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Mittwoch. 6. April 1921.
Morgen-Ausgabe.
Nr. 157. « 69. Jahrgang.
Der große Gläubiger.
Die lange verhüllte Frage der Stellung Amerikas zu den Kriegsentschädigungen beginnt ihren Umriß zu zeigen. An dieser Tatsache wird auch dadurch nichts geändert, datz die französische Berichterstattung versucht, die amerikanischen Äußerungen aus deutsche Anfragen und Borschläge zurückzuführen. Es ist freilich wahr, datz Minister Simons mit dem amerikanischen Geschäftsträger Dresel gesprochen und ihm auch eine schriftliche Gedächtnishilfe zur Verfügung gestellt hat. Was aber das Auswärtige Amt den Vereinigten Staaten bekannt gegeben hat. und was nach den letzten Meldungen die Friedensentschließung Knox' als Zusatz enthalten soll, ist in seinem Kern weder Antwort an Deutschland noch Antwort an Viviani, sondern die unmittelbare Kundgebung der amerikanischen Friedensauffassung. Man kann darum gänzlich auf sich beruhen lassen, ob oder wieweit die deutsche Regierung auf den Präsidenten Harding zu wirken versucht hat. Nicht Deutschlands oder Frankreichs, sondern ausschlietzlich Amerikas Wünsche und die Gründe dieser Wünsche drücken sich in den Washingtoner Kundgebungen aus.
Danach hält die Union an zweierlei fest: Deutschland soll die Verantwortlichkeit für den Weltkrieg auf sich nehmen; Deutschland soll „bis zur Grenze der Leistungsfähigkeiten" zahlen. Damit haben sich die Vereinigten Staaten äußerlich durchaus dem Standpunkt der europäischen Kriegs- genosfen angepatzt. Aber die Beweggründe sind andere und daher auch die Folgerungen andere.
Sieht man von allen grundsätzlichen und allen Stimmungswirkungen ab, so liegen die Dinge für die Vereinigten Staaten sehr einfach. Die „Schuldfrage" ist ihnen^ praktische gleichbedeutend mit der Schulden- frage. Sie haben den europäischen Verbündeten rund 10 Milliarden Dollar geliehen. Diese Summe gehl über den Betrag einer tatsächlichen „Wiedergutmachung", im Sinne des Wilson-Programms, erheblich hinaus. Leistungsfähig sind die Schuldner, insbesondere Frankreich, allein, wenn sie entsprechende Beträge von Deutschland erhalten können. Sie können das nur, wenn ihnen der Anspruch auf Entschädigungen weit über den Wert des im Kriegsgebiet zerstörten Gebietes hinaus, also auf Militärrenten und Ähnliches zugestan- den wird. Zugestanden werden kann ihnen dieser Anspruch nur, wenn Deutschland als schuldig, nicht nur an den Verwüstungen, sondern an der Tatsache des Krieges gilt. Solange Amerika verlangt, datz seine Schuldner für feine Darlehen also für ihre Kriegskosten, einstehen, wird es auch fordern, daß Deutschland, als mittelbarer Schuldner, diese Kriegskosten zahlt. Die Schuldformel ist tatsächlich nichts als der diplomatische Ausdruck für den Willen Amerikas, auf die Rückgabe der hergeliehenen Milliarden nicht ,'u verzichten
Deutschland muh freilich bei dem Einspruch gegen das «Lchuldbekenntnis verharren. Wenn ihm auch klar stt, daß keine Formel noch Gegenformel an der für die Bereinigten Staaten wesentlichen Tatsache, den zehn Milliarden Dollar, etwas ändert. Die Möglichkeiten,
Siegeranspruch oder seine Folgen auf dem Weg über Amerika zu mildern, liegen auf anderem Gebiet, zunächst wünschen die Vereinigten Staaten, die mit 2er Gesamtheit der Weltwirtschaft und weiten Z?it- raumen rechnen, datz ihr Handel nicht durch Verwüstung des europäischen Kern^andes beeinträchtigt wird: infolgedessen fordern sie für die deutschen Zahlungen ein sder deutschen Leistungsfähigkeit) „angemessenes und gerechtes Verfahren". Aus den gleichen Gründen kann wnen an einer Beanspruchung Deutschlands über die Grenze von ^0 Goldmilliarden hinaus nichts liegen. 4-s wäre ab-r sehr verfehlt. die Gleichsetzunq des amerikanischen Glänbiaeranspruchs mit der deutscksn Wioder- Aurmachungsschuld nun so au deuten, datz Amerika unschz, unmittelbar der Gläubiger Deutschlands zu werden. Als Schuldner sind ihm die Der-bandsmächte nc ? ^eber: es will nur. datz diese Schuldner, nn , gr ilckier Gablungen, „gut" bleiben. Es ist also
^lwerikn nitzUeicht eine gewisse Vermittlertätiaküt, w, * einen Fall aber die Übernahme der Verbandsfor- ^erungen zu erwarten.
Die amerikanischen Besatzungstruppeu.
ölfenMeN?"*-^'Avril. (Havas.) ..Petit Puristen" v! OiieNe i em Tclcgramin aus Washington aus englilck Sihfin die amerikanischen Besarmngstruuv'n o
sollen ** °or dem 1. Juli vermindert werd
Der neue amerikanische Botschafter in London.
«erstehend"^"'Avril. (Ein. Drabtbericht.) Die als l ««m ameri?»?-^"^* Ernennung des Obersten Sarvl barven Botschafter ln London liegt jetzt v>
Weeklw' ^Erausgcber der volitisckeu Wochenschrift ..Harr einsiellen «’Ü*® r k ^doch das Erscheinen des Blattes so Ia.1 «len. w>« er den Botlchastervosten in London inne bi
Wiederzusarnmentritt der Parlamente.
Br. Berlin. 5. April. lEig. Drabtbericht.) Nach der Oitervauie nehmen die Parlamente ihre Tätigkeit in allernächster Zeit wieder auf. Der Reichstag wird voraussichtlich erst am 2V. Avril seine Beratungen wieder beginnen. Der vreu bische Landtag tritt aber bereits am nächsten Donnerstag, den 7. Avril, wieder zusammen. Dre Regierungsbildung in Preußen mutz dann endlich erfolgen. Man erwartet im Anschlutz daran eine grotze mehrtägige Aussvrache. in der auch der kommunistische Aufruhr eine Rolle ivielen wird.
Die Überproduktion an Gesetze«.
Berlin. 5. April. lEig. Drabtbericht.) Sehr mit Neckt ist seit der Revolution immer wieder über die Schnelligkeit und Produktivität geklagt worden, mit der die Gesetzesfabrikation im Gegensatz zu anderen Fabrikationen arbeitet. Die Richtigkeit dieser Klagen wird beleuchtet dadurch. datz nach Mitteilung van sachkundiger Seite allein im Reichsarbeitsministerium nicht weniger als fünfzig Gesetzentwürfe bearbeitet werden.
Reue Regierungsräte?
Br. Berlin. 5. April. (Eia. Drabtbericht.) Dem Reichstag und dem vreutzischen Abgeordnetenhaus find Eingaben rer amtlichen Kammer st enogravhen der Berliner Parlamente zugegangen, in denen diese um Perleibung des Titels „Regierungsrat beim stenographischen Dienst" bitten.
Erhöhung der Wochen- und Monatskarten.
Br. Berlin. 5. Avril. lEig. Drabtbericht ) In der . B. Moraenvost" wird ein Erlatz des Reichsverkedrsministers dekanntgegeben. wonach ab 1. Juni auch die Prelle für Wochen- und Monatskarten ungeheuer erhöbt werden sollen. Die Steigerung soll im Fernverkehr bis zu 300 Prorem betragen.
Wiederaufnahme der Arbeit in Lichtenberg.
Dz. Berlin. 4. April Nach der „B. Z." beschlossen die städtischen Arbeiter in Lichtenberg heute vormittag in einer Vollversammlung, die Arbeit sofort wieder aufzunehmen. In allen städtischen Werken wird seit 10 Uhr mit voller Besetzung gearbeitet.
Ein großer Hochperratsprozetz.
Br. Halle. 5. Avril. lEig. Drabtbericht.) Der Soch- vrrratsvrozetz argen die Kommunisten Vater aus Magdeburg. Jacob aus Bielefeld und 1? weitere Angeklagte ttndet am 15. und 18. Avril vor dem außerordentlichen Gericht des Truvvenkommandos im Magdeburger Sckwurgerichtsiaal statt. Die Anklage stützt sich auf Angaben. welche die Behörde trotz strengster Geheimhaltung erhielt. wonach zur Durchführung linkscadikaler Putschvläne im ganzen Reich eine Rote Armee organisiert werden sollte. Die Verteidigung hat die Ladung Eschericks beantragt.
Reue Verhaftungen in Breslau.
Dz Breslau, 5. April. Der Polizei gelang es, verborgen gehaltene Sprengstoffe zu ermitteln und zu beschlagnahmen. Durch Zufall gelangte sie außerdem in den Besitz von Schriftstücken, auf Grund deren sie eine große Anzahl Personen verhaftete, bisher ungefähr 5,6.
Der 8. deutsche Seeschiffahrtstag.
rr Berlin. 4. Avril. Der vom Deutschen Nauti
schen Verein und vom Verband Deutscher Seeschiffervereine cinberüfene 8. deutsche Seeschissahrtstag wurde heute von dem Vorsitzenden. Senator D i m o k e r (Lübeck) iil der Aula der Handelshochschule eröffnet. Senator Dtmvker verband mit dem Dank an die Regierung die Genugtuung über den kürzlich zustandegekommenrn Abfindungsvertrag zwischen der Regierung und den Reedereien. Der Generaldirektor der Havag. Geh. Oberregis- rungsrat Dr. Enno, lvrgch über den Wiederaufbau unserer Handelsflotte, die mit der Wiederherstellung der deutschen Wirtschaft Lberbanvt im engsten Zusammenhang stehe. Wir muffen uns darauf beschränken, in erster Linie Frachtschiffe zu bauen, wSknend der Wiederherstellung des Vaffagie-vsr- kebrs nur in Vereinigung von Fracht- und Versonenkchiff- fabrt Rechnung getragen werden könnte. Für die Wiedereinführung der alten Manneszucht, ohne die der Sckiffs- betrieb undenkbar wäre, miibien wieder gesetzliche Grundlagen geschaffen werden. Einstimmig wurde eine Ent- schlietzung ona-namwen. in der die durch die Tagung ver- körverte Scbiffab'-tsmelt ffch nachdrücknchst zur schwarz- weitz-roten Fahne bekennt. .Für die Stellungnahme stnd allein vrakt,sche Grunde mengebend. ".ai-tts-hx kaufmännische Erwämingen und di« überlegte Rücksicht aus die unwandesbgre Anhänglichkeit der Ausländsdeutschen an die alten Farben.
Revision im Prozeß Hiller-Helmhake.
Dz. Berlin. 5. April. Von der Staatsanwaltschaft ist gegen das Urteil des Schwurgerichts gegen den Oberleutnant der Res. H i l l e r Revision angemeldet worden. Ebenso legte der Verteidiger des Angeklagten Revision ein, so datz der Prozeß nunmehr vor dem Reichsgericht zur Verhandlung kommen wird.
Der Schlußakt von Mosbach.
Ru. Mosbach, 4. April. (Eig. Drahtbericht.) Am Samstagnachmittag, ö Uhr. sind aus Weisung der badischen Regierung die beiden amerikanischen Detektive N a e f und Zi m m e r nach Mannheim verbracht worden, von wo sie über die Rheinbrücke in das besetzte Gebiet gelangten. Von Mosbach bis Mannheim waren den beiden Amerikanern zwei deutsche Begleiter Äeigegeben.
Der Lank an Lre Oberschlehrrr.
W. T. B. Berlin, 4. Avril. Nachdem die Volksabstimmung in Oberschlesien mit einem überwältigenden deutschen Siege endete, gelangten nunmehr auch dr« Arbeiten für ihre Durchführung zum Abschluß. Um den Erfolg der deutschen Sach« machte sich vor allem das deutsche Plebiszitkommissariat verdient, das dre deutschen Rechte und Interessen tatkräftig verfocht. Be- jonderer Dank gebührt auch den schlesischen Ausgüssen sowie den Vereinigten Verbänden heimattreuer Ober sch lesier, di« in Oberschlesien. im Reich und im Ausland« in Verbindung mit der Zentralstelle für die technisch» Durchführung der Abstimmung, der technischen Leitung des Schutzbundes sowie der Erenzsvende die Organisationen schufen, die für das gewaltige Werk der Volksabstimmung nötig waren. Hervorragenden Anteil an dem Sieg des Deutschtums in Oberschlesien haben nicht zuletzt auch alle Vereine, die in einmütigem Zusammenarbeiten unter An vannung aller Kräfte der deutschen Sacke mit zum Siege verbalfen.
Der Reichspräsident empfing die leitenden Persönlichkeiten der genannten Organisationen und sprach ibnen für ihre hervorragend«, erfolgreiche Tätigkeit den herzlichen Dank des deutschen Volkes und der Reichsregierung aus. In seiner Regrützurgsanfp-ache wies der Reichspräsident darauf hin. datz die oberschlesische Bevölkerung mit überwiegender Mehrheit ein eindrucksvolles Bekenntnis zum Deutschtum abgelegt bab«. Oberschlesien habe in alter deutscher Treue vor aller Welt bekundet, datz es deutsch bleiben wolle. Aber noch sei der Kampf um die Zukunft oes Landes nicht beendet: es gelte auch weiterhin, unter
gutes Recht zu verfechten. Wn müßten auf der Erfüllung des Willens der Ae-ötkerun« bestehen, der das Verbleiben des ungeteilten ObeMlestens Lei Deutschland fordere.
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Da. Baris, 5. April. «Drahtbs-icht.) Das ..Journal" meldet, datz die interalliierte Abstimmungskommission in Oberschtesten sich jetzt damit beschäftigt, die Abstimmungsergebnisse gemeinde wei'e feft sm( feilen und datz sie erst nach dieser Feststellung daran gebt, eine Grenzlinie festzuleaen. Diese Arbeit könne nicht vor dem 15. Avril bkginnen.
Die Neutralen und die 58prozentige Abgabe.
Da. Daris, S. Avril. (Savas.) Nach einer Genfer Deveicke des ..Echo de Paris" wollen die diplomatischen Kreise der Schweiz wissen, datz Dr. Simons, der morgen vormittag Lugano verlassen werde, ssck in Bern aufbalten dürste, wa er sich mit den Mitgliedern des Bundesrates besprechen möchte. Andererseits meldet man. datz die Schweiz seit einiger Zeit schon Unterhandlungen mit Holland. Schweden. Norwegen und Dänemark aufge- nommen bat in der Abstckt. di« neutralen Staaten dazu zu -»»NNNassen in der Frage der Erhebung einer 50orozentigen Abgabe auf die deutsche Ausfuhr eine einheitliche Haltung einzunebmen. Gewisse Kreise stellen einen Zu-
"-nbang her zwischen der Reise Dr. Simons und dieser Frage.
Die Frage der Ausfuhrabgabe im englischen ilnterhairs.
Dz. London. 5. Avril. (Drabtbericht.) Im Unterhaus wurde seitens der Regierung erklärt, für den Augenblick kei die Ausfuhrabgabe. die im besetzten Gebiet erhoben würde, dieselbe wie für das übrige Deutschland. Die Frage der Zollabgabe werde gemeinsam mit den alliierten Ländern geregelt. Auf eine Anfrage, ob die alliierten Mächte eine der vom englischen Unterhaus angenommenen deutschen Reparationsbill ähnliche Gesetzgebung eingcführt hätten, erwiderte Llovd Eeorae. die belgische Regierung tue Schrfftx, ilm eine solche Grsetzaebuna vorznbereiten. Die italienische, vortuoiesssche. griechische und stamest^che Reaie- nmgen hätten di« Absicht onsgedrückt. äbnlicke Gesetze einzu- fübren. Llood George e'kG-te auf Befragen, trotz der Annahme der deutschen Reparationsbill habe die Regierung nach wie vor die Absicht, mit der A n t i d u m v i n g b i l 1 forjzufabren. __
Dre Astreike de<- Erkgrlons Karl.
D. Men. 5. Avril. (Eia. Drabtberichi.) Das Iknga- rilcke Korresoondenzburean gibt bekannt: Aus Steinamanger wird gemeldet. Erkön-g Karl wird Diens- tagfrüch um 10'A U 6 r nach der Schweiz abreilen. Die Tenrveratur ist auf 37.8 gefallen. Der Hvfzua. bestehend aus drei Salon'nagen. ist aus Budapest in Strinamanger bereits einsetronen.
Dz. Lausanne. 5. Avril. Bei der Untersuchung, die der waadtländi^ch« Polizeiinlnektor in Begleitung eines Polr- zeiwachtmeillsrs in der Villa Prangt ns vornabm erklärte die Grkni'erin Zita, datz Kaiser Karl bereits am 'llonnerstaamo'-aen (?A. März) von P-angins ahgereist fei- sie ball« die Vo-dereit-ngen ,ur Abreise getroffen und von dem Vorbaben ihres Gemahls allein Kenntnis gebäht.
D Baris. 5. Avril (Eig. Drabtbericht.) Dis ..Dar News erfahrt aus Kanstantinovel. datz der P r l r Andreas von Griechenland, der Bruder di Königs Konstantin, der kürzlich auf dem Schlachtfeld aegc die Dirken verwundet wurde, seinen Verletzungen erleg« ist. Auch der griechische General W a b o k u l o o ist getöt worden.
Zusammenstöße in Indien.
Dz. London, 5. April. Nach einer Reuter-Meldimg aus D e l h l kam es in der zweiten Märzhälfte zwischen englisch-indischen Truppen und Mansuds an der Nordwestgrenze Indiens zu mehreren Zusammenstößen. Ein britischer Offizier und 26 indische Soldaten wurden getötet. 1 britischer Offizier und' 25 eingeborene Soldaten wurden verwundet.
