde, zum Preise von 28 800 M. wetterverkauft. Der Kaufmann L., der bet dem Versand den Frachtbrief aus Dungkulk ausfertigte und eine Versand» genehm,gung dazu sälschte, erhielt zwei Wochen Gefängni», der Inhaber der Firma erzielte Freisprechung.
— Die Artet» der Wucher,«richte. Die deutschen Wuchergertchte haben 1920 im ganzen gegen 27 r>24 Personen Verfahren bearbeitet, davon gegen 22 583 Personen wegen Schleichhandel und gegen 4587 wegen Preistreiberei und Überschreitung van Höchstpreisen. 1035 wurden an die ordentlichen Derichl« verwiesen. Von den übrigen wurden 2397 oder 9.25 Proz. freigesprochen. Verurteilt wurden 23 472. E» erhielten U 920 oder mehr als die Hälfte Geldstrafen, oon diesen 8812 oder 72 Proz. solch« bis zu 1000 M. Zu Freiheitsstrafen wurden 7708 Personen verurteilt, davon 5838 bt» zu einem Monat Gefängnis. Nicht ganz 8.32 Proz. er» hielte» l Jahr und mehr Gefängni», 24 wurden zu Zuchthau» verurteilt. Die bürgerlichen Ehrenrechte wurden in 55 Fällen aberkannt, »U Einziehung erfolgt In 4431 Fällen.
mc. Fahrlässige Tötung. Im Januar d. I. veranstaltete der Hand- werkersparveretn in Bad Homburg Im Saalbau Römer eine Festlichkeit, wobei eine Frau in eine schlecht abgedeckte Mistgrube stürzte. Dabet verletzte sich die Frau so schwer, daß ste einige Tag« daraus verstarb. Nun standen der Gastwirt Peter Kleemann und sein Sahn Otto Josef vor der Frankfurter Strakkammer. die den Vater wegen fahrlässtger Tötung zu zwei Monaten, den Sohn aber zu jech» Monaten Gefängni» verurteilte. Der Vater wird bedingt begnadigt.
dz. Verurteilung eine» Tei'uehmer, am Münchener Seselleamord. Da» Volksgericht in München verurteilte den am Eefellenmard im Mai 1919 beteiligten ehemaligen Husar L a t 0 s I wegen Verbrechens des schweren Diebstahls zu 18 Jahren Zuchthaus, während die Schuldfrage bezüglich de» Totschlags mangels schlüsstger Beweise verueiut wurde. Latofi war In den Keller eingedrungen, in dem fich die gefangenen Gesellenvereiusmitglieder befanden und hatte mit einem Revolver auf die langen Leute geschossen, woraus er mit einem Dolch auf ste eindrang und den Leichen Wertgegenstände abnahm.
Neues aus aller Wett.
Die Bettslaich» als Kaiienichrank. - Eine Bäuerin im Oberamt Blaubeuren war »u Besuch einer Schwester, die auswärts wobnte. Der Bauer wollt« seiner bolden Gattin ein« Freude macken und befahl bei dem nahkalten Wetter am Übend der Rückkehr die Bettflasche ..siedig beiß" ,u macken und ms Bett der Bäuerin zu bringen. Die Freude der beim- gcfebrten war nicht so groß. wie der Mann gehofft batte, denn tue Bäuerin batte wäbrend des Sommers ibr Paviergeld. das üe heimlich zuriickaelegt batte, in derselben Bettklascke aufbewabrt. wo es doch am sichersten sei. Der nanze Jnbalt war total verbrüht und nur einige wenige kleine Fleckchen zeigten der tieftrauernd Hinterbliebenen den gewesenen Inhalt des eigenartigen Kallenschrankes. Es waren über tausend Mark, die auf diesem nicht ganz gewöhnlichen Wege verloren gingen.
Störungen im Fernsprechverkehr. Im Fernloreckverkebr wurde, wie aus Berlin gemeldet wird, der Verkebr noch durch Störungen nach dem Westen Deutschlands beeinflubt. Im ausländischen Fernsprechverkehr fehlte vorgestern noch eine Verständigung mit Wien. Prag. Budapest. Paris. Rotterdam und Cbristiania. Auch im Verkehr mit dem Hauvtteleobon- amt sind bauotsächlick noch die Linien nach dem Westen und die zwischen balle und Erfurt gestört. Im Telegrammver- ltbr mit dem Auslande fehlt namentlich noch eine Verständigung mit Rom. Mailand. Antwerpen. Brüssel. Haag. Rotterdam und Kopenhagen.
Ein Lirbesdrama. In. der Malolaauetstrahe in Berlin
Jahre alte Arbeiter Franz Willmann und leine oobn. mit der er zuiammenwohnte. tot aufge-
aoer
von ihren
wurden der 31
Geliebte Lina _. .__ ..
künden. Beide waren verheiratet lebten. ...
Ehegatten getrennt. Willmann hatte seine Geliebte und stck, erschossen, weil sie sich von ihm trennen und kick wieder mit tbrem Manne vereinen wollte.
Der „gelchäststüchtige" Sofrat. In Wien wurde der boirat Haag. Beamter des Steuerministrriums. wegen schwunghaften Handels mit unabgestemoelten Kriegsanleihen die er gegen eine Bestechung von 100 000 Kronen für gulj. »ilch« Kaufleute abltrincelte. verhaktet.
_ Morgen-AusgaSe. Erste» Statt S ette 3.
.Handelsteil.
Woher kommen die hohen Oslprelse?
... Alle. Deutsche Ölhändlerverein schreibt uns: Der °'.markt hat in letzter Zeit eine Gestaltung angenommen, wie sie in seiner bisherigen Geschichte noch nicht zu verlohnen war. Die Preise sind geradezu sprunghaft in die Höne geschnellt- Die Ursache der Preissteigerung ist naturgemäß an erster Stelle die Entwertung der Reichsmark. die enorme Wertsteigerung des Dollars. Noch vor wenigen Wochen bewegte sich der Dollar auf einem Preise von etwa 70 M.. wohingegen wir heute einen Dollarkure von über 200 M. zu verzeichnen haben, was einer Preissteigerung des Dollars von über 150 Proz. entspricht. Mit anderen Worten: der Importeur muß für ein ÖL, das vor einigen Wochen beispielsweise 10 Dollar gleich 700 M. eil Hamburg kostete, heute rund 2000 M. zahlen. Weiter kommt ui Betracht, daß in der Zwischenzeit der Zoll für Mineralöle von 120 M. apf 240 M. erhöht ist, was eine weitere Preissteigerung von 120 M bedeutet. Drittens ist die Tat- ®f c he zu verzeichnen, daß auch drüben in Amerika der Kohölmarkt nach langer Zeit der Baisse wieder eine steigende Tendenz eingenommen hat. Pennsylvanisches Kohol ist von 2.25 auf 4 Dollar, also um ca. 80 Proz., gestiegen. In Anbetracht der ganz offenkundigen Notlage der amerikanischen Raffinerien, welche Monate hindurch mit erheblichem Verlust arbeiten mußten, liegt es auf der Hand, daß die Preissteigerung des Rohöles ihre Wirkung auf fertige öle nicht verfehlen wird. Ganz besonders gilt dies in bezug auf hochwertige öle. als da sind: Heibdampf- zvnnderöle. feine Spezialöle.- z. B. Autoöle, sowie gute tn. na n U8W - wohingegen aus geringeren Rohölen herge- stelile Produkte naturgemäß von der Preissteigerung nicht im vollen Umfange betroffen werden- Endlich kommt in Betracht, daß sämtliche Frachten im transatlantischen Verkehr gleichfalls in Dollar resp. Pfundwährung gezahlt werden müssen, so daß die Entwertung der Mark mit einer Steigerung der Seefrachten um über 150 Proz. identisch ist. Alle diese Teuerungsfnktoren. die naturgemäß beim Importeur bezw. Großhändler zuerst in Erscheinung treten müssen, sind aber bis heute bezüglich der Preisgestaltung durchaus noch nicht zur vollen Wirkung gekommen. Man vergleiche nur die heutigen Preise mit Notierungen, die etwa 4 Wochen alt sind, so wird man feststellen müssen, Ix ~ .selbstverständlich rein verhältnismäßig betrachtet — die jetzigen Preise noch billig sind. Mit anderen Worten: »?• kflr \ n „, ear Kölnern Zweifel unterliegen, daß wir für Mineralöle auf Basis der gegenwärtigen Rohöle, Frachten, Dollarkurse und Zölle in absehbarer Zeit ganz wesentlich höhere Preise, als sie heute gefordert werden, zu verzeichnen haben werden. Eine Preissteigerung um 200 Proz.
ü« j das Dreifache der Sommerpreise dieses Jahres i demnach mit Sicherheit zu erwarten sein wenn
nicht bald eine gründliche Beeserung der Mark sin tritt.
Berliner Devisenkurse.
TV.T.-R Berlin, 10 Norembor. Drahtliche Auszahlungen Jüi
Holland. .... 9340.65 f}. Mfc 9359.36 B.
Belgien ..... 1938.65 0. . 1911 95 B.
Korwe?en ... 37-«6.a5 3. ’ 3757.75 B.
DBnomarlt . . . 4835.15 G. Schwede» . . . 6193.80 0. Finnland .... 509.45 <}.
N»»«n. 1133.85 (J.
London. 1063.90 9
New-York ... 373.33 3.
Bari. 3001.95 0.
Schweiz .... 5194.80 0. Bpaaieii .... {8846.85 d Wien alte . , .
» D.Oe. . ,>
Fr»* ....««)
Budapest ... ,1 Polen.....
Bukarest ....
Buenoa-Airts. .
a
8.73 a. 384.70 3. 33.47 9. . 7.50 9 . ’ 1.40 d 38.15 a
4834 15 & 6205 20 & £ 15.55 B. 1131.15 B. 1068.10 B.
S37.78 B. 3013.05 B. 5305.30 ö. 8963 95 ü. -w- B. 8.77 U. 385.30 li. 32.53 U. 8.50 &
-B.
88.35 &
ür 100 Qaldsa
. 100 Franken
. 100 Kronen . 100 Kronen 100 Kronen . 100 Fi an. Hark . 100 Lira . 1 Pfd. SterUnr * l Dollar 100 Franken , 100 Franken . 100 Pesetas . 100 Krönest . 100 Krönest , 100 Krönest , 100 Krönest . 100 poIn.Hark . 100 Lei
, 1 Pesos
Industrie und Handel.
Textilindustrie und Markentwertung. Die Fachgruppe 1 ex t l.l in d u s t r i e des Reichsverbandes der Deutschen Industrie hat sich in der am 8. 11. abgehaltenen Sitzung u? 8 Ausschusses, die von über 60 Vertretern der ange- schiossenen Verbände besucht war. eingehend mit der Frage des Verkaufs unter Preisvorhalt befaßt. Sie hat sich dqhet fast einstimmig auf den Standpunkt gestellt, daß die Industrie trotz der unübersichtlichen und sich überstürzenden Konjunkturbewegung im Interesse möglichster Stetigkeit des Wirtschaftslebens mit allen Kräften beslrebt sein muß, bei in- und ausländischen Lieferungen nur zu festen Preisen, also ohne jeden Preisvorbehalt, zu verkaufen. Zu der Frage von Preisaufschlägen bei 1 aufend en vor- behalt losen Verträgen hat sich der Ausschuß einstimmig dahin ausgesprochen, daß. Preisaufschläge bei derartigen Verträgen unbedingt - unterbleiben müssen, es sei denn, daß sie auf Grund einer ausdrücklichen Verständigung erfolgen. Zur Frage der Fakturierung in Auslandswährung faßte der Ausschuß der Fachgruppe Textilindustrie einstimmig folgende Entschließung: „Ausfuhrgeschäfte nach valutastarken Ländern sollten nach Möglichkeit nur in der Währung des Empfängerlandes getätigt werden, mid zwar gilt dies in gleicher Weise für die Industrie wie auch für den Handel- Dagegen lehnt der Ausschuß jeden Zwang zur Berechnung in Auslandswährung ausdrücklich ab. Der Ausschuß empfiehlt, dahin zu wirken daß die aus dem Ausfuhrgeschäft resultierenden Devisen,’ soweit sie nicht zu Rohstoffen benötigt werden, für die Zwpcke der Reichsbank zur Verfügung gestellt werden. Die Industrie erwartet, daß auch der Handel die Bestrebungen der Industrie. Devisen zur Fortführung der Produktion zu beschaffen, unterstützt.“
* Orenstrin n. Koppel. A_-ü. in Berlin. Die Hauptve*. Sammlung beschloß Verdoppelung des Grundkapitals aul 186 MilL M. durch Ausgabe von 60 MilL M. Stamm- und 8 MilL M. Vorzugsaktien.
Vertreter: XV. ). Vogelsberger, Wiesbaden,
Herderstraße 26. Telephon 657.
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Houpilchrikrleiter: 6 3 »ktlch.
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