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Dienstag» 1. Juni 1920.

Abend-Ausgabe.

Nr- 252. ♦ 68. Jahrgang.

Bor derAbstimmung in der Ostmark.

Aus dem ostmärkischen Abstimmungsgebiet wird uns ge­schrieben:

Da bei uns ja alles „verschoben" wird, kann man sich füglich nicht wundern, daß es mit dem Termin der Volks­abstimmung, die über das Schicksal des w e st p r e u ß i - schen Weichselgebiets und des ostpreußischen Regie­rungsbezirks A l l e n st e i n sowie des Kreises Oletzko entscheiden soll, ebenso geht. Auch hier ist nämlich ein starkes Stück Schiebung dabei. Die nach Wilsonschem Rezept beliebte Anwendung des Selbstbestimmungsrechts war zu­letzt auf den 27. Juni angesetzt worden, wurde dann auf den 11. Juli vertagt, und allem Anschein nach wird man mit einer noch weiteren Verschiebung rechnen müssen. Die Fest­setzung des Termins ist in das Belieben der internationalen Kommissionen gesetzt, die in Marienwerder und Allenstein residieren und aus Engländern. Franzosen. Italienern und Javanern zusammengesetzt sind. Der Versailler Vertrag bat ihnen nur den Auftrag erteilt, die Abstimmung vorzube­reiten, ohne den Termin hierfür zu begrenzen. Während nun ursvrünglich die Polen so taten, als ob ihnen an einer baldigen Volksentscheidung gelegen sei. drängen sie jetzt um so stärker aus eine Hinausschiebung, je mehr sie erkennen, daß ihre Nationalhymne für die Abstimmung in West- und Ostpreußen keine Geltung bat. Hier beißt es nicht, Polen ift noch nicht verloren, sondern es dürfte ihnen bei ihrer Wahlonensive nicht anders gehen als bei der gegen Sowjet- Rußland.

Von den vier westpreußischen Kreisen kommen für die Volksabstimmung die rechts der Nogat und Weichsel liegen­den Teile der Kreise Marienburg und Marien- werder in Frage, während ihre westlichen Teile durch den Friedeusvertrag teils an Polen ausgeliefert, teils zu Danzig geschlagen worden stnd. In den beiden Kreisresten ist die Bevölkerung ganz überwiegend deutsch gesinnt: es bandelt sich hier um altes, deutsches Kulturgebiet, in dem die Polen immer Fremdlinge waren. Rein deutsch und so gut wie polenirei ist der Kreis R o s e n b e r g. der offenbar nur deshalb der Abstimmung unterworfen wird, weil er die Brücke zwischen den oft- und westpreußischen Stimmgebieten bildet. Einen stärkeren Prozentsatz polnischer Bevölkerung weist der Kreis S t u b m auf. von dessen etwa 40 000 Be­wohnern 45 bis 46 Prozent auf die polnische Bevölkerung entfallen. Das ostvreußische Abstimmungsgebiet, der Regie­rungsbezirk A l l e n st e i n und der Kreis Oletzko. zu dem von gröberen Orten außer Allenstein. Osterode. Ortelsburg. Johannisburg und Marggrabova gehören, ist ebenfalls in keiner Weife als polnisch anzusvrechen. Die Spekulation der polnischen Imperialisten geht hier lediglich darauf aus. daß einmal ein großer Teil der Bevölkerung katholi^ ist. und daß zweitens ein Teil dieses Gebiets von den Masuren bewohnt wird, mit denen die Polen stammverwandt zu sein behaupten, seitdem sie nach diesem Gebiet streben! Die katholischen Deutschen des Abstimmungsgebiets haben aber in zahlreichen, imponierenden Kundgebungen keinen Zwei­fel daran gelaffen, daß sie deutsche und nicht polnische Katho­liken sein wollen, und was die Masuren betrifft, so ver­wahren sie sich mit solcher Leidenschaft gegen die polnische Verwandtschaft und gegen die Abtrennung vom Deutschen Reich, daß bei ihnen das Wort „Polacki" zum schärfsten Schimpfwort geworden ist.

Unter diesen Umständen batten die Arbeitsge­meinschaften der politischen Parteien, welche in Westvreußen die Agitation übernommen batten, und die unpolitischen H e i m a t s v e r e i n e. die in Masuren und Ermeland diese Arbeit besorgten, eigentlich nur aufzuklären, die Lauen auszurütteln und vor allem freilich der umfassen­den polnischen Hetzarbeit entgegenzuarbeiten. Es kann beute als feststebend gelten, daß die rund 200 000 Abstimmungs­berechtigten in West- und Ostpreußen mit ganz überwälti­gender Mehrheit ihr Votum für Deutschland abgeben, daß die Polen eine schwere Schlappe erleiden werden. Man kann nicht einmal sagen. eine schwere Enttäuschung: denn sie sind sich längst darüber klar.

Eben deshalb drängen sie ja auf die Hinausschiebung des Abstimmungstermins, während sie gleichzeitig, um die Deutschen zu verwirren, mit Drohungen arbeiten. So be- baupten sie u. a.. daß das Ergebnis der Abstimmung letzten Endes gleichgültig sei. denn die Entente werde das ganze Abstiwmungsgebiet oder große Teile davon, doch aus wirt­schaftlichen Gründen den Polen zusvrechen. In Wahrb-it kann von einem solchen Gewaltakt der Alliierten nickt die Rede sein. Die Absicht bierbei ist natürlich nur. die Deut­schen einzuschücktern und vor der Stimmabgabe abzu­schrecken. was freilich nickt gelingen wird. Weiter muß mit der Möglichkeit gerechnet werden, daß die Polen im ent­scheidenden Augenblick wieder einmal den ..polnischen Korridor" sperren, um die Stimmberechtigten aus dem Reich an der Stimmabgabe zu verhindern. Es werden aber Vorkehrungen getroffen, um eine möglichst ausgedehnte Be­nutzung des Seewegs für diesen Fall zu ermöglichen. Vor allem aber wäre es Sache der Reicksregierung. bei den Alliierten darauf zu dringen, daß die Abstimmung endlich vor sich gebt, damit die schwer geplagte Bevölkerung non den polnischen Umtrieben befreit wird und wieder an die friedliche Arbeit geben kann.

Eine Antwortnote der Entente.

Br. Berlin. 1. Juni. (Eia. Drabtbericht.) Die ..D. Allg. Ztg." bestätigt, daß eine Antwortnote der Alliierten eingegangen ist auf die deutsche Note, in welcher gegen die Verschiebung des Abstimmunastermins in Ost- und Westvreußen Stellung genommen wird. Die Antwortnote des Verbandes dürfte demnächst veröffentlicht werden.

Der Bürgermeister von Marienwerder des Amtes enthoben.

W. T.-B. Marienwerder. 31. Mai. Die interalli­ierte Kommission bat den Bürgermeister von Marienwerder, der es den alliierten Truvvenkommandanten gegenüber an der nötigen Achtung fehlen ließ, seines Amtes entboben.

Die Konferenz von Spa.

tr--” 1 ?' dtailand. 31. Mai. Der ..Secolo" berichtet, die alliierten Regierungen seien nunmehr dabin übereinge­kommen. den Tag der Konferenz von Sva nicht zu ver- >.wleben. Sre werde also endgültig am 21. Juni stattflnden.

_ ■ mz - Rom. 31. Mai. Der ..Meffaggero" meldet, daß auf Drangen Millerands Lloyd George und Nitti sich bereit erklärten die Zusammenkunft von Sva auf den 21. I u n t sestzusetzen. Die Verhandlungen dieser Konferenz werden eine Woche dauern.

Die Verteilung der Schadenersatzsumme.

Br Berlin. 1. Juni. lEig. Drabtbericht.) Ein Lon­doner Telegramm der ..Berlingske Tidende" bebauvtet. die italienische Regierung wolle vor der Konferenz von Sva eine neue Übereinkunft der Verbündeten über die Verteilung der deutschen Schadensersatzsumme herbei,üliren. ..Nack den bisherigen Vereinbarungen sollte Italien nämlich nur ein Zehntel des Betrages der deutschen Entschädigung erhalten, während ihm der größte Teil der von Ungarn und Österreich zu zahlenden Ent­schädigungssumme zuzufallen hätte. Italien verlangt nun einen größeren Teil von den deutschen Zahlungen, da es nicht zu Unrecht glaubt, daß die ungarischen und öster­reichischen noch schlechter einlaufen werden.

Französische Forderungen an Deutschland.

Br. Berlin. 1. Juni. (Eig. DrahtberiÄt.1 Aus Paris wird gemeldet, daß dort ein neues F e st st e l l u n g s - und Ausgleichbureau für französische Forderungen an Deutschland, wie es der Friede von Versailles vorschreibt, eingerichtet worden ist. Das gemischte deutsch-fran­zösische Schiedsgericht, das Streitigkeiten schlickten soll, wird in Paris tagen, kann aber je nach Bedarf auch anderswo zusammentreten.

Der amerikanische Vertreter bei der Rheinland- Kommission.

mz. Paris, 1. Juni. Nach einer Havas-Meldung aus Mainz wird der von seinem Posten zurückgetretene Ver­treter Amerikas in der interalliierten Rbeinlandkommiffion in Koblenz. R o y e s . durch den Oberbefeblsbaber der ameri­kanischen Besatzungstruvven. General Allen, ersetzt.

Reue Ausweisungen aus Eupen und Malmedy.

mz. Aachen. 31. Mai. Hier sind gestern 13 0 Fami­lien. die aus Eupen und Malmedy ausgewieien wor­den sind, eingetroffen, nachdem vor einigen Tagen bereits 300 solcher Familien eingetrofsen waren.

Geschäftsträger v. Herff gestorben.

mz. Rom, 1. Juni. lStefani.) Der deutsche Geschäfts­träger in Rom. v. Herff. ist g e st o r b e n.

*

Herr v. Herff stand im 63. Lebensjahr und war seit 43 Jahren im Konsulardienst des Reiches. Er begann 1887 seine Laufbahn als Konsul in Rotterdam, ging von dort 1890 nach Pretoria und 1898 als Generalkonsul nach Mai­land. Von 1907 an war er in Genua. Nach Beendigung des Krieges wurde er im vorigen Herbst berangezogen. als es sich darum handelte, einen Bevollmächtigten der deutschen Regierung für die Wiederanknüviung von Handelsbeziehun­gen und für die Vertretung der deutschen Interessen nach Italien zu schicken. Herr v. Herff ist erst vor wenigen Wochen, am Anfang des Monats Mai. als vrovisorischer deutscher Geschäftsträger nach Rom gegangen und bat sich vom schweizerischen Gesandten die Wahrung der deutschen Interessen offiziell übergeben lassen.

Ein deutsch-nationales Wahlmärchen.

W. T.-B, Berlin. 31. Mai. (Amtlich.) In seiner Rede in Hannover stellte der frühere Staatsminister H e l f f e r i ch und nach ihm zahlreiche Redner der Deutsch­nationalen Volkspartei, als letzter der frühere Staats­minister Dr. H e r g t (München) die Behauptung auf. daß die Entente neben dem inzwischen unterschriebenen Frie­denovertrag noch einen zweiten, weitaus milderen in Vorbereitung hatte. Dieser letztere hätte u. a. die Besetzung im Westen nur auf 18 Monate und keinerlei Be­sitzergreifung des Saargebietes vorgesehen. Helfferich gab als Quelle dieser Neuigkeit das Mitglied des Ministeriums Clemenceau. T a r d i e u. an. Es wird hiermit festgestellt daß keinerlei Publikationen, weder von Tar- dieu noch von einem anderen Mitglied eines Entenre- ministeriums. existieren, in denen das Märchen von einem solchen zweiten Friedensoertrag erzählt wird, daß also die ganze abenteuerliche Geschickte in das Reich der Wabl- fabeln gehört. Wie diejenigen zu beurteilen sind, die auf diesem bitterernsten Gebiet mit Erfindungen arbeiten und solchen Schwindel weiterverbreiten, sei dem Urteil eines jeden einzelnen überlassen.

Die Mehrheit der Unabhängigen im Gothaer Landtag gesprengt.

mz. Eotba, 31. Mai. Bei den gestrigen Wahlen zum Gothaer Lamdtag erhielt die Unabhängige Sozialdemokratische Partei 30 700. der Bauernbund 17 141 die Deutschnationalen 3517. die Deutsche Volksoartei 10 960' Demokraten 6973. die Mebrbeitssozialisten 3553 Stimmen.' 30 Ortschaften stehen noch aus. Es werden voraussichtlich er­halten: die Unabhängigen acht oder neun, der Bauernbund fünf oder sechs, die Deutsche Volksoartei drei, die D-uffch- natioualen einen, die Demokraten einen, die Mebrbeits- iozialisten einen Sitz. Die Deutsche Volksoartei bat ihre Stimmenzahl verdoppelt, während die Deutschnationalen zugunsten des Bauernbundes die Hälfte der Stimmen ver­loren. Die bisherige Mehrheit der Unabhängigen Sozial­demokratie ist damit gesprengt.

Dienstübernahme bei der Marine.

W. T.-B. Berlin, 31. Mai. In Kiel und Wil­helmshaven fand die Übernahme des Dienstes durch die vom Reichswehrminister bestimmten Offiziere beute plan­mäßig statt.

Die Putschgerüchte.

Br. Berlin. 1 . Juni. (Eig. Drabtbericht.) Zu den Putichgerüchten von links und von rechts, die eine Stimmung der Nervosität in den letzten Wochen aus­gebreitet haben, die kaum noch zu überbieten ist. bat lick General Reinhardt, der zurzeit die Brigade Döberitz kommandiert, zu einem Mitarbeiter des ..B. T." mit er­freulicher Rübe und ebenso erfreulichem Optimismus aus­gesprochen. Reinhardt meinte, ein wesentlicher Teil der Nachrichten beruhe auf E n t st e l l u n g von Tatsachen und Vorgängen, die mit einem Putsch nichts zu tun hätten. Sie erklären sich gegenwärtig ganz natürlich aus der um­fassenden Umbildung der militärischen Verbände. Wenn jetzt irgendwo Trupventeile aufgelöst würden, zerstreuten sich selbstverständlich die entlassenen Mannschaften, die ja doch an den Entlassungsorten kein wirtschaftliches Unter­kommen fänden. Dabei reisten sie zuweilen in kleinen Trupps nach Ostpreußen und ähnlichen Punkten. Das er­wecke dann den Anschein von bestimmten Mannschaftsbe­wegungen. die an sich aber gar nichts Gefahrvolles zu be­sagen haben. , Wenn irgendwo tatsächlich Putschanickläae vorbereitet würden und daran sei nickt zu zweifeln, io haben die örtlichen zuständigen Kreiswehrkommandos dar­auf acht zu geben. Darüber aber, io Zagte General Rein­hardt, kann die Öffentlichkeit beruhigt sein, daß verläß­liche verfassungstreue Truvven in aus­reichender Zahl vorhanden sind. Die Brigade Döberitz steht als unmittelbare Reserve dem Reickswebr- minister zur Verfügung und hat dort einzugreifen, wo sich Widerstand gegen die Staatsgewalt zeigt, um Verfaffungs- brücke zu vereiteln.

Ganz ähnlich hat sich zu demselben Mitarbeiter — und das stimmt mit unseren Eindrücken überein — auch das Reichswehrministerium ausgesvrochen. Die Regierung würde sich ein zweites Mal nicht von ihrem Sitz entfernen. Der Kampf würde an Ort und Stelle ausgenommen werden. Allerdings ist man im Reichswehrministerium der Auf­fassung. daß durch das aufgeregte Gerede von hüben und drüben leicht eine Atmowbäre erzeugt werden kann, in welcher dann durch einen ähnlichen Vorfall, wie die Er­schießung Paasches. eine alles verzehrende Flamme ent­stellen kann.

Mit dieser Ruhe und ^vernünftigen Auffassung kreuzt ein Schreiben, das Bernhard Rausch, der ioziatdemo- kratische Referent, d. b. der Aufoaffer im Reichswebrministe- rium. an die Öffentlichkeit flüchtend, bekannt gibt. Bernb. Rausch ist von seinem Posten zurückgetreten und erklärt nun. ein wenig hysterisch, wie uns scheinen will, wir gingen zugrunde, wenn nicht der Einfluß staatsfeindlicher Reaktion aus dem Reichswehrministerium gebracht würde. Die außer­ordentliche Zeit erfordert außerordentliche Mittel, erfor­dere auch Beseitigung der bisherigen Anwendung des Diszivlinarverfahrens. In der ..D. Allg. Ztg." wird ver­sickert. daß der Rücktritt des Herrn Rausch auf persönliche Gründe zurückzuführen ist. Das möchten auch wir bald glauben.

mz. Berlin. 31. Mai. Den Abendblättern zufolge be­zeichnet der Oberpräsident der Provinz Sachsen. H ö r s i n g. in einem Ausruf au die Bevölkerung die Bebauvtung von einem bevorstehenden Putsch von links in der Vrovinr Sachsen als W a h l s Ä w i n d e l.

Die Neugliederung des Reichswehrministeriurns.

Br. Berlin. 1. Juni. (Eig. Drabtbericht.) Die mehrfach angekündigte Neugliederung des Reickswebrministeriums ist nunmehr vollendet. Dem Reichswebrminifter als Spitze unterstehen einander gleichgestellt General v. Seeckt. beauftragt mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Ebefs der Heeresleitung. Generalmajor v. F r i c d m a n n als Eeneralauartiermeister. und Konteradmiral Michaelis als Chef der Admiralität. Die-Stellung des v o l i t i s ch e n Staatssekretärs wurde durch die Neugliederung in keiner Weise berührt.

Zu 16 Jahren Zwangsarbsit verurteilt.

mz. Ludwigshafen. 31. Mai. Der in der Anilinfabri! beschäftigte Ingenieur I m b o f f. der den Krieg zuletzt als Hauvtmann mitmachte und der unlängst von den Franzosen wegen Diebstahls von Sausgegenständen in Frankreich ver­haftet wurde, ist zu 16 Jahren Zwangsarbeit verurieili worden. Bei einer Haussuchung sollen bei ibm gestohlene Gegenstände gesunden worden sein.

Massenverhaftungen von Schiebern in Köln.

mz. Köln. 1. Juni. Gestern nachmittag wurden auf dem Heumarkt und den umliegenden Straßen einige hun­dert Personen von hier und auswärts, auch Frauen.A von der städtischen und der englischen Polizei wegen Ver­dachts der Schieberei und des Fleiscnbandels verhaftet und auf sieben englischen Lastautos nach dem Polizeivräsidium verbracht.

Ungarn unterstützt österreichische Putschisten.

Dz Wien. 1. Juni. (Drabtbericht.) Etaatskanzler Renner hat in seiner Eigenschaft als Staatssekretär des Auswärtigen beute vormittag den ungarischen Ge­sandten zu sich gebeten und ihm eröffnet: Dem Staats­sekretär der Republik Österreich liegen zuverlässige Nach­richten vor. daß in der Stäbe der Grenze Deutsch-Österreichs eine Formation von ungefähr 160 009 Offizieren und Mann­schaften österreichischer Staatsbürgerschaft organisiert ist. die gegebenenfalls mit bewaffneter Hand in Öster­reich e i n z u b r e ch e n beabsichtigt. Di? österreichische Regierung ist darüber informiert, daß für diese Formation von der ungarischen Regierung ein Betrag non 10 Millionen Kronen ausgeworfen worden ist. Charakte­ristisch für das in dieser Sache, beobachtete Verhalten der ungarischen Behörde ist auch der Umstand, daß Grenzorgane in Sauerbrunn (Savanyukut) Formulare, durch die Grenzübertritte ermöglicht bezw. gefördert werden sollen, den Anwerbern in Wien zur Verfügung stellen. Die öster­reichische Regierung erwartet eingehende Aufschlüsse über die Vorgänge, die geeignet sind, eine höchst bedauerliche Trübung der Beziehungen der beiden Nachbarstaaten ber- beizusülsten.