Verlag Langgasse 21
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Berliner Abteilung des Wiesbadener TagSlatts: Berlin XIV
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Samstag, 14. August 192».
Morgen-Ausgabe.
Bayern und die Entwaffnung.
Wenn nicht alle Anzeichen trügen, so war die Ablehnung des Gesetzes über die Entwaffnung der Be- volrerung durch die bayrische Volkspartei im deutschen Reichstag nur der Auftakt zu einer planmäßigen rA l * a ..* on in Bayern gegen die Entwaffnung der Zivilbevölkerung. Es ist ja nicht gerade überraschend und Nicht gerade neu, daß man in Bayern eine Politik betreibt, die der des Reiches nicht gleich gerichtet ist. Trotz alledem wurde die Treue Bayerns zum Reich von der bayrischen Regierung und von den maßgebenden Persönlichkeiten wiederholt betont. Wenn man darum heute in Bayern in der Entwasfnungs- frage wieder einmal eigene Wege anstrebt, so braucht die Einheit des Reiches noch nicht darüber in die Brüche zu gehen. Andererseits läßt sich doch auch nicht verkennen wie gefahrvoll der eingeschlagene Weg ist, Kn ] 1 , es l>t nicht zu leugnen daß er, wenn man nicht rcchtzertlg abbiegt, schließlich zu außerordentlich ernsten Konflikten führen muß.
Gemäß den Vereinbarungen von Spa hat die Reichsregierung den bekannten Entwurf eines Entwaffnungsgesetzes im Reichstag eingebracht. Das Parlament hat diesen Entwurf, weil es gar keinen anderen Ausweg gab, angenommen und er ist Gesetz geworden. In Bayern ist man nun aber nicht ge- willt, sich diesem Gesetz zu fügen. In Versammlungen, in Zeitschriften und Zeitungen wird dagegen Sturm gelaufen. Leider mutz festgeftellt werden, daß auch die bayrischen Demokraten wieder einmal andere Wege gehen als die demokratische Partei im Reich. Mit wegwerfenden Worten eifert der „Fränkische Kurier", ein Blatt, das den Standpunkt der bayrischen Demokraten vertritt, gegen die Bewilligung des Entwaff- nungskredits, und der demokratische Abgeordnete und frühere bayrische Iustizminister D r. Müller wettert lm „Heimatland", der Wochenzeitung der bayrischen Einwohnerwehren los. Vielleicht könnte man das mit dem Einwand abtun. daß auch Herr Dr. Müller das Recht hat, politische Torheiten zu begehen. Aber es ist nicht nur Herr Müller, der zum Ungehorsam gegen das Gesetz aufrust, was ihm als früheren Justizminister besonders gut ansteht, sondern auch offizielle Körperschaften, wie etwa die neugegründete amtliche Vertretung der bayrischen Landwirtschaft, die bayrische , Landesbauernkammer, stellen sich auf den gleichen Standpunkt. Die Bauernkammer ernannte in ibrsr ersten Sitzung den bekannten Vauernführer D r. H e'i m m ihrem Vorsitzenden. Dieser erklärte, die bayrische Einwohnerwehr habe noch niemals die Waffe mißbraucht, und er bat um die Ermächtigung, der bayrischen Staatsregierung den Wunsch der Landes- Bauernkammer zu übermitteln, daß die bayrischen Einwohnerwehren erhalten bleiben. In der Tat erteilte die Kammer diese Ermächtigung, ohne sich anscheinend bewußt zu sein, daß sie damit dem Widerstand gegen cm rechtsgültiges Reichsgesetz Vorschub leistet. 'Roch deutlicher und schärfer freilich wird der sattsam bekannte Graf Bothmer. In dem Organ der bay- nschen Reaktionäre, dem „Bayrischen Königsboten", schreibt er in einer Auseinandersetzung gegen General von Delmensingen u. a.:
' „Es mutz in Bayern Selbstverständlichkeit sein, daß wir keinen Mündungsdeckel und keinen Schlagbolzen abliefern. Hier haben wir bereits die praktische Stelle, wo die Notwendigkeiten zum Kompetenzkonflikt zwischen Bayern und dem Reich gegeben sind.
. Diese Hetze' die es sich also zum Ziel setzt, durch euren Kompetenzkonflikt Bayern vom Reiche abzu- orangen, kann man nur noch mit dem Wort Hochverrat bezeichnen. Das sollte auch den bayrischen Demokraten die Augen öffnen. Ungemein charakte- .Ustisch jst e5; haß die bayrischen Unabhängigen und ^urmunisten, denen doch die Regierung Kahr sonst fcharf auf die Finger sieht, in ihrem Entrüstungsrummel gegen das Entwaffnungsgesetz nicht gestört Werden. Für diese Aktion scheint die Regierung Kahr
liebevolles Verständnis zu haben. Der Weg, ocn man heute in Bayern cinschlägt, muß in den Abmund führen. Deutschland hat in Ssta das Abkommen unterschreiben müssen, das die unverzügliche Auslieferung aller Waffen verlangt, die sich in den Händen °er Zivilbevölkerung befinden. Wie überall, so steht "uch hier die Drohung der Entente dahinter: Ein- ^arsch in das Ruhrrevier! Darüber ist man sich in ^?yern anscheinend nicht im klaren, oder will man Irnich neue außenpolitische Verwickelungen schaffen, Atastrophale Folgen haben müßten? Steht Bayern ZrlUch -je Einwohnerwehr höher, als die Einheit des
Ein Moskauer Funk pruch nach Berlin.
„„Ar- A f a< J 8 * v 3- Aus. (Eig. Drabtbericht.) Moskau versendet folgenden Funksvruch:
Berlin. Dr. Simons. Auswär- Amt. Es ist uns sehr dringend, zu erfahren, ob die ® eR Druvven. die sich im Abstimmungsgebiet zu- sainmenzlehen. entwaffnet und interniert werden. A>ir bitten dringend die Regierung um sofortige Rück- TschiZcherin^' ® cstau - Volkskommissar des. Auswärtigen:
.. ß n diesiger zuständiger Stelle wird die Nachricht, dah ^^;§??^^^ 0 lerung einen Funksvruch an Minister Simons schertTruppen bestätigt^^ Entwaffnung der volni-
Tnzu ist zunächst festzustellen, dah polnische Truvven- zujammenziebungen im Abstimmungsgebiet nicht stattfinden, c u t s ch e R e g i e r u n g wird auf diese drahtlose An- " * hl" r t e n. Sie wird darauf Hinweisen, dah sie Strengen Neutralitätserklärung polnische Druppen. die auf deutsches Gebiet uüergetreten sind, bereits interniert hat und dah ne dieses auch in Zukunft tun wird.
. ® ie "U verschiedenen Seiten in den letzten Tagen verbreiteten Meldungen über ein angebliches Geheim- L» V o minen zwischen der deutschen und der russischen ^Legierung smo. wie von unterrichteter Seite milgeteilt wird, irer erfunden.
Rückkehr der polnischen Parlamentäre.
Br. Warschau. 13. Aug. (Eig. Drahtbericht.) Die Presteabteilung des Ministeriums des Auswärtigen gibt bekannt. Die polnischen Parlamentäre sind gestern von der Front nach Warschau z u r ü ck g e k e b r t. Die Sowjetregierung hat vorgeschlagen, dah die polnische Waffenstillstandsdelegation für Minsk am 14. d. M. die Front passieren.
Der polnische Heeresbericht.
(Drabtbericht.) Nach einem Jf ri e A 0m 4; n aus Wnrschau meldet der polnische Heeres- w A^g^neatneilunßen drangen dauernd
öesett die Palmlnne Mlawa-Ziechanow vor. Den stÄvü? die russischen Truppen vorübergehend
besetzt. Zwischen Narew und Bug ist die Lage unoer- kvin-^ Don ® r 0 £ 5 der Feind von neuem
, und versucht, nach Westen vorzu- drrngen. Östlich von S i e l d c e werden unsere Abteilun- umiruvv ert Unsere Truppen im Osten von Brody v?oen den yemd aus Baeiwillow vertrieben und ihm vier Maschinengewehre abgenommen. cv.Seretb und Strypa haben unsere Truppen !mnn e ^ tut ! 5 ?nniafTen auseinandergesprengt und
4000 Gefangene gemacht sowie Maschinengewehre erbeutet.
Ein Appell der Eswjetregierung an die französischen Arbeiter.
Aus. (Drabtbericht.) Die So wiet- r e , 0 1,®1 1 d 0 UN die französischen Arbeiter
aBramW hnr* nnur: rt* i>e m y??öierun0 öes Generals
. urch die französische Regierung einen Appell
dnrck te sw” worfln erklärt, dah die französische Regierung .Anerkennung der Regierung des Generals
^ickt^ / '-in-?"^rkV^°/gerufen habe, die sehr leicht in einen russisch-französischen Krieg rj.^,Er 0 .Äen könne. K r a s s i n und K a m e n e w hätten die Regierung bei allen Gelegenheiten wissen lassen, daß die Sowietregiening gern bereit sei. alle Fragen zu prüfen, die Frankreich in der bestehenden Form nicht aner- Durch die plötzliche Anerkennung der Rcgie- rung des Generals Wrangel sei man nun in Ruhland anher- /rregt,. und gerade jetzt, wo man Hoffnung gehabt M^/i i - § -xEmen rustisch-polnischen Friedensschluh der Welt den frieden wiederzugeben, werde durch ^-e Borgeben der französischen Regierung der Bruck der rnssilch-oolniichen Verhandlungen zur Tatsache. Die Krisis könne sich sogar b,s zum Weltkrieg ausbauen: doch hätten fr a n^o s i s ch e n A r h e i t e r das S ch i ck s a l d e r
Nr. 377. » 68. Jahrgang.
Der Generalstreik in Saarbrücken.
13. Aug. (Drabtbericht.) Seit heute ist der Generalstreik zunächst auf vier- JS ?, n 310 S t unden erklärt worden. Morgen soll ’( von den Streikenden wieder restlos aufge- . Sollten die Verhandlungen feblschlagen. PN Montag der völlige General st reik in "^rbandlungen werden von der interalliierten ^-^kEkcmmission in Koblenz, unter Hinzuziehung des ^ Sämtliche Banken und Geschäfte
^» Die Strahenbahn verkehrt nicht. Auf den -sin „»v lst alles ruhig. Auf den wichtigsten Plätzen sowie aufgesteM^^^^" Dächern der Stadt sind Maschinengewehre
Dz. Saarbrücken. 13. Aug. (Drahtbericht.) Die Regie- r u n g s k o mm i k s l o n hat erklärt, dah sie nicht bereit sei. an den Beamtenstatuten irgend etwas zu ändern. Sie bat ferner erklärt dah sie nicht mit den Vertretern der Streikenden d irekt verhandeln will, so lanae nicht die Arbeit wieder ausgenommen sei. Falls die Arbeit bis morgen früh nneoer ausgenommen wird, verpflichte sie sich, weitgehende Nachsicht bezüglich der Beamten und Arbeiter vvvzuschlagen. die sich einer strafrechtlichen Verfolgung aus- geietzt batten. Besonders wird sie ani die Militärbehörden e-nwrrken und he bitten, von einer Verfolgung der Anae- stellten und Arbeiter, die dem Regierungsbefehl keine Folge geleistet batten, durch das Kriegsgericht abzuseben. Die- lemgen aber, die sich eines Widerstandes gegen die Staats- ??walt oder der Sabotage schuldig gemacht hätten, würden diese Vergünstigung nicht erhalten. Die Erklärungen der Regierungskommihion sind für die Regierung nur bindend, wenn die Arbeit innerhalb 24 Stunden, also SamstagfrüE wieder aumenommen wird.
Die Erenzführung in Oft- und Westpreußen.
Lr. Berlin. 13. Aug. (Eig. Drabtbericht.) Bei der deutschen Regierung ist jetzt die Rote über die Grenz- fübrung auf Grund des Abstimmungsergebnisses in Ostund Westvreuhen eingegangen. Es ergibt sich daraus, dah unsere Einwände gegen die Eewährun» eines 50 Kilometer breiten Uferstrcifens auf der rechten Seite der Weichsel und die Überlassung von vier Ortschaften und des Hafens von Kurzebrack auf dem östlichen Ufer der Weichsel an Polen ohne Ergebnis geblieben sind. Es blllbt also bei der von der Botschasterkonferenz beschlossen'-n Erenzführung. Der Inhalt der Rote wird morgen vor" mittag veröffentlicht werden.
ie f r a n z ö si sch e n Arb e i t e r d as Sch i ckIa l d ranzen Welt in der Hand.
Die englischen Arbeiter für Frieden mit Rußland.
w “z- Rotterdam. 13 Aug. (Drabtbericht.) Der ..Nieuwe Rotterd. Gourant meldet aus London: Der Aktionsaus- jä'uh k,cr Arbeiter, der hch mit der russisch-polnischen Frage beschäftigen . soll, schickte einen Brief a n L l o n d George, in dem ihm mitgeteilt wird, dah die Frage des Verbaltnlhes zwihchen Ruhland und England mit den Mit- !??kuv 0 en Lloyd Georges im Unterhaus nickt erledigt lei i? te A?cltervertretung sei davon überzeugt, dah ein Frie- densschluh und die normalen Beziehungen zwischen England und Ruhland gebieterische Notwendigkeit seien Der Brief ersucht mit Rücksicht auf die für Freitag angesetzte nationale Arbeiterkonf-renz. sich sofort in deutlichen bestimmten Worten zu erklären.
Eine Rede Lloyd Georges.
- LA London, 13 Aug. (Drabtbericht.) Rach einem Frühstück, das zu Ehren Lloyd Georges von den Führern der Koauuon gegeben wurde, sagte der Premierminister er borfe und vertraue darauf, dah nichts die Einheit zwischen England und Frankreich gefährden werde und fugte hinzu, wenn, es sich um die Herstellung des Friedens handle, sei es un>ere.erste Mlickt. das Volk nicht in ein asererfitferüstes Abenteuer hineinzustürzen- p-'E strengsten Forderungen der nationalen Ehre und die Frage der Unabhängigkeit und Freiheit könnten einen Krieg rechtrertigen. Auf diesem Gebiete sei kein R a u m f u r P a r t e i m a n ö v e r. Hier mühten die Nationen alle ihre Kräfte sammeln. Sehr viel hänge von England und seiner Einheit ab. »
Amerika ergreift keine Partei.
ni7. Paris. 13. Aug. (Drabtberickt.) Nach einer Meldung aus Washington erklärt man in Amerika, dah Amerika vorläufig in dem englnch-französischenKonflikt über Ruhland seine Partei ergreifen werde.
Das Ostpreußcnkabel.
Br Berlin. 13. Aug. (Drabtbericht.) In dem Ost- vreuhenkabel wird voraussichtlich von Mitte dieses Monats eine F e r n s p r e ch l e i t u n g in Betrieb genommen werden können Man hofft, im Laufe der dann folgenden Wochen. a!,o bis Ende September, auch die übrigen vier . Stromkreise für Fernsprechverkehr in Betrieb nehmen zu können.
Das Entwaffirungsgefch in Kraft getreten.
W-T. B. Berlin. 12. Aug. Das Reichsgesetz über die Entwaffnung der Bevölkerung vom 7. August wird in Nr. 169 des Reichsgesstzblattes vom 11. August veröffentlicht. Das Gesetz ist mithin am 11. August i n K r a f t g e t r e t e n. Die Diensträume des Reichs- kommissars befinden sich im Reichsministerium des Znnern, Am Königsplatz 6. Der Entwurf der Aus- fthrungsbestimmungen zu dem Entwaffnungsgesetz ist in Arbeit. Der Entwurf wird in den nächsten Tagen mit den beteiligten Reichsresforts und sodann mit den Vertretern der Länder erörtert werdest. Er bedarf altzdann der Zustimmung des vom Reichstag gewählten Verrates.
Die deutschen Kohlenlreferungen an Frankreich.
Br Luxemburg, 13. Aug. In der ersten Dekade des August entsprechen laut französischen Meldunoen die deutschen Kohlenlieferungen an Frankreich den Abmachungen von Spa, ba übet 500000 Jonncn a b g e liefert wurden und gemäß der Konvention zwischen den deutschen und französischen Sachverständigen das deutsche Pflichtguantum um 50 000 -rönnen monatlich ermäßigt wurde.
Deutsche Auswanderer nach Brasilien.
t. t“ z - 13 - Aug. Laut „Verl. Lokcklanzeiger"
befindet stcy an Boro des brasilianischen Dampfers „Punyaba" des Brasilianischen Lloyds, der gestern nachmittag die Heimreise angetreten hat die erste Gruppe derjenigen 2500 deutschen Auswan- r - r, die mit Genehmigung der deutschen Regierung die freie Fahrt aus Kosten der brasilianischen Regierung antreten. ' ' '
Zollsreihcit für Liebesgaben.
^ A lEllge ll ist durch reiäsminiftS":
Der Parteitag der Deutschen Bolkspartei.
v.lLii-K'L m‘i ,t, a b Äb fnäSüUt Sae * a
