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Die deutsche Entschädigung.

" ttiz. Paris, 11. Nov. (Drahtbericht.) Die Be- lorechungen zwischen der französischen und der englischen Regierung hinsichtlich des Vorgehens bei der Bestim­mung der deutschen Wiedergutmachungssunrme und oeren Zahlungsweise dauern fort. Im Zusammen­hangs mit der Überreichung der englischen Antwort auf die letzte französische Note stattete der englische Bot­schafter Lord Derby dem Sekretär des Ministeriums des Auswärtigen Bertelot einen Besuch ab. Nt an glaubt zu wissen, datz ein vollständiges Ein­vernehmen erzielt worden ist. Man habe nur noch die endgültige Abfassung der Note zu vereinbaren, in der die vorgesehenen vier Etappen der Verhandlungen festgelegt werden.

, Die deutsch-polnischen Wirtschastsverhandlungen.

iuz. Berlin. 10. Nov. Die von der deutschen und der polnischen Regierung in Aussicht genommenen V o r b e - svrechungen. betr. die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern und über andere gleichzeitig zu erledigende Fragen, fanden in den letzten Tagen :m Aus­wärtigen Amt statt. Die polnische Delegation, die von dem llnterstaatssekretär im polnischen Ministerium für In­dustrie und Handel geführt war. ist zunächst nach Warschau zurückgekebri. um ihrer Regierung über das Ergebnis der Vorbesprechungen Bericht zu erstatten.

Ein Ultimatum der Entente an Ungarn.

W.T.-B. Mailand. 10. Nov. Der ..Secolo" meldet, da« GioIitti im gestrigen Ministerrat mitteilte, datz die alliierten-Mächte an die ungarische Regierung wegen ihrer unklaren Haltung ein Ultimatum richteten, nach welchem die Ratifikation des Friedensvertrages von Tnanon bis zum 15. November verlangt wird. Giolitti fugte bei. datz die Vudapester Regierung sich vielleicht über­triebenen Hoffnungen bingegeben habe im Vertrauen auf me Freundschaft einiger Diplomaten der Westmächte, auf welche gestützt sie eine wesentliche Milderung des Vertrages erhoffe.

Der künftige französische Botschafter in London.

' Bb. Paris. 11. Nov. Zum neuen französischen Bot­schafter in London - ist der bisherige Botschafter in Madrid, Baron de Saint Aulaire, ernannt wor­den.

Wiesbadener Nachrichten.

Landesansschutz.

r ~ Der Lande saus schuh in seiner neuen Zusammensetzung ist heute im Landeshaus zu seiner ersten Sitzung zusammen­getreten. Früher setzte sich di« Körperschaft aus 11 Mlt- Äiedern zusammen, und zwar ausschlietzlich ihres Vorsitzen­den und des Landeshauptmanns, welche beide ohnehin Mit­glieder waren. Heute beträgt die Miltgliederzahl 14. Dar­unter befindet sich der neu« Vorsitzende unter den vom Kom- munallandtag Gewählten, und lediglich der ^Landeshaupt­mann ist auf Grund feiner Stellung Mitglied. Was aber be­sonders den jetzigen Landesausschutz von dem seitherigen un­terscheidet. ist seine Politisierung. Im Gegensatz zu früher vollziehen sich die Wahlen zum Kommunallanditag jetzt be­kanntlich nach der Verhältniswahl, und demgemätz gliedert sich auch der LandescmsÄuh letzt nach Gesichtspunkten der politischen Parteizugehörigkeit. Die Mehrhettssozialdemo- lratie als die stäMe Partei des Kommunallandia,as. hat 4. Zentrum und Deutsche Volksvartei haben ie 3. die Demo­kratische Partei hat 3 und die kleine Fraktion,der Unab­hängigen 1 Mitglied in den Landesauschütz entsandt. wah­rend unter den Stellvertretern das Mandat der Unabhängi­gen an die Demokraten übergegangen ist. Mitglieder sind beute Parteisekretär Witte (Wiesbaden): Vereinsbeamter Äapf (Frankfurt): Kaufmann Trott (SaigerN Stad trat

Äansgemach (Frankfurt): Weingutsbesitzer vanleim (Hoch- Heim): Skonomierat Schmitt (Molsberg): GewerSchartsbe- amter Rienecker (Frankfurt); Bürgermeister Travers (Wies­baden): Landwirt Christ (KlapvenheiM): Bur-germeffter

a. D. Schneider (Stei-niffchbach): Geb. Justizrat Dr. Alberti (Wiesbaden); Oberbürgermeister Voigt (Frankfurt) und Stadtrat Plewe (Frankfurt). Zum ersten Vorsitzenden ist Bürgermeister Travers, zum zweiten Vorsitzenden Ober­

bürgermeister Voigt durch den KommunaLandtag gewühlt worden. Die heutige Tagesordnung war eine nur kurze und zeigte als Hauvtgegenstand die Einführung der neuen Mit­glieder. die Einführung des neuen Vorsitzenden und die Ein- führumg des neuen Landeshauptmanns. Wes erledigte sich glatt, ohne Widerspruch.

Schulanfang. An den Volks-. Mittel- und höheren Schulen beginnt von Montag, den 15. November, ab der Un­terricht vormittags 8'A Uhr.

Beschleunigte Erledigung von Beschwerden der Be­amten. Eine beschleunigte Behandlung von Beschwerden der Beamten bezweckt eine besondere Anordnung des Reichs- schatzministers. Die Beschwerden sind dem nächsten Dienst­vorgesetzten als der zuständigen Behörde zuzuleiten., Soweit dieser nicht selbst zur Entscheidung befugt ist. bat er die Sache mit Stellungnahme der nächsthöheren Stelle vorzulegen. Gegen einen Vorgesetzten persönlich gerichtete, den Vorwuris einer Verletzung feiner dienstlichen oder austerdlenWichen Wlichten enthaltende Beschwerden können bei desien nächstem Vorgesetzten unmittelbar angebracht werden. Mündliche Vorträge sind nur nach vorheriger Genehmigung zülafsig.

Zur Frage der Errichtung eines Schuldezer»ats. Der Vorstand des Vereins für das mittlere Schulwesen schreibt uns: An der Lehrer Versammlung, di« im Lyzeum am Bose­platz sich gegen die vom Magistrat geplante Einrichtung eines Schuldezernats für die höheren Schulen aussprach, bat die Lehrerschaft an den Wiesbadener Mittel­schul e n nicht teilgenommen. Die Lehrer und Lehrerinnen an den Mittelschulen Wiesbadens werden zu der Frage des Schuldezernats in einer vom Verein für das mittlere-Schul- waen für Samstag dieser Woche einberufenen Versammlung Stellung nehmen.

Der Aufkauf von Kartoffeln in Preuhen ist vom 18. d. M. ab von der Erteilung einer besonderen Erlaubnis abhängig, sofern innerhalb des Wirtschaftsjahres mehr als 50 Zentner aufgekauft werden. Die Erlaubnis m zu ver­sagen. sofern persönliche Gründe der Erteilung entgegen­steh en. insbesondere wenn begründeter Verdacht besteht, dag der Aufkäufer den Erzeugerpreis über den Preis von 2o M. pro Zentner erbeblich steigert oder Handlungen unternimmt durch den derselbe umgangen wird, oder dre Kartoffeln ledost einer verbotswidrigen Verwendung zugefubrt werben

könnteir.^^^tu,, Nachtschnellzüge Berlin-Frankfurt. Der

Schlafwagenverkebr und überhaupt der Nachtverkehr zwlWen Berlin und Frankfurt a. M. hat ebenfalls wie zwischen Ber­lin und Köln einen derartigen Umfang angenommen, dag es eine betriebstechnische Notwendigkeit ist. neue Verbindungen zu schaffen. Trotz aller Schwierigkeiten der Koblenversorgung und der Gestellung von Lokomotiven hat sich d« Rerchseisen- bahnverwaltung entschlossen. auch Nachtschnellzuge zwischen Berlin und Frankfurt einzulegen. Sie verkehren ebenfalls vom 1. Dezember am. Die Züge laufen von der Berliner Stadtbahn über Belzig. Nordhausen. Bebra und Fulda. Die sog. Kanonenbahn erhält damit zum erstenmal wieder die ihr fehlenden Schnellzüge. Von den Heiden Zügen geht der «ine vom Schlesischen Bahnhof in Berlin 9 20. von der Friedrichstmsie also etwa 9.39 und ist in Frankfurt 8.36. Der Gegenzug geht von Frankfurt 9.05 und kommt nach dem Schlesischen Bahnbof in Berlin 8.10. nach der FriedrMtrage also ungefähr 7.50. Die Züge erhalten nicht nur Schlaf­wagen, sondern auch Kurswagen aller drei Klassen.

Die Wege zum inneren Frieden. Dieser Vortrag, .den gestern abend auf Veranlassung der D eu tsch natio­nalen Volksvartei ihr Abgeordneter für . Sessen- Rassau Dr. Ritter (Berlin) hielt, übte groge Anziehungs- kraft aus. Die Aula des Lyzeums am BGepkatz war dicht gefüllt und die Zuhörer lauschten über zwei Stunden lang den Ausführungen des Redners, ohne datz das untere sie da­für nachlietz. Dr. Ritter unterzog die Ereignis,e der letzten Jahre von seinem Standpunkt einer kritischen, ernsthaftem Betrachtung und beleuchtete die traurige Lage, rn der,sich gegenwärtig Deutschland befindet. Aus all fernen Ausfüh­rungen aber klang Glaube und Hoffnung heraus, die feste Zu­versicht. datz das deutsche Volk die Kraft finden werde,, sich aus der Tiefe wieder zu erbeben, durch die Bildung einer neuen Volksgemeinschaft, die das Wachstum eines -grasen Geistes verbürge für fernere Geschlechter und Jahrhunderte. Als Folgerung hieraus ergeben sich die Forderung«: auf religiöse Erziehung, seelische Bildung und sozial« Gesinnung. Erhaltung der sittlichen Gemeinschaft der Familie, die der Grundpfeiler aller Volksgemeinschaften fei. wobei die Frau im allgemeinen wieder mehr auf ihre Stellung als Haus­frau und Mutter bedacht sein müsse. Mit den Worten, man möge nicht vergessen, datz die Deutschen einen weltgeschicht-

lichen Glauben hätten, fchlotz der Redner seine mit allsei,, i,- gem Beifall aufgenommenen Ausführungen. ....

Latein für Apothekerinnen. Kenntnisse in der scheu Sprache sind nicht nurNrdeiiApotb^n. für Apothekerinnen uinabweislich. Für jetzt ein mindestens genügendes Urteil rm NeffezeiWnrs einer Qberreakfchule mit wahlfreiemLatenilmteriicht MtwendlS. Im Einvernehmen mit dem Reichsmimster des Innern var jetzt der Minister für Vokkswohlfahrt werter «emebEt. E auch ein mindestens genügendes Urteil rm LatemÄchen rm Reifezeugnis einer fächWhen dreMgsirgem Studi«Ellta!i für Mädchen mit wahlfreiem Latemunterrrcht anerkannr

Kaufmännifchxr Verein Wiesbaden. Auf die S ock- s ch u l k u r s e lei hierdurch besonders hmgewiesen. Dre eme Veranstaltung bringt einen vieiaLendlrchen Zyklus dss Seir r Gebeimrats Prof. Dr. Boelcker von Zer frankfurter Um versität über den FrreLensvertrwg vor- Deriailles^mrt semerr wirtschaftlichen Folgen für das deutsche Doll. Vollomngs tage sind der 12.. 24.. 25. und 29. November. Beginn/-8 Udr. Lokal: Aula des Lyzeums 1 am Schlotzvlatz. Kartenverraui in der Vereinsgeschäftsstelle (Luisenstratze 26).

über die Zahlungvoerhöltnisie am Wresbabcner Staatstheater wird uns noch werter geschrieben. Auch dre Penfionshinterbliebenen des SNatstheaters haben bis jetzt noch keine lau enden

selben beziehen, was wohl ber keiner Behörde der Fall m. noch genau so viel Pension wie vor dem Krre«. Nur em g werden bevorzugt und erhalten rbre. gesetzliche Zulage »err 1. Oktober 1919. sowie weitere Vorschüsse seit 1. Oktober die­ses Jahres. Es erscheint gerecht., wenn diese Hilfe allen Pensionshmterbliebenen zuteil würde.

Aus der Angestelltenbewegung. Man schreibt uns: Seit Monaten ist wieder ein Sinken des Makkwertes sestzustellen undalle die trüben Folgeerscheinungen, wie Krs..Anziehen der Rohstoff-, Lebensmittel-. Kleidumgs- Äw. Preise macken sich bereits siäarf beme^bar ^d werdm sich ohne Zweifel 'm Lauf des Winters noch mehr bemerkbar machen. Desvaio wird der in Wiesbaden gut («kannte Eauvorsteher des Deutschnationalm Handlungsgehilfenverbamds. K«rr Julius Schellin aus Fraitkfurt. am Abend des 13. November in der Zauherflöte-Union (Neugasie oberer Saal) dem Mit^ gliedern des D H. V. ermem Vortrag über ..WirtschaZslage und Angestelltembewwuns halten, in er den Ursachen und Wirkungen der Teuerung, aber, auch der wirMaitlr»em Matznabmen dagegen, nachgehen wird. Dre D. S. V.-lllit- glieber sollten sich da^her den erwabntsn Abend frei »alten. Gäste willkommen. ...

Röun'wn im Kurhaus. Dis Kurverwaltung hatte für gestern abend wieder »u einer DaVestlichkeit Mtimeren Charakters im kleineren Rahmen emer Röumon eingeladen. Der kleine Saal und ein Teil der Kuopelhälle waren dem Fest Vorbehalten. Hier bot sich den Teilnehmern gern be­nutzte Gelegenheit, die anmutigen Figuren der modernen Tänse auf dem ir»ievelglatten Parkettauszufuihren oder auch die Stuiiden in angeueivmer Gesell,chaft zu veWlauoern. ^

Bigga Larsen im Wintergarten. Die 2. Reunion des Wintergartens", die gestern abend.unter guter ^^elligung vor sich ging, bot neben der Vorführung moderner ^anze auch das persönliche Auftreten des bekannten dänischen silm- schauspielers Viggo Larsen. Es bedeutet immer einen eigenarti­gen Reiz Nr die Freunde des Kinos und seiner Erzeugnisi«. die Senden der sich meist flüchtig und ephodenhait abrollen- den Filmdarbietungen leihhaitig. zu sehen. öerr ^iM Larsen brachte sich sehr wirksam ^ Tzene und erfr-ute dle Anwesenden ,n liebenswürdiger Weife mit dem Bortrag eines Scherzgedichtes, das den Künstler und stm Verhaitni., zur Kunst, in diesem Fall zur Filmkunst, schilderte.

Unfälle. Gestern nachmittag ist auf dem Bürgersteig an der Hermannftratze ein 32 Jahre alter Mann fo unglua. lich ausgeglittteii, datz er zu Fall kam und daher einen Ober- scheNkelbruch erlitt. Die städtische Canttatswache wurde zu feinem Transport ins Krankenhaus hekbeWerufeii. - Auf dem SauvtLahnhof geriet während der vergangenen NaÄt ein Bahnaffistent bedauerlicherweise rwMen dre Puffer zweier Wageii. Er erlitt dabei erhebliche Quetchungen. welche seine Verbringung in« Krankenhaus notm machten.

Ein Waldbrand, welcher gestem nachmittag auf Lev! Neroberg in der Nähe des Wasierreservorrs. audhrach. Ä Einschreiten de: städtischen Feuerwehr notm. dis etum eme Stuurde dort zu tu-n batte.

S«!to»*e*0e nach Sfibometila h6ci Ln«lani>. Da nach'te,, P-.- damvier^h-tm der R-q-l Mail Lmi° nach Biastlien and dem La Plata

linden statt mit den DampscrnAren' undAllanza" von Southampton sinoen jran mil. . ^neiro Cantos, Montevideo und

Bu°E-Aire^(dt; Bueno's-Aire- in W und 22 Tagen, °m 19. Stonemhcr

Staatstheater.

Mittwoch, den 10. Novemher:Anatol". Fünf Ein- lakter ooin A r t u r S ch n i tz l e r.

Er hat noch gewirkt, der echt wlenerr,che wenn auch mit ein wenig variferifcher Farbe gemalteAnatol ^ trotzdem er nun geschlagene siehenundzwanzig Jahreaus feinen dekadent absallvnden Schultern tragt und der Mit­krieg über ihn hiMSgangen ist. Von Wiener Tanzmusnen. Walzern, Polkas und Märschen (zu huvfend-frohlichen. leider, anstatt der mehr zu ihm taugenden wiegend-sentiMen- taikm) umspielt, erschien er und wirkte, ffimtc ro einem «.uten. künMeMcheii und menschlichen Sinn. Nicht nur am die allzeit rege Lust zum Lachen, auch, wo sie vorhanden, auf die zum Nachdenken. Mitfühlen, Sich-selW-erkennen.

Er ist ein sehr liebenswerter Dichter, der nun den Sech­zigen nahe Artur Schnitzler,.der erst ern Arzt und mff dreitzlg ichcrrt ein Weiler rvnr. Erner ohne kramorm ^erume^ Denkefftirnel Aber all in. seiner Weltlichkeit, in «ühls- sichwang und Ironie, in Tiefe und Grazie, in residenzlicher Eleganz und mniger Schlichtheit, doch (elnesroegs ohne den strengen, felbstoiüferischen Ernst des Denkers.

Er, in erster Lime, hat der deutschen Dichtung, dem Drama und Roman, die moderne wienerische Note gegeben -Bahr ist sein vlumper Nachahmer), deren Wivdererklmgen heute -so gedeihlich, so befreiend zu sein vermag, wie «s im Musikber-etch die mozartische -ist: beute, wo ein fvder kaum majorenne Dichter als ein verzweifelter Titane auftreten zu müssen glaubt, um mit jedem halbgegorenen Werikchen hun­dertjähriges Welt- und Kunstge-bäude zu zertrümmern, wut­verzerrt. nagelneue Seilslehre zu verkimden.

Nur bis zu einem gewissen Grad man mug sich kem ialsches Bild von ihm machen. hat Schnitzler seinen Lieb- iingstyvus leibst gelebt. Er ist nicht 3Natol, wie gern an- nenmnmen wird. Anatol ist ein Teilchen seines reichen

^LNb«, di« viel-, wenn auch nicht einzig- und alles be- w«Send« Kraft, war der Gegenstand seines Nachfublens und -denkens. Er bat sie in ihren Gängen und Jrrgangen. in i-hren Seligkeiten und Abgründen, chrer Egik und Lächerlichkeit ergründet. Dazu ern« m«Nschl,ch-allsu mensch­liche Gestalt voii sich abgHttttert. S« mit Alltäglich­keit und. zugleich. Kultur ennllt. Er hat rm Kleinen Tiefen und Fernen ahnen lassen, in AndeuNngsn alle Schwingungen der Seele. . .... a .

<S«inc Leichtigkeit ist nicht wie sie es nie ist Pro- tzukt leichter Arbeit. Die köstliche Klarheit und Sauberkeit süimss Werkes ist Ergebnis beihen. redlichen Fleckes. Seine isienistlität äutzert sich nicht ist wüster Unhurgerlichkeit. Er ist dar erfreuende Aiuster des gefunden Dichters.

Wir wollen die dargebotenen Anatol Szenen (fünf von dem eristierenden sieden) als eine Ouvertüre anfehen,. und örknfsen das baldige Erscheinen eines reffen Schnitzlekffchen S 2 :ckviel 5ZroMmwiel". ..Das weite Land". ..Professor

Bernhardt". Oder auch der EinakterserieLebendige Stun­

den". Nicht geradeLiebelei".

Die gestrige Aufführung besatz in E t e i n h « ck s Anatol den besten Träger. Er hat höchstvernünft-igerweise nicht .ge­wienert". Weder ist Sprache noch Manier. Er hat die Figur ganz auf seine eigen« Persönlichkeit übernommest und damit in bestimmtem Genre emen Menschen mit all seiner Mensch­lichkeit erzielt: ernst und drollig, aufrecht und schwach, klug und töricht, witzig und -borniert, fein und ilm rechten Matz auch menschlich ordinär. Eine Gestalt von Reiz und Wir­kung und mit der man. in der Erinnerung selbst, noch weiter

Zn Oberrevisseur R ud o l f S och, der die Stückchen auch leicht und hühfich in Szene gesetzt batte, war ihm em voll­wertiger Partner zur Seite. (Wenn ich meine, datz man Schnitzler ein wenig mehraus Pointe . auf Herausarher- tung 'der apbomstifchen Sätze spielen kann, so weitz ich wohl, datz Mer solche Mffassung zu streiten ist.)

Die fünfHeldinnen" der fünf Liebesaffären spielten der Reihe nach: Fräulein Eist B u 11. Fräulein Mela Schwarz vomNeuen Theater" in Frankfurt Mr das er­lrankte Fräulein Sonnemanm). Frau Hummel. Fräulein Tille Übrig aus Wiesbaden als Gast. Frau Jutta 53 c t *1 c tt

In dem ganz kleinen Röllchen derEora" zeigte Fräulein Bull recht nett und warm 'den vielzitierten Typus des lieben, iützen Mädels", wies aufhorchendcm Ohr auch, zum erstenmal. Spuren von Empfindung und Talent.

Ganz meisterlich sodann ebenfalls in einer kleinen Rolle das den dovvelt brünetten Namest zu Recht tragende Fräulein Mela Schwarz als kleine Zirkusdame. Eime ausgezeichnete Schauspielerin offenbar, voll Reiz, Welt. Tem-

perament^^ vortrefflich, klug und omvimdend. Frau Hummel. Die Gestalt der mit Weibimchtseinkämen be­schäftigtenvornehmen Dame" nur nicht zu voller Glaublich- kedt bringend. Die schwer darstellbare Situation, vielleicht auch Toilettenkleinigkeiten, wie Stru.mvf und Schub aur winterlicher Strotze, mögen illusionshindernd gewirkt haben.

Fräulein Tille Übrig in der vielgespielten, unend­lich dankbarem Rolle der Schauspielerin imALschieds- -louper". als Kind der Stadt herzlich ausgenommen und mit Beifall 'bedacht, zeigte hübsche Eigenschaften. Laune und Be­weglichkeit. steht aber doch kaum schon auf der Höhe unseres

Und Frau Versen war durch eine grellrote Perücke und einen erschrecklich blatz geratenen Te-int leider devmatzen enMellt, da« die sonst temperamentvoll angelegte Rolle nicht zu Gestalt und Leben gedieh. .

Bon den Zimmern war nur das erste bübisch wienerisch undvlaiffchig": das zweite. Maxens, zu leer: das Separee desAbschiedssouvers ein merkwürdiger stimmunaslvstr Korridor: A-natols Wohnzimmer imHochzertsmorsen übe-r

für den raffinierten Geniester unbegreiflich dürftig und ge-

^^Ä^Stratzenbild der ..Weihnachtseinkmife''. «n Stück Kolonnade mit Verkaufsläden, war an sich elegant aufge- baut der Blick auf die entfernt« Stadt aber nrcht recht ver­ständlich Und irgendwie müstte eben doch das Trelben wech- nachtlich belebter Straste für Aug' und Obr fühlbar werden, damit das flirtende Paar sich nicht c,uasi in luftleerem Raun:

^^Alles in allem: wieder ein guter Abend und ein verdien­ter Erfolg. _ Hans Olden.

Henry Thode f*

W. T.-B. Kopenhagen, 10. Nov. Der deutsche Kunsthistoriker Geheimrat Professor Dr. Henry T h o d e ist heut« nacht im hiesigen Reichshosvl- tal nach einer Operation verschieden.

Gebeimm-t Dr. Henry Thode ist am 13. Januar 1857 i-n Dresden geboren- Er studierte aur den Universität«! Lern- ri, Wien Berlin München und machte dann (in den -fah­ren 1880 *>ts 1884) Studienreisen nach Srankreich, England. Italien und den Niederlandest, 1886 babUitrerte er sich a^ Prrvatdozent an der Universität Bonn und wurde 1890 zum Direktor des Stäbeffchen Kunstlnsiituts m Fimikfurt a. M. ernannt. 1894 wurde.er auf den Lehrstuhl für Ku«chichte an der Unrversität Seidelber« berufen wo er MiunterLrochen bis 1911 tätig war. Henry Thode ist stlt 1886 mit Daniela o. Bülow. einer Tochter Cosima Wagmrs aus deren erster Ehe mit Sans v. Bülow. verheiratet. SNfang Februar 1914 hat Frau Daniela Tbode gegen chren Gatten die Eheschei­dungsklage nach beinahe 30jübriger Ehe eingelertet. Prozessor Thode bat in feister bekanstten Schrift Me ist Richard Wagner vom deutschen Volk zu ferern (1903) um ein richtiges Verständnis für den Meister geworLen. er ist in zwei Schriften (Leben oder Tod des Heldelberger Schlosses" 1904) undEin letztes Wort vor der Entscheidung über das Heidelberger Schlost!" (1906) Nr dl« .ganz Deutschland be­kräftigende Heidelbenger Schlohfrage el'ngekreten und er bat durch sein Einsetzen Wesentliches dazu beigetragen,..dwh Sans Thomas Werk in den Besitz des deutschen DMe-s ubengegan- gen ist. Van seinen Schriften seren »enannt:Hans Thoma 1892:Hans Thoma und seine Kunst" 1899.Hans Thomas 1905:Böcklin und Thoma' 190o! ..bans Thomas Werke (in den Klassikern der Kunst) 1909. Von seinen kuMbistor,- icherr Schriften sind noch zu erwähnenFranz von Assisi und Ä Ansänge der Kunst der Rena-lssame rn Italien". 1885. 2. Ausl. 1904:Die Male-rschul« von Nürnberg i. 14. u. 15. Iz,rhd" (1891):Correggio 1897-Tmtoretto 1901:

Arnold Böcklin" 1908;Milchelangelo l/II 1908: und von stinen allgemeinen Schriften ..Kunst. Kultur und Relegimi 1901-Goethe der Bildner" 1906: ..Franz Liszt" 1912. Seit seinem Wegzug von SeidelbeW wohnte Seheunrat Tbode ist Sardone (Italien)-