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Samstag, 26. Februar 1921.
Die Orientkonferenz.
mz. Baris. 25. Febr. (Drahtbericht.) 2n einem von Havas verbreiteten amtlichen Bericht über die Nachmittags- Utzung der Orientkonferenz heißt es: Die Konferenz trat
nachmittags zusammen, um die Darlegungen der griechischen Delegation über die ethnographischen Statistiken, betr. die Bezirke von Smyrna und Ottthrazien. entgegenzu- nehmen. Der griechische Ministerpräsident Kalogero- V u I o s erinnerte daran, daß diele Frage bereits gründlich von der Friedenskonferenz behandelt worden sei. vor welcher Venizelos die griechische Auffassung vorgebracht habe, und daß die damals getrossenen Entscheidungen in den Friedens- Vertrag von Sövres ausgenommen worden seien. E: setze voraus, daß man nicht beabsichtige. die Frage im ganzen wieder aufzurollen, doch sei die griechische Delegation in diesem Falle bereit, alle Informationen zu geben. Hierauf erstattete E u n a r i s eine diplomatische Darstellung, in deren Verlauf er verschiedene sowohl aus türkischer als auch aus griechische: Quelle hergeleiteten Statistiken aus den Jahren 1812 und 1917 und solche noch jüngeren Datums zitierte, um zu beweisen, daß der griechische Bestand- i e i l per Bevölkerung von Smyrna und Thrazien größer sei als der türkische. Er beantwortete hierauf verschiedene Fragen Zu diesem Punkt und zu anderen Punkten der griechischen Forderungen. Hierauf richtete Kalogerovulos einen Avoel! an die Konferenz, sie möge eine baldige und endgültige Entscheidung treffen, durch die dem Orient der Friede gegeben werde. Nachdem die Griechen sich zurückgezogen harten, beschloß die Konferenz, die Türken für Frertagvormittag 1l^ Uhr und die griechische Delegation für 12 Uhr einzuladen.
M 2 . London. 25. Febr. (Drahtbericht.) Wie der Londoner Berichterstatter des ..Manchester Guardian von einem Mitglied der französischen Delegation erfährt, erhielt die französische Delegation zur Orientkonferenz vom Quai d'Orsay folgende Instruktion: Die ethnographisch« Türkei müsse nicht nur erhalten, sondern auch im allgemeinen Interesse gefördert werden. Die Smyrna- Enklave ist der Bevölkernngszahl nach (nach Ansicht der Franzosen) zweifellos nickt überwiegend griechisch. Die Franzosen wollen, daß den Griechen ein beschränktes Smyrna vleibti daß die Türkei jedoch eine größere Souoeranitäts- gcwalt, als der Artikel 69 des Vertrages von Esvres vor- nebt. erhalte. Für Armenien verlangen die Franzosen Unabhängigkeit mit einer beschränkten Grenze und die Stellung unter die Autorität^des Völkerbundes, bis das Volk in der Lage sein wird, der kaukasischen Konföderation beizutreten. Zum Schutze Koiistantinovels gegen die Möglichkeit eines griechischen Überfalls wird vorgeschlagen. das türkische Gebiet. iSenn möglich, bis zur Linie Enos-Midia ausrudehnen. Der übrige Teil Thraziens soll unter griechischer Herrschaft bleiben, vorausgesetzt, daß die bulgarischen Jnieressen in Dedeagatsch gesichert werden. Die der Türkei durch den Vertrag auferlegten militärischen, finanziellen und administrativen Beschränkungen sollen. so weit wie möglich erleichtert werden, damit das patriotische Gefühl der Türken nicht verletzt und damit die Auferstehung der Türkei gefördert wird.
mz. Paris, 25. Febr. (Drahtberickt.) In ihren Erörterungen über die Londoner Konferenz stellen .Figaro' und ..Petit Journal" fest, daß die gestrigen Darlegungen der Türkei überzeugend gewesen seien und einen günstigen Eindruck gemacht hätten. Das ..Petit Journal meint, auf den ersten Blick scheinen' allerdings ihre Forderungen wenig Mäßigung und Bescheidenheit zu verraten, und die Art und Weise, wie sie die Räumung Eiliciens durch die sranzösischen Truppen gefordert hätten, sei zum mindesten unangebracht. Aber diese übertreioenoe Art der türkischen Forderungen könne nur Westeuropäer überraschen. Tatsächlich seien die türkischem Forderungen viel weniger maßlos als die griechischen Ansprüche. Es stehe fest, daß die Türken eine Lösung vorgeschlagen batten. Die Konferenz schlage denn auch allem Amchein nach den Weg einer Abänderung des Vertrages von Teures ein. Briand ziehe gern aus oem geschickten Vorgehen der Türken den Nutzen, seine Aussassung zur Geltung zu bringen und lalle auch den bisherigen Plan einer gemeinsamen interalliierten Regierung in Smyrna von der Brldflache verschwinden. Die Franzosen seien - befriedigt, die Italiener standen mit triumphierende: Bescheidenheit beiseite und Lloyd George muffe sich schließlich vor der Logik und der Vernunft beugen. Möglicherweise wurden Lloyd 'George und Lord Eurzon den Vorschlag machen, es den Türken und Griechen selbst zu überlaffen, sich untereln- mrder zu verständigen, um dadurch rede Rerbungsflacye zwischen England und Frankreich zu beseitigen.
mz. London. 25. Febr. (Drahtbericht.).. Im Hinblick daraus, daß Venizelos nachdrücklich-dafür eintrat. der Vertrag von Esvres solle.nicht abgeändert werden, vt die Reutermeldung beachtenswert, daß Venizelos heute früh von London abgereist ist und nicht beabsichtigt. wahrend der Konferenz dorthin zurückzukebren.
Der englische Anteil an den Leistungen Deutschlands.
wz. London. 25. Febr. (Unterhaus.), Auf eine Anfrage Bottomlens nach den Reparationen, welche Deutschland bisher in Waren geleistet habe, erwiderte Ldambe-lain. der Revarationsausichutz habe bisher f»°m. britischen Reich 3 181-000 Tonnen Farbstoffe. 304 Schifte,.mtt insgesamt 150&000 Bruttotonnen, von denen 262 «wnie für 13 6u0 0p0 Pfund Sterling verkauft worden seien. zugeteilt. Bon der zugeteilten Derkaufssumme hätten an Ausgaben, für die Reparatur der Schifte 3100 600 Pfund Sterling abgezogen werden münen. — Auf eine weitere An,rage Bottomleys erk.a-ie Williamson. das britische Kriegsamt habe für den Unterha.t des rheinischen Besatzung? beer es etwa ^-46 Millionen Mark für die laufenden Bedürfnisse der -ruvpe in örtlicher Wahrung von Deutschland erhalten.
Der Kampf um die deutschen Kabel.
v. Baris. 25. Febr. (Eig, Drahtbericht^ SalbamNich wird die Nachricht de m en tt ert, daß mavixtiQ i bas A alj 1 1 von Brest natft Amerika an bte Vereinigten Staaten abgetreten buhe.
Morgen-Ausgabe.
Die rheinisch-westfälischen Bankiers an Dr. Simons.
Dz, Düsseldorf, 25. Febr. (Drahtbericht.) Die Vereinigung von Banken und Bankiers un rheinisch - westfälischen Jndllstrrebezlm- rrchtete an Dr. Simons ein Telegramm, in welchem ne ihm und seinen Mitarbeitern zu ihrem schweren Gang nach London gures Gelingen ihrer Arbeit wünscht. Weiter heizt es dann:
..Unsere Vereinigung ist geschloffen in der Überzeugung, daß das Deutsche Reick seine Unterschrift nur unter ein Abkommen setzen darf, dessen Inhalt seine Sachverständigen für erfüllbar halten. Der Inhalt der Pariser Forderungen entspricht dies:m Erfordernis nicht. Als Bewohner der Westmark wiffen wir. dag die schwer geprüften rheinischen Provinzen und die Provinzen Westfalens am härtesten zu leiden haben würden, wenn das diesem Diktat gegenüber gebotene Nein zu Zwangsmaßnahmen führen sollte. Wir wollen lieber das Schwerste erdulden als die wirtschaftliche Versklavung Deutsa,- lands. denn jeder Wiederaufbau der deutschen Zukunft ist unmöglich, so lange ein ehrenvolles Dasein nicht gesichert ist. Bleiben unsere Gegner unerbittlich, so wird der Tag kommen, an dem die Weltgeschichte ihr Urteil spricht.
Mitwirkung der Beamtenschaft an der Reparation.
W. T.-R. Berlin, 24. Febr. Die deutsche Beamtenschaft erklärte sich in einer vom Deutschen Beamten- bustd einberufenen öffentlichen Versammlung bereit, an ihrem Teil mitzuwirken an der Reparation der durch den Weltkrieg deutscherseits verursachten Schäden. Eine Reparation aber könne nur erfolgen unter freiwilliger Mitwirkung aller gewerkschaftlich organisierten Arbeitnehmer.
Das Verfahren gegen die „Kriegsverbrecher".
B. London, 25. Febr (Eig. Drahtbericht.) Die deutschen V e r t r e t e r, die von der englischen Regierung nach London berufen wurden zu einer Konferenz üuer das gerichtliche Verfahren gegen sogenannte deutsche Kriegsverbrecher, werden diese Woche in London ankommen. Sieben Fälle sind ausgewählt worden, die von englischer Seite als klare Fälle bezeichnet'werden. In dieser Konferenz mit dem britischen Generalstaatsanwalt wird der Zeitpunkt der Verhandlungen in Leipzig festgesetzt werden.-
Nr. 95. * 69. Jahrgang.
Born Botschafterrat.
mz. Baris. 24. Febr. Suvas meldet, daß der beutigen Nornnitagssitzung des Botschafterrates der Marichall Fock beiwohnte. Von dem interalliierten Kontrollausschuß in Versailles wurde dein Rat die Frage des deutschen Luft- fahrz"ugmater ia l s unterbreitet, das in Schleswig und Danzig lagert. Dieses Material gehört den Alliierten. Da die Kontrollkommission nicht befugt ist. in diesenGebieten. die von Deutschland an Dänemark bezw. den Völkerbund abgetreten worden sind, ihres Amtes zu walten, beschloß der Botschafterrat. Vertreter in diese Gebiete zu entsenden, die den Sonderauftrag erhalten werden, dieses Material zu übernehmen. Der Rat beschloß, an den Völkerbund eine Note betreffs der Danziger W affen fab r iken zu senden, die weiter Waffen Herstellen und ausiühren.
Zur Abstimmung in Oberfchlcsien.
W. T.-B. Berlin, 24. Febr. Der einheitliche Abstimmungstermin in O L e r s ch l e s r s n. der in der deurschgestnn- ten Presse des Abstimmungsgebiets große Freude beroorse- rufen Hai. wirkte, wie dem ..Vorwärts" aus OLeMlesten geschrieben wird, auf die polnische Presse enttäuschend. Das Organ Korsantys erklärte, daß dieser Beschluß der Alliierten ein schlechtes Zeugnis von der Fädigkeit sei. den einfachsten Weg zur Lösung der gespannten Zustände in Oberjchlesien zu finden. Welcher Weg den Polen als der einfachste erscheine, sei aus der Aufforderung Koi- fantys zur Gewaltanwendung hinreichend bekannt.
Schließung der pslnisch-oberschlesifchen Grenze.
mz. Berlin. 25. Febr. Nach einer Meldung der „Voff. Ztg. aus Ovvcln wird wegen der am 2V. März stattfindenden Abstimmung vom 1. März ab die volnisch-ober- schlesische Grenze für Reisende, also für den Zuzug landfremder Agitatoren aus Warschau und Posen, geschlossen werden.
Meistbegünstigung zwischen Deutschland und Bulgarien.
W. T.-B. Berlin, 24. Febr. Durch Notenaustausch, der am 19. Februar in Sofia stattfand, gestanden sich Deutschland und Bulgarien zunächst bis zum 9. August 1921 gegenseitig das Recht der Meistbegünstigung in allen H a n d e I s- u nd Wirtschaftsbeziehungen zu. Dementsprechend wurden die bulgarisSen 3 oHLehörden bereits am 21. Februar telegraphisch angewiesen, nunmehr deutsche Waren Lei Vorlegung ordnungsmäßiger Ursprungszeugnisse als Meistbegünstigte zu behandeln. Die Ursprungszeugnisse lärmen wahlweise von den deutschen Handelskammer oder Zollämtern oder von Len bulgarischen Konsulaten in Deutschland ausgestellt werden.
Rücktritt des französischen Botschafters in Berlin?
D. Baris, 25. Febr. (Eig. Drahtberickt.) „Oeuvre" versickert. der franzonime Botschafter in Berlin beabsichtige doch, seinen P o st e n zu verlassen.
Der neue polnische Gesandte in Berlin.
D. Warschau, 25. Febr. (Eig. Drahtbericht.) Zum Nach-
Der WisLeraufLau des deutschen HandelsfloLLe.^
W. T.-B. Berlin. 24. Febr. Mehreren Abendblättern zufolge, gelang es endlich die seit Jahresfrist im Gangs befindlichen Verhandlungen mit der Reederei- uns
gleich zum Abschluß zu bringen. Es besteht bte tirntg, daß die Jntereffenverbände dem ^Vergleich p* stimmen. Die Reeder verzichten auf gewisse Rechte und es wird Wert darauf gelegt, durch Aufbau eines Test» der Handelsflotte im beschränkten Umfange eure Beschäftigung der Arbeiter zu gewährleisten.
Ein Zusammenlegungs- und Sparausschuß.
Br. Berlin, 25. Febr. (Eig. Drahtbericht.): Die.Reichsregierung bat, wie wir hören, die Niederietzung eines ge - mischten Ausschusses aus 6 RelchstaIsaogeoroneten, 6 Reichsratsvertretern und 6 Vertretern der Regrerung nt Aussicht genommen, der unter Vorsitz des RelMsmnen- ministers schleunige Maßnahmen zur werigehcuo- steu Sparsamkeit in den Zentralverwaltungsn. Zu- sammenlegung der Mmisterien und deral. Beraten soll. Bei der gegenwärtig notwendigen Umd-.ldung de: Regrerung n Preußen ist naturgemäß auch diese Neub'.ldunz ber Len Beratungen zu berücksichtigen. Schon aus diesem Eruno« dürfte der neue Ausschuß sehr bald zusammentreten uns seine Arbeiten nach Kräften beschleunigen
Der Prozeß Nikolai.
Sr. Berlin. 25. Febr. (Eig. Drahtbericht.) Vor L-r
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liegt der bekannte Vorfall zugrunde, der sich vor einem halben Jahre abspielte. Prcfeffor Nikolai hatte-sich bekanntlich während des Krieges in einem Flugzeug nach Dänemark begeben ui-d fick dem deutschen Heeresdienst enr- zc>gen. Nachdem seine Vorlesungen mehrfach Lurch d:e Studentenschaft gestört worden waren, wurde schließlich ein Urteil des Senats der Universität gegen ihn erlassen, da- ihn für unwürdig erklärte, seine Lehrtätigkeit an der Universität ausruüben. und dieses Urteil wurde durch Anschlag am schwarzen Breit veröffentlicht. Der Antrag Nikolais ging nun dahin, daß dieses Diizivlinarurteil nicht rechtskräftig sei und daß der akademische Senat überhaupt nicht berechtigt sei. ein solches Urteil zu fällen, ebeuse- wenig es zu verbreiten. Im Laufs üer Verhandlungen ergriff der Kläger selbst öfters das Wort und beTÄuIbiate mehrfach den akademischen Senat der wissentlichen Unwahrheit. Das Gericht verfügte schließlich, daß die Urteilsverkündung bis zu einem noch näher zu bsstimmendsn Termin verschoben werde.
Abbruch der österreichisch-unguLi-cheu WerhsuLluirgei'..
D. Wien, 25. Febr. (Eig. Drahtbericht.) Die Verhandlungen über Westungarn sind gestern abgebrochen worden, weil eine Verständigung nicht erzielt werden konnte. Die ungarischen Vertreter treten für wÄt- gchenÄs Änderung der territorialen Bestimmungen ein, während die österreichischen Delegierten dagegen an ihrem Standpunkte festhielten, daß das Wesen dieses Vertrages nicht geändert werden dürfe.
Herabsetzung der Bergarbeiterlöhus in Belgien.
mz. Paris, 24. Febr. Nach einer Meldung aus Brüssel hat die gemischte Kommission für die Gruben beschlossen, den Lohn für die Bergarbeiter am 5. März um 5 Prozent herabzusetzen.
Die Arbeitslose» in England.
D. London, 25. Febr. (Eig. Drahtbericht.) Die Zahl der Arbeitslosen in England hat sich in der vergangenen Woche um 20 000 vermehrt. Sie stellte sich am 18. Februar auf rund 1 700 000 Mann.
Revision des japanisch-englischen Bündnisses.
D. London, 25. Febr. (Eig. Drahtbericht.) In der nächsten Zeit werden in London Verhandlungen über sine Revision das englisch-japanischen Bündnisses beginnen. Traf Chinda. der frühere japanische Gesandte in London, der den Kronprinzen auf seinem Besuchs in England begleitet, wird mit dem Baron Hnyafhi, dem gegenwärtigen Gesandten in London, den Verharrdläugen beiwohnen. Ob der Kronprinz auch die Vereinigten Staaten besuchen wird, ist offiziell noch unbekannt,.
Die Kämpfe im Kaukasus.
m. London. 25. Febr. ^ (Drahtbericht.) Nach einem Funkspruch aus Trflrs. den der Erchange Telexravh wiedergibt. meldet man. daß die Kämpfe zwischen der Roten Armee und den Truvven Georgiens in de: Gegend von Bortscalo andauern. Die Georgier hätten 2000 Gefangene gemacht.
v. London. 25 Febr (Eig. Drahtbericht.) Der Vorstoß der Georgier gegen Armenien hat mit einer vernich- tenden.Niederlage geendet. Die Bolschewiken habe, die Berblndung mit den armenischen Truvven hergestellt Dre Nachricht vom Falle der Stadt Bitlis bestätigt sich.
Der Staatsstreich in Teheran.
ruz. Baris. 25. Febr. Nach einer ..Temos"-Meldung aus London wird dort, die Nachricht von dem Staatsstreich in Teheran b e st a 1 r g t. Man versichert jedoch, daß die Kolaken iv Teberau,auf:KekeLl des Schahs eingezogeu seien.
