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Donnerstag, 1. Januar 1829.
Morgen-Ausgabe. ^
( / Nr. 1. ♦ 68. Jahrgang.
Segen des Neujahrsfestes erscheint die nächste „2agblati Ausgabe am Freitagnachmittag.
Zum neuen Jahr!
Mit «fernem Klange twtan t>i^ Glocken das neue Jahr erngcläilchct. Hofftiung-boller erschien uns d-er Ton diesmal als all die Jahre vorher, die uns im Kriege salfcn oder in einem ZnlsMid p«M- und verhängnisvoller Unynvißhritz der sich als Lesfenlstillstcrnd bezeichnet« und Las DamoNesschwert der Wievemlsuahme der Feindseligkeiten ülber uns sichtbarlich schweben l„ .. Wir haben noch nicht den Frieden, gewiß! aber die AuiSsicl.en für des Jukras-ltreten des Friedenszustanöes sind doch zun Beginn des neuen Jahres, des siebenten nach Krietzsaristertch, so, das; mit der Skitiiifaticn in allernächster Zeit aereeiriel werden kann. Die damit sich eröffnenden Aussich,'» mögen im Hinblick aus die Ersüllnng der Be- kinr;iung«i es Versailler Vertrags alles andere als glückver» heiÄvnd seb'. weniger trübselig a-is eln Rückblick ans das albe Jahr, das ms die srrstw Botschaft der Wechuachtsverlheitzung, den „Fried -1 aus Erden" nickst dringen-sollte, find sie «ch-jeden Fall.
Das Jihr der Trübsah nennt toicIXeidjt dermaleinst die Geschickte dcn Jahrgang IVlO. Ein durch Zusammenbruch und Äbrvolütion erschütterter Steatc-körpcr:, den em« lange KriegSzei-t voller Entbehruaigon wnd Opfer zermürbt und ge- fchiväch: Hai, windet sich in den Zuckungen innerer Kämpfe, Li«, wie F ie.be rerscheinwngen die letzten Kräfte des todwunden Volkes aufznzelrren drohen. Wald her. 'bald dort flackert die Fackel des Aufruhrs, um an einzelnen Stellen — wir denken an Berlin, Münckiem, Bnnrmchw-eig, Haniburg — zu lodernder Flamme anzmvachscn. Der Umsturz war vielen nicht rad!al genng, die Unzufriedenen riefen nach Räteherr- jchäft und Dikiatmr, für die Rrchland und Ungarn als Vorbilder galten. Ter jungen Demokratie war cs nicht leicht gemach:,, sich durchzwjetzen gegen-über den Anstürmen der radikalen Lulben ans dem Misztvcmen der Rechten, welcher der alte Ordnungsstac« unter monarchischer Autorität kinvergetzlich dkieb, we l ihr unter keirservativem Regime Macht und An- ttfflvn gesickert .war. Ternakra tisch« Freiheiten bekommt man nicht gesck'Nlkt; sie müssen erkämpft werden, wie di« Verwirklichung aller Jdeeff«.
fl| Vor lauter inneren Verwicklungen hotten wir kein« Zeitz ken Bl ck über die Grenzen des Landes zu werfen. Zur Vaffivität wrrrtteilt. hatten wir auch nicht einmal die Macht, innfe.r Sckckjpl, die Rolle, die uns in Zukunft unter den Völkern des kroballs zi-g«teilt werdem tollte, zu breinfiussen. Unterdessen ,'urde in Versailles in laugen Berotniigen, an denen wir teil«lei Anteil hatten, das Dokument ferliMestcllt, das unsere Naderlege besiegeItc. Der Frieden, von dem wir ,in Zeite des Kampfes u.n'd der Entbehr»-:ig als von einer Erlösung rrömn-en, erschien in Form von Vedingnngen, deren Erfüllt»:.' ums unerträglich schien. Im Laufe des Krieges an iitthk Ziffern geirölmt, waren wir doch bestürzt, als wir den Friedens, ertrag zur Unterzoickinni'g twrgclegi erhielten. Ein letzt!'» Eeräubcn noch, er» Konflikt inumlmlb der Regierung, unid das Vertragsiiirstouman war angeiionnnen. Sein Jirkrgft» tvet ii ater war abhängig von Beste in NMngen, die eine Ber» / jöyeiung de,deuteten, und der Zi-staibd der Spaniinng, an den wir uns allmählich gewöhnten, blieb weiterhin bestehen.
Wir hackten ja auch so viel mit-uns selbst zu tun. über das Poltisieren wurde -das Arbeiten vernachlässigt; und Arbeitz Pvo»uktivn, war doch das einzige Mittel, was uns helfen teufe. Aber scbbst wen:i der Wille zur Lkrbeit schon damals vor rri-stem gewesen, wie das jetzt glücklicherweise wieder der Fall ist, wäre es bei dem Nohsiosfmangel möglich genesen, Arbii wie im Frieden zu leisten? Auch die Umstellung der Bentebe erfordert« Zeit. Inzwischen stieg die Teuerung, sank . der Wert des denittzben Geldes, was wied-evum Lohn- kä n p fe und w i r t scha f t sp o l i tzi sch« E r sch ü tte- r uigen jut Folge hatte. Aber diese traurige Zeit, deren Ende zunächst noch nicht einmal abz-nseihen ist, bedeutete für dieitniaen, -di« ein weites Gewissen mit geschäftlicher Tüchtig- fieit und Egoismus zu verbinden wuf-tem,. ein« Hochkon- Mjunktur. Schiebertum und Sckleichhan-del, im Krieg ge- " down, kamen zu ungeahnter Mute, der Wucher trat vielfach an die Stelle eines vernünftigen PreiSau-ffelila-qs uud ließ auf z der Kriegsgewinnler den Iievrckutionsge-winnler folgen, dem ■ die Not des Volkes Mittel zu leichtem Gewinn wurde. Wie hoch dieser Gewinn sein mus> erhellt di« Kapitalfluckst nach m t«n Ausland, in dem diS deutsche Geld nur ein Achte«! bis ein V Zdimtel ter Währung wert ist- Der Profitgier war -das , lredergebrochene and ausgesogen« Deutschland das willkom- » mrnfte Aueibeutui-gSobjekt.
Ejne traurige Bilanz ist es, die wir für -das affte <«hr zieben müssen. Sie wäre noch traiurigec, wenn wir uttit wenigstens ’ie Ansätze z u einer B e-ske r-u ng -ev» btckeu «vmVen, de uns wieder den Mitt zur Hafsnnng geben, ispti-misten müssen wir se u, wenn wir nicht verzweifeln irollen. „Nicht jedes Jahrhmchert ist geeignet, die Menschen, lie darin leben, glücklich zu machen." Dieser Satz, »den Gustav tecytay den Eo»nad Bolz in' den „Journabsten" sprechen ''sjt, kann auf «ikere Zeit als lu-san-ders zutreffend an-gewen- b-t malten. Die Ansätze zun: Wiedciaufbau, wenn auch ge» Tmmt durch stark» Hindernisse w-i-nscha-fiffich-er uud tzvlttis-cher tatirr, d lden unseren Trost und unsere Hoffnung. Nutze und chrdnum,» im eigenen Hause sind di« Hauptbedi-ngung für die itere Entwicklung. Der Glaube an unsere Zull n ft mutz gcckrage-n sein von dem festen Willen zu restloser 'flickcke-rfiiLüug zwr Mitarbeit an -der Au-frichtung des Vol- und des Staa-rs, zu selbstloser Hingabe an den einen Gecken: Wte kommen wir heraus ans umsever Rotz was ka-rur einzelner dazu leisten.
besi-nden u-nS noch zu sehr in der -Entwicklung, in der
auf ine gegenwärtigem Zeitvevhälrnijs«, um daö
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Horoskop des neuen JahreS zu stellen. Wir werden den Frieden Hadem nach außen, wenn auch einen teuer erkauf- len Frieden. Um seine Bedingungen zu erfüllen, unser« dar- niederliegende Volkswirtschaft wieder aufzurichten, unseren Vervfl chtungen -ums selbst und dem Auslaiid gegenüber nach» zuckommen, werden wir unser« Leistungsfähigkeit zu einem zunächst noch unerreidvbar scheinenden Grade anspannem müssen. Der Friede bedeutet noch nicht die Völkerversühnung. Nach einem Weltbr-and, wie wir ihn hatten, haben sich die Gegensätze verschärft. Es wird noch ein-ige Zeit dauern, bis Vertrauen an die Stelle von Mitzlruucm tritt uud das Ausrinanderaugewiesemsem der Völker als Lobensnotwemdig- keit anerkannt wird. Vielleicht l>at Deutschland da noch ein« weltgeschichtliche Sendung zu erfüllen. Vielleicht gilt auch für unsere Zeitz was der deutsche Na!ionald ck>te.r Schiller über Me Z-ukunft Europas nach dem 30jährigem Krieg schrieb: „So wie die Flamme der Verwüstung einen Weg fand, das halbe Europa zu^ entzünden, so wird die Fackel der Kultur einen Weg sich öffnen, jene Länder zu erleuckiten". g.
Uebergänge.
Von Rcichsminister Schiffer» M. d. N.
Vom alten zvm neuen Jahr — vom alten zum neuen Reich — von altem zu ue iem Recht — von alter zu ne-rec Wirtsckwft — vom Alten zum Neuen überall in Kunst und Wissenschaft, Anschauungen uich Formen, Glauben u»d Sitte - wir lefinlen uns nun einmal im Zeitalter und im Zeitpunkt der lltzergär.ae. Nur daß diese Übergänge insgem-ein sich nicht so leicht und glatt vollziehe» wie beim Jahreswechsel, u>c am Cilvesierabcnd um Mitternacht die Ulic aushebt und mit zwölf Schlügen uns schnell und schmerzlos tu Las reue Jahr hinüberträgt.
Die Übi'rgangszusläiide'. in denen das deutsche Volk auf allen Gebieten seines Seins lebt, sind unsagbar schwer. Sckwn daß sie überall gleichzeitig voehauden sind und nach Entwicklung und Lösung drängen, häuft die Arbeit an ihnen zu v ne i hört ein ümfa«g und kompliziert sie überaus. Aber was noch weit mehr ins Gewicht fällt — die Kluft zwisckwu alter und neuer Zeit, die übc.rwuudan werden muß, ist ein Abgrun-d, über den keine Briüke führt. Es ist derselbe Abgrund, in den unser Volk in grausig jähem Falle aus der einen Seite binabgestürzt ist, und den es »u» auf der audec.'n Seite -erschlagen, zerschunden, blutend, betäubt wie es ist, emparkliinme» mutz. 2iei jedem mühsamen Schritt droht ihm der abermalige Sturz in die Tiefe, muß es befürchten, zu gleiten und zu straucheln, muß es auch noch daraus gesagt sein, zurück,vitetzen zu werden ins Leere. 'Das war der Leidensweg des Jahres lül'J. Das wird die Wruderung deS Jahres 1'ßO, fein. Uud doch dürfen wir uns sagen un-d müssen kS bekennen: wir sind trotz allem ein Stück vorwärts gekommen und aufwärts gestiegen. Eine gewaltige Leistung des deutschen Volkes. Wenn einen einzelnen ein Schicksal von ähiilickrer Furchtbarkeit und Plötzlichkeit trifft, nie es über uns Volk gekommen ist, so wird er vermutlich sich das Leben nehiueii oder den Verstand verlieren aber zun, Verbrecher werden. Gewiß ist auch unser'Volk aus dem Gleichgewicht, außer Rand und Band geraten, hat !ell'stmürderilck)e Anwandlunge.n gehabt, sich sinnlosem Treilen hiiwegebcn und verbrcckwrisckwr Handlungen nicht enthalten. Aber schließlich ist es doch seiner äußeren und inneren Zerrüttung Herr geworden, zum mindesten im Begriff, sie mehr und mehr zucückzu-drüngen und zu überwinden. Die Ge'ck'ichte wird diese Entivicklung bewundcrns- nert, die Zeitspanne, deren sie bedurfte, erstaunlich kurz nennen: ur.d die Gegenwart sollte für sie nicht blind sein und ihr die t-e,Mente Anerkennung zu teil weeden lassen. Unser Naticnvlgesiitl, unser ualionales Selbstbew-ußcksein^ u»ier deutscher Stelz könnte sich daran aufrichten. WaS hier vollbracht ist und sich weiterhin vollzieht kann sich ,n der Welt scheu lassen, uns aber in all unserer Verzweiflung mit neuer Hoffnung, neuem Mut und neuem Vertrauen zu tem r-i-erschöpflichen inneren Reickstum unseres armen Volkes erfüllen. Hier brauchten auch diejenigen nicht abseits zu stchcii. die im übrigen ihre sittliche und politisck)c Ankyabe darin erblicken zu sollen glauben, der Regieeung dieser Zell ,>de Anerkennung vorzuenthalten, jede Auttnnntovung zu versagen, wobei dahingestellt bleiben mag, ob nickst eine spätere Zeit vielleicht amch die NachkricgSrcg'erung gerechter und günstiger beurteilen und insbesondere finden wird, daß sie den Vergleich mit der Vorkriegsregiernnq bei Würdigung aller Umstände, bei Einschätzung aller Schwierigkeiten und bei Abwägung alles Erreichten nicht m scheuen braucht. Sind wir i.ichc aber überhnuvt merkwürdig blind gegen das-, was uns in unserem Leid noch zum Trost und zur Aufrichtung dienen könnte? Finden wir uns zusammen in der Erinne- rnng an das. was unstreitig ist; dann wird der Streit und dc-S an-dere weniger vernichtend wirken. Dann wird auch leichter der Boden 'ör die gemeinsame praktische Arbeit sich Herstellen lassen, nach der so oft und laut gerade jejrt gerufen wird- Auch diese gemeinsame vraktisckw Arbeit wäre nichts anderes als die Twsch.'sftuig von Gcmcinsck)afts- betätigungen außerhalb des Streites, non Einbeitswerten gegenüber den Streitwerten. Wenn die brerte Masse unseres Volkes immer wieder deutlich zu erkennen gibt, daß sie der Parieirerrissenbcit überdrüssig rst rvrd nach stärkerer Zusammenfassung der Volkskräfte verlangt, verrät üe ein gesundes Empfinden nicht bloß für das praktisch Nützlick)e. sondern auch für das national Notwendige. Daß w>c 'w ükcigar.g zn dkeuerem sind, wiisen alle; keiner denkt daran, schlechtweg zum Alten zurricktehren z.r wollen. Nur uni Richtung u n d Z i e ! geht der Kampf, oer ausgekämpft werden muß. Aber er kann ausgekämpst werden, wenn wir gewisse Gebiete neutralisieren, auf denen wir uns in Empfindung und Arbeit die Hand reichen könne«.
Vor dem Frieden.
Alte und neue Probleme.
ipz. Paris, 31 . Dez. Der „Temps" schrerbt: Es bleiben nur noch einige materielle Fragen zu rageln- Der Fünferrat könne morgen den Tag festsetzen, an dem der Austau'-h der Ratifikationen stattf'.nden kömre. Am 6. oder 7. Januar werde wie es scheine, also der Frieden in Kraft treten Dos Inkrafttreten de§ Friedens würde nicht mit einem Schlage alle Friedeusprobleme lösen; alte würden bleiben, neue wurden a-ufgcuvorfen. Namentlich werde man wissen müssen, cd eS bei „Alliierte und assoziierte Mächte" bleibe oder ob man sich nicht kurzirhrnd „Alliierte Mächte" nennen müsse Bis jetzt sei der Frieden von fünf Ercßllinchten gemacht worden, den vier alliierten Ländern. Me Me Ei ter te daistellten, und eurem Associä, der amerikanischen Regierung. Um den Frieden zu vollenden und durchzu- feinen, werde da die Zusammenarbeit der ttinf Mächte an- balten oder werde man sich momentan der Mitarbeit Amerikas cntäußern müssen? Das sei die Frage. Nun bespricht das Blatt nochmals die Lage, wie sie sich in Washington dar- .stellt, und erklärt, daß sowohl die Adriafrage als auch die türkische und russische Fra,;« nicht gut ohne Amerika gelöst werden könnten. Es handle sich darum, zu wissen, ob man die Politik fortsetzen wolle, die zum Siege geführt und die aus Frankreich den Faktor einer eng- lisch-amerikanischen Annäherung gemacht habe, oder ob man eir« Politik an deren Stelle setzen wolle, die einzig und allein auf Verpflichtungen zwischen Frankreich und England sich aufbuue- Das Interesse selbst der französisch-englischen Freundschaft verlange, daß man nicht» ohne Amerika tue. Die englischen, französischen und italienischen Ministerpräsidenten mußten sich an Amerika wenden und ihm sagen: Beeilt euch, zu ratifizieren, denn wir bcauch-n euch; zögert nicht zu ranfizicren. denn wir werden nichts Defimtives ohne euch beschließen.
. Eupen und Malmedy.
Di» deutsche Antwortnote.
mz. Berlin, 30. Dez. Auf die durch W. T.-B. am 4. d. M. mit- geteilte Note des Herrn Elemenceau, b-etr. Eupen und Malin« dp, i)l jetzl vc» der deutschen Friedensdelegatloi, solgrude Antwortnote in Paris überreicht worden: Ich habe die Ehre. Ihnen den Empsaug Ihrer Rote vom 10. November zu deslatige,!. Mit Be- dauern stellt dir deutsche Regierung fest, daß die eingeheilde,. Aus- fuhriliigeii rn Ihrer Rote vom 3. 10. bei den aUiierlii, und asso- ziurten Regierungen nicht die erwartete Beachtung gesunden haben. Die deutsche Sicgierung hat die grundlegenden Unterschiede zwiicheu dem A b st l »> m u n g s v e r s a h r e n sür Eupen und Mal- mrdie und sür andere Gebiete nie verkannt. Wenn sie sich in ihrer Rote vom 3. Oktober mit Art. 3-t des Friedensvertiagcs ein- gchrnd bejaht hat, sc hat sie es getan, weil die autzerorbenlilch kurzen Vcstimmuugcil des Artikels unzwegelhisst Lücken und Unklarheiten eulhaile», deren Beseitigung unerläßlich ist. Die Note der all. und oss. Regieriluqen vom lv. Nooember betont besonders, daß das Abiiimiiiuiigsvcriahicn sür Eupen und Malmödy nicht mit dcr sür Overjchlepcn oder Schleswig vorgesehene» Volksbefragung verglichen wcroen düise. Demgegenüber muh die dcuIsche Regierung wiederholt daraus bmweisen, daß die all. und ass. Jirgierungen ln ihrer Note vom Hi. Juni die Avstirmnuiig in Eupen und Malmädb mit dcr Abflimmung in Schleswig auf dieselbe Stuke gestellt und mit den gleichen Worten behandelt haben, und daß bei alle,: Botts- abstiuiuiuugcn, einerlei unter welchen äußere» Formen sie stuitsinden, acwlsie gemeinsame Grundsätze obwalten müssen. Die A.ilivortncte vom i November erklärt ferner, Belgien werde untcr seiner eigene» Verantwortung die Abstimmung durchlühren und für eine freie Stimmabgabe Vorsorge tressen. Kann man an sich schon von einer Dehl'rde eines Staates, der an dem Ergebnis dcr Abstim- niiing interessiert ist, schwerlich eine unparteiische Haltung erwarten, 'o liefert das in dcr deutschen Note vom 3. Oktober eingehend gc- bilderte Vorgehen der belgischen Behörden in den Kreisen Eupen »nd 'almady nach Ansicht der deutschen Regierung einen Beweis dafür, daß bei einer unter belgischer Leitung statts'ndendeu Volksbescaga g von einer freie u Stimmabgabe nicht die :ii-:de sein kann. Die brutsche Negierung kann nicht umhiu, ihr: , Be. fremden darüber Ausdruck zu verleihen, daß auch jetzt ,.:ch fort» näbrcild Klagen der verängstigten Bewohner «inlaisten, d-e in dcr Antwort der all. und ass. Regierungen mit teilten: Worte beruh.t werden. Nach Ansicht der deutsüw» Stegierung kau,, von einer wirk- lich freien Adliimniung solange nicht gesprochen werden, als den bl'gischen Behörden freie Hand gelassen wird. In ihrer Note vom 8. ältotcr hatte die deutsck)« Negierung vorgeschlagcii, eine vom Völkerbund ernannte Kommission zur llberwackunz der Abstimmung eiuzusetzen. Licser Vorschlag, der übrigens dem Art. 31 des Friedens- Vertrages keineswegs widerspricht, war von der deutschen Regierung nicht willkürlläi gemacht worden, sonder» war veranlaßt durch die Zusicherung in der Antwort der all. und ass. Regierungen vom 18 J„,„ (2eif 2, Abschnitt 1), daß die Abstimmung „unter d-er Leitung des Völkerbundes" stcttsinden werde. In dcr Antwort vom 10. November wird erklärt, dieser Zusicherung werde Genüge geleistet, wenn Belgien das Ergebnis der Abstimmung dem Völkerbund unterbreitet uni ferne Entjcherdung abwartet. Der deutschen Regierung erscheint die Ausiegiing als etile Einschränkung der früheren Zu- s i ck, e i u n ß. Sie vermag ferner nicht zu erichen, wie der Voller. Hund, der in de» Kreisen Eupen und Malmady über keinerlei Organe verfügt ur.d auscheiiieud auch nicht versügen soll, in der Lage sein könnte, nachträglich sestzustellen, ob und in welcher Weise eine unzu- lässige Beeiutlussung der Bevölkernng staligesuiiden hat. Im Interesse der Bevölkerung der Kreise Eupen und Malmüdy, die von ihrer heimatlichen Regierung Schutz »md Hilse erwariel und in ihrer übergroßen Mehrheit dem Anschluß an Belgien abgeneigt ist, kann sich die deutsche Regierung mit der Antwort der au. und oss. Regie- rnngen vom 10. November nicht vesriedigl erklären. Die hä.t es vielmehr sür ihre Pflicht, auf ihren in der Note vom 3. Oktober gestellten Antrag zyrückzukommen und zu bitten, daß di« all. und ass. Regilrunge» diesen Antrag erneut eingehend prüfen, daß sie die lückenhaften und unklaren Bestimmungen des Art. 34 des Friedensvertrages im Geiste ihrer wiederholten feierlichen Zusicherung ergänzen, daß eine mit der llberwachung der Adgimmung beauftragte Kommission des Völkerbundes eingesetzt wird und daß die Beschwerde» gegen da» Verhalten der belAjche« Lehörden atsbot-d tffiluai wcrtze».
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