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Verlag Langgass» 21
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**®Tf"*t »on « Uhr morßen» di» I Uhr G»st!q«a»«t»! grmrtfurt «. IN. Nr. 74«.
Wöchentlich
12 Ausgaben.
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Montag, 1. August 1921.
_ 9, voßstratze 18, Ferns precher: Amt Zentrum 11 4SS-UL37.
Äbend-Ausgavel ~»r. 352.
69. Jahrgang.
Bekanntmachung.
(Französische Sprachkurse.)
^ Die französischen Sprachkurse an die deutsche Bevölkerung werden Dienstag, den 2. August, wieder ausgenommen.
*• ?j C r ,^ n terriÄt für die früheren SMler findet durch dieselben Lehrer und in l^nfelben Lokalen wie vor den Ferien statt.
3. Die neuen Schüler haben sich anzumelden au Zimmer 42 tnt Rathaus, morgens von 9 bis 12 Uhr und abends vrn 2 bis 5 Uhr.
Nie wieder Krieg!
Um gestrigen Sonntag fanden in Berlin, wie überall im Reiche, große Kundgebungen der Kriegsgegner aller Richtungen statt für Weltfrieden und Wlker- verjöhnung, gegen Imperialismus und Militarismus. An ihrer Spitze standen die pazifistischen Vereine und Verbände neben sozurldemokratischen Organisationen, die dem Internationalismus und Pazifismus programmatisch huldigen. Aber es schlossen sich dieser Kundgebung auch andere politische und wirtschaftliche Gruppen an, die, ohne irgendwie international gerichtet
t l sein, den Standpunkt vertreten, daß nie wieder die eit Kimmen dürfe, da ganze Völker um irgend einer wie immer gearteten Ursache willen ihre ganzen körperlichen und seelischen Kräfte darauf konzentrieren, sich gegenseitig abzuwürgen. Solche Gesinnung ist nicht vn irgend ein politisches Programm gebunden, vielmehr finden sich ihre Vertreter in allen politischen Parteien, in allen Gesellschaftsgruppen, in allen Religronsgemeinschaften. Wenn es dafür eines Beweises bedarf, so darf daraus hingewiesen werden, daß an der Stockholmer Tagung der Interparlamentarischen Union vom 16. bis 20. August als deutsche Delegierte u. a. folgende Parlamentarier teilnehmen: von den Demokraten Graf Bernstorff. Professor Eickhoff und Professor Schiicking, vom Zentrum Giesberts und Dr. Pfeiffer, von den Deutschnationalen Warmuth. Daß die Mehrheitssozialdenwkraten mit einer ganzen Reihe Abgeordneter vertreten sind, versteht sich von selbst Kein Mensch wird darum zu sagen wagen, daß alle die, die für Völkerverständigung und Völkerversöhnung ernteten. weniger in Liebe für ihr Vaterland glühen als die, welche die nationale Gesinnung in Erbpacht gekommen zu haben behaupten. Denselben Ansvruch erheben auch die Veranstalter der Kundgebung am gestrigen Sonntag. So leuchtend auch ihnen die Erinnerung an die Augusttage des Jahres 1914 mit ihrer unerhörten Begeisterung und ihrem unsäglichen Opfer- villen vor Augen ist, so grauenvoll und nieder- chmetternd zeigte sich ihnen das Bild, wenn sie sich seht da zum siebenten Male die Glut des Hochsommers auf )en Gräbern der Toten im Weltkriege brennt, rück- chauuend die Frage vorlegten: Was war der Gewinn'? tnendlich viele von.ihnen, die draußen standen im Schützengraben mit all seinen Schrecken, haben es ver- ! 8 ^^' den Krieg als Stahlbad und Jungbrunnen zu betrachten. Ihnen hat sich fein Bild gewandelt als Würger der Kultur, als Zerstörer unersetzlicher moralischer und materieller Werte, als Henker der Blüte unseres Volkes. Und nun, da sich in diesen Tagen das siebente Glied an die Kette der Jahre reiht, seit das Kri^sgeschrei die Welt durchbrauste, reichten sie sich die Hände zum Schwur, daß diese Gottesgeisel niemals wieder über die Menschheit geschwungen werde, so weit ihre Macht es hindern kann.
Dem i^uUchen Volke hat der Weltkrieg so tiefe Wunden in Körper und Seele geschlagen, daß es msaich- Uch verständlich ist wenn gerade bei uns der Abscheu vor dem blutigen Kriegsbandwerk besonders tief ist und besonders laut in die Erscheinunq tritt. Von dem Geschmeiße der Schieber und der betrügerischen Kriegsgewinnler abgesehen, lebt wohl keiner unter uns, den .^Echk ideell oder materiell ärmer gemacht batte. Und darum liegt es in der Natur der Dingt, daß bei uns mit besonderer Inbrunst sich der Schrei erhebt: Herr, erlöse uns von dem übel! Leider aber ist der Weg zur ewigen Burg des Friedens noch weit. Noch find überall in der Welt, abgesehen von dem Waffen- und wehrlosen Deutschland, selbst in dem hungernden Rußland, Imperialismus und Militarismus allmächtig, noch starrt die Welt in Waffen. Ge- nche gegenwärtig wieder schlagen weit hinten in der -Lurkei die Völker aufeinander; die Verträge, die den Weltkrieg beendet haben und dem gequälten Europa den Frieden bringen sollten, atmen nicht Frieden. Und wenn sich in absehbarer Zeit in Washington die Vertreter der mächtigsten Staaten auf Erden versammeln, üm Wer Abrüstung zu beraten, so weiß man, daß es üicht Friedenssebnsucht ist, die sie dazu treibt, sondern bas immer unerträglicher werdende Maß der Rüstungen
C m letzter Linie das Ringen um die Vormacht auf SKtm. Lai doch eben jetzt erst di» Konteren» der
Premierminister der britischen Dominions in London beschlossen, eigene Flotten aufzustellen. Und also wird, wie zu befürchten ist, die Abschasfung des Krieges wohl noch auf lange hinaus ein frommer Wunsch, ein schöner Traum bleiben, ein Ideal, nicht weniger groß und erstrebenswert, weil sein Ziel noch in unerreichbarer »Erne liegt. Daß auch i" manchen uns vordem feindlichen Ländern am gestrigen Sonntag ähnliche Kundgebungen gegen den Krieg und für Völkeroersöhnung stattfanden — in London allein Hunderte von Versammlungen — ist trostvoll, wird aber den Weltenlauf vor- derhand nicht zu ändern vermögen. Bezeichnend ist dabei höchstens, daß diese Gemeinsamkeit des Fuhlens rrnd Handelns den Quäkern zu danken ist, jenen Männern und Frauen, die monatelang unter uns geweilt und mit eigenen Augen die furchtbaren Folgen des Kriege m unserem niedergebrochenen Vaterland« .gesehen haben. Der Anschauungsunterricht, i»en unsere hohl- wangigen, blutarmen Kinder ihnen erteilt haben, hat wohl stärker auf sie eingewirkt als alle flammenden Reden.
Die Sehnsucht der Menschheit nach Frieden ist uner sattuch. Heute aber noch geht — wir wissen es aus eigener schmerzlicher Erfahrung am besten — Macht vor Recht. Solange dem aber so ist, werden wir mit den gegebenen Tatsachen zu rechnen haben. Nicht zum Haß und nicht zur Rache zwar soll unsere Jugend erzogen tpewert, aber ebenso wenig werben wir der pazifistischen Verneinung jeglicher Wehrerziehung folgen dürfen. Nicht zuletzt brauchen wir eine wehrhafte Jugend zur Bewahrung des Friedens im Innern. Diese Forderung ist um so eindringlicher zu erheben, wenn man liest, daß dre kommunistische „Rote Fahne" den Anlaß der siebenten Wie^rkehr des Tages des Kriegsausbruchs benutzt, PP Bewaffnung des Proletariats aufzurufen und A.jV^"^im^bung „Nie wieder Krieg" als ..pazi- ftstijches Geschrei" abtut. Solange wir nicht die Volks- oersöhnung im Innern haben, bleibt die allgemeine Volkerversohnung ein nebelhaftes Lustgespinst.
Die Kundgebungen.
Aerlin, 31. Juli. Unter dem Losungswort „Nie Tt»** ftrieg' n>ur4>c beiite im Berliner Lustgarten eine riesige KundgeR-ng der Mehrbeitssozialisten. der Unabhängigen, der Getverkfchaftskommission. des Friedensbundes
» 'lnd weiterer 16 Organisationen veranstaltet An der Kundgebung nahmen etwa 200 000 Per- )on*v. teil. Etwa 30 Redner sprachen gegen den Revanche- aeist und für eine friedliche Außenpolitik. für einen neuen r tuk ^Jugenderziehung „ nb Wr eidtexttna der republikanischen Staatssorm. All- Redner hoben hervor, daß der -^'eg weiteraehe so in Polen und der Türkei. Immer noch Amachteten »ahlrenbeKameraden in Gefangenschaft. Bei Sreger und Besiegten sei der wirtschaftliche Druck ung-ebeuir. Ungeheuer seien auch die Menschenopfer und die finanziellen Ver-lust«. Der Kriegsaedanke müfTe allgemein bekämpft wer- den.. Das wichtigste sei d'e Propaganda für dre Ver- n e , gerung des Kriegsdienstes, der Munitions- Herstellung und der Moffentransporte. Die Reden fanden brausenden Beifall.
Ähnliche Friedenskundgebungen wurden an etwa 300 anderen deutschen Orten sowie in England. Frankreich und den Vereinigten Staaten veranstaltet.
Ein weiterer Kredit von Sv Millionen «oldmark.
M- D'e Reichsbank teilt uns mit. daß sie fick, durch Vermittlung des Saus« Mea- AlsGbo und Ko. in Amsterdam einen weiteren Kredit von 6 0 Millionen Eoldmork beschafft hat. Die Gelamt- K>!stme der durch Mendelssohn und Ko. beschafften Kredite erhobt sich damit auf 280 Millionen Goldmark.
Die Botschafterkonferenz über die Stellung des Roichs- kommisiars für die Rheinland«.
2 U *V Wie das ..Journal des DSbats mitteilt bat die Dotjchafterkonferen, auf das Ersuchen der deutschen Reg-erung. das Agrement für den Fürsten Satzfeldt als Nachfolger des Reichskommisiars fiir di« Rheinlande v starck zu. erteilen geantwortet, daß die Einsetzung eines Retchskommiisars durch die Rheinland- a k t e die dem . F r l e d e n s v e r t r a g beigegeben fei P k ch t. vorgeschrieben lei. Die alliierten Regierungen wurden die Ernennung eines neuen Kommissars nur unter der Bedingung prüfen, daß die deutsche Regierung die Versicherung gebe, daß der neue Kommissar sich aller Obstruktion enthalten und mit der alliierten Rbeinlandkom- Milston zusammenarbeiten werde.
Entschädigung für abgelieferte Waffen im besetzten Gebiet. -
Br. Berlin. 1. Aua. (Eig. Drabtbericht.) Auf die von dem demokratischen Aha Korell und Gcnoffen im Reichstag gestellte Anfrage über die Entschädigung für abgelieferte Waffen im besetzten Gebiet bat der Reichs schatz- minister jetzt eine Anrwort erteilt, in der es u. a heißt
chen Behörden zur Verwahrung und mit Aussicht auf Wiedererlangung nach Aufhebung des Wasfenverbotes erfolat ist. Vergütung zu beanspruchen haben wenn nachweislich während ver Verwahrung -ine Eurnabm« durch Besatzungs- tt uvvrn stattgeiunden hat. so daß die Waffe dem Eigentümer incht mehr zuruckgeneben werden konnte. Der Vertreter des
ffiin Kompromiß zwischen London und Paris.
Der französisch-englische Kampf um Oberschlrsion, bet dem wir nur Zuschauer sein konnten, ist inil einem Kompromiß vorläufig beendet worden. Nachdem das Spiel von beiden Seiten mit großer Hartnäckigkeit ge= Ipielt worden war und bis hart an die Grenze des Zer- ralles der Entente-Einigkeit gekommen war, hat man jetzt etnen Ausweg gefunden. Man will zunächst die Deutsche Regierung in korrekter Form namens der drei Besatzungsmächte auffordern, sich auf Truppentransporte nach Obsrfchlesien vorzubereiten. Später soll dann der Oberste Rat bestimmen, ob überhaupt und wann Truppenverstärkungen nach Oberschlesien geschickt werden sollen. Gegen eine solche Lösung wäre vom deutschen Standpunkt aus nichts einzuwenden, denn die deutsche Regierung hat ja v«n vornherein erklärt, daß sie s-cb an die Vertragsbestimmungen halten und der Aufforderung Nachkommen werde, wenn sie- von allen drei Besatzungsmächten erginge. Wichtiger als dieser ganze Prestigestreit ist natürlich die Entscheidung über den Termin des Zusammentritts des Obersten Rates und über die Grenzziehung in Oberschlesien. Der Oberste Rat soll erst am 8. August in Paris zusammentretm. Der Begmn der Beratungen ist um 4 Tage verschoben worden, und zwar mit Rücksicht auf die italienischen Vertreter, die infolge des späten Parlamentsschlusses nicht früher anwesend sein könnten. Lloyd George wird voraussichtlich an den Pariser Beratungen teilnehmen. Nach den Erklärungen des neuen italienischen Außen- mtrusters wird Italien im großen und ganzen an der Seite Englands stehen. Amerika will keine Schieds- richterrollc in der oberschlesischen Frage übernehmen, sondern neutral bleiben.
. Die englisch-französische Einigung.
rui6» bl ,2uli. Savas meldet: Der eng:
{* *9.*, P ü 1 j o ft« r ließ gestern abend den M i n i st e ti &«*.! k'Vt" dringend verständigen, daß die britisch« Regicrunp sehr gern dem Vorschlag Briands zustimme unk dementsprechend ihren Botschafter in Berlin beaustraget L"d^.ich simem französischen und seinem italienische, w 1 um einen gemeiniamen Schritt be!
ft',,™& A u ™ und dieser mttzu-
sie sich bereit halten, stille, auf jede möglich, Werse den tum. alliierten Truppen, dev
o erfordern könne
§L * fioö) 4 ^urzon schlagt den 8. August >ur .den Zusammentritt des Obersten Ratend ^ der italienisch« Ministerpräsident nicht frühe, nach Paris bcgeben könne: Lloyd George werde den Sitzuraen des Obersten Rates, tue. falls der Wunsch Ser
uürten beiwohnet ^ " liC&e ' ™ Paris stattfinden
. Der Tr n der enaltzchen Antwort sei sehr herzlich ^er„britische Botschafüer habe seine lebhafte Ernugtuunz darüber ausgediuckt. daß sich di« Mißverständnisse der letzten Tage aufgeklärt hätten.
vr. brachte
ÄMiq-W«.- sx-^m.'rnrrrFÄx^r
der llnstimmigktä über das einzuschlagende Verfahren zur ?b«rschlesi!ch«n Frage ein Ziel zu setzen. Drrse Nachricht hat in den intereffierten Kreisen eine lebhafte Befriedigung helververuien.
„J” 8 * de- Abends hat der englZche Botschafter in Pan« amtlich die Annahme des Kompromisses ^urO sime Regierung bestätigt, d. h. einen Kollektivschritt zur Sicherung des Truppentransportes nach Ober- kck,testen und Regelung der Frage der Verstärkungen durch t<n Obersten Rat. Noch gestern abend hat der englische Bob schaftcr in Berlin Anwetsung erhalten, sich dem bereits g-- muchten Schritte des französischen Botschafters Laurent für den Trupprntrar.spprt anzujchließen.
Der Oberst« Rat wird also am 8. August in Pcrrie zusammen treten da der italienische Ministerpräsident nicht Mber da sein kann. Lloyd George wird der Sitzung ver- onltch ve!n<vn«n.
Die Konferenz wird in erster Linie die Frage der nach Ober s ch l«s, e n zu entsendenden Verstärkungen zu regeln baden sowie dt« Teilung des Abstimmungsgebietes. Die Kriegs besck ii ld igtenfraae und die Ur tei ls- komodi« von Leipzig werden sehr wahrscheinlich auch ge- vrnst «erden. Die Frage der Reparationen wird in ihrer "Gesamtheit wahrscheinlich nicht ins Auge gefaßt werden. da die alli'erten Finanzminister gleich nach der Kon- fercnz acwiste technische Fraaen zu >egeln haben, wie die Leiteilung der von Deutschland bereits gezahlten Eirt- chodigungen, Zahlung der Besatzunsskosten usw.
Der Hauptpunkt, die Aufrechterhaltun, dar drei Londoner S a n k t i o n e n: Besetzung non Rusc- ort. Duisburg und DMeldorf. die Zollschranke am Rhein und die 26orozentiae AusfuhrabMbe. wird bestimmt anae- 'chnitteo wctken
Dz. Paris, 31. Juli Wie Savas meldet, hat Bliand gestern abend dem fmnrosischen Botschafter in Berlin Laurent Weisungen ert«jlt.,sich seinem englischen und ; uli* ni'cheii Kollegen °"»uMienen zu einem Kollektiv, »ritt de, oer deutschen Regierung, um diese austus-r, dern. daß sie sich bereit halten soll, mit allen mögl-ch.n Mitteln den Transport alliierter Truvven durch Deuts«- la-id zu erleichtern welche d'e Lage in Oberschlesien ieden
kanm Wadrschrinl-H kann Vor Nkonln- untDruommsu
