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Donnerstag, 8. April 1928.
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Abend-Ausgabe. T
Nr. 164. ♦ 68. Jahrgang.
Ernste Mahnung.
Es konnte von dem ruhigen und vernünftigen Sinn der FraAkfurÄu Bevölkerung, der sich schon so oft in letzter Zell bei schwierig« Slturrtivnen bewährt hat, erwa>rtet werden, mtd ist von den Unterzeichneivn mit Bsstimmth-eit und Der- trwwsn erwartet wollen, datz st« auch gegenüber dem neuen Ereignis des Einmarsches französischer Triippen, trotz der Gefühle, d;e uns alle «beherrschen. die erforderliche Würde wahren und «K den berufenen Stellen überlassen würde, in wirksamer unb Wfolgvorspocchender Weife dahin zu wirken, daß die von dom Herrn Obertommandierendsn General der alliierten Be- satzMmStrmppen ausdrücklich als nur vorübergehend bezeichnet« Besetzung ein baldiges Ende erreicht. Dedauerlicherwerse haben sich unbesonnene Elemente dazu hi-nreißeri lassen, mit Bcleidi-gungen und Tätlichkeiten gegen die französischen Be- satzuNgstruppen rorzusehen, ohne zu bedeuten, daß sie an den Tatsachen dadurch nichts ändern, wähl aber Deraulaffu-ug za Maßnahmen geben können, unter denen die gesamte Bevölkerung zu leiden hat.
58.t mißbilligen ausdrücklich diese Vorkommnisse und richten den dringenden Aufruf an die Einwohnerschaft. Ruhe, Besonnenheit um!d Würde zu wahren.
Wir warnen «uSorülKich und ernstlich vor wörtlichen und tätkchon Beleidigungen der DesatzumgStruppen und bitten dringend, alle Ansammlungen zu vermeiden.
Die Organ» der Polizei haben strenge Anweisung srhaL- ren, dt» Ordnung aufrecht zu erhalten und gegen alle, die sich ihren Amoe. jungen nicht fügen. unnochstchLch vorzugehen.
Der stellvertretend« Rem erumgspräsident: Coßmann.
Der Polizeipnäsideni' Eihtlcr.
Der Oberbürgermeister: Voigt.
Pariser und Berliner Auffassungen.
Zn der durch die französische Besetzung Frankfurts und anderer Städte in der neutralen Zone geschaffenen Lage ist bisher noch lerne Änderung rmaetreten. Das vielfach in Wiesbaden nerbreitete Gerücht, die französischen Besatzungstrupix-il seien am Mittwoch wieder rus Frankfurt zurückgezogen worden, bewahrheitet sich nicht. Leider kam es in Frankfurt am Mittwoch an mehreren Stellen zu oluriqen Zuiammelistößen, bei denen auch Todesopfer zu beklagen lind. Die Frankfurter Abgeordneten »nd der Magistrat der Stadt haben ebenso wie das hesilsibe Ministerium gegen die Besetzung Protest eingelegt. Unterdessen wird zwischen Berlin und Paris werter verhandelt und auch der Notenwechsel wird fortgesetzt. Rechtlich kommt für die Beurteilung der Sachlage in Betracht, dah nach dem Versailler Friedensvertrag Deutschland in der neutralen Zone überhaupt keine Trupven halten darf. Durch eine .iKssolutiou de- la Conference de la paix" vcm 8. August 1918 ist de: deutschen Regierung nachträglich gestattet worden, bis zum 10. April in der neutrale« Zone 20 Bataillone Infanterie, 10 Schwadronen Kavallerie und 2 Batterien Artillerie zu unterhalten. Die Franzosen erklären, datz entgegen dem Wortlaut und dem Sinn der Abmachung Deutschland augenblick- nch in der gesamten neutralen Zone 81 Bataillone Infanterie, 13 Schwadronen Kavallerie und 23 Batterie» Artillerie unterhalte. Überdies seien Spezialtruppen fMinenwerser, Panzern,rtos. ein Panzerzug, Scheinwerfertrupps) im Ruhrgebiet anwesend, non denen im Zusatzabkommen überhaupt gar keine Rede gewesen sei. Deutschland habe ferner von dem Kriegsmaterial so gut wre nichts abgeliefert. Die Tanks, mit denen die deutschen Truppen in Duisburg einaerückt seien, dürften sich nach dem Friedensvertrag überhaupt nicht mehr rm Besitz des deutschen Heeres befinden Ein Teil schwerer Geschütze, die vertragsmäßig abzuliefern oder unbrauchbar zu machen waren, seien durch Verschiebung oder sonstwie sogar in den Besitz der Roten Armee gelangt, die die deutsche« regulären Truppen damit bekämpfe. Demgegenüber stützt sich die deutsche Regierung darauf, daß zzpar die Zahl der Einheiten in der besetzten Zone höher als erlaubt sei, datz aber die Zahl der Mannschaften nur um wenige tausend Mann die vorgesehene KoMärke übersteige. Darau? entgegnen wiederum die Franzosen, dah die Zahl der Mannschakten überhaupt schwer zu prüfen fei, dah vertragsmäßig auf die Festlegung der militärischen Einheiten schon um deswillen Gewicht gelegt worden sei, weil davon auch n. a. die Ztchl der erlaubten Maschinengewehre bestimmt werde. Auf diese Weise wird sich im Widerstreit der Auffassungen schwerlich eine Einigung erzielen lassen. Es gilt die Schwierigkeiten, Venen sich die deutsche Regierung durch die Räuotaten der Roten Armee gegenübersah. zu berücksichtigen. Wir hoffen daher, dah die Verhandlungen zwischen Paris und Berlin, jetzt nachdem die Ordnung im Ruhrgebiet wiederhergestellt ist, sehr bald zur Zurückziehung der französischen Truppen aus der neutralen Zone führen werden.
Zwischenfälle in Frankfurt.
Dz. Frankfurt a. 2K n 7. April. Heute ist es an verschiedenen Stellen der Stadt zu bedauerlrchicn Zwischenfällen gekommen zwischen der Levölke- me «nd den^MytzüNZSiMpses. - N§H »
teilung der Rettungswache sind dabei sechs Personen getötet und 35 verwundet worden.
Frankfurt, 8 April. Über Sen Zusammenstoß an der Hauptwack,e melden die „Franks. Rachr." noch:
Die Volksleidenschaften führten Mittwochnachmittag kurz nach 2 Uhr zu einem Zusammenstoß an oer Hruptwache. Eine dichte Menschenmauer belagerte seit etwa 1 Uhr den von Marokkanern besetzten Schillerplatz und gab chren Ge- fiihlen über den angeblich bevorstehenden Abzug der Franzosen Ausdruck. Aus bisher nicht aufgeklärten Ursachen gaben die Truppen eine Anzahl Schüsse auf die Menge ab. Mehrere Personen stürzten tot zu Boden, eine Anzahl wurde verletzt. Die Rettungswache wurde sofort alarmiert und schaffte die Opfer in mehreren Wagen forr. Die Salven bewirkten, datz ftrr einen Augenblick Ruhe einte rt. Doch schon roch wenigen Minuten umringte wiederum eine undurchdringliche Menschenmauer den Platz und erging sich in Ver- wünschungen. Inzwischen erschien Polizeipräsident Ehrler und ließ sich von den Offizieren die Einzelheiten erläutern. Als Herr Ebrler mit einem französischen Offizier sein Auto besteigen wollte, drängte die Menge an den Dagen heran, dem noch Steine und dergleichen nqchgeworsea wurden. Inzwischen hatte man in den verschiedenen Kasernen die französischen Truppen alarmiert, die in dichten Zügen anrückten und die Hauptwache besetzten. Panzerautos fuhren unmittelbar vor der Hauptwache aus, Masckinengew:hre wurden cm den Straßenecken ausmontiert. Doch unbekümmert um die Todesgefahr durchwogte die Menge die Strecke von der Hauptwache bis brr den „Frankfurter Hof".
Auch vor dem Hauptbahnhof svielten sich erregte Szenen zwischen dem Publikum und den Truppen ab. Doch konnte hier Blutvergießen verhindert werden. Einige Zivilisten wunden verhaftet und der Gntlerrtkaserne zugeftrhrt. Bon 2 Uhr ab versahen auch zahlreiche Hilfspolizisten nur um- neüängten Gewehren im Verein mit den Franzosen den «icherbeitsdienst.
Rach Mitteilungen der RetdungMvache sind bei den Zusammenstößen iechs Personen getötet und 3 5 verwundet worden. An den HaupiverkehrSpitnkten wurden verstärkte Wachen aufgestellt, auch das Volksbildungsheim bekam eine Wache, blieb aber für den Verkehr ftei.
«,7. Mainz, 8. April. , (Drahtbericht.) Das „Echo du Rhin" schiebt in einem Bericht über die gestrigen Zwischenfälle in Frankfurt die Schuld für die bedauerlichen Bor- kammr.isse dem Verhalten studentischer Gruvpen zu. die offenbar auf Geheiß die Stadt durchzogen und die Bevölkerung gegen die Besetzungstruppen aufgereizt hätten. Über den Vorfall bei der Hauptwache. berichtet das Blatt, datz die marokkanischen Soldaten, die dort postiert waren, von der Menge ausgepfi ffen und be lä stigt worden seien.
Von anderer Seite erfahren wir zu lhea Vorfällen, daß es sich um bedauerliche Mißverständnisse auf beiden Seiten gehandelt hat, die durch übergroße Nervosität beiderseits veranlaßt wurden:
Dz. Frankfurt a. 7. April. Infolge der heutigen Vorkommnisse fordern der Oberbürgermei st e r und der Polizeipräsident in Mauer- anschlägen die Bevölkerung auf, Ruhe und Ordnung zu bewahren, da der stellvertretende Kommandant der Rheinarmee, d e M e tz, ausdrücklich erklärt habe, datz die Besetzung nur eine vorübergehende sei. Unbesonnene Handlungen würden nur zu einer Verlängerung der Besetzung führen.
Rein Abzug bet Besatzung.
* Frankfurt a. fBL, 8 April Der kommandierend« General D e m e H gibt bekannt:
Das Gerücht von dem Abzug der französische» Besatzung istdurchaasfalsch. Die Besatzung bleibt, mir gestern augekSnvkgt.
Bb Berlin, 7. Die ani Mittwochmorgen
verbreiteten Gerüchte, datz dis Franzosen zum größten Teile wieder aus Frankfurt abmarschiert seien, bestätigen sich nicht Ebenso trifft es nicht zu, datz der Belagerungszustand dort aufgehoben sei Auf dem Bahnhof Frankfurt wird der Durchgangsverkehr aufrechterhalte«. Es dürfen aber in Frankfurt Reifende weder ein- noch ausstcigcn.
Tic Sicherbeitspulize», iutrrniert.
»hz. Paris. 7. Avril. Havas meldet -ms Frankfurt a. M„ haß trotz der Proklamation des Belagerungszustandes gewisse Zeitungen erschienen find. Die Leute der Sicherheitspolizei rechnen darauf, daß sie hingehen können, wo es chnen beliebt. Nachdem man sie entwaffnet hatte, teilte man -bnen mit, daß sie als Kriegsgefangene gellen und in dieser Eigenschaft im Lager von Griesheim interniert würden.
Proteste gegen die Besetzung.
mz. Frankfurt a. 28., 7. Avril. Magistrat und Etadtrerordnetenversammlung der Stadt Frankfurt a. M. haben beim oberkommandierenden General der französische« Beiatzungstruppen wie folgt, gegen die Besetzung der Ciadt Frankfurt Protest eln- goiegt:
Der Maqistrat und die Siadtverordnetenper,aaunlun-; als die berufenen Vertreter der Frankfurter Bürgerschaft legen feierlichst Verwahrung ein gegen die der: Fuvdenszustand widersprechende Besetzung der ^ Stadt
Fiomkfurr a. M. Sie erwarten einmütig mit der gesamten Bevölkerung, daß der völkerrechtlich- und. 3“-
tzmtz nWE. Nichers-vgSstM . rmcd.
Bb. Frankfurt a. Dich 7. April. Die Abgeordneten der drei Alebrheirsparteien üder- reichten heute dem General Degoutte einen Protest, in dem es u. a. heißt:
Die Bevölkerung Frankfurts, vertreten durch die Abgeordneten der drei Parteien, die die Regierung der deutschen Republik bilden, erhebt in Übereinstimmung mit dem Magistrat Einspruch gegen die unberechtigte Besetzung der Stadt durch französische Truppen. Die zur Iiechtsertigung der Besetzung angeftihrteu Gründe widersprechen durchaus dem tatsächlichen Verhältnissen. Die Proklamation des französischen Oberkommandos versichert, daß die fvrnzöfi- schen Truppen nur zur vorübergehenden Besetzung nach Frankfurt kcrnmen, und daß sie sich jeden Eingriffs in die Rechte der Zivilbevölkerung enthalten. Daher erhebt die Bevölkenrng entschiedenen Protest gegen die Verhängung des Belagerungs-ustmades, die Aushebung oer Pretzfteiheit und die Verletzung ihrer verfassungsmäßigen Rechte.
uz, Tarmstedt, 7. April. Bei dem Staatspräsidenten Ulrich svruch beute morgen Oberst W i m v f f e n in Begleitung des. französischen Verbindungsoffiziers vor und teilte mit, daß er von der Hohen Interalliierten Kommiffion m Kol lenz beauftragt sei, die Verbindung zwischen der hessischen Regierung, der Bevölkerung, den hiesigen Br» s-chungstrvppen, dem französischen Oberkommandeur in Mainz und der Hohen Kommission in Koblenz herzustellen. Der Staatspräsident wiederholte seinen bereits ^gestern aus« gesprcchenen Protest gegen die Besetzung, die er als u n » zulässig und ungerecht betrachten muffe, da sie mit dem Friederrsvetztrag und dem Rheinlandsabkommen nicht zu vereinbaren sei. Bon seiten des Obersten Wimpfsen wurde darauf wiederholt zrigesagt, daß die hessische Regi - r u n g in ihrer amtlichen Tätigkeit und in ihrem Verkehr mit den Reichsbehörden vollkommen frei und '.inbehindert bleibe, daß die Besatzung von DarmstM sob.rls als möglich eine wesentliche Minderung erfahren und nach Möglichkeit eine dem Zustand in den bisherigen besetzte'.» Gebieten enffprechende Lage geschaffen werdwr solle.
Der Bahn- und Pvstverkehr wieder freigegrbe«.
-,nz. Frankfurt, 7. April. Den hiesigen Zeitungen ist daL Erscheinen vou Donnerstagfrüh ab wieder gestattet unter der Voraussetzung, daß sie die heutige Bekanntmachung des hiesigen Polizeipräfidenteii auf der Titelseite bringen/ Die Redaktionen sind jedoch für jeden Hetzartikel und für jede falsche Nackricht verantwortlich. Für Zuwiderhandlungen sind hohe Geldstrafen, evtl. Inhaftnahme des belrcffer.den Redakteurs, vorgesehen. Der Tekegrasinm- und Fernsprechverkehr, der gestern früh vollständig gesperrt war. ist inzwischen wieder freigegeben Word«,?. Auch der B a h n v e r k e h r vollzieht sich seit heute abend wieder, in normaler'Weise.
Die Franzvsr« i« Hvmbnxg.
« Paris, 7. Apxil. Havas meldet amtlich aus MDatz: Die gegen Frankfurt, Darmstadt, Dieburg rmd H».nau im Laufe^ deö 6. April unternonrmenen militärischer Operationen sind im Laufe des 7. Zlpril durch die Besetzung Homburgs, 15 Kilometer nördlich von Frankfurt, e r g a n zt worden. Die Besetzung Homburgs ging ohne Zwischenfall vor sich. In dem neubesetzten Gebiet ist alles richig.
Eine Erklärung des franzöfifch»« Geschäftsträgers.
Br. Berlin. 8. April. (Eig Drahtbericht.) Der französische Geschäftsträger in Berlin sprach gestern beim Minister des Auswärtigen und Reichskanzler Hermann Müller vor, um namens der französischen Regierung die Erklärung abzu- geben, daß die französische Regierung nicht beabsichtige, Deutschland an der Wiederherstellung der Ruhe und Ordnung im Ruhrrevier zu hindern. Der französische Vormarjch habe lediglich den Zweck, Frankreich Sicherungen dafür zu schaffen, daß sich die Truppenansammlung im Äuhrrevier nicht zu einer Bedrohung Frankreichs auswachsen könnten. Die französische Regierung müsse den Vorwurf zurück- weisen. daß ihrem Vorgehen die Absicht einer Einmischung in die inneren deutsckwn Angelegenheiten zugrunde gelegen habe.
Br. Berlin, 8. April. lEig. Drahtbericht) Wie wir erfahren, wird von der Reichsregierung dre Fragern Erwägung gezogen, ab es angesichts der Haltung der französifchen Regierung angängig fei. weitere Schritte zu unternehmen, um die französische Regierung zu veranlasien, den angeordneten Einmarsch in neutrales Gebiet zurückzuziehtzn. Man hat dabei die Möglichkeit in Betracht gezogen, die Angelegenheit vor einem internationalen Esrichtshof M bringen.
Eine Kundgebung der Nationalversammlung.
Sr. Berlin, 8. April. (Erg. Drahtdericht.) In der Nationalversammlung, die wabcscheinlich am Samstag j’afctr.nter.treten wird, beabsichtigen die Parteien, gemeinsam eine Kundgebung zu erlaffen, in welcher aufs schärfste gegen den französischen Einmarsch in Frankfurt, Hanau und Darmstadi protestiert wird. In der Sitzung wick schließlich der Reichskanzler Hermann Müller noch ein« Erklärung über die Vorgänge abaebsn, wonach dix öy> fcSBfe hW MxtMN »Mit maß».
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