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_ ___ Verliner Abteilung des Wiesbadener Tagblatts: Berlin'Zf

12 Ausgaben.

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Samstag. 9. Juli 1921.

ßoMWe WZMNbWöMgw.

"^ c Landeskonferenz der sächsisches Weqry«itssozialdemokraten hat sich ein- Kshewd mit der Einigungsfrage befaßt, sie hat über die Gemernschaftsrogierung in Sachsen hinaus eine starke politische Einheitsfront im übrigen Deutsch­land verlangt und hat die Hoffnung ausgesprochen, daß es zwischen Mehrheitlern und Unabhängigen in nicht allzuserner Zeit zu einer „organisatorischen Wieder­vereinigung" kommen wird. Bis dieses Endziel erreicht ist, wird die Bildung von Arbeitsgemeinschaf­ten der S. P. D. und der U. S. P. D. verlangt. Auch Philipp Scheide mann, der Oberbürgermeister von Kassel und Führer der sozialdemokratischen Partei, er­läßt im „Vorwärts" einen Aufruf zur Eini­gung. Er weist auf das Anschwellen der Reaktion hin, fürchtet eine Diktatur von rechts und ver­langt eine geschlossene Arbeiterschaft, um das drohende Unheil abzuwehren. Die kommunisti­schen Parteien kommen nach seiner Ansicht nicht mehr in Betracht. Sie seien in der Auflösung begriffen, eine Einigung von Unabhängigen und Mehrhsitssozialiston bedeute die Einigung der Partei, sie sei das Gebot der Stunde. Das Proletariat dürfe nicht warten, bis die Diktatur von rechts es zur Einigung zwinge, es müsse dem Diktator zuvorkommen.

Bon unabhängiger Seite hat man noch wenige Rufe nach Einigung gehört, man muß aber feststellen, daß die Polemik zwischen den beiden feindlichen Brü­dern stark nachgelassen hat. Nachdem die Unabhängige Partei durch den kommuntstischen Keil gesprengt wor­den ist, hat sie wesentlich an Bedeutung verloren. Die frühere U. S. P. ist gar nicht mehr Wiederzuerkennen. Kaum ein Drittel ist der alten Partei geblieben. Die vnderen zwei Drittel haben sich zu den Kommunisten und zu den Mehrheitssozialisten geschlagen. Die Kom­munisten sind trotzdem nahezu bedeutungslos ge­worden, die Putschversuche und die Gewalttaten eines Holz haben die Arbeiterschaft doch zur Besinnung ge­bracht. Sie sieht ein. daß das Heil nicht von Moskau kommt. Die Kommunisten selbst sind in mehrere Teile gespalten, der eine befehdet den anderen. Die berühmte Zentrale hat die Leute, die noch ein kritisches Augen­maß besaßen, ausgeschlossen, so daß die offizielle, kom­munistische Partei lediglich von Nullen geleitet wird die von Moskau aus gegängelt werden.

Die Unabhängigen waren in letzter Zeit be­müht, praktische Arbeit zu leisten. Sie haben für die Annahme des Ultimatums gestimmt. Daraus erwächst ihnen auch die Aufgabe, Sorge zu tragen, daß die übernommenen Verpflichtungen erfüllt werden. Auch in den Landtagen und in den städtischen Körperschaften war die U. S. P. bemüht, mehr als bisher praktisch mitzuarbeiten. Es gereichte ihr zum Vorteil, daß die radikalen Elemente ausgeschieden sind Die Gegensätze zwischen ihr und den Kommunisten haben sich überall in schrofffter Weise bemerkbar ge­macht, sie sind unüberbrückbar, während von Gegen­sätzen zwischen Mehrheitssozialisten und Unabhängigen kaum noch die Rede sein kann. Bei der U. S. P. macht sich allerdings ein schärferer Ton in der Kritik der Re- gierungsinaßnahmen bemerkbar und die Zeitungen der beiden Richtungen geraten manchmal aneinander, aber prinzipielle Gegensatz- sind kaum vorhanden. Zu einer Einigung wird hauptsächlich die Tatsache beitragen, daß beide Parteien in den Gewerkschaften vereinigt sind und daß man auch in der Zeit der schärfsten Gegen­sätze an dem Gewerkschaftsgedanken festgehalten hat. Allerdings waren ibie Unabhängigen bemüht, in den Eewerkschaftsorganifationen die Oberhand zu erhalten. Das ist ihnen auch in einigen Gewerkschaften, beson­ders im Meballvrbeiterverband, gelungen, wo tüchtige Leute von der Spitze verdrängt worden sind und an ihre Stelle Agitatoren der U. S. P. traten. So führt den Vorsitz im Metallarbeitervsrband jetzt der Unab­hängige Reichstagsabgeordnete D i tz m a n n. Die Ver­hältnisse haben sich auch hier stark geändert, der Ein­fluß der Unabhängigen ist zurückgegangen, das politi­sche Moment war in letzter Zeit bei der Besetzung der Stellung nicht mehr maßgebend, der Eewerkschafts- g e d a n k e hat sich als st ä r k e r erwiesen als der Ver­such, die Gewerkschaften zu politisieren. Bei einer Einigung würde es sich dann lediglich nur um Personal­fragen handeln. Die unabhängigen Gewerkschaftler, die in der Zeit der Blüte seit der Unabhängigen-Be- rvcisung hochpekommen sind, weiden nicht gerne ihre Posten verlieren wollen, man wird da zu mancherlei Kompromissen kommen. Die kommunistischen Spren­gungsversuche in den Gewerkschaften sind vollkommen erfolglos geblieben. Die von den Kommunisten gegrün­deten Sondergewerffchaflen sind ohne jede Bedeutung, Ke werden mit der Zeit gewiß wieder verschwinden.

Morgen-Ausgabe.

Nr. 313 « * 69 . Jahrgang.

Die Einigung der beiden sozialistischen Gruppen ist, wie wir bereits im Leitartikel in Nr 298 des Wies­badener Tagblatts vom 30. Juni ausführten, eine Frage der Zeit. So schnell, wie manche glauben, wird sie nicht kommen, hinderlich ist schon die Tatsache, daß dre U. S. P. überall Sonderorganifationen und be­sondere Presseorgane besitzt' eine solche Liquidation ist nicht von heute auf morgen durchführbar. Die Eini­gung liegt hauptsächlich im Interesse der U. S. P., die vorläufig noch ihre Bedingungen stellen kann, bei einer weiteren Abbröckelung der Massen aber schließlich nur noch eine Kompanie von Führern darstellt. Philipp Scheidemann malte den Diktator von rechts an die Wand, um die feindlichen Brüder zur Einigkeit zu zwingen. An den Diktator glaubt aber wohl ftett Echerdemann selber nicht recht!

* I

Der erste gemeinschaftliche Antrag.

„ 2uli. (Eig. Drahtbericht.) Im

preußischen Landtag haben die Mehrheitssozialisten und dw Unabhängigen einen gemeinsamen Antrag cin- gebracht, dre Staatsregierung zu ersuchen, das Gesetz, betreffend die ärztlichen Ehrengerichte, vom 28 No­vember 1899 aufzuhebxn. Es ist dies unseres Wiss'ns der erste , gemeinschaftlich eingebrachte Antrag dieser beiden sozialistischen Parteien und also wohl ein Kün­der der neuen Zeit.

Der Zollkrieg zwischen den alliierten Ländern.

f c it n r Rffi?

iLifi ^"L^^rbau. in der,gesagt wich: Das

fch a'HI iVr Rev andre bet Deutsche n b-Ltiat

$t^trf{t S r S 6 <fttÄ Cr ats Ie ’ ^ bie Alliierten zum vrtntrttt m Verhandlungen zu bewegen statt daß Ne

^ bisber siÄ gegenseitig schädigten uni) ihre Türen vor einander schlossen, wie man es gegenwärtig erlebe.

Bulgarien verlangt Aufschub der Reparationszahlungen

Dz. Baris, 7. Juli. Die bulgarische Regierung bat um

t^-k^ll/brigen Aufschub ihrer Repara­tionszahlungen ersucht.

Der englisch-japanische Vertrag.

Dz. London, 8. Juli. Lloyd George erklärte stn Unter- ?^lllicht schon Montag in der Lage zu Kin über den en g I, s ch - j a v a n i s ch e n B e r t r a g eine Erklärung abzugeben. Der Zeitpunkt dieser Erklärung hänge »^.Antworten ab. die von den Vereinigten Staaten ßi'b China erwartet Würden. Im gegenwärtigen Auaen-

I w ID s lie sn 1t L öffentliche Erklärung möglicherweise dem Erfolg der Verhandlungen nachteilig sein.

Der Streit «m Wilna.

(nsaLfT 11 ?, 1 8. Juli. Als der littauische Vertreter beim Völkerbund. Handelsminister Ealwanaukas. im Seim über dre Verhandlungen in Genf sprach, erhob sich von allen Seiten lebbafier Protest. Auch die gesamte Presse ist gegen diese Vorschläge. Gestern fand ein Ministerrat statt, der sich mit der Antwort an den Völkerbund befaßte.

Vollzugsrat in Wilna beschloß " m J' Imi* tn ^ Iner r^belmen Sitzung, die Bewohner der Kretie Wilna. Swenzi.iny und Troki zu Kampfkompagnien «u organineren. die Bewohner der Kreise Oschwiany und Kletz leboch mcktzu entwaffnen, da sie unzuverlässig seien. Es wurde beschlossen, dort eine Miliz aus den ehemaligen Voten er Triwven des Generals Zelogowski zu bilden, die sich letzt in Zivilkletdern in den Mildern versteckt aufhalten

W T.-D. Kowno 7. Juli Litauische Zeitu^mL auf Grund zuverlässiger Nachrichten aus Wilna, daß die Polen in Erwartung des Rücktritts Zeligowskis ein neues Abenteuer vorbereiten an dessen Spitze sich der Adju- tant Zeligowskis. der Hauvtmann Prifter. ein Vertrauens- mann Pilfudskis. stellen soll. Nach Litauen werden Agenten entsandt, mn die polnischen Einwohner zu einem Aufstande aufrusMchelnnnd auf diese Weise Grund zum Appell an die polnllckie Hilfe zu schaffen. In Wilna werden Gerüchte über bevorstehende, neue terroristische Akte gegen li tau­sche Minister vorbereitet. Die aus drei Mitgliedern bestehende polnische Fraktion im Kownoer Seim richtete an die Kontrollkommission eine De n k s ch r i f t. in welcher über angeblich« Verfolgungen durch die litauische Regierung ge. klagt wird Die Denkschrift verlangt eine Intervention und erklärt, daß die?- der letzte Versuch Polens fei.

Die internationale Arbeitskonferenz.

Dz. Stockholm, 7. Juli. In der gestrigen Sitzung der internationalen Arbeiterkonferenz wurde über die Vorbe- reitun gen für die internationale Arbeits- konferenz in Genf am 25. Oktober sowie über die Be­arbeitung und Prüfung der Antworten, die von den Regie­rungen und den Organisationen der Arbeitgeber und Ar­beiter eingegangen sind, verhandelt. Die polnische Regie­rung schlug vor. für die Regelung der Überführung der Ver- ficheiungsfond.s in den. Gebieten, die Deutschland an Polen abgetreten, hat, einen ähnlichen Ausschuß ein-

der gleichen _ wurde zuge- usses wurden der Universität

mietzen wie den. der für "rage erfolgreich tätig

stimmt. Zu Mitgliedern ..

jrofessor der Finanzwirtfchast an To s e r, und der italienische Sena nister T Überführung

»r Elsatz-Lothrinaen in war. Dem Vorschlag n dieses Ausschusses ctfchaft an der llnive

bbiave ausei.

_ des VerllcherunLssowds

gewählt war.

lisch« Senator und ehemali Neben, der schon

in

Bern.

^ -iae Mi-

srüher für die Etiock-LotbiillLen

Die SLnaHrringsMissLnschaftliche ForjchNNgsLätigLeit.

W.T.-B. Berlin, 7. Juli. Um in der gegenwärtigen Zen llchaitlicher Rot die wissenschaftliche Forschungs­arbeit starker als bisher an der praktischen Lösung des Problems der Volksernährung zu beteiligen, glie- oerte der Reichsernährungsminister Hermes seinem AU- mster'.um einen Beirat zur Förderung der ernäh- vu ngs w i ssenscha f tli che n Fo rschiun gStät i g -

k e i r an. int Mitglieder des Beirats fanden üch auf Ein­ladung des Ministers am 4. Juli zu der ersten Sitzung im ReichsmiNisterrum für Ernährung und Landwirtschaft zu­sammen. -vSm Namen des Ministers, der an der Teilnahme verhindert war bsgrüßte Ministerialdirktor Dr. Hoff- S "u n die Erschienenen. Die außerordentlich schwierigen Verhältnisse, worin stch Deutschland auf viele Jahre hinaus befinde, machten die Regelung neuer Wege auch auf,dem Gebiete der Volksernährung irotwendig. Sämtliche Forscher begrüßten die Ansicht des Reichsernährungsministers aufs lebafteste und stellten sich zur Mitarbeit zur Verfügung. Rach eingevender Beratung beschloß der Beirat, stch zunächst den folgenden Ausgaben zuzuwenden:

Die Vrotfrage soll erforscht werden, einmal nach der Richtung der Verbesserung der Herstellung des Brotes zur Erzielims weiteftsehender Ausnutzung durch den mensch­lichen Körper sowie andererseits durch die Hebung des Er­trages an Getreide und anderen Feldfrüchten mittels ratio­neller Züchtung auf wissenschaftlicher Grundlage und syste­matischer Erdanalyse. Zusammenhängend damit soll die Hebung des Ertrages des Bodens dadurch erzielt werden, daß, nachdem die Stickstoffraae gelöst ist. die Phosphor- frage, ^insbesondere die Bedeutung des Phosphors zu- sammenhängend mit dem Stickstoff erforscht wird: der Frage der Deckung des F e t t b e d a r s s der Bevölkerung sollen dienen die wissenschaftlichen llntersuchungen über die Mög­lichkeit der Verwendung von Fettsäuren, die auf chemischem »we aus Kohlenwasserstoffen gewonnen werden, sowie die Forswungen über die Kultur der Sojabohne und der Erd­nuß bezw. ihr Akklimationsverinögen in Deutschland. Der Frage der Ersvarnismöglichkeit bisher unrationell verteilter Rohstoffe sollen stch Untersuchungen zuwenden über die Ausschließung von Stroh, über den chemischen Abbau bornholzartiger Stoffe, über dir Einwirkung der Darm- baktene der Wiederkäuer auf Zellulose u. a. m. Aus er- näbrungsvbystosogiscktem Gebiete sollen besonders gefördert weiden die Studien über Vitamine, über gewisse Mineral­stoffe und Näbrfalze. sowie über d>e Möglichkeit der Ver­meidung von Verlusten an Rahrstoffen bei der Zuberektaug von Lebensmitteln.

Im Aufträge des Ministers konnte MiNisterialdtrettvr Ho fr mann den einzelnen Gelehrten, die zur Erforschung der ausgkfichrten Fragen sich bereit erklärten, finan­zielle Beihilfen, wenn auch nur in bescheidener Höhe, aus einem dem Reichsministerinm für Ernährung und der Landwirtschaft zur Verfügung stehenden Fonds überweisen. Der Lösung mit Hilfe der Wissenschaft barren außerordent- lich umfangreiche und wirtschaftlich wichtige Fragen der Vclksernährung. Daß sich die Wissenschaft mit größter Be­reitwilligkeit in den Dienst dieser Aufgaben der Volkser- nährung stellt, bedarf dankbarer Anerkennung.

Der ReichsverSand der Presse «n den Reichskanzler.

Dz. Berlin,^ 7. Juli. Auf das Begrüßungstele­gramm. das der Reichskanzler an den Delegiertentag des Reichsverbandes der deutschen Presse in Hamchurg richtete, sandte der erste Vorsitzende des Reichsverbandes R i v v l e r ein Antworttelearamm an den Reichskanzler, in welchem es heißt:

„Der Delegiertentaa des Reichsverbandes der deutschen Presse beauftragte mich, sehr ergebeitst für die freundlichen Worte zu danken, die Sie an ihn richteten. Wir hegen die Überzeugung, daß die Arbeit, die wir zur Wahrung und Förderung der geistigen Unabhängig­keit der deutschen Preffe zu leisten bestrebt sind, nicht nur unserem Stande, sondern der Gesamtheit unseres Volkes dienen mutz, das die Freiheit der Presse als hohes Kulturgut einfchätzt."

Die russische Mobilmachung am 30. Juli 1914.

W. T.-B. Berlin, 7. Juli. Von russisch-französi­scher Seite wird neuerdings behauptet, der WelÄrieg und die ihn entfesselnde russische allgemeine Mobil­mach u n g sei am 30. Juli 1914 durch die FaNchmeldung des ..Lokalanzeigers" über die deutsche Mobilmachung verur­sacht worden, da das die Falschmeldung widerrufende Tele­gramm des russischen Botschafters absichtlich mit großer Ver­spätung von Berlin abbefördert wurde. Wie jedoch schon während des Kriegs einwandfrei feftgestellt worden ist. wur­den am 30. Juli 1914 nicht nur ein«, sondern zwei Depe­schen der russischen Botlchafft mit Widerruf ohne Ver­zögerung nach Rußland weitergegehen, eine offen« um 5 Uhr 27 Min. nachmittags und eine chiffrierte, die von amtlicher ruMcher Seite 10 Minuten später veröffentlicht wurde. Die ruffisch-ifranzösiche Unterstellung Ut ebenso unwahr wie abmrd: denn die Absicht einer Verbeimlichuna des Wider­rufs hätte erfordert, sämtliche Chiffredeveschen nach Rußland anzuhalten, da man doch nicht wissen konnte, welche den Widerruf enthielt.

Die Kohlenförderung im Ruhrgebiet im Juni.

Dz, vssen, 8. Juli, über die

im Juni wird mitgeteiltRach den, vorläufigen täglichen

Förderung den vorlär

im Ruhrgebiet

Anschreibungen ist die Förderung im Ruhrbecken, einschließl. der linksrhemischen Zechen, auf 7.5 Millionen Tonnen in 25K Arbeitstagen zu veranschlagen. Im Mai belief stch die Förderung auf 9.65 Millionen Tonnen in 23li Arbeits­tagen. Die arbeitstäglich« Förderung wird stch mit rund 297 276 Tonnen vorausstchtlrch ungefähr auf der gleicheu böbt hakten mk im Mai ML 123 Tonne»).