Nr. 232. Samstag« 21. Mai 1921.
Mesbadener Tagblatt.
Abend-Ausgabe. Erstes Blatt. Sette 7.
Unterhaltung^ Beilage
be6 U0lt6ß ab tritt 'Zagßlatfö.
mm
mm.
Die Lebensalter.
Von Dr. Friedrich Spree«.
„Vits somnium breve“, heißt ein berühmtes Bild von Böcklin, auf dem die Lebensalter dargestellt sind. Vorn sehen mir kleine Kinder am Bach mit Blumen spielen; in der Mitte steht das vollerblühte Weib, reitet der Mann gewavvnet in den Krieg; hinten aber auf hohem Stein sitzt der Greis, über dem der Tod mit einem Prügel zum letzten Schlage aushvlt. Der Künstler hat hier das menschliche Dasein in der Stufenfolge der Lebensalter gemalt, und andere moderne Meister, wie Thoma und Welti, haben das gleiche Thema ergreifend behandelt. Aber auch schon in früheren Jahrhunderten treffen wir in Gemälden, wie solchen von Lotto und Tizian, stwie in alten Holzschnitten auf die Abschilderung der Lebensalter, und es sind nicht nur drei, sondern vielmehr bis zu zehn Stadien, die hier nebeneinander aufmarschieren. And ebenso gern wie die bildende Kunst verweilt die Dichtung bei diesen Fragen; ja, sie berührt sich hier mit ihr, und die Vorstellungen des Jungbrunnens oder, der Altweibermühle, durch die gebrechliches Greisentum in blühende Jugend verwandelt wird, tauchen zugleich im Bilde und im Gedicht auf.
Der Mensch, ver sein Daiein so gern im Einklang mit der übrigen Natur sieht, bat Jugend und Alter zuerst unter dem Sinnbild des Morgens und Abends oder des Wechsels der verschiedenen Jahreszeiten betrachtet. Die Morgenröte der Jugend, die Abenddämmerung des Alters sind ebenso ge- läufige Bilder wie Frühling und Sommer des Lebens. Herbst und Winter des Daseins. Solch Vergleiche führten zu einer Z w e.i t e i l u n g u n s e r e r L e b e n s z e i t; in eine Periode aufsteigender und in eine absieigender Kräfte; die Jahreszeiten legten eine Vierteilung nabe, in Kindheit. Jugend, Mannheit und Alter, wie dies bereits in der altdeutschen Dichtung, bei Horaz und nllerwärts geschieht, wie es Goethe in einem ReimwrUch formuliert:
Als Knabe verschlossen und trutzig.
Als Jüngling anmnglich und stutzig,
Als Mann zu Taten willig.
Als Greis leichtsinnig und grillig:
Auf Deinem Grabstein wird man lesen:
Das ist fürwahr ein Mensch gewesen.
Für eine D r e i t e il u n g des Lebens bot die Nrtnr ein Sinnbild in den Erscheinungen des Mondes und der Sonne. Ein deutsches Gedicht des 12. Jahrhunderts stellt dem wachsenden, vollen und abnehmenden Mond das Kind, den Mann und den Greis gegenüber, und ähnlich wird die sonne symbolisiert, eine Vorstellung, die in dem Rätsel der Sphinx zum Ausdruck kommt, die da fragte, wer des Morgens auf vier, des Mittags au? zwei und des Abends auf drei Fügen gehe, und von Ödipus die Antwort erhielt: der Mensch, denn er kriechl als Kind auf allen Vieren, geht als Mann aufrecht und benutzt als Greis einen Stock. Diese Teilung des Lebens in verschiedene Aller ist dann immör weiter fortgesetzt worden. Die Römer unterscheiden in ihren Rechtsanschaunngen fünf Stufen: Kindheit, Knabenalter, Jünglingszeit. Mannsstum und Greisenalter. Die Kindheit wird dann noch weiter geteilt, so daß man rechnet: , das Kind bis zu sieben Jahren, den Knaben bis zu 14. den Jüngling bis zu 28. den Mann bis zu 49, den Alten bis zu 70 und den Greis bis zu einem ungewissen Ende. Bei den Frauen fanden äbnliche Unterscheidung >>: statt. Noch häufiger tritt ein stebenstusiger Aufbau der Lebensalter hervor. So vergleicht Sbakefveare in einer berühmten Stelle das Leben mit einem Schauspiel in sieben Akten, und der große Arzt Hippokrates kommt auch zu einer Siebenteiiung der Jahre wobei er die Siebenzahl zugrunde legt: bis 7 das kleine Kind, bis 11 das Kind, bis 21 £ei Heranwachsende Mensck, bis 28 Jüngling und junge Frau, bis 19 Mann und Weib, bis .">6 die Alternden und von da ab das Greisentum. Der neueren Zeit, und zwar gerade uns Deutschen ist eine Einteilung geläufig, die die Antike noch nicht kannte, nämlich die Gliederung von 10 zu 10 Jahren, die zuerst in Lehrsvrüchen des 15. Jahrhunderts auf- taucht. Auf einem alten Holzschnitt .von 1182 liest man: .10 Jahr ein Kind, 20 Jahr ein Jüngling, 80 Jahr ein Mann, 40 Jahr woblgetan, 50 Jahr stillitehen, 60 Jahr r 0geben, 70 Jahr behüte davor, 80 Jahr der Welt ein Tor. 90 Johr
HÜB
Glasbilder.
Von S. Jacobv.
, Li und Ra waren so einträchtig wie nur reine Seelen. Li warf Ra schlichte Worte zu. Wenn Ra sie anffing, wurden sie der tiefste Sinn der Welt. Aus Wunsch und Wahn bauten sie fiiremnb?r heimliche Paläste, in denen sie sich trefflich ausfonven. Jbre Eintracht wurde ein Ding für sich, ein milder Mainel. Der umgab sie ständig, auch wenn sie nicht beieinander waren.
Einst sahen sie einem Glasbläser zu. Er. blies auf weißen und bunten Glasstäben, die n in ein kleines Feuer hielt. Statt der Töne bildeten ssch allerhand niedliche Dinge duna wie Hauch, durchsichtig und leer, ärmer und. einfacher als b,e Wirklichkeit, auf eigene Weise entzückend. Li und Ra standen davor und staunten.
Da gab er jeder von seinen Glaswerken einen grünen «teineichenzweig mit roten Beeren, ein blaues Ve,Iawn- siräußchen. einen gelben Schmetterling, ein weißes Vögelchen mit offenem Zwitscherschnabel, schworzgesvrenkelt und eine iwammengeringelte schwarze Schlange.. Beide bekamen das- !Abe. sie hatten gleichviel. Er nahm em Kästchen, innen silbern. zupfte Moos binein. legte die ^achelchen daromf. reichte es den Seelen und sagte: „Seid vorsichtig! Die Glasbilder und eure Eintracht werden gleich lange leben. Zerbrechen d-e Bilder, so gebt auch eure Eintracht in Stucke Ihr mutzt aber auch eure Eintracht schonen, wenn ,br d» Blllttchen und Tierchen erbalten wollt. Gibt s Zwist, so ist auch die bunte orrude hin."
. . Da erschraken sie und wußten nicht, ob sie sich über das Geschenk freuen over grämen sollten. Sie ^rckteten für ihren frieden und für ihren Schatz. Auf dem Heimweg sprachen sie. kein Wort, um ja nicht fehlzugehen oder irgendwo anzu- Itö&enr’ . . _
. Li stellte ibr Kästchen zu Hause in ernen Schrein. den sie ^rgsültig verschloß. Ebenso verfuhr Ra "> lbrem Haus Ei- ßält nun noch, ihre Eintracht zu sichern, daß sie Nicht durch '->ader die»Glasbilder zu Schaden brachten. „ j. Woher kommt Zwist'' Vom Sehen und Hören. Also be- Mlosien sie. sich nicht zu sehen und nicht zu hören. Es war das höchste Opfer das sie ihrer Eintracht bringen konnten. Es tat ihnen web. aber sie mieden sich. Weil Sehen ohne
der Kinder Spott, 100 Jahr, na gnad' dir Gott!" In zahlreichen Abwandlungen taucht dann dieser Spruch immer wieder auf: er wird in rührenden und ergreifenden Bildern illustriert und findet seine Erklärung in jener Zableirmystik, der die Zahl 10 die Harmonie bedeutet und daher 10X10 die reichste Entfaltung des Lebens, die wett über das Durch- schuittsmaß hinausgebt.
Die Rechtspflege, die ja an der Festsetzung bestimmter Jahreszahlen für bestimmte Altersklassen ein besonderes Interesse hatte, ging mehr von praktischen Erwägungen aus. als es die Anschauungen der Philosophen und des Volkes toten. Als Servius Tullius die Römer für Steuer und Kriegsdienst in Klaffen teilte, zählte er die Knaben bis zu 17 Jahren, die jungen Männer bis zu 46 und darüber hinaus die alten. Ähnlich ist es auch im alten Deutschland. Der Knabe wird hier bis zum 11. oder 15. Jahr gezählt, bis zu der Zeit, wo ihm der Bart wächst; als Mann wird einer bis etwa zum 50. Jahre gerechnet, und dann wird er ein Greis, Der Israelit wird nach dem mosaischen Gesetz mit 20 Jahren kriegspflichtig und tritt damit in das reife Alter. Mit 60 Jahren aber fing bei dem Volk Israel bereits die Entwertung des Menschen an, denn der Schätzungsbetrag eines Mannes über 60 Jahre wird geringer angegeben als der eines solchen von 25. Bei den Griechen trat der Knabe mit 16 Jahren in den Zustand der Ephebie. gleichsam den Vorhof der Männlichkeit. In Arhen nimmt der Zwanzigjährige an der Volksversammlung '.eil, während in Snarta erst dem Dreißigjährigen dies Recht zustand. Den Beruf des Richters, für den ein besonders gesetztes und verständiges Wesen verlangt wurde, konnte der Grieche erst mit 10 Jahren ausüben. 60 Jahre bezeichnen bei den Griechen wie in Israel die letzte wichtige Lebensstufe, den Anfang des Greisen- wie des Weisenalters. Die Eeronten der Svartaner, die den höchsten Rat bildeten. mußten wenigstens 30 Jahre alt sein. In Athen erlosch die Kriegsvflicht mit 60 Jahren, ia auf Keos hielt man den Sech- zigjährigen nicht mehr des Lebens wert, und er starb durch Gift. Bei den alten Römern wird der Knabe mit 17 Jahren kriegspflichtig. Das 50. Jahr befreit ihn vom Kriegsdienst, und mit diesem Jahre begann für die Frau, mit dem 60. für den Mann die Zeit, die zu fruchtbarer Verehelichung nicht mehr taugte. Mit 60 Jabren begann auch für den Mann das Greisenalter, in späterer Zeit allerdings erst mit 70, und in diesem Alter ging er wichtiger politischer Rechte verlustig.
In der altdeutschen Literatur wird der Begriff der Kindheit im engeren Sinne bis zum 7. Jahre angenommen. Die ersten Schulgesetze verlangten, daß der Unterricht mit 7 Jahren beginne. Mit diesem Zeitvunkt begann die eigentliche Knaben- vnd Mädchenperiode. Ein gewisser Abschnitt ist wieder mit 12 Jahren erreicht oder auch mit 11 Jahren, wo der Unterricht des Knaben zu endigen pflegte. Selbständigkeit, Handlungsfähigkeit und Mündigkeit ward dem deutschen Jüngling in den meisten Rechten m>t 15 Jahren zuteil; bei den Mädchen tritt die Mündigkeit vielfach schon mit 12 Jahren ein. Doch auch damit erlangte der junge Deutsche nach immer nicht das volle Mannesrecht. Dieses wird ihm erst mit dem 21., dem Mädchen mit dem 15. Jahre zuerkannt. Nun ist das Leben des Deutschen auf 'eine zweite große Stufe gelangt; jetzt erfolgt die feierliche Erteilung des Waffenrechtes, im höheren Mittelalter der Ritterschlag, die ..Schwertleite". Durch die Begabung mit Schild und Speer wird der Jüngling seinem Vater gleichgestellt, tritt als selbständiger Mann neben ihn. Allmählich freilich wurde diese rechtliche Bedeutung des 20- jährigen oder 21jährigen verwischt. Die Belehnung mit Waffen trat bereits früher ein. Allgemein aber herrscht auch weiter die Anschauung, daß mit 30 Jahren die jugendlich volle '.Nanneskraft erreicht ist. Bei der Frau bringt das 10. Jabr das Ende ihrer reifen Blüte; fie tritt nun bereits in den Herbst des Lebens. Der Mann aber erreicht mit 10 Jahren seine höchste Geisteskraft. So lehrten die Mystiker, kein Mensch könne vor dem 10. Jahre zur wahren inneren Gelassenheit und zur Vereinigung mit Gott kommen. Schon bei den Griechen wurde erst den Vierzigjährigen der richtige Verstand zuerkannt, und in den deutschen Sprichwörtern heißt es, wer mit 40 nicht weise sei, her dem sei alle Hoffnung verloren. In dem Wort vom ..Schwabenalter« ist «ns dich Anschauung erhalten. Dre wrroler glauhien, daß sie erst mit 50 Jabren klug wurden, wollten aber die Schwaben Allmählich einboken. Mit
'S _•_ ^... 57
dem 50. Jahre beginnt nach dem Volksglauben der Abstieg des Menschenlebens, und mit 60 Jahren ist das Ende erreicht. Jedes Längerleben ist ein unverdientes Geschenk Gottes, über das Greisentum, das nach 60 beginnt, verricht allgemein Klage und Jammer' nur selten erscheint im Mittelalter eine freundlichere Auffassung des Alters, wie etwa bei Hans Sachs, der in seinem „Klaggesvräch über das schwere Alter" doch auch manche Lichtseite darin findet und sich zu einem mannhaften Lob des Greisentums ausschwingt. Heute werden auch did Freuden und Schönheiten des Alters gebührend gewürdigt, und es- spricht für die Hebung des Gestmdbeitsniveaus und die Besserung der sozialen Verhältnisse, daß so mancher Sechziger sich noch als rüstiger Mann fühlt, imd daß die 70, die früher ein« seltene Ausnahme bildeten, verhältnismäßig oft erreicht werden.
Geld in aller Welt.
Der Krieg und seine Folgen haben auch in unserem früher io geordneten Geldwesen allerlei Umwälzungen her- vorgebracht, und die merkwürdigsten Pavierscheine und Blech- marken wurden als Notgeld von Städten und Dörfern in den verkehr gebracht. Diese städtischen Kriegsnotscheine sind nichts anderes als em ..Zeichengeld", wie es auch die Naturvölker besitzen und wenn uns erst das „Porzellangeld" in der Tasche klappert. werden wir nichts mehr vor den Wilden voraus haben die mit ihrem ..Waffengeld" oder ..Federgeld" auf den Markt ziehen Ja. der Togoneger, der feine dunklen swmutzigen Kautlchukkugeln in der Hand wiegt, dürfte diese nicht mit Unrecht, für wertvoller halten als unsere Scheine, da der Kautschuk ia überall gegenwärtig einen beträchtlichen Marktwert besitzt, was man von unserem Notgeld nicht immer sagen kann. Solche Betrachtungen stellt Adolf Koelsch in einem Aufsatz über das ..Geld der Primitiven" an. den er in der be, der Deutschen Verlags-Anstalt in Stuttgart erscheinenden Zeitschrift „Uber Land und Meer" veröffentlicht. Die Naturvölker verwerten die allerverschiedensten Dinge als öffentliches Zahlungsmittel. Neben Nahrungs-. Genuß- und Arzneimitteln find allck nur erdenklichen Rohstoffe. Halbfabrikate. Sandwerkserzeugnisse. Kleider. Geräte. Waffen und Schmuckstücke vertreten. Da findet man unter den Rohstoffen Wachskuchen Zähne. Muscheln und Schneckenschalen, unter den Halbfabrikaten Perlen aus Korallenkalk und buntem Gestern. Metalle in Ringen und Drähten, während unter den Fertigerzeugnissen besonders das Spaten-, Kleider- und Mesiergeld der Chinesen Beachtung verdient. Eigenartiges Geld bat man in Abessinien und seinen Hinterländern. Es und Kochsalzstangen mit einem banderoleartigen Baststreifen ,n der Mitte. Je hoher der Stein und je härter sein Klang, um so höher wird er gewertet Eine beliebte Eeldart sind bei den Abessiniern auch sett einiger Zeit — Eewebr- patronen Voll Stolz greift der reiche Mann in seine mobb gespickte Patronentasche, aus der er zahlt wie wir aus unserer Povierscheinmavve. An der persischen Küste bilden Angel- bake.n verschiedener Größe und aus mannigfachem Metall die wichtigste Münze' bei den Bewohnern der kleinen, dem
chinesischen Reich vorgelagerten Inseln gelten metallene Nachbildungen heimischer Fischkähne und Muscheln als Geld. Eins ganze Reihe afrikanischer Stämme bevorzugen das sog.
Maffengeld. Es besteht aus kunstvoll gearbeiteten metallenen Streifen, die nur die ungefähre Form von Speerspitzen Messern. Äxten usw haben und durch reiche Ornamente sowie barocke Anhängsel verziert sind. Das Mörsergeld gewisser Südvölker besteht in einer reichgeschmückten Wuckier- fvrm des aus Mörser und Stößel bestehenden Gerätes, das man dort zum Berstamvien der Retelnüsse im Gürtel trägt. Das F e d e r g e l d der St. Eruz-Jnsulaner ist aus handgroßen Flüchen verklebter Taubenfedern gefertigt, deren eine Fläche mit roten Papageienfedern eingefäumt ist. Die einzelnen Federscheine werden dachziegelartig übereinander geheftet, und le größer die Stücke sind um so höher ist ihr Wert. Ebenso wie hier gar kein Zusammenhang mehr zwischen dem für das Geld verwendeten Stoff und seinem Wert besteht, ist dies auch bei dem St off geld der Fall, das in Afrika. Australien und auf manchen dazwischen liegenden Inseln üblich ist. Es sind ganz locker gewebte, rote, blaue und ungefärbte Baumwollfäden. zuweilen auch besonders geflochtene und gestempelte Kokosfasern, deren Wert sich nach der Größe richtet. Es gibt Stucke, die den Umfang von unseren Fünfmarkscheinen haben, und meterlange, fast mannsbohe Streifen, die wie Fahnen über eine Stange gerollt und wie geschulterte Gewehre getragen werden. Das Gewebe kann wegen seiner lockeren Beschaffenheit zu nichts anderem verwendet werden und dient nur als Geld. Solches Stoffgeld bat es übrigen-- im 10. Jahrhundert bereitsZ^uns in Europa gegeben.
fTftTT et,
beaiidlen Botschafter in u'ondon Dr,"S i'b a m eT7 sprechen dessen Einfluß auf den englischen Premierminister täglich zummmt.
Die Sympathien Amerikas auf seiten Englands.
I>z. London. 21. Mai. (Drahtbericht.) Die „Daily Mail" meldet ans New ?) ork: Die amerikanische
Regierung verfolge die Spannung zwischen England und Frankreich in bezug auf Oberschlesien genau. Es sei klar zum Ausdruck gebracht worden, daß die Sympathie der amerikanischen Regierung vollkommen auf seiten der Italieni- schen und englischen Regierung sei. Wenn es -als notwendig erscheinen sollte, würde dieser Sympathie einoffiziellerAusdruck gegeben werden. Auch falls Frankreich sich weigere, die von England erbetene Sicherung zu geben, hätten die Vereinigten Staaten nicht die Absicht, eine isolierte Stellung einzu- neymen, _
Die neue Zusammenkunft der Alliierten.
Dz. London, 21, Mai. (Drahtbelicht.) Wie die Blätter melden, wird dl« interalliierte Zusammenkunft in B o u l o g n e Mitte nächster Woche stattfinden. Lloyd George,fahrt heute an die Sc«, um sich später von dort nach Frankreich zu begeben. Churchill wird Lloyd George wahrschernlicy begleiten. Italien. Japan und Amerika werden ebenfalls bei der Konferenz vertreten teilt.
(Drahtbericht.) „Daily Ervreß" ist der Ansicht, daß d ie V erhandlunaen des Ober st en R a t« s über Oberschlesien, die etwa Mitte nächster Woche l », Boulosne stattfinden sollen wahrscheinlich sensatio- n«ll sein wurden. Die Ansicht Englands sei. daß jede die den Friedensvertrag Unterzeichnete, ihn halten “f- Bevor die ober'chlestsche Frage nicht geregelt sei st pichen die ganzen Grundlagen der Alliance nicht auf festen
nennen.
Der braunschweigische Berfassungskonflikt.
Dz. Brannschweig, 21. Mai. In der Frage des braun-, schiweigischen Berfassungskonfliktes erbat sich der Präsident des Staatsgerichtshofes für das Deutsche Reich (in Leipzig) von dem Abg. H a m v e (Landeswahl- verband) die Einjendung des erforderlichen Materials. Nach der Geschäftsordnung des Staatsgerichtshofes ist jetzt zunächst der Gegner zu hören. Hierauf find zwei strittige Vorfragen zu erledigen. Die eine betrifft den bei der Beratung der Reichsverfassuns in der Nationalversammlung erörterten. aber nicht entschiedenen Streitpunkt, ob die Par-i lamentsMinderheit überhaupt den Staatsgarichts- hof anrufen kann; die wertere Streitfrage dreht sich darum, ob hier ein Verfassungsstreit im Sinne der Reichsverfassung verliest. Wenn der Staatsgerichtshof auch nur eine dieser Vorfragen verneint, kann er in der Sache selbst überhaupt -nicht entscheiden.
68 englische Soldaten auf dem Wege nach Leipzig.
I). London, 21. Mai. (Eig. Drahtbericht.) Gestern haben ungefähr 60 frühere englische Soldaten die Reise nach Leipzig angetreten unter Führung des Generalanwalts Dr. Sir Pollock, um als Zeugen in den ersten Prozessen der sogenannten Kriegsverbrecher aufzutreten. Es soll sich um vier erste Fälle handeln, deren Erledigung etwa drei Wochen in Anspruch nimmt. Die beiden ersten Prozesse betreffen den Hauptmann Müller und den Unteroffizier H e i n e n, die beide beschuldigt sind, im Kriegsgefangenenlager an englischen Gefangenen Grausamkeiten begangen zu haben.
Sperrung der griechisch-albanischen Grenze.
Dz. Paris, 21. Mai. Nach einer Havasmeldung aus Athen ist die griechisch-albanische Grenze aus Befehl der Athener Regierung wegen der jüngst in Koritza vorge- lommenen Zwischenfälle geschlossen worden.
