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Mrttrvoch, 25. August 1923.
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MorgSN-ArLSgLtde. - Nr. 395. ♦ 68. Jahrgang.
Die Kohlenüeferungen.
.Die Kohlenlieferungen an die Entente haben in der er>ten Halste des August im vollen Umfange der übernommenen Verpflichtungen ausgeführt werden können, ^anllt ist den Ententeregierungen jedenfalls der Beweis erbracht worden, daß Deutschland das Äußerste aufbietet, um den Vertrag von Spa zu erfüllen. Mit welchen Opfern das geschehen ist, darnach wird man in Paris wohl nicht weiter fragen. Selbstverständlich war die Lieferung in der Höhe von einer Million Tonnen in einem halben Monat nur durch erhebliche Einschränkungen des deutschen Eigenbedarfs möglich. Dies geschah in der Weise, daß der Reichskohlenkommissar für die großen Eisen- und Stahlwerke schon vom 1. August ab eine Einschränkung ihres Kohlenbedarfs im Betrage von 121/2 Prozent verfügt hat, und diese Veschräykung ist innegehalten worden. Sie war insofern erleichtert, als die Schwerindustrie bei der gegenwärtigen Geschäftsstockung nicht so sehr auf den Bezug von Kohlen im früheren Ausmaß angewiesen ist. Nun droht aber wieder die Gefahr, daß die großen Werke keine Vorräte ausstape^n können. Infolgedessen werden sie bei der Wiederkehr einer besseren Geschäftslage ihre Aufträge voraussichtlich nur zum Teil ausführen können.
Inzwischen haben die französischen Fachleute ihre Zufriedenheit mit der bisherigen loyalen Erfüllung der Kohlenlieferungen offen ausgedrückt. Sie haben das sogar in einer sympathisch praktischen Form getan, indem sie für die zweite Augusthälfte einen kleinen Nachlaß von 50 000 Tonnen „in Anbetracht der besser gewordenen. Förderung in den französischen Kohlengruben der Departements Nord und Pas de Calais" bewilligten. Die Gefahr eines französischen Einmarschs in das Ruhrgebiet scheint auf diese Weise in den Hintergrund getreten zu sein, aber die Voraussetzung für die fernere strikte Durchführung der Lieferungen im Betrage von zwei Millionen Tonnen monatlich ist, daß die 0 ber- fchlesischen Gruben leistungsfähig bleiben. Gerade diese unumgängliche Voraussetzung ist aufs schwerste erschüttert durch den Ausbruch des Bürgerkriegs in diesem Gebiet. Wenn Oberschlesien nichts liefert, dann wäre das Quantum von zwei Millionen Tonnen monatlich wohl immer noch aus dem Ruhrrevier allein zu beschaffen, aber die deutsche Industrie behält nichts übrig, sie müßte den Betrieb einstellen, und die Wirtschaftskatastrophe wäre vollendet. Aus diesem Grunde muß auch der französischen Regierung ernstlich daran gelegen sein, in Oberschlesien die Ordnung wiederherzustellen, und das will sagen, es sollte den Franzosen als dringende Aufgabe vorschweben, die Polen dort in die Schranken zu weisen.
Ohne den Zuschuß aus Oberschlesien können die zwei Millionen Tonnen an die Entente nicht abgegeben werden. Trotz allen guten Willens einer Mehrheit der Bergarbeiter ist die Kohlenförderung nicht gestiegen, sondern zurückgegangen. Sie betrug im - Juni rund 80 400 Tonnen täglich, im Juli nur noch rund 28 000 Tonnen auf den Tag, und sie hat sich im August nicht geboben. Bricht die oberschlesische Kohlenindustrie jetzt zusainmen. dann ist die gesamte deutsche Industrie mit Stillstand bedroht, und das Heer der Arbeitslosen mutz weiter ins Ungemessene anschwellen. Schon beute fallen im Reiche 760 000 Personen der Erwerbslosenfürsorge anheim. Die Kosten dafür belaufen sich für das Reich, die Gemeinden und die Länder zusammen auf die Riesonsumme von 1400 Millionen Mark jährlich. Dabei ist ober der Beschäftigungsgrad der Industrie lange nicht so schlecht, wie er unweigerlich werden müßte. wenn der deutschen Wirtschaft ihr wichtigster Rohstoff, die Kohle, entzogen würde.
Dr. Hermes iu London.
W. T.-B. Paris, 24. Aug. (Drahtbericht.) Nach einer „Matin"-Meldung aus London, ist der deutsche Ernährungsminister Dr. Hermes mit mehreren Sachverständigen in London eingetroffen. Er führt Verhandlungen mit der englischen Regierung wegen der Ernährung der deutschen Bergarbeiter. die durch das Kohlenabkommen von Spa vorgesehen ist.
Die Forderungen der Bergarbeiter.
Br. Bochum, 24. Aug. (Giß. Drahtbericht.) Eine von 1200 Vertrauensleuten aus dem ganzen Ruhr- revisr besuchte Revierkonferenz des chri stachen Eewerkvereins nahm eine Entschlie- v u ng an, in der die Sozialisierung des Kohlenbaues tn dem Sinne gefordert wird, daß der private Kapitalprosit ausgeschlossen und der Bergbau ausschließlich den gesamten 'Volksinteressen dienstbar gemacht wird. -tie Konferenz erwartet von der Regierung die baldige Vor- Aung eines diesbezüglichen Entwurfes. Zu den Oberschichten erklärte die Konferenz, daß sie die
dringende Notwendigkeit des Verfahrens von liberschichten anerkenne und daß man bereit sei, dre Uberschichten auszusühren, wenn die versprochenen Leoensmittel geliefert würden. Des weiteren wurde m einer dritten Entschließung die Erhöhung der Berga rbeiterlöh ne gefordert. Die Konferenz wendet sich dann scharf gegen das putschistische, die Arbeiterschaft schädigende Treiben.
liberschichten im Aachener Kohlenbezirk.
r ui 24. Aug. (Drahtbericht.) Bei den
letzten Verhandlungen der Arbeitergemeinschaft des Aachener -üergoaus, woran als Vertreter des Arbeitsministeriums Ministerialrat Tr. Bodenstein teilnabin, sind auch die über- Ichichientur dieses Revier gesichert worden. Ähnliche Zu- lagen wie den Rubrbergleuten werden auch dem Aachener Bezirk bei den Überschichten gewährt.
Neutralitätsbesprechungen beim Reichskanzler.
, W. r-B. Berlin, 24. Äug. (Drahtbericht.) Gestern abend fand unter dem Vorsitz ves Reichskanzlers mit den beiettigten Stellen und den Vertretern des Allgemeinen Gewerticyaitsdundes, des Deutschen Eisenbahnerverbands, r P.^uychen Transvortarbeiterverbands. der sozialdemo- kratychen Partei Deutschlands, der Unabhängigen iozial- oemotraruchen Partei Deutschlands und des Zentraleisen- badneroetrlebsrats eine Besprechung statt über die vrage der Beförderung von Waffen und Munition, Es bestand Einmütigkeit darüber, datz sowohl neu- tratitatswldrige als auch zu ungesetzlichen Zwecken bestimmte -uransrorte unter allen Umständen verhindert werden sollen, denn die Regierung sieht, unabhängig vom Gang der kriege- rilchen Ereignisse, sest auf dem Boden strengster Neutralität. Zur Durchführung dieser Grundsätze soll die Kontrolle verschärft werden. Andererseits ist es vvtwcndig. um internationale Verwicklungen zu vermeiden, willturliche Eingriffe und Beunruhigungen zu verhindern, eine strenge Kontrolle aller Transporte soll dadurch erzielt werden. Latz man ein allgenieines Verbot für die Beförderung von Waffen und Munition erlassen wird, das der Reichskommisiar für die Entwaffnung vorbereiten toll. Von diesem Verbot sollen lediglich ausgenommen werden: 1. Die auf Grund des Friedensvertrags für die alliierten Truppen fahrplanmäßig zu befördernden regelmäßigen Transporte mit Ersatz und Nachschub: 2. die im Aurting der Verwaltungsstelle des Reichsschatzministeriums zur Verfcorotung militärischen Materials auszufüihrenden Transporte. — Die vorstehenden Transporte sollen besonder s g e k e n n z ei ch n e t werden. Alle militärischen Transporte, auch solche für die Reichswehr, sollen in jedem Einzelfall von einer civzubolenden Genehmigung des Reichswehrministeriums bezw. der Zentralpolizeistelle abhängig gemacht werden. Bei der Nichtgenehmigung die'er Transporte werden Vertreter der organisierten Arbeiterschaft herangezogen werden, um der Bevölkerung eine einwandfreie Kontrolle zu gewährleisten.
Lloyd George und Giolitti an Millerand.
W. T.-B. London, 24. Aug. (Drahtbericht.) Aus Luzern wird folgende offizielle Mitteilung verbreitet: Giolitti und Lloyd George haben an Millcrand folgendes Telegramm gesandt: Bei Abschluh unserer Zusammenkunft in Luzern entbieten wir Ihnen herzlichen Grutz und sehen mit Vergnügen der nächsten Gelegenheit entgegen, um mit Ew. Exzellenz zusammenzutreffen.
Eine Erklärung des Völkerbundes über Danzig.
W. T.-B. Paris, 24. Aug. (Drahtbericht.) Der „Matin" meldet aus London, daß der Völkerbund eine E r k l ä r u n g veröffentlicht, daß er nichtsmir der Verwaltung von Danzig zu tun habe. Sir Reginald Tower handele nur als Bevollmächtigter der Alliierten.
Die Kontrolle Seim Übergang in das besetzte Gebiet.
ii> 2 . DLssetüorf. 23. Aug. Infolge der kommunistischen Putchveriuche hat sich in den letzten Tagen die Ko n t r 0 ! l e bei dem Übergang in das besetzte Gebiet auherordent- lich verschärft. Jede Person wird körperlich untersucht, und zwar hauptsächlich nach Waffen und kommunistischen Zeitungen, Gestern wurden auf der Rhein- brücke 8,Personen von einem belgischen Posten verhaftet, weil sie Waffen bei sich trugen. Waffenscheine, die von den deutschen Behörden ausgestellt wurden, weiden von den belgischen Bosten nicht mehr anerkannt.
Die Selbständigkeit Ägyptens.
mz. London, 23. Aug. Die „Times" gibt Aufklärung über die Bedingungen, die zwischen Lord Milner und Saad Zagloul-Pascha vereinbart worden sind Hiernach wird England die Integrität Ägyptens gegen fremde Angriffe sicherstellen. Dagegen aber muh Ägypten England im Niltal eine bevorzugte Stellung einräumen und im Fall eines Kriegs ihm jede Erleichterung zum Eindringen auf ägyptisches Gebiet geben. England wird eine Garnison m Ägypten in der Kanalzone untevhalten deren Basis jedenfalls C a n t a r a wird. Ägypten soll seine ausländischen Beziehungen leibst leiten unter der Bedingung, datz cs keine Derträg« abschlietzt. dir sich nicht mit der englischen Politik vertragen. Ägypten wird auch das Recht bab-n diplomatiche Vertretungen im Ausland zu halten, jedoch wirb cs wabricheinlich gegenwärtig auf die Länder beschränkt bleiben, in denen Ägvvten Handelsintercssen hat Die Kapitulationen werden aufgehoben und die Kontrolle der Eesetzgebung über die Ausländer dem Oberkommisiar übertragen. Das Abkommen, das getroffen werden soll, soll vom englischen Parlament und von der ägyptischen Nationalversammlung ratifiziert werden.
Die Durchführung der Entwaffnung.
-Br. »erlitt. 24. Sag. (Eig. Drahtbericht.) Der Reich s- kommissar ?ur die Entwaffnung. Dr. Peters, sprach sich Vertretern der Praxis über die Durchfüh- fL? 3 kr! 5 Entwaffnungsgesetzes aus. Er be- M/e. daß er auco ohne der uns von der Entente aufer- ™Perpfllchtung die Entwaffnung für not- 0 .ballen wurde, wenn wir zu einem inneren F.reden und ungestörten Wiederaufbau kommen wollen. Er denke nicht daran, mit roher Faust das Gesetz zur Durch- fuhrung zu bringen, da dies Schwierigkeiten in den Aus- ttzhr ^rbcnuhrsn könne, sondern er wolle zunächst alle friedlichen Mittel restlos erschöpfen. Er trage sich'inrt iL e Lji' e *? c . l ° ene 0 öoffaung. datz auch auf diesem Wege mancherlei erreicht werden könne. Der Grundgedanke, von £££1 er t ^' hkl .der Aktion leiten lietze. sei der. datz alle Maßnahmen in strengster Obi ektivi tät gegen jedermann getroffen werden sollen. Eine allgemeine Abliefern n g s v e rr o d e sei notwendig. Diebe soll am 15. Sevt. N/unei! und bis zum 1. November laufen. Eine frühere Ablieferung fei nicht möglich, da in allen Ländern erst die notwendigen, Organifatiouen geschaffen werden mützlen. Das Gesetz sehe eine Anz,e igep fl i ch t vor nicht nur für den. der eine größere Waffenmenge im Besitz bat, sondern auch tu: den. oer Kenntnis von solchen Waffen bat. Neben den Ernzelversonen sind, auch alle Vereinigungen, die selbst oder deren Mitglieder über Waffen verfügen, dieser Anzeige- vflicht unterworfen. Der Neichskommissar erklärte, daß die Or gesch - O rgan r s at i 0 nen. wenn sie Waffen haben, für ihn solche sind, die entwaffnet werden müßten. Wenn sie nicht über Waffen verfügen, gingen sie ihn nichts an. — Sie m den letzten Tagen mehrfach erörterte Frage, ob die von den verschiedenen Ländern gegen die Orgesch getroffenen Maßnahmen zu Recht bestanden, habe er nicht zu entscheiden. Das fei Sache der von den Orgefchs etwa anzurufenden Gerichte und Behörden, Einen allgemeinen Entwaffnungs-- termin für diese Personen und Vereinigungen anzusetzen. sei nuöt angängig, da fiter örtliche Verschiedenheiten zu berücksichtigen seien. Zn dem parlamentarischen Beirat wurde noch die Bestimmung eingefügt. datz die Entwaffnung auf einzelliegenden Eebosten erst vorgenommen werden soll, wenn wirksame Maßnahmen zum Schutze der Bewohner von den Behörden getroffen seien. Er. der Reichskommisiar. babe sich gegen, diese.Bestimmung gewendet, da sie eine ge- rw 8 ftöatfe. Tlte SlBlicfcruns erfolgt bei jeder Ortsbehorde.,, Um die Schnelligkeit der Durchführung des Gesetzes zu fordern, will Dr. Peters auch, wozu kbn das Ee- kii autorisiert. Prämien für rasche Ablieferung der WafMi gewahren und zwar sollen in der Zeit bis zum -0. Oktober für ledes Gewehr oder jeden Karabiner 100 M.. für andere Waffen entivrechend mehr oder weniger bezahlt Zerden. In der Zeit vom 10. bis 20. Oktober noch 50 M. NaÄ dem l. November wird die Waffe für verfallen erklärt und der Bentzer fallt unter d,e vorgesehenen Strafbestimmungen. Die Gemeinde >ei die Stelle, wo die Waffen abgeliefert und wo sie unverzüglich unbrauchbar gemacht werden sollen. Durch Sammelorgani'ationen werden diese unbrauchbar gemachten Waffen periodisch abgeholt und den Leüwertungsanst-Uten des Reichsschatzministeriums zuge- fuhrt. Der, Reichskommisiar sieht feine Aufgabe als eine , a ’r; -sollten wir wieder aufrecht kommen. !eit?^räumen^ ** * diesen Entwaffnungstrummerhaufen Bei»
Wiederzusammenrritt des Reichstags am 18. Oktober.
23 Aua. Die „Voff. Ztg." meldet: Prasi- 6erufen° Be ® ,ri> öcn Reichstag zum 18. Oktober ein»
Die Ansicht des Rerchspostminifters Giesberts.
mz. Berlin. 24. Aug. Reimsvostminister Giesberts erklärte, gegenüber einem Vertreter des ..B. T.". er sehe im allgemeinen nicht zu schwarz in die Zukunft. Die Wirkung der Tariferhöhung sei vor Ende Januar nächsten ??^^ Ticht festzustellen: der Rückgang des Telephonver" lehrs fei bisher geradezu minimal.
Die neue Streikwelle.
iLmLu-Nu "LE" IB in -«in.
23. Aus, Die Arbeiter der städtischen Lrcht- und. Wasserwerke sind heute unter Bruch des Tarifvertrags in den Aus st and getreten Sie erheben neuerdings die Forderung, es sollten ihnen wieder, wie dies in früheren Jahren der Fall war auf den Kopf 104 hl Gaskoks zum halben Preise zur Verfügung ge"
- L“i rfcen - Vergünstigung wurde vom Magistrat als getetzlich unzulässig abselebnt.
Ende des Streiks der Hamburger HcchSahnangsstellten.
m 2 . Hamburg. 24. Aug. (Drahtbericht.) Nachdem die am Montag zwischen dem Vorstand der Hochbahn und den Streikenden stattgefuvdenen Verhandlungen ?ur vollen
ArÄit'am Mittwoch e°folgen°"^ Wiederaufnahme der
Kühe nach Deutschland.
TW n £„tf;Z U c:JL$ u & Die „Tagl. Rundschau" meldet: Der ^ozlallst Nam say Maedonald teilte in
die britische Regierung das Er'- w deutschen Regierung, den nötigen Elbiiiöraunr ^ur
KMrung der von. Amerika Deutschland zugefagL „„ OU Kihen zur Vertilgung zu stellen, wegen Mangel an Schiffsraum abgelehnt hat.
Die englischen Truppen in Trapezunt.
(m..? 2 ;, Varis, 23. Aug. Nach einem Funkivruch aus Moskau, fo berichtet der ..Matin", sollen die englischen Truppen Trapezunt besetzt haben. engmcyen
