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Seite 4. Toimlag, 4. Juli 1920.

Fuhrt durch den polnischen Korridor nach Ost- und West- vreußen neben dem von der zuständigen Kommission ausge- steLten Wstinrmungsausweis «inen Personalausweis mit Lichtbild. Bei Benutzung von Zügen des öffentlichen Ver­kehrs durch den polnischen Korridor ist Patz und polnisches Visum erforderlich. Die Personalausweise werden von den zuständigen Polizeirevieren, die Pässe auf Zimmer 53 der Polizeidirektion. Friedrichstraße 25, ausgestellt. Außerdem muh der Abstimmungsausweis auf der Rückseite mit einer Identitätsbeschreibung und Lichtbild versehen werden. Auch diese Bescheinigungen werden von den zuständigen Polizei­revieren ausgestellt.

Richtlinien für Jugendheime hat der Deutsche Volks- bausbund ausgestellt. In diesen Richtlinien wird die Forde­rung völlig neutraler Seime aufgestellt und begründet. Die Richtlinien können von jedem Interessenten von der Ge­schäftsstelle Hamburg - Groß - Hansdorf kostenlos bezogen werden.

Städte als Vorkämpfer des Volkshansgedankens.

Über 200 Städte sind Mitglieder des Deutschen Volkshaus- Lundes. Der Deutsche Städtetag ist im Hauvtausschuß des Bundes vertreten. Zahlreiche Städte beteiligen sich an dem zurzeit vorbereiteten Wettbewerb für Volkshausentwürfe.

Rege Amtsbezeichnungen im höheren Schulwesen. Gleichzeitig mit dem preußischen Besoldungsgesetz ist auch eine Neuordnung der Amtsbezeichnungen im höheren Schul­wesen erfolgt. Die bisherigen Oberlehrer bezw. Ober­lehrerinnen heihen in Zukunft Studienräte, die Direktoren Studiendirektoren. Eine Anzahl von Angehörigen dieser Gruppen wird demnächst zu Oberstudienräten bezw. Ober­studiendirektoren ernannt werden . Auherdem wirken an Len höheren Lehranstalten für die männliche Jugend Gym­nasial- usw. Lehrer, bisher Mittelschul». Zeichen-, Gesang-, Turnlehrer, an den Anstatt«! für die weibliche Jugend Ordentliche Lehrer bezw. Lehrerinnen. Zeichenlehrerinnen. Gesanglebrerinnen. Jugendleiterinnen. Turnlehrerinnen. An beiden Gattungen höherer Lehranstalten sollen einige be­sonders bewährte Angehörige dieser Gruppen Oberzeichen­lehrertinnen) bezw. Obermusiklebrer(innen) werden. Die ehemaligen Schuldiener haben die Amtsbezeichnung Saus­meister erhalten. Bei den Provinzialschulkollegien heißen die bisherigen Kanzlisten Kanzleiaffistenten. die Sekretäre Obersekretäre, ein Teil von ihnen wird Bureauvorsteher. Die früheren Provinzialschulräte führen nunmehr die Amts­bezeichnung Oberschulrat.

Patentverlängerung und Auslandspatente. In aller­nächster Zeit laufen für die Wahrung von gewerblichen Schutzrechten im In- und Auslande wichtige Fristen ab. Es ist durch Reichsgesetz vom 21. April d. I. bestimmt worden, daß Patente. Gebrauchsmuster wstv., deren Schutzzeiten am 1. August 1014 noch nicht abgelaufen waren, wenn sie jetzt erloschen sind, für eine je nach Lage des Falles kürzere oder längere Zeit wieder ins Leben gerufen, und wenn sie noch nicht erloschen sind, über das zukünftige Ende der Schutzzeit hinaus um eine gleichfalls nach Lage des Falles mehr oder minder lange Zeit verlängert werden können. Der Grund des Erlöschens, ob durch Zeitablauf oder Nichtzahlung von Gebühren, ist hierbei unwesentlich. Diese Vergünstigungen werden aber nur gewährt, wenn die Ausnützung infolge des Krieges behindert gewesen ist. und wenn ein den Vorschrif­ten des Gesetzes entsprechender Antrag bis spätestens zum 14. Juli für schon erloschene Schutzrechte oder bis zum 14. November für noch nicht erloschene Schutzrechte beim Patentamt eingereicht ist. Alle Schutzrechte, deren Priori- lätzsfristen am 1. August 1914 noch nicht abgelaufen waren, sind mit Rücksicht auf den Kriegszustand in fast allen Kultur­staaten verlängert worden. Sie laufen in den ehemals nicht feindlichen Auslcmdsstaaten im allgemeinen am 30. dieses Monats ab, in Svanwn am 15. Juli. In den ehemals uns feindlichen Staaten, insbesondere also in England. Frank­reich. Belgien. Amerika. Italien usw. läuft die Frist am 10. Juli ab. Diejenigen Erfindungen, für die Anmeldungs­prioritäten noch geltend gemacht werden können, werden, wenn sie bis zu den obigen Fristen bei den ausländsicken Patentämtern ringehen, so behandelt, als wenn sie bei die­sen Patentämtern an den gleichen Tagen eingegangen wären, an denen sie in Deutschland angemeldet worden sind. Da unter Umständen noch zeitraubende Formalitäten zu er­füllen sind, mühte jeder Interessent in aller Eile die zur Wahrung seiner Rechte nötigen Schritte tun.

Erhöhung der Höchstgrenze für Poftnachnahmen. Eine Firma des Bezirks ist mit der Bitte an die Handelskammer zu Wiesbaden herangetreten, bei zuständiger Stelle wegen einer Erhöhung der Nachnahmegrenze von 1000 M. vorstellig zu werden. Auf Anfrage der Kammer, ob Aussicht dafür be­stehe, daß die Höchstgrenze mit Rücksicht auf die augenblick­lichen wirtschaftlichen Verhältnisse erhöht werde, ist von der Oberposidtrektion Frankfurt a. M. nachstehender Bescheid eingegangen:Wegen Erhöhung der Höchstgrenze für Nach- nahmebeträge bei Postpaketen sind gegenwärtig auf Anord­nung des Reichsvostministeriums Ermittelungen im Gange."

Freibleibend. In Nr. 7 derJuristischen Wochen­schrift" vom 18. Juni 1920 unterzieht Rechtsanwalt Dr. Starke. Berlin, die VertragsvereinbarungFreibleibend" einer eingehenden rechtlichen Untersuchung, die im wesent-

LmesvKvener ^agviarr.

lichen zu folgendem Ergebnis kommt. Bei Vertragsange­boten habe die Klausel die Bedeutung. daß der Antragende völlig freie Hand, behalte, auf die Annahmeerklärung des Vertragsgegners «bzufchliehsn oder nicht. Als Bestandteil von Verträgen, die zum Abschluß gelangt sind, bedeute der Freivermerk, wenn er allgemein, ohne durch Zusätze einge­schränkt. vereinbart fei, daß sich der Lieferer von seiner Lieferpflicht loszusagcn berechtigt fei. Eine Befugnis zur Veränderung des Inhalts des Vertrages fei aber durch die Freiklausel nicht gegeben. Beziehe sich die Freistellung nur auf einzelne Vertragspunkte, wie z. B.freibleibend im Preise" oderin der Lieferzeit", so erlange der Lieferer das Recht, den offen gelassenen Vertragspunkt durch selbständige Festsetzung zu regeln. Die zu treffende Bestimmung müsse aber, um für den Abnehmer bindend zu fein, der Billigkeit entsprechen und daher der Geschäftslage des Lieferers und der allgemeinen Wirtschaftslage angevaßt fein.

Großer Seifendiebstahl. Nächtlicherweile wurden aus einem Lager am Zietenring mittelst Einbruchs mehrere Kisten Seife. Kernseife und Toilettenseife. Marke Lenox. in ziemlich erheblichem Werte gestohlen. Der Bestohlene sichert für die Wiederherbeifchaffung des Diebsguts eine Belohnung zu. Näheres ist zu erfahren auf Zimmer 20 im Polizeidirek­tionsgebäude.

Deutsch« Bolkspartei. Der Frauenausschntz der Deutschen Bolks- pnrtei in Wiesbaden halt am Montna. den 5. Juli, nachmittags 5 Uhr, imHotel Einhorn" eine zwangslose Zusammentnnft ab.

Auszeichnung. Herrn Kaufmann Karl Herzog, Inhaber des Schuhwarenhauses Ferdinand Herzog, wurde das Verdienstkreuz für Kriegs­hilfe verliehen.

Briei»»itbcs«rderung nach Amerila im Juli. Zm Monat Juli finden Postabzängc nach Nord- und Südamerika außer mit englischen Dampfern (etwa zweimal wöchentlich) noch mit folgenden Dampfern statt: 1. Dampfer Oscar II" und HMq Olnv" nach New Pork, von Kopenhagen am 8. und 22. Juli, Postschluß beim Postamt 1 in Hamburg am s. und 19. Zuli, mittags; 2. Dampf«Sta-kheim" nach New Bark, von Eothenburg am lv. Juli, Postschluß beim Postamt 1 in Hamburg am 8. Juli, mittags; 3. DampferManchuria" undMongolia" nach New York von Hamburg am 10. uni, 24. Juli, Postschluß beim Postamt 1 in Hamburg am 8. und 22. Juli, abends; 4. DampferNoordam" undNieuw Amsterdam" nach New Aork. von Rotterdam am 17. und 23. Juli. Postschluß beim Postamt 2 in Emmerich am 15. und 21. Juli, vormittags, und beim Postamt 1 in .Hamburg am 13. und 19. Juli, abends; 5. DampferEebria" undLim- burgill" nach Ria de Janeiro ufw., von Amsterdam am 14. und 28. Juli, Postschluß beim Postamt 2 in Emmerich am 12. und 20. Juli, vormittags, und beim Postamt 1 in Hamburg a»i 10, und 24. Juli, abends. Der am 22. Juli von Kopenhagen abgshende DampferHellig Llav" wird nur zur Beförderung von Brieffendungen mit Leitvermerk benutzt.

Bollslefehale. Im Monat Juni betrug die Zahl der Leser 1625, die der Leserinnen 378. '

Borberichte über Kunst, Vorträge und Verwandtes.

Staatslheater. Paul Apels SatyrspielDer Häuptling" findet nicht Donnerstag, sondern Freitag wiederholt statt.

* Residenztheater. Sonntag, den 4. Juli, nachm. 3 llhr, halbe Preise; Der fidele Bauer". Abends 7 llhr;Liebe im Schnee". Montag, den 5.: Die Frau im Hermelin" Ans. 7 llhr. Dienstag, den 6.:Morgen wieder luitik". Ans. 7 Uhr. Mittwoch, den 7.:Orpheus in der Unterwelt". Ans. 7 llhr. Donnerstag, den 8.:Ihre Hoheit die Tänzerin", Ans, 7 llhr, Freitag, den 9.:Das Glücksmädel". Anf, 7 llhr. Samstag, den 10,, Neuheit:Fräulein Pust". Anf. 7 llhr. Sonntag, den 11., nach­mittags 3 llhr, halbe Preise:Das süße Mädel". Abends 7 llhr:Fräu­lein Puck".

" Galerie Banger. Außer der Kollektivausstellung von Oskar Achenbach, enthaltend 33 Gemälde von der Lahn und aus der Altmark, sind neu ausgestellt: 139 Zeichnungen, Radierungen, Aquarelle, Linolcumschnitte usw. des Karlsruher Künstlers Heinz Klöckuer; 14 Gemälde des Münchner Künstlers Albert Spsthmann sowie 30 Gemälde und Zeichnungen des Münchner Künstlers Otto Pollmann. Die Galerie ist an Werktagen ge­öffnet von 8%,1 und 3614 Uh*.

Wiesbadener Vergnügungsbühnen und Lichtspiele.

* Im Kinephoutheeter spielt der bekannte Roman von W. Hcimburg Eine unbedeutende Frau", mit Edith Meller in der Hauptrolle. Ein LustspielDie Peruanerin", gespielt von Mady Christians und Reinhold Schünzel, beschließt das vorzügliche Dcomecnnm. Das »deontheater bringt ein spannendes SchauspielEharlotte Eorday", in der Titelrolle aejpselt von der schönen temperamentvollen Lya War». Außerdem ei» Lustspiel rechts ste links", mit Manny Ztener in der Hauptrolle.

Aus dom BereinsleSen.

* DerQuartett-Berein" hielt am vergangenen Sonntag­vormittag in seinem Peootnsl-katDeutsch«: Hof" eine Gedenkfeier zu Ehren seiner im Weltkrieg gefallenen 17 Mielieder gb, und waren dazu die Angehörigen und Hinterbliebenen dersewen erschienen. Eingeleiiet wurde die Feier durch den EhorStumm schlägt der Sänger", dem ein von Herrn W. Klein vorgetragener und von dem Mitglied Herrn Karl Mißler versüßter Vorspruch folgte. Die Sänger trugen dann noch einige der Feier entsprechende Chöre vor, Herr Beilstein verschönte die Feier durch zwei Lieder für Baß, während Herr Egenols seine schon oft ge­rühmte Kunst durch zwei ganz wunderbare TellovvrtrLie aufs neue bewies. Herr Pfarrer Weinsheimer hielt in liebenswürdiger Weise eine zu Herzen

t estende Gedächtnisrede und schloß mit dem Wunsche, daß die von dem ierein gestiftete Ehrentafel eine dauernde Erinnerung an die gefallenen Mitglieder bleiben möge.

Aus Provinz und Rschbarsch«lft.

Ein Kamps mit Kirschene-indem.

Fp. Worms, 2. Juli. Ein Kampf mit Kirfthenräubern habn feit Wochen die Besitzer und das Feldschutzpersonal im nahen Kleinwiedesheim ouszufechten. Zweifelhafte Elemente haben die dortigen umfangreichen Kirschenanlagsn «ltabendlich geplündert und fotzten sich, selbst als ste dabei betrofssn wurden, mit Revolvern zur Wehr. Erft als die Besitzer und das Feldschutzpersonal sich bewaffneten (mit Hacken, Sensen, Dreschflegel usw.) und zu größeren Trupps vereinigt waren, gelang es an ver­schiedenen Abenden die Kerle trotz ihren Schutzwaffen festzunehmen.

Morgen-Ausgabe. Erstes Matt. Nr. 307.

Bei« Baden «tronle«.

Fe. Kofthei«, 2. Juli. In der Näh- der Zellulofefabrik bei Kosthei» ist beim Baden im Main der «jährige Franz Wilhelm Schmidt aus Kost­heim infolge eines Herzschlags ertrunken.

Tödlicher Unzlücksfall.

fd. Höchst it. M., 2. Juli. In den Farbwerken stürzte der 23jährige Fabrikarbeiter Hochhaus von einem Gerüst ab und war auf der Stelle tot.

Spsrt.

* Der Stadtverband fär Leibesübungen, der durch seine machtvoll« Kundgebung vor dem Kurhaus am Sonntag der Wiesbadener Bevölkerung Kenntnis von der Stärke des Verbandes und der Einigkeit der in ihm vereinigten Bestrebungen gegeben hat, gibt folgendes Programm bekannt: Am 11. Juli finden unter der Oberleitung des Sportvereins Wiesbaden auf dsffen Platz an der Frankfurter Straße dieRationalen olym­pischen Wettkämpfe" statt, welche sich über die Dauer des ganzen Tages erstrecken. Am 18. Juli wird von dem Verband in Verbindung mit einem Konzert ein allgemeiner Sporiabend im Kurhaus ver­anstaltet. Bis zum Anfang September unterbleiben nun die gemeinsamen Veranstaltungen. Für diesen Zeitpunkt ist dann die Austragung des StasfettenlaufesRund um Wiesbade n", vorgesehen, während den Schluß der vorläufig festgesetzten gemeinsamen Beranstal» iungen für 1920 die Ende September vorgesehenenReichsjnzend- kämpf e", an welchen sich Schtlerinnen und Schüler sowie alle jungen Leute bis zum Alter von 18 Jahren beteiligen können, bilden. Die folgen­den Wintermonate werden ausgefüllt durch Vorträge über Sport und Er­ziehung, Anleitungen zur Heranbildung oon Sportlehrern und Führern für Leibesübungen sowie eventuell einen Kursus durch Lehrer der Reichshoch­schule für Leibesübungen. Das Ziel des Verbandes ist weit gesteckt, aber es zu erreichen ist die Mühe, welche seine Leiter der Sache darbringen, wert, und es darf die Hoffnung ausgesprochen werden, daß der Werbelauf und seine eindringliche Mahnung an Wiesbadens Bürgerschaft,llnierstützt alle Leibesübungen treibenden Vereine dadurch, daß Ihr Mitglied werdet", nicht ungehört verhallen wird.

- Sportverein Wiesbaden (E. B.). Hie Wanderabteilung unternimmt am Sonntag, den 4. d. M., eine Rachmitiagswanderung nach dem Kestel- bachtal. Abmarsch 114 Uhr nachmittags Ecke Lahn- und Aarftraße.

- Lasker verzichtet auf den Weltschach Meistertitel. Es dürfte die Schsch- welt sehr überraschen, daß Dr. Emanuel Lasker in einem Briefe an den Kubaner Capablanca erklärt, er verzichte zu dessen Gunsten auf die Welt­meisterschaft. Bekanntlich war zwischen beiden ein Wettkamps sür 1821 geplant. Lasker gibt nach derBost. Ztg." als Grund seines Schrittes an, daß anscheinend die Schochwelt die zwischen ihnen sür den Wettkampf ge- trossenen Abmachungen nicht anerkenne. Er äußert sich in seiner Schach­spalte des holländischenTelegraas", daß er sich nicht imstande fühle, neun Monate seines Lebens daran z» geben, um einen Wettkampf zu spielen, der von der Schachwelt nicht genügend gewürdigt werde.

Gerichtssasl.

Fo. Betrug und Leichtlebigkeit. 146 690 Zigaretten im Werte von 31 000 M. hatte der Kutscher Heinrich Dietz aus Wiesbaden im Aufträge des Kaufmanns Albert Strenger von Wiesbaden nach Frankfurt ». M. zu fahren und ste dort einem Grossisten in der Kaiserstraße abzuliofern. D. nahm seinen Freund Schmieg auf die Tour mit. llnterwegs hielte,! es die beiden jedoch sür geraten, die Zigaretten in Sindlingen, Höchst und Sachsenhausen für 13 009 M. zu versilbern und den Betrag in die eigene Tasche zu stecken. Das so leicht erworbene Geld brachten sie aber innerhalb 24 Stunden mit zwei Bardamen in Frankfurt ». W. bis auf 3809 M. durch. Die Wiesbadener Siraskamnier verurteilte wegen dieser Unter­schlagung Dietz zu 1 Jahr Gefängnis, Schmieg kam mit 9 Monaten davon.

Fc. Ein Platindtebstahl. Her bei den Farbworken in Höchst -. M. beschäftigte «jährige Arbeiter Wilhelm Hau« aus Zeilsheim hatte sich einen Schlüstel zurechtgeseilt, mit dem er den Schreibtisch seines Vorgesetzten öffnete und daraus 15 Gramm Platindraht im Werte von 3280 M.,' ferner Silberdraht usw. entwendete und dies wertvolle Gut in Frankfurt am Main verschacherte. Die hiesige Strafkammer nahm den Dieb in eine dreimonatliche Gefängnisstrafe.

F<j. Kircheatiobstahl. Ende Januar d. I. wurde aus der Sakristei

der katholischen Kirche in Kriftel die stlborvergoidete Monstranz sowie ein Speisekolch im Eesamiworte oon 15 000 M. gestohlen. Aus Grund non' Indizien stellte man den 21jährige» Joseph «tmon aus Mörzheim bei Höchst fest. Heute »or der Straftauuner bestritt er energisch die Tat. Das Gericht verurteilte ihn aber zu einem Jahr Zuchthaus, ontgegen dem, Antrag des Staatsanwalts, der ein Jahr Gefängnis gesordert hatte, dg die Tat einon außerordentUch hohen Grad von Verwahrlosung dacstelle, und die Kirchen besonders gofchützt werden müßten.

- Wegen Mnttermordes wurde der 24 Jahre alte Handlungsgehilf« Alfred Müller aus Leipzig vom Schwurgericht zum Tode verurteilt.

Müller hat den Mord am 4. November v. I. in der elterliche» Wohnung begangen, indem er die Mutier mit einem Handtuch erwürgte und :!)r

mit einem Hammer den Schädel zertrümmerte. Die Leiche verbarg er

unter dam Bett, wo ste nach einigen Tagen aufqeiundei! wurde. Der' Mörder war mit einem geraubten Svarkastenbuch flüchtig geworden, stellte sich aber in Dresden mittellos der Polizei, da er aus das Sparkassenbuch kein Geld hatte erhalten lönnen.

* Wer hat bei Notschlachtungen die erforderliche Anzeige zu e,statten? Da» Landgericht Wiesbaden hat am 13. Februar den Landwirt Grimm von Kslkheim und den Gelegenheitsarbeiter Philipp Kuntz, ebenda, wegen Ilnterlastung der durch Kriegsverordnung vorgeschriebene« Anzeige einer Notschlachtung beim Kommunalverband zu je 300 M. Eeldstrase ver­urteilt. Hem Angeklagten E. war vom Tierarzte geraten worden, eine seiner Kikhe, die schwer lungenleidend war, sofort schlachten zu lasten, und er hatte diese Schlachtung durch K. aussühren lassen. Gegen das llvtoil hatte nur der Angeklagte Kuntz Revifion eingelegt und geltend ge­macht, daß er zu Unrecht als Schlachtender !m Sinne der Verordnung und demgemäß als anzeigepslichtig angesehen worden sei. Das Reichs­gericht hielt die Revision sür begründet, hob heute das Urteil aus und sprach den Anbeklagten frei, da als Schlachtender nicht derjonige cmzusehen sei, der zur Tötung des Tieres herbeigezogen wird, sondern der Eigentümer des Tieres.

Alls Arrnst und Leben.

C. K. Ja einer modernen Hnndeklinik. Eine moderne Hundeklinik stellt ein umfangreiches Triebwerk dar. in dem größter Lärm neben größter Ruhe herrscht, derbe Kraft und feinste Arbeit angewendet werden mMen und alle Körver- wie Geisteskräfte des Tierarztes volle Betätigung finden. Einen Blick in ein solches Institut vermittelt uns Dr. $>. Wenger in einem Aufsatz der bei der Deutschen Verlags- anstalt in Suttgart erscheinenden Zeitschriftüber Land und Meer". Der Aufenthalt in der Klinik wird den Tieren so naturgemäß und angenehm wie möglich gemacht. In ge­räumigen Käsigen erbalten sie warme, trockene Laaer, die täglich gereinigt und ergänzt werden. Die Nahrung besteht aus Fleisch, Knochenmehl und Reis, nach Bedarf aus Milch. Eiern und Wein. Jeder Käfig hat einen Topf für Trink­wasser, und für das Futter hat jeder Hund ein eigenes Ge­schirr, dessen Nummer der Käfignummer entspricht. Die Patienten beißen in ihre Emailtöpfe aus Langeweile gern Löcher hinein. Die Käfige haben Betonboden. Wasser­leitung. Dampfheizung, elektrisches Licht und Steckkontakte für die Anbringung elektro-medizinischer Apparate. Das Bad. in dem die Hunde gereinigt, die hautkranken Hunde gewaschen werden, sieht in Verbindung mit einem gewärm­ten Trockenraum. Türen und Fenster find doppelt, damit von dem Sundegebell kein Lärm nach außen dringt und die Nachbarschaft belästigt, übrigens sind schwerkranke Tiere stets ruhig, und nur die Hunde, die ihrer Natur nach lebhaft und boshaft sind oder die Heimweh haben, bellen viel. Diese lauten Hunde kommen in einen Raum zusammen, um die anderen möglichst wenig zu stören. Da manche Sunde Türen ausmachen, so sind an den Türen und Gittern Verierschloßer angebracht, die ein Durchbrennen verhüten. Die Behand­lung macht sich alle wissenschaftliche Errungenschaften der neuesten Medizin, so weit das möglich ist, zu eig-m Der Antiseptik. der Anregung der natürlichen Echutzkrafte und der Steigerung der Widerstandsfähigkeit des Organismus wird die größte Aufmerksamkeit gewidmet. Bei Operatio­nen wie bei der Nachbehandlung kommen alle Methoden schmerzlindernder Mittel zur Anwendung. Die Narkose ist bei Operationen schon deswegen notwendig, um die notige Ruhe bei den Tieren zu erzielen und Rachegedanken boshaf- rer Hmide zu verhindern. Die Lokalanästhesie ist habet der > !cht ganz harmlosen Mlgemeinnarkose gegenüber zu bevor- . . . Bon -roher Pedeptung ist die Rcktzt^nzchotographie

für die Diagnose. Bei der Unruhe und Ängstlichkeit der vierfüßigen Patienten müssen dabei aber die wirksamsten Apparate benutzt werden, um die Ervositionszeit auf ein Minimum einzuschränken: die Tiere müssen vor der eigent­lichen Ausnahme durch probeweises Einschallen an den Lärm des Apparats gewöhnt werden usw. Die Sundeklinik besitzt eine eigene Apotheke und eine eigene Wäscherei.

<7. K. Lustige Geschichten vonschworen Jungens". Fünf­zig Jahre mit Einbrechern und Zuchthäuslern hat der eng­lische Geistliche Carlile zusammenselebt. der Gründer und Leiter derKirchenarmee", einer Fürforgeanstalt für Ver­brecher. die sich in manchen Dingen mit der Organisation der Heilsarmee berührt. Aus Anlaß dieses Jubiläums er­zählt er in derDaily Mail" eine Anzahl lustiger Geschich­ten, die er mitschweren Jungans" erlebt hat. Als den komischsten Vorfall während des sangen halben Jahrhun­derts bezeichnet er eine Episode bei einem Missionsgottes- dienste. Er hatte einen Trunkenbokd. der schon häufig Gast des Zuchthauses gewesen war, dazu gebracht, seinen Andach­ten beizuwohnen.Der Mann war ganz nüchtern und zeigte sich tief ergriffen, als er niederkniete und betete. Als ihm aber dann zum Bewußtsein kam. daß ihm alle Sünden ver­geben seien, wurde er überaus lustrg und erklärte in seiner Freude, er wolle allen Anwesenden eine Lage Schnaps zum Besten geben." Eine andere Geschichte Carliles schließt sich an die Krönung Eduards VII. an. Bei einer Audienz erzählte der Geistliche dem König, er hätte kürzlich einen Taschendieb gefragt, welches der glücklichste Tag seines Lebens sei. Die Antwort lautete:Der Kränungstag von König Eduard, denn ich habe in wenigen Stunden 30 goldene Uhren einge­steckt." Der König lachte darüber und sagte, er neue stch. daß seine Krönung wenigstens einem seiner Untertanen von Nutzen gewesen sei.Bei einer meiner Abendgesellschaften." erzählt Earlil« weiter,saß Sir George Müite, der Held von Ladysmith. neben einem bekannten Einbrecher, der schon viele Jabre hinter eisernen Gardinen gesessen hatte. Die beiden unterhielten sich vorzüglich und freundeten sich sehr an. Nach dem Essen fragte ich Sir George, was er wohl von seinem Tischnackbar denke, und er erwiderte: .Das ist einer der echtesten und besten Ehristen, denen ich je begegnet bin." Als ich mich dann mit dem Einbrecher unterhielt und ihn fragte, was er von dem General denke, da antwortete er: Wenn alle Leute so wären wie Sir George Wbite. dann würde iche»«fdwP»eitter«NusÄu7rsmemesBe»us«s oersickten.

<7. K. Der Zoo als Wetterprophet. Wenn der gewöhn­liche Sterbliche das Lärmen und Schreien der Tiere im Zoo­logischen Garten hört, so schließt er höchstens aus dieser ohrenbetäubenden Tonentfaltung, daß die Tiere Hunger haben uiÄ> auf die Fütterung warten. Der tiefere Beobach- ter,der.Natur aber erkennt darin ein Zeichen für das Heran- na'hen von schlechtem Wetter. Dies ist wenigstens die An- stchi, die der englische Meteorologe Joseph H. Elgie in einem soeben veröffentlichtenWetterbuch für den alltäglichen Ge­brauch" vertritt. Wenn die Tiere sin Zoo eine besondere Unruhe zeigen und ibre Stimmen sehr laut erschallen lassen, dann läßt dies auf Veränderungen in den atmosphärischen Bedingungen schließen.Man kann beobachten, wie viele Tiere, wenn die Luft merklich feuchter wird, dadurch immer mehr gereizt werden und ihr Unbehagen in immer größerem Lärm Ausdruck geben." Der Verfasser behauptet auch, ohne freilich dafür nähere Gründe anzugeben, daß es ein sicheres Zeichen für Regen ist. wenn der Pfau feinen Schweif entfal­tet. Wenn man nicht gerade im Zoo ist. so gibt dieser Wetter­prophet auch noch andere Vorzeichen sür schlechtes Wetter an. So kann man am Sonnenuntergang das schlechte Wetter des näcksten Tages erkennen, und zwar sind schlimme Vorboten strahlende Sonnenuntergänge mit sehr lebhaften Farben, blutrote Sonnenuntergänge, die sehr schnell verblassen, grün­liche Wolken beim Sonnenuntergang. Auch aus den Wolken- formen glaubt er auf Regen schließen zu können, lebnt aber entschieden die Anschauung ab. daß der Mond irgendwelchen Einfluß auf das Wetter habe.

Kleinebr*mf.

Bildende Kunst und Musik. Zwischen der Dresdner Oper und den Geschwistern Gertrud und Ursula Falke, den Töch­tern des Dichters Gustav Falke, ichweben Engagementsoer­handlungen. durch die die beiden Tänzerinnen zur Neugestal­tung des Dresdner Overnballetts gewonnen werden sollen. Franz S ch r e ck e r hat den Auftrag erhalten, für Reinhardt eine neue Fau st- Musik zu komponieren. In L o n - d o n wurde HandelsMessias" mit einem Chor von 4000 Stimmen im Kristallvalast aufgeführt. In der großen Oper in Paris macht« bei seiner Urauisührung das neue OpernwerkDer heilige Cbristopborus" von Vin­cent d'Jndy starken Eindruck. Das We«k ist mehr ein Oratorium als eine Op«.