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Freitag, 20. August 1920.

Abend-Ausgabe.

Nr. 388. ♦ 68. Jahrgang.

Das Randgebiet von Oberschlesien von den Polen besetzt.

Dz. Beuthen, 20. Aug. (Drahtbericht.) Das ganze Randgebiet von Oberschlesten ist von den Polen besetzt. B o g u sch ü tz und Nikischacht, Laurahütte und alle östlich von Kattowitz liegenden Ortschaften sind in denHändenderPolen. In Laurahütte kam es heute nacht zu schweren Gefechten zwischen der Sicher­heitspolizei und den Polen. Die Sicherheitspolizei hatte 12 Tote und eine große Anzahl Verwundeter. Die DruckereivonSchnellmann wurde vollkommen demoliert. Es wird geplündert. Die Polen stehen be­reits an der Grenze von Boguschiitz-Nora, unmittelbar vor Kattowitz. Heute morgen 4 Uhr kam es zu einem schweren Kampfe zwischen den Polen und der Sicherheitspolizei, die der Übermacht weichen muhte. Wie die gemachten Gefangenen beweisen, kämpfen unter den Polen gut ausgerüstete Hallersoldaten. Die Polen beabsichtigen heute, die Bergwerke stillzulegen. Nach einer weiteren Meldung wird bereits auf zwei Gruben, darunter auf der Hohenzollerngrube, gestreikt.

Kattomih, 20. Aug. (Drahtbericht.) Die Polen sind in Starke von 2000 Mann im Anmarsch. Sie haben eme Reihe von Ortschaften um Kattowitz besetzt. Die Sicherheitspolizei bittet dringend um Verstärkungen.

Die Tumulte in Kattowitz.

ZD Berlin, 20. Aug. (Eig. Drahtbericht.) Wie die ,.P. P..91. an zuständiger Stelle erfahren, hält der Staats­kommissar für die öffentliche Ordnung, Dr. Weihmann.

in Kattowitz nach wie vor sehr

die Situation . .. _.

gc Io an nt und äußerß bedrohlich. Nach seiner Meinung ist die Erregung dadurch auf den Siedepunkt ge­stiegen. daß Herr K o r f a n t y in seinen Hetzreden und Er­lassen zu den skandalösesten Mitteln gegriffen habe. Die Erbitterung über die unwürdige Svrache Korfantys ist groß. Wie furchtbar, aufgeregt die Bevölkerung ist. zeigte sich in diesen -tagen insbesondere dabei, als sich die völlig unbe- waffnetc Menge unter jeder Außerachtlassung der Gefahr auf die bis an die Zähne bewaffneten Kavallerie- und Jn- fanterlcabteilungen stürzte.

, mz. Bcutben, 19. Äug. Kattowitz war beute nach­mittag ruh i,a. Die Spannung hält jedoch an. Der Theatervlatz ist durch französische Kavallerie besetzt. Patrouillen mit av.fgevflanztem Seitengewehr durchzieben die Straßen. Die Sicherheitsvolizei erhielt Verstärkungen. Stal ienlsche Truppen sind eingetroffen. Ihre Starke ist unbekannt. Das Volksabstimmungskommissariat für Deutschland erläßt einen Ausruf, in dem die deutsch- denkende Bevölkerung Oberschlesiens eufgefordert wird, Ruhe und Besonnenheit zu bewahren.

_ ,W- Breslau, 19. Aug. Nach einer Meldung der Schief. Ztg. aus Kattowitz befand sich unter der ver­hafteten Besatzung des „Deutschen Hauses" auch ein Ge­hilfe Korfantys sowie ein oolnischer Student namens Koi. Bei diesem wurden ein Armeerevolver sowie gegen Sv Patronen gefunden. Im Verhör soll Koi gestanden haben, datz er mit 45 anderen Polen aus dem Lomnitz-Hotel in Beuthen nach Kattowitz gesandt worden sei. um eine «chi^etzerei zu inszenieren. Sämtliche Polen waren mrt Schutzwaffen ausgerüstet. Der anrückenden Feuerwehr und Sicherheitswebr gelang es. den Brand zu löschen und die Privatbewohner aus den oberen Stockwerken zu retten. Nun drang die Menge in das Hotel ein. Grobe Stöße vol- nlscher Flugblätter. Zeitungen. Akten und Paviere wurden auf die Strabe geworfen. Ferner wurde eine große Menge von Munition und Waffen erbeutet, die unter die Menge verteilt wurden. Im Laufe der Nackt wurden die Ge­schäftsräume der ..Gazsta Ludowa" vollständig zerstört und eine Reihe von polnischen Läden zertrümmert, u. a. das Geschäft des Großpolen Czavlinski und das Geschäft des Elsenhändlers Sikorski. Es muß jedoch ausdrücklich betont werden, daß dio Menge sich keine Plünderungen im landläufigen Sinne zuschulden kommen ließ.

W. T.-B. Beuthen. 20. Aug. (Drahtbericht.) Bis Mitt­woch kam es in K a t t o w i tz zu keinen weiteren Zufammxn- nvtzen. Um 11 Uhr war die Verbindung mit Kattowitz wloderhergestellt. Gestern abend fanden dort, um zur Losung der Lage zu kommen. Verhandlungen zwischen den Gewerkschaftsvertretern und der interalliierten Kommission statt. In diesen kündigte der Vertreter der interalliierten Kommission die Festnahme der Gewerkschaftsvertreter wr den Fall an. daß die Unruhen fortgesetzt werden sollten.

auf die Frage nach den Forderungen der Gewerkschafts­vertreter die Ablösung der französischen Truppen durch ualienllcke Truvvcn ausgedrückt wurde, lehnte der Vertreter ver interalliierten Kommission schroff ab und brach die Ver­handlungen ab. _ _

Ein gefährlicher Beschluß der Eisenbahner.

Br. Berlin, 20. Aug. (Eig. Drabtbericht.) Gestern Nachmittag sind eine Reibe von Verbänden in Berlin zu- ammenaetreten. um zu der Frage, ob die Eisenbahner selbständig über die Beförderung der Transporte von Waffen usw. befinden könnten. Stellung zu nehmen. Es wurde dabei der folgenschwere Entschluß gefaßt:

In einer Vorbesprechung der Svitzenorganisation mit den Betriebsräten der Eisenbahn sind die Eisenbahner er­neut angewiesen, keinen Transport von Kriegs­material du-rchzulassen. Richtlinien zu diesem Zweck werden in einer Vorsitzung, die am Samstag statt- undet. herausgegeben. ^

. An der gestrigen Besvrechung haben Vertreter des Deut­zen Eiienbabnervcrbandes. des Deutschen Eewerkschafts- verbandes. der Berliner Gewerkschaftskommission. der Zen- ftale der Betriebsräte, der drei sozialistischen Parteien und S?t Betriebsräte der Eikenbahndirektion teilgenommen. M der Sitzung, die am kommenden Samstag stattfinden Hst. werden die Vertreter aller Eisenbahnorganisationen “ n o der Eroß-Berliner Bahnhofswerkstättrn usw. teil- "ebmen.

Der Erfolg der polnischen Gegenoffensive

Br.

er

Berlin, 20. Aug. (Eia. Drahtbericht.) Von mili- Seite wird uns über die Lage im Osten berichtet: Der Angriff des polnischen Stoßtrupps „Mitte" gegen die Russen bleibt im Fortschreiten. Nack dem polnischen Heeres­bericht vom 18. August wurde die Linie Lodawa- W i e nd s i rzec-S i e d l ec - M i n sk erreicht und dem­nach die polnische Front zwischen dem Bug und der Gegend südöstlich Warschaus seit dem 15. August in einer Aus­dehnung von 150 Kilometer um rund 50 Kilometer vor­getragen. Der russische Bericht erwähnt auch am 18. Aug. diesen Abschnitt nicht, so daß dieser von den Polen gemel­dete Erfolg zutreffen könnte. Der polnische Haupt­angriff wird durch Angriffe nördlich Minsk unter­stützt. die den Polen angeblich den Besitz von P u t u l s k embrachten. Die Polen melden den Rückzug des russi­schen Nordslügels östlich von Warschau - Livno. der wohl auf die schnelleren Erfolge der polnischen Mittel- gruvpe und die dadurch heroorgeruiene Nervosität der russi­schen Leitung zurückzusühren ist. Die Russen berichten an diesem Tage noch von heftigen Kämpfen in dem genannten Abschnitt. Der Vorstoß der russischen Kavallerie auf Lovcluwk wurde von den Polen abyewiesen. Durch Patrouillen erreichten die Russen nach überschreiten der Bahn Deutsch-Eylau-Briesen am 18. August die Linie Lessen-Rehen. Gegen ihre linke Flanke geben polnische Truppen, und zwar offenbar Ersatzformationen aus dem Weichselbogen. in der Richtung auf Briefen vor. In Gali­zien sind kleine Fortschritte der Russen zu ver­zeichnen. Sie dringen hier weiter in der Richtung auf Lemberg vor. was ihnen durch die Schwächung der dor­tigen polnischen Front durch die Abgabe von Truppen zur Mittelgruppe erleichtert wird.

mz. London, 19. Aug. „Daily Expreß" schreibt zur Lage auf dem russisch-polnischen Kriegsschauplatz: Der un­erwartete Umschwung in der Lage ist auf die Tatsache zurückzuführen, daß der schnelle Vormarsch der russischen Truvvcn. die größtenteils aus Reiterei bestanden, durch den schnellen Rückzug der Polen auf die Stellungen um War­schau ermutigt wurde.

mz. Königsberg, 19. Aug. Im Vorgehen des b o l f ch e - wikifchen Nordflügels gegen die Weichsel scheint in­folge der Rückwirkung der Lage bei Warschau ein Still­stand einzutreten. Südöstlich von Warschau bat die pol­nische Kegenoffenstve auf der ganzen Front die Eisenbaün- linie Warschau-Siedlec-Luckow überschritten: diese Orte sind in polnischer Hand. Die Offensivflanke wurde durch die Zurückeroberung von Wienice und Moldawa durch die Dolen befestigt. Eine unmittelbare Gefährdung Warschaus aus nördlicher und südöstlicher Richtung ist vor­läufig beseitigt. In der Richtung Lemberg haben die Bolschewiken den Bug überschritten.

mz. Berlin. 20. Aug. Zum polnischen Gegenstoß wird der „Boss. Ztg." von ihrem militärischen Berichterstatter ge­schrieben: Der weitere Erfolg wird davon abbängen. ob die zum Angriff zusammengebrachten polnischen Truppen die Kraft zu einer längeren Offensive haben, ferner davon, ob die Polen es überhaupt schon mit den russischen Haupt­kräften zu tun batten oder nur mit schnell vorgedrungenen schwächeren Kräften.

Fortschritte der Polen im Korridor.

W. T.-B. Allenftcin, 19. Aug. Dem „Allensteiner Volks­blatt" gebt aus Reidenburg von heute vormittag die Nach­richt zu. wonach die Einnahme von Eiechanows durch die Polen bestätigt wird. Die Polen nahmen gestern nachmittag Strasburg und steben 8 Kilometer von Lautenburg entfernt. Eine Anzahl Flüchtlinge ist aus S t r a s b ur g in Koslau angekommen. Gestern nachmittag wurde von einem polnischen Flieger eine Bombe auf den jüdischen Friedhof in S o I d a u abgeworfen. Heute vor­mittag warfen polnische Flieger in der Nähe von Soldau drei Bomben ab. desgleichen über Soldau Flugblätter, worin mitgeteilt wurde, daß Soldau dem Erdboden gleich­gemacht werde. Die Polen haben den Rüsten bei der Ein­nahme von Ciechanow und Strasburg die gesamte Bagage abgenommen. Die Russen, die in der Richtung auf Soldau flüchten, versichern, daß auf polnischer Seite französische Truppen ausgetreten seien.

Von einem Gewährsmann erhält das „Allensteiner Volksblatt" folgende Mitteilung: In Soldau bildete sich eine Schutzwehr aus Unabhängigen. Die Mit­glieder der Schutzwehr. die Gewehre und rote Binden tragen haben die Grenze besetzt und verhindern die Ausfuhr von Vieh und Getreide.

Die Friedcnsverhandlungeu in Minsk, mz. Paris, 20. Aug. (Drahtbericht.) Wie die „Humanit6" aus London meldet, liegen von polni­scher Seite keine Nachrichten über die Verhand­lungen in Minsk vor. Von T s ch i t s ch e r i n ist bei K a m e n e w ein Telegramm eingelaufen, aus dem her­vorgeht, daß die p o l n i s ch e D e l e g a t i o n am 18. August zur zweiten Sitzung nicht mehr erschienen sei. Die russisch-ukrainische Delegation hat deshalb einen Protest an die polnische Regie­rung gesandt.

Belgien bleibt neutral.

W. T.-B. Brüste!. 19. Aug. (Havas.) Der Minister­rat beschloß, datz Belgien wegen des rustisch-volnischen Kon­flikts bis nach der Konferenz von Minsk eine neutrale Haltung einnehmen wird.

mz. Paris. 20. Aug. Nach einer Meldung des „Temps" aus Brüssel kam cs gestern vormittag im Kabinettsrat wegen des Durchgangsverkehrs von Munition für Polen zu einer lebhaften Aussprache. Der Minister für Auswärtiges trat energisch dafür ein. daß der Durchgangsverkehr gestattet werde. Justizminister Vandervelde bekämpfte diesen Standpunkt. Schließlich einigte man sich dahin, die Neu­tralität vorläufig aufrecht, zu erhalten, bis das Ergebnis der Verhandlungen in Minsk vorliege.

Die Minifterbegegnung in der Schweiz.

mz. Bern, 19. Aug. Heute mittag 1 Uhr ist der eng­lische Ministerpräsident Lloyd George mit seinem Gefolge in Luzern eingetroffen.

Bb. Berlin, 19. Aug. Die Tatsache, datz Reichs­minister Dr. Simons seinen zunächst bis zum 22. August vorgesehenen Urlaub in der Schweiz um ‘ einige Tage verlängert, erweckt aufs neue die wohl nicht ganz unbegründete Vermutung, datz Herr Dr. Simons die Gelegenheit benutzen will, um mit dem jetzt gleichfalls in der Schweiz weilenden englischen Minister­präsidenten Lloyd George und dem italienischen Minister des Auswärtigen Grafen Sforza zufammen- zutreffsn.

Bb. Bern, 19. Aug. Das offizielle Blatt Eiolittis, die „Stampa", meldet, datz der deutsche Reichskanzler F e h r e n b a ch sich in der nächsten Woche nach Luzern begebe, um der Zusammenkunft Lloyd Georges mit Giolitti beizuwohnen.

Bb. Paris, 19. Aug. Der „Temps" fragt, ob es nur ein einfacher Zufall fei, der den deutschen Minister für auswärtige Angelegenheiten Dr. Simons zu gleicher Zeit wie Lloyd George nach der Schweiz führe. Das gehe Frankreich eigentlich nichts an, aber wenn es Simons' Absicht sei, Lloyd George zu sprechen, dann müsse man sagen, die deutsche Presse hätte alles getan, um diese Unterredung zu erleichtern. Die deutsche Presse sei sehr vorsichtig gewesen angesichts der Erfolge der Bolschewiken, und es habe der Schlacht von Montag bedurft, um eine gewisse Beängstigung zu zeigen. Das beweise die „Deutsche Allgemeine Zeitung". Aber vielleicht wolle Simons Lloyd George nur be­weisen, datz Deutschland nicht nur der beste Mittler sei, um Handel mit Rußland zu treiben, sondern auch der beste Schutzwall des Ostens gegen die asiatische Barbarei.

mz. Paris, 20. Aug. (Drahtbericht.) Nach einer Meldung der „Information" aus London wird Lloyd George in Luzern mit Emir Feyssal eine Zu- sammenkunft haben. — Rach den Pariser Morgen­blättern trifft heute abend Giolitti in Luzern ein und wird noch heute eine längere Unterredung mit Lloyd George haben.

Eine Sitzung des Obersten Rates in der Schweiz?

mz. Paris, 20. Aug. (Drahtbericht.) Nach einer Meldung der „Information" glauben die Pariser Mor­genblätter, datz nach der Konferenz in Minsk eine Sitzung des Obersten Rates in der Schweiz stattfinde, und zwar im Anschluß an die Beratungen, die zwischen Lloyd George und Giolitti stattfinden werden.

Dir deutsche Note über den Saarstreik.

Dz. Berlin, 20. Aug. Wie wir hören, hat dir deutsche Regierung anläßlich der Bewegung der Beamten im Saargebiet und der damit zusammen­hängenden Ereignisse eine Note an die Regierungs­kommission des Saargebietes gerichtet, in der es heißt:

Die Beamten des Saargebietes haben am 8. August die Arbeit ein­gestellt, weil dis Rcgierungskommifsion unter Abänderung der bestehen­den Gesetze ein Statut erlassen wollte, dessen Bedingungen den Beamten unannehmbar erschienen, über die Rechtslage der Beamten im Eaar- gebiet gibt der Friedensvertrag nicht mit Klarheit Auskunft. Zweifel­los aber ergibt sich aus seinem Sinne, daß der Beamienkärper im Lanzen durch die neue Rechtsordnung übernommen werden sollte, unbe­schadet des Rechtes der Negierungskommisston, einzelne Beamte au» be­sonderen Gründen zu enifernen. Daher hat die deutsche Regierung von einer Zurückziehung det gesamten Beamtenschaft aus dem Eaargcbici ab­gesehen und die Beamten zur Verfügung gestellt. Statt nun aber die Rechtsverhältnisse der Beamten zu regeln, sei eg im Wege der Verein­barung mit der deutschen Regierung, sei SS durch unmittelbare Verhand­lungen mit den Beamten selbst, hat die Regicrungskammission einen Ent- wurs ausgestellt, welcher Vorsicht, daß über die Entlassung und über die Un­fähigkeit oder llngeeignetheit eines Beamten nicht mehr im Wege eines ordentlichen gerichtlichen Bcrfahrens. sondern durch die Aussprüche der Vorgesetzten entschieden wird. Der Entwurf will ferner das den Be­amten gesetzlich gewährleistete Vereins- und Koalitionsrecht weitgehend einschränken. Es liegt aus der Hand, datz keinem Beamten zugemute! welden kann, stch mit einer derartigen Minderung seines Rechtes einver­standen zu erklären. Die verständigen und durchaus erfüllbaren Eegen- voischläge der Beamten sind verworfen worden. Wenn nun auch über die R-chi-st-liung der Beamten im einzelnen Zweifel bestehen können, so kann dies doch keinesfalls zur Folge haben, datz die Regierungs- lommission mit den Beamten nach Willk-Ür verfahren darf. Sie kann auch die Bewegung der Beamten nicht zum Anlatz nehmen, um Matznahmeu zu ergreifen, die mit dem Friedensvertrag unvereinbar sind. Tatsächlich aber ist dies geschehen. Beamte und andere Bewohner des Eaargebteics sind in größerer Zahl verhaftet und eine ganze Reihe von Personen ist aus dem Sebiet ausgewiescn worden. Die deutsche Regierung erhebt feierlich und nachdrücklich Ei n - s p r u ch gegen die geschilderten Matznahmen der Regierungskommisston, die mit dem (Seift und dem Zweck der Friedensvertrages nicht im Ein­klang stehen. Datz die Proklamation den Tatsachen widerspricht, geht LUS den obigen Angaben über die Ursache des Streiks hervor. In voll­kommen irresührender Weise hat die Regierungskommisston die Bewegung der Beamten mit der Tätigkeit einer Organisation des Deutschtums im Saargebiet in Zusammenhang zu bringen versucht. Wenn die deutsche Regierung für diese Tätigkeit, die die Förderung der deutschen Musik, des deutschen Theaters und des deutschen Bereinswesens zum Ziel« hat, Mittel zur Verfügung gestellt hat. wird st- sich ihr gutes Recht dazu auch künftig um so weniger bestreiten lasten, als es sich hierbei lediglich um eine Abwehr der bekannten, mit reichlichen Mitteln arbeitenden Be­strebungen handelt, di- das Ziel verfolgen, den deutschen Charakter de» Eearpebiet«» zu ändern,