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Mittwoch, 13. Juli 1921.

Morgen-Ausgabe.

Nr: 319. ♦ 69. Jahrgang.

Hardings Abrüstungskonferenz.

Nachdem England und Amerika die Herrschaft auf den Weltmeere» untereinander verteilt haben, beruft Mt Priffident H a r d i n g eine Konferenz nach Washington ein, in der zwar die Frage der Abrüstung vorangeftellt wird, auf der aber auch über die „Probleme des fernen Ostens" entschieden werden soll, das heißt über die ungehemmte Betätigung des anglo- «nerrlanifchen Kapitals in China. Die Einladung richtet sich formell an die „alliierte« und assoziierten Mächte", also an die Entente, und wenn jetzt neben England und Japan auch die Vertreter Frankreichs und Italiens in Washington erscheinen werden, so kommt den letzteren doch nur eme dekorative Bedeutung M. In Wahret ist diese Form nur gAvüblt worden, damit Amerika nicht von vornherein den antijapani- schen Charakter der Konferenz in die Erscheinung tre­ten laßt. Der ganze Wan scheint vorher mit England besprochen worden zu sein, denn England hofft durch eine solche Verhandlung de» Widerstand verschiedener feiner Dominien gegen die Erneuerung des englisch­japanischen Vertrags brechen ju können. Amerika andererseits darf die bestimmte Hoffnung hegen, daß die Konferenz ihm reiche handelspolitische Früchte tra­gen wird. Wo so das gemeinsame englisch-amerikani- ische Interne engagiert ist, wie hier, wiü» man mit allen Kräfte« versuchen, zum Ziele zu kommen.

Die britische Rmchskonserenz hat sich allmählich m die Dunkelkammer von Ausschüssen zurückgezogen, und je spärlicher die Berichte über die Verharcklungen an die Öffentlichkeit drangen, um so bestimmter darf man annehmren, daß die Schwierigkeiten nicht gering sind. Der Widerspruch gegen die Erneuerung des japanisch- englischen Vertrages war doch stärker, als man zunächst vermuten konnte. Die Erklärungen des japanischen Botschafters in Washington haben offenbar die Be­denken verschiedener Minister der Kronländer nicht zu zerstreuen vermocht. Bessnders beharren Kanada, SDafrika und auch Australien bei ihren Bedenken. Wer es ist klar, daß. wenn man auf einer großen Kon­ferenz in Washington Amerika und Japan einander nähern kann, die Bedenken einigermaßen schwinden. Unter dem Sprunge einer der berühmten welthistori­schen Ko-nferenze» wird es dem vielgewandten Techniker Lloyd George schon möglich werden, den Widerstand der DoWimenWimster zu brechen.

In eine fetale Läge kommt nur Japan. Es hat sich während des Weltkrieges finanziell außerordentlich er­holt. Seine magere« Inseln faste« den Bevölkerungs­zuwachs nicht mehr. Es ist auf Auswanderung und auf den Schutz feiner crusgewaNderten Söhne ange­wiesen. Sein rmrtschastlic^s BetattgungsfeV, ist vor­nehmlich China. In beide» Lebensnotwendigkeiten kollidiert aber dvs Land der ausgehenden Sonne mit seinen Nachbarn, sofern man diese Bezeichnung auf Länder cnnvenden kann, die durch Ozeane von dem öst­lichen Jnselreich getrennt find. Amerika wie auch Australien wenden sich gegen den japanische« Fremdm- zustrom. und in China verlangt Amerika die berühmte „offene Tür". Japan soll hier seine handelspolitischen Sonderrechte ansgebcn oder sie sich mindestens auch auf Amerika und England erstrecken lasten. Wie man sieht, handelt es sich hier um eine societas leomna. Japan würde der gebende Teil fein, sofern man ihm nicht aus dem Gobiete der AuswaiÄerung oder sonstwie Ent- Segeiüommen erweist. Offenbar will man die Ab­rüstung als eine Art Entgegenkommen a« Japan aus­geben. Es ist klar, daß Bei einem Wettrüsten Amerika rm Vorteil wäre. Japan müßte schon aas finanziellen Gründen bald MvöckAei-e«. Andererseits wäre eine Beschränkung aus den gegenwärtigen RüstunysstaAdard eine klare Bevorzugung Amerikas, das an großen Schlachtschiffen Japan um ein Erhebliches überlegen ist

In Frankreich und in Italien kann man darüber nicht im Zweifel sein, daß sich die Schwergewichtsver- hältniste der Welt gründlich verschoben haben. In Wahrheit liegen die Dinge so, daß die Weltgeschichte Letzt in Washington gemacht wird!

Hörfing scheidet aus dem Staatsrat.

vL Berlin, 12. Juli. Der Obervräsident Hörsins bat Md Mandat als Mitglied des preußischen Staatsrates »iederpelegt. An seine Stelle tritt Landrat Berge«an» aus Calbe.

Verbot der «Oppelner Nachrichten".

Dz. Oppeln. 11. Juli Das Erscheinen der ..Opvelner Nachrichten wurde auf SSergnlaiTung der interalliierten

figgifrijfton ffij Arund d»^ Artikel» ilber dev Zwölieraus-

Vertagung des Hauptausschusses des Landtags.

.? r 1 x T '‘^ Berlin. 11 Juli. Der Hauptausschub des vreutziicheu Landtages nahm gegen die drei sozialistischen charteren in der Eesamtabstimmuig den Rotetat an und vertagte sich dann ms zum ?3. August.

Kommunistische Praktiken.

. (Ei«. Drahtbericht.) In Leivzig

yai sich eme bezeichnende Geschichte zugetragen. Einer der kommAuistlschen Hauptsührer hat sich dort in den Er - ^ M^senrat wählen läsen, trotzdem er Redakteur des „Roten.Kuriers" i« Leipzig ist. Als die „Leipziger ^ackkszeitung dies berichtete, bekam sie von dem Herrn eine Berichtigung, es sei nicht wahr, dag er am „Roten Kurier" irgendwelche Redakteurtätigkeit ausübe. Dieselbe Erklärung brachte er rm „Roten Kurier" selbst mit dem Hinzufügen, dag er auch keinen Pfennig Gebalt beziehe, und par in derselben Nummer, die er als verantwortlicher Re­dakteur zeichnet., Die Leipziger Kommunisten haben sich also offenbar einen Erwerbslosen als „Sitzredatteur" her- anseholt. den sie nicht einmal bezahlen, sondern der auch noch Erwerbslv'enfursorge beansprucht. Herr Ellrodt — so l^is-t dieser tapfere Mann — ist also ein Redakteur, der kein Redakteur sein will, trotzdem er schon monatelang verant wörtlich zeichnet.

Das liäe Ki»d von Moskau.

vr. Berlin. 12.' Juli. (Eig. Drahtbericht.) Im Verlauf der Tagung des dritten Weltkongresses der kommunistischen Internationale wird es immer klar«, dah Moskau die V. K. P. D. als das geeignetste Werkzeug anfisht. die bolschowikischen Revolutionsvläne in D e u t, ch l a n d zu verwirklichen. Der K. A. P. D. wurde eine offene Absage erteilt und zwar von Lenin höchst selbst der den Märzmrfstaud für das deutsche Proletariat als emen groben Erfolg (!) bezelchnete. Im Laufe der Ver­handlungen kamen auch die Vertreter der V. K. P. D. mehr- wch zu Worte, wobei von einem von ihnen erklärt wurde bah Deutschland vor neuen revolutionären m>ch m P i n «laubt man heute nur

Der künftige chmefifche Gesandte in Berlin.

Dz. London. 11. Juli. Reuter meldet aus Peking ' Der chmefifche Gesandte in Brüssel, Wer Ehen Tsu ist zum Gesandten in Berlin ernannt worden.

Die irisch-englische Konferenz.

Es ist nunmehr nicht daran zu zweifeln, daß noch in dieser Woche Lloyd George mit dem „Präsi­denten" der irische« Republik de Valera in London verharüteln wird. Der englische Premierminister hat sehr kordial an de Valera telegraphiert, daß er jeden Tag dieser Woche zur Verfügung stehen werde, de Valera möge selbst das Datum wählen und be­stimmen. wen er zu den Verhandlungen mitbringen will. Der Waffenstillstand ist inzwischen auf beiden Seiten effektiv geworden, de Valera hat wie ein Feld­marschall eine ganze Reih« detaillierter Befehle aus­gegeben. Wenn, von der Konferenz bis zu einer Eini­gung auch noch ein weiter Weg ist, so kann man doch nicht umhin, das große staatsmänuifche Geschick anzu- erkenne», das Llcyd George auch in der Behandlung dieser Frage zeigt. Die Iren haben durch ihre Kampf- methvden wahrhaftig den Verhandlungsweg nicht er­leichtert. Aber es gibt für Lloyd George offenbar keinen Fall, der Verhandlungen ausschlöffe. Diese ziel- bewußte Verständigungspolitik hat schon mehrfach ihre Fruchte getragen. Auch mit den Sowjetvertretern brachte Lloyd George die Verhandlungen schließlich zu einem Abschluß, und es ist immerhin nicht ganz ausge­schlossen, daß auch die irisch-englisch Kmffereuz zu einem Ergebnis führt? * p

Die «««« österreichischen Postgebühren.

Da. Wie», 12. Juli. Der Hauptausschuh d e r N atio nalversammlung genehmigte geg«i die Stimmen der Sozialdemokraten die Verordnung der Bundes regieruM. betr. die Neufeslletzung dL°G" büh ren °on ? ^ T, J. fpotto wird im Ortsverkehr

Ä i Im W-ltpostEin^W' bfc

Brwigebuhr 10 Kronen, bte Poftkarteosebiihr 6 Kronen be- traßen.

Die Grenzfestung Ungarns.

B»d«pfft. 12. Juli. (Eig. Drahtbericht.) Die ungari­sche Regierung wurde vom ofterveichMen Bundesrat aufge­fordert. innerhalb 14 Tagen muh dem Inkrafttreten

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Die Verhandlungen z«»ische« Litauen und Pole«.

. Dz Kow«o,12. Juli. (Litauische Telegr.-Agentur.) I» der gestrige« Süiwm der verfassunggebenden Ver- ammlung erläuterte der Minister des Aubern rzpskis. die Stellunsnahm« der Regierung zu dem Zruffeler Proiekt und zu dem Vorschlag des Volkerbundrates von Genf. Das Brüsseler Projekt könne von Litauen nicht angenommen werden. Um aber 1 Verbandlungsbereitwiklrakeit zu zeigen, sei stimmt worden, in Erörterungen einzutreten. des Völkerbundsrvtes würde'nicht angenomm,., die Erfüllung des Vertrages van Smoalki entschieden ver­langt. Dw Haus nahm ^schließlich eine Enhchliebung an. in die Weilerkuhruug der Verband ln usea «ut den Polen

die

zu zeigen, fei lediglist, zuge- Der Vorschlag

der

Vatikan und Quirinal.

Von Kurt Bauer.

Wie aus Rom mttseteilt wird, find zwischen dem Vatikan und der italienis-hen Regierung Unterhandlungen zur Auf- nadme der seit mehr als fünfzig Jahren unterbrochene« diplomatischen Beziehungen angebahnt worden. Der Ver­such, die beiden Souveräne Roms miteinander zu versöhnen, wurde mindestens schon hundert Mat gemacht. Er scheiterte bisher itsts an der vatikanischen Staatsraison. Denn nur der italienisch« König, so glaubte man. könne daraus Vor­teil ziehen. Solange der junge italienische Staat als ein Raub an der Äircbe hingestellt wurde, blieb das moralisch« Recht auf der Seite des Papstes: eine Taktik, die seine geistliche Macht in den Augen der Gläubigen aller Nationen nur bestärken konnte. Ein mit Italien versöhnter Papst hingegen.— fürchtete man — müsse an Prestige verlieren und |un .Seldkaplan des saoonscheu Königs" herabfinken. Seit Pius IX. hat daher kein Papst mehr die vatitanischen Mauern verlasse» zum Zeichen, daß er fich als den Gefange­nen des Königs betrachtet. Auch den Wunsch Pius X.. aus Eesundheitsriickfichten fein Schlob in Älvano aufzusuchen, Wichte man zu vereiteln. Andererseits bekam das jung« Königreich ununterbrochen zu fühlen, dah mit der welt­lichen Macht keinesfalls die geistliche Macht der Kirche ge­brochen war. Der gerinchte Eingriff in ihre Rechte endete nicht selten mit einer völligen Niederlage der Regierung und fühlte sich der Papst im Vatikan allzu hart bedrängt, so drohte er. wie anläAich der Ferrer-Bewegung. mit der Flucht ins Ausland. Damals war es die deutsche Stadt Fulda, der die Ehre eines Papstasyls zugedacht wurde. Während des Krieges wiederholten s«h bekanntlich derartig« Drohungen, die dem Königreich nicht weniger Kummer ver­ursachen als der Widerstand im Lande selM. Es gab Stimmen in Italien, die behaupteten, der Friedensfchlutz zwischen Vatikan und Quirinal sei für alle Zeiten ein Ding der Unmöglichkeit. Wenn es jetzt tatsächlich zur Beendigung des heimlichen, Italien in ferner Entwicklung behindernden Kriegssustandes kommen sollte, so dürfte dies in erster Linie der klugen, dioloniatischen Umsicht des gegenwärtisen Papstes Benedikt 'XV. zuzufchrsiben fein.

Es entbehrt nickt einer gewissen geschichtlichen Ironie, daß der letzte Papst mit weltlicher Macht es war. der die Einheitsidee Italiens fördern half. Ähnlich wie Cefare Borgia erträumte Pius IX. eine Konföderation der italie­nischen Staaten unter der Ägide des Papstes. Auch als er, dnrch die Revolution von 1848 überrumpelt, nach Gaeta floh und in die Arme der Rsaktionsvolitik zurückkehrte, diente er der Sache unfreiwilliserweise. indem er jede« Einvernehmen ablehnte und so der Einheitsbewegung eine» desto freieren Spielraum lieb. Bei feinem Regierungs­antritt war ein Jubel durch das ganze, unter der Zerspal­tung leidende Land gegangen, der zwar schnell enttäuscht wurde und in Hab umschlug. Immerhin ist der Name Pius IX. noch heute im römischen Volke populärer als der eines anderen Papstes. Welche Reformen hat er eingeführt, die der Zügellosigkeit der Römer steuern sollten. Die größt, Tragik seiner langen Regierung bildete der Einzug des Königs in Rom. Er überlebte sogar V'ttorio Emanuele um einen Monat, nachdem er es hatte dulden muffen, dah sein Widersacher in der geweihten Erde des Pantheon be­graben worden war. Seine eigenen Gebeine wurden in St. Pcter beigesetzt «ud später nach St. Lorenzo fuori l« nrura übergeführt.

Fragt man einen Italiener, wer eigentlich Rom erobert hat, so antwortet er: Garibaldi! Sein Reiterdenkmal be­grübt den Fremden von der stolzen Höhe des Monte Gianicolo und alljährlich findet am 20. September vor der Porta Pia ein Volksfest statt, zu dem die Veteranen Gari­baldis in ihren roten Zacken erscheinen. Der Bürgermeister Nathan benutzte solch eine Feier noch im Jahre 1912 zu einem drohenden Ausfall gegen den Papst. Die alten Gari- baLioner indeffen gewähren eher den Anblick einer Knüttelgarde als schneidiger Krieger. Ihr Hauptverdienst bei der Eroberung Rons war es. dah ste fich — wenn auch 1867 von den Franzosen bei Mentana geschlagen — in der Rahe befanden, als Napoleons Herrschaft bei Sedan ge­brochen wurde. Den» di« Einigimg des Königreichs Italien

zur Hauptstadt Italiens proklamieren laffen. indem er ein« „Freie Kirche rm freien Staat" forderte, während Gari­baldi dazu den Säbel schwang: „0 Roma, o morte!“ Aber zehn Jahre beinah« sollten noch bis zur Verwirklichung dieses Zieles veifliehen. Mit Hilfe Napoleons ID. war di« Lombardei erobert und di« norditalienischen Staaten dem neu ensttehenden Reiche einverleibt worden. Ein französisch- italienisches Schutzbündnis gegen die Habsburger, bei dein Napoleon seinen Verbündeten die fruchtbaren Provinzen Savoyen und Nizza wegjchnappte! Kaum jedoch landete Ga­ribaldi in Calabrien. so wechselte der französische Bundes­genosse seine Karten und unterstützte den Pavst. indem er ihm Truppen sandte und Garibaldi in Aspromonte gefangen setzte. Resigniert verlegte damals die italienische Regierung ihren Sitz nach Florenz anstatt nach Rom, und es läht sich durchaus nicht sagen, ob und wie die schwierige Frage der Einverleibung Venedigs und Roms gelöst worden wäre, wenn nicht die deutschen Siege über Österreich und Frank­reich diese beiden Stöckte Italien in die Hände gespielt hätte. Schon war 1866 die italienische Land- und Seemacht von Österreich vernichtet worden, und als einen Monat spä­ter Preußen, mit dem sich Italien verbündet batte, das österreichische Heer schlug und die habsburgische Monarchie oang, Venetien an Italien abzutreten. Ähnlich ging es „eitel mit Rom. in das Garibaldi 18 Tage nach der Schlacht bei Sedan nach einem kleinen Kampf an der Porta Pia einzieben tonnte. Immerhin scheint der Sieger noch bei der Einnahme Roms bedeutende Furcht vor der Macht des

Beleidigung des Papstes ck zurückgeschreck't. dah er sich nur von der EntMun« des Volkes »um Kapitol schleifen lieh.

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