gelle r, Somstaa. 88. M»! 19211.
Wiesbadener Nachrichten.
Lebensmittelversorgung und Kleinhandel.
Die Lebensmittelbezug s - V er einig uns Wiesbaden hielt dieser Tage im Vurgersaal des Rathauses ihre diesjährige Generalversammlung ab. dre von dem stellvertretenden Vorsitzenden des Aufsichtsrats Herrn E. M. Klein geleitet wurde, da der 1. Vorsitzende Herr Adolf Harth krankheitshalber sein Amt.medergelegt hat. Den Bericht über das abgelaufene Eeschaftsiabr erstattete das geschäftsführende Vorstandsmitglied der Vereinigung Herr Kaufmann E. S v i n d l e r. Das 4. Eeschaftsiabr. über das berichtet wird, war das an Umsatz und Erfolgen gronie feit Bestehen der Eenosienschaft und dürfte so leicht von keinem folgenden Jahr übertroffen werden. Der Umsatz stieg von 4 Vi auf 13 Millionen, was als. der beste Beweis dafür angesehen werden kann, dab der Wiesbadener Bevölkerung eine reichliche Menge Lebensmittel im letzten Jahr zu Gebote stand. Der Bericht bezeichnet die Lage des Kleinhändlers in der Kolonialwarenbranche als alles andere als rosig: den ständig steigenden Unkosten und Löhnen gegenüber hält die Steigerung der Gewinnsvanne nicht gleichen Schritt, wenn auch die diesbezüglichen Bemühungen des Berichterstatters teilweise von Erfolg, begleitet waren. Der Gewinn beim Verkauf rationierter Waren wird noch durch den jetzt erhöhten Warenumsatz- stemvel verkürzt, während die als Kartoffelersatz ausgegebenen Waren unter Berücksichtigung der hohen Kosten für Tüten und Papier fast keinen Nutzen abwerfen. Der Renner verbreitete sich weiter über die allgemeine wirtschaftliche Lage und die Aussichten für einen Abbau der Zwangsbewirtschaftung, wobei er. den Schlug zieht, daß letzterer nur allmählich erfolgen könne, wenn es nicht zu einer wirtschaftlichen Katastrophe kommen solle. Er erläutert ferner, warum die von den Mitgliedern oft gewünschte Verringerung der Zahl der wöchentlich ausgegebenen Artikel und dafür Steigerung der Menge bei dem einzelnen Artikel gleich bis zum Monatsauantum nickt erfolgen kann: neben technischen Gründen sei bieriur dieRucksicht aut die minderbemittelte Bevölkerung, die eine Monatsmenge nicht kauft, weil sie sie nicht bezahlen kann, die Ursache: auch sind die für einen Monat nötigen Warenmengen nicht immer zur Verfügung, handelt es sich doch immer um den Bedarf von rund 100 000 Einwohnern. Der Bericht geht dann erläuternd zu den einzelnen Posten der vorliegenden Bilanz über und konstatiert einen Mitgliederstand am Schl'-ü des Geschäftsjahres von 241 Mitgliedern mit insgesamt 320 Geschäften und gibt die Ersparnis mit 4975.19 M- bekannt. Reicher Beifall lohnt den Redner. — Der Leiter des städtischen Lebensmittelamts Herr Wilhelm S t a h l e r. der vor Eintritt in die Verhandlungen die Erschienenen namens des Magistrats schon begrühte. kam noch, auf Einzelheiten des Geschäftsberichts in zustimmendem Sinne, zu sprechen: er rühmt das harmonische Zusammenarbeiten mit der we- schäftsleitung der Lebensmittelbezugsvereinigung und feiert sie Verdienste des Vorredners, der . sich, die Wahrung der 4hm anvertrauten Interessen der Kleinhändler lederzeit sehr angelegen sein läht. Die Punkte der Tagesordnung, finden
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lieber Vorschrift aussckeidenden Herren roiedergewahlt und an Stelle des Herrn Harth Herr Karl Werner neugewahlt.
Der Stand der Felder.
Aus dem Ländchen schreibt unser o.-Bcrichterstatter: Line Wanderung durch das Ländchen gibt Uns jetzt die erfreuliche Gewißheit, dab. wenn keine elementaren Ereignisse eintreten, wir einer ausgezeichneten Ernte irt allen wirtschaftlichen Produkten entgegensehen können. Die häufigen Niederschläge anfangs Mai und die darauffolgenden sommerlich warmen Tage haben den Stand der Saatfelder o gefördert, dab es eine Lust ist, die Fluren in ihrer Üppigkeit zu beschauen: namentlich die Kornfelder stehen so gut, wie dies seit Jahrzehnten nicht mehr der Fall gewesen ist. Roggenhalme von einer Länge von 1.60 bis 1,70 Meter sind gar keine Seltenheit. Die meisten Ähren sind , infolge Der günstigen Witterung fast ausgewachsen, als ob letzt im Mai die Blüte bereits bevorstände. Wenn das günstige Wetter so anhält, so wird schon in der ersten Hälfte des Jul,, mehrere Wochen früher als sonst, die Roggenernte eintreten. Der Weizen hat seinen mangelhaften Stand, den er infolge der verspäteten ungünstigen Aussaat im Herbst anfänglich zeigte, durch eine sehr gute Bestockung zum größten Teil ausgeglichen. Gerste und Hafer haben, sich unter den besten Voraussetzungen bei vorzüglicher Witterung, so günstig entwickelt, dab schon jetzt sicher mit einem ausgezeichneten Ertrag in quantitativer Hinsicht zu rechnen ist. Ein Blick in die Gärten zeigt, dab auch hier reichster Segen zu erwarten steht. Das W i e s e n g r a s und die K l e e a ck e r stehen ebenfalls ganz vorzüglich, so dab die Futternot vorerst als überwunden betrachtet werden kann. Saftige Wiesenstrecken und Kleefelder liegen schon auf der. Dorre. Auch die Kartoffeln stehen schon überall schon und
Wiesbadener Tagblatt.
zeigen die Frühsorten volle Reiben. Eine ebenso günstige Entwicklung zeigen die Hülsenfrüchte, besonders die Erbsen, und versprechen einen reichen Ertrag. Im Frühlingssonnenschein ersteht neue Hoffnung auf gute Ernten, reichlichere Ernährung und Linderung der Not grober Teile des vielgeplagten Volkes. _
— Veteranenfpende. Die von der Stadt Wiesbaden gestiftete Ehrengabe von jährlich 6000 M. für Veteranen aus den Kriegen 1864. 1866. 1870/71 für das Jahr 1920 kommt in Kürze zur Verteilung. Bestimmungsgemäh sollen nur Veteranen berücksichtigt werden, die zur Fahne einberufen
Morgen-Ausgabe. Erste» -
Aus Provinz und Nachbarschaft
Seine Tante überfallen.
ö. Main,. 28. Mai. Der Schneider Otto Henrich aus Wiesbaden besuchte am Mittwoch semen hier in der Cötberhofstrabe 1 wohnenden Onkel, den Schreiner Cbrlstmn Maier, und bat ihn um ein Darlehen von 120 M.. um damit angeblich eine Spielschuld zu zahlen Als „derOnkeldas Darlehen abgeschlagen hatte verlieb der Neffe die Wohnung. Gestern mittag um 12^Ubr fand W der Neffe wieder in
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waren, dem Unteroffizier- oder Eemeinenstand angebort< Boden und knebelte sie. so dah sie bewutz^s wurve^^>er it*tX noitrttthi»« muffen miirhta 9iüuöer itCtul uieiOUT CtTI XOlCuujeit &uU -ü .t ® Sinuc;*
Ringe sowie andere Schmucksachen. Inzwischen waren Hausbewohner aufmerksam geworden und eilten m die Wohnung der Überfallenen. Der. Räuber fluchtete, konnte ledoch )o-
und in Feindesland gestanden haben. Sie müssen würdig und bedürftig sein und am 15. Juli 1920 mindestens 1 Jahr lang in Wiesbaden ihren Wohnsitz gehabt und seitdem ununterbrochen hier gewohnt haben. Meldungen sind beim Magistrat (Kommission für Veteranensvende), Rathaus. Zimmer 22. nachmittags von 4 bis 6 Ubr. unter Vorlesung der Militärvapiere mündlich oder schriftlich, bis spätestens 15. Juni d. I. vorzubringen. Später eingehende Meldungen bleiben unberücksichtigt. Diejenigen Veteranen, die infolge Krankheit oder ihres vorgerückten Alters nickt selbst ,n der Lage sind, sich zu melden, können durch ihre Angehörigen die Meldung vornehmen lassen, jedoch nur unter Vorlage der Mi'.itärrapiere.
— Die amerikanischen Pakete. Das Auskunftsbureau des American Nelief Administration in Berlin teilt, den Weg mit. auf dem Deutsche ein amerikanisches Lebensmittcl- vaket erhalten können: dazu ist keine besondere Form erforderlich: ..Wer Nahrungsmittel aus Amerika wünscht
schreibt eine Postkarte oder einen Brief an seinen Freund oder Verwandten in Amerika und teilt ihm mit. welche Lebensmittel er wünscht, mit der Bitte, von dem Amerw"n Relief Administration einen „food draft“ zu kaufen und ihm zu schicken. Diese ..food drafts“ sind in allen Banken tn den Vereinigten Staaten zu kaufen. Wenn der ..food drall in Deutschland angekommen ist, mub er wie ein Bankscheck auf der Rückseite indossiert und von dem Empfänger an den American Relief Administration Warehouses., Hamburg. Ferdinandstrabe 58, geschickk werden, und das in der Anweisung angegebene Paket wird ibm zugeteilt. Die Zustellung aus Hamburg erfolgt jedoch erst, wenn der Besitzer des ..food draft“ die Kosten für Porto., Versicherung und Verpackung eingesandt bat: diese Kosten können bei sebr groben Paketen bis 100 M. betragen. Da sie nach Grobe der Pakete und Entfernung des Bestimmungsorts von Hamburg verschieden sind, können die Versandkosten nicht im voraus einheitlich angegeben werden.
— Die Maul- und Klauenseuche tritt zurzeit mit einer Heftigkeit und Bösartigkeit auf, wie seit Jahrzehnten noch nicht. Täglich gehen Hunderte und Aberhunderte Stück Grob- und Kleinvieh ein. täglich breitet sich die Epidemie weiter aus und ist z. B. für Hessen geradezu zu einer volkswirtschaftlichen Gefahr geworden. Run fragt sich, woher dieser plötzliche gefährliche Umfang der Epidemie, und sind die Ursachen verschiedene: Einmal war der milde Winter und das darauffolgende feuchtwarme Frühlingswetter der Ausbreitung der Maul- und Klauenseuche sehr förderlich und wirkte für die Bakterien geradezu wie ein Brutofen. Dann wird die Seuche vielfach verheimlicht, viel zu spät angemeldet und bis der Tierarzt zugezogen und Sverrmab- regeln angeordnet werden können, sind nicht allein eine Zahl Gehöfte des Ortes, sondern auch Geböfte in Rarbargemein- den durch Übertragung durch die Viehhalter verseucht. Auch der Wucher bat sich prompt eingestellt und sucht aus der Not des Volkes wiederum Kapital zu schlagen. Es ist dies der Wucher mit dem notwendigsten Desinfektionsmittel, dem Lysol, für das seit wenigen Tagen vielfach, ohne rede Notwendigkeit, mehrhundertprozentige Preisaufschläge verlangt werden.
— Die Kirschenernte an der Bergstrabe und am Rhein ist im vollen Gange und liefert einen reichen Ertrag. Der Preis beträgt je nach der Güte 3,50 bis 5 M. das Pfund.
— Der grobe Seiden- und Samtdiebftabl. Die in einem hiesigen Geschäft gestohlenen 17 Kisten mit wertvollen Seide- und Samtstoffen waren mittels Lastautos nach Offenbach geschafft worden und konnten dort bereits beschlagnahmt werden. Die Eigentümerin ist eine Firma in Lyon, für deren Rechnung die Ware hier auf Lager genommen worden war.
— Wer ist der Eigentümer? Vor etwa 5 Wochen wurde ein gelb gesprenkelter Ulster mit groben Hornknövfen bei einem Dieb vorgefunden. Meldungen sind auf Zimmer 21 im Polizeidirektionsgebäude zu macken. — Die Kriminalpolizei beschlagnahmte zwei Paar fast neue hohe Damen- Schnürstiefel. Marke „Hassia". Die Eigentümer mögen sich bei der Kriminalpolizei melden.
— Auszeichnungen. Der ehem. Hilfsschwester Elisabeth K o e n i g wurde die Rote-Kreuz-Medaille 3. Klasse verlieben. — Das Verdienstkreuz für Kriegshilfe erhielt der Fabrikant Emil Erüber hier. Inhaber der Wiesbadener Holzfchraubenfabrik.
gleich auf der Straße festgenommen werden, kam in Untersuchungshaft.
Der Räuber
Gerichtssaal.
mz. Zum Tode verurteilte Schwerverbrecher. K o b l e n z.
27 Mai Vor sechs Wochen wurden der Klavierbauer Hahn und die Kontoristin Ackermann wegen verschiedener Mord- und Raubzüge zum Tode und zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt Jetzt batten sich die beiden auch noch WMii l# reicher Einbrucksdiebstähle.zu verantworten, die sie gleichfalls im vorigen Jahre ,n der Koblenzer Gegend "?rubt batten. Dieserbalb erhielt Hahn 13 Zuchthaus und die Ackermann ein Jahr Gefängnis. Bon drei, dieser Band,n- diebstähle Mitbeschuldigten wurde der Arbeiter Schmengler aus Sayn zu 5% und der Sandformer Kruvv zu 3 I, 3 a bien Zuchthaus verurteilt, der dritte (Luxem) freigesprochen Hahn und Ackermann werden sich auch noch wegen des Mordes in Grenzhaulen zu verantworten baden.
(13. Fortsetzung.)
Nachdruck verboten.
Wandlungen.
Roman von Hans Becker t (Wiesbaden).*)
Seit einer Stunde erwartete Philipp seinen Herrn, auch der Impresario war schon zum zweiten Male ins Zimmer gekommen: „Ist Herr Herford immer noch
nicht zurück?"
„Nein, noch nicht."
„Es wird spät, weiß der Himmel, wo der Herr wieder "steckt."
Er sah sich im Zimmer um und trat dann dicht an den Diener heran.
Hören Sie. Philivp, seren Sie recht-behutsam beim Umkleiden. Sie wissen. Herr Paul regt sich leicht auf, wenn nicht alles glatt geht. Sie müssen heute ganz besonders vorsichtigt sein, der Hof kommt zum Konzert/
’ Während er noch sprach, wurde die Tür aufgestohen und Paul kam herein. Er warf, noch ehe der Drener zuspringen konnte, seinen Pelz auf einen Stuhl und wendete sich an Pironet: „Zetteln Sie schon wieder erne Verschwörung an? Philipp — was hat der Herr gewollt?" ' „ ..
Der Impresario war froh, dah Paul m aufgeräumter Stimmung war. Hinter dem Rücken des Künstlers machte er dem Diener Zeichen. .Die sollten bedeuten: nehmen Sie die gute Laune wahr. Schnell, kleiden Sie Ihren Herrn an. ^ .
Der Diener war auch schon dabei, Paul aus den Kleidern zu helfen. Über feine Schulter hinweg plauderte dieser mit dem Impresario.
„Wenn Sie wühlen, wo ich gewesen bin. Sie nicken? 5ib toiffcti e§?
Natürlich. Sie sind beim Korso am Palais ge- Desen Der Portier hat Ihnen ja einen Schlitten besorgt."
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•) Copyright 1919 by Carl Duncker. Berlin
„Haben Sie mir wieder nachgespürt? Aber das ist nicht alles. Weit hinaus auf die Inseln bin ich gefahren. Kennen Sie die Inseln, ja? In einem weihen, verzauberten Walde, vor einem weihen, glänzenden
Meere bin ich gewesen-Einer. Göttin war ich
nachgefahren — —"
„Nun?".
„Sie hatte schnellere Pferde als ich. Sie ist mir entwischt."
Plötzlich wendete er sich schnell um: „Herr Pironet — wollen Sie nicht so freundlich sein, das Zimmer zu verlassen. Ich werde nervös, wenn mir jemand Seim Ankleiden zuschaut." *
Der Impresario ging zur Tür: „Ich bin schon fort, in einer halben Stunde hole ich Sie."
Eine Weile war es still im Zimmer, durch das der Diener mit leisen Schritten hin- und herhuschte, während Paul reglos vor dem grohen, dreiteiligen Stehspiegel stand, den die Hotelverwaltung auf seinen Befehl hatte aufstellen muffen.
Es klappte alles gut. Philipp hielt schon die weihe, seidene Weste mit den brillantengeschmückten Platina- knöpfen bereit, um sie Paul überzustreifen, als dieser plötzlich den Kopf ganz nahe zum Spiegel vorbeugte, einige Sekunden hineinsah, nach seinem Halse griff und an der weihen Krawatte zu zerren anfing.
„Wie die wieder sitzt! Abscheulich!"
Mit einem Ruck hatte er die Krawatte herunter- geriffen und auf den Boden geschleudert.
„Philipp!!"
Der Diener verhielt sich lautlos, er stand dicht hinter seinem Herrn.
„Philipp — sind Sie taub?"
„Herr Herford." ®
„Werden Sie niemals lernen, eine Krawatte zu binden. Sie sind ein —
Sport.
* Keine Pferderennen in Baden-Baden. .Unter dem Vorsitz des Direktionsmitgliedes Richard Hamei. fand m
Baden-Baden die Generalversammlung des Internationalen
Klubs statt An Stelle des zu Anfang des Krieges im Feld- gefallenen Barons v. Venttngen wurde Fürst von Hatzfeld Wildenburg zum Präsidenten gewählt, ferner Prinz. Max zu Sobenlobe-Oebringen und Richard Samel zu Viseprastdenten in das Rcnnkomitee Maior Franz Wolfs. Oberstallmeistsi v. Livva. Otto Suermondt. Prinz Max su Hohenlohe mrd Baron Böcklin von Böcklinsau. In diesem Jahre werden in Iffezheim keine Rennen abgebalten.
Neues aus aller Welt.
Schwere Eewitterfchäden in Pommern. Heftige Ge- Witter haben sich, wie aus Stettin gemeloct wird, in der Provinz Pommern entladen und Menschenleben und materielle Werte gefordert. Bei Daber wurde ein Maurer, der auf der Wiese mit Torfmachen beschäftigt, war, vom. Blitz getötet. Bei Stargard wurde ein zwolstabrrges Mädchen vom Blitz erschlagen, als es jeme Schwestern vom -reibe heimholen wollte. In Daber sind 21 Scheunen Mit vielen Futtervorräten niedergebrannt. Aus Stargard und Kallles wird wolkenbruchartiger Regen gemeldet, der überfchwem- mungen zur Folge hatte. In Dönme, Kreis Grimmen, wurde das Schulbaus in Asche gelegt. In. Stoewen bei Falkenberg wurden die Gehöfte zweier Eigentümer ein- geäfchert.
Die Erbin des Zaren. Aus London wird gemeldet: Die Krohfürstin Xenia Alexandrowna. die Schwester des letzten Zaren von Rubland. gab m dem Testamentsreglster die eidesstattliche Erklärung ab, dah Zar Nikolaus am 16. Juni 1918 in Jekaterinenburg ohne Sinterlaffung eines Testamentes gestorben fei. und dah weder feine Gattin noch feine Kinder ihn überlebt hätten. Der Nachlabrichter überwies hierauf der Erohfürstin Xenia Alexandrowna die. Besttz- urkunden über das in England befindliche Vermögen des letzten Zaren.
Die Probe zum Politiker. Ein alter Holländer, der. erforschen wollte, in welcher Richtung die Anlagen feines Sohnes lägen, stellte eines Tages auf den Tisch des Sohnes eine Flasche Whisky und legte eine Bibel sowie eine Banknote daneben, worauf er sich auf die Lauer legte, um zu sehen wie die Probe ausfallen wurde. „Wenn er d,e Bibel wählt, faste sich der Alte. Zo steht fein Sinn nach dem Buch und dann wird er vielleicht Priester. Wenn er die Banknote vorzieht io ist es der Kaufmann in ihm. der sich geltend macht. Und wenn er sich zuerst für die Flaswe interessiert. ia. dann endet er vielleicht als Säufer.“ Gleich darauf kam der Sohn pfeifend herein. Er iah etwas verwundert auf die Bescherung auf dem Tisch, aber dann bedachte er sich nicht lange, sondern steckte die Bibel unter den Arm. stopfte die Rote in die Taiche und nabm einen tüchtigen Schluck aus der Flasche, worauf er seines Weges ging. „Saba!“ lachte der Alte und rieb, sich vergnügt die Hände. „Der Junge wird weder Geistlicher noch Kaufmann, er wird als grober Politiker enden! _
Philipp war schon ins Nebenzimmer gestürzt, init einem Karton weißer Krawatten kam er zuriick.
Paul wühlte darin herum, endlich: „Hier — die —“ Diesmal ging es gut, die Halsbinde satz richtig. Philipp durfte den Frack mit dem Samtlragen reichen.
Paul drehte sich einig Male vor dem Spiegel, dann befahl er seinen Abendpelz. Es klopfte auch schon an die Tür, der Impresario meldete sich.
„Sind Sie fertig, Herr Herford? Ja? Gott sei Dank. Philipp, seien Sie sorgsam mit den beiden Geigenkasten."
Paul führte stets zwei Geigen mit sich. —
Der» Diener lief voraus. Die Warnung war ihm nichts Neues, die hörte er jedesmal, wenn zu einem Konzert gefahren wurde. ... ~
(F-rtf. f.)
Neue Bücher.
* .Steuermann H o l k". Roman von Kurt K ü ch l e r. (Hammerick und Lesser, Hamburg.) Kurt Küchler hat sich bereits durch fciiilitcrarische Skizzen einen Namen gemacht. Reichbewegte, Handlung farbenfrohe Schrlderung, glühende Phantasie und ge- pflegte Sprache sind Vorzüge seines soeben erschienenen ersten Rcmimes. Tic psychologische Motivierung ist zuweilen nicht ganz bcsrietigend. Als guter Kenner des Secmannslebens versteht sich der Verfasser aus plastische Wiedergabe selbstgewonnener Eindrücke. Mit prächtiger Lebendigkeit geschildert sind Stürme im tropischen Ozean, Kvinevalöiagc in Algier. Szenen in Hamburger Hafenschenken, ein Neger boxkanipk in Son Francisco. Das tragende Moment der Handlung, eine nicht alltägliche Geschichte von Liebe und Irrung, ist von dem Schmiukwerk des Exotischen und Abenteuerhasten stark nberrankt. Besonders empfohlen sei das Buch daruni denen, die dem Erzähler gern in die satte Pracht südlicher Länder folgen. L-s.
* W. "Schweisheimer: „Die Bedeutung des
Films kür soziale Hygiene und Medizin". <S. Müller, München 1320.) Neben grundsätzlichen Betrachtungen über Wesen und Technik des Lehr» und Bolksbelehrungsstlms werden di« Fach-Filme (Modizinzb.-chirurgische Operationen) Aufklärungs- filme (i B Sanglingssürsocge, Schwindsucht«, und Geschlechts- krankhciten-Bekämpfr ng) ausführlich und mit Borbedacht behandelt; alle diese Fragen bedürfen, damit sie nicht in gewinnsüchtige, rein gctchäftliche S-ändr kommen, noch weiterhin des Studiums und der cjfentlichen Crorteruna. V. h»
