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-.ttrvsch, N. AugusL 192).

Abend-Ausgade.

N§. 372. «. 68. Jahrgang.

Ae r>M« MMWWSiSrr «W».

M.r. L. Paris. 11. Aug. (Drahtbericht.) Die gestern abend in der Sitzung des Unterhauses Lloyd George von K a m e n e w übermittelten Waffen- stillftandsbedingungen Sowjetrutz- l a n d s an Polen lauten nach dem „Daily Herald" wie folgt:

Die polnische Armee darf in Zukunft ein Icchres- kontingent von 50 000 Mann nicht übersteigen. Der polnische Eeneralftab. die särntlichen Offiziere und aüe Verwaltungsbeamten dürfen zusammen allerhöchstens 10000 Mann stark sein. Die polnische Armee wird sofort nach der Unterzeichnung des Waffenstill- standsvsrtrages demobilisiert. Alle Waffen und Munition, die für die Armee nicht erforder­lich sind, werden an Sowjetrußland und die Ukraine ausgeliefert. Die Waffen- und Munitionsindustrie wird sofort stillgelegt und weder Waffen noch Kriegsmaterial darf aus dem Auslands in Polen eingeführt werden. Die Eisenbahn Wol» kowski-Bialystok und K r a j e w o wird Ruß­land zum Zwecke des Handelsaustausches von und nach dem Baltischen Meere zur Verfügung gestellt. Die Familien aller in diesem Kriege Verwundeten oder Gefallenen erhalten vom Staate Land. Gleichzeitig mit der Demobilisation des polnischen Heeres ziehen sich die russischen und ukrainischen Truppen aus Polen zurück. Die Waffenstillstandslinie wird die fein, die in der Note an Lord Curzon am 20. Juli angegeben wurde. Die polnische Armee zieht sich 50 Werst von dieser Linie zurück. Die endgültige Grenze des zukünftigen unabhängigen polnischen Staates wird un­gefähr dieselbe sein, die in der gleichen Note festgesetzt worden ist, doch soll Polen besonders im Osten neues Gebiet erhalten, besonders in der Gegend von B i a l y st o k und. Cholm.

Die polnischen Parlamentäre auf dem Wege «ach Minsk.

mz. Amsterdam, 11. Aug. Der „Telegraaf" meldet aus London: Die polnischen Parlamen­täre haben am Sonntag abend die russische Linie passiert.

Die Polen zum Endkampf entschlossen.

mz. Berlin. 11. Aug. Laut .,V. L.-A." berichten pol­nische Blätter, daß die Polen zum Endkamvf entschlossen leien. Gleichzeitig weist das Blatt darauf bin. daß non volnilcher Seite in letzter Zeit auf allen erdenklichen Schleichwegen versucht werde, in Deutschland Muni­tion. Waffen und Heeresgut aufzukaufen.

mz. Warschau. 10. Aug. (Reuter.) Der Heeresbericht meldet, dass die Bolschewiken Diechanow genommen und dadurch eine der beiden Eisenbahnlinien von Danzig nach Warschau abgeschnitten haben.

Die Schlacht vor Warschau.

W. T. B. Paris, 10. Aug. Nach dem „Temps" glaubt man, daß eine Schlacht vor Warfch au bevorstehe, wenn nicht die morgen beginnenden Ver­handlungen zu einer raschen Unterzeichnung der Friedenspräliminarien führen.

Br- London, 10. Aug. Nach einer Meldung der „Daily Mail" sollen die roten Truppen bereits die Forts von Warschau bombardieren. Der Vormarsch der bolschewikischen Armeen komme nicht zum Stehen.

mz. Warschau. 10. Aug. (Havas.) Der nationale Verteidigungsrat faßte in seiner heutigen Sitzung äußerst wichtige Maßnahmen zur Ver­teidigung der Hauptstadt ins Auge. Der Rat bot dem General W e y g a n d den Oberbefehl und die Verantwortung für die Operationen an. Man glaubt, daß Weygand annehmen würde unter der Bedingung, daß u. a. Ostgalizien zeitweilig geräumt werde und ebenso die Gegend von Lublin, um die verfügbaren Kräfte mit Rücksicht auf eine spätere große Offensive konzentrieren zu können. Die polnischen leitenden Stellen zögern und scheinen ein derartiges Opfer nicht bringen zu wollen. General Weygand soll die Ent­scheidung von der Antwort der Sowjets auf die letzte Note Säpiehas abhängig gemacht haben.

Vorstoß der Russen auf Thor».

in«. Berlin. 10. Aug. Mehrere Abendblätter melden: Aor der ostoreussischen Grenze stoßen die Russen an der Nord- nont. nachdem es ihnen gelungen ist. die direkte Bahn­verbindung Warschau-Mlawa-Dan zig zu Unterbrechen, weiter in der Richtung aus Tkorn vor. um auch me andere Eisenbahnverbindung zwischen Danzig und War- Wau über Bromberg und Thorn zu unterbinden. Zu diesem «weck wunde der russische Nordflügel durch neue . uvven ausserordentlich verstärkt. Der volnische Nordflügel, ver an giouem wuinnionsmangel leidet, befindet sich in völliger Auflösung. Zwischen Ostrolenka und dem ?ug brache» die Polen eine grosse Schlacht ab. nachdem ihr kurzer Widerstand bei N o st r o w gebrochen war. Auch aus Ser Cüdfront. wo die Polen sich noch am besten gehalten «alten, scheint ihr Rückzug haltlos zu werden.

Die Beschlüsse von Hythe.

mz. Paris, 10. Aus. Der Berichterstatter der Agentur Savas meldet aus Hytbe: Die beiden Ministerpräsidenten hatten die Zwangsmassnahmen gegen Sowjetruhland gebilligt:ievoch würden diese Zwangsmassnahmen nicht zur Anwendurg gelangen, bevor nicht den Bolschewiken eine letzte Gelegenheit gegeben werde, ihre angebliche Mäßigung zu beweisen. Am Mittwoch werde in Minsk die erste Zu- mmmenkunft der russischen und der volnischen Unterhändler stattfinden. _ Wenn die Bolschewiken Polen Bedingungen anmeten würden, die die territoriale Integrität und seine volitilche Unabhängigkeit antasteten, dann werde die Hal­tung der Alliierten notwendigerweise dadurch beeinflusst werden. Ms Massnahme solle nach dem Berichterstatter die § f f e k t i v - B l o ck a d e Russlands, namentlich im Baltischen Meer, in Aussscht genommen sein. Amerika und die Rußland benachbarten neutralen Staaten, wie Schweden. .Norwegen und Dänemark, würden aufgefordert werden, kern« Produkte. Nahrungsmittel und keine Munition nav.i -nuBlaro ju senden: nötigenfalls würden die Alliierten auch Deutschland zur Mitarbeit auffordern, um Russ­land auch von der Landseite her zu kontrollieren. Eine andere Maßnahme werde darin bestehen, gegen Sowietrussland mit Hufe der vom ehemaligen russischen Reiche getrennten Staaten, wie Lettland, Kaukasien und Aserbeidschan. eine Defensivsront aufzurichten. Das Heer des Generals W r a n g e l. das von der französischen Regierung unter­stützt werde, soll von England Kriegsmaterial erhalten. Polen werde ferner materielle und moralische Unterstützung von den alliierten Regierungen erhalten, damit es seine' Unabhängigkeit aufrechterhalten könne. Wenn der Korri­dor durchschnitten würde, werde das Kriegsmaterial über die Tscheo-SIowakei befördert werden. Die Entlendnng französischer und englischer Truvven sei nicht beabsichtigt. Wenn die Sowietrusien in ihrem Widerstand beharren, wer­den Kamen« w und Krass in aufgefordert werden, innerhalb acht Tagen Londonzu verlassen. Die Kon­ferenz habe auf einen Augenblick unterhandelt, ob man die Regelung des polnisch-russischen Streites dem Völker- b u n d zuweilen solle. Aber man habe festgestellt, dass diesem noch die notwendigen Aktionsmittel fehlten und dah man vielleicht zu einem für die Zukunft des Völkerbundes unangenehmen Misserfolg kommen könnte.

. JE?- Daris. 10. Aus. Die Morgenvresse fasst das Ergeb­nis der Konferenz von Hytbe dckbrn zusammen: dah man Nicht kriegerisch in Polen eingreifen und die Blockade nicht anwenden werde, wenn der Friede, über den in Minsk verhandelt werden solle, nicht zustande käme, da« aber Frankreich und England Polen weiter helfen wollten.

Der ..Matin" schreibt: Die Blockade Cowjetrusslands ist ins Auge gefasst, aber würde sie möglich sein? Wenn die Bolschewiken die Eisenbahn Danzig-Warschau besetzten, der Verkehr aber nach der deutschen Seite zu frei sein würde, muhte man die Mitarbeit Deutschlands verlangen. Frankreichs Ansicht ist. dass man Deutschlands Mitarbeit auf dem Fuße der Gleichberechtigung nicht verlangen kann. Man muss bedenken, daß die Sowjets Vorschlägen würden. Deutsch­land Danzig, Posen und Schlesien zurückzugeben: dann aber wäre das Gleichgewicht Eurovas zerstört. Marschall Fach hat gestern einem Vertreter des ..Matin" auselnandergesetzt. welche Aussichten sich für Frankreich er­geben wurden, wenn Deutschland mit dem Menschen- und Rohstoffvorrat Russlands hinter sich widerstehe. Millerand bat nachdrücklich auf die Notwendigkeit hingewiesen. s i ch Deutschland gegenüber nicht schwach, zu z e i g e n. zugleich aber hat er sich gemässigt über die Politik ausgesvrochen. die man Deutschland gegenüber würde ver­folgen können, wenn seine Regierung Haltung bewahren und sie auch seinen Generalen, leinen Kauflevten und seiner Presse auferlegen könnte. Die Frayeder Blockade hat also auch die deutsche Frage wieder aufgerührt. Man ist dahin ubereingekommen. die Vergeltungsmahnahmen später zu erwägen, wenn Deutschland sich bereit zeigen sollte, eine Vergeltung vorzubereiten. Deutschland wird überwacht und von ihm allein wird die Haltung der Alliierten ihm gegenüber abhängen.

St. Drice sagt im ..Journal", in Hytbe habe Eng- l a n o s An sich t gesiegt. Mit Italien sei aber ein Komoromitz geschlossen worden, das einer Vertagung gleichkomme. — Der ..Petit Parisien" schreibt: Die Ent­sendung alliierter Truvven nach dem volnischen Gebiet sei .ausgeschlossen. — Das ..Oeuvre" meint, ein Mitarbeiter des Marschalls Wilson habe gestern die Aufgabe so gestellt, man müsse Polen gegen leinen Willen, obre neue Truvven zu senden, retten. Das kei aber nicht leicht. Die Entente fei zur Rolle des Zuschauers verurteilt. Das habe man schon vor der Konferenz gewußt. Italien habe sich gegen die Blockade ausgesvrochen. und einige russische Randstaaten würoen dasselbe tun. In Hytbe schei»e niemand mit Über­zeugung von militärischen Mabnabmen gesvrochen zu haben. Verstärkungen durch Deutschland senden, hiehe die deutsche Neutralität brechen und Deutschland in Rußlands Arme treiben. Über Danzig zu marschieren, fei zu spät. Die Nach­barländer zur Hilfe aufzufordern, nutzlose Verzögerung. Das Blatt' sagt. Millerand habe bei seiner Ankunft finster aus- gesehen.

Rußlands Schuldverpflichtungen an Frankreich.

Br Berlin, 11. Aug. (Eia. Drahtbericht.) Den neuesten Nachrichten aus London zufolge hat Kamenew von keiner Regierung den Auftrag erhalten, zu erklären, dass Rußland gewillt lei. die Schuldveroflicktungen des zari­stischen Russland gegenüber Frankreich anzu- erkenncn. Kamenew ist bereit. Vertretern der französischen Regierung dies amtlich zu bestätigen.

IV. T.-B. Paris.

Meldung des

scheu Kreisen __

die Schuld an Frankreich anerkennen wird. Zn offll ztellen Kreisen Frankreichs ist van einem derartigen Ange­bot nichts bekannt. Im Gegenteil spricht man von einem Funkspruch. den Tichitscherin an Krassin gesandt habe und in dem dieser Krassin beauftragt hat. kein Abkommen betr. der ruisischen Schuld zu treffen, ohne vorher dazu die svezielle Erlaubnis von Moskau erhalten au haben.

Eine Zusammenkunft Dr. Simons mit Lloyd George und Graf Sforza?

Br. Berlin, 11. Aug. (Eig. Drahtbericht.) Man bat sich darüber gewundert, daß Minister Dr. Simons in dieser Zeit der politischen Spannung seinen Urlaub Inn Ausland verbringt und es hat nicht an Angriffen des­wegen gefehlt. Nun kommt aus volitischen Kreisen eine Nachricht, die. wenn sie sich bewahrheiten sollte, eine aus­reichende Erklärung für den Aufenthalt des Auhenministers in der Schweiz abgibt. Der Außenminister soll nämlich, wie verlautet, dort mit Lloyd George und Graf Sforza zusammentreffen. Diele Unterredung sei bereits vor einiger Zeit verabredet worden. Graf Sforza und E i o l i t t i weilen bereits in der Schweiz.

Der Reichswirtschaftsrat über die Wirtschaftskrise.

Br. Berlin, 11. Aug. (Eig. Drahtbericht.) Der vereinigte soziale und wirtschaftspolltische Ausschuß des vorläufigen Reichswirtschaftsrats trat am Dienstagnachmittag im Plenarsitzungssaale des Herrenhauses zur Entgegennahme des Berichtes und Beratung über den Antrag Wissell, betreffend Förderung der produktiven Erwerbs- losenfürsorge zusammen. Der Antrag bezweckt Bl aßnah men gegen die Stilleg nng von Betrieben. Der Bericht schlägt u. a. folgende Maßnahmen vor: Anmeldepflicht für Stillegung und Genehmigung seitens der Behörden, Verpflichtung der unter öffentlicher Aufsicht stehenden Erotzrohstofsgesell- schaften, zu der Marktlage entsprechenden Preisen abzugeben, Gewährung von Detriebskraft, Gewährung von Ausfuhrerlaubnis usw. Wissell wies darauf hin, daß dis Wirtschaftskrise gegenwärtig akut geworden sei, nicht allein durch einen Käuferstreik oder durch Unternehmersabotage, sondern durch die übor­te u e r u n g der Rohstoffe. Als Vertreter der Re­gierung nahm Staatssekretär Dr. Hirsch Stellung zu den Anträgen. Er erklärt«, die Krise sei eine inter­nationale Erscheinung. Der vorgetraaene Bericht ver­lange nicht mehr und nicht weniger als eine Anderung der gesamten Wirtschaftspolitik. Es werde eine groß­zügige Umgruppierung der Arbeitsmittel und Arbeits­kräfte vorgeschlagen. In der Frage des Preisabbaues äußerte sich Dr. Hirsch im allgemeinen zustimmend, warnte aber vor dem Preisabbau durch den Staats­anwalt. Rach einer langen Debatte wurde die weitere Besprechung auf heute festgesetzt.

Das Amnestiegefetz.

__ W. T.-B. Berlin. 10. Aug. Das Kabinett befasste sich, mit der Ruckwirkung des Dmnestiegesetzes auf die Dlszinlinarverfahren. Dabei kam man zu dem Er­gebnis. dass das Amnestiegesetz nickt auf die Disziplinarver­fahren. sondern nur auf die Strafverfahren An- wenGmg finden solle. Andererseits war das Kabinett der Ansicht, dass es dem Geiste und den Zielen des Amnestie­gesetzes entspräche, erne möglichst weitgehende Be- cubigung aller beteiligten Kreise heroeizusühren. Das Kabinett beschloss, daher, dass die Untersuchungsausschüsse l-sort ihre Tätigkeit einstellen. Disziplinarverfahren au? Grund neuer Anzeigen nickt mehr eingeleitet und die schwe­benden Verfahren mit möglichster Beschleunigung beendet' werden sollen.

Wiedereintritt der Sozialdemokrat an in die Regierung?

en j? r - Jug. (Eig. Drahtbericht.) Wie der

Dachener Volksfreund" meldet, erklärt die dortige sozia- i ist i s ch e P a r t e i l e i t u n g unter Bezug auf die bevor- siebenden Landtagswahlen in einem Rundschreiben an dis Wählerschaft: Nur wenige Monate und die jetzige Negierung stz''» "ns den Platz raumen. Zn parlamentarischen Kreisen besteht der Wille, dass unsere Partei in die Regie­rung Eintreten soll und daß dafür die Deutsche Volkspartei ausscheidet.

Das Urteil gegen Oberleutnant Hiller aufgehoben.

» iF z - .10- Aug. Rach den Abendblättern bat das

Reichsmilltargerickt das Urte,! gegen den ^ Oberleutnant das wegen vorsätzlicher Misshandlung des Eardefusil'.ers Selmhacke mit Todesfolge auf 2 Zahre Ge­fängnis und Drenstenst>ll»nn lautete, in der Revisionsinstanz wegen der von dem Angeklagten erhobenen Verfahrensrüge aufgehoben und die Same zur nochmaligen Verhand­lung an die Berufungsinstanz zuruckverwiesen.

Ein Zwischenfall in Allenstein.

,, Allenstein. 10. Aug, Zu bedauerlich«! Zwi-

«en allen kam es nachmittags, tüs mehrere betrunkene

1 c n *^2 c i 0 die Stadt zogen und

dabei von Beamten der Sicherüeitsvolizei zur Ruhe aufge- fordert wurden. Im Verlaufe des Wortwechsels bracht« ^ r rf 0 » ^ e - r §^ d"t einem Sicherheitsbeamten durch D o I ck, st ich e in den Hals s ch w e r e V e r l e tz u n g e n bei.

aufgebrachte Menge ergriff gegen die Italiener Parici und es entwickelte sich eine Schläaerei. Der Messerstecher äÄ?'? dinzukommenden italienischen Offizier fest, genommen und in Gewahrsam gebracht.

Die englischen Truppen in Dsutschland.

T. B. Paris. 11. Aug. (Drahtbericht.) Rach einer „Matin"-Meldung aus London hat Churchill er- ^rt, daß die englische Regierung gegenwärtig in Deutschland noch 133 60 Mann Trupp yu stehen habe.