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Morgen-Ausaabe
Nr. 321. ♦ 69. Jahrgang.
Der Störenfried.
Der neue polnische Außenminister S k i r m u n t hat zwar bald nach der Anitsübern-ahme erklärt, daß es rore blsrang nicht weitergehen könne, sondern daß P^en eine friedliche Politik einschlagen müsse, wenn es nicht m der Welt immer wieder als Unruhestifter angesehen werden solle. Bis heute liegen aber keine Nachrichten vor, aus denen man auf einen Kurswechsel in der äußeren Politik Polens schließen könnte. Im Gegenteil, es hat den Anschein, als ob zu dem Wilna- Abenteuer des Generals Zeligowski und zu dem Ober- schlefien-Auffrand Korfantys sich nun nach diesen bewahrten Mustern ein neues Unternehmen in O st g a l i z i e n gesellen soll. Diesmal ist es nach den aus Warschau kommenden Nachrichten der General Zan u s ch k i e w i cz, der -aus den Kämpfen gegen die westukrainische Armee in Ostgalizien im Jahre 1919 wohl bekannt und durch seine Grausamkeit berüchtigt ist, der zu-m Führer dieses neuen Polenputsches auser- jchen ist. Allem Anschein nach hat man nämlich in Warschau Wind davon bekommen, daß der Oberste Rat sich demnächst erneut mit der ostgalizischen Frage beschäftigen wird, und so hält man es für ratsam, vor der Entscheidung, die zuungunsten Polens ausfallm könnte, „vollendete Tatsachen" zu schaffen. Die reichen PetroleumquMen des Landes bilden natürlich für Polen einen besonderen Anziehungspunkt. Nach bekanntem Muster entsendet man eine Zahl von Spionen und Spitzeln in das Land, deren Aufgabe besonders darin besteht, einen Aufftand der ukrainischen Bevölkerung hervorzurufen, um so den Vorwand für ein Ginschreiten der polnischen Besatzungstruppeil, die ohnehin verstärkt wurden, zu erhalten. Man hat ja in solchen Dingen in Warschau Erfahrungen und cs scheint, als wenn -inan auch den General Januschkiewicz rechtzeitig beurlaubt hätte, damit im ungünstigen Fall die Warschauer Regierung von -ihm abrücken und ihn als abtrünnig bezeichnen kann, ähnlich wie es ja auch zu Anfang des Zeligowski-Absnteuers geschah. Heute freilich ist diese Borficht bei dem Herrscher von „Mittel- litauen" nicht mehr nötig.
. Auch in Moskau scheint man dem polnischen Nachbarn nicht recht zu trauen. Es mag dabei freilich dahingestellt bleiben, ob man dort wirklich ernsthaft entschlossen ist, den Frieden von Riga unter allen Umständen zu halten. Es kommen in letzter Zeit wieder auffallend viele Meldungen über bolschewikischs Krisas- vorbereitungen und über Manöver der Sowjeitruppen so daß man immerhin mit der Möglichkeit rechnen muß, daß die Sowjets wieder einmal als letzten Ausweg aus allen wirtschaftlichen Röten den Krieg betrachten könnten. Neuerdings hat mm Tschitscherin eine scharfe Rote nach Warschau gerichtet, in der er wieder Klage darüber erhobt, daß Polen den konterrevolutionären Russen einen Unterschlupf gewähre. Ja die russische Note behauptet, daß unter der Leitung'des ruffischen Volkskomitees in Warschau, dem der bekannte Sawinkow vorsteht, dauernd und in größtem Umfange unter aktiver Teilnahme und Unterstützung des polnischen Generalftabes konterrevolutionäre Anschläge gegen Sowjetrußland vorbereitet würden. Es ist wohl denkbar, daß die Beschwerden der Sowjets berechtigt sind. Wie kriegerisch im ganzen die Stimmung in Polen ist, hat erst jetzt wieder auch der allpolnische Sokoltag in Warschau gezeigt, der einen ausgesprochenen militärischen Charakter trug und aus dem auch der polnische Kriegs-Minister ganz ausdrücklich auf die militärische Bedeutung des Sokoltums hinwies. „Beseht euch die Landkarte und ihr werdet das übrige schon von selbst verstehen", so hieß es in der Begrüßungsansprache des Kriegsministers.
Das alles macht nicht gerade den Eindruck eines Übergangs zu einer friedlichen Politik und so scheint es doppelt verständlich, wenn die Sorgen um das Schicksal Oberschlesiens auch nach der Liquidierung des Aufstandes nicht leichter geworden sind. Ganz allgemein werden neue polnisch- Truppenzusammenzichungen in der Gegend vonSosnowice und Czenstochau gemeldet, wobei es sich angeblich um „BrigademanLver"' handelt' Kir- fanty hat dieser Tage in Warschau geweilt und 'ist dort Mit großem Jubel begrüßt worden. Er wird sich dort also wohl mit den amtlichen polnischen Stellen über die weitere Haltung verständigt haben. Inzwischen ist der Leiter des Aufruhrs wieder in seinenr Hauptquartier in Echoppinitz eingetroffen, da es ja leider dank der Amnestie nicht möglich ist. ihm irgendwie beizu- kormnen. Er empfängt Tag für Tag Vertrauensleute aus den verschiedensten Ortschaften, und das harmloseste Gemüt wird nicht glauben, daß man sich hierbei etwa über dos Wetter unterhält. So gefährden polnische Umtriebe überall den Frieden Europas. Bankerott und verrottet, aber kriegslüstern und annektionswütig bildet Polen die Hauptgefahr für den europäischen Frieden;
General Hennekee über die neuen Putsch«ussichten.
/cf Juli (eia. Drahtbericht.) Der nci& bfr • General Senneker stellt auf di« Frage
Gegensraa-|P es ®* w . ten volmschen Aufstandes die «rSÄ uach den Chancen eines d e u t sch e n Pu ts che s.
ge f i e -? Putsch schon deshalb aus-
dcutsche s et bte interalliierten Truppen jede
erklärte hl? >° x or unterdrücken könnten.
ßNr den <?arr ePn/ÄÄ cra 4 l x filaube das gleiche auch ru kömien Aufstandes als sicher annebmen
und in af w r wJniWe Grenze wurde letzt gesperrt werden tencn^ CCÖ aller drei in Oberschlesien vertre-
des Ka/^miner^c°^eren Wert lege er auf die Besetzung ivjtzer Erenzbezirkes. Der dritte polnische Auk- wenn m"e b^^Überzeugung nach nicht möglich gewÄn.
standen k-ätten Äi v IUt, r4J? ätI £ Verfügung gc- iVnt 2?tzt seien die englischen Truppen 60 Pro-
litL ?' u!s vor ihrer Abberufung. General Hemiek-r
kÄV dringend, daß die deutsche Presse die deutschen Ober- e d u l d mahne. Er wisse, daß die §beffchlesier viel hatten lewen muffen, aber es lur die Sache Deutschlands von allergrößtem Nachteil wenn letzt ron deutscyer Seite irgend welche Gemalttätia- lkltei'. unternommei! wurden. Er höre von Belästigungen ! x anzosl>cher Ofnziere und anderen Ausschreitungen. Wen i derartiges nicht unterbleibe. würden den Deutschen nur NaZteile erwach,en. Er hoffe, daß,General Höfe r für den aästung empfinde, noch Te viel Einfluß besitze um ^.ßblutige innge Menschen im Zaume zu halten. Den ?authenerVorsall bedauere er sehr. Inzwischen hätten sich die o n« a n de tedo ch gebessert. Beutben stände jetzt vollkommen unter englischer Verwaltung. Me Oberichleffer filfifien bis zur EnÜcheidung des Obersten Rates Geduld haben. Er hoffe, daß die Entscheidung bald rolle und er
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Eine Znterallnrrte Kommiffiou in Mittslschlesien.
V. 'XVIi Berlin. 13. Juli, Wie die Blätter von Unterseite erfahren. bSgrot.sich in den nächsten Tagen
richtetet Seite erfahren, begibt sich in den c.»u„ien >c Line aus mehreren Offizieren bestehende interalliierte Ko mm i i ,,o n nach Mittelschlesien, um sich 'dort *L 6 f r T Juflolung und Entwaffnung des oberschlesischen Selbstschutzes zu unterrichten Sie soll mit einer anderen Kommission aus Ovveln Zusammentreffen, von der ffe die notigen llnterlsgon über die Stärke und Bewaffnung der deutschen Selbst,ckmtzorganisation erhalten soll,
Eine Protestversammlung der Heimattreuen Oberschlesirr.
v--. Berlin. 13. Juli. Wie wir hören, beriefen die vereinigten Verbände heimattreuer Oberschlesier zum 15 Jtil» abends 8 Uhr. eine Protfftversanimlung ein um zum leMen Male für cm ungeteiltes deutsches Ober schienen ciuzutreten. Den Vorfftz führt Exzellenz Sarnack Es werden hervorragende Vertreter aller Parteien sowie Führer von Sandehund Inaustrie das Wort ergreifen u i Vrof. Sch u ck r n g für die Demokraten und Prof. Keheimrat Kahl für die Deutsme Volksvartei. 1
Auflösung der Flüchtlingslager.
Dz. Eleiwitz. 13., Juli, Auf Anordnung der französischen Behörde muffen die Sluchtlingslager bis Ende Jul aufgelöst fern.
Die größten Schwierigkeiten für den Völkerbund.
. Dz |oni*n. 13. Juli. Balfour erklärte in einer auf der Refchskonferenz gehaltenen Rede, eine der größten Schwierigkeiten für den Völkerüimd fei das Fehlen dreier., der größten Nationen der Welt Von diesen wurden Amerika und Rußland stch wohl kaum in naher Zukunft anschiießen. Er hoffe, daß Deutschland in einem mÄt sehr entfernten ZeitvnnkLe Mitglied des Völkerbundes rr.eroe.
Bon der Roten Armee.
v. Selstnsfors. 13 Juli. (Eigener Drabtbericht.) Aus Moskau wird gemeldet- Die Fuhrer der militärischen Truv- vcnteile des Moskauer Militärbezirks haben einen Befehl erhalten, scharf gegen all- Mannschaften vorzuaehen. welch- Neigung haben, stch den Neoolutinnären anzuschließen. Infolge dieses Lefehles ist eine große Anzahl iunger Offizier ev e r h a ft e r worden. Die Regierung hat ein Dekret entworfen nach welchem di: Rote Armee-Soldaten nicht mehr das Rewt haben werden. Delegierte in die Sowjets zu wählen.
Aufnahme des russischen Roten Kreuzes in die Genfer Konvention.
<* ^ Br- S«tlin, 13. 3iili. (Eigener Drahtbericht.l Das Internationale Rote Kreuz ra Genf hat dem Volkskommissar Tschitscherrn die Mittcilimg gemacht, daß das russische Rote Kreuz, als gleichberechtigtes Mitglied in di- Oraamsatlon ausgenommen worden sei.
Reichswehrmmifter Gstzlerüber: WeuLsch- lands AufgaLeR.
GöttingL». 13. Juli. (Eig. Drabibericht.) Auf einem demokratischen Sommerfest des Wahlkreises Sud- ff 0 v £ x . Mf dem Hohen Hagen Lei Göttingen Ublt der NerchLw^hrmlnrster Dr. Gehler die HauvLrede. fl Worte dann unter anderm aus: Deutsch sein, beibt beute ff, e Zukunft denken und der Vergangenheit
Arich, die deutsche Einheit, das X Vaterland, d:e deutsche Heimat: alle diese großen idealen Dinge sind heute rn Gefahr für uns. Seid wir wehr- M' llfid,. können wir unsere nationale Würde nicht mehr mit Machtmitteln verteidigen.. Wir müssen sie in uns selber suchen. , m der Wurde, mit der wir unser Schicksal tragen, “‘I i in -‘ e J- e . klußere Lebensführung einrichten, Zeigern wir einfachen Sinn! Machen wir uns frei vom Schiebertum! Der Vorwun. daß m Deutschland setzt 10 Millionen Flaschen x e “ werden gegen 6 Millionen vor dem Kriege,
ist tatsächlich tief beschämend für uns. Der Vorwurf dagegen. der den Demokraten gemacht wird, daß wir bei allen Regierungsbilduimen dabei seien, mag ruhig Ertragen wer- ..Vaterland darüber gerettet wird: da mag >Fbst die Partei zugrunde gehen, denn schließlich ist sie nicht Selbstzweck, sondern nur Mittel zum höheren Zweck. Die Legende vom „Dolchstoß ist eine große ünwahrtzaftigkeit: die irttlichen Kräfte waren da, aber man hat dem deutschen Volke nicht die Wahrheit geiagt und damit das große Kapital des Vertrauens schmählich verwirtschaftet. Vaterlandsliebe und nationale Gesinnung sind weder an ein bestimmtes R.glerunssftstem noch an die Zugehörigkeit zu einer be- stnn-nten Volkslchicht gebunden. Unser Unglück ist. daß wir .^dmpfe immer gleich als Gesinnungskämvis ausfechten Frechert im Innern ist auf die Dauer nicht mög- Uch, ohne Freiheit nach außen. Demokratie ist heute unser Schicksal, Freiheit verlangt treue Pflichterfüllung eines letzen an fernem Platze.
Der Zeppelin „Nordstern" verunglückt.
vr. Paris, 13. Julfi (Drabtbericht.) Der Zeppelin „Nordstern", der an Frankreich abgeliefert wurde, sollte gestern nachmittag von seinem Hafen Saint Cur einen Ausflug mit einigen Generalen und Abgeordneten unternehmen. Als der Zeppelin zur Ausfahrt bereit war. wurde er gegen die Halle geschleudert, so daß die Hülle einen langen Riß erhielt. Die Zevvelinhalle ist nach .Echo st>c Paris" ziemlich ichwer beschädigt. Wie das Blatt weiter mitteilt, dürfte dasMugreug-tür lange Zeft- oerwenduugs- «ukäbiL sei». .
AusführungsSestimmungen zu preußischen Dienft- einkommensgesetzeu.
.. Kr. Berlin, 13. Juli. (Eig. Drahtbericht.) Dem preußischen Landtag sind auf s-men Antrag soeben die Au°- fuhrungr-bestlmmungen zum Volksschullehrerdienst- einkommensgefetz sowie zum Beamtendienst- einkommensgesetz zugegangen. Der Mimsterorästdent .nuvite an dre Überreichung die Bitte, daß die Nachprüfung der beiden Ausfubrungsbestlmmunigcn gemeinsam erfolge, da oerde in vielen Beziehungen miteinander übereinstimmen und eine Remlung nach gleichmäßigen Grundsätze!! unbe- drngt geboten ist Außerdem bittet er um möglichste De- chle»ni8ung der Beratungen, da die Regierungen bereit wit längerer Zeit mit der Ausführung des Volksschnllehier- diensteiiikommensge,«tzLs befaßt sind und in einigen Bezirken die Ausführung sogar schon beendet ist. Die Arisii-.hr, >ngs- bestimmm-gen enthalten aber soviel Ilnstimmiskeiten. daß ein« eingehende Nachprüfung sehr am Platze ist.
Fiskalismus bei der Umsatzsteuervergütung.
Vom H a n s a b u n d wird uns geschrieben:
. Einer Korreivondenz der Handelskammer für den Re- gieiungsbezrrk Köslin mit dem Reichsfinanzmiiiist-.'rium entnehmen wir, daß diejenigen Firmen, welche eniiorechcnd der allgemeinen Aufforderung des letzteren ihre Umsatz- steuererklarung zur Erleichterung der Finanzämter früher ein«ereicht batten, gegenüber denen, die damit bis zum 31. Januar d. I. warteten, insofern eine erbeoliche Be- nachteiligung erfuhren, als die Ovrozentige Steuervergütung chnen zur emen wesentlich kürzeren Zeitraum zugute kam. Bei den grsßen Summen, um welche es sich bei dieser Steuer handelt, ivielt das unter Umständen eine crüebl'che Rolle. Das Rcichsfinanzministe>-mm hat es abgelehnt, denen, welche doch lediglich im Interesse der Finanzver- »bre Steuererkläriing früher -einreichten. die gleiche Vergünstigung zu gewähren. Wir können das nicht iuc richtig anerkennen, da nunmehr die Steuerüer-rtusgs- siellen es ablebnen müssen, ihre Mitglieder aufzufc^dern. ihre Steuererklärungen früher einzureichen. Zn weit getriebener Fiskalismus schneidet sich ins eigens Fleisch.
Der braunschweigische Berfaffungskonslikt.
• Leivzig.12. Luli. Der vorläufige Staatsge-
richtsbos hat beute den Antrag der Landtagsfraktion des hraunschwelgkfchcn Landesverbandes, zu erklären, daß der am 16. Mai 1920 gewählte Landtag am 15. Mai 1921 sein Ende erreicht habe, abgelehnt mit der Begründung, der Landtag habe seine Aufgabe, dem Lande eine Verfassung zu geben, noch nicht erfüllt.
Kommunistische Sprengung einer Versammlung.
Dz. Berlin. 13. Juli. Blättermeldungen aus Halle zu- lolge versuchten dort Kommunisten eine Versammlung zu sprengen. ,n der Reichstags,räiident Löbe sprach. Während der Diskussion kam es zu T u m u I t und Prügeleien. Löbe und die mehrl>eitsst>,i«listischen Führer mutzten ans dem Saale fluchten. Die Versammlung wurde aufgehoben.
Der Bankbeamtentarif.
W. T.-B. Berlin. 12. Juli. Zum Tariskampf Im Bankgewerbe teilt der Deutsche BLnkdeamtenverein mit, daß die von ihm beantragten Nachverhandlungen wegen Verlängerung des Reichstarifs am 15. Juli im Arbeitsministerium unter der Leitung von Ministeriakdirektor Sitzler stattfinden werden. In den Verhandlungen soll versucht werden, emen Ausale-ch zwische«. den Parteien in bezug auf die »erichiedene Stellungnahme zw'dem am Juni gefällten Schredospnich zu fkuku-n.
Em Asyl für Exkaiser Karl an der Riviera.
L Lr. Wie». 13. Juli- (Eigener Drabtbericht) Nach einer
hier eingetrofscnen Nachricht chat die.französische Negierung ^m^,Eitaijez^juizl einen'Wohnütz an der französische»
