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Das in Klarenthal von 160$ bis 1630 bestandene Hospital für die nassau-walramischen Lande.

Von Th. Schüler.

In dem damals Bruderode genannten Tale unfern Wiesbaden hatte König Adolf von Nassau ein Kloster für adelige Nonnen St. Klaren-Ordens errichten lassen, zu dem am 2g. September 1296 der Grundstein gelegt wurde. Reichlich ausgestattet mit Gütern zu Biebrich und Mosbach, besonders mit den Erträgnissen des Hofes Armenruhe, ermöglichte es den Töchtern angesehener Adels­familien ein zurückgezogenes Zusammenleben, bis es 1553 dur<E die Pest säst ganz ausstarb und deshalb 1560 durch den Grafen Philipp von Nassau-Idstein aufgehoben wurde. Seine Einkünfte fanden seitdem für milde Zwecke Verwendung.

Als zu Anfang des 17. Jahrhunderts Graf Ludwig von Nassau- Saarbrücken alle nassau-walramischen Lande unter seiner Herr­schaft vereinigt hatte, beschloß er, als ein äußeres Zeichen seiner Dankbarkeit gegen die gütige Vorsehung ein Landhospital dies­seits des Rheins, wie es jenseits bereits geschehen, einzurichten und altersschwachen, gebrechlichen armen Leuten ein sorgenfreies Unterkommen zu verschaffen.

Die Ausführung dieses Vorhabens übertrug er seinen Jdsteiner Räten Oberamtmann Johann Meinhard v. Lehen und Di: Raimund Jäger sowie den Superintendenten zu Idstein und Weilburg Tobias Weber und Laurentius Stephani, die ihm zunächst gut­achtlich berichten sollten, welches der beiden Klöster zu Walsdorf und Klarenthal sich zur Einrichtung am besten eigne, und welche Kosten der Unterhalt von hundert Spitalsleuten samt Gesinde für ein Jahr verursachen werde.

Nachdem diese sogenannten Deputierten Ende Juni und anfangs Juli 1607 die Örtlichkeiten zu Klarenthal und Walsdorf besichtigt hatten, entschieden sie sich wegen der geringeren baulichen Schwierigkeiten, des reichlicheren Wasserzuflusßrs und der nahen Viehweiden und Waldungen für Klarenthal. Walsdorf könne, da doch ein Jungfrauenkloster sein soll", als solches am besten bestehen bleiben.

Die Kosten des jährlichen Unterhalts von 160 Personen berechneten sie zu 1250 Gulden außer Brotfrucht, Wein und Bier. Für die Hospitalspersonen würden 400 Malter und zur Verteilung vor dem Tor an Arme,deren es in der Herrschaft Wiesbaden wegen des Rheinstroms, Siechhauses und warmen Bads viele gibt", ungefähr 30 Malter Brotfrucht nötig sein. Als Haustrank müsse man für jede Person täglich 3 /* Maß Bier rechnen, das ergebe 27 375 Maß oder 57 Fuder im Jahr. Wein werde an Festtagen 1 Fuder zur Verteilung kommen. Die Kosten der Lebensbedürf­nisse betrügen für etwa 10 000 Pfund Rindfleisch oder 50 Ochsen zu je 10 fl. = 500 fl. (davon gehe ab, was man an selbstgezogenen Schweinen schlachte), für 2050 Pfund Käse je 1 Batzen = 136 fl. 10 Batzen, 120 Pfund Butter je 3 Albus - 20 fl., 350 Pfund Hirse je 7 Pfennig = 10 fl. 10 Batzen, 140 Pfund Reis je 1% Batzen = 14 fl., 441 Pfund Stockfisch je 1 Batzen = 30 fl., 2543 Stück oder 2 Tonnen Heringe für 36 fl., Plateisen und Bickinge für 10 fl., 800 Eier je 1 Pfennig --- 4 fl. 9 Albus, Salz für 50 fl., Ol für 10 fl., Gewürz für 10 fl., Bieressig 1 Ohm für 3 fl. Das Notwendige für Mehl- und Milchspeisen, Schmalz und Licht erbringe die Haus­ökonomie. Die Bekleidung der Leute erfordere 211 Ellen Woll­tuch je l /* fl. 105^2 fl., 78 EllenBeyderwandt" für 20 fl., Zwilch und Barchent für 13 fl., Leinen für 160 fl., Zwirn für 3 fl.,

Wachs für 12 Albus; die Schuhe würden kosten 104 fl., die Hüte 5 fl., die Schleier 3 fl., die Gürtel 12 Albus, die Nadeln 9 Albus, die Messer 12 Albus, die Kämme 7 Albus, die Handschuhe 15 Albus, die wollenen Placken 3 fl. Die Ausgaben für Betten würden anfangs bedeutend sein, später könne man im Jahr dafür 38 fl., annehmen. Nach eingezogener Erkundigung bezöge der Spittels­meister in Gronau, der mit seiner Frau das ganze Werk dirigiere, als Jahresbesoldung 52 fl., 21 Ellen Leinentuch, Stiefel, Schuhe, und ein Fuder Wein, sein Substitut 18 fl., Leinentuch, Stiefel, Schuhe und täglich V 2 Maß (2 Schoppen) Wein. Außer diesen beiden seien einzustekien: ein Koch und Metzger, eine Küchenfrau, ein Müller und Bäcker, ein Bierbrauer, ein Bottelier zur Ausgabe von Bier und Brot, ein Pfarrer, der für Kost und Kleidung diene, ein Balbierer, eine Krankenwärterin, zwei Waschmägde und das Gesinde für den Feldbau und die Viehzucht.

Auf diesen Bericht der vier Deputierten verfügte der Landes­herr am 20. August 1607, die Einrichtungen seien in der vorge­tragenen Weise zunächst nur für 50 Personen zu treffen und die Gemächer für sie möglichst vor Eintritt des Winters herzustellen. Am Tor seien keine Almosen zu verteilen; denn die für Bettler und Landstreicher in Ansatz gebrachten 30 Malter Frucht würden bei weitem nicht klecken" und den Bedürftigen entzogen werden.

Im September traf der Superintendent Weber mit dem als Hospitalverwalter angenommenen früheren Kellereiverwalter zu Nassau, Marsilius Emmerich, in Klarenthal ein, um der Über­gabe des Klosterhofes durch den bisherigen Hofpächter Anton Dreher im Beisein des Wiesbadener Kellereiverwalters Scherer beizuwohnen, das vorhandene Gesinde für das Hospital zu ver- pflichten und einiges Vieh und Geschirr für dasselbe zu über­nehmen. Dreher überließ dem Hospital 8 Mutterpferde mit 2 Füllen für 215 Reichstaler, den Reichstaler zu 23 Batzen ge­rechnet, 9 Kühe zusammen für 108 fl., 3 Kälber für 20 fl., 5 Ziegen für 11 fl. 6 Albus, 8grobe" Schweine für 40 fl., 22 geringere für 491/2 fl., 13 Ferkel für 9 fl., 2 Pfauen für 4 Gl. 12 Albus, 5 Enten für 1 fl. 3 Albus, einen neuen Wagen für 22 fl. 12 Albus, einen alten Wagen für 8 fl., eine Egge für 1 fl. 3 Albus, allerhand Ketten und Geschirr für 6 fl. 12 Albus; ferner ließ erzwei Pfannen zurück, die er gekauft hatte,um Schlangen, Umker und anderes giftiges Gewürm zu vertreiben", das im Hofe großen Schaden verursachte.

Nach Abzug des Pächters traf ein Baumeister aus Weilburg seine Anordnungen zur Herstellung von Unterkunftsräumen in den vorhandenen Baulichkeiten. Als solche werden aufgeführt: Zur Rechten des Eingangs ein Keller und zwei Küchen mit darüber­liegendem Fleischhaus und der große Saal mit dem großen Keller darunter; zur Linken des Eingangs eine große Stube, die Kellerei­stube und Kammer, die große Konventsstube; der Kreuzgang an der Kirche mit drei Stuben samt Kammern und dem Gewölbe, darüber vier Stuben, fünf Kammern, der große Saal und die Nonnenzellen; im Hofe das Beichthaus mit mehreren Gemächern, die Mühle, das Brauhaus, die Scheunen und Ställe. Denuntersten Saal bei der Küchen" (rechts des Eingangs) hielt der Baumeister für geeignet zur Abteilung in 24 Kammern, je 10 Schuh in der Vierung, und in 2 Stuben zu 21 und 10 Schuh. Auf dem reparatur-