Nr. 334. Donnerstag, 21. Juli 1921.
Wiesbadener TagblaH. Av,nd-A»sgave. Erkies Mari. seit««.
Wiesbadener Nachrichten.
Eeheimrat Kempner f.
Der bekannte Augenarzt, Geh. San.-Rat Dr. med. I. Kempner, ist heute vormittag 5410 Uhr verschieden. Still u-n-d bescheiden, wie er gelebt, ging er davon: sein Leben verlöschte sanft und mählich, ohne daß ein akutes Leiden sich eingestellt hätte. Und wenn auch die Kräfte des 81jährigen zuletzt nachgelassen batten, war doch die Liebe zu seinem Beruf so stark, da« er sich immer wieder zusammenritz und noch bis vor kurzem täglich feine Tätigkeit mit voller Sicherheit ausübte. Am 5. März 1840 in Praschka als Sohn des Rittergutsbesitzers Kemvner auf Petrikau geborem besuchte er das Gymnasium zu Breslau. !-päter die dortige Universität. Zwei Jahre arbeitete er dann an der Breslauer Universitätsklinik und war Assistent des berühmten Augenarztes Professor Foerster. Als der Krieg 1870 ausbrach, wirkte er an der Breslauer Pockenstation. Dann erfolgte keine Übersiedlung nach Wiesbaden. Erst Assistent des verstorbenen Hofrats Pagenstecher, machte er sich nach zwei Jahren selbständig und netz sich zunächst in der Friedrichstrabe als Augenarzt nieder. Sväter erwarb er das Haus Rheinstratze 81 — tu dem er nun verschieden ist — und errichtete darin seine Klinik. Mit seiner leichten, sicheren Hand bat er gerade auf dem Gebiet der Augcnchirurgie. als Ooerateur. Hervorragendes geleistet und Weltruf errungen. Sein ruhiges Wesen gewann ihm schnell das Vertrauen seiner Patienten. Wie viele verdanken ihm doch vollständige Heilung von ..unheilbaren Augenleiden". wen alles konnte er nicht als gehellt oder doch wenigstens als gebessert entlassen, der verzweifelt und mutlos »u ihm gekommen war. Was ibm aber neben seiner ärztlichen Kunst die Symvatbie aller Kreise eintrug. war die vornehme Art. in der er seinen Beruf ausübte. Sein Ehrgeiz ging nicht dahin. ..in Mode" zu kommen, eine ..Berühmtheit" zu werden. Er war vielmehr getragen von dem hohen Idealismus des Gelehrten. Ihm galten sie gleich, die zu ibm kamen, die Hohen und die Geringen, die Reichen und die Armen. Allen Netz er die gleiche liebevolle Sorgfalt ange- deiben, für alle hatte er das gleich starke Interesse. Auch Schätze anzubäufen lab er nicht als leinen Lebenszweck, sondern der Menschheit zu dienen, zu helfen. Sein Wirken trug ihm im Laufe der Jahre manche Auszeichnung, dazu die volle Anerkennung der Kollegen ein. 1001 wurde er zum Sanitätsrat ernannt und ichon sieben Jahre später ibm der Titel eines Geheimen Sanitätsrats verliehen, während die Universität Breslau ihm zu seinem 80. Geburtstag erneut ein Doktor- divlom sandte. — So bat er gearbeitet und geforscht, unermüdlich im Dienste der Wissenschaft gestanden, und durch Erfindungen auf seinem Spezialgebiet, durch Artikel in Fachzeitschriften auch Dauerndes acs-bafken. So lange er lebte, wehrte er stets voller Bescheidenheit ab. datz man ihn als einen Wohltäter der Menschheit vreile. wollte er niemals, datz non seiner selbstlos ausgeübten Armenvraris etwas in die Öffentlichkeit dringe. Heute, wo der wertvolle Mann auf der Bahre liegt, geschieht es zum erstenmal, datz auch die Allgemeinheit von dieser stillen und reichen Seite seines Wirkens erfährt. _
— Das Wetter. Trotz lebhafter Wolkenbildung und schwüler Temperatur sind die allgemein erhofften Regenfälle bisher nicht niedsrgegangen, wenigstens so weit Wiesbaden selbst in Frage kommt. In der näheren Umgebung hat es im Lauf dieser Woche verschiedene Male geregnet, so in Dotzheim und in der Nähe der Fischzucht: die ausgetrockneten Bachläufe des nahen Waldes weisen geringe Feuchtigkeitsmengen auf und die Straßen sind staubfrei. Die Luftfeuchtigkeit. heroorgerufen durch solche strichweise niedergegange- nen Regenfälle und kleinere Ferngewitjer in der weiteren Umgebung, die jeweils nur ein eng unitzrenztes Gebiet betrafen. bat jedoch die drückende Schwüle nur noch fühlbarer gemacht. In der Frankfurter Gegend ist es zu Regenfällen gekommen. Auch über Herborn und Haiger find schwere Gewitter niedergegangen. Aus dem Kreis Gelnhausen werden grohe Wetterentladungen gemeldet, die die Ernte noch in letzter Stunde retten werden und die langersehnte Abkühlung brachten. Im allgemeinen erscheinen jedoch die Aussichten au? ein Ende der nun schon seit Wochen anhaltenden Trocken- prriode nicht allzu günstig. Rach der beute vorliegenden Wettervoraussage bleibt es bei Nordwestwinden weiterhin trocken und wolkig, und — wie es etwas euphemistisch heißt — ..mäßig warn".
— Die Eoldeinkäufe der Reichsbank. Nachdem anfänglich die Eoldeinkäufe der Reichsbank nur ziemlich langsam vor 'sich gingen, machen die Eingänge, wie wir jetzt hören, schon erfreuliche Fortschritte: zumal auf di« Ankündigung hin. datz der Goldeinkaussvreis zunächst von 320 M. herabgesetzt werden wird, ist ziemlich viel gehamstertes Gold herausgekommen. Die Reichsbank richtet ssch zwar etwas nach den Preisen auf dem Weltmarkt für Gold, bleibt aber doch mit ihren Preisen hinter den Notierungen des Weltmarkts zurück. da das Reich ein Interesse daran bat. dak> ihm der Erwerb von Gold nicht teurer zu ssehen kommt als der Einkauf von Devisen. Auch müssen erhebliche Unkosten für Transporte, llmschmrlzen und Mindergewicht abgesetzt werden.
— Neubauten unterliegen, einer Bekanntmachung des Magistrats gemäß, der Wobaungsmangelverordnung vom 23. September 1918 nicht und find demgemäß vonder Beschlag nähme bezw. Zwangs einquartierung frei. Auch die Anordnung für die Festsetzung von Höchst- mietcn vom 9. Dezember 1919 findet auf nach dem 1. Januar 1917 fertiggcstelltc Neubauten keine Anwendung. Weitere erhebliche Vergünstigungen für Neubauten sind, derselben Quelle nach, bei den gesetzlichen Vorbereitungen in Aussscht genommen.
— Ein- und Ausfuhrbewilligungen nicht übertragbar.
Das Ausfuhramt Bad Ems weist erneut darauf hin. daß Aus- und Einfuhrbewilligungen, die stets auf den Namen einer bestimmten Firma oder Person ausgestellt werden, nicht übertragbar ssnd. Der Verkäufer. Käufer und die Übertragung einer Bewilligung aus eine andere Person ist strafbar. Im allgemeinen Interesse wird gebeten, diejenigen Elemente, die Ein- und Ausfuhrbewilligungen zum Kauf an- bietcn. zur Anzeige zu bringen.
— Der Reichsbuud der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Kriegerbi-nterbliebenen (Kreisleitung Wiesbaden) hielt am 3. v. M. seine 3. diesjährige Kreiskon- ferenz in Hochheim a. M. ab. die sehr gut besucht war. Herr Sekretär Stein darf vom Versorgungsamt Wiesbaden veranschaulichte den Unterschied der Hinterbliebenen- versorgung in England gegenüber dem neuen Reichsversorgungsgesetz 1920. Als zweiter Redner referierte Bezirksleiter Senf aus Wiesbaden über das Svruchverfahren vor dem Militärversorgungsgericht. um nachher zum geschäftlichen Teil Lberzugehen. Die Sitzung mutzte infolge der vorgeschrittenen Zeit bereits um 3 Uhr nachmittags abgebrochen werden.
— Steuer auf mechanische Musikinstrumente. Eine Musik- rnstrumenteusteuer ist jetzt vom Finanzminister und dem Minister des Innern zugelassen worden. Taft-, Streich- und Blasinstrumente bleiben zwar noch frei. Die Gemeinden können aber bis zu 150 M. besteuern das Halten von mecha- Nlsch. auch elektrisch betriebenen Flügeln und Klavieren, wle Planolas. Phonolas. Orchcftrions. Mignon-Klavieren sowie von Grammophonen. Phonographen und sonstigen mechanisch angetrtebcnen Apparaten zur Wiedergabe musikalischer Ztucke. Befreit bleiben sollen nach dem Entwurf einer Äteuerordnung Instrumente, die zur gewerbsmäßigen Verankerung gestellt werden. Auch darf die neue Steuer nicht neben der Vergnügungssteuer erhoben werden. Die Steuer
ist vom Eigentümer zu entrichten. Für ihren Eingang haftet der Besitzer. Die Instrumente müssen 2 Wochen nach Inkrafttreten der Steueiordnung bei der Ortsbehörde angemeldet werden, ebenso die Abschaffung. Vorbehalten bleibt die Zustimmung zu der Steuer, so weit sich Einwendungen aus den Vorschriften des Reichsrats über die Vergnügungssteuer der Gemeinde ergeben.
— In der Mieterversammlung in der Aula des Lyzeums am Bofevlatz am 19. Juli sprach Herr Dr. Ernst W. F i! ch e r (Frankfurt), der Geichäftssübrer des Provtnzialverbands Hessen-3Lrssauischer Mietervereine. In fesselnder Weise schilderte deMkcdner, der persönlich an allen Perhandlungen über das Reichsmietengesetz teilgen.ommen hat. den sehr zahlreich Erschienenen dir Entwicklung des Gesetzentwurfs. Er zeigte, wie der Regierungsentwurf entstand, welche Kräfte am Werk waren, durch ihn Sie Mieterschutzgesetzgebung abzubauen, und wie der Reichswirtickaftsrat kleine Verbesserungen darin nornabm. Er schilderte weiter die Verhandlungen im Reichsrat. der diese Verbesserungen wieder über den Haufen warf, und wies auf die ungeheure Gefahr hin. die der jetzige Entwurf für die Mieterschaft bedeutet. Mit aller Schärfe wandte er sich gegen die Annahme, datz die Einführung der freien Wirtschaft im Wohnungswesen die Bautätigkeit wieder beleben und die Wohnungsnot ein- für allemal steuern werde. Er wies nach, datz die freie Wirtschaft eine sofortige neue Lohnbewegung Hervorrufen werde und damit eine allgemeine Steigerung der Preile eintrete. Der Redner verlangte von dem Reichsmietengeletz. datz es dem Hausbe- sstz lediglich die Verzinsung des eigenen und fremden Kavi- tals gewährleiste, das so im Jahre 1914 in dem Hause investiert war. sowie die Erhöhung der Nebenspesen und der laufenden Reparaturkosten. Eingehend sprach er über die Bedeutung der Mitarbeit der Mieterräte, dir in gemeinsamer Arbeit und im gemeinsamen Interesse arbeiten müsse, und forderte mit allem Nachdruck Zusammenschluß der Mieter tn Haus und Stadt. Im Anschluß hieran berichtete der 1. Vorsitzende Herr Sanitätsrat Dr. Dornblüth über die Tätigkeit des Vorstandes. Herr Reg.-Oberlekretär Lange über die sehr ersprießliche Eietzener Tagung des Provinzialverbands Hessen-Nassauiscker und Hessischer Mieterschutzvereine, und Herr Dr. Mauer über die Tagung des Landesverba"ds der Rheinisch-Westfälischen Mietervereine in Buer. Am Schluß wurde folgende Entschließung angenommen: „Die am 19. Juli 1921 in Wiesbaden einberufene Mieterversammlung bittet die Regierung dringend, ibr Auge"merk auf die Bestrebungen zu richten, die darauf hinzielen. Läden und gewerbliche Betriebe aus den Bestimmungen der Mieterschutzverordnung auszunehmen. Sie iss der Überzeugung, datz eine derartige Maßnahme eine sofortige Steigerung der Preise für Lebensmittel und Gebrauchsartikel zur Folge haben würde und datz die schwersten wirtschaftlichen Schädigungen unabwendbar wären."
— Der Wiesbadener Miinnergesang-Berein, E. SB., kann in diesem Jabr auf ein 80jäbriges Bestehen zuri'ck- blicken. Der Gründungsiag war der 19. Februar 1841. Die Jubiläumsfeier. die in einfachem, aber würdigen Rahmen veranstaltet wird, ist auf den 15.. 16. und 17. Oktober fessgc- legt. als Sauvtveransialtnnoen ssnd vnrge'eben: Festkonzert im großen Kurbauslaal. Festakt — Sänasrkommers — und Festball. Das erste Rundschreiben beiw. Einladungen an die befreundeten auswärtigen Vereine ist bereits zuni Versand
gekommen, jj m 2() j uI , erschien, bedingt durch die Ein-
fllbrung des Zollanfenthaltes sämtlicher Züge, eine Reuausgobe des amtlichen Tascheinahlplans für den Cisenbnbndirektionsbczirk Mainz, sowie des neuesten Fahrplans für Mainz, Wiesbaden, Rheins,essen. sVerlag von Oscar Schneider in Mainz.) Die Fahrpläne sind überall erhältlich.
Aus dem Landkreis Wiesbaden.
WC. Er»enh-Im, 20. Juli. Das Ährenlesen auf fremdem Grundbesitz ist hier vollständig verboten. — Der Männerqesangverein Erdenheim begeht an den Tagen des 23 , 24. und 25. d. M. fein mjähriges Bestehen durch Umzug, gesangliche, turnerische und radsportlich» Vorführungen im ..Frankfurter Hof" und im „Lösen", Festball. Frühschovpenkonzert im Gasthaus „Zum Taunus". Kinder- und Volksbelustigungen sowie endlich wieder Fcst- ball im „Löwen".
WC. Dirrstodt. 20. Juli. Ein freier F e l d s ch u tz wird auch in diesem Jahre wieder hier eingerichtet werden. — Ein Bierstadter wurde am vergangenen Samstag von einem Manne mit einem Motorrad überfahren. De Periönlichkeit des Täters konnte dadurch sestgestellt werden, datz die eben haltende Straßenbahn sich ln Bewegung setzte und ihn einholte. — n. In der letzten Sitzung der Gemeindevertretung wurden gewählt die Mitglieder des Ausschllsies zur Entscheidung der Beschwerden gegen die Festset-n.ng des Liefersolls aus Eruno des Gesetzes über Regelung de, Verkehrs mit Getreide. Dazu g-horen von den Erzeugern, Landwirt Wilhelm Stiehl, Landwirt L. Seulberger 4r, von den Verbrauchern Wäschereibesitzer Karl Sulzbach und Feldhüter Roos. — Der hiesige Ziegcnzuchtoerein reranstaltet Sonntag, den 14. August, auf dem Ritzclfchen Gelände, Erke Taunus- und Langgaffe. eine Lokal-Ziegenschau mit Preisoerteilung. Das Standgeld beträgt in allen 4 Kliffen 2 M. Zur Prämiierung kommen eine größere Anzahl wertvoller Geschenke und Geldpreise zur Verteilung. — Der Radfahrerbund ..Solidarität", Ortsgruppe Bierstadt, veranstaltet am Sonntag, den 24. Juli d. I., im Saale „Zur Rose" sein 1»sähriges Stiftungsfest. Dem Fest geht morgens eine Schnitzel' jagd voraus. Von 10 Uhr ab vormittags findet im Hofe ein großes Preisschießen ltait bei welchem fünf wertvolle Preise ausgeschossen werden.
WC. Sck>ier!t«in. 20. Juli. Unser Strandbad war am vergangenen Sonntag von 3700 Personen besucht. Das ist eine Rekordziffer trotz des Biebricher Konkurrenzbades.
Aus Provinz und Nachbarschaft.
Milchkrieg in Mainz.
<Zr. Mainz, 21. Juli. (Drahtbericht.) Ein M i l ch k r I e g dürste heute hier -insetzen, da di« Forderung der vereinigten rhetn-hesstschen Bauernschaft, den Milchxreis ab Stall von 2.20 M. (wie bisher) a u s 3 SM. ab Stall zu erhöhen, von der Stadt a b q - l e h n t worden ist mit der Begründung, daß schon zu dem jetzigen Preis große Teile der Bevölkerung die ihnen zustehende Milch nicht abnehmcn, well der Preis nicht ausgebracht werbe» kann. Daraufhin hat Sie vereinigte rhein-hessische Bauernschaft beschloffen, ab heute die M i l ch l i - s e r u n g e i n z u - st e l l e n. Schon seit einigen Togen machte sich - wahrscheinlich infolge der bevorstehenden Einstellung oder In der Hoffnung auf ichließliches Nachgeben der Stabt — eine verminderte Milchliefcrung bemerkbar. Auch in einer Reihe anderer rheinhesstscher Städte soll iniolg- der Ablehnung der erhöhten Forderung heute der Streik in der Milchbelieferung cinsetzen. Die Stadt Mainz gibt iudesien bekannt, daß Kinder unter 2 Jahren und Schw-rkranke unter allen Umständen beliefert werden können. Iie Stadt betreibt bekanntlich seit einiger Zeit Milcherzeugung auf eigenen Gütern, in mit der Zeit gesteigertem Umsang.
Eine neue Form der Wohnung, Herstellung.
Sport.
* Radsport. Sonntag, den 24. Juli, findet die zweite Gau-Wanderfahrt des B. T R nach Rüsiekshelm statt. Die,» Wanberfahrt wird sich in Form einer Sternfahrt sllr alle Vereine und Wanoerfahrer des gesamten Eau 9 zu den großen Eau-Bahnrennen und Kreismeisterschaften auf der Opelvahn vollziehen. Die Wertung erfolgt zwischen 10 und 1 Uhr in Rüffelsheim, „Restauration zur Mainlust". - Sonntag, den 24. Juli, nachmittags 2 Uhr. veranstaltet der Eau 9 des B. D. R. auf der Opel- Rennbahn bei Rüffelsheim große, erstklassige Rad- und Motorradrennen und Mannschaftsfahren. — Aus Anlaß des vom 4. bis 10. August in Aachen st Itl'intenten Bunve-festes des B D. R. sind zu prämiierende Wanderfahrten Einzel- und B-rsinsdauerfahrts-, zur Ausschreibung gelangt. Mitglieder des Eau 9, welche sich an diesen Konkurrenzen beteiligen wollen, muff-n sich frühzeitig zwecks Kontrolle der Abfahrt an den Eaufahrwart für Wanderfahrten Albert Lindemann, Friedbergei Landstraße 294. Frankfurt a. M., wenden. — Am Sonntag, den 24. Juli, treffen sich sämtliche Arbeiter-Radfahrer zum Festzug beim Arbeitergesang- vercin „Luderüund" im „Taunus", Lahnstratze, mittags 116 Uhr. Hierfür Schmuck-Ausgabe für Fahrräder Sonntagmorgen 9 Uhr im „Taunus".
Neues aus aller Welt.
. Der angemessene Eiervrers. Wie aus München berichtet wird, ist lm bayerischen ALald der Eierpreis von verschiedenen Bezirksämtern am 70 Pfennig festgesetzt worden. Gegen uberbretende Händler und Aufkäufer wird rücksichtslos vorgegangcn.
Doppelselbstmord im Riesengebiege. In der Großen Schneegrube im Riesengebirge wurden die stark verstümmel- i>n Lerchen eines Touristenvaarss aufgeflinden. Die weibliche Leiche war noch yut erbnlten. während die des Mannes schon m Verwesung übergeaang-n war Die Köpfe waren von den Körpern getrennt und wurden nach längerem Suchen werter abwärts ausgesunden. Die Toten trugen neue Trauringe. Wie man annimmt, handelt es sich um ein Liebespaar. das in den Pfingsttagen vom Erubenrand in selbstmörderischer Absicht rn die Tiefs gesprungen ist und den Tod gefunden bat.
Vier Menschen das Leben gerettet. Der Arbeiter Fritz Voburski rettete mit eigener Lebensgefahr einen jungen Mann, der beim Baden im Dortmund-Ems Kanal in die Gefahr des Ertrinkens geraten war. Es ist dos bereits das vierte Menschenleben, das der Wackere dem Dortmvnd-Ems- Kanal entrissen bat.
Opfer der Berge. Durch Ausbrechen eines Griffes stürzten die Brüder Josef und Franz Jamek. von der Bordwand der Plansvitze und fanden den Tod. Durch Ablösung r on Rasen sind die drei Touristen Peter Jaray. Jobann Tiefgrabner und Joses Riedler tödlich verunglückt. Durch Ausgleiten auf der in dem Ssekarsee am Hochtor vorsvringen- den alten Schneelawine trat wieder ein Unglücksfall ein: die Sekretärin Luise Erdinger stürzte in den See und ertrank- In der Nabe dev Hochtores stürzten auch durch Ausglciten der Student Mar Erhard und der Professor Schärftlein tödlich ab. Die Kaufleute Jakob Steven. Karl Robiczek und ein Fräulein Roia Dierenb'rger fanden durch Erschöpfung und Erfrier-n den Tod Die Zahl oer Opfer weist immer mehr auf die Tatsache bin. datz viele Städter, die arH die Berge steigen, die gewagtsten Kletterpartien unternebmen. ebne zu wissen, datz das Bergsteigen wegen der ständigen Gefahren reiche Erfahrung erfordert.
Absturz einer 84jährigen. Die fast erblindete 84jäbrige Kräutersammlerrn Verona Kalt stürzte bei Schopfheim einen 8 Meter hoben Felsen hinab uno erlag den dabei erlittenen Verletzungen.
Cholerafälle in Laibach. Wie aus Graz gedrahtet wird, erkrankte in einer Laibacher Vorstadt die Familie eines Eisenbahnarbeiters. 'Vater. Mutter und zwei Kinder, unter choleraverdächtigen Symptomen. Die ganze Familie wurde us Krankenhaus gebracht, wo feitaeitellt wurde, daß es sich um Cholera nostras bandelt. „ „ ' . .
Ein Zyklon. Meldungen aus Moskau zufolge rst die Stadt Taschkent in Turkestun durch einen Zyklon zerstört worden. Der Schaden ist sehr groß.
Handelsteil.
Reichsbank-Ausweis
Per am 15- Juli abgeschlossene Ausweis der Reichs- bank läßt erkennen, daß nach dem unfeinem starken Zahlungsmittolbedarf des Halblahresschlusses in der Berichtswoche Rückflüsse an Zahlungsmitteln in die Kassen der Bank eingesetzt haben. Der Bnn knoten umlauf 7 eiart eine Einschränkung um 486.6 Mill. M. auf 75 352.6 Mill. M.. der Umlauf au Darlehnskassenscheinen um 145 6 Mill M auf 8482 6 Mill. M. Insgesamt sind an Noten und Oarlehnskassenscheinen also 6632-2 Mill. M. aus dem Verkehr zurückgeströmt. Im Jahre 1920 waren demgegenüber in der zweiten Juliwoche 112 Mill. M. an dea genannten Gfddzeichen neu verausgabt worden, während in der Vergleichsvoche des Jahres 1919 gleichfalls Rückflüsse allerdings nur in Höhe von 137 Mill M. za beobachten waren. Die gesamte Kapitalanlage der Bank weist, wie um die Monatsrnitte üblich, ein neu.- Anschwellen auf. Die Zu-ahme betrug 5o08.9 Mill- M . so daß sieh die Bestände am 15. Juli aul 78 425 5 Mill- M. bezifferten. Die bankmäßige Deckung für sich allein ist um 5505.9 Mill. M. auf 78126.7 Mill. M. gestiegen, darunter der Bestand der Bank'an diskontierten ReiehsschatzanWeisungen um 518.1.1 Mill. M. auf 76 610.5 Mill. M- Die beanspruchten Kredite sind der Reichsbank zum größeren Teil auf den Konten der fremden Gelder verblieben, die eine Zunahme um 4657.8 Mill. M. auf 14 584.8 Mül M. erfuhren. Bei den Darlehnskassen hat die Summe der ausstehenden Darlehen weiter abgenommen Sie verminderte sich um 1310.3 Mill. M. auf 14 045 Mill- M. Dieser Verminderung entsprechend wurden seitens der Reichshank an die Darlehnskassen Darlehnskassenscheine zurückgegeben. Demgemäß sind die Bestände der Reichsbank an Parlehnskassenscheinen unter Berücksichtigeng der erwähnten Rückflüsse aus dem Verkehr auf 5441.9 Mül. M. zurückgegangen.
Der Markkcrs lm Anslande.
dz. Mainz. 20. Juli. Die Haltung des Markkurses lm Ausland war heute widerstandsfähig, so daß die Notierungen im Berliner Devisenverkehr sich großenteils mäßig abschwächen konnten. Die Rückgänge betrugen für Amsterdam 11%. Brüssel 1. New York %, Paris %, Schweiz 114. Die Devise London war unverändert. Italien war um 2, Spanien um 5 Punkte erhöht. In Zürich notierte die Mark um 15 (795). in Amsterdam tun 8% f 112) höher.
dz. ManvHc:«,. 20. Juli. (Drahtbericht.) Di« gestrige Sitzung de- Bürxcrschaftsausschuffes genehmigte -ine Vorlage des Stadtrates, nach der die StadtgemsilNe Mannheim die Bürgschaft lür di- von der Ge- meinnützigen Liannheimer Bangesellschaft aufzunehmend -n D a r l - h e n von 6 Mill M. bis zu 90 P r o z. ü d ° r n I m m t. Cs ist dies -ln- gänzlich neue Form der Wohnungsherstellung.
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dz M-tn, 19. Juli. Die Mitglieder des Deutsch«» Ttsenbahnerver- l'andrs der Ortsoermaltung Mainz haben den Hauptoorktand laut „Volks- zeituna" beauftragt, lich sofort an den maßgebenden Stellen dafür etnzu- setzen.' daß 'ine allgemeine Ausbefferung der Bezug- aller Eisenbahn, betiensteten angesichts der -inf-tz-nd-n enormen Verteuerung des Brotes und wichtiger anderer Leben-mittel, sowie der Erhöhung von Miete, E-o usw. h-rb-ig-führt werde. -nd«rerseits aber auf pcrbeisührunz eines Preis- abbaues seinen ganzen Einsluß auszuüben.
wd. Wurms, 39. Juli. Zum erstenmal soll in dem liedcrgeweihten Rtbeiungenort vom S. bis 8. September d. I. di- Generalversammlung der Eörresgelellschast stattfinden. Schon im Jahre 1912 hätte Worm» dies- Ehr« und Freude gehabt, wenn nicht unüberwindliche Hindernisse dagegen gestand«» war«».
Berliner Börse.
$ Berlin, 20. Juli Das Schwanken der Devisenkurse veranlaßte die Börsenspekulation zur Zurückhaltung. Hierdurch griff im Verkehr mit variabeln Wetten eine gewisse Unsicherheit Platz. Nur Papiere, die für sich besondere Anregung geltend machten, wurden lebhafter zu höheren Kursen umgesetzt So stiegen Mannesmann um 11 Punkto. Auf Gerüchte von finanziellen Transaktionen gaben sie später iedoeh wieder etwas nach. Daimler gewannen über 20 Proz. auf die Nachricht von dem guten Geschäftsgang und der voraussichtlichen Zulassung der neuen Aktien zum Börsenverkehr. Kaliaktien wurden durch »die Annahme einer Preiserhöhung günstig beeinflußt und meist über 10 Proz. gesteigert. Höchst setzten 20 Proz. höher ein. Von chemischen Werten waren Oberschlesische Kokswerke 15 Proz. besser, dagegen Goldschmidt unter Schwankungen um 7 Proz. schwächer. Otaviaktien erlangten auf dib Meldung von der Zulassung der Gesellschaft als rechtsfähiges Institut in Südwestafrika eine Steigerung um etwa 80 Proz- Sonst überwogen Abschwächungen.mäßigen Umfange«. Der
