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Mittwoch, 13. Juli 1921.

Berliner Abteilung des Wiesbadener Tagblatts: Berlin w. 9, vsgftrahe 18, Fernsprecher: Amt Zentrum 11435-11437.

Abend Ausgabe.

Nr 320- H 69. Jahrgang.

Ausländische Kredithilfe für Teutzchland.

Dz. SBetlin, 12. Juli. Die Reichsbsnk teilt »ms mit, daß es ihr gelungen fei, durch Vermittelung des Hauses Mendelssohn u. Co. in Amsterdam sich einen Kredit von 150 Millionen Gold mark zu beschaffen und daß die Verhandlungen über weitere Kredite gleicher Art schweben. Die von der Regie­rung getroffenen Maßnahmen werden durch diese Krülitoperationen so ergänzt, daß die Erfüllung der am 31. August fälligen Reparationsverpslichtungen als gesichert anzusehen- ist. Weitere Reparationszahlungen sind alsdann während des Jahres 1921 an Devisen nicht mehr zu leisten.

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Die amtliche Meldung, daß die Deutsche Reichsbank sich durch Vermittlung eines privaten Bankhauses in Holland einen Kredit von 150 Millionen Eoldmark zu beschaffen wußte und daß Verhandlungen über wei­tere Kredite gleichen Art schweben, beweist, daß das Vertrauen, desien sich unser Zentralnoteninstitut im Ausland erfreut, unerschüttert geblieben ist. Auch in den schwierigsten Übergangszeiten hat die Reichsbank noch stets alle Rüchahlungen prompt geleistet, was chr auch jetzt das Vertrauen ausländischer Geldgeber ein- trägt. Mit dem neuen Eoldkredit erfährt der inter­nationale Devisenmarkt eine erhebliche Entlastung. Deutschland braucht jetzt nicht mehr allzugroße Devisen­käufe zu tätigen, und es ist zu erwarten, daß nunmehr dem starken Rückgang der Mark wieder eine Erholung folgt. Ja, es darf sogar nicht als ausgeschlossen gelten, daß die nächste Zeit eine Festigung und Stabi­lisierung des Markkurses bringt. Von der Goldmilliarde, di« wir nach dem Ultimatum bis zum 31. August zu zahlen haben, sind zwar erst 247 Mil­lionen bezahlt worden. Der Rest ist inzwischen bei der Reparationskvmnnffion in Wechseln des Reiches hinter­legt worden, für die die Großbanken die Bürgschaft übernommen haben. Die neuen Kredite werden der Reichsbank di« pünktliche Einlösung der Wechsel er­möglichen. Denn nebenher geht der Eoldankauf und die Lombardierung des Silbers. Gerade die Festigung des Markkurses wird den Besitzern von Gold die Er­wägung nahelegen, ihren Besitz jetzt abzustoßen, wäh­rend ein sinkender Markkurs noch immer zu Zurückhal­tungen in der Hoffnung auf noch größere Gewinne an­reizte. Bon besonderer Bedeutung ist es auch, daß die Exporteure in stärkerem Maße als seither die Fakturie­rung in fremden Devisen verlangen werden. Auch diese Devisen werden zu einem guten Teile dem Reiche zur Verfügung gestellt werden, so daß man gewiß sein darf, daß die erste Goldmilliarde bis zum 31. August voll bezahlt weiden wird, zumal ja auch noch ein er­heblicher Teil der Barleistungen «aus der Ausfuhr- abgabe genommen werden muß. die die verschiedenen Ententeländer jetzt erheben. Weitere Reparations­zahlungen sind alsdann während des Jahres 1921 in Devisen nicht mehr zu leisten; denn der Rest der Annui­tät wird in Sachleistungen gezahlt. Darum ist cs ziemlich sicher, daß sich die Mark im Auslande erheblich erholen wird.

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Br. Berlin, 13. Juli. (<£. D.) Zu der Meldung über den in Holland verschafften Kredit für Deutschland und über das darauf einsetzende Fallen des Dollar an der Berliner Börse schreibt derVorwärts":Übersetzen wir diesen mysteriösen Vorgang in einfaches Deutsch: Die Banken und Geldkreise in Deutschland hatten in der Hoffnung, daß die deutsche Regierung dauernd Dollar kaufen muß, um Ihren Verpflichtungen aus der Wieder­gutmachung nachzukormnen, sich reichlich eingedeckt. Sie hofften, dann dem Vaterland ihre Einkäufe mit gutem Gewinn wieder anhängen zu können. Jetzt sind sie uin rhre Hoffnung betrogen. Um nicht als letzte und mit »zu teuer hereingenommenen Werten auf der Strecke zu bleiben, werfen sie ihre überflüssig geworödenen Dollar zum Verkauf auf den Markt, Der Dollar sinkt daraufhin und die M a r k st e i g t.

Die Sanktionen.

W. T-.B. Brüssel, 12. Juli. In Beantwortung einer Anfrage des sozialistischen Deputierten P i c r a r d, der die A u f g a b e der Z 0 l l i n i e a m Rhein und der Besetzung von Düsseldorf, Ruhrort und Duisburg fordert, erklärte der Minister des Äußern in der Kammer, er habe über diesen Gegen­stand nichts mitzuteilen. DieSanktionen seien in Kraft. Die Alliierten würden sich demnächst zusammensinden, um bestimmte Fragen zu erörtern. Die Frage der Rheinsanktionen werde dabei ihre ganz beson­dere Aufmerksamkeit aus sich ziehen.

D^e Pariser Reparationsverhandlungen

- P z - 12. Juli. Die französischen und die deutschen

sachverständigen für die Sachlieserungen baden gestern die p,?>bandlung«n wieder ausgenommen. Wie die Morgcn- blatter Mitteilen. hat Reichskommissar Dr. Euggen- kte Antwort der deutschen Regierung uderbracht, die nach demMatin" bejahend ausgefallen sei. Die deutsche Regierung nehme die Vorschläge über die Bewertung der Sachlieserungen sowie die Staffelung der Lieferungen am -oetzt würden Sachverständige die Aus- fuhrungsbestimmungen ausarbeiten, und mit diesen Ver­handlungen habe man direkt nach Schluß der ersten Voll­versammlung begonnen.

, Dz. Paris, 12. Juli. Die Verhandlungen zwischen den deutschen und den französischen Vertretern über die Reva- ratronsfrage, die gestern wieder ausgenommen wurden, sind heute rn den Unlerkommissionen weitergefübrt wor-

*** Hauptsache wurde die Frage der Ablösung der Restitutionen durch Substitution erörtert. Morgen findet wiederum eine Vollsitzung statt, in der diejenigen Punkie, über die noch keine Einigung besteht, geregelt werden sollen.

Staatssekretär Hirsch geht nach Paris.

e , B /; Berlin. 13 Juli. (Eigener Drahtbericht.1 In An­betracht der Wicytigkert der Beratungen über die deutschen Sachleistungen hat sich die Reichsregierung entschlossen, den Staatssekretär Hirsch vom Rnchswirtjchaftsmioikterium als deutschen Delegierten nach Baris zu entsenden.

Eine Unterredung mit dem Reichskanzler.

Dz. Paris, 12. Juli. Rens Säuret, der Sonderbericht­erstatter desOeuvre" m Berlin, batte eine Unterredung mit dem Reichskanzler D r. W i r t h. der ihm u. a. sagte, da Deutschland sozusagen keine ausländischen Werte und keine internationalen Zahlungsmittel mehr besitze, könne es nur durch Lieferungen und Arbeit bezahlen. Die 26prozentige Abgabe von der Ausfuhr berücksichtige weder die verschiedenartige Lage der einzelnen Industrien noch die Beziehungen der Weltwirtschaft. Es sei unmög­lich. datz die Abgabe in dieser Form bestehen bleibe. Sie laste nicht nur auf dem Export, sondern zwinge auch Deutsch­land. seine Einfuhr herabzusetzen und zwar in einem solchen Matze, datz dadurch die anderen Länder ernstlich berührt würden. Der Reichskanzler erklärte, er habe Vertrauen zu den moralischen und technischen Hilfsmitteln Deutschlands. Es sei notwendig, datz die Produktion sich im Hinblick auf ein größtmöglichstes Ergebnis organisiere. Die große Masse des deutschen Volkes habe auf alle Abenteuer verzichtet und wünsche nichts anderes, als in Frieden zu arbeiten. Das deutsche Volk habe den Weg zur Demokratie gefunden, und in diesem Geiste begebe es sich an das Werk der Re­paration. Deutschland habe die wirtschaftliche und politische Unterstützung des Auslandes, besonders aber Frankreich, notwendig, um seine Verpflichtungen zu erfüllen. Es wäre eine wesentliche Unterstützung für Deutschland, wenn vor allen Dingen der Hatz verschwinden würde. Das System der Reparationen könne nur durch ein internationales Abkom­men festgesetzt 0 erden. In der Zukunft werde sich notwen­digerweise ein Zusammenarbeiten ergeben müssen, vielleicht auch in gewisser Beziehung eine Arbeitsteilung mit den Gläubigerstaaten, vor allen Dingen aber mit Frank­reich. Der Reichsk rnzler sprach die Hoffnung aus. datz die jetzt im Gange befindlichen Verhandlungen über Einzelfragen für den Wiederaufbau zu einem Ergebnis führen würden, und trat lebhaft für die A u f h e b n u g der Sanktionen ein. die. wenn sse anfrechterbalion würden, die öffentliche Meinung vergifteten und erregten. Auch das oberschlefisch« Problem bedeute eine große Gefahr für die deutsche Demokratie. Eine Entscheidung, die dem demokra­tischen Geist« und dem Selbstbestimmungsrecht der Völker entgegengesetzt wäre, müßte, tödlich sein für den Geist, der heute das deutsch« Volk beseele und darauf ausgebe, das Ultimatum zu erfüllen.

Der Reichskommissar für die besetzten Gebiete.

Bb. Berlin, 12. Juli. Der Nachfolger des bisherigen Reichskommissars für die besetzten Gebiete, F ü r st H a tz f e l d - W i l d e n b u r g, konnte bisher das Amt noch nicht antreten, weil bei allen Besetzungsmächten das Agrement für den neuen Kommissär eingeholt werden mußte. Wie verlautet, ist das bereits geschehen. Man nimmt jedoch an, daß die Entscheidung nid# vor der nächsten Sitzung des Obersten Rates erfolgt.

Die Reparationskommissio«.

Dz. Paris. 12. Juli. Die Reparationskommission hat heute nachmittag u. a. sich mit folgenden Fragm befaßt: 1. Mit der Ausführung von Farbstoffen.

2. Mit den während des Krieges durch Peru befchlag- uahmten feindlichen Schiffen. 3. Mit dem Bericht des Garantiekomitees an die Reparationskommission über die Einrichtung einer ständigen Organisation zur Mr- tretung des Garantiekomitees in Berlin. 4. Mit dem Programm der Kohlenlieserungen für August.

Der Friede mit Amerika.

Dz. Paris. 12. Juli. DieChicago Tribüne" mel­det aus Washington, die Botschaft, die Präsident Har- ding diese Woche an den Kongreß richten werde, werde keine Erklärung des Friedens mit Deutschstland und Österreich, noch irgendeine Ankündigung über die ame­rikanische Politik gegenüber dem Versailler Vertrage enthalten. Gegen Ende der Woche jedoch erwarte man einen Schritt, der die amerikanischen Beziehungen zu Deutschland näher definieren solle. Augenblicklich seien diese Beziehungen geradezu chaotisch und ent­behrten jeder grundsätzlichen Einheit für den Verkchr der beiden Länder.

Der neuntr KnegsÄeschuldigtenprozstz.

Br - Leipzig, 18. Juli. (Eig. Drabtbericht.) Unter großem Andrang des Publikums begann am Dienstag vormittag vor dem Retchsge-icht der 9, KriLgsbeichuldigten- Prozetz, Im Hinblick ans die Vorgänge bei der Urteilsver- kund^gung im Stenger-Prozeß ist ein großes Polizeiaufgebot mt Stelle. Die Anklage richtet sich bekanntlich gegen die Oberleutnants zur See Boldt und D i t h m a r vom Unter­seeboot 86. Der Vorgang, der zur Anklage führte, die Tor- pedierung desLandowery Castle". ereignete sich am 27. Juni 1 9 l?.. an der Cüdspitze Irlands. Den Vorsitz führt Senats- prastdent Dr « ch m i d t. Die englische Mission mit Eeneralstaatsanwalt Pollock ist vollständig er- j.ch'Ossein Besonders stark sind wieder die in- und aus­ländischen Pressevertreter erschienen. Rach der Anklage sollen die beiden Offiziere nach der Versenkung eines englischen Howltalschisfes ein« Anzahl englisch« Offiziere. Mannschaften usw. vorsätzlich getötet haben. Di« beiden AngeAagten sollen die Geschütze sejbst gestellt und das Feuer auf die in der See berumtreibenden Menschen gerichtet haben. Ober­leutnant Dithmar gibt an, jede Auskunft über die Vor­gänge auch heute verweigern zu wollen, wogegen Ober­leutnant Boldt eine ausführliche Schilderung der Vorgänge gibt.

Hierauf wird in die Zeugenvernehmung einge­treten. Als erster Zeuge wird der zweite Offizier des eng­lischen Hospitalschiffes, Ebapmann. vernommen, der u. a. auskiat, das Schiff sei am 27. Juni 1918 torpediert worden. Es habe 80 Mann Besatzung und 180 Verwundete an Bord gehabt. Durch die Torpedierung sind im Schiffs­raum einige Mann getötet worden. Der Zeuge ist dann von einem deutschen U-Boot an Bord genommen worden. Er habe gesehen, wie 11 Engländer aus dem Rettungsboot an Bord des deutschen U-Bootes gezogen worden seien. Als sich noch drei Mann im Boot befanden hätten, hätte der Kommandant Patzig mit zwei Revolvern zu schieben ange- fangen.

An der Hand einer Seekarte wurde dann festgestellt, daß die Stelle, an der das englische Hosvitalschisf torvediert wurde, außerhalb der Zone stch befand, die von der deutschen Regierung für Hosvitalschiffe vorgeschrieben war.

Der nächste englische Zeuge B a r 10 n war vierter Offi­zier des Lazarettschiffes, Zurzeit der Torpedierung habe stch nicht ein einöiger Verwundeter an Bord befunden. Die etwa 260 Mann, die sich an Bord befanden, waren nur Äe- disnungsmannkchaften und Sanitätspersonal gewesen. Sie hätten vom Rettungsboot aus noch berumschwimmende Menschen retten wollen, aber ein Offizier des U-Vootes hätte ihnen zugerr'fen. sofort links seitlich zu kommen. Als man dem Befebl nicht gleich nachgekommen fei. habe der Offizier seinen Revolver und ein Eekchütz auf das Rettungs­boot gerichtet. Der Zeuge will in Boldt einen der Offiziere des U-Bootes wicdererkennen.

Das Gericht beschließt hierauf, die Anssagen, die der englische Zahlmeister Evans in London zu Protokoll gegeben bat. zu verlesen, da der Zeuge infolge eines Augenleidens rn Leipzig mcht erscheinen kann.

Der nächste engliche Zeuge Potts, erster Offizier auf dem Dampfer ..Atiantian". gibt an. er fei im Juni von dem U-Boot 86 gefangen genommen. Am 27. Juni, abends 10 Ubr, sei das U-Boot untergetaucht. Einer von den deutschen Mannschaften hätte ibm gesagt, man habe soeben einen schonen Dampfer vernichtet. Darauf habe er noch 10 Minuten lang Gechiitzfeuer vernommen. Vor seiner Ent­lastung sei tlmi ein Bein abgenommen worden, von der Tor­pedierung weiß er nichts zu sagen. Oberleutnant Boldt be­merkt darauf, man habe dem Zeugen nur das Versprechen aboenommen, über alles, was er auf dem U-Boot während der Gefangenschaft gesehen und gehört habe, zu schweigen.

..Landowery Castle . die übereinstimmend bekunden, dah das Schlif als Sosoitalchlff ausgerüstet war und keine Munition an Bord hatte.

Der nächste englische Zeuge ist Murrphy aus Birmingham. Rach femen Aussagen sollen also di« drei Rettungsboote durch Eranatfener des deutschen U-Bootes in den Grund ge­schossen worden sein. Zeuge Zahlmeister Tbring aus London erklart die Ausrüstung dcs Schiffes, das nur als Hospital- schrff Verwendung gefunden habe. Rach englischen Aus­sagen sollen 124, Ossrsier« und Mannschaften und über 29 Sanrtatsangehorrge ertrunken und nur 24 Mann gerettet worden sein. Der nächste englische Zeuge, der vernommen w'rd. war «ommandant des Zerstörers ..Lysander". der die 24 Gereiften aufgeiunden bat. Sie haben ibm erzählt, das ll-Boot habe aur die Rettungsboote geschossen, um alle Spuren der Torpedierung zu beseitigen.

Der Kommandant des SchiffesSnowdrov" hat ein leeres Boot von der ..Landowery Castle" aufgefunden und dann mit einem kleinen Kreuzer die ganze irische Küste nach U-Booten abgesucht. An dieser Suche habe sich auch ein amerikanischer Zerstörer beteiligt. Der Zeuge meint, datz die Leute, die sich in dem Rettungsboot befunden hab-'n nickt berausg^chossen. sondern berausgewo'-fen lein müssen.

Darauf wird die Verhandlung auf Mittwochvormittap 9 Uhr vertagt. _

Unterhansanfragen wegen der Leipziger Prozesse.

Dz. London. 12. Juli. Auf eine Anfrage wegen der Leipziger Prozesse erklärte der General st aatsanwalt im Unterbause, einzelne Zeilen der Prozetzberichte seien ein- actroffen und würoea den Mitgliedern des Hauses »ugännlich gemacht werden, sobald das Haus es wünsche werde es Ge­legenheit zur Aussprache erhalten. B 0 t t 0 m l e y fragte die Regierung ob Frankreich sich von den Leipziger Prozessen obne jede Fühlungnahme mit der britikchen Regierung zurück- gezogen habe, und ob England nicht dasselbe tun könne. Der Generalltaotsanwalt erwidert«, was auch immer Frankreich in dieser, Angelegenbert getan habe habe es obne irgend welm.e Fublungnabme getan. E: selbst sei nicht unterrichtet, ob erne Zurückcköiebung erwogen wrrds oder durchgesübrt worden sei.