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Mittwoch, 29. Juni 1921.
Morgen-Ausgabe.
Nr. 295. ♦ 69. Jahrgang.
Der neue Orienikrleg.
„ Eveifen von Versailles haben geglaubt. durch 8»***®, der Weitverhältnisse den Frieden l r eS Uber ihre Friedensverträge sind Papier' die Tatsachen spotten solcher Konstruktionen. Wie sehr gegenwärtig noch die Weltkugel nur einem vernarbten Krater gleicht, aus dem zu jeder Stunde erneut die flammen emporschlagen können, lehrt ein Dück auf den nahen Orient. Dort ist der Friedcns- zustand überhaupt noch nicht Tatsache geworden. Die Wurzeln der türkischen Kraft lagen von jeher nicht in Europa und nicht an den Dardanellen und in Konstnn- trnopel. Das alles waren vielmehr nnr Außenposten, ^ ?"s^egründen jahrelang von den jeweiligen Machthabern am Bosporus überschätzt wurden. Die eigentliche Türkei ist das Kernland von Kleinasien. Vier stnd die Osmanen in der überragenden Mehrzahl, und nur die Westküste Kleinasiens weist einen starken griechischen Einschlag auf. Bald nach dem Friedensschluß stand eine neue Türkei da, die sich mit dem Eibe m Angora eine eigene Regierung gab. Es war ihr gelungen, den Kern der türkischen Truppen dorthin zu retten. Er wurde sehr bald reorganisiert und durch Neuaushebungen auf den Stand einer schlagkräftigen Armee gebracht. Der Führer der Angora-Regierung Kemal-Pascha war in der Wahl seiner Mittel äußerst skrupellos. Heute bekämpste er die Franzosen, morgen die Engländer, ganz offen vollzog er den Anschluß an die Räteregierung in Moskau und gewann so gegenüber den Engländern eine nicht ungeführlicl-e Machtposition.
Durch kluges Verhandeln hat Lloyd George versucht, die Gefahr für Indien zu bannen. Er ließ sich monate- bolschewikischen Handelsdelegierten ^raffln ayf der Nase herumtanzen. Schließlich führte das Interesse Sowjetrußlands an Handelsverbindungen mit Westeuropa und das englische Verlangen nach Rühe m Asien zu einem Vertrag. Aber niemand kann wissen, wann es den Bolschewiken gefällt, wieder einmal andere Saiten anzuschlagen. Wenn das innere Bedürfnis nach einem Ablenkungskrieg auskommt, ist den Herren in Moskau das Hemd der Selbstbehauptung näher als der Rock des britischen Handelsvertrags. Darum hat man von Moskau aus die Beziehungen zn Angora, Persien und Afghanistan von jeher und für alle Fälle liebevoll gepflegt. England hat darum Bedacht darauf genommen, sich auch von der anderen Seite her zu sichern. Die Loslösung der Türkei und eine Verständi- gnng mit ihr war das Programm, das in zielbewußter zäher Arbeit von Downingstreet aus verfolgt wurde.
Als dieses Ziel nur dadurch zu erreicheir war, daß der Friedensvertrag von Sövres umgestoßen werden mußte, hat England diese Konsequenz in keiner Weise gescheut. Lord Curzon fuhr nach Paris und entwickelte dort sein Programm. In Frankreich war man zunächst entsetzt, da man möglichst an keinem der Verträge rütteln lassen möchte. Aber schließlich erklärte man das Einverständnis zu einer Vermittelungsaktion, die freilich starke Konzessionen an die Türkei zur Voraussetzung hatte.
In Griechenland befindet man sich in einer schwierigen Situation. Die Entente hat im Vertrag von Sövres Smyrna undThrazien denEriechen zugesprochen. Der Traum von Groß-Eriechenland war schon erfüllt, er soll nun plötzlich entschwinden. Das vermag eine Regierung schwer zu ertragen, die die nationale Stimmung so außerordentlich erregt hat und die namentlich nach der Rückberufung König Konstantins außenpolitische Niederlagen doppelt scheut. Die griech-sche Regierung hat darum zwar verklausuliert, aber doch hinreichend deutlich die Vermittlung der Alliierten abgelehnt. Die griechische Presse erkennt offen an, daß die Negierung gezwungen sei. „der nationalen Strömung zu folgen", und so will man erneut gegen die Kema- listen losschlagen. Wohl aber ist den Männern der Regierung Gunaris bei solchen Plänen nicht. Sie sind jedoch die Gefangenen ihrer Nationalisten und der Armee.
Inzwischen verlautet, daß sich die Entente mit den Angora-Leuten verständigen und Griechenland seinem Schicksal überlasten will. Eine amerikanische' Meldung berichtet allerlei Bedingungen, die bereits so gut wie angenommen sein sollen. Es ist möglich, daß diese Verständigung zustande kommt und Griechenland die Kost m zu tragen hat. Andererseits versucht aber die Angora- Regierung auch zu einer direkten Verständigung mst Griechenland zu kommen. Sie unterläßt freilich ebensowenig wie di« Griechen die weiteren Rüstungsmaßnahmen. Izmed-Pascha soll zum Oberbefehlshaber der ksmaliitischen Streitmächte in Kleinanen cr- nannt worden sein und gleichzeitig hat man drei weitere Jabresklasten mobil gemacht. „ , .
Die Regierung von Angora denkt offenbar nicht daran, nun etwa die Verbindung mit Moskau auizn-
geben. Wenn es vielleicht auch nur griechische Tendenz Meldungen sind, daß Tschitscherin, der bolschewikische Außenminister, in Angora erwartet werde, um dort mit persischen Delegierten sowie mit der Regierung von Angora zu verhandeln, so wird doch auch von anderer Seite gemeldet, daß das Bündnis zwischen Angora, Afghanistan, Persien und Moskau kein leerer Wahn ist.
«?emps" berichtet aus Teheran, der persische «chah yabe das Parlament eröffnet und in der Thron- rsde mitgeteilt, der Vertrag mit England sei gekündigt und Verträge mit Afghanistan und Sowjet-Rußland l?.. abgeschlossen werden. Wenn also auch eine Verständigung zwischen der Entente und der Angora-Regierung erfolgt, so bleibt doch ein starker Druck auf England bestehen. Die Frage ist nur, ob man sich zu- iiachjt damit begnügen wird, die Griechen aus Kleinasien zu vertreiben!
Die griechische Ablehnung einer Vermittlung.
27 1 3llt U' r -Times" meldet aus A t ü e n. die hfif Ä Unterschied der Partei billige und tube die ablehnende Haltung der griechischen Rcgie- nri-ckiÄ, derVermittlung der Alliierten in dem
die Konflikt. In einem Leitartikel schreibt
lotth x Antwort Griechenlands befreie Eng -
die Krie-Ln r e d e r m o r a l is ch e n Verpflichtung. Vernntm^.n" Unterstützen. komme, was kommen mag. Die
wnd Nn« ÄkÄinnI b L e t Ät ^® ST0 ls«. n ruhe jetzt auf.Eriechen- ianv. das beschlossen habe, den Krieg fortzusetzen.
5 x uni - l.Hav.as.) Reuter veröffentlicht xi*?x 0 *l n> ° t cn .denen die eine den französischen, nnb *2 e jd-a britischen Standpunkt über die n™ ?et * lfcIien ■ ^atwort auf das Vermittelungs-
M§ot der Alliierten wledergrüt. Danach gebt die fran- ^ ^ -liümssung daknn, daß die Alliierten ihre Besp--echun- f£mJl^ C x Cn um entweder zu einem Entschluß vi
kommen, der Griechenland die volle Verant-
ku " g für seine Entscheidung überläßt. _. u .„
Maßnahmen zwecks Herbeiführung des Friedens im Orient
oder aber um
g s 'o- Tw »rieoens NN Orient
er S r' a |.! e Lage in Angora ungewiß sei. würden
n».r Ur verständiger halten, mit den Kema- feiM» 1 lÄ 1 "' folans« die Griechen noch in Smyrna die Lao?°niÄ Griechen siegreich sein, so würde
schwierig sein. Frankreich und Italien -E>and vorgeben und Griechenland auf sam mS eKn ^ n SoIßen seiner Handlungsweise aufmerk-
/ualischen Kreise seren de: Auffastung. daß die Alliierten m Kurze eine neue Gelegenheit finden wurden, ihr Vermittlungsanerbieten zu er- tt.uern, mit einem unientsü)ied'enen AussanI
; oiiuft ilch-turkischen Kämvfe gerechnet werden könne und ^-E'ih nur die völlige Erschövmng Griechenland dazu bnb f- T *' Lufzugeben. Dazu komme noch,
daß die Griechen selbst im Falle eines Sieges ihre Stellun- fuht ® urbcn A?eii können und daß überhauot die Aus-
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Der Orient-Dreibund.
w. D-8 London. 28. Juni. Wie die ..Morning Voll" aus Konstantinopel meldet, wurde di» erste offizielle wr n ?? ? ^er der ersten, afghanischen <5 esand t- schast in der Türkei in Angora gehißt Anwesend bolschewikische Delegierte und das gesamte Kabinett
ir Hrtpr f m^x aW P bißte selbst die Flagge. Er hob
A„bin„x xdre Bedeutung des Dreibundes zwischen X der Türkei und Afghan istan gegen die b^evar und versprach, seinen eigenen Gesandten dEMackst nach Kabul zu schicken. Mustafa Kemal Pascha sEets die Türkei zur Führerin ge- I^n dem Augenblick, wo die Imperialisten des Westens jn"’ «lw-^ e,te der Türkei zu stehlen und die islamitische Zerstören, werd- das turkisch-russisch-afghanische senugen. um die Pläne derjenigen, die ihre Rechte "Mir^sind N?n Kemal Pascha erklärte weiter'
Äsbk so stark wie die Westmäcktc und r??igiüi"?n^sbEoerteidigung. wir haben jedoch einen hÄnnVeffw Glauben, durch den wir unsere llnab- x 0I i V gewinnen werden. Das Bündnis mit Ruß- erweisen^" ^ vielleicht als Retter aller Völker des Orients
Der Kongreß dep internationalen Handelskammern.
d-- ^'..?ondon.^ 27. Juni. Heute wurde die erste Sitzung k!ten° n Ie w öer tnlernntionnlen Handelskammern abge-
0 x^^e m der 21 i'f a 1 1 o n e n vertreten waren Der chmmllin^ ^ eine Ansprache, in der er sagte, die Ver- -utro^opn^dns x" beionderer Weise geeignet, dazu bei-
doh hem Handel aus der gegenwärtigen Verwir- m berausgeholfen werde. Besonders sei die Teilnahme der Vereinigten vtuaten zu begrüben. Es habe keinen Sinn kÄsfl NaUonen mit einem Bannfluch zu belegen. Db> vntische Regierung werde alles tun. um dem Kongreß bei iemen Beratungen behilflich zu s-in. Der Präsident der Standard Oil Eomoano. B e d f o r d. erklärte die amcrika- 8 wiinschpn lebhaft. am Wiederau kba u
1 t nach beiten Kräften mrtzuarbeiten. Es sei aber ro-wrndlg. daß di? einzelnen Regl-rungen den unproduktiven Maßnahmen ieoer Art ein Ende letzten. Die aanzc Menick- beu verlange die Einschränkung der Rüstungen männn! A^wirklichung. dieses Ideals müßten alle Staats- ualen Hand.^^ Mitwirken Der Präsident der internatio- naien Handelskammern. Elemente!, sagte dieieniaen
^ zoblen. e Kriegsschaden verursacht hätten, müßten sie auch
Die ÄLutsch-franzofischen Reparations- v rhandlungen.
v Paris, 28. Juni. (Eig. Drahtbericht.) Die Pariser -te e s p r e ch u n g e n zwischen den deutschen Vertretern und mm ^Delegierten der sranzösischen Regierung über das Wieder!,e.stellungsvroblem (Fortsetzung der Wiesbaden'! -^esprechungen-oeginnen auch heute (Dienstag) noch nicht. > ^ WlWer eine weitere Verzögerung eingetreten. Die deutschen Vertreter, die gestern noch nicht eingetroffen waren, wuen heute abend in Paris ankommen und zwar hat Dr. Na t h e n a u selber um diese Verschiebung nachgeücht. Heute Dienstag finden zwei große Sitzungen des französischen Kabinetts statt. Am Vormittag wird ein Minifterrat unter rem Vcisttz des Präsidenten der Republik abgeh rlteu wer- «en, bei dem bet Wiederaufbauminister Lauchen: wabr- ,chrinlich sein Wiederaufbauprogramm entwickelt. Um 12 Uhr iindet e:ne. Sitzung des sogenannten Obersten .Rates der Landesverteldiming statt, ebenfalls unter dem Vorsitz Ai i l l e r a n d s. An dieser Sitzung nehmen teil Brians, rer Krregsminiiter, der Finanzminister, der Marineminister. »r? ^osonialmjnistcr. der Minister des Innern sowie die Mersch alle von Frankreich und der Eeneralstrbsches Duat und die drei Unterstaatschcfs der französischen Armee. Der u r 11 .vor Beratungen des Landesverteidigungsaus- schvsies ist ein Koiislikt zwischen dem Kriegsminister Bartbou uns rem Flnanzminister Doumer über die Armeekredite für das ^»ahr 1921. Der Flnanzminister hat Sem von Bartbou verlangten Kredit für die französisch>en Garnisonen r^rTi^'x^kLfnd :n Oberschlesien Abstriche von über einer Milliarde Franken gemacht und da auch der Eeneralstab stch mit diesen Abstrichen Nicht einverstanden erklärte, muß rer Landcsverte'dlgungsausschuß darüber entscheiden, ob Krediie erhalten bleiben sollen, oder nicht. Die Sitzung beznbt sich, al,o auf eine Frage, dre die ganze auswärtig« Reglerungsvolitik berührt.
Der Verkauf deutscher Schiffe in Enzlaud.
rr? r London. 28. Juni. Im Unterhaus fragte Etr ?^xr-? ^ die Politik der Regierung, frühere
., b .li der britischen Regierung zugeteilt britische oder allnerte Staatsangehörige zu veiknufen, aufgegeben und. wenn ia. welche neue Politik M/nommen worden sei. Er fragte ferner, ob vor dem Ber- 10 früheren deut chen Schiffen, die kürzlich an verkauft worden seien, irgendwelche Versuche w m^cht worden seien. Re an alliierte oder neutrale Süiats- angchorla« zu verkaufen und ob beabsichtigt ''ei. noch andere L»ö°re deutsche Schiffe an Deutsche zn verkaufen - S!r Tbomson erwiderte, dre Umstande, unter denen derVrr- lnkarnt" ^0 deutschen Schiffen stattgefunden habe, seien wohl
Ein Abkommen über die Entschließungen Knor und Porter.
«^“^inston, 28. Juni. Einer Reutermeldung zu- ^^l^^laren die r e p u b l i k a n i s ch e n Führer es sei
Litt Äö^OlttttlLtt m ~ 1
• r w v v J *- 1 v u ^ i? m 11 & e u i ai i a n a UNO
nnmen e i^.c r5 r^ wvrüenl ste sehen vor. daß dieses Abkommen tt “" 5 Z°?.§enats und des Repräsentantenhauses bei einer Üattfindenden Konferenz von Vertretern oer beiden Häuter formell angenommen werde.
Die Abrüftungsfrage.
^uni Am 16. Juli tritt in Par-S die ar l e r der gemischten Kommission zum Studium der
Ävrustungsirage zusammen, die auf Grund des Be- wurdi^s ätzten Völkerbundsversammlung geschaffen
Korsantys unehrliche Absichten.
..Die Vertreter des oberschle- ^X ^Berg- uno Hüttenwesens in Gleiwitz Lud Sindenbürg sandten*an Lloyd George und
in dem es heißt: Zuverlässig
nur. daß die interalliierte Kommission mit Kor !! ^ ? V^r die Räumung des Industriegebietes verhandel Rach unseren Informationen bestebt kein Zweifel, daß die! Verhandlungen von Korfanty in unehrlicher Absich »erden. Trotz Korfantys Zusagen, das Industrie Lob^ zu raum-n. hat er die feste Absicht, sein gesamte tenal an der volmschen Grenze in Sicherheit z Md seine militärischen Oraaniiationen in ver schleierter Form als Ortswehren aufrechtzuerhalten I tenftetlen wird bereits von einem vierten Aus itand gesprochen. Es bestebt auch die Absicht durch Bei ;w er r n i ö x5 Räumung Amnestie für die Insurgenten uni är;x^x?”n a L e! ’ x* u "zwingen. Wir fordern dringend enl Ur??x-"^x^ "x""d>n^v zur schnellen Niederwerfung des Auf tt°nd -, der das oberichlestsche Wirtschaftsleben vernichtet
L-LKL'L'Lr?'" >" °* mto
Die Folgen des Ausbleibens der oberfchkestschen Kohlen
Dz Berlin. 28. Juni. Wie den Berliner Morgmblätter, sichtet wird, fuhrt die Fortdauer des Ausbleibens de Kohlenzufubr aus Oberschtesten allgemein zu einer v ö l l i gen Entblößung Deutschlands von irgendwelchei ^ 0 ?lt2 re -fc?£ M v.„^m e Gasanstalten im Reich können nur mi durchschnittlich 60 Wozent ihres eingeschränkten Koutingentz beliefert werden. Die Elektrizitätswerke haben Abschaltun M UL!!.Industrien sowie Streckensverren vornehmen Nlüssen Die Rücklagen sind zum Teil schon angegriff-.n oder soaai Won aufgebiaucht. Auch die K o h l e n b e st ä u d e d e i Elsenbahnen .sind erheblich zurückgegangen Desgleichen macht nch ein starker Mangel an Brrunkoble be^ MsxE--Hamburg liegen infolgedessen über fünfzik Kabne fest, die mit Getreide und Lebensmitteln für Berlin und Schleliri:, bestimmt sind. Ebenso liegen in Breslau Oderberg Furstenber«. Berlin. Spandau. Havelberg uno ^^ndenburg zahlreiche Schlevvzüge fest, besonders mit Le-
