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Mittwoch, 6. August 1819.

Morgen-Ausgabe.

vlv. 347. . 67. Jahrgang.

K3ESa»l

M MMe ffit MÄiMMk«.

Von Professor L. Bergsträßer.

(Segen das Ende seiner Taaung hat der demokra- tkfche Parteitag noch eine Entschließung angenommen, in der gefordert wird die Errichtung einer mit reich­lichen Mitteln ausgestatteten Reichsstelle, deren Aufgabe es sein soll, das Deutschtum im Auslande kulturell zu sichern. Ta eine eingehendere Begründung des An­trages bei der Überlastung des Parteitages nicht mög­lich .war, darf der Antragsteller wohl hier rn kurzem sagen, wie er zu diesem Antrag gekommen ist.

Man wird von zwei Tatsachen auszugehen haben, zunächst davon, daß vor dem Kriege für das Auslands- drutschtum sehr wenig geschah: die dafür staatlicherseits bewilligten Mittel standen in einem schreienden Mißver­hältnis zu dem, was kleinere und kleinste Staaten für ihre Konnationalen aufwandten. Die private Arbeit, etwa des Vereins für das Deutschtum im Auslande, war trefflich, aber bei weitem nicht umfangreich genug. Was von alldeutscher Seite geschah, hatte den üblen Beige­schmack eines maßlos überspannten Imperialismus und schadete darum gesamtpolitisch genommen mehr, als es genutzt hätte.

Gefchah also schon vor denr Kriege zu wenig, so ist durch den Ausgang des Krieges die Aufgabe ungeheuer gewachsen. Wohl sind eine ganz« Reihe von Nieder­lassungen Deutscher im Auslände zurzeit ausgelöscht. Aber andere bestehen noch, in neutralen Ländern, in Amerika, in Südeuropa, auch in Asien. Dazu kommen nun die Millionen Deutscher die durch den Frieden ab- gespkittert sind.

/Ihnen allen gegenüber hat die Heimat die Aufgabe, sie zu schützen und zu unterstützen iw Kampfe um die Erhaltung ihrer deutschen Kultur, das gilt auch gerade von den Abgesplitterten. Sie haben nach den Bestim­mungen des Friedens das Recht auf eigene Schule und Kirche und Pflege ihrer Muttersprache; sie haben das Recht auf eigensprachige Zeitungen, Bücher, Theater.

Dieses Recht muß ausgenutzt werden, und dazu ist eine Reichsstelle nötig. Nur wenn eine einheitliche Organisation gebildet wird, können auch die Deutschen mit ständigen kulturellen Einrichtungen versehen wer- den, die aus sich heraus dazu nutzt imstande wären. Nur eine heinheitliche Leitung kann die verschiedensten Erfahrungen austauschen und nutzbringend werden lassen. Sie belveist überdies decken, die nunmehr Aus­länder geworden sind, durch die Tat, daß die ganze Hei­mat hmter ihnen steht. Das ist unendlich viel mehr als bedauernde Worte und schöne Gefühle, es ist der not­wendige Rückhalt, um sie zu stärken im Kampf und zu ermunrern im Ausyarren. Demi das Schlimmste >räre, wenn diese Deutschen auswandern wollten, etwa in Westpreußen, in den deutschen Bezirken Posens.

Unsere Deutschen müssen dort bleiben und in dem fremden Staate loyale Bürger sem. Gewalt­politik wäre das unsinnigste, was man machen könnte. Darum wird ihnen auch rn keinem Falle von Deutschland aus vorqeschrieben werden können, was sie politisch zu tun, wie sie sich im neuen Staate politisch zu betätigen haben. Das soll diese Reichsstelle nicht, die schon aus diesem Grunde mit deni Auswärtigen Amte nicht vereinigt werden darf. Sie soll nur und ausschließ- Ittf> der kulturellen Fürsorge dienen. Dieser aber groß­zügig, einheitlich und voll Hingebung. Man setze Män­ner an ihre Leitung, die nicht nur als Beamte um Be­zahlung, sondern als Deutsche Menschen in edler Be­geisterung eine Lebensaufgabe in ihrer Tagesarbeit sehem E

Deutscher Schutzbund für die Grenz- uud Ausländsdeutschen.

SelbstbestimmunsSrecht der Völker.---Schutz der Minderheiten.

Unter dem Eindruck der F r i,cd en sbe ding urigen von Ver­sailles hat sich ein Deutscher Schutzbund für die Grenz- und Ausländsdeutschen gebildet. Ohne Rücksicht auf Partei-, Reli- gionS- und Klassenunterschiede soll er die Vereine und Körper­schaften der bedrohten ©rmggebiete und der Ausländsdeut­schen der gangen Welt umfassen. D. h. vor allem auch die Verbände der Qsterre-cher und diejenigen Deutschen, die als Bürger fremder Staaten in den verschiedenen Ländern an­sässig sind. Einzelpersonen nimmt er als Mitglieder nicht aus. weist ihnen aber die für sie im Betracht kommenden Vereine nach Ter Deutsche Schvtzbmst» tritt für das Recht unbeein­flußter Selbstbestimmung urrd für internationale Minderheits­schutzgebiete ein, welche die Freiheit in Dingen des Glaubens, der Sprache und Schule sichern uröd eine, den jeweiligen Ver­hältnissen entsprechende Selbstverwaltung gewährleisten. Er will die bisher zersplitterten Einzelbestrebungen zusam- menfas-en. dadurch Kräfte und Mittel sparen, um Ziele zu verwirklichen, zu deren Erreichung die Kraft der einzelnen Körperschaft nicht ausreicht. Me in Frage kommenden Körper­schaften und Vereine werden gebeten, such mit dem Deutschen Schutzbund (Geschäftsstelle: Charlottenk««, .Fssanerrstr 13, 2) ja flV i |iy »N iv

Der Friede.

Die deutsche Kriegslasten-Kommission.

mz. Berlin, 5. Aug. (Drcchtbericht beS Wiesbadener Tag- l'latts.) Zur Ausführung der Bestimmungen des Friedeus- terrrages über die Entschädigungen an die Alliierten wurde durch einen Erlaß des Reichspräsidenten vom 31. Juli die deutsche Kriegslasten - Kommission gebildet. Zuni Vorsitzenden wurde der Abteilungsleiter im Reichs- finanzministerium Bergmann unter Ernennung zum Unterstaotssekretär, zum Stellvertreter sies Vorsitzenden der Ilntersiaatssekretär im Reichsfinanzministerium Dr. Schröder kerufen. Die Kommission hat die Aufgabe. Berbandlungen mit bei interalliierten Wiedergutmachungskommission unter Beteiligung des Auswärtigen Amtes zu führen, um die Tätig­keit der beteiligten deutschen Behörden für die Entschädigungs- leistungen zusamm-enzufaffen. Sie besteht aus Vertretern der beteiligten Zentralbehörden, des Reichsfinanzministe- riums, des Auswärtigen Amtes, des Reichswirtschaftsministe­riums, des Reichsarbeitsministeriums und des Reichsschatz­ministeriums. Ferner soll eine Anzahl wirtschaftlicher Sach­verständiger als Mitglieder berufen werden. Die Kommission soll keine eigene Tätigkeit äls Behörde ausüben, hat daher auch keine eigenen Beamten. Sie soll vielmehr ein sachge­mäßes Zusammenwirken der verschiedenen beteiligten Behörden, deren Zuständigkeit durch ihre Bildung nicht be­rührt wird, erleichtern und sichern.

Zur Abstimmung in Nord-Schleswig.

mz. Berlin, 4. Aug. Der deutsche Ausschuß für Schleswig gibt folgendes bekannt: Zur Abstimmung

in Nord- und Mittelschleswig ist nach dem Friedensver­trag jede Person ohne Unterschied des Geschlechts, die in dem Abstimmungsgebiet geboren ist, einerlei, wo sie jetzt wobnt, sofern sie am Tage des Inkrafttretens des Ver­trages das 20. Lebensjahr vollendet bat, berufen. Diese Personen sollen an ihrem Geburtsort abstimmen. Es handelt sich darum, die außerhalb des Abstimmungsge­bietes zerstreut wobnenden Stimmberechtigten zu ermit­teln und auf die Bedeutung der Abstimmung hinzu­weisen. Der deutsche Autzscksslß für Schleswig in Flens­burg, Norderhofenden 20. bereitet eine Sammlung vor, um stimmberechtigten Deutschen freie Reise zur Abstimmung zu ermöglichen. Die sofortige Mel­dung bei dem genannten Ausschuß ist Ehrenpflicht eines jeden stimmberechtigten Deutschen. Zur Erleichterung sind in verschiedenen Städten Zentralen des Ausschusses eingerichtet worden, z. B. in Husum, Schleswig, Kiel und Hamburg. Auch in Berlin 0 2, Burgstratze 30, Zimmer 63 bis 54, Fernsprecher 0027, ist eine Geschäfts- stelle eingerichtet. Es wird dringend gebeten, bei Auf­findung von Stimmberechtigten mitzuwirken und be­kannte Adressen anzugeben.

Zur Heimkehr der Kriegsgefangenen.

mz. Berlin, 5. Aug. Wie wir erfahren, gaben die Alliier­ten noch nicht die Erlaubnis zur Zurückffibrung der deut - scheu Kriegsgefangenen in Sibirien. Ebenso konnte noch keine deutsche Hilsskommission ° nach Sibirien entsandt werden. Für die Gefangenen wird monatlich eine Million Mark aufgewendet. Zur Beschiffung von Winter- fachen stehen 12 Millionen Mark zur Verfügung, doch hat 'ich die Reichs regierung noch nicht damit abaefunden, daß die Gefangenen auch diesen Winter noch in" Sibirien bleiben sollen.

Aus dem Ententerat.

mz. Versailles, 5. Aug. Der Oberste Rat der Alliierten beschäftigte sich gestern in Anwesenbeit des Marschalls Foch eingehend mit der ungarischen Frage und im Anschluß daran mit der Frage der Aalandsinseln. Anwesend waren außer dem schwedischen Vertreter die englischen Ge­sandten in Paris und London.

Frankreich und die Ratifizierung.

mz. Versailles, 5. Aug. Ministerpräsident C lem en - ceau, der zuerst auf der sofortigen Durchberatung des Friedensvertrags im Plenum bestand, erklärte in der gestrigen Unterredung mit dem Vorsitzenden und dem Gene- ralberichterstatter des Friedensausschusses in der Kammer, 1-em Abgeordneten Viviani und Barthou, daß er sich dem Beschluß der Kammer fügen wolle, die Diskussion erst nach der kurzen Ferienpause zu beginnen. Unter liefen Umstän­den dürfte die Kammer die Erörterung am 2 6. August er­öffnen.Pair" gibt als Datum des Beginns der Beratung den 2. September an. Die Kammer beginnt chrs Ferien am 7. oder 8. August.

Die Verhandlungen mit Österreich.

mz. Versailles, 5. Aug. Staatskanzler Renner über­reicht morgen, Mittwoch, der Friedenskonferenz die österreichi­sche Antwort aut den Friedensvertrngsentwurf und verläßt auf 8 Tage St. Germain mit dem größten Teil der Delegation.

mz. St. Germain, 5. Aug. Die deutsch-österreichischen Ftnanzdelegierteti reisten nach Wien ab.

Die deutsch-polnischen Verhandlungen.

mz. Versailles, 6. Aug. Der oberst:- Rat der Alliierten bestimmte, >dcch die Interalliierte Militärmission in Berlin bei dem Beginn der deutfth-polnifchen Verhandlun-

gm ine alliierten Regierungen, vertrete» totria,

Deutschland und Skandinavien.

mz. Berlin, 5. Aug. -Aus Kopenhagen wird gemeldet: Nochdem die dänische Regierung ebenso wie die schwedische und nor­wegische kürzlich die Regierung Ebett in Deutschland anerkannt hat, ist der bisherige hiesige deutsche Gesandte Frhr. v. Neurath vom König zur Überreichung seines Beglaubigungsschreibens empfangen Norden.

Zeitweilig aufgehobene Ausfuhrverbote Hollands.

Haag, 3. Aug. (Korr.-Bur.) Die Ausfuhrverbote von Rohtabak, Zigarren, Zigaretten und anderen Tcckakprodukten, Gummi, Guttapercha und daraus bergestellte Artikel mit Ausnahme von Automobil- uud Fahcradrrifen, für Zahn­gummi, Gummiabfälle, Kalisalze, Magnesiumsalze, ausge­nommen Magnesiat, für Zelluloid in jeder Form und für Bier wurden zeitweilig aufgehoben. Einbezogen sind die Ausfuhrverbote für Pfeifenton,. Ziegelerde, Porzellanerde, für daraus hergestelltr Einmachtöpfe und für glasierte Ton­waren, die zum Einmachen verwendet werden können.

Erzlager im Hunsrück.

mz. Berlin, 5. Aug. DieB. Z." meldet aus Köln: Auf dem Hur,srück wurden reiche Erzlager entdeckt. Es stellt sich heraus, daß der ganze I d a r w a l d ein reichhaltiges Erz­lager birgt. Die Erze liegen in einer Tiefe von 2 bis 3 Meter urcb treten stellenweise an dir Oberfläche. Sie enthalten 55 b»L 60 Prozent Metall und bis zu 30 Prozent Maugan.

Ungarn.

Die Forderungen der Entente-Mission.

mz. Budapest, 5. Aug. Nach einer Meldung des Ungari­schen Korrespondenz-Bureaus richtete der Chef der Buda- pester Mission, Oberstleutnant Romanellt, am 3. August an die ungarische Regierung eine Note, in der er mit Rück­sicht darauf daß der neuen ungarischen Regierung jetzt zur Sicherung der Ruhe und öffentlichen Grdnang rumänische Truppen zur Verfügung stünden, verlangt: 1. Die ungarische Armee auf das im Waffenstillstandsvertrag vom 3. November 1018 festgesetzte Hcereskdntingent zu bringen ur-d sie auf die entsprechenden 'Friedensstandorte zu verteilen. 2. Die Zivil­bevölkerung der Hauptstadt und des ganzen Landes zur Hergabe aller Schußwaffen außer Jagdgewehren, Munition, Handgranaten und Sprengmitteln aufzufordern. 3. Die Umgestaltung und Entwaffnung der Roten Armee ehestens rn Angriff zu nehmen.

Schweden.

mz Stockholm, 6. Aug, In der Thronrede, in der der König den außerordentlichen Reichstag heute eröffnete. wird zuerst an die bedeutende Umbildung der Ersten Kammer durch das demokratisierte kommunale Sttmmrecht erinnert. Die Rede stricht die Hoffnung ans, daß die nach den Grund­sätzen unserer ,Zeit reformierte 'Erste Kammer ihren Platz in. der Volksvertretung Schwedens ausfüllen werde. Der Über­gang von den auherordenttich-en Werhältnffsen 'der Krieyszeit in die normale Lage -des Wirtschaftslebens und der Gefell- schaftsarbeit hätte die 'Einberufung des Reichstags notwendig ^gemacht. __________

Internationale Sozialistenkonferenz.

mz. Luzern, 5. Aug, (Schweizerische Depeschen-Agentur.) Die zur Beratung der allgemeinen internationalen Lage ein­gesetzte erste Kommission studierte vorerst die Lage der Kriegsgefangenen. Der deutsche Mehrheitssozialist Wels gab eine ausführliche Darstellung der Lage der deutschen Kriegsgefangenen in Frankreich und bat die frmpzösischen Vertreter, alles zu tun, um die Rückkehr der Ge­fangenen zu beschleunigen und ihr Los zu erleichtern, sobald einmal der Fri>edensvertrag unterzeichnet sei und sie als freie Arbeiter bei den Wiederherstellungsarbeiten in den zer­störten Gebieten in Frankreich noch tätig seien. Wels sprach aucki von den noch in Deuffchland befindlichen russischen Kriegsgefangenen und betonte, daß es nur an der Entente liege, daß diese Kriegsgefangenen" noch nicht nach Rußland zurückkehren konnten. Man müsse sogar befürchten, daß diese Gefangenen den reaktionären Generälen Dene?in und Koltsckak in die Arme getrieben werden sollten. In der ausgiebigen sich anschließenden Erörterung, an der Ver­treter fast aller Nationen teilnahmen, brachten die franzö­sischen Sozialisten R e n a u d e l und L o n g u e . zum Aus­druck, daß -die französischen Sozialisten in dieser Hinsicht alles tun würden, was in ihrer Macht stehe. Schließlich wurde ein Unterausschuß ernannt, der die Lage der Kriegsgefangenen in den verschiedenen Ländern prüfen und dem Plenum eine Entschließung unterbreiten soll. Die erste Kommission er­nannte einen siebengliedrigen Ausschuß, der beauftragt tst. eine Enischließung hinsichtlich des Friedeusvertrages, des Völkerbundes und aller damit zusammenhängenden Fragen ausznarbeiten. Darauf wurde die Debatte über die Stellungnahme der zweiten Internationale gegenüber der Revolution in den Methoden des Bolschewismus fortgesetzt. In ausführlichen Reden setzten Hrlferding (Deut­scher Unabhängiger), Wels (Deutscher Mehrheitssozialist). Eduard Bernstein (Deutscher Unabhängiger) und Vander- Velde (Belgien) ibrc Ansichten auseinander. Der AusststiH' wird in einer Nachisitzung die Debatte zu Ende führ-u. Der zweite Ausschuß wird sich mit dem Wiederaufbau der Internationale beschäftigen. Er nahm eine Er­klärung über die Grundsätze an und genehmigte genaue Statuten, die dem großen Kongreß im Februar unterbreitet werden sollen. Eine Resolution Henderson wurde ange­nommen, die verlangt, daß zu gleicher Zeit mit dem Kongreß ,m Februar auch eine Vereinigung von parlamentarischen Vertretern der Arbeiter-- und Sozialisienpacieien einberufen weite» soll»