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Freitag, 15, April 1921.

Ausklang und Auftakt.

Der kommunistische Aufstand in Mitteldeutschland ist niedergeschlagen, die letzten hier und da auslodernden kleinen Feuerchen sind ausgetreten, und die Helden, die sich selbst wohlweislich weit vom Schutz im Hintergrund hielten, haben nun Zeit und Mutze, über ihre Taren nachzudenken. Schon sehr bald nach dem Abbruch des Kampfes hat ja die „Rote Fahne" einen blutrünstigen Artikel veröfsentlicht, wie ihn besser kein militaristischer Gewaltpolitiker schreiben könnte. „Das Gefecht wird abgebrochen", hictz es da, aber bald geht es wieder in die neue Schlacht, „Sturmriemen unters Kinn! Drauf und dron gegen die Feinde." Man sieht, die „Rote Fahne" hat nicht umsonst die Aufrufe und Artikel der Immer-Fefte-Diufs-Polittker aus der glorreichen Welt­kriegszeit studiert.

In diesen Tagen hat sich nun der Zentralausschutz der Bereinigten Kommunistischen Partei mit der Mä ty> Aktion in zweitägigen Beratungen beschäftigt, und die Ergebnisse dieser Beratungen lassen sich auch dahin zu- jammensassen: Immer feste druss! Sturmketten unters Kinn! Daran, daß die März-Aktion mit einer voll­kommenen Niederlage endete, kann natürlich auch der Zentralausschutz nicht vorbei. Aber die Partei hat, so sagt die „Rote Fahne", „die Lehren aus der jüngsten Aktion nicht nach rückwärts, sondern nach vorwärts ge­zogen." Worin nun diese Lehren bestehen? Die Lei­tung jammert über mangelhafte Disziplin in den Reihen der Partei, d. h. es hat also selbst noch in der B. K. P. D. einige Besonnene gegeben, die sich nicht besinnungslos aus Moskauer Eebeitz in aussichtslose Aktionen treiben ließen. Es macht sich aber befond.'rs schön, nenn ausgerechnet die Herren der kommunisti­schen Zentrale, von denen kaum einer dort zu finden war, wo geschossen wurde, setzt über die.kommunistischen Arbeiter schimpfen, die nicyr mit genügendemEifer ihre Haut zu Markte getragen baben. Jedenfalls wird jetzt die Parole erhöhter Disziplin ausgegeben, die der Stuttgarter „Kommunist" folgendermatzen formuliert: „Das Parteimitglied mutz bereit sein, sich auf Befehl der Partei zu erschießen. Kurz, jeder Eigenwille hört auf." Darüber hinaus geht es nun wirklich nicht mehr und man kann nur hoffen, daß diese schöne Parole von recht viel Anhängern der V K. P. D. befolgt wird. Wenn nun in den blutrünstigen Leitsätzen zur März- Aktion, die die „Rote Fahne" veröffentlichte, der Ber- such gemacht wird, von den terroristischen Gewaltakten abzurucken, so ist das ein vergebliches Unternehmen. Die Methode ist allerdings ungeheuer einfach. Alle Anschläge auf Eisenbahnanlagen, alle Plünderungen von Banken, kurz alle Verbrechen werden auf das Konto der „Orgesch und ihrer Spießgesellen" geschrieben. Das ist außerordentlich bequem, aber es ist zu verlogen, als daß irgend jemand mit gesundem Menschenverstand darauf hereinfallcn könnte. Die Folgen all der Unge­heuerlichkeiten, die die Geschichte dieser März-Aktion in reichem Matze zu verzeichnen hat, fallen einzig und allein den kommunistischen Parteien zur Last.

Die Leitsätze, die mit 26 gegen 14 Stimmen ange­nommen wurden — diese 14 Stimmen zeigen, daß die Vernunft noch nicht ganz geschwunden ist — fordern natürlich Vorbereitungen für neue Kämpfe. „Die B. K. P D. mutz", so heißt es, „die organisatorischen und taktischen Mängel dieses ersten Versuches abstellen. Sie niutz, wenn sie ihre geschichtliche Aufgabe erfüllen will, festhalten an der Linie der revolutionären Offen­sive. die der März-Aktion zugrunde liegt, und sie mutz entschlossen und sicher auf diesem Wege fortschreiten." In diesem Sinne wird dann auch eine gesunde systema­tische Verteilung der Parteikräfte angestrebt, ebenso >:ine Verbesserung des Organisationsapparates. Darüber, was von der von Moskau geleiteten V. K. P. D. zu er­warten ist. wird nach diesen Leitsätzen, die Ausklang und Auftakt zugleich sind, niemand mehr im Zweifel sein. Für den Staat ergeben sich daraus zwei Lehren. Ein­mal gilt es. stets bereit zu sein, denn in den Leitsätzen wird auch ausdrücklich darauf hingewiesen, datz alle entstehenden Teilaktionen mit allen zweckdienlichen Mitteln zu unterstützen und zu verschärfen seien. Für den Staat ist es unmöglich, rnbiq Vorbereitungen h!n- zunsbmsn, die sich gegen ihn selbst richten. Darüber dürste die V. K. P. D. am allerwenigsten jammern. Gerade Moskau, das kommunistische Ideal, kennt in diesen Dingen keinen Spatz. Die berühmte Außer­ordentliche Kommisiion hat nach russischen Quellen in den letzten 6 Monaten nur 4305 Menschen erschießen und 28 940 verhaften lassen! Aber man wird sich auch darüber klar sein müssen, datz Säbel und Gewehr, ja nicht einmal die Geschütze der Reichswehr auf die Dauer allein helfen. Rur durch positive Reformen können die Ursachen beseitigt werden, die letzten Endes derartige Ausschreitungen möglich und einen gefährlichen Umfang erreichen lassen. Sobald die große Masse des Lolles,

Morgen-Ausgabe.

die heute — es wäre töricht, das zu leugnen — unter sehr schwierigen Verhältnissen zu leben gezwungen ist. einsteht, datz wirkliche Arbeit zur Beseitigung der Gegen­wartsnöte geleistet wird, wird die Neigung zu ,o un­tauglichen Mitteln, wie es der Putsch ist, von selbst ver­schwinden. Das hängt allerdings nicht nur von dem guten Willen der regierenden Parteien ab, sondern auch hier wäre die Einsicht der Entente vonnöten.

Die kommunistische Bewegung in Baden.

W. T.-B. Karlsruhe. 13. Avril. An der heutigen, Sitzung des Landtags gab Minister R e m m e le ein Brld über ore kommunistische Bewegung in Baden. Dieie habe ihren Stützpunkt in Mannheim. Karlsruhe. Heidelberg. Freiburg. Offenburg und Konstanz. In Baden bestunden ömei illegale Kampforganisationen' die eine werde oon manffurf aus geleitet, die andere von Mannheim aus. Die rührenden Verlönlichkeiten dieser Organisationen seien be­kannt. Der Minister ging dann auf die Unruhen in den Marztagen über, in deren Verlauf es in Mannheim 3 Tote und 6 Schwerverletzte gab und in Karlsruhe ebenfalls eine Anzahl Schwerverletzter. Das Verhalten der gesamten Volizeioraane ?d hrcftnus mustergültig und lobenswert ge­wesen. Die politischen Parteien des Landes, auch dieiozial- demokratis.be Partei, würden, wenn ste ihre Regierung in stckchen Situationen deckten, keine Einbuhe ihres Ansehens erleiden. Im Gegenteil, die grohe Masse des Volkes wolle Ruhe basten. — Der Landtagsvrästdent Dr. K o v f svrach dem Minister, den Beamten und den Polizeimannschaften den Dank des Haules aus. Sr Minister werde in feinem streben nach Wahrung der Staatsautorität stets das ganze Haus hinter sich baben.

Gegen die Aufhebung der Zwangsbewirtschastung des Brotgetreides.

W. T.-B. Berlin. 13. Avril. Der Allgemeine Deutsche Eewerkicstaftsbund. der Allgemeine Freie Aagestelltenbuad und der Deutsche Beamtenbund erbeben beim Reicksernäb- rungsminister gemeinsam Protest dagegen, dah bei der Neuregelung der Getrcidewirtlcbaft für nächste Wirt- cl.aftsjabr die Zwanasbewirtschaftung aufgehoben oder auch nur ein Teil des Brotgetreides zum Perkru? freigegeben wird, da dies eine erbeblick-e Verteuerung des Bcotyreiles zur Folge haben würde. Die Verbände fordern ein unbe- dinates Festbalten an der Zwangswirtschaft für Brot­getreide und eine Versff'ärfvna der Kontrolle. Sollte diese Forderung unberücksichtigt bleiben, lo lehnen die Verbände jede Ve"autwortung für die dann unausüleiblick-en Lolin- > ud Eebaltsforderunaen und daraus resultierenden Kämvfe ab.

Rücktritt des Ministerialdirektors v. Stockhammer.

Rr. Berlin, 14. April. (Eig Drahtbericht.) Ministe­rialdirektor v. Stockhammer vom Reichsfinanz- ministerium hat einen längeren Urlaub angetreten, aus dem er nicht mehr auf seinen Posten zurückkehren wird. Sein Rücktritt erfolgt, wie verlautet, im Hinblick auf Maßnahmen organisatorischer Natur, die im Reichs­finanzministerium geplant sind.

Aussperrung in der Dresdener Zigarettenindustrie.

Dz. Dresden. 14. Avril. In der Dresdener Zigrrettea- industrie ist nach dem Scheitern de: Verhandlungen zwischen den Arbeitnehmern und ven Arbeitgebern die Aus­sperrung durbgefübrt worden. Dadurch stnd 13 000 Arbeiter in Dresden beschäftigungslos geworden.

Der Protest des Verbandes der oberschlefischen Presse abgewiesen.

Dz. Berlin. 14. Avril. Blättermeldungen aus Beutben zufolge hat die interalliierte Kommission in Ovvetn auf das Protestfchreiben des Verbandes der ober- schlestscken Presse gegen die Nerurteilung non vier nber- ichlessfchen Redakteuren geantwortet, dah das Urteil von einem Justizorgan berrübre. das als entfchieden unbe­fangener anzu'sben !ei als die vrotestierenden Pressever­treter und demenjsvrechend auch grösseren Glauben verdiene. Gegen das Urteil des besonderen Gerichtshofes fei eine Revisson nicht zulässig.

Unklarheiten in den neuen Zolloerordnungen.

Br. Köln. 14. Avril. C£ ; ß. Drabtberickr.) Von unter­richteter Seite wird uns mitgeteilt: Die Verordnungen über die neuen Zölle an der Ostgrenze des besetzten Gebiets lassen eine Fülle von Zweifelsfragen offen. So enthalten die Verordnungen nichts über die Regelung oes Veredelungs- reikeb s mit dem Ausland und zwischen dem besetzten und unbeketzten Gebiet. In zahlreichen Fällen haben Werke Teile ibrer Betriebe im besetzten und andere Teile im unbesetzten Gebiet und sind auf einen Austausch zwischen diesen verschie- dcnen Betrieben unbedingt angewiesen. Die Tertil- industrie des besetzten und unbesetzten Gebiets steht in einem !ebr bebbaften Austausch im Veredelungsverkehr. der aus k>e Dauer selbstverständlich eine Belastung mit dovvelten Zöllen auf Einfubr und Ausfuhr nicht vertragen kann. Auch in zahlreichen anderen Industrien spielt ein derartiger Pcr- edelungsverkebr eine grosse Rolle. Es wird notwendig sein, dass die Rheinlandkommission lchnellstens Bestim­mungen auch über diesen wichtigen Verkehr erlässt. Rach der Verordnung 32 bot die Rbeinlandkommission die Regelung der Ein- und Ausfuhr im besetzten Gebiet sowohl für den Verkebr mit dem Ausland wie mit dem unbesetzten Deutsch­land übernommen. Dieser gesamte Verkehr mit Ausnahme der wenigen auf der deut:chen Einfuhr- oder Ausfubr-Frei- lsste stehenden Maren unterliegt damit einem Vewil- ligungsverfabren der Entente, das am 10. Mai in Kraft treten soll. Da mit Sicherheit auf grosse Stockungen in diesem Verkehr zu rechnen ist. werden viele Firmen nuinen. schon setzt zur Vorssck't Anträge iür die Zeit nach dem 10. Mai einreicben z» lallen Hiervon kann aber nur abgeraten werden, da die Dienststelle in keiner Weis« iür eine Learbeitum einsutätel UL

Nr. 173. » 69. Jahrgang.

Das schwierige Problem der Wieder­gutmachung.

v. Paris, 14. April. (Eig. Drahtbericht.) Ein Ver­treter der „Chicago Tribüne" hat die d e u t s ch e W i e- derherstellungsdelegation in Paris interveniert und ist berechtigt, folgende Auszugs­erklärung zu veröffentlichen: Zwei Jahre sind vergan­gen feit dem Waffenstillstand, ohne datz die deutsche Regierung von den alliierten und assoziierten Mächten oder von der Wiederherstellungskommission irgend eine Mitteilung über den ziffernmäßigen Betrag der Schäden erhalten hätte, welche Deutschland gemäß den Bestim­mungen des Versailler Vertrages bezahlen mutz. Erst Mitte Februar erhielt Deutschland von der Wiederher-- stelluugskommission eine Aufstellung der Schäden von allen alliierten Staaten, welche Wiedergutmachung ver­langen. Deutschland hat alles getan, um die verlangte Antwort auf die alliierten Ansprüche zur rechten Zeit fertig zu stellen. Deutschland hat über tausend Fragen an die Wiedergutmachungskommission gerichtet, um die zahlreichen und verschiedenen Zweifel bezüglich der Schäden klarzustellen. Es haben auch zahlreiche Be­sprechungen zwischen den deutschen und den alliierten Sachverständigen stattgesunden, um zu einer klaren Auffassung der Lage zu gelangen. Die deutschen Fragen sind nur zum Teil beantwortet worden, weil es den französischen Sachverständigen verboten ist, in münd­lichen Verkehr mit den deutschen Sachverständigen zu treten. Deutschland war deshalb gezwungen, sich nur auf schriftliche Feststellungen zu beschränken. Es wurde erwartet, datz die alliierten Mächte in der Auf­stellung der Kriegsfckädsn einheitlich Vorgehen würden. Allein das war nicht der Fall, sondern ver­schiedene Staaten gingen in dieser Beziehung selbständig vor. Rumänien verlangte z. B. eine Wiedergutmachung von insgesamt über 3 Milliarden Franken, ohne diese Summe näher zu belegen. Ein anderer strittiger Punkt ist der, daß z B Deutschland veranlaßt werden soll, die Wiederherstellung von Brücken zu bezahlen, die vor dem Kriege noch gar nicht bestanden baben. In verschiede­nen Fällen baben die deutschen Finanzsachverständigen festgestellt, daß verschiedene Schäden in verschiedenen Gruppen von Ansprüchen desselben Landes oder ver­schiedener Länder doppelt oder mehrere Male gleich­zeitig berechnet wurden. Deutschland ist infolgedessen außerstande, die Aufstellung, welche ihm unterbreitet worden ist. nachzuprüsen und mutz deshalb Gegen- aufstellungen einreichen. Die Aufgabe der Wie- derberstellungskammission ist ungeheuer groß, und die Lösung dieser Aufgabe in so unverhältnismätzig kurzer Zeit ist einfach unmöglich.

Die französische Kammer über die SVprozentige Abgabe.

W. T.-B. Paris. 13. Avril. In der heutigen Vormittags- ützung der Kammer wurde die D : s k u !! i o n über den Gesetzentwurf über die Abgabe eines Teils des Perkauiswertes der aus Deutschland nach Frankreich eingefübrten Waren begonnen. Der Berichterstatter der Zollkowmission Neron erklärte, bis letzt bütte nur Eng­land. Belgien und Frankreich von den alliierten Mächten ibren Parlamenten den Gesetzentwurf zugeben lass *n. Por­tugal. Siam und Rumänien aalten sich bereit erklärt, ähn­liche Massnahmen zu treffen. Italien und Japan hätten noch keine Entscheitung getrossen. Lurcmünrg habe erklärt, dass es die Massnahmen nicht treffen walle. Rack dem Ve- richtesstatter dürfte der Höchstsatz der Abgabe nur 5 0 Prozent betragen. Der Gesetzentwurf sehe vor. dass nur die Waren von der Beschlagnahme betroffen werden, die direkt von Deutichland nach Frankreich eingesübrt wer­den. Schliesslich beichästigte sich der Berichterstatter mit der Frage der Verteilung des Ergebnisses der Absabe unter den Alliierten Bei einer 50vrozentigen Abgabe wür­den nack der Statistik von 1920 für Frankreich iüürlich nur Waren im Äet'.ane von 1 200 000 Franken in Betracht kommen. Frankreich allo 000 000 Franken ernnHinen. — Gegen das Gesetz sprach der Abg. M a r g a i n e. da es gegen die Jnteresten Frankreichs sei. Auch der,Aba. Pnech ver­warf den Gesetzentwurf. erklärte jedoch für ihn stimmen zu wollen, da er die Folge der Londoner Konferenz sei. Der Abg. Francois de Wendel würde der Regierung folgen, betonte jedock', dass mon ein grosses Ovfer bringe aus dem Altar der Entente. Man befinde stch einem Gesotz gegen­über. das diktiert lei von England. Aus diesem Grunds müsse mon frei snreck>en. Entweder Deutschland gebe nach, dann müssten die Massnahmen verschwinden, oder es gebe vick>t nack». dann wälle Deutschland die 30 Prozent Abgabe zahlen, die Frankreich jedoch nichts einbringe. Den Zollring im Osten erklärte der Abgeordnete für annehmbar, wenn inan der r b e i n i f ch e n I ndnstrie iw Osten Kom­pensationen gebe. Tue man dies nickt. dann würde diele F"dustri; untergeben. Der lozialisti>che Abgeord­nete Blum ve-wars dos Gesetz. Dadurch würde man die deutsch- Aix-fuhr de-wassen berabmindemr. vass Deutschland seine Annuitäten nicht einmal bezciblen könne

Eine Akoorslzterung der Resolution Knox.

Dz. Boris. 14. Avril. (Drahtbericht.) Die ..Chicago Tribüne stellt in einem Kabeltelegramm aus Washington fest, dass der berühmte Abschnitt 6 der Entschliessnag Knor. in dem seinerzeit der Senator eine Erklärung vorichlug. datz Amerika im Falle einer neuen Bedrohung des Weltfriedens genau so bandeln würde wie im letzten Kriege, aus Ersuchen des Präsidenten Harbina der Eutlchliedung nicht mehr aogehören wird.