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Donnerstag, 12. Mai 1921.

Die Lösung.

Don Dr. Ludwig Saas-Karlsrube. M. d. R.

Vielleicht noch me hat ein Parlament vor einer so schweren Entscheidung gestanden wie der deutsche Reichstag am Dienstag. Er hatte die Frage zu ent- jcheiden, ob das Ultimatum der Entente anzunehrnen oder abzulehnen sei. Wohl jeder einzelne Abgeordnete war sich bewußt, daß diese Entscheidung vielleicht gleich- dedeutend sei mit der über Sein oder Nichtsein des Deutschen Reiches und der deutschen Einheit. Zn Frak- tuinssttzungen. die bis in die späte Nacht hineindauer­ten, wurde das Für und Wider eingehend erörtert. ^iel« gaben zu, daß es ihnen ganz unmöglich sei, eine Antwort zu finden, die sie selbst ganz sicher für die einzig richtige hielten. Ungeheure Gefahren barg jede der ^ 5 .rden Lösungen. Daraus ergibt sich aber auch die Pflicht, die Stellung der einzelnen Parteien und der einzelnen Abgeordneten nachträglich nicht demagogisch und parteitaktisch auszunutzen und die Sache so darzn- jtellen, als ob das stärkere nationale Empfinden die ein« oder andere Lösung nötig gemacht habe. In tief­ster vaterländischer Sorge ist das Problem von allen besprochen worden,' die Entscheidung eines jeden ein­zelnen beruhte auf dieser Sorge um die Zukunft des deutschen Volkes.

Die einen sagten, daß das Ultimatum abgelehnt werden müsse, weil die Forderungen unserer Feinde doch nicht erfüllbar seien. Nur scheinbar würden wir mit der Annahme des Ultimatums die Besetzung des Ruhrgsbiets verhindern, die in kürzerer oder späterer Zeit doch kommen werde, weil wir die geforderten Leistungen nicht ausführen könnten. Ein Volk und ein Parlament dürften sich keineswegs soweit vergessen, einen Wechsel auszustellsn, von dem feststehe, daß er incht eingelöst werden könne. Man müsse es deshalb letzt auf die Besetzung des Ruhrgebiets ankommen lassen. Das werde gewiß furchtbar schwere Folgen nach sich ziehen und die Widerstandskraft des deutschen Volkes werde auf eine harte Probe gestellt werden Wenn es aber einige Monate anshalte, dann könne dar­aus die Rettung entstehen. Die Entente und insbe­sondere Frankreich würden dann einsehen, daß mit Ge­walt das ungeheure Wiodergutmachungsproblem nicht zu lösen sei. Man werde neue Verhandlungen darüber beginnen, die dann so geführt werden dürften, wie sie allein ein günstiges Ergebnis verheißen könnten, näm­lich im Wege ernsthafter Aussprache über die wirkliche deutsche Leistungsfähigkeit. Die Besetzung des Ruhr­gebiete durch Frankreich würde keine dauernde sein, weil England das aus egoistischen Gründen nicht zu­lassen könne. Daß Frankreich im Wege über die Sank­tionen und im Besitz des Saargebiets durch Angliede- runa des Ruhrkohlenreviers sich zu einem Riesenwirt. schaftskörper auswachse, verstoße zu sehr gegen die eng­lischen Interessen. So würde, wenn wir das Ultimatum ablehnten, der Streit um Deutschland den denkbar schärfsten Gegensatz zwischen den Verbandsgenossen schaffen. Gerade das aber eröffnet neue Möglichkeiten für uns. Auch innerpolitisch sei es notwendig, das Ultimatum abzulehnen. Das Volk werde mindestens in weiten bürgerlichen Schichten die Annahme nicht »erstehen und. beeinflußt von parieiegoistischer Hetze, die verantwortlichen Parteien mangelnder nationaler Gesinnung bezichtigen. Darauf brauche und dürfe man zwar bei so schwerer Entscheidung keine Rücksicht zu nehmen. Man müsse aber daran denken, daß die so dringend notwendige innere Gesundung des deutschen Volkes durch eine derartige Hetze und durch immer neuen Agitationsstoff verhindert werde. Wenn dagegen in späterer Zukunft harte Rot das Volk zwinge, doch noch die Forderungen des Ultimatums anzunehmen, dann werde das eher begriffen werden.

Die andere Richtung vertrat die Auffassung, daß die Ablehnung des Ultimatums Oberschlesien rechts der Oder, also das ganze Zndustriegebiet den Polen aus­liefern heiße. Rach einer Ablehnung sei an eine ge­rechte Entscheidung über Oberschlesien rnü> an eine Vertreibung der polnischen Aufrührer durch die En­tente nicht mehr zu denken. Die Folge des „Rein" sei also: Oberschlesten polnisch, das Ruhrgebiet von Frank­reich besetzt, der deutsche Wirtschastskörper vernichtet. Durch eine Zollgrenze würde der besetzte Westen wirt­schaftlich nach Frankreich hingedrängt. Ungeheure Ar­beitslosigkeit werde eintreten. Anarchische Zustände in Rorddeutschland würden zu einer Loslösung der süd­deutschen Länder vom Reich führen. Auch der besetzte Westen werde sich selbständig machen. Dann Hab« v^ankreich, das jetzt das Rein dringend wünsche, das £>i«I seiner Politik erreicht. Niemand könne voraus- Ggen, wann das deutsche Volk dann den Weg zur Wiedervereinigung zurückfinde. Auch aus die Gefahr

daß man nicht alle Forderungen des Ultimatums

Mute, müsse man es aygMy«. uyr Zej; zu

Morgen-Ausgabe.

Nr. 217. ♦ 69. Jahrgang.

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gewinnen. Neue politische Konstellationen, der Ein- , Dov s.. «w»

sluß des auch mit Neutralen besetzten Garantieaus- I ^^r E6or1!anr oer o6NrsHöN ^lvre.

sluß des auch mit Neutralen besetzten Gärantieaus- schusses dürften uns hoffen lassen, daß mit der Zeit doch die Vernunft zur Herrschaft komme. Mit der Ab­lehnung des Ultimatums hätten wir also alles zu ver­lieren und nichts zu gewinnen, seine Annahme oder er­öffne, wenn auch keine Sicherheiten, so doch sehr beacht­liche Möglichkeiten. .

Wohl für die meisten, die nicht eng parteitaktisch diese Fragen durchprüften, stand die Entscheidung aus des Messers Schneide. Die Mitglieder der demokrati­schen Reichstagsfraktion haben mit aller Gewissenhaftig­

keit, ohne Rücksicht aufs Parteiwohl, nur mit dem Blick auf die Zukunft des Vaterlandes die Entscheidung ge­sucht. Das Ergebnis war, daß sich die beiden Richtungen fast in gleicher Stärke in der Fraktion die Wage hiel­ten. Der gleichzeitig mittagende Parteivorstand war überwiegend für Annahme des Ultimatums. Zeder aber erkannte vom anderen an, daß er seine Entschei­dung als Ausfluß besten vaterländischen Willens achte und ehre, und alle waren darin einig, daß die gesaute Fraktion und die gesamte Partei nach der Entscheidung sich für die Politik einzusetzen hat, die dem Mehrheits­willen entspricht. Wir ertragen jetzt keinen inneren Streit über gefällte Entscheidungen. Jetzt muß viel­mehr alles für das deutsche Volk herausgeholt werden, was irgend in ^dieser verzweifelten Lage möglich ist.

Der Dank des Reichspräsidenten an Fehrenbach.

.. 0r. Berlin, 11. Mai. Der Reichspräsident richtete au den scheidenden Reichskanzler Fehrenbach felgendes Handschreiben:

vochoecrhrtir Herr Reichsminister' Indem ich durch uberstnidung des beiliegenden Abschiedes Ihrem Antrag auf Entlassung aus dem Amte des Reichskanzlers ent­spreche. ist es mir ein Bedürfnis, für Ihr» dem Vaterland in , schwerer Zeit geleisteten wertvollen Dienste Ihnen meinen t re de m pf u irdenen Dank ausrusprechen. Mit grosser Opserwilligkeit haben Sie sich nn vorigen Jahr

srdent des Reichstags und der verfassungg-benden Natio­nalversammlung erworben hatten. Gern und mit Dank­barkeit werde ,ch stets unserer gemeinsamen Arbeit im politischen Leben gedenken, und^ich hoffe »uversichtl-ch. daß

Wünschen und. mit dem Ausdruck meiner ausgezeichnetsten Hochachtung b:n b Jhr freundschaftlich ergebener lGez.) Ebert. Reichspräsident.

Nachträgliches von der Londoner Konferenz.

. D. Paris.11 Mai lEig. Drahtbericht.) Cs verlautet daß auf der Londoner Konferenz am 4. Mar Lloyd George < auf eine Anfrage von Briand erklärt babe, daß die Br­ie »uns des Ruhrreviers im Falle einrs deutschen Lieferungsverzugs im Laufe der Durchführung des Wieder- hcrstellmigsprogramms nur auf Bericht und Antrag der Wiedelberstellunsskommission oder der interalliierten Milrtarkoinimssion stattfmden kann. Eine

» dieser beiden Kommissionen müsse Deutschland in Verzug :n. Diese Erklärung Lloyd Georges ist im Sitzungsvrotoi vermerkt worden.

Stockungen km Güterverkehr.

Xi £*• 6°!,"' 11. Mai. (Drahtbericht..) Die Eisenbahn- drrektion Köln schreibt um»: Durch d,e Truvvenbe- wegunaen in Richtung Ruhr sind die Eisenbahnlinien des besetzten Gebietes derartig beansprucht, daß es lewer notwen- dig geworden ist. vorübergehend eine Verkehr,sperre für Frachtstückgut und F r a ch t g u t w a g en l a - düngen zu verhängen die sich hoffentlich nur auf einige -rage erstrecken wird. Die Aufhebung der Sperre wird io bald wie möglich bekanntgegeben werden. >

Di« Gefahr eines Eisenbahner- und Transportarbeiter- Streiks in England.

Dz. London. 1 , 1 . Mai. (Drabtbericht.) Den. Blättern vor einer neuen Notlage. Gefahr, daß sich di« Eisenbahner - „„ doch noch dem Bergarbeiter­streik a nj ch l i eben Innerhalb der letzten 24 Stunden tLnden drei Kabinettssitzungen in der Downingstrset statt, die sich mit der Entwicklung der Kohlenkrise befaßten. Die Regierung ist angeachts der Weigerung der Eisenbahn:! und Tiansvortarbelter. Kohlen zu befördern, fest entschlossen, diese,Kohlrn, koste es. was es wolle, herbeitransportieren

zu lassen.

Unter polizeilichem berw. militärischem Schutz wurden aestttn in London «rn Arbeitswilligen deutsche Kohlen in Iarmouth und belgische Kohlen sowie solche

rl>a!kS Ul OTitrfu*iA h»

auf den englisck Handelsamtes '

sowie solche aus Siio-

asgow nusgeladen. Die Wirkung des Streiks «lchen Handel geht aus der Statistik des i für April deutlich hervor.

les in Glasgow ausseladen.

, Handel April deu

Die Arbeitslosigkeit in den vereinigten Staaten.

Dz. London. 10 Mai. Die ..Morning Post" meldet aus dah dem „American Eronomiste" zufolge die

ton.

jo 6 dem „American Gr-mw abl der.Arbeitslofen in den iß,

sei wie augenblicklich. . rbeitsbssen auf. 3 Millionen.

o hoch aewefei Zahl der

niemals

Regierung schätz« die ..

^<wAMrroerbände jedoch schätzten ste Millionen. Dem ..Ecoijomiste' zufolge

ereinigten Staaten enbliötti

Die

•i D i m ;ufolg-sei die Ursache ^;

Der^inigK. Stzta^ll d«r.,»uslän-

auf mindestens

mindest

Ursache

Dz. Berlm, 11. Mai. Dem deutschen Bot- >mafter in London ist in der vergangenen Nacht fol-

t rnde Note zur Übermittlung an Lloyd George telegraphiich bersandt worden:

Auf Grund des Beschlusses des Reichstags bin ich be- auitragt. mit Beziehung auf die Entschliegung der alliierten j/caone vom 5. 5. 21 namens der neuen deutlichen Regierung felgendes, wie verlangt, zu erklären' Die deutsche Regie- ysjlt entschlossen: 1. Ohne Vorbehalt oder Bedingung u>re Becpflichtungen. wie sie von der Revarationskoinmijsion festgestellt worden sind, zu erfüllen. 2. Ohne Vorbehalt oder uoeoingung die von der Reparationskommission hinsichtlich dieser Verpflichtungen vorgeschriebenen GaraatieMß- nadmen anzuaebnien und zu verwirklichen. 3. Ohne Doo-

ie rüi neu

ckständig,!» sofort und die übrigen zu den vorgeschrie- Zei.ten auszuiührrn sind. ,4. Ohne Vorbehalt oder

tragsbestimmungen auczuführen.

iimmunge....

•oq) bitt», die alliierten Mächte von dieser Erklärung unverzüglich in Kenntnis zu setzen. (Gez.) Wirt h.

Drefelbe Rote ist nach Pans. Rom. "" ' abgesandt worden.

Brüssel und Tokio

Pariser Pressestimmen.

! vr. Paris, 11. Mai »inmenum und der en von der franzö

sertinar fragl im ur »»uv , „ _____

bfrt. Scheidemann, Dauer. Müller. Fehrenbach oder Wirtb vrihe. ob dre Mehrheitssozialisten an der Kombinaten teil- liabman, oder ob die Volkspartei sie ersetze, das Personal, oa» voniberziehe. ändere stch nicht. Das beweise die Liste der Dchen Minister, Bauer sei der ehemalige Kanzler. Robert

f chMWt fei,. Aibvrtsministsr unter Echeidemanü sewasen. eneral Grüner sei in seinem Amt geblieben, genau wie lesberts und Gehler. Dem töeneral v. Sesckt verdanke man oie gröbere Mcuhr. die er auch heute noch ausühe. Man ernmere sich auch noch der Rolle, die Schiffer im Mär» 1920 gespielt habe Alles dieses müsse angefiibrt werden, um zu »eigen, dag die Gegner Frankreichs nur gezwungener- ihre gerechten Verpflichtung«» er­füllen wollten.

Der ..Petit^Paftsien" sagt: Das Ministerium verfüge nur über erne Mehrheit von 2Ü bis 3N Stimmen und könne mfolge d»r Starke der reaktionären Presse kein« starke Regierung («in. Es fej nur lebensfähig, wenn man es ££ n .außfn ber in feinen Aufgaben etwas unterstütze. Das vielleicht in der jetzigen Stunde die am weniasten schlimme Kombination dar. wenn man nicht Deutschland Stinnes. Helfferrch und Konsorten üderlasswi

> . Dcw „Petit Jpurnal" erklärt: Me Mobilistertsii der ofe die Wacht am Rhein hielten, würtzen clücklich rn drm Gedanken fem. das oas patriotisch« Ov hU.sfe ko tMwill'g auf sich zu nehmen bereit waren, zu glücklichen Lölüng geführt habe, dass der Reichstag f>fc

''ahme.des lllttmatpms m,tgeheif»n babe. Man dürfe_

’ß —.die Zahl der Opponenten und der Ent- bewe'se es —. das große Deutschland kapituliere

nicht'glaube Haltung«, a

ind verv

>wecke es —, das groß, rvtlchte sich Mlfrichtig. u ncbmen Das Abko

alle seine ommen von

neue Unter mal müsse es g pflichtungen er genauer ^Kal wrrde .... oder um d., über befinde». AllifertUi werde zievun« duwig.

Ste RouveL< t vor allem der

ein«

daß es auf die ^unde^fe Ver^ die es übernommen habe. Ein . stellt und an jedem Verfalltag es ssch nun um die Revarationen hmchl«. starker Realität gegen- rcherer Abkommen mit den S«r Verschleppung noch Ent-

p'rtltch tüetben pnd w«Ser eine Veckeblung noch e Schwanken noch erne der taufend Verhandlungskün dulden, durch die sich d«r Gsgner vielleicht keinen Vrrpfli tungen entziehen filmt. ,

®in neuer Protest d«r deutschen Parteien und «e»erkschaften in Oberschlesten.

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«»o,», ». «lL (DrotztbsriLt.1 Di- -«»>.

l it.ilch«n Parteien und GeWerr-

volitil ten erlietzrn ,n der dem dev reichten Note de» der Satz:

den aus 'deutfeher leben, di« in unzu

arteirn und Kundgehung.

.n Geschäftsträger am 7. inistervrastvenren Brian, Dd der Unruhen ist ohne ell» veröffentlichten Bla

baf

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