»
nt. m. zmimä), 22. Isnr 192t
Mesdadener TagtzlE
der Steuer frei. während arider«, di« kein Rechtsmittel eingelegt hatten oder abgswiesen worden waren, die gleiche Steuer bezahlen muhten. Auch diese Unbilligkeit soll beseitigt werden. Was die Abänderung des Kreis- und Pro- Vinzialabsabengesetzes anlangt, so ist hier vor allen Dingen hervorzuheben, dah die Landkreise berechtigt werden sollen, ähnlich wie die Gemeinden indirekte Steuern zu erbeben, jedoch nur unter Berücksichtigung eines billigen Ausgleichs zw> chen ihren eigenen Bedürfnissen und denen der kreisangehörigen Gemeinden.
— Preisermäßigung für Honig. Wie aus Halle gemeldet tftird beschlob eine in Oßmannstedt in Thüringen abgehaltene Jmkertagung, beschickt von Bienenzüchtern aus allen Teilen des Reichs, einen Preisabbau und setzte den Höchstpreis für Honig auf 15 M. pro Pfund für ganz Deutschland fest. Es wurde betont, daß sich die Honigvreise seit Mcnschengedenken dein Butterpreis anpassen. Man hofft, da« die Landwirt« mit dem Butterpreis den Imkern folgen werden. — Der Verbraucher hofft, dah auch die Imker diesem Beschluh folgen werden.
— Von den Wohnuugsoerhältnissen der Großfamilieu.
Vor einiger Zeit hat bekanntlich eine Wohnungszählung stattgefunden. die sich aus sämtliche Gemeinden erstreckte, die nach der Zählung von Dezember 1917 mehr wie 5C0Ö Einwohner umfaßten. In Preußen wurden aus besonderen Gründen diese Erhebungen zugleich auch aus 1302 Gemeinden mit einer Einwohnerzahl von unter 5000, U. a. weil die Gemeinden industriellen oder Vorortcharakter hatten, ausgedehnt. Gelegentlich dieser Wohnungszählung find auch dt« Wohnverhältnisse der Grohfamilien. so weit st« stch auf die Zahl der Wohnzimmer beziehen, ermittelt worden, und M- Sösichts der sehr alten Klagen, dah gerade di« Grohsamilren unter der Herrschaft unleidlichster Wobn-verhültniss« ständen, dürfte es von erheblichstem Interesse sein, hier für den höchsten in der Zählung besonders behandelten Einheitstyv der Grohfamilie, und Mar die achKövfige Familie, die näheren Ziffern kennen zu lernen. Mit nicht mehr als bis zu einem Wolmraum. — neben Küche, wo eine solche vorhanden war. muhten stch im Regierungsbezirk Königsberg 14.0 v. S.. Dan- <jia 16.4 v. H.. Gumbinnen 17,5 v. H.. Breslau 17.5 v. H. Schleswig 19,8 v. H.. Marienwerder 20.0 v. H.. Allenstein 27,6 v. H. und Oppeln 39.5 v. H. aller achtkopfigen Familien begnügen, während in den westlichen Regierungsbezirken stch für die achtkopfigen Familien folgende Sätze ergeben: Hannover 0.1. Hildcsbeim 0.1, Lüneburg 0.2. Stabe 0.3. Osnabrück 2.3. Aurich 5.4. Münster 1,03. Minden 0.4 Arnsberg 2.32. Koste! 0.8. Wiesbaden 0.43. Koblenz 0.4. Düsseldorf 0.53. Köln 2.54. Trier 1.34 und Aachen 1.43 v. H.
— Häuserreparaturen. Eine Erscheinung, die sehr an die Friedenszeit erinnert, tritt erfreulicherweise wieder zutage. In zahlreichen Straßen der Stadt steht man wieder Baugerüste erstehen und Tüncher und Maler bei der Arbeit. Der Polizeipräsident macht im Hinblick hierauf aufmerksam, daß diese Baustellen des Nachts beleuchtet fein müsten.
— Aussetzung auch längerer Freiheitsstrafe«. Die Vollstreckung von Freiheitsstrafen kann bekanntlich unter Bestimmung einer Bewährungsfrist ausgeletzt und die aus- grietrten Freiheitsstrafen nach Ablaikf der Bewährungsfrist erlassen werden. Dixs gilt auch für Geldstrafen, zu deren Ersatz die Freiheitsstcosen festgesetzt stnd. Diese Vergünsti-
f m« ist jetzt auf Fälle ausgedehnt worden, in denen die reiheitsstras« mehr als 6 Monate beträgt. Es darf aber uni ein Teil der Strafe mit nicht mehr als 6 Monaten aus- gesetzt werden. Hierzu stnd ein« Reihe von näheren Bestimmungen ergangen. Erscheint nach der Art der Straftat oder den sonstigen Umständen die Aussetzung der ganzen Strafe als eine zu große Vergünstigung, so kann besonder» bei Freiheitsstrafen von längerer Dauer di« Vollstreckung eines Teils der Strafe ausgesetzt werden. Es muß aber dann ein günftt- . «er Einfluh auf den Verurteilten erhofft werden und zu erwarten lein, dah der Verurteilte stch in Zukunft straffrei führen wird. Die Vergünstigung kann auch bewilligt werden, wenn die Verfehlung nicht durch Leichtsinn. Unerfaürenheit. Verführung oder Rot veranlaßt ist. Bei der Bewilligung der bedingten Strafaussetzung kann dem Verurteilten die Zahlung einer Eeldbuhe auferlegt werden. Die Ausstcht auf den Cnadenerweis kann auch durch gute Führung während der Strafverbüßung erworben werden.
— Tarifvertrag für Post- und TelegraphenarLetter. Nack, längeren Verhandlungen ist am 15. Juni zwilchen dem Re ichsv ostm in ister ium. dem T eu ft chen Verkehrsbund. der Deut'chen Postgewerkschaft und dem Verband des Bayerischen Post- und Telegrcvpheuversonals ein neuer Tarifvertrag für die Arbeiter im Bereich der Reichsvost- und Telegra- »henverwaltuns abgeschlossen worden, der am 1. Juli in Kraft tritt.
— Der Ankauf von Esld für das Reich durch die Reichsbank und die Post erfolgt vom 20. bis 26. Juni zu denselben Preisen wie in der Vorwoche, nämlich 280 M. für ein Zwan- »igmarkstück und 140 M. für ein Zehnmarkstück. Für 1 Kilogramm Feingold zahlt die Reichsbank 40 000 M.: für dir ausländischen Goldmünzen entsprechende Preise.
Msrgen-AusgaSe. Erstes Matt. Seit» 3.
■— Russen-Kolonie. Die Zabl der Rüsten ist hier verhältnismäßig sehr beträchtlich, was hauptsächlich aus der Zeit des Ausbruchs der ruMck^n Revolution datiert. Jetzt haben sie sich zufammenseschlossen und sich im Vereisisregister unter dem Namen „Verband russischer Staatsbürger. Sitz Wiesbaden , eingetragen.
— Papiergeld als Verbreiter der Krätze. Aus Frankfurt a. M. wird uns berichtet: Die Zunahme der Krätze- erkrankungen führt man auf das überaus schmutzige Pavter- geld zurück, weshalb es fick emvfiehlt, mehrmals am Tage die Hände mit einer desinfizierenden Flüssigkeit zu reinigen. In der biestgen Krätzestation am Schwimmbad werden täglich über 30 Erkrankte behandelt. Eine Erweiterung der Anstalt ist bereits beschlossen, die Kosten belaufen sich auf 300 000 M.
— Postverkehr mit Kolonien. Demnächst werden von den Postanstalien wieder gewöhnliche Postfrachtstücke bis 20 Kilogramm und solche mit Wertangabe nach Angola. Bel- «tsch-Kon«o. Dohomev. Ekfenbeinküste. Fraxzesi'ch-Aauato- rial-Afrika. Französtsch-Guinea. Gambia, Eoldkuste, Kame- run, Liberia. Mosambik, Nigeria, Portuziesisch-Guiuea. St. Thomas und Principe. Senegal. Sierra Leone. Spanische Niederlassungen im Busen von Guinea und Togo angenommen. Die Seebesörderunq dieser PoWräcbtstücke erfolgt ad Hamburg mit deutschen Schiffen. Das Nähere ist bei den Postanstalien zu erfahren.
— Tin ftn-ftgewerbllches Preisnnsfchrelben wird foeSsn von 95iiltt. Landesgrwerbcmufeum in Stuttgart »eranftoli«!. Es handelt sich um Entwürfe zu einem Kaffee- und Tecftrvlce für die bekannte Wllrttem- bergifche Metallwarenfabrik Deislingen-St &s stehen Preise im Gesamtbeträge von 84 VM M. zur Beefügnng, darunter der erste Preis mit 20 000 Mark, also Betrüg;, die bisher bei großen architektonisch«» Aufgaben üblich waren, aber im Kunstgewsrbe noch niemals solche Hohe erreichten.
— Deutschnniionnle Bolkspartei. Am Freitag, den 24. Jttnl. abends 8 Uhr, findet in der Aula des Lyzeums 1 fa« Schlotzpfatz) die d!es- jührige Mitgliederhauptversammknng statt. Dabei werden Berichte erstattet über da« 'Bereinsjahr 1828, über dis Tätigkeit der Partei im Komimkuallandtag und über die innerpolitifche Lage.
Wiesbadener Vergnüg««gsvLhnen und Lichts-teks.
— Da« Monopol-Theater bringt bis einfchl. Freitag das große Filmspiel „Tenfelchen" mit Hilde Wörner und Paul R-hkopf in den Hauptrollen. Ein Saftiges, gutes Drama sowie das überaus fidels Wolfram- Kießllch-Li.stfplcl „Cd« Eo." vervollständigen den Spielplan.
* Walhalla-Lichtspiele. Der neue Spielplan gelangt ab beute zur Vor
führung. Ein neuer Marlmfllm: „Die Roche einer Frau" mit Vera Caraky vom ehem. kaiserlichen Theater rn Moskau. In der männlichen Hauptrolle Boris Michailow. „Frau Ilses Hosen", Lustspiel in 3 Akten, ergänzt den sehenswerten Spielpian. ^
N«s dem BssefuskeLen. '
* DI« „Frauen-Eruppe des Gewerkschaftsbundes der Angestellten" veranstaltet am Donnerstro, den 23, Juni, abends 7$ Uhr, auf der „Neuen Adolsoböbe" einen gemütlichen Abend linier Mitwirkung der Müdchenarnppe der Iugendableiluna. Unterhaltende Darbietungen und Tombola versprechen einige anregende Stunden,
Aus Provinz und Nachbarschaft.
Einbruch in die Hosheimer Bergkgpclle.
ms. Kosheim (Tannns), 28. Juni. In der Rachi zum »ergangenen Samstag wurde in di« bekannte Marienknpelle bei Hofhelm, zu der alljährlich Zehntausend- walUnhren. eingebr-ch-n. Durch Anshebcn der linken Türfüllung drangen die Räuber ins Innere der Kapelle. Auster Mardecken und Einrichtungsgegenständen ist ihnen aber nichts in die Krnde gefallen, da die wertvollen Kultusgegrnstände stets nach Gebrauch sofort in Sicherheit gebracht werden.
Ein Raubmord.
»re. vfsenbnch M., 20. Juni. Heute vormittag fand mau Im Biederer Wald die Leiche eines vollständig nnbekleideten Mannes mit mehreren Sttchwunden im Unterleib. Näheres über die Persönlichkeit des Ermordeten konnte noch nicht in Erfahrung gebracht werden. Die Untersuchung ist im Gange.
Sport.
* »jährige. Jubelfest »es Turuverein». Der ätteste Verein der Wiesbadener Turnerschast, der „Turnverein Wiesbaden", gegr. 1348, feiert am 2L. und 28. Juni den Tag 'eines ILjahrigen Bestehens. Der nur für geladene Gäste und Verrinsmitglieder bestimmten Vorfeier am Samstagabend folgt am Nachmittag des Sonntags, 28. Juni, ein großes Schauturnen auf dem Sportplätze an per Frankfurter Straße des mit dem Turnverein Wiesbaden in Interestengemeinschaft stehenden Sport- dercins Wiesbaden Uber 388 Mitglieder des Turnvereins werden sich an der groß angelegten Veranstaltung beteiligen und der Wiesbadener Bevölkerung «in getreues Bild turnerischen Schaifens und Könnens geben.
* Run» um Rheinheste». Über das bereits kurz mitgsteilte Ergebnis der Radfernsahit „Rnnd um Rhetnhesten" wird uns noch folgendes geschrieben! Die gefahrenen Zeiten stnd in Anbetracht der Ctrahenverhält- ntst» und des schon sehr früh einsetzenden starken Gegenwindes als nur sehr vorzüglich zu bezeichnen. Die 14L Kilometer lange Streike wurde von Lem Sieger Willi Stroh-Frankfurt, der kurz nach 12 Uhr da« Zielband ftenzte, in 8 Sib. 18 Min, 3« Sek. bewältigt. Es folgten in knappen Abständen Engau, Hohe, Schwarz, Ranis, P. Schmidt (Wiesbaden), Rippel, Roo», Bndeckar, Letdlein, Nöttelmann, Bette (Wiesbaden), Schneider, Aug. Weiß, Trautes (Wiesbaden), Silftnger, Lipeft, Diesen-
Aus Ärmst und Leben. ■'
* Das 51. T-rikllnstlerf-ü des Allgemeinen deutschen
Ausikvereins in Nürnberg begann mit einer Ablage der de ge ritzen Over: „Ein Fest zu Haderslev". da durch den Generalstreik das technische Personal dl« Arbeit niederlegt«. Jjtcu Berthes Be ipergang". Text und Musik von Max Wolfs, deren Uraufführung stattfand, wandelt dl« Datznen. welche unsere modernen Overnkomvonisten bevorzugen: von Melos keine Spur, diäfluftiger Satz, aus welchem mir das Zwischenspiel besseren Eindruck hinterließ.— Don den großen neuen Orchesterwerksn lind hervorzudeben: „Sinfonie in L-Moll" von Wildelm Peterfen. deren erster Satz besonders rrnfchlug. Di« Sinfonie von Otto Taubmann (Om 31) ver- sprach mehr nach dem ersten Satz, als sie breit- Das Werk ermüdet durch unendliche Breite der Ausführung. Mar Etrrngers „Weisheit des Orients" für Soll, gemischten Chor und Orchester leidet auch durch Längen, besonders in den Zwischenspielen. Es ist ein buntschillerndes orientalisch an- »eliauchtes Gemälde, bei dem Tylophon. Stahlvlattenklavrer. Triangel und Schlagzeug eine groß« Rolle Wielen. Ganz Uders der ..69. Malm" von Heinrich Kamins«, für Tenor- wlo. gemischten Ebor. vierstimmigen Knabrnchor und Orchester. Hier finden wir großzügige Konzeption, wenn die Stimmung auch des öfteren etwas herb anmutet. — Bon der Kammermusik sind zu nennen: Eroin Lendvay: „Flamme, bdnmische Gesänge für sechsstimmigen Mannerchor «cappella und Baritonsolo. Ein sehr gelungenes Opus, das an die Sänger die größten Anforderungen stellt — fem «mosunden ^nd hochmusikalisch. — Das hübsche Rondo von Heinz Drlngs- ßeim mutet fast klafttsch an: eine kürzere straffer« Fassung »«re von Vorteil. In dem ..Bläserquintett" von H. Kawar Schmid lernten wir ein« klangschöne Komvosttion kennen. Hier derrschte frischfröhlische musskalische StimmuiA. welch« tzleich den Zuhörer in ihren Bann schlug. Entschledener Widerspruch wurde einem Streichauartett (E-Dur) von dem Ll-Sbrigen Ernst Kieneck zuteil, das an dre Ohren und Auf- NvtzmcsabMkelt der Hörer unerhörte Anforderumgen stellte. -"Ein Genuß war es hingegen, den Liedern von Mar Trapp »u lauschen. Diese stimmungsvollen, seinmustkalischen Gebilde »rächte Frau Kammersängerin Anna KaMvfert mit ihrer Poßeu Kunst vollendet zu Gehör. Grogen und verdienten Uolg hatte auch di« Cellosonate von Otto Straub, von Pra- Mor Oskar B r ü ckn e r und Professor Franz Ma n nft ad t. «n bedeutenden Wiesbadener Künstlern, mustergültig vor- Pftaven. —Die Festdirtgenten Robert Heger, und August bcharr,,. welktze die Riesenarbeit der Vorbereitung geleitet
hatten, wurden vom Publikum mit Blumen und Kränzen berzlrchst gefeiert. Für die nächstjährige Tonkünstlerversammlung sind Einladunsen cingetroffen von Mannheim. Gera. Düsseldorf. Duisburg und Oldenburg. dl. R.
* Die Schicksale einer Dante-Handschrift. Das herannabend« Dante-Jublläum lenkt di« Auimerksamkeit auch aus die bervorragendsten Dante-Handschristen, in denen sich die frühesten und großartigsten Illustrationen des ewigen Gedichts befinden. Unter diesen Manuskripten zeichnet sich durch ein« besondere Kongenialität der bildlichen Darstellung eine Handschrift der Pariser Nationalbibliotbök aus. der kostbarste Dante-Codex, den Frankreich besttzt. Diese Handschrift, die das Inferno und den Kommentar des Guini forto delli Bargigi enthält, hat merkwürdige Schicksale durchMmacht. von denen Alfred Percire im „Journal des Ddbats" erzählt. Der Codex, der auf 381 Pergamentblöttern geschrieben ist und ursorünglich mit 115 Miniaturen. 68 großen Initialen und zabllosem einzelnen Buchstabenschmuck vebsehen war. ist wohl Eigentum des Herzogs Filivvo Maria von Visconti gewesen, der um 1440 den Humanisten Bargigi mit der Abfassung eines italienischen Kommentars zur Commedia beauftragte. Die Handschrift kan> dann auf irgend eine Weile nach Frankreich. Man kann ihre Eeschichie nur bis zum Jahre 1838 zurückverfolgen. wo sie ein Marseillaiier Schriftsteller Gaston de Flotte entdeckte. Unter einem Haufen von altem Leinen und allerlei Stofsetzen stieß er in der Mansarde eines Schlosses an den Ufern der Dordogne auf die bunten Pergamentblätter, die glücklicherweise nur die Schloßberrtn zuin Pressen ihrer Hauben benutzt hatte. Ebenso gut hätten ja die Kinder sich auch die bunten Bildchen berausschneiden können. Gaston de Flotte erkannte den hohen Wert der „aus- rangierten Prrgamenifetzen" und nahm das Manuskript mit sich, wie er selbst erzählt. ..erfüllt von demselben heiligen Eifer, mit dem Aneas seine Hausgötter aus Troja forttrug." Da er selbst im Jtalienistzen nicht genügend bewandert wgr. so betraute er mit der Herausgabe des Kommentars einen italienischen Flüchtling, der sich damals in Marseille aushielt, des aus Jmola gebürtigen Advokaten Giüievve Zacheront. Dieser veröffentlichte den Kommentar im Jahre 1838. Sein Dank an den Besitzer des Manuskripts bestand aber darin, daß er sich 21 Blatt mit 13 Miniaturen aneignete. Er stellte sich ein eigenes Exemplar der Handschrift der. in das er di« gestohlenen Miniaturen klebte, und vermachte schließlich diele Ausgabe der Bibliothek seiner Vaterstadt Jmola. Hier wurde nun der fehlende Teil der Handschrift und Miniaturen von Lamma entdeckt, und so konnte denn der ganze kostbare Codex 1896 rum erstenmal durch) em« Ausgabe der Ösfentlichleit »u-
bach (Wiesbaden), Nethnizel (Wiesbaden), Weiß, Georg, Bett«», (Wies» baden). Keim (Mainz), Schmitt, Franz, Gun», Schreiner, Reichert, Loeven, Altenbrandt, W-ftenb-rg-r. Die Fahrt war mustergültig organisiert und ist zu einem großen Erfolg de« Radfahrpeceln, Mainz 1888/92 geworden.
Gerichts?««!.
Schwurgericht.
ros. Wiesbaden, 21. Juni. Am zweiten Sitzungstag« »erhandelte dar Schwurgericht auf eins Anklage wegen
Meuterei.
Angeklagt steht der Steindrujer Wilhelm DrüSet. 27 Jahre alt, ledig, aus Köln. 3 Zeuge» und 1 Sachverständiger (Arzt) stnd in der Sachs geladen. Kruber, in Köln gebürtig, hat bis Ende Lktober 1818 im Felde gestanden. Zuletzt wurde er schwer verwundet, wegen Nervenkrankheit endgültig entlasten und war dann zeitweilig hier bei der Feuerwehr tätig. Später verlegte er feinen Wohnsitz nach Obekiahnstein, Während ' setnc» Aufenthalts dortsclbst wurde «in« Anklage wegen versuchten Totschlags wider ihn erhoben. C» erfolgte deshalb seine Verbringung ln Untersuchungshaft, das wider ihn eingeleitste Verfahren aber endete mit einem Freispruch auf Grund eine» Sachverständigen-Gutachirnr, daß er »ach seiner Geistesrerfastung für bie Tat nicht verantwortlich gemacht werde» rönne. Zusammen mit ihm befanden stch IIN hiesigen Gerichtsgesängnir zwei Strafgefangene, Heidt und Füller, welche auch feine Zelle teilten. Von Heidt soll dabei eines Tages der Vvrfchlag gemacht worden sei», nach einem bestimmten Plane zu entweichen. Heidi nämlich sollte in einer an die Gefängnismauer nach scr Moritzstraße zu nngelehnten Baracke aus dort befindlichen Materialien eine Leiter zusammenschlagen,' morgens, in der Zeit, in der die Gefangenen im nnstötzenden Hofe ihre Morgen- Promenade machten, falle er an die Tür der Baracke klopfen, damit ihm geöffnet werde, di« beiden anderen sollten bereit stthenn Grüber sollte dann dem diensttuenden Gefangenenaufseher Sand in die Augen werfen, und alle drei sollten stch dann über die Mauer weg davonmnchen. Dieser Plan gelaugte d-nn auch am 31. August 1814, oocmittag-, zur Ausführung. Alles llappte auf das beste. Die Ausreißer, zum Teil mit falschen Papieren versehen, wandten stch nach Frankfurt, später jedoch gelang es, ihrer wieder habhaft zu «erden. Grübet gibt jetzt die ihm vok- geworfene Sttaftat rückhnlil»« zu; er behauptet nur, von den Mitgefangenen, unter deren Einfluß er vollständig gestunden habe, überredet worden zu fein. Man habe so lange auf Ihn eingeledet, bis er sich bereit erklärt habe, mitpimachrn. Um rzanz stcher zu gehen, bube man in der gemeinsamen Zell« für den Ausbruch geprobt. Wenn behaigitet werde, daß er auch weiter gewalttätig gegen den beteiligten Aufseher geworden sei, so bestreite er das aus das entschiedenftei möglich allerdings sei, daß der Ausseher ihn festzuhnlten versucht und dah er (Grüber) ihn abgewehrt habe. Die Eeschworenen sprachen Grüber der Mruier-i schuldig; und das Gericht nahm ihn in die geringste gesetzlich zulässige Straft von einem Jahr Zuchthaus. — Erwähnt mag noch sein, daß' 3 andere Gefangene die sich bietende Gelegenheit, die Gefänigsmauern hinter stch zu bekommen, ebenfalls benutzt hatten.
*
Fc. Autodiebstahl. Zn einer hiesigen ofsenen Garage sah der Feinmechaniker Heinrich Schulz eines Tages ein Auto steh in. Schnell kurbelte er den Wagen an und sprang mit seinem Schwager Carle aus Frank- fittt, der von der Polizei gesucht wurde, darauf und l-S ging die Fahrt nach Niedernhausen. Hier gab es eine Panne, woraus die beiden das Auto schleunigst verließen und flüchteten, doch bald wurden st« sestgestellt. Wegen Diebstahl erhielt Schulz von der Strafkammer 3 Monate Gefängnis.
Fa. Kuppelei. Der 23jährige Taglöhner Franz He,er aus Flörsheim erhielt wegen Kuppelei von der Strafkammer eine Eefängnisstrafs von 8 Monaten.
Fe. Seine» Arbeitskollegen bestohlen. Weil er einem Arbeitskollegen in Höchst a. M. ein« Brieftasche mit 258 M. Inhalt gestohlen, verhängt« di« Strafkammer über den Arbeiter Advls Bieder an-» Kletn-Stetnheim eine Gefängnisstrafe vvn 3 Mo nuten.
Vermischtes.
* Einstein im Londoner Alltag. Das außerordentliche
Interesse, das das englische Publikum an Einstein und seiner Relativitätstheorie nimmt, bat sich bei seinem jüngsten Besuch in England besonders deutlich gezeigi. Ein amüsantes Bild davon, welche Rolle Einstein im Londoner Alllagsleben spielt, gibt enne Schilderung der „Daily Ne-ws", die wir hier wiedergeoen: „Der Besuch, den Pros. Albert Einstein England abstattet, bat die ganze Gesellschaft in zwei große Klassen geteilt. Die erste besteht aus jenen harmlosen Gemütern. die ganz unschuldig fragend „Was ist denn eigenr- lich die Einstein-Tbeorie?", und die zweite, aus denen, die eifrig beginnen: „Ja. das verhält sich nämlich so,..", and dann plötzlich aufhören. Jeder, der mit oder ohne Grund im Verdacht stebt,> über mathematische und naturwissenschaftliche Kenntnisse zu verfügen, ist in den letzten Tagen von wißbegierigen Bekannten furchtbar gequält worden, weil ste „mit ein paar Worten" wissen wollten, „was denn eigentlich mit Einstein los ist." Die Leute, die wirklich etwas davon verstehen. sind so klug, nichts davon zu sagen. Ein ungefähres Wissen um die Relativitätstheorie aber ist eine gefährlGe Sache, denn es stiftet noch größere Verwirrung in den Geistern an, als schon vorher war. Was gibt es z. V. Rührenderes als der Anblick eines würdigen Herrn, der an einem
Länglich gemacht werden. Die Illustrationen dieser Handschrift sind ganz vom Geist Dantes erfüllt, uud man fühlt; daß der Maler noch in einer Atmosphäre lebte, die den geistigen Zusammenhang mit d>er Zeit der Entstehung des Werkes nicht eingebüßt hatte.
* Zahlen aus dem New Yorker Musikleben. Interessante
Angaben über di« New Yorker Konzert- und Tbeaterver- hältnisse machte gelegentlich seines kürzlichen Wiener Aufenthalts einem Mitarbeiter des „N. W. I." gegenüber der Kapellmeister der New Yorker Metroplitanoper Artur Bodansky. Wir entnehmen leinen Mitteilungen die folgenden Einzelheiten: Die Konzertsaison dauert in New York nicht länger als in den großen europäischen Städten. Aber in den sechs Monaten von November bis Avril batte New York zuletzt nicht weniger als 350 Sinfoniekonzertr. so daß also durchschnittlich jeden Tag zwei Konzerte stattfanden. Die Sinfonieorchester, die zum Teil auch aus näheren und ferneren,Städten gastieren. Haben sehr viel Zuspruch, obwohl sich der Kreis der Liebhaber von Orchestermusik in der Sieben-Millionen-Stadt auf schätzungsweise zweibundertiau- send Meuchen beschränkt. Ungeheuer ist die Arbeit, die di« Metropolitan-Over zu bewältigen bat. Es gibt fast kein« Over, die mehr als fünf- bis sechsmal in der Saison gegeben wird. Wer alle Vorstellungen erzielen volle Häuser, in erster Linie dir Wa«n«r-Opern. von denen in der diesjährigen Saison „Lohengrin" es auf acht Aufführungen brachte. Großen Evfolg batte in gleicher Weife der neu inszenierte „Oberon", für den Bodansky keMt das enalifche Rezitativ geschrieben hatte. Die Ausstattung dieser Overn verschlang nicht weniger als 50 000 Dollar. Tnotz solcher Ausgaben aber — meint Bodansky — seien die Overnolätze in der Metro» volitan-Oper beispielsweise nur — 7.70 Dollar. Hm. 500 Mark für einen Parkettplatz — wirklich sehr billig.
Rkeine ChronH.
Bildende Kunst und Musik. Der Bayreuther Bund veranstaltet am 5. Oktober ein B r u ck n e r s e st. In Verbindung mit dem Brucknerfest wird das Württembergische Landestheater in S t u t t g a r 1 am 9. Oktober Hugo Wolsts „Corregidor" zur Aufführung bringen.
Wissenschaft uud Technik. Nachdem die im Januar in Köln im Gürzenich stattgefundene Erfindungen- und N e u h e i t e n m e f f e einen außerordentlich günstigen Verlauf genommen hat. ist die Veranstaltung zu einer Dauer- einrichtung geworden und wird im Juli d. I. wiederholt.
