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12 Ausgaben.

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entbrechender NEah. - Schlich der Anzeigen.

Dierrstag, 23. August 1921.

Loucheur und Rathenau.

Am Donnerstag wird der deutsche Wiederaufbau- rnrnifter Walter Rathen au in Wiesbaden eintref- ten, um mit dem französischen Minister Loucheur die Besprechungen fortzusetzen, die im Juni hier be­gonnen wurden. Der deutsche Wiederaufbaukommisfar Dr. Euggenheimer wird bei den neuen Wies­badener Besprechungen zugegen sein. Daraus darf man schließen, daß es sich lediglich um die Fortführung der begonnenen Verhandlungen handelt, die sich auf die Wiederherstellung der zerstörten Gebiete und die Wiederaufnahme der beiderseitigen Handelsbeziehun­gen erstreckten.

Die Nachricht von der neuen Ministerzufammönkunft in Wiesbaden hat einen Teil der französischen Presse zu recht unfreundlichen Kommentaren verleitet. Dabei besitzt dieser Teil der französischen Presse die Taktlosig­keit, sich in innerdeutsche Angelegenheiten einzumischen. Es ist das nationalistische „Echo de Paris", das der Meinung Ausdruck gibt, Rathenau könne Loucheur nur unangenehme Nachrichten mitbringen. Erstens stünde der Reichstag in seiner Mehrheit den Finanzplänen der deutschen Regierung feindlich gegenüber und zwei­tens habe der Wirtschaftsminister Schmidt völlig auf seinen Plan einer allgemeinen Hypothek aus alle Sach­werte verzichtet. Aus seinen falschen Angaben zieht das Pariser Blatt dann noch falschere Schlüsse. Die Kritik an den Wirthschen Steuerplänen kommt aus zwei ganz verschiedenen Richtungen. Die eine hält jeden Eingriff in die Substanz der Vermögen für gefährlich, die andere wendet sich gegen die indirekten Steuern und verlangt einen nachdrücklicheren Eingriff in die Vermögenssubstanz. Aber das Pariser Blatt ver­schweigt die wichtige Tatsache, daß selbst in den Kreisen der Deutschen Volkspartei immer erneut der Willen ausgesprochen wird, das Ultimatum nach Kräften zu erfüllen. Eine grundsätzliche Ablehnung ist bisber nur von seiten der Deutschnationalen und Kommunisten er­folgt, aber auch ein Pariser Boulevardblatt sollte, wenn es schon über deutsche Verhältnisse schreiben zu müssen glaubt, so viel wissen, daß es im deutschen Reichstag keine konservativ-kommunistische Mehrheit gibt. Es ist nur natürlich, daß tief einschneidende, für die ganze Volkswirtschaft bedeutsame Steuerpläne gründlich geprüft werden. Rur wer deutschen Ver hältnissen mit vollendeter Ahnungslosigkeit gegenüber­steht, ist davon nicht unterrichtet, daß bisher noch stets alle Steuervorlagen eine kritische Aufnahme gesunden haben. Das ist nur natürlich, und Frankreich sollte nicht vergessen, daß bis heute noch kein Finanzminister bei ihm den Mut gefunden hat, die Forderung nach ausreichenden Kapitalsteuern zu vertreten. Im Gegen­satz dazu wird bei uns der gegenwärtigen Steuer­diskussion fast überall das Bekenntnis vorangesetzt, daß man erfüllen müsse, daß aber die vorliegenden Entwürfe nicht ausreichend seien. Die wichtige Tat­sache. daß der größte Teil der deutschen Kritiker die Steuerpläne als für die Wiedergutmachung nicht aus­reichend hält, wird also der französischen Öffentlichkeit völlig unterschlagen. Ebenso wie man die weitere Tatsache verschweigt, daß die Gegner einer Eigentums­konfiskation gerade im Interesse der Wiedergutmachung vor einer Beschneidung der werbenden Produktions­mittel warnen. Der Artikel des „Echo de Paris" kann älso an Kenntnislosigkeit der deutschen Verhältnisse nicht gut übertroffen werden.

Die neuen Besprechungen in Wiesbaden verdienen um so weniger durch eine unangebrachte Kritik beein­trächtigt zu werden, als der Verhandlungsstoff ge­nügend sachliche Schwierigkeiten aufweisen wird. Man weiß, daß nach Aufhebung der wirtschaftlichen Sank­tionen Frankreich dennoch den ungehemmten Zufluß seiner Luxuswaren nach Deutschland anstrebt. Laut Friedensvertrag sind wir verpflichtet, die Waren der alliierten Länder bei der Einfuhr den Erzeugnissen aller übrigen Länder in der Einfuhr gleichzustellen. Run aber ist die Okkupationsmacht immer in der Lage, diese Gleichstellung in eine tatsächliche Vorzugsstellung zu wandeln. Es besteht ferner ein großer Unterschied, ob wir Rohstoffe und Lebensmittel aus Übersee be­ziehen, die uns neue Arbeitsmöglichkeiten gewährleisten, oder ob wir unser Geld für überflüssige Lurusdinge hinauswerfen. Es wird darum von Herrn Rathenau mit großem Ernst darauf geachtet werden müssen, daß die Kontrollausfchüsse, die man in Koblenz niedersetzen will, nicht die Aufgabe übernehmen können, ein neues Loch im Westen gewissermaßen zu organisieren.

Uber die Sacklieferungen und über die praktische Mithilfe beim Wiederaufbau der zerstörten Gebiete bat man sich zwar bereits in großen Zügen geeinigt. Aber die Einzelheiten sind zweifellos auch hier der wichtigere Teil. Es gilt vor allen Dingen auch, ein Mißtrauen Englands zu verhüten. Tatsache ist, daß

Berlmer Abteilung des Wiesbadener Tagbiatts: Berlin W. 9, BMtratze 18, Fernsprecher: Amt Zentrum 1143S-1J497.

AbenL-AusgaLs.

ein großer Teil der englischen Presse die Sonder­besprechungen zwischen Frankreich und Deutschland mit Mißtrauen verfolgt. Ein englisches Blatt hat daraus sogar den kühnen Schluß gezogen, Deutschland wolle die Verpflichtungen gegen Frankreich beschleunigt ab­tragen, um sich später seinen Verpflichtungen England gegenüber entziehen zu können. Dieses Mißtrauen ist nach keiner Seite hin berechtigt. Deutschland weiß, .6 Frankreich in einem solchen Falle mit Freuden eine Art Eerichtsvollzieherrolle übernehmen würde, um ferne bisherige Politik dann mit englischer Unter­stützung fortfetzen zu können. In Deutschland hegt niemand die Absicht, Englands Forderungen als min- anzusehen, und wir würden eine törichte wir es täten. Aber das eng­lische Mißtrauen und die französische Kritik zeigen die Schwierigkeiten der neuen Wiesbadener Verhandlun- 0 en - a,eI i )en dennoch ihre Früchte zeitigen können, wenn Offenheit. Vernunft und ehrlicher Friedenswille zwischen allen Teilen Platz greifen!

Die Mmisterzusammenkunft in Wiesbaden.

. Sctlitt» 22. Slu-ö. Dl-e Minime

sicher f ■+ e h me6 w re ? aöe j n Anspruch nehmen und

ker Regelung der Lieserungsschädcn be- ^!LH? er i on & unee Hi> e - wie man weih, seit der Ä^en Zusammenkunft zwischen Rathenau und Loucheur teilo in Paris teils in Berlin geführt worden sind, wer- m n umfangreich und schwierig sein, und man wird deshalb nickt erwarten dürfen, daß bei der neuen Be- b - er s ^iden Minister bereits ein Abschluß erzielt e^ben wird Geren diese Annahme spricht auch die Tat- Dr. Rathenau nach der Wiesbadener n»iom^.bl r laub anzutreten gedenkt. Jn

SÄÄ mart^JSSKSs? -

2 j 5 § ‘SÄÄ

erfahrt man, datz cs sich hauptsächlich um Zollfragen bügeln wird da jetzt nach dem Beschlutz des Obersten Rates ^omi?m^Mtember ab die wirtschaftlichen Sanktionen und damit die Zollgrenze wegfallt. Man wird fick über die Be- dingungen unterhalten, unter denen der deutsche Export vor allem der von Fertigfabrikaten. vor sich geben soll Rack dem Oeuvre .sollen Uber den gleichen Gegenstand zur gleichen Zeit trt Berlin Verhandlungen strttfinden. Ein­dringlich rat Jean Falbry im „Jntransiseant" die Be­dingungen für eine deutsch - französische Zu­sammenarbeit ausfindig zu machen. dU ’

m .5 Z - Poris, ^3. Aug. (Drahtbericht.) Wie Betit Pansien" mrtteilt. fährt Minister Loucheur. der sich nach seinen Besprechungen mit dem belgischen Finanzminister bat morgen abend nach Paris zurück und bigibt sich bald darauf nach London, wo er den Donners­tag verbringen wird. Am Freitag wird Loucheur zu Be­sprechungen mit Rathenau nach Wiesbaden abreisen.

Die Einberufung des Reichstags.

Dz. Berlin. 23 Aug Reichstagsvräsident Lobe, der gestern von der Stockholmer Konferenz zurückgekehrt ist wird der ,.D. Mlg. Ztg. zufolge sich heute nachmittag mit dem Reichskanzler in Verbindung setzen, um mit ihm über ju Bmtm" 1 bet Einberufung des Reichstags

Beratungen des ReichskaÜinetts.

Dz- »erlitt, 23. Aug. Laut „SB. L.-A." beschäftigte sich ^ch l e" n*il eli^F^a^g ™ einer ^ unfl wit der ober-

Ein Verbot des Reichswehrministers.

. Berlin, 23. Aug, Wie der ..SB. L.-A." meldet, hat ^,^5? w e h rm i n i st er den Angehörigen der Reichs­wehr die Teilnahme an dem Deutschen Front- e“ 1 ? 0 ö«- t ^ e ^branstaltuM. die vom Nationalver-

Vnd deutscher Offiziere und dem Verband nationalgesinnter Z^s??n ousgeht und heure im Stadion im Erunewald bei soll, m Uniform verboten. Als Grund tDtrb dn.öcöcb^n. bc&

Reichswehrgesetzes der Nationalverband deutscher Offiziere S «! tT ! l0UT fO. sur die Angehörigen der Reichs-

wehr verboten sei. Wie die Blätter weiter hören, ist auch bei der Cchuvo ein ähnlicher Befehl im Umlauf.

Die Verhandlungen über die Aufbesserung der Beamtengehältcr.

Er- .Berlin. 23. Aug. (Eia. Drahtbericht.) Im Reichs- finanzministerrum wurden gestern die Verhandlungen über ' den Beamtenverbänden und Gewerkschaften er­hobenen Gehalts- und Lohnforderungen eingeleitet. Gestern wurde zunächst eine Anzahl Unterausschüsse gebildet. Wie schwierig sich diese Verhandlung«,, gestalten, geht schon dar- m IDÜ & ^. ai oct putsche Veamtenbund an seinen aus­gestellten Forderungen, besonders an der Zahlung der -Mulag- von 5000 M. jährlich uMedingt festzuhalten ent-

Ein Ultimatum der Bergarbeiter.

D-! Berlin, 23. Aug. Am 19. August finden in Berlin Verhandlungen über die Lohnfrage im Bergbau statt. Die Bergarbeiter forderten eine L o l, n e r h ö h u n g v o n m i n- destens 12 M. re Mann und Schicht. Diese Forderung wurde von den Arbeitgebern abaeleünt. Darauf haben die Beigarbeiter den. Unternehmern unter Aufrechterhaltung ihrer Forderung ein Ultimatum gestellt, das am 1. Sep- renroer aolauft.

Ne. 378. » 69. Jahrgang.

Die Parteien und Das SLerrsrprogramm

Deutschnationalen sich gegenüber dem C ri e H Krproö ? amm lluf den wenig vaterländrlchen Standpunkt steilen: diesem Kabinett keinen Groschen, er- on n w.. ^"tzonalliberaie Korrespondenz Nr. 176 vom wenigstens den ehrlichen Willen des Reichs- wbmetts und namentl.ch dos Reichsfinanzministers Dr.

Datz es dabei'ohne hämische Bemerkungen gegen Wirty nicht abgkht, ist selbstverständlich. Zu den einzelnen Steuergesetzen nimmt das offizielle Organ der Deutschen ^tt.-vartei noch kerne Stellung. Aus der ganzen Tonart de^ Artikels ist aber zu boffen. datz die Partei ehrlich m i t a r b e i t e n wird, die SBTittel für die Wiedergut- mcttnir gen uuMibringen. Dazu liegt ja auch für sie eine ge- wisse SLervflichtung vor. weil ihr Führer Stresemann zur Übernahme des Rerchskanzlerpostens nach bestimmten Zu­sagen Engrank'S bereit war. die aber an der Höhe der auf- zubnngenoei' Summen nichts geändert batten. Genau so wirklichkeitsfremd wie die Dentschnatianalen zeigen sich die A(ehrhkitssoz'.alisten. Sie agitieren noch immer mit dem Schlagwort von direkten und indirekten Steuern, einem Untenchirde, der vor dem Kriege berechtigt war. heute aber, wo alle Steuerauellen bis aufs äuherste au-geschöpft werden müssen, veraltet ist Wenn eine Generalversammlung des sozialdemokratischen Vereins in Frankfurt a. M. wieder von der Stcucr,cheu der Besitzenden spricht und das Problem der Kohlensozialisterung wieder in die Debatte wirft, so öe- weist das aufs reue, dah die Partei, die nach dem Zusammen­bruch praktische Arbeit auf- realen Grundlagen zu leisten bereit war. wieder in den Sumpf der Phrasen versinkt. Es kann teinem Zweifel unterliegen, datz der Besitz, der bereits letzt gehörig blutest nock weiter belastet werden mutz und wird und datz sich Eingriffe sogar in die Substanz des SBsr- mogens vielleicht nicht werden vermeiden lassen. Datz aber ohne Verbrauchssteuern die erforderlichen Milliarden nickt aufzubringen sind, kann ejnem Sozialdemokraten, der ver­sucht. volkswirtschaftlich zu rechnen, nicht zweifelhaft sein.

Sozialdemokratische Steuer-Opposition.

Sr SSrandenbiirg. 23. Aug. (Eig Drahtbericht.) Aut dem Bezirkstag der S. P. D. Tier Provinz Branden- "bch einem Referat von Otto Wels eine Mitfchliehung angenommen, in der u. a. folgendes ausge- nihrt wurde:

--- Ler Bezirksvarteitag der sozialdemokratischen Partei für dre Prov. Brandenburg erklärt, datz die von der Reichs­regierung vorgeschlagenen Steuern in dieser Art für die sozialdemokratische Partei unannehmbar sind. Der Vezrrksvarteitag wünscht im, Falle des Fesihaltens der Regierung an der Gesamtheit dieses Steuervrogramms dre Neuwahl des, Reichstags. Um auch den im Jn- teresie der Arbeiter liegenden Aufsaben gereckt zu werden, ist dre S.P.D. bereit. Opfer zu bringen. Aber sie mutz fordern, datz zuvor die besitzenden Klanen in besonders einschneidender Weis? zur Steuerleistung berangezoaen werden. Die Steuervervflichtunaen der Besitzenden müssen der künftigen Steuerreform ihren Stempel aufdrücken".

Der Handwerkertag gegen die Steuerplüne.

Dz. Magdeburg 23. Aug. In der von 3000 Teilnehmern besuchten Hauptversammlung des 2. deutschen Handwerker­tages .wurde einstimmig eine Entschließung angenommen, die feieruch Verwahrung gegen die bekanntgewordenen Steuer»laue der Regierung einlegt. Man verlangt eine einfache und klare Steuergesetzgebung. SBesonders ver- wahrt man sich gegen den Gedanken einer Zwangs- Hypothek. Eine zweite angenommene Entschließung verlangt, datz möglichst bald soziale Fürsorgeeinrichtungen au? dem SWege der Freiwilligkeit für das deutsche Handwerk geschaffen werden.

Eine Rede des Generals Ludendorff.

rn r Br - A^furt a. d, Oder. 33. Aug. (Eig Drabtbericht.) Gelegentlich des Regimentsappells des Leibdragoner-Regi- ments Nr. 8. ,n Frankfurt a d. Oder hielt General d. Inf. Lu den dar ff eine Ansprache, in oer er u. a. folgendes ousfubrte:

..Kein deutscher verantwortlicher Mann bat je den Krieg gewollt, und ick mochte hier besonders betonen, hier, wo ich mm ersten Male seit Kriegsende vor Soldaten zu sprechen Gelegenheit habe, dag ein Friede mit den Feinden während des gamen Krieges nicht möglich war. weil der Feind unsere Vernichtung wollte, datz wir aber jeden Augenblick S- 11 ™,. 5 rieben bereit waren. Wenn auch die alte Herrlichkeit der Schmack gewichen ist. weil wir uneins waren, so sind wir jedoch nicht ehrlos geworden, weil echte Leibgrenadiere und wabre Deutsche nicht ebrlos werden können, denn wir wollen treu zu unserer Vergangenheit sieben und m T.reue gedenken des obersten Kriegsherrn und des Sohenzollernhauses. .,n Treue festbalten am deutschen Lande. Darum müssen wir uns rusammenschlietzen und einen Block bilden, an dem die Widersacher unseres inneren Auf­baues zerschellen, und eine starke Eruvve bilden, die den inneren Feinden die Stirne bietet. Was uns not tut das üt em einiges, in sich geschlossenes, opfer­freudig es Vo lk. das entschlossen ist. alles für seine Ehre binzugeben. Erst dann, wenn wir. wie es im letzten Verse des Deutschlandliedes heitzt. ein einiges in vaterländischer Treue geschlossenes und opferfreudiges Volk sind. werd.-n wir die SVorte des Generals von dork wahr machen und von dem deutschen Volke wird es wieder selten, datz die ganze Welt Respekt vor ihm hat. *

©ine Anfrage über die Entlassung von Schupobeamten in Braunfchweig.

Dz Brgunschwrig. 23. Aus. Nach einer Meldung des “J“ Braunschw«,« haben wegen der Entlastung von 54 Beamten der braunschweigischen Schupo, die dem Stahl­helm mngebören die deutschnationalen Abgeordneten Graf Westarvund Hergi an die Reichsreg ieruntz- die An-

roos J ie AT n willkürliche und,.ungesetz- matzige Entlastung der Schupobeamten durch die braun­schweigische Regierung zu tun gedenke.