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Dienstag, 13. Januar 192V.

Abend-Ausgabe.

Nr. 20. ♦ 68. Jahrgang.

Deutschland und der Friede.

Eine Untere-düng mit Herrn». Lersnc7.

mz. Paris, 12. Jan. Ter Vorsitzende der deutschen Friedensdelegation Frbr. v. LerSner hat den Vertretern von Havas. Reuter und der Associated Pres; ein Interview gewährt, in dem er ans Fregen der Pressevertreter folgendes ausii'hite: Das Jnkrastsetzen des FriedenZvertrages legt

Deutschland die schwer st en Opfer auf, die wohl je einem Volke anferlegt worden siriü, so besonders durch die A b - r r e t u n g von Gebieten, die seit Jahrhunderten zu Prentzen gehörtzen, und die ungeheuerlichen wirtschaftlichen Vervflichftingen. Trotzdem ist die Wiberh-rstellung des Frredenszustandes erfreulich, denn Dsutschland bekommt damit seine hcißersehnten gefangenen Söhne zurück. Herr Clemenccau hat mir erklären lassen, daß die Gefangenen- svage mit keiner anderen Frage verknüpft wird und dass die Helmsendung noch heute erfolgen wird. Sie soll ohne Unter­brechung auf dos schnellste durchgeführt werden. Das haben mir die Herren Loucheur und Dutasta versichert. Deutschtano hat bereits, ohne durch den Friedens-Vertrag verpflichtet zu sein, mit der Ausführung seiner Verpflichtungen begonnen, z. B. bezüglich der Kohlenlieferungen. Deutschland wird in der Ausführung seiner vertraglich übernommenen Verpflichtlingen bis an die Grenze des Möglichen gehen. Wir hoffen, dass das deutsche Volk durch die allmäh­liche Wiedergewinnung seiner Aebeitüfhendigkeit auch diese schwere Zeit überwinden wird. Das Wirtschaftsleben Deutschlands und der Entente, vor allem Frankreichs, ist auf das engste miteinander verknüpft; das wirtschaftliche Gedeiken Frvnkreichs ist zum guten Doil von der wirtschaft­lichen Erstarkung Deutsckssands abhängig. Eine rücksichtslose Durchführung der Ausliefe rungsfrage wird die schwersten Bedenken für die Ruhe und Ordnung Europas im Gefolge baden. Die deutsche Regierung hat bereits auf die katastrophalen Folgen hingewiesen und Anregungen gegeben zur Lösung dieser Frage. Deutschland wollte sich verpflichten, olle von der Entente namhaft gemachten Beschuldigten in Deutschland vor dem Obersren Gerichtshof unter Anklage zu stellen und Vertreter der Entente als öffentliche Ankläger mit weitoebendstem .Kontrollvecht znzulafscu. Es ist nicht ansgeschlrssen, dass diese Frage nunmehr von der Entente aust? ernsteste erneut geprüft wird. Der deutsche Vor- schleg geht weit über das hinaus, was seinerzeit Serbien unter kam Beifall der gesamten Entente OstervÄch gegenüber oblehnte. Ich kann mir nicht vorstellen, daß unsere früheren Gegner ein Interesse daran haben, die Wiederherstellung normaler Verhältnisse durch diese Frage zu crschvercn.

Das Echo der Schtveirer Presse.

IN z. Bern, 12. Jan. Das Fnkvafttreten des Friedens­vertrages begegnet in der Schweizer Presse einer gewissen resignierten A n t e i l n a h m e, die sich von dem einen Gedanken leiten läßt: Die Welt wollte den Frieden und' habe ihn erhalten. Die »Neue Zürcher Ztg." bemerkt: Mannigfache Enttäuschungen begleiten den wenÄit Zustand, auch in den Augen derer, die nicht des naiven Glaub«r!s sind, daß ein Friedentschluß stets ein großes Zeit­alter einleiten muß. Der Frisdensvertrag schließt eine Ära der Untertanenschaft für Deutschland ab, aber er leitet so­gleich eine Periode von internationalen Verpflichtungen ein, von denen manche schwer auf Regierung und Volk lasten wer­den. — DäS ..Journal de Genevc" weist darauf hin, daß die einen den Friedensverrrag zu hart, die anderen ihn nicht hart geni'g gesunden haben. Der Vertrag halte die goldene Mitte ein, und es komm« allein daraus an, wie man seine Bestimmungen anwendet. — Unzufrieden mit dem Vertrag sind n'.'r die westschweizerischen Propagandablätter, von denen ..Journal de Lausanne" schreibt, daß nian Deutschland hätte r«eu bilden müisen, wenn man es nicht schon völlig auf Gnade und Ungnade hätte besiegen wollen.

Der Frieden im besetzten Gebiet.

Ein Aufruf der interalliierte« Rheinlandkommiffion.

mz. Koblenz, 12. Jan. Das amerikanische Hauptquartier inacht die Verordnungen der intevalliiecteu Rheinlands- komn'ission, bktr. das Gesetzgebungsrecht und die Verwal- tur.gSbefugniS der Kommission, bekannt, ebenso Befehle der militärischen Behörden und Verordnungen über die Aus­führung deutscher Gesetze und Verordnungen in den besetzten Gebieten. Alle vom amerikanischen Hauptquartier für die Zivilbevölkerung erlassenen Verordnungen, die mit den jetzigen Bestimmungen in Widerspruch stehen, werden außer Kraft gesetzt. — Gleichzeitig wird -ein Aufruf der Hohen interalliierten Rb.einlnndskommiffion veröffentlicht, wonach mit dem Tage des Friedensschlusses die Hohe interalliierte Kommission für die besetzten Rheinlande die oberste Ver­tretung der alliierten Regierungen in den besetzten Gebieten übernimmt. Es beißt darin, die Hohe interalliierte Kom­mission werde gemäß den Anweisungen der alliierten Regie­rungen bestrebt sein, der rheinische« Bevölkerung die Lasten der Besetzung so leicht wie möglich zu machen unter der einzigen und ausdrücklichen Bedingung, daß es der deutschen Regierung Ernst sei, den Völkern, die «in Opfer (des Krieges geworden feien, die ihnen zustehenden Entschä­digungen zu leisten. Der rheinischen Bevölkerung wird oie genaue Ausführung der freiheitlichen Grundsätze des Be- satzr ngsstatutes zugesichert. Andererseits müsse ofcer Sorge getragen werden, daß die Sicherheit der Truppen in keiner Weile gefährdet werde Die Kommission hoffe auf das ge- »re in saure Mitwirken der deutschen Beamtan und Debörden, um im vollen Einvernehmen mst ihnen der Be- flÜKff*•*•"'* bot ficsefctat Gebiete Ordnung, A r be i t u n d

F r e i b e i t zu gewähren bei ungehinderter Ausübung ihrer öffentlichen und privaten Rechte und legitimen Bestrebungen. Die Kommission hofft, daß das Zusammenleben der alliierten Truppen und der rheinischen Bevölkerung keinen Anlaß zu Reibungen gebe, sondern vielmehr den Völkern ein Mittel sein werde, 'ich besser kennen zu lernen und, durch das Band der Arbeit, der Ordnung und des Friedens geeinigt, einem besseren Zeitalter entgegenzusteuern.

Tirard übernimmt die Vcrwaltungsbefugnisse.

mz. Mainz, 12. Fan. Der Sonderberichterstatter des „Echo du Rbin" meldet aus Koblenz, daß der französische L?trrkcmmisscrr für die besetzten -Nbeinlande, Tirard, gestern nachmittag von Paris, wo er an der Zeremonie ter Natifizierung des FriödrnSvectraaes teilgenommen twtie. N'.rückaekehrt ist. Er begab sich unter militärischer Eskorte zu dem Palais der Hohen interalliierten Kommission, aus deni alsbald die französische Fahne gehißt wurde. Kurz daraus halte er mit seinen Kollegen von der Hohen Kom­mission eine Zusammenkunft, um sich bezüglich der Art der offiziellen Übernahme der Verwaltungsbefugmsse schlüssig zu werten Nachdem dies geschehen, wurden auch die belgische, die englische und die amerikanische Flagge neben der französt- scheu auf dem Palais gehißt.

Der Völkerbund.

bl H-rsea, 12. Jan. (Funspruch.) Eine MeLung ans Paris besagt, daß die erste Zusammenku n f t des Völker üundsrats aus Frvitag, den 16. .^an.. loy,Ut)r Mrmirtags, festgesetzt wurde. Leon Bourgeois wird >die Schumg nit einer kurzen Rede eröffnen. Eurzan vertritt Groß­britannien, di Martino Julien. Huhsmans Belgien. D°e »merikani'sche 'Botschaft bat dem Präsidenten Mchon drahtlich »n -der Festsetzung des Zsitprmktes Mitteilung gemacht, damit xr Prä»si,dent die evstze Zu'sLvnvM'enkiLnst ÄsK VÄ^^-bunbe-s^. Wae mr Versailler ftriedeirsverkraH vorges-eb-eri. ^berufen &mne. Der BA^erbmiid wird mit ober ohne >d i <c Derer n r g - l«m Staaten in sehr kurzer Zeit in .Kraft treten.

Die Eisenbahnerbewegung.

Relchsrnmister Be« über die Lage.

mz. Berlin. 13. Jan. Reichsminist« Dr. B e l l erklärt« einem Mitarbeiter des „Achtuhrabendbiattes" über oie Sisenbahner­be w e g u n g: Trotz des bewilligten Stuudenlohnes von 3,50 M. seien neue Forderungen aufgestellt worden, insofern als der urue Lohnsatz schon ab 1. Oktober >919 gelten solle. Der Ernst der Lage bedrohe unser ganzes Wirtschaftsleben. D,e Streiken­den lüden eine ungeheure B e ra n iw v r t u n g aus sich, wenn sie weiier im Ausstand verharrten. Schon jetzt machten sich d-e Fol­gen dc« Ausstandes schwer bemerkbar. Selbst nach Beendigung des Streiks würden di« schädigende Wirkungen noch fühlbar sein, da die anachäufteu Vorräte erst allmählich wieder abtransportiert wer­den könnten. Die Gründe der Elsenbahnerbvoegn-ig slien nicht ganz klar. Von den Organisationsleitungeii der Eisenbahner m Berlin werde der Streik nicht gebilligt. Meiner Ansicht nach sei die Bewegung bei den Eisenbahnern nicht rein politischer Naim. Auch dieser Streik werde von den kommunistischen Agitatoren für ihre »wecke ausgenützt, ohne daß die Ttreikenrei! selbst dies wnß- ten. 'Daher hätten auch di« Orgamsatwnsleitnngen ihre Lente «r fest in der Hand.

mz- Elsen, 13. Jan. In einer Versammlung streikender Eisen­bahner wurde gestern folgendes Programm ausgestellt: 1. Nach- zal lung der neuen Löhne ad 1. Januar 1919; 2. Gewährrmg einer Wirtschastsbeihilse- 3. Einreihung der gesamten Industrie ,n die erst« Wirtschastsklalle; 4. Solidarität mit den Forderungen der Ersen- bahnbeamten; 5. Aussperrungen aus Anlaß des Strcrks dürfen nicht stattfinden. Dieses Programm »mm einstimmig angenommen. Ein Vertreter der Gewerkschaft deistjcher Eisenbahnbeamtcn erklärte, daß di- Eisenbahubeamten infolge der Bewilligung ihrer Forde- rungen nicht mehr im Streik verharren, daß sie ab« unter keinen Umständen den streikenden Arbeitern in len Rücken fallen werden.

mz. Düsseldorf. 12. Ja». In der StrciNage ist keine Änderung eingetrcien. Rach einer Verordnung des Mtlrtar- befehlshabers werden Theater. Kinos, Bars sowie Konzertlokale ge­sperrt. Diese Maßnahme ist notwendig, weil nur unter dieser Be- dingnng die Streikleitung Kohlen liefert. Di« Bedingungen der Streikleitung erfordern auch weiter die Absperrung der geiv«blich«, Betriebe vom Strombezug. Dadurch werden über zehntausend Ar- beiter, die bisher ohnehin nur sechs Stunden aroeiten koniste», ar­beitslos. Milderungen zu erreichen war unmöglich.

mz- Essen. 12. Jan. Die Eisenbahndir-ktion Essen ver-sfenl- licht eine Aufforderung an särntliche Eisenöahnbedienstete ihres Be- zirks, wonach diese sich ,eder unbefugten Einmischung in Betrieb und Verkehr der Eisenbahn zu enthalten und den Dienst sofort wieder auszunehnien haben. Wer seine Arbeit nicht spätestens am Mitt­woch, den 14. Januar, ftüh plaumnßiz wieder aufnimmt, ist ent-

lassen. , m

mz. Berlin, 12. Jan. Eine Versammlung von Vertrauens­männern m Breslau hat laut ,Vo,lisch«r Zeitung" den Eisenbahner- streik in ganz Schlesien beschlossen.

mz. Berlin, 12. Jan. Mehr als eine halb« Million Tonnen Kohlen, die sür die I n d u st r i e und als Hausbrand be­stimmt sind, sind im Essen« Bezirk verladen, können aber wegen der Streiks nicht abgefahren werden..

IV. T.-B- Düsseldorf, 13. Jan. (Drahtb«icht. > Bisher ist keine Veränderung in der Streiklage eingetreten. Die .Hauptstreikleitung hat in Berlin einen Antrag gestellt, nachdem die Eisenbahnarbeit« bereit sind, die Arbeit unter folgenden B e- dingungen auszunehnien: Erhöhung der Abschlagszahlung auf di« bewilligten «höhten Stundenlöhne von 40 aus 70 Ps. rückwir­kend vom 1. Oktober 1919, zugleich, um der augenblicklichcn Notlage abzuhelsen, eine Vorschußsnmme von 100 M., deren Sicherheit durch die bewilligten Lohnerhöhungen gesichert ist.

Di« Streikleitung empfiehlt die Wiederaufnahme der Arbeit.

\V. T.-B. Düsseldorf, 13. Jan. (Drahtbericht.) Die Zentral, srreikleitung in Elberfeld hat in spar« Abendstunde die Parole ausaegeben: Nachdem die Reginung hinsichtlich der Forlwrungen der Arbcllcr bestimmte Garantien gegeben yat. wird den Arbeiter»

empfohlen, die-Arbeii wieder aufzunehmen. Nach Anweisung der Eiseubahndircktion Elberfeld wird den Ar- Leitern der geforderte Vorschuß von 100 gezahlt werden.

*

Streikhetze bei den Bero orbeilern.

mz. Essen (Ruhr), 12. Jan. Im R u h r g e b i e 1 sind die Be­legschaften von drei Zechen in den Ausstand getreten. Trotzdem von radikaler Seite zum General st rei! im Ruhrg-rorrt gehetzt wird, glaubt man. eine Stillegung der Zechen vermeiden zr können, wenn es gelingt, die zahlreichen A r b e i t s w t 11 1 g e it z u schützen. Im westlichen Industriegebiet ist durch Sabotage der Streikenden der Telegraphen, und Telepbonverkchr erheblich geschädigt worden. Nach einwandftei« Feststellung handelt es sicb bi«bei um ein vorbereitetes Komplott zur Storung des drahtlichen Verkehrs. An zwei Stellen sind Kabel mit ie 25 Lei­tungen znhackt worden. Die Belegschaften und andere technische Angestellte arbeiten an der Behebung der Störung. Unter dem Druck der Verhängung des Ausnahmezustandes erklärten sich heute mich die Streikenden bereit, die Anschlüsse für gemei'.tnühige Zwecke wied«herzustellen. Das Reichspostmilnsterium' »«handelt mit den Telegraphenarbeitern.

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Arbsitswie-eraufnahme im DerficherungsgeWerbe.

mz. Berlin, 12. Jan. Den Abendblättern zufolge sind dir Angestellten der Berliner BersicherungSunternehinnngen heute früh vollzählig an ihren Arbeitsstellen erschienen. Die Arbeit ist in vollem Umfang wieder ausgenommen wor­den. Zu Kundgebungen ist es nirgends mehr gekommen.

M im\m SM- mi iMjmr» m ?el«!Wk!i SieSlllWSMNI.

Von Dir. Eisinger (Wiesbaden).

II.

Da die Lcrndlvirftchwft ein schwerer Beruf ist und mifo noch für Jahre, viellei« Jahrzchnte der schwerste und im Ver­hältnis zur notwendigen Ärbeits-Ieistung und Entbchruna bleiben wird, so werden die Anforderungen an Bauernland sick> voraussichtlich in Grenzen halten, die noch auf lange Zeit aus dem Großbesitz und durch Urbarmachung von Odländereien, Mooren und dergleichen befriedigt werden können.

Beabsichtigt nun ein der Landwirtschaft seither Fernstehen­der, sich eine Bauernfiedlung zu erwerben, so gilt es zunächst, den landwirtschaftlichen Beruf auf das gründlichste zu erlernen. Die Landwirtschastskammer wird sich bemühen, geeignet« gut- geleites« Dauernbetriebe, die als Lehrwirtschaften :n Betracht kommen, aussindig zu machen und die Unterbrin­gung dn Lehrstellenfuchenden in diese Wirtschaften zu ver- mitteln. Eine mehrjährige, etwa dreijährige Lehrzeit ist not­wendig. In diese Lehrzeit kann der notwendige zwei Winter­halbjahre umfassende Besuch einer landwirtschaftlichen Schule fallen. Diese Schulen befinden sich schon heute in fünf Orten des ReoievungsbezirkS. ES wird aber angejtrebt, daß jeder Kreis baldigst eine solche Schule erhält. Dadurch würde der Besuch der Schulen noch weiter erleichtert werden. Bei einer dreijährigen Lehrzeit in einem 'Betrieb könnte wohl in der Rege! von der Zahlung eines Lchrgeldes abgesehen w«den, weil du: ArbeitÄeistung :n den letzten Jahren die durch die Ausbildung de» Lehrlings in den ersten Jahren in der Regel hervorgerufe­nen Wirtsckastserschwernisse und Wirtschaftsschädigungen wieder auSgleichen wird. Nach beendeter Lehrzeit soll der ach gehende Landwirt in einen anderen Betrieb übergehen, eiu- nwtl. nm seine Ausbildung zu vollenden, um in anderer Gegend andere WirtsäiaftAveisen kennen zu lernen, und zum anderen um ssch im Laufe der Jabre das zur Übernahme eines Sied- lunasautes erforderliche Geld zu verdienen. Bei den heutigen hchen'Löhnen wird es im Lauf von 10 oder 15 Jahren bei einiger Sparsamkeit und Strebsamkeit möglich fein, das zur Anzahlung für eine Bauernfiedlung erforderlich« Kapital zu erwerben. Der Staat muß natürlich nach einem Verfahren, dos der Rentengutsgesetzgebung nachgebildet ist, siedeln und es hierdurch dem Bewerber ermöglichen, mit einer Geldsumme, die sicb von dem Durchschnitt der Bewerber, in 18 Jahren 'etwa erwerben läßt, di« für ein Normalbauerngut erforderliche An­zahlung zu leisten. Es wäre auch nocb di? Frage zu prüfen, ob für weniger tüchtige Kräfte ein verlangsamter sozialer Auf- st'.' 0 g derart vorgesehen werden sollte, daß auch kleinere un­selbständige Bauernstellen errichtet würden, deren Inhaber einen Teil ihrer Arbeitskraft, in benachbarten größeren Be­trieben verwendeten. Die zur Erwerbung solcher Kleinstellen erforderlichen Mittel brauchten weniger groß zu sein, und es märe demgemäß auch wirtschaftlich Minderleistungssähigen immeihin noch möglich,^ zu einer gewissen 'Selbständigkeit zu gelangen. Würden sie später durch Miterwerb der Kinder in den Besitz größerer Mittel gelangen, so könnte alsdann an ein? ltöllige Selbständiigmachung gedacht werden. Die Schäftung solcher Übergangsstulfcn erscheint daher :mmerhin beachtens­wert. Würden diese Grundgedanken anerkannt und allgemein durchqeführt, so wäre einer breiten Schicht der soziale Aufstieg ermöglicht und eine Grundfovderung der Volkswirtschaft er­füllt. Es könnten nun Arheitersöhne, Söhne von Beamten und Angestellten, Landwirftchaftsföhne aus kinderreichen Familien bei ernstem Wollen zu s-elbständigem Besitztum ge­langen. Auch fiir elternlose Kinder, oie in Ättstalten oder auch durch Privatpflog« vormundschaftlich (staatlich) erzogen werden, zeigt fick hier ein aussichtsreicher Wegi So weit mit den staat­lichen Anstalten Lan-dwirft'choftsbetriebe verbunden sind, könnte d:e landwirtschaftliche Ausbildung in diesen erfolgen, andern­falls stllten diese Kinder, so weit sie für eine Ausbildung in der Landwirtschaft in Betracht kommen, in -gutgeleiteien Bauernwirtschaften zur Erlernung der Landwirftchaft untcr- gebracht werden. Die Tüchtigeren unter ihnen würden aus diesem Wege ebenfalls zu ganzer ober teiweiser Selbständig­keit gelangen können. Die weniger tüchtigen würde» iminer-