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ie immer auch sein Familienname sein mag, sein Taufname ist Egon! Er ist groß, schlank, kräftig, blond, blauäugig, hat einen bestechenden Schnurrbart, einen bezwingenden Blick und die Gesten eines, der entweder zu sterben oder zu siegen bereit ist.
Natürlich ist er Leutnant bei der Gardekavallerie gewesen und ebenso natürlich bewirtschaftet er jetzt das große, allerdings tief verschuldete Gut seines Vaters, des alten, gichtleidenden, aldelsstolzen Amandus Freiherrn von Pohenstein-Tiefthal.
Egon schießt unübertrefflich, Egon ist ein bewundernswerter Reiter, Egon genießt als Sportsmann einen großen Ruf. Um Egon haben sich in der Stadt die Mädchen gerissen — aber Egon ist dennoch ein Mann von schlichtem Sinn, von Gefühlstiefe und von einem lauteren Charakter geblieben. Dieser schlichte Sinn, diese Gefühlstiefe und dieser lautere Charakter dokumentieren sich in der Tatsache, daß Egons perz in edler Liebe zu einem einfachen bürgerlichen Mädchen entbrennt, Irmgard mit Namen, die, abgesehen von einer kompleiten Aussteuer und 1800 Mark Ersparnissen, nichts ihr eigen nennt als ihre Ehre.
„Ich will sie. zu der Meinen machen", sagt Egon in einer bewegten Unterredung mit seinem Vater, „gib uns, o Papa, deinen Segen!"
„Nie", entgegnet darauf mit grollender Stimme Amandus Freiherr von Vohenstein-Tiefihal, indem er drohend seinen Krückstock erhebt, „nie werde ich es dulden, daß eine Bürgerliche den Namen meines erlauchten pauses beschmutzt!"
„Vater!" begehrt Egon wild auf.
„Egon!" hebt dumpf der Freiherr seine warnende Stimme.
Und er setzt um einige Nuancen milder hinzu:
„past du vergessen, daß wir nahezu ruiniert sind? Daß uns nur eines retten kann: deine Verbindung mit der reichen, verwitweten Gräfin Siebel-Tintenhausen? Die Gräfin erwartet deinen Antrag. Das Interesse unseres ftauses erfordert es, daß du nicht zögerst! Wähle!"
Egon sinkt gebrochen auf einen Stuhl, stützt sein Paupt mit beiden Bänden, stöhnt und kämpft einen schweren inneren Kampf.
Schließlich aber erhebt er sich, schüttelt mit edlem Freimut das ckfaupt und erklärt:
„Niemals!"
Und er stürzt in sein Zimmer hinauf, um sein Bündel zu schnüren, dem Vaterhause Valet zu sagen und in der Ferne als Weinreisender, Versicherungsagent oder Kellner sein Glück zu versuchen.
Da aber — —
Sie."
n-~ 1
Ihr Name ist I r m g a r d.
Ihr Vater ist Postsekretär, ihre Mutter leidet an perz- - beklemmungen und sie hat einen Bruder, Andreas mit Namen, der einmal einem ins Wasser gefallenen Kinde das Leben gerettet hat und dafür die Ehrenmedaille erhalten hat.
Irmgard ist erst 18 Jahre alt, hat schwärmeriscbe Augen und ein perz aus lauterem Golde.
„Muttchen", äußert sie eines Tages zu ihrer an Herzbeklemmungen leidenden Mutter, indem sie innig beide Arme um sie schlinqt, „Muttchen — ich kann ohne ihn nicht leben!"
Die Frau Postsekretär greift vor Schreck ans Perz.
„Kind, — was wird der Vater dazu sagen?"
Irmgards Augen leuchten in schwärmerischer Verzückung auf.
„Muttchen — wenn ich ihn aber doch so sehr liebe!"
Allein ihr Vater, der Postsekretär, will von dieser Verbindung absolut nichts wissen. Er ist bürgerstolz, wie der alte Freiherr adel-stolz ist, und er hat außerdem bei einem Bureau über den jungen Baron Auskunft eingezogen.
„Du wirst den jungen Kühlbeutel heiraten", erklärte er kategorisch, „und damit basta! Kühlbeutel ist Buchhalter beim Sparverein und hat ein fixes Einkommen von jährlich fünftausend Mark. Dein sauberer Baron aber hat nur Schulden!"
„Vater!" schreit Irmgard gequält auf.
„Diine!" gibt der Vater donnernd zurück.
„Ich gehe inswasser!" schluchzt herzzerreißend Irmgard.
„Ich — ich — -—" hebt der Vater drohend die Faust.
Aber in diesem Augenblick tritt Andreas, der Bruder, mit beschwichtigenden Worten zwischen die beiden, indem er mH fester Stimme erklärt:
„Sei ruhig, lieber Vater, ich verbürge mich für die Ehre unserer Irmgard!"
Seit diesem Tage welkt Irmgard dahin. Sie wird blaß und blässer, schwach und schwächer, sie hustet, sie hat Atembeschwerden, sie ist blutarm, bis der Sanitätsrat, der hinzugezogen wird, eines Tages bedenklich den Kopf schüttelt und sagt:
„Sie muß nach dem Süden!"
Irmgard lächelte nur traurig und äußerte mit matter Stimme:
„©, ich sterbe gern!"
Die Mutter greift in jähem Schreck mit beiden tjänden nach ihrem kranken Perzen.
„Mein Kind!" schreit sie auf.
„Irmgard!" sagt zärtlich der Bruder Andrea» und streichelt der Schwester die beiden Wangen.
