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Freitag, 11. Februar 1921.

Morgen-Ausgabe.

LrMßMZkiM SMWMMSN

Von Dr. Pachnicke. M. d. R.

78 Sitzungen hat der Hauptausschuß auf die Be­ratungen des Etats seit vorigen Herbst verwendet. Ab­striche sind dabei nur in ganz geringfugigein Matze er- jolgt; es kamen im Gegenteil Wunsche nach Erhöhungen bei den verschiedensten Titeln zum Ausdruck. Am Schlug des mit dem 31. März ablaufenden Finanzjahres steht ein Fehlbetrag von 80 bis 80 Milliarden Mark. Aus 79 Milliarden wurde er bereits vor 2 bis 3 Wochen ge­schätzt. Inzwischen aber sind weitere Forderungen großen Stils hinzugetreten und neue stehen in Aussicht.

Für die Erwerbslosenunterstützung ist bereits etwa 1 Milliarde Mark ausgegeben. Eine zweite Milliarde wulcke in einem Ergänzungsetat des Brbeitsminrste- riums soeben gefordert und bewilligt. Davon sollen etwa 50 Millionen monatlich zur Unterstützung, der Rest zur Schaffung von Arbeitsgelegenheit verwendet werden. Für Wohnungszwecke haben Reich, Länder und Gemeinden feit dem November 1918 4,2 Milliarden ausgegeben, ohne daß die Wohnungsnot dadurch fühl­bar gelindert wurde. Um nicht auch das Baujahr 1921 ungenützt vorübergehen zu lassen, entschloß sich dieFinanz- vorwaltung, über das bisher Geleistete hinaus noch V/ 2 Milliarden an Vorschüssen für Länder und Gemein­den zu bewilligen, welche ihrerseits durch später einzu­führende Steuern dafür Deckung bieten sollen. Lü das Reich tatsächlich wieder zu seinem Eelde kommt, ist keineswegs sicher. Einstweilen schafft die Rotenpresie Deckung.

Ein weiterer in den geschätzten 79 Milliarden nicht enthaltener Ausgabeposten betrifft die Zuwendungen des Reiches an die Länder für Gehaltserhöhun­gen. Über die 20 Milliarden hinaus, welch« di« Be- fcldungsordnung und das Pensionsergänzungsgesetz er­fordern, mutz das Reich zur Bestreitung der neuerdings bewilligten Teuerungszuschläge etwa 4 weitere Milliar­den zahlen. Die Länder empfangen einen Zuschuß, die Gemeinden nicht. Der Reichsrat hatte gebeten, wenlg- stens 100 Millionen auszuwerfen. damit bedürftige Ge­meinden in die Lage gesetzt werden, die erhöhten Ge­hälter zu bezahlen. Welche Gemeinden sind aber heute nicht bedürftig oder würden sich nicht als bedürftig be­zeichnen, sobald es gilt, aus einem Fonds Zuwendungen zu erlangen. Die 100 Millionen wären dann nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

5V 2 Milliarden sind kurzerhand zur Verbilligung von Auslandsgetreide, 1,3 Milliarden zur Verbilligung von Auslandsmais für Futterzwecke, 500 Millionen für phosphorfäurehaltige Düngemittel, 277 Millionen für Frühdruschprämien bewilligt worden. Nach Mil­liarden zählende Opfer werden noch erforderlich, um die Ansprüche der Reeder zu befriedigen, die ihre Han­delsflotte wieder Herstellen wollen. Viele Milliarden sins nötig, um die Ausländsdeutschen zu entschädigen, die im Krieg ibr Vermögen verloren haben. Es braucht ferner nur eine' neue Teuerungswelle öder infolge der beabsichtigten Änderung der Mietsordnnng eine erheb­liche Mietssteigerung zu kommen' dann ist eine neue Lohn- und Gehaltsbewegung da, die wiederum Milliar­den verschlingt.

Die Finanzlage ist also über alle Maßen trostlos. Dazu kommen die Propositionen des Fcindbundes, die sich, wenn nicht noch ein Münder geschieht, in Dezisronen verwandeln und mit Sanktionen enden werden. Noch sind es Vorschläge, bald werden es Vorschriften ,e,n^ deren Nichterfüllung die angedrohten Strafen nach sich

ziehen Wie wir bei der im vorstehenden geschilderten Lage unserer Finanzen aber Summen von geradezu astronomischen Erößenverhältnisfen zahlen sollen. ist das

Geheimnis der Entente. „ . . , . „ -

Neue Steuern werden angekundigt auf Zucker. Süßstoff. Branntwein, Devisen. Versicherungen und auf Kohle. Aber selbst, wenn der Reichstag, was keineswegs keststeht sie alle bewilligen sollte, würden höchstenfalls einige Milliarden Papiergeld herausspringen, welche zu den erstmalig geforderten 2 Milliarden Eoldmark außer allem Verhältnis stehen. Wieder mutzte d,e Notenprejfe helfen. Die jetzt bereits 171 Milliarden betragende schwebende Schuld stiege ins Ungeheure weiter Damit aber würden wir uns den Geld- und Marktverhältniffen Österreichs nähern, das uns in dieser Richtung immer nur l 1 /? Jahre voraus war.

Die deutschen Gegenvorschläge auf der Londoner Konferenz.

m7 London, 9. Febr. Reuter verzeichnet ebenfalls dis Version aus Pariser politischen Kreisen, wie stc L>avas bereits gemeldet hat, datz^ die Deutschen ge­mäß den Reckten aus dem Fr'.edensvertrag auf der Londoner Konferenz gehört werden sollten. Wenn sie irgendwelche neuen Gegenvorschlags unter­

breiteten, um das Pariser Abkommen zur Durchführung zu bringen» so sei es möglich, daß diese Vorschläge ge­prüft würden; wenn die Deutschen dagegen versuchten, die Bestimmungen dieses Abkommens zu verschieben, würden sich die Alliierten darauf nicht einlassen. — „Daily Ehronicle" sieht die Antwort der deutschen Re­gierung auf die Einladung der Alliierten zur Teilnahme an der LondonerKonferenz als eine e i n g e f ch r a n. t e Annahme an. Das Blatt schreibt, man konnte sich, obgleich wenige es erwarteten, eine Reihe von prarli- chen deutschen Gegenvorschlägen denken, die die nuncr- tcn Regierungen ihren eigenen Vorschlägen ernver- leiben oder gar an Stelle dieser eigenen setzen wurden. Zugleich hätten jedock die Alliierten das letzte Wort, und jedem Gedanken daran, gegen den Willen . der Alliierten die deutschen Vorschläge an Stelle derjeni­gen der Alliierten zu setzen, könne, wenn die Zeit käme, energisch entgegengetreten werden. Die deutsche. gebe nicht zu verstehen, daß die Deutschen die Vorschläge der Alliierten als unannehmbar bezeichneten, sondern nur, datz die Vorschläge nicht den einzigen Ausgangs­punkt der Erörterung bilden könnten. Wenn die deut­sche Delegation jedoch einen solchen Vorschlag später machen sollte, so müßte dem natürlich energisch entgegen­getreten werden.

Gegen die Ententesorderungen.

W.T.-B. London. 9. Febr. In einer Unterredung mit dem Berliner Berichterstatter der „Ärilv. News erklärte Prinz MarvonBaden.dre Staatsmänner der All: er­teil wüßten wohl, daß die in Paris avigestellten Fordeiun- aen unerfüllbar seien. Unmögliche Bedingungen wurden

5 0 Rte: „üte megieruim ------- .......

unterschreiben. Wir sind eher bereit, uns rn eine Katastrophe. die der Einmarsch französischer Truppen und die Besetzung des Ruhrgebiets nach sick ^ehen wir^ zu schicken, als mit eigener Sand unseren Kindern und Enlcin die Ketten anzulegen, die uns jetzt fesseln.

Verlängerung des Einfpruchstcrmins gegen die oberfchlesifchen Stimmlisten, mz. Berlin. 10. Febr. Die interalliierte Kommission in Oppeln bat die Frist für Eindrücke. gegen.dl- Ablehnung der Eintragung in die Stimmlisten bis zum *22. Feotuar. abends 6 Uhr lin Oberschlesien eingehend), verlängert. Siernach ist es erforderlich, daß die Ortsgruppen der ver­einigten Verbände h-imattreuer Oberjchlesier die» Letzte" Einsprüche spätestens am 18. Februar auf dem üblichen Wege zur Absendung bringen. Wer nicht bereits eine vom pari­tätischen Ausschuß unterstempelte Mitteilung über seine er- solgte Eintragung in die Stimmriiten erhalten bat. mutz »ich iosort bei der zuständigen Ortsgruppe melden und E,n- pruch erheben, diesglcichen dlelenrgen. denen AblebnuMen oder bloße Empfangsbestätigungen -i-gegangen sind. Wer nicht Einspruch erhebt, verliert sein Stimmrecht.

Verschiebung der landwirtschaftlichen Woche.

Dr. Berlin. 10. Febr. (Eig. Drahtbericht.) Die all­jährliche landwirtschaftliche Woche, die >omt Anfang rrebruar statlzufinSen pflegt, ist in diesem Jahre wegen der Land- tagsrvaülen auf Ende Februar verschöbe n. Sie wird am 26. Februar mit der Tagung der Landwi-t'chaitsg^cll- schaft beginnen. Bemerkenswert ist. dag m diesem Lahr die Generalversammlung des Bundes der Landwirte ausiallen wird. An ihre Stelle tritt die erste Tagung des neu gegrün­deten Reichslandes Hundes, der damit wohl das Erbe des Bundes der Landwirte antreten durfte. Dre Tagung findet am 3. März statt.

Ein Steckbrief.

Dr. Berlin. 10. Febr. (Eig. DraLtb-richt.) Wie Gras Reventlow in feinem ..Reichswart mitteilt. hat die dänische Staatsanwaltschaft einen Steckbrief gegen, den früheren Korrespondenten der „Frankfurter Zeitung in Kopenhagen. Serin F. M. E a b e n. erlassmi., 'J2, Ber- Itrer Auswärtigen Amt persönlicher Pressechef des Staats­sekretärs Brockdorss-Rantzau war.

Verlängerung des Völkerbundsmandats der Saar­regierung.

uw. Genf. 10. Febr. Gemäß einem vom Völlerbund am 18. Dezember v. I. gefaßten Beschluß hat der Generalsekretär des Völkerbunds nunmehr die Mandaisdauer des Präsiden­ten und der drei Mitglieder der RegierunsÄommnsion des Saargebiets verlängert. Die Mitglieder der Regierungs; kommt sion (Raoul. Präsident. Kommandant Lambert. Graz Maltke-Suidfeld und R. D. Waugt) wurden bekanntlich am 13 Februar 1920 auf die Dauer eines Jahres ernannt. Ihr Mandat ist am ö. Januar um 1 Iabrverlä ns e rt wor­den bis zur Bekanntgabe der Entscheidung des Volkerbund­rats. der sich in seiner nächsten Sitzung mit dieser Frage be­schäftigen wird. ___________

Poincar^ über die Ursachen des Weltkrieges.

mz. Paris. 10. Febr. (Drahtbericht.) Der ehemalige Präsident P o i n c a r 4 hält eine Reihe von Vorträgen über die Ursachen des Weltkrieges. Im gestrigen ersten Vortrag erläuterte er die Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland in den Jahren 1870 und 1914 und wahrend den letzten Tagen, die dem Ausbruch des Krieges vorausgingen. Er sagte. Deutschland habe den Krieg gewollt, weil es ihm

Nr. 69. ch 69. Jahrgang. England und Amerika.

iaz. London, 10. Febr. (Drahtbericht.) Das Saupt- tbema der englischen Presse ist etn . von “W 1 !? 1 * 1 : Blättern aus London gebrachter Bericht über die Unter rcdung eines höheren Beamten dos britischen Allt>wa^- ugen Amtes mit amerikaniichcn ^ournaluren ck London, m der der englische Beamte davor gawarnt bauen >ou. va> amerikanische und englische Volk vonenranocr zu °ntnemLen. Ferner soll er erklärt haben: ...Wir gehen auf dem Wege, der zum Krieg fuhren mus. 1 r

icht wird von der Hearstpresse und der United Preß m den Bereinigten Staaten verbreitet, was dort begreuliArrweise Aufsehen hervorgerufen hat. Er beruh: — une ™ einem amtlichen Dementi und in englischen Blattern uiitgete.lt wird — auf einer falsche n D a r st e l un g der Tatsachen. Tw rcbteritaiter erWaynie

--tn einer nermuiuweu wuunvuu» ™

amerikanischen Journalisten in London die Fragen der eng lisch-amerikanischen Beziehungen erörtert batte. Der vaupt- zweck der Anterreoung war die N o t w e n d i g k e i t e l n e s engen Einvernehmens zwischen wroßbritannien und den Vereinigten Staaten zu betonen.

Wie die ..Times" meldet, hat die Meh.rzahl der ame-i- toniicben Berichterstatter in einer Sondersitzung die Frage ihrer zukünftigen Beriehungen zu den Vertretern der vea.st- presfe und der United Preß erörtert. ..Dailq Ervteg

meldet aus New Port, das Staatsdepartement habe den

amerikanischen Botschafter in London beamtragt, beim Aus­wärtigen Am: Eriundigungen in dieser.Angelegenheit ei,z- znholen. Sollte es sich bestätigen, da« Sir Aualand Gedües öen amerikanischen Berichterstattern gegenüber von der Möglichkeit eines Krieges zwilchen Amerika und England gesprochen habe, io unterliege es kemem Zwenet. oaß dies aus seine Stellung de: der augenolc-taichen amen- konischen Regierung nicht ohne Einflutz bleiben könne.

„Tally Cüronicle" zufolge bat Eeddes ledoch das Wort Krieg bei der Unterredung gar ment in den Mund ge­nommen. Die Blätter nehmen auch an ihren Leltartuetn zu dieser Angelegenheit Stellmm. Die „Times meint, es »ei leicht begreiflich, daß eine Verdrehung der Worte c-es hoben britischen Beamten, besonders rn deutschsreund- lichen und englandseindlicken Blättern willkommen sei. Die .Ht.be Lloyd Georges in Birmingham und die allgemeine Zustimmung, die sie in den Vereinigten Staaten gesunden habe.- seien schmerzliche Schlage 3)<S

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nuien ouiHuicuiau. VMJ “-1-“%, -,'.‘,..'1 v....v...„...J»e Politlr,

bezro. keine klare auswärtige Politik in einer Anzahl von Fragen. Es bestehe kein Auswärtiges Amt.: das in. von Lloyd George verdrängt worden. Unter Smweis am tote zwilchen beiden Ländern schwebenden Fragen, bcrr. die Kabel, die englische Schuld an Amerika. d,e Rustungm zur See. die engluck-iapanischen Beziehungen sowie die Petro- leumfraae. schreibt das Blatt weiter: Es fei erfreulich, daß in amtlichen Kreisen Washingtons und im Kongreß allge- nrein die Ansicht verbreitet sei. ein Druck zwischen Amerika und England wegen, dieser Fragen er- scheine undenkbar. Es sei ledoch im Interesse beider Rnlionen wünschenswert, dan dre Behandlung dieser Fragen nicht länger der zufälligen Divioinatie Lberlasim werde. Die englische auswärtige Politik rnunc aus runda- mentaler Grundlage beruhen. Ein vauptmund dieser Grundlage müsse sein ein aurrlcktigev Einvernehmen mit Frankreich, Eine herzliche, wahre Freundschaft mü Amerika sei die notwendige Ergänzung.

scheinend luchten sie jetzt Trost in dieser GeschvÄte. .Das Blatt fährt fort. England sei zum Teil >elo,t schuld an enlem wichen Zwischenfall. Es bestehe, keine amerikanische Politik.

-üch«r bekannt sind.

Bevorstehender Erscnbahnerstreik in England.

mz. London, 10. Febr. Wie die Blätter melden, droht ein Streik der Eisenbabuer in der nächsten Woche auszu- brechen. Einige Dtitglieder des Verbandes der Lokomotiv- fühier und Heizer waren bei der vor Kurzem stattgefun­denen Schießerei in Mallow (Irland) ums Leben gekommen. Der Vollzugsausschuß fordert Letzt von der Negierung eine Untersuchung dieser Angelegeirheit. De: Ausschuß droht, daß alle Mitglieder des Verbandes in den Ausstand treten werden, wenn die Untersuchung nicht stattfindet. Der Generalsekretär des Verbandes erklärt, die Lage sei sehr ernst.

Zwangsanlciye und Bermögeusabgabc in Polen.

W. T.-B. Warschau. 9. Febr. De: Finanzminister

S t e c z k o w s k i entschloß sick. von dem Gesetz über eine Zwangsanleiüe Gebrauch zu machen, und beauftragre den Vizeminister Rybarski mit der Ausarbeitung der dies­bezüglichen Verfügung. Ein Entwurf der Verfügung wurde

gäbe beraten.

Bolschewikische Truppenzusammenziehungc».

v. Krakau. 10. Febr. (Eis. Drahtbericht.) Aus Sluck wird mitgsteilt. daß die Dolschewiken in der Umgegend Truppen rn Stärke von 80 009 Mann konzentriert haben.

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Längs de: Grenze werden in aller Eile unter Rkitarbeit der Zivilbevölkerung Befestigungen und Schützengräben er­richtet. Die Bolschewiken berufen immer weitere Jahr­gänge ein.

Zulassung d«r deutschen Sprache in der rumänischen Kammer.

D. Bukarest. 10. Febr. (Eig. Drahtbericht.) Infolge einer Interpellation des siebenbürgischen Abgeordneten Rudolf Brandsch ist die deutsche Sprache vom rumänischen Kammerpräsidenten ausdrücklich als gesetzlich berechtigt an­erkannt worden.

Sozialistische Bewegung in Chile.

v. London. 10. Febr. (Eig. Drahtbericht.) Die Be­wegung unter der >Ärbeiter!chaft in den Salpetergebielen von Chile breitet sich aus. Die Arbeiter beabsichtigen, die Salveierindustrie zu sozialisieren. Die Reglttung bat

Lkübbe» und K«-rKsich,iie mtmM,