Einzelbild herunterladen
 

Wiesbadner iagblalt

«*«*». Wöchentlich^ ^ Ausgaben. •*.•

P.stscheiNont,: grankfai» ». M. Rr. 74«.

Bezvg.preise: Durch den Verlag Traglohn: durch die Post bezogen

en: Mk. 8.80 monailich, Mk. 11.« vierteljährlich, ohne :t 5.80 monatlich. M. 18.60 »ierteljihrlich. mit Bestell «bestellen, Sie Träger und alle len oder Streiks haben die B»

seid. — jlezugrbestellungen nehmen an: der Verlag, die Ausgabestellen, di« Träger und alle Poftanftalten. — In Fällen häherer Gewalt, »ekriebsstlrungen oder Streiks haben die 53» ,ieh«r keinen Anspruch auf Lieferung de« Blatte» »der Erstattung de» entsprechende« »ntgelts.

> t rlhr morgen» bis 8 Uhr abend», anher Sonnkag» Postscheckkonto: Fra nkf-rt tu ». Rr. «8».

s 1,88, auswärtig« Anzeigen Mk. tzÄ. Srtlichr KeAamm V

****

Annahme M, »erde Mzs«av»n: 1v Ähr — 3^* Ate Aufnahme von DNKetgen an

vorgeschriebenen Ha-sn »n» PIStzm wird keine Gewähr übernommen, ssssvassssov«

Holter fntfiuft

Berlin« «bteilung de« Wlesdi»«« er ragblattr: Berlin W. S, Aatzsttaße 18, Femsyrecher: Vmt jentrum H485-114S7.

Mittwoch» 11 . Mai 1921 . MÄONÄ - 9 Ilf$$$&&£. 216 ' 4 69 * Jahrgang.

SiS

M

AiliuchinedesMilnatliiiirimReichstag.

Der Tag der Entscheidung.

Die Entscheid mvg über die Annahme oder Ablehnung des Entente-Ultimatums ist heute nacht im Reichstag gefallen. Mt einer Mehrheit von 46 Stimmen wurde das Ultimatum angenommen. Dafür stimmten das Zen­trum, die Sozialdemokraten, die Unabhängigen Sozial­demokraten, etwa die Hälfte der Demokraten und einige Abgeordnete der Deutschen Dolkspartei. Keiner der Abgeordneten, die mit ja stimmten, wird sich über die Schwere der Verantwortung, die er mit seinem Votum auf sich genommen hat, getäuscht haben, aber es gav tatsächlich jetzt keinen anderen Ausweg für Deutschland, als die Unterschrift zu leisten. Der greise Führer der Demokraten, der Abgeordnete Friedrich Payer, harte noch in der letzten Stunde einen Warnungsruf erlassen und zur Unterzeichnung aufgefordert. Unter Abwägung aller Möglichkeiten führte er darin aus: „Dem unbe­fangenen Blick steht das eine unwiderleglich fest: Lehnen wir ab, so haben wir am 12. die Alliierten im Ruhr- gebiet. Über die vage Hoffnung vieler von 1918, sie würden es nicht wagen, sind wir weg. Die nächste un­zweifelhafte Folge ist ein Sturz des Markkurses, der ihn der österreichischen Krone nähern wird, ist das Aufhoren unseres Verkehrs mit der Welt, ist Mangel oder uner­schwinglicher Preis der Kohlen, ist weitgehender Still­stand unserer Industrie, ist Vermehrung der Schar der Arbeitslosen um Hundertrausende und was damit zu­sammenhängt, ist Druck und Vergewaltigung des Reiches und seiner Bürger durch die Alliierten ohne leglich« Hemmung. Kann denn jemand glauben, dah, wenn wir ablehnen, die Entente auch nur einen Finger rühren werde, uns Oberschlesien zu sichern? Sie wird froh sein, einen Grund zu haben, sich ihrer Dertragspflicht zu ent­ziehen. Das verstehe ein anderer, wie wir bester daran sein sollen, wenn wir das Ruhrvebiet und Oberschleftrn verloren haben. Preisgegeben sind sie leicht, aber wer sagt uns, wann und wie wir sie wieder holen sollen: Durch die eigene Kraft des verstümmelten Reichs ohne Geld, ohne Heer, ohne Einigkeit? Oder durch den Edel­mut der Entente zum Dank für unsere Festigkeit? Oder durch die amerikanische Hilfe? Umgekehrt: wer nicht blind ist, kann die Warnungszeichen in Bayern und am Rhein nicht übersehen, die uns verhänanisvoll« und auf ewig unheilbare Folgen in Aussicht stellen, wenn das Reich durch eigene Schuld aussichts- und hoffnungslos am Boden läge. Cs kann fein, ja es ist mindesten» für Frankreich sicher, dah die Entente, wenn wir ablehnsn, selbst finanziell ins Verhängnis rennt, aber wir find dann noch vor ihnen finanziell erledigt und wahrend

E mkreich und England über den finanziellen Schaden durch dis Vernichtung des gehaßten und gefürchteten nds und des gefährlichen Konkurrenten trösten wer­den. wird unser finanzieller Untergang durch unsere politisch« Vernichtung besiegelt som. Alle Möallchkeiten, wie wir dann wieder hochkommsn sollen, sind nichts weiter als Hoffnungen und Phantasien. Wer kann es bei ruhiger und sachlicher Überlegung verantworten, das handgreifliche Verderben über uns heraufzube- fchwören? Freilich wird auch im Fall der Anncchrn« unsere Lag« eine jämmerliche sein. Aber das ist ste seit langem, weil wir den Krieg verloren haben. Das ist uns nur noch nicht allen ganz kürr geworden, Jetzt erst kommen die Folgen nicht des Vechnller Berttages, sondern unserer Niederlage uns allmählich praktisch ganz zum Dewuhtsein. Eie muffen ertragen werden. Ich verspreche mir keine Gerechtigkeit oder gar Mitgefühl von den Alliierten. Aber ich glaub« an die menschliche Vernunft und an die bester« Einsicht in den eigenen Vor­teil auch bei den meisten unserer Feind«. Sie könnm später zur Besterung der Lage beitragen, vorausgesetzt, dah dann noch ein Deutschland da ist. ffitt mtiflen t.tm den Mut haben, die Dinge zu nehmen, wie sie sind, und uns lieber den Vorwurf der Unmannlichkeit machen lasten, als aus falschem Ehrgefühl sachlich Falsches tun.

Deutschland hatte tatsächlich niemand mehr, aus besten Unterstützung es rechnen sollte, nachdem die Oppo­sition in den Landern der Alliierten sich mit dem Lon­doner Protokoll einverstanden erklärt hatte. As q u i t h, der Führer der englischen unabhängigen Liberalen, riet zur Annahme des Ultimatums, E ly ne », der englisch.' Arbeiterführer, tat dasselbe, und selbst Keyne». der heftigste Kämpfer gegen den Versailler Dertrag, hatte für Deutschland nur die Mahnung. Nein beizugeben. Auch von Amerika war nichts mehr zu erwarten.

- Wir wollen es Unterlasten, unseren Lesern heub Nochmals mit der Nennung de, Summen, die wir jetzt zahlen müssen und mit der Auszählung der Derpslich- Mlgxn, die mir ühernommM M»«n. W ttl&wn, da wir

die Forderungen der Entente in den letzten Tagen eni- < sehend erörtert haben. Auch hier kann erst dis Zeit ieweisen, was uns möglich ist und was über unsere Kraft - ;eht. Das deutsche Volk hat im Kriege gezeigt, dah es chier Unglaubliches zu leisten imstande ist. Vor allem müsten wrr jetzt unseren aalten Willen, die übernomme­nen Verpflichtungen zu erfüllen, bekunden, dann werden ich schon Mittel und Wege finden lasten, um der Ver­nunft zum Siege zu verhelfen. Was hindert uns zu glauben, dah die Leistungsfähigkeit des deutschen Genies gerade in den nächsten zwanzig und vierzig Jahren unter dem harten Zwang, das Äußerste herzugeben, un­geahnte Höhen erklimmen wird? Vorläufig ist eine Atempause gewonnen und eine Möglichkeit zur Wied-rr- gesundung gezeigt. Selbstverständlich muß man sich über eins klar sein: Rach der Unterzeichnung des Ulti­matums köirnen wir als Volk und Staat nicht mehr in der bisherigen Weise weiterwirtschaften. Wir werdrn unsere Staatsausgaben aufs Äußerste einschränken müsten und zuerst die überflüssige, verschwenderische Bureaukratie abzubauen haben, um möglichst viele Ar­beitskräfte zur Steigerung der Produktion heranzu­ziehen. Mit der Siedelung und der Urbarmachung der Odländerein, die unseren Lebensmittelbedarf in weni­gen Jahren unabhängig vom Auslande machen kann, muh sofort angefcmgen werden. Rationellere Gestal- rung des Arbeitsprozesses in allen Wirtschaftsgebieten muh folgen. Von den gewaltigen neuen Aufgaben, die uns die Umformung stellt, können so viele belebende Kräft« ausaehen. daß sie uns vre Qual der Zeit über­winden helfen.

Durch die Annahme des Ultiniatums wurde auch die bisherige Rsgierungkoalition gesprengt. Die neue Ne­uerung unter der Reichskanzlerschast des dem Zentrum angehörenden bisherigen ReichsfinanzmNisters Dr. W i r t h, die sich heute nacht dem Reichstag mit einer würdigen Erklärung über die Lag« vorftsllte, must sich auf eine andere Parteigruppierung wie das Kabinett Fehrenbach stützen. Die Deutsche Volkspartoi ist nun­mehr bedauerlicherweise aus dem Ministerium ausge­treten und hat den Sozialdemokraten Platz gemacht. Wir sind demnach wieder zur alten republikanisch-demo- kratisch-sozialen Koalition der Nationalvrrsammlung zurückgekchrt. Hoffentlich wird dys neue Kabinett, dem bisher noch der wichtige Minister des Äußern fehlt, das Kabinettder Tat sein, auf das wir in Deuffchlcmd schon so lange und so sehnsüchtig warten!

Ein Kabinett Wirth.

W..T..J3. Berlin. 10. Mai. Der ReickrprÄwsnt hat toi bisherigen Rvtchsfinanzminifter Dr. Wirty «met Er­nennung »um Reichskanzler mit der Biwung des Kabinetts

sieäsisttaot inanren mrd Wiederaufbau rwch unbesetzt.

Da» neue Reickskabinett ist. da es sich nur aus Sarial- ^nok^itey, Zentrum .und Demokraten ^zusammen setzt,. »ine

Mitzuny' -

angewiesen. Das noch -... -- .- ..

sowie dar Finanzministerium sollen nach den Blattern Be:

n n und t Denerald

irektor der v

der

?)as ebenfalls noch unbxletzte ..„

aut „Vorwärts" ein ■ Sozialdemokrat erhalten.

«tm Vatikan. Bergen. low« ambura-Amerika-Linie anno, e Wiroeraufbauministerium soll

Der neu» Reichskanzler Dr. W, r t h war s»tt Srz- bersers vor. einem Jahr erfolgten Rücktritt Reichsfinanz- minister. Seine Betrauung mit

vor. allem auf die Initiative des

zurückzuführen. der ll'n im gegenwärtiaen bestgeetgnet« Persönu

»er Kabinettsbildung ist keichsvrasidentrn Eber

iugenblick als die hkeit betrachtete.

°Ä

gebürte bereits als Acbeits

.. früberen Kabinetten an und

war von der llnterzeicknung des Versailler Friroen» bi« »um Kavp-Putsch Reichskanzler. Der neu« Mimst« des Innern Dr. Dradnauer. der an die Stelle des Demo­kraten Koch ruckt, war nach der Revolution Mmisterorafidrirt Sachsen. Reichsgrbeitsminister Robert ß ch m i d t_jw«

dien In früheren Kabinetten ÄrLektsminister und Wrrt- chaftsmtmster. Die Minister Dr. Hermes und ®tes* »ert* gehörten bereits dem bisherigen Kabinett als Leiter ihrer Rellorts an. Dr. Brauns bat das Ardeits- mmisterium, auf da« di« Sozialdemokraten ebenso wt« ar dar Ministerium vr» Innern den aröhttn Wert, ttatm. m.. dem Wirtschaftsm'nisterium vertauscht. Mm Mir. Dr.

G «hier war bereite Mitglied der oisheriaen Regbirung. Herr <5 * i f f e r bat früheren Kabinetten dis B>m.Kavr» Putsch als RuLMmtnim», DMfzmmister und B aiMhütt.

Eine bedsutungsvolle Sitzung.

w. Berlin. 11. Mar, 12 Uhr 25 Min. früh. D« Reichstag hat das Entente-Ultimatum nrit 2 21 gegen 175 Stimmen bei einer Stimmenthaltung

angeasmmen.

Br. Berlin. 11. Mai gestrige Reichstagssitzung.

Haus

x

'e. dickt

wurde um 9 Uhr eröffnet

' »

Präsident Lobe wies in seiner Eröffnungsansprache auf die zu treffende Entscheidung von ungeheurer Tragweite bin.

Reichskanzler Dr. Wittb

nachm alsdarm das Wort zu einer Regjermmserklärung. Er habe geglaubt, dem Rufe des Reichspräsidenten in so entscher dungsschwerer Stunde sich nicht versagen, ru dürfen. Nach An- uhrung der Besetzung der einzelnen Mmisierien. soweit diele bereits erfolgt ist. kennzeichnete er die Aufgabe, die Entsche»- dung des Reichstages über das llltimatiim herbcizufükreN- Lin» andere Möglichkeit als Annahme oder Ablehnung dleide nicht. Das Ja bedeute schwere finanzielle Lasten auf Jahre hinaus, aber in freier Arbeit: dis Ablehnung be­deute Zwangsvollstreckung und Sklavenarbeit unter der Auf­sicht feindlicher Baionette und Niedergang des

Namens der Mehrbeitssozialdemokraten erklärt« , Wels : Die politische Beiantwortung für die Annahme -. ? dir Ausführung des Ultimatums liegt nach Ansicht der sozial demokratischen Rcichstagsfraktion bei den Parteien, di« am meisten zur Verlängerung des Kriege» und zur Dermebrung seiner Lasten beiaetragsn haben. Da aber jene Patteien nhrscheinltch in schwerster Stund« versagen. und auf einet ' "telbare An

Politik beharren, die die unmittelbare. Auslieferung deutscher Landesteile in Feindesband in sich tragt, hält es die sozial- demokratische Reichstagsfraktion siir iüre Pflicht, die von de» eigentlichen Verantwortlichen tm Stich gelassen« Aufgabe zu übernehmen. Die «ozialdemokratische Reichstagsfraktion dw daher ihr» Teilnahme an ei.ne.r Reglernnj

daher ih

schloffen.

die durch

Dmtlcklans

Besetzung

vor den unm hes Ruhrgeb will, das uns Aub-riegi

luhrgeblet

:er schweren und perantw

iJS

das uns Äustrlegte nam bestem Kön

Könnei lörtliche

Dersych macken

"“wi?!

tBößimg her G

Metzen Volkskreise. ^ „

.imbor-i (Zentrum) ^führte aus: BerM° wücnmg' der Gründe für und aeaen. dis Ablehnung des Mtt-

NS « S ÄS««« »

den Wirkungen. Zn der überzeugrmg. dasi es für die Erhaltung und für die Wiederaufrichtung Deutschlands keinen anderes Weg gibt als die Untertzhrist der Rmchsreg'.er'.ina. haben mit uns entschlosien. unsere Zusttmmung.wrrck unser Ja znm Aus- diuck zu bringen, womit wir zugleich^ die Erfüllung unserer Entwaffnuagszusage aussprecken. Dem Kabinett ftnd wrr

en* i? iffe i s?raÄ'<Ä»~ s

bie in ton Ultimatum uns »ugemuteten Leistungen von d«r deutschen DoNswirtschaft nicht getragen werden können, ohne die Substanz der deutschen Lirtschaft -n ernem Mage anzugr«^ sin. daß dadurch deren Medi-rbnick öerbeigesuhrt werden müzte Aus diesem Grunde ist die Fraktion zu dem Entschluß gekommen, dar Ultimatum abzulehnen.

... . _ „olehnung am—

und Verderben zur Folge haben. Auch der uihlenbezirk würde dann verloren geben., , Interesse der deutschen wie der polnischen Art ne fri

oterNlestsche

t^äese^ein^^iedtich^Berständigung?

Aba. Dr. Haas (Dem.) • Jeder ernste deutsche Man« muss st« in diesen Tagen in schwerer Eewiffensnot befund«,, haben Die ictzige Entscheidung war noch schwerer als die über den Versailler. Vertrag nt “- x * 4 —* k, " e - “ ! * *“

unserer Unklarheit über dii>, scheiden müssen. Das

... haß wir in !unft uns »nt- ..„.igen Entscheff ... Fraktion. Rach »ätten wir da» Ultr-

.»».»». .... wir das Ultimatum an*

nc6ni«n, so erwarten wir von der Entente eine

gerechte Entscheidung über Oberschieste,« aus Grund des Abstimmungsergebnisses vor allem aber dla tz!- : Herstellung von Ruhe und Ordnung rn Oder (Siehe*. Innah me des Ultimatums bedeutet keine Zustimmumr Zilliguna der bisherigen oder werterer SanktioM. An die bayerische Regierung und das bayerische Volk richten wir die Bitte, uns nun auch ru belfen. alle Verpslichtungsn de» Ultimatums ru erfüllen D,e neue Regierung hat unser« Unterstützung, wenn auch Teile der Demokraten die Ablehnuna fiir richtiger gebalten habem Wir haben d'e Hoffnung daß dt»-RegierungshgZ» sich noch verbreitern wird. Wir «off««.