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«erlag Langgosse »

^r»g»i-t,h-its«.

geöf?nrt oon 8 Uhr morgens bis 6 Uhr abend». P»ftlchr«»nt»! Frankfurt a. M. Nr. 7408 .

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»«,»«,.»r«i» für beide Ausgeden: MI. 1.40 monatlich, Mk. 4.20 viertelllhrlich durch den Verla, sfföfr» 1 ,! °dne Brmgerlohn. Ml. 8.28 oierteljährlich durch alle deutschen Postanttalten, aus. MN«vttch Bestellgeld. Bezugs-Bestellsngen nehmen autzerdem entgegen: in Wiesbaden dre Zweigstelle Bismarcknng 19^ sowie die Nusgabestellen in allen Teilen der Stadt; in Biebrich: die dortigen Aus gabestellen und in den benachbarten Landorten und im Rheingau die betreffenden Tagblatt-Träger.

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Berliner «bteilung des Wiesbadener Tagblatts: Berlin W. 57, An der Apostelkirche 7.1. Fernsprecher: Amt Lötzow 6202 und 62N3.

Samstag, 3V. August 1919.

Morgen-Ausgabe.

Nr. 389. < 67. Jahrgang.

Bekanntmachung. V

: Artikel 2 der Verordnung des Herrn kommandierenden

Generals der 10. Armee vom 1. Dezember 1018 ist hiermit «lsgehoben und durch folgende Verordnung ersetzt:

Artikel 22.

Die Herstellung, die Beförderung und, der Verkauf in engen von einem Liter oder mehr von Alkohol und alkohol- ltigen Getränken, mit Ausnahme von Absinth, sind erlaubt. Der Detailverkauf sowie der Genuss von Alkohol oder alkoholartigen Getränken in öffentlichen Lokalen, Schankwirt­schaften, CafeS ufw. sind und bleiben untersagt.

Der Verkauf und der Genuß in öffentlichen Lokalen, Schankwirtschaften, Cafes ufw. von Getränken, welche das französische Gesetz alshygienische" bezeichnet (Wein, Bier, Apfelwein und Hydromel) sind erlaubt.

Der kommandierende General der 10. Armee. (Gez.) M a n g i n.

Die höchste Not!

Aus Berlin wird derKölnischen Volkszeitung" mitgeteilt:

Die Streitfrage, ob die m a tz l o s e K o h l e n n o t, tun der das deutsche Volk steht, Schuld des Bergbaues oder der Eisenbahn ist, ivird in den letzten Tagen viel besprochen. Die Kohlennot hängt von diesen beiden Faktoren ab Der Streit ist daher zwecklos. Schuld tragen beide, wenn es dem Bergbau nicht gelingt, die Förderung zu stelgern, und die Eisenbahn nicht erreicht, dag die gesteigerte Förderung abge­fahren werden kann. Die Folge dieser Schuld wird sich in einem b e i s p i e l l o s e n Z u s a in m e n b r u ch, einer Hungersnot, einer Unsicherheit und einer Arbeitslosigkeit zeigen, wie sie in der Weltgeschichte noch nicht bekannt geworden ist. Ein­schränkungen aller Art sind deshalb überall dort ge­boten, wo überhaupt Kohle verbraucht wird. Dis Eisenbahn mutz Züge, vor allein Personenzüge ansfallen lassen, um dadurch die Betriebsnot zu verbessern, die hervorgerufen ist oncch die verringerte Leistungsfähigkeit, durch den großen Reparaturen- siand ufw. Jeder ausfallende Zug erspart dauernd Kohlen. Die S t r a tz-e n b a h n e n, die elektrisch be- trieben werden, werden ebenfalls stark beschränkt werden müssen. Entfallen doch von der gesamten deut­schen Elektrizitätsproduktion 93 Prozent auf Kraft, vor allem Industrie und Straßenbahn, und nur sieben Prozent auf Beleuchtung. Don den Easansialten wer­den bis zu 95 Prozent für Beleuchtung und Beheizung im Haushalt geliefert, nur 5 Prozent dienen gewerb­lichen Zwecken. Jede Einfckiräiiknng in der Beliefe­rung der Elektrizitäts- und Gaswerke schädigt also ganz empfindlich die Arbeitrrschaft in den Grotzstadten.

Das Unglück steht vor der Tür, da nirgends mehr große Kohlenvorräte liegen.

Die 40 größten deutschen G a s a n st a l te n, mit Ausschluß Groß-Berlins, haben fast nur noch zehn Prozent des Vorrates an Kohls, den sie noch vor einenr Jahre befaßen. Holz, Torf und andere Ersatz­brennstoffe können nichts ersetzen. Aussicht aus Besserung besteht nicht: man mutz im Gegen­teil mit w e i t e r e r De r s ch l e ch t e r u n g r e ch n e n.

Man hat verlangt, dis Hüttenzechen in Rheinland und Westfalen einzuschränken, solche Forderungen übersehen, daß der Rohstoff S i s e n das G r u n d- element unserer Wirtschaft ist. Außerdem vergesse vron nicht die Arbeiterverhältnisse in den westlichen In­dustriegebieten. Übrigens ist den Hüttenzechen von August an verschärfte Einschränkung aufsclegt worden, um weitere Kohlen für Sttddeutschland freizumachen. Die Z u ck e r i n d u st r i e, die Erzeugerin dieses wrch- tigsten Volksernährunasmittrls, matz letzt Kohlen er­ballen. wenn die im Oktober beginnende Anlieferung der Rüben fachmännisch bearbeitet werden soll. Bis letzt besitzen die deutschen Zuckerfabriken erst 18 Pro- 8ent der notigen Kohle. Der Ausfall durch den letz­ten Streik in Oberschlesisn ist hier n o ch n, ch t witgereckinet. Massenweise werden deshalb Zuckerrüben als Futterrüben benutzt werden Russen oder verderben. Ähnliches ließe sich auch von anderen Industrien sagen.

Die weitesten Schickten unseres Volkes, vor allem die von s o z i a l i st i s ch e r Seit,« immer Mitden Massen" angesprochenen Teile, besitzen auch mcht die Mindeste Ei nsicht in öie wirtschaftlichen Zusammenhänge. Den Ernst erfasien anscheinend erst die Arbeiterschaften, die in der Kohle verbrauchen­den Industrie unmittelbar tätig sind.. Kluge Aroeirer uagen auch bereits: Wir wollen arbeiten, aber unser Betrieb hat keine Kohlen. Dar Baugewerbe kann nicht daran denken, die W o h n u n g s n o t zu mil­dern. weil Kalkwerke, Ziegeleien und Zementfabriken 2»s Koliken mangel arbeitsunfähig sind, «dettrolcchnilche Qabiilate fco* mtUs% wmm. Mi

Porzellanindustrie nicht Isolatoren liefern kann. Roh­stoffe nützen unserer Ernährung nichts, wenn aus Kohlenmaiigel ihre Verarbeirung zu Nahrungsmitteln unmöglich ist.

Ein besonderes Kapitel bilden die Kohlen­lieferungen an den Verband. Bei den Ver­handlungen in Versailles erklärten die deutschen Dele­gierten, daß das Reich nur in der Lage fei, höchstens 12 000 000 Tonnen im Jahre z» liefern. Die Alliier­ten blieben bestehen auf einer Lieferung von 20 000 090 Tonnen, wenn die Gesamtproduktion 108 000 000 Ton­nen beträgt. An all dem, was über 108 Millionen Tonnen produziert wird, steht dem Verband eine pro­zentuale Verteilung zu Wird weniger gefördert, so sollen neue Verhandlungen ftntifinden. Die Alliier­ten haben sich auch bereit erklärt, dem Bergbau Unter st ützung angedeihen zu kaffen, vielleicht so­gar in Form von Lebensmitteln für die Bergarbeiter. Das Deutsche Reich hat also nur 88 Millionen Tonnen im Jahr, mit denen es rechnen kann. Nimmt man noch die Braunkohle hinzu und stellt man die vol­len im Friedensvertrag dem Verbands zugesagten Mengen in Rechnung, so mutz der heutige Verbrauch um rund 20 Prozent gekürzt werden, Eisen­bahn, Schiffahrt, Elektrizitäts- und Gaswerke ertragen nur eine Einschränkung auf ein gewiffes Minimum. Demnach muffen die übrigen Verbraucher die Haupt­last des Kohlenmangels tragen. Es sind das die In­dustrie, die Familien, die Landwirtschaft nnd das Klein­gewerbe. Gegenüber dem Vorjahre wird die Be­schränkung volle 40 Prozent ausmachen. Aus dieser Tatsache kann sich jeder Vernünftige die nötigen Gedanken machen.

Eine Einfuhr ist unmöglich. Auch die west­europäischen Mächte befinden sich in einer Kohlenknapp­heit. Bei der Minderwertigkeit des deut­schen Geldes und den Frachtkosten würde auslän­dische Kohle mindestens. das Sechsfache der deut­schen Kohle kosten. Unsere Valuta würde also noch weiter sinken, weil wir keine Ware liefern können.

Das einzige Rettungsmittel bleibt die Arbeit, und zwar die Arbeit in der Kohlenförderung. Die Leistungsfähigkeit der Eisenbahnen mutz gleichzeitig gehoben werden. Man spreche non den Beständen, die auf den Kohlenzechen lägen. Die Vorräte Ende Juli im Rubrrevier waren nicht großer als die E e- famtförderung an einem halben Tage! Selbstverständlich wird bei den Einschränkungen auf gewiffe Betriebe Rücksicht genommen. So soll den Papierfabriken, die Zeitungsvapier Herstellen, eine Be- vorzuqung zuteil werden. Wer irgend einen Einfluß auf Arbeiter auszuüben vermag, handelt vaterländisch, wenn wir sie dem Kohlenbergbau zu führen, weil es sich schließlich auch darum handelt, das Arbeits- losenprvblem im Inland zu lösen. Der Streit, ob Eisenbabn oder Bergbau schuld an der schlechten Kohlenlvge ist, ist ganz bedeutungslos gegenüber der Grundforderung: Arbeiten, arbeiten

und nochmals arbeiten!

Der Friede.

Zur Rückkehr der Kriegsgefangenen.

Dz. Berlin, 29. Aug. DieBoss. Ztg." schreibt: Auf Grund einer soeben hierher gelangten unbedingt zuver­lässigen Nachricht sind wir in der Lage mitzuieilen, daß der Rat der Miierten gestern beschlossen hat,

die .Heimsendung der deutschen Kriegsgefangenen sogleich ««d ohne die Ratifikation des FriedrnsvertragS abzuwarten,

in Angriff zu nehmen. Zu diesem Zweck wird sogleich eine Kommission aus Vertretern der Miierten sowohl wie Deutschland eingesetzt, um entsprechend den von deutscher Seite wiederholt geäußerten Wünschen die notwendigen Vor­arbeiten für den Abtransport unverzüglich in Angriff zu nehmen.

Di» französische Kammerdebatte über den Friedensvertrag.

rrx. Paris, 29. Aug. Die französische Kammer setzte am Donnerstag die Diskussion über den Friedensvertrag fort. Eaillurd Dancel bedauerte, daß die Vertreter Frankreichs nicht eine Verminderung der deutschen Einheit «r- cercken könne. Der Sozialist Brunet saute, daß di« deutsche» Sozialisten mit der Bewilligung der Milirärkredite nicht ihr« Pflicht erfüllt, und daß sie ein Verbrechen begingen, weich«; auf der ganzen Menschheit laste. Die französischen Soziolisten hotten keine iVersntwortung in der Katastrophe, da Frankreich uigerechterweise angegriffen und Belgien vergewaltigt worden ser. Redner erklärte, daß der Vertrag niemand befriedige. Das Mut der Toten und die Größe der Opfer Frankreichs berechtige d-azu, daß man Besseres erwarte. Er schließt mit der Er­klärung, daß et der Regierung die Verantwortung für den Vertrag überläßt, dyr chm ungeuichend ersiheme, um den Frie- Ica j» tzcher».

Aus dem Ententerat.

ü'z. Parts, 29. Aug. Diplomatische Lage. Der Obersts Rat setzte unter dem Vorsitz von Clemenceau die Beratung detz Vertrages mit & sierrei ch, betreffend die Bestimm münzen über di« Arbeitsgesetzgebung, di« Häsen, di« Wasser« nnd Schienenivege und namentlich über die Donauschiffahrt, fort. Der Rat beriet das Begleitschreiben für den endMtiae« Friedenslei trag, der wahrscheinlich am SaniStag der öfter- reichischen Delegation überreicht werden wird. Der T « r m i * der Unterzeichnung deS F r i e d e n S v « r t r a g e tz wird voraussichtlich der 6. oder 6. September sein. Dia Zeremonie der Unterzeichnung findet in St. Gormain statt.

inz. Wien, 29. Aug. HKorr.-Vureau.) Nach Mitteilungen, aus St. Germuin idürfte die Festsetzung der FriedenSbe- dinzungen für Österreich in den allernächsten Tagen erfolgen, Staatssekretär Renner wird am Montag, falls die Drucklegung bis dahin erledigt ist, sich mit dem nächsten Ententezug nach Wien begeben.

Der neue Vorsitzende der Interalliierten Kommission.

mz. Bern, 29. Aug. Nach demJournal de Genäve* rechnet man mit der Ernennung A l l i z e s, des Vorsitzen« den der interalliierten Kommission in Wien zum Nachfolgers des für Berlin ausersehenen französischen Botschafters Dutasta in Bern.

Ein wichtiges Zugeständnis an Deutsch-Österreich.

Bern, 27. Aug. Rach einer Pariser Meldung desGome®3 della Sera" bat 'der Oberste Rat bei der Prüfung des Vertrag» mit Deutsch-Österreich auf den Vorschlag Tittonis hin be- ichlosscn, di« Stadt Marburg (Steiermark) in das Gebiet ein- zübeziehen, über das eine Volksabstimmung entscheiden soll. Der Berichterstatter bezeichnet dieses Zugeständnis als wichtig, weil Marburg als vollständig ^deutsches Gebiet das Er­gebnis der Volksabstimmung wesentlich beeinflussen werde. Im übrigen wurden in der Frage der Grenzen gegen diel Tlchecho-Slowakei und gegen Italien keine Zugeständnisse ge­macht.

Deutschland und Italien.

mz. Berlin, 29. Aug. Entgegen einer vielfach verbrei» teten Ansicht ist eS nicht möglich, vor der Ratiftkation deK Friedensvertrags eine eigene amtliche Vertretung der deut­schen Regierung bei der italienischen Regierung einzurichte». Indessen wurde der Generalkonsul v. H e r f f, welcher lang« Jahre in Italien dienstlich tätig war, beauftragt, die Wie­deranknüpfung der wirtschaftlichen Be­ziehungen zwischen Deutschland und Italien vorzv.be- reiten. Sobald die Tätigkeit Herffs so weit gediehen ist, datz die Wiederaufnahme der wirtschaftlickjen BezicjtmnHen im Austausch der Güter möglich ist, werden tue deutschen Inter­essentenkreise in geeigneter 28eise verständigt. ,

Die deutschen Seeleute von Scapa'Flo«».

mz, Berlin, 29. Aug. Der83. Z" zufolge berichtet detz Dailv Herald", daß die deutschen Seeleute, die an der Ver­senkung der deutschen Flotte bei Scapa-Flow mitarbeiteten, die englische Regierung gebeten hätten, an jeder Straf« gleich teilnehmen zu dürfen, dir Admiral v. Reutetz wegen seiner Handlungsweise auferlegt werden würde.

Sir Auckland Geddes über die Wirt­schaftslage Europas.

mz. Amsterdam, 29. Aug. Das PresseLureau Radis mel­det aus Carnavon: Der Präsident des britischen Handels- amts, Sir Auckland Geddes, setzte in einer Rede die Plan« der britischen Regierung für die Wiederbe­lebung des britischen Handels und zur Unter- stützuua aller Teste des Landes auseinander. Geddes sieht das. He-'lmütel für die Mißstände, denen sich Großbritannien >ge-geu- Lbergestellt sehe, in einer gesteigerten Ausfuhr, bis di« monat- lickeAnsfubr den Wert von 100 000 000 Pfund erreicht habe. Dee einzige.Weg, um unser 'Vermögen zu vergrößern 'sagte Geddes besteht in der Ausbreitung unseres Handels. Wis stehen.augenblicklich folgenden zwei großen Fragen gegenüber? Wie gelangen wir zur Erzeugung? und wie finden wir Märkte? Europa, das eigner der größten Märkte war, ist! durch den Krieg in Unordnung gebracht, verarmt und iw manchen Teilen im Zustande bevorstehenden oder bereits vor­handenen wirtschaftlichen Zusammenbruchs^ Mittels Anspornung unserer Ausfuhr hofsen wir zu erreichen« datz in Europa die Erzeugung wieder einsetzt. Wir schaffen ein Reg'erungsergan für die Ausführung eines Kreditsystems, um so die Wiederauftmhme der Ausfuhr und des Handels nach dem desorganisierten Teil von Osteuropa zu erleichtern. Wir tun alles, was wir können, um für die Industrie 'Europas Rohstoffe zu beschaffen, und wir tun alles, was in unsever Macht liegt, um Kohlen, die wir entbehren können, jenen zukommen zu lassen. Auf diese Weise hoffen wir, daiß dort, wo augenblicklich Stillstand herrscht, bevor wenige Monate ver­gangen sind, der .Handel wieder in Fluß kommt. Zu diesem Zwecke sind wir auch bestrebt, den konsular- und handelSpoli- tischen Dienst vollständig neu zu bilden, auszuarbeiten und zu entwickeln. Europa ist jedoch nicht der einzige Markt. Wie ergreifen alle Maßnahmen, um den Handel innerhalb des bri- tafchen Reicked zu fördern. Wir breiten unsere Vertretungen im ganzen Reche ebenso aus, wie in der ganzen Welt. Es wurde gesagt. Amerika labe durch den Krieg wenig gelitten und werde di« taitischen Märkte mit Waren "überschwemm«, und «wn den europäischen Märkten Besiü ergreifen. Das ist so gestellt, daß es wie wir anderen alle mit Bezug auf die Zukunft se:,nes Hendels großen Schwierigkeiten gege nüberstehtu Wahrend des 'Krieges hat Amerika seine Industrie stark ent- wickelt und die Gewerbstätigkeit seiner Bevölkerung auSge». tzetzvt. ist st» ungeheuer «Ah und erzeugt eine solche Düüigq