5lr. 506. Samstag, 8. November 1921.
Wiesbadener Tagblatt.
Vbeud-Ausgabe. Erstes Blatt. Fette V.
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Die Unglückszahl 1(5*
„..Die gebeimnisvoNe Bedeutung der Zahlen ist seit ur- ?* te P weiten tm Volksglauben verwurzelt und wurde bereits frühesten Kulturen der Geschickte mit der Stern- uL 2 eu ? e , Verbindung gebracht. Auch heut«
noch lebt in vielen Wendungen und Aberglauben diese Vor- l^uung von der Macht der Zahl kort, und zwar ist es be- die Zahl 13, an die sich unheilvolle Ahnungen liÄ'm Unfece Zeit, die in ihren Nöten in der übersinnlichen Welt und dem Wunder Erlösung sucht, bat sich mit oesonderem Eifer den Eeheimwissenschaften zugewendet und ^Ä.b'"k.°°L°lümlichc Einführung in dieses Gebiet will- ^men die A. Memminger unter dem Titel ..Hakenkreuz ^ani?^Eern bei der Verla-sbuchhandlung Memminger veröffentlicht. Hier wird das ganz« Gebiet l Zablenmyftrk und Zahlensymbolik eingebend oebandelt. uno wir erhalten auch über unsere Unglückszabl 13 inter- ^°nte Aufschlüsse. Die Zahlenmysttk. wie sie bei den Ebal- daern. Griechen. Römern und Juden ausgebildet wurde, steht PI” ^^^ternenkunde im engiten Zusammenhang und stellt 1“? mathematisch berechnete Ergebnis der Weltordnung dar. Zo.ericbeinen die Zahlen als Ausdruck göttlicher Eigen- waften. als d»e feststehenden Formen der Grundgesetze des Weltbaues und des Daseins. Aus diesem.Grunde schrieben s^k?".??'ker und Neuvlatonikcr den Zahlen eine magische f 5 F uno dieser Glaube lebt nickt nur in dem Seren- yfete Sauft, sondern auch in zahllosen Vorstellungen Dazu gehört auch die Annahme, dah die Zahl 13 eine Unglückszabl sei. Cie, ist vielleicht bereits auf eine Zablen-
..Zufuhren, wird aber anderer-
>orgängen erklärt, wie sie sich ^Uael sviegeln. Danach ent- vracken die zwölf Stamme den zwölf Monaten des Sonnen- Lbr». Die 13 bezeichnet also die. Anzahl der Monate des Mondiabres und der letzte Grund für ihre Unglücksbedeutung nt also in der Nichtübereinstimmung des Mond- und des Sonnenjahres zu suchen Da der 13. Monat mit der <n un &; be, Ü- ^K?"diabr wegfiel, so kann man aus diesem. Verschw ndm die. llnbeilsbedeutung der 13 herleiten Vielleicht hangt es damit zusammen, dah der Buchstabe, der "P Zahlensystem der Juden die Zahl 13 bezeichnet, zugleich das Zeichen des Wortes .Tod" ist Nach der altnordischen Mythologie batten einst, die 12 obersten Götter den Gott der Zwietracht Lok, .von einem Fest ausgeschlossen: er erschien aber doch und tötete Balder, den Gott des Friedens. Damit wäre der 13. Gott der Unglückbringer, und ebenso hat u £i n i2"»)"e Unglückszabl in christlicher Zeit mit der Zahl der 13 Avostel zuiammengebracht. von denen der 13.. Judas den Herrn verriet.
Dieser Herlsitung der Unglückszabl auf uralte Vor- U.?un°en widerspricht die Tatsache, dah bei Beginn der Neuzeit die Zahl noch nicht die schlimme Bedeutung hatte die man >br "svater beilegte Jedenfalls tauchte auch die k>.?Zenteilige Ansicht auf. dah die 13 Glück bringe. So er- zablt die Legende, dah Papst Gregor der Grohe jeden Morsen.12 Arme bewirtete und dah Ebristus eines Tages selbst bei diesem Mahle erschien, wodurch die Zahl 13 als »ne besonders glückbringende erwiesen wurde. Dieser Glucksglaube lebt, auch ,n manchen volkskundlichen Bräuchen wrt. so z. B. in einer peruanischen Sochzeitssttte. nach der die Goldstücke als Geschenk erhält. Ein Verehrer der Elucksbedeutung der 13 war der französische König Ludwig MI der sich Luys de Bourbon und seine Frau Anne d,Autriche nannte, weil beide Namen 13 Buchstaben zählten Sie heirateten einander mit 13 Jahren, und der König wählte cs**..? 11 *«, Unternehmungen ein Datum mit dieser
Zahl. Noch auf dem Totenbette soll er sich darüber gefreut haben...dah der 13. des Monats so weit entfernt war. dah
der Vereinigten Staaten verknüpft. Die neue Welt wurde an einem 13. entdeckt, die Vereinigten Staaten setzten sich urwrunglich aus 13 Staaten zusammen, ihre gemeinsame Flagge batte 13 Sterne deren Motto aus 13 Buchstaben bestand: an jedem Flügel des Wappenodlers befinden sich 13 Federn. Als Präsident Washington das Sternenbanner ent- hullte. wurde er mit 13 Kanonenschüssen begrüht. Daher hat sich auch in New-Pork der bekannte ..Klub der 13" ge- bildet. di« den uralten Fluch, der auf der Zahl liegt, dadurch als sinnlos.erweisen wollen, dah sie die Zahl bei allen wichtigen Entschlusten und Handlungen bevorzugen *
Die Verständigung rnit dem Mars.
Dis Versuche und Hoffnungen, von unserer Erde aus mit einem andern Stern des Kosmos in Verbindung zu treten, wollen nicht. aufboren. und die merkwürdigsten Nachrichten über Fortschritte in dieser Hinsicht kommen besonders aus der neuen Welt.. Da ist es von besonderem Interesse, wenn ein Fachmann rein sachlich die Möglichkeit einer solchen Verstän- digung mit. demrenigen Planeten, mit dem sie am aussichtsreichsten wäre, mit dem Mars, erörtert. Dies tut Dr. I. Valisa in einem. Aufsatz „Von Stern zu Stern" der „Deutschen R»>ue . Die nächsten Gestirne sind auher vem Monde Venus und Mars. Wahrend aber die Venus von einer so oickten Atmosphäre umbullt ist. dah man noch kaum jemals etwas von der festen Oberfläche gesehen hat. läht stch auf dem Mar, scbr viel beobachten. Er ist nur ein scharfes Auge und äußerst ruhige Luft oonnoten. Die einzig günstige Zeit zur Veob- ocktumg der Marsoberfläche ist die von drei Monaten vor bi- drei Monaten nach der Opposition. Da nun von einer Opposition zur nächsten 2 Jahre 49 Tage vergehen, so muh der
Marsbeobachter jedesmal 20 Monate pausieren, dann aber eine ganze Kraft dieser Arbeit widmen. Denn der Mars >reht stch gleichfalls in, etwas über 24 Stunden um leine
e. und die ganze Nacht
kann der Astronom
sein Ableben "schon vor diesem w ,„ us
muhte, Viele hervorragende Männer unserer
seinem Elückstag Männer unserer Ze..
dem Aberglauben der Unglückszabl 13 gehuldigt, unter ihnen
. erfolgen ■eit haben
»Warb ffltofinet. der schon als Knabe eine grohe Scheu vor der Zabl hatte, weil er 13 Buchstaben in seinem Namen batte und 1813 geboren war. so Bismarck, der sich niemals zu 13 zu Tisch setzen wollte. Von Victor Hugo wird erzählt dah er einmal eine Gesellschaft verlassen wollte, weil 13 Gaste anwesend waren Es muhte also erst ein 14. geholt werden, bevor man sich zu Tisch setzen konnte, und dadurch verzögerte sich das Essen, worüber sich der hungrige Senator Peyrat ärgerte.. Er laste also zu Hugo..Misten Sie. warum
mildem Esten warten müssen? Da it nämlich chiot. der sich nickt zu 13 zu Tisch.setzen will. woraus
: so 1 Jdi
lange
wir
ein _ _ __
Hugo nur erwiderte: ..Der Idiot — bin'"ich". "Der Aberglauben hat vielfach ms alltägliche Leben eingegriffen, so dah man in vielen Eastbofen keine Zimmer Nr. 13. in vielen Straben keine Hausnummer 18 findet. Gegen Ende des Jahres 1912 drängten sich die Brautpaare, um vor dem Beginn des. Unglucksiabres getraut zu werden, und in Lotterien wird die Zahl nicht angewendet. Im Gegensatz dam aber gibt es auch Beispiele dafür, dah die Zahl 13 Gluck bedeuten kann. So ist sie aufs engste mit dem Blühen
. ~ . _ _.. hindurch _
immer andere Gegenden seiner Oberfläche feststellen. Während man früher glaubte, dah es auf dem Mars keine Wolken gäbe, ist m letzter Zeit eine ausgedehnte Bewölkung nachgewiesen worden. An den Polen bat man den blendend weihen Scknee von dem gelblich weihen Nebel unterschieden und auch sestge- stcllt. dah dunkle Stellen, die man für Vegetationsaebiete holten konnte, sich im Herbst dieser Gegenden verfärben und einen braunen Ton annehmen. Der Mars erssteint so unserer Erde immer ähnlicher, je genauer man ihn beobachtet, und immer mehr gelangt man zu der lkderzeugung. dah auf ihm ähnliche Lebensbedingungen vorhanden sind wie bei uns. Ob er freilich von denkenden Wesen von Wesen unserer Art bewohnt wird, ist eine andere Frage, auf die man vorläufig nur die Antwort geben kann: Es ist nickt unmöglich. Existieren aber solche Wesen auf dem Mars, dann muh ihre Kultur höher lein als die unsere: denn der Mars ist zweifellos früher als unsere Erde entstanden, ist viel früher erkaltet und daher auch früher als die Erde befähigt gewesen. Lebewesen zu beherbergen. Dah wir durch die Beobachtung des Mars direkte Beweise für das Vorhandensein solcher Lebewesen gewinnen, ist sehr unwahrscheinlich. Es bleibt also nur der Ausweg, dah wir uns den Marsbewohnern durch Signale bemerkbar machen, die diese beantworten. Lickt- signale würden einen Aufwand von Kräften erfordern, der
trifft. Wenn es wirklich denkende Wesen unserer Art auf dem Mars gibt, dann wird es dort auch Astronomen geben, die die Bewegung der Himmelskörper erforscht haben und imstande sind, für jeden Augenblick die Entfernung Erde- Mars anzugeben, die auch die Zeit berechnen können, die ein Signal braucht, um diele Entfernung zu durchlaufen. Würden nun so grohe Fortschritte gemacht, um Signale, die zunächst aus kurzen und langen Zeichen bestehem werden zu empfangen, so liehe sich der Beweis führen, daß diese Zeichen vom Mars her stammen, auch wenn uns die Bedeutung der Zeichen unbekannt ist. Die Astronomen des Mars wie der Erde willen nämlich, dah Signale, die gleich nach ihrer Ankunft in gleicher Weise zurückgege^n werden, eine ganz bestimmte Zeit brauchen, um zur erst a Station zuriickzukebren. Dieser Zeitraum läht sich durch die -«kannte Lichtgeschwindigkeit seststellen. die sehr genau 300 010 Kilometer in der Sekunde beträgt. Die Zeiten beliefen sich z. B. am 1. März 1920 auf 14 Minuten. 34 Sekunden, am 28. Avril auf neun Minuten. 41 Sekunden. Da wir auherdem die Dauer eines Tages auf dem Mars bis auf.das Zehntel Sekunde genau kennen io ist auch anzunehmen, dah den Mars-Astronomen ebenso die Länge unseres Tages bekannt ist. Werden also vom Mars aus einfache Signale regelmähig nach Verlauf eines Marrtages gegeben, so werden wir daraus schrieben können, dab diese Zeichen wirklich vom Mars berrübren. Jedenfalls dunen wir die Versuche, uns mit dem Mars zu verständigen, wegen ihrer scheinbaren Phantastik nickt aufgeben. denn schon manches, was der Mensch für unglaublich hielt, bat sich verwirklicht.
Der Aastanienhändler»
Von Martin Feuchtwanger.
Um die schädlichen Einflüste des kapitalistischen Zeitz alters von ihm fern zu halten, lasten wir unseren Sohn itt unklaren darüber, ob man sich für hundert Mark eine Villr kaufen kann, ob ein silberner Löffel mehr wert ist als eii> Stückchen Schokolade, ob man mit Hilfe einer Million ein Fahrrad erstehen kann.
Trotzdem kommt der hoffnungsvolle Bengel eines schönen Tages mit der Erklärung nach Hause: „Du. Vater, wenn du Kastanien hättest, viele Kastanien, ein ganzes Zimmer noll Kastanien dann wärst du ein reicher Mann!"
„Wieso denn?"
„Hansiürgen hat es mir erzählt. Die Tiere im Zooto- gischen Garten fresten gerne Kastanien. Im Zoologijl Einten kann man die Kastanien verkaufen. Für eine voll bekommt man zwanzig Pfennig."
„ „ Hansiürgen. Kapitalist. Spekulant, was hast du a stellt! Mein Sohn Fritz spricht nur noch von Kastanien, träumt von den Kastanien. Wenn ich nach Hause kor empfängt er mich an der Türe mit der Frage, ob ich Ka> men gefunden hatte, wenn ich fortaebe, ermahnt er mich, ^ der Strahe Kastanien zu suchen. Gr kommt von der Eck zu spät nach Hause, da er die Alleen nach Kastanien dun streift. Cr macht seine Schularbeiten nickt mehr ordentli denn er denkt nur an seine Kastanien. Er treibt stch es dunkel wird, auf den Strahen herum, um in Vriva Kastanien,u stehlen.
„Wieder drei Stück", sagt er und seine Augen le „und Dinger sage ich dir. Vater, so grob!" Er wiegt Kastanien in der Küche. Zwanzigmal am Tage. Ein ziggrammstück und ein Zweihundertfünf,iggrammgewü er bereits verloren. Während des Wiegens sind der . Kastanien in den Kuchenteig gefallen. Die Köchin hat mei Frau erklärt: „Entweder bört der Junge auf. Kastanien wiegen, oder ich gebe." Da er jetzt tagsüber keine Kastanie mehr wiegen darf, wartet er. bis die Köchin im Bett lie Dann schleicht er stch im Nachthemd in die Küche, um wiegen. <
Endlich ist der entsetzliche Moment eingetreten: „Vater, jetzt habe ich sechs Pfund zusammen. Sechs Pfund! Das Pfund zwanzig Pfennig! Macht eine Mark zwanzig Pfennig. Heute nachmittag gebe ich in den Zoologischen Garten l verkaufe die Kastanien." Meine Frau siebt mich ängstlich Der Junge kann dock nicht im Zoologischen Garten Kastani, hausieren geben. Ich suche ihm den Gedanken auszurede., Was fällt dir ein. Fritzchen. Kein Mensch will Kastanie^! Das bat gar keinen Zweck, du brauchst nickt erst grob binzu- geben. Es,kauft dir doch keiner die Kastanien ab!" —
das seben. bin ich für das ganze Leben blamiert", sagt meine Frau. Sckliehlich finde ich einen Ausweg. „Fritzchen". sage ich. „ich kaufe dir dein« Kastanien ab. Sechs Pfund für »ine Mark zwanzig Pfennig."
Fritz ist einverstanden. Er übergibt mir sechs Zigarren- schawteln voll Kastanien und fordert mich aus. sie jeden Tag zu begieben. damit sie nicht trocken werden. Dann stürzt er wrt und kaust sich für eine Mark zwanzig Pfennig Schokolade. „Gott sei Dank! atmet meine Frau auf. „endlich bat die Kastaniensucherei ein Ende. Das war ja entsetzlich."
Am nächsten Morgen klingelt es. „Ein kleiner Junge will Sie sprechen", meldet mir das Mädchen. Ein achtjähriger Knirvs erscheint, bepackt mit Zigarrenkisten, und zählt mir acht Eckackteln vor. „Acht Pfund", sagt er. „und morgen bringe ich noch mehr." — „Sehr schön! Aber was soll ich damit?" — ..Abkaufen", antwortet der Knirps. „Fritz sagt doch. Sie kaufen Kastanien. Das Pfund zu zwanzig Pfennig. Es sind acht Pfund, gut gewogen, und morgen bringe ich noch mehr."
Nack einer halben Stunde kommt ein zweiter Junge u bringt fünf Schachteln, ein dritter übergibt mir vier Sc' teln. ein vierter neun Schachteln. Im Laufe des Tages erscheinen vierzehn Jungen und alle kündigen mir freudestrahlend an. das, sie in den nächsten Tagen noch mehr dringen werden.
Ich mache meinem Sohn einen Heidenkrach und verbeiße ihm eine tüchtige Tracht Prügel für den Fall, dab noch ei» einziger Junge zu mir mit Kastanien komme. Fritz zieht imt traurigem Gesicht ab.
Am nächsten Tag aber kommt er mit leuchtenden Auge» aus der Schule. „Nein, Vater, du brauchst keine Angst Ät haben: es wird keiner mehr zu dir kommen. Aber trotzdem wirst du deine Kastanien bekommen. Ich habe sie für dich den Mitschülern abgekauft. Zweiundoiecrig Schachteln bekommst du heute. Alle Kastanien meiner Kralle und morgen kommen die Kastanien der Eerta an die Reihe. Vater, dv wirst Augen machen, die haben zusammen wehr als hundert Schachteln.“
Münchener Straßenbahn - Geschichten.
Bon Richard Rieb.
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Nichtraucher.
Hugos Zigarre war noch sehr rauchbar, als er in di« Trambahn muhte Sollte er aus das letzte nikotinschwere Drittel verzichten? Bei die Zeiten?! Nicht in die la mäng!
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Sollte er seine Zigarre wegwerfen? Sollte er?? (k. o.!1 Hugo sab und vafite. Sehr zu un—recht. Aber Un—recht wird Unrecht erst dann, wenn jemandes Vrotest das Recht geltend macht. Jemand fuhr nicht mit. Aber ein Herr fuhr mit. ein korpulenter Herr., mit Schnauzbart und Svortmütze. Und mit. Augen, die bald ihn. bald feine immer kleiner werdende Zigarre ansahen. Und: gesehen, getan, zog auch der Dickwanst sem Rauckding hervor und steckte es in den Mund und an.
Hugo, gerade fertig und damvfsatt. warf sein Stümocken über nur zwei Menschen hinweg, durch die offene Tür auf die Plattform und darüber binaus.
Der andere aualmte. Besah stch nach jedem Zug den braunen Duftsvcnver und nickte. Solch ein Flegel! , In »nein Nichtraucherabteil wagt er zu rauchen?!. Hugo fühlte sich als Bürger und Inhaber garantierter Neckte. Das Kraut stank abscheulich, vuao räusperte sich nicht ohne Gruns. Und sagte alsdann:
„Mein Herr, hier ist ein Nichtraucherwagen!"
Der Herr sab ihn entgeistert an.
Hugo lnoch drohender): „Nichtraucher. Herr!"
Er (unter weiterem Verzicht auf Geist): „Sie . . . Si« lagen das?
, Hugo: muh Sie dringend ersuchen. Ihre Zigarre
kortzulegen!"
Er: „Sie sind ein aus ..."
Er sagte »u Hugos Glück nicht, was für ein aus . . . Hugo. ist. Hugo denkt, er meinte: ein ausnehmend liebenswürdiger Menich Denkt Hugo. Und was tut Hugo? Voli- zei! natürlich. Er luft den Schaffner. Der Sckafs.ier kommt. Er sagt dem Schaffner: ... Der Schaffner gibt ibm recht. Er wendet sich an orn Herrn' ..Nachdem, dah dieses hier ein NZchtrauckerwagen ist. derfen S' net rauch'n hia. . . Lasten S Eabna Zihgar aussebn!"
de
gel
Der Herr aber. .
? Und der Herr da . ___ ___
Der Herr da. der derf scho raaacha??!!"
De rf'n? I? 'S
i soll mei Zigarr ...der hat scho raacha derf'n
net raacha
Auch nickt durch ein Vergröberungsglas wäre festzuftellen gewesen, dah Hugo rauchte.
“©er
atte aber gar kein Vergröherungsglas.
Nnet i
war:
Er sagte, während sein Äuge gänzlich unbewa Herr tut ia gar net rachaH'
„Er boot aber!" sagte der andere und aualmte.
„Leg n S Cabna Zihgar letzt weg oder net?"
^Ja. wo doch der andere Herr aa bat raacha derf'n . . ." . Da waren sie am Odeonsolatz. und Hugo muhte aus- steigen. Er durckmah königlich den Wagen, ging zwischen Freunden. Denn alle stimmten mit ibm im Urteil über jenen Herrn uberein.
Eine Dame sagte, teilnabmsvoll:
„Raa. was die Leut jetzt ausg'schamt san . .
II.
Das Bäuerlein.
. In der Schwabing-Vorstadt stieg das Bäuerlein in die Trambabn. und noch dazu in den Haupt- und Betriebswagen.
Kennen denn Sie sich net in den Anhänger neiled'n?" fragte der SLafjner, der wuhte. was sich' gehört.
. „ „Nock dazu mit m Korb, dem groben ... . sagte der Mit- kabrende. der gerade ausftieg.
Das Publikum »iabm Stellung zu dieser Frage: Zwei Damen fragten den Schaffner, ob man denn da gar nichts macken könne, und ein« ander« hielt ibr duftige» Battisttuch
Hm!
nors Näscken. Und der Herr im Pelz, der in der Rei, hinter dem Bäuerlein sab. zirbelte zornig an seinem Schnur bart und dachte etwas sehr Böses.
„Ja mei. do Trambahn, die is für alle Leut' da", faste einer aus der Mitte. Worauf der Pelzherr: „Hm! machte und noch etwas Böseres dacht«.
Immerhin, auch er betrachtete das Bäuerlein froh in seinem Innern, dab er am Odeonsolatz ausiteigen mubte.
Und wie sie das Bäuerlein betrachteten, di« Damen ttnb der Herr da saden sie vlötzlick. wie der wackere Landman» ein paar Pakete aus seinen Taschen bolte. Und ans dem einen Paket schälte er ein grobes Stück geräuchertes Schweins« fleisch sowie ein handliches Stück Sveck. Das andere barg einen halben Laib Brot, weih und appetitlich.
Die Augen des Herrn im Pel, wurden immer und die Dame nahm ihr Battisttüchlein von der Rase schnuvverte nach dem Bäuerlein bin. Und sagte:
» „Me gut er nack Kubstall riecht!"
Und die ganze Trambabn wurde zu einem Auge und dieses eine Auge hatte nur einen Blick. Und dieser eine Blick verschlang geradezu das Bäuerlein, das von alledem istchts merkte und wacker an keinem Fleisch säbelte und vom Brot herzhaft Echnilten teilte. Und es kaute mit beide» Backenund schnalzte und schmeckte und konzertierte mit Zunae und Zabnen und — merkte nichts. Rur das eine merkte dab plötzlich lemand kam und den Platz neben ibm besetzte. '
§ ie gestatten", sagte der Jemand.
a mei . . sagte das Bäuerlein und rückte ein wenig Der Jemand trug einen Pel, und zwirbelte an sein«» Schnurrbart. Aber er. dachte jetzt gar nichts Böse, mebr som könnte ur: ^ eI mtl ßem Bauerlein ins Gespräch komm«,
^ „Wobei beziehen Sie denn, wenn ich fragen dark ««>» Fleisch. Herr Nachbar?' sagte er schlieblich.
ibn grob
Das Bäuerlein !ab
ihn derblecke»?
„ -- grob an
Er brummte nur:
Wollte der Stadttrack
