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Mittwoch, 6. August 1919.

Abend-Ausgabe.

Nr. 348. 67. Jahrgang.

32*31

Die Ausführung des Friedens­vertrages-

Französischer Oberbefehl über die rheinischen Besatzungstruppen.

rnr. Bern, S. Aug. Die Lyoner Blätter melden aus Paris Der interalliierte Oberste Rat hat beschlossen, im Hint lick auf die Bedeutung der französischen Kontingente am Rhein die Besatzungstruppen dem Befehl eines fran­zösischen Generals zu unterstellen.

Zur Frage des Wiederaufbaus.

n». Berlin, 6. Aug. (Amtlich.) In der Presse war die Mitteilung gebracht worden, dass die zur Erörterung von Arbeiterfragen für den Wiederaufbau Rocdft ankveichs nach Versisilles entsandte Kommission nur einen Arbeitervertretrr enthalte. Diese Mitteilung ist unzutreffend. Die Kom­mission enthält vielmehr zurzeit zwei Arbeitgebervertreter, drei Vertreter der Arbeitnehmer und einen Vertreter der technischen Angestellten. Die Vertreter der Arbeitnehmer sind aui Voischlag der Zentralarbeitsgemeinschaft aus den grossen gewerkschaftlichen Organisisionen berufen worden, die Vertreter der technischen Angestellten auf Vorschlag des Bundes technischer Angestellten und Beamten.

nwr. Be -sailles, 6. Aug. DemTemps" zufolge hielten die alliierten und die deutschen Dele.siertrn eine Sitzung ab, rm über die L i e s e r n n g v o n V i e h zu verhandeln. Am Nachmittag hatten sich die deutschen und alliierten Dele­gierten mit der Frage des Wiederaufbaues befasst und alle Fragen hinsickstlich des Baumaterials und des Baracken- shstemS durchgesprochen.

Aus dem FrieLeusausschutz der franz, Kammer.

rnr. BersaiUeS, 6. Ang. Der FriedensauSschutz der Kammer trat heute zusammen und hörte den Bericht des Be- riästerstatlers Barthou an. Nach deniTemps" umfaßt der Bericht etwa 80 Druckseiten und empfiehlt, wenn auch mit einigen Vorbehalten, die Ratifikation des Friedens­vertrages. Der Berichterstatter hat sich bemüht, die Aus- subri'ügsgarant'en zu erlangen, b ; e nach seiner Ansicht die Regierung verlangen müsse. In besonders interessanter Weise hör er sich über die Schnldfrage geäußert und die Verantwortlichkeiten für den Krieg festgestellt. DerTemps' glaubt, lass die Diskussion im Plenum am 25. August be­ginne und die Abstimmung am 3. September erfolgen werde. Jim die Ratifikation zu beschleunigen, hat der Friedensuus» schns, der Kammer dem Friedensausschuß des Senats alle Be­richte übermittelt, die die Negierung schriftlich oder mündlich tem Aut schütz durch ih ven Vertreter hat geben lassen.

' Italien und die Ratifizierung.

»iz. Rom, 6. Aug. Auf eine Anfrage FederzoniS im italie > irischen parlamentarischen Friedensrussckuß. ob ein bereits p.mch lassen es oder geplantes politisches Bündnis mit Frank­reich. England oder Amerika die sofortige Ratifizie­rung des Versailler Vertrags notwendig m.rche. erklärte Nitti, «S cid* keine derartige Bedingung. Die baldige Ratifizierung bedeute nur einen freundschaftlichen Akt gegenüber den Verbündeten. Nach Zeitungsmeldungen wäre übrigens ! mit der Ratifizierung kaum vor dem 10. September zu rech­nen, da die Abgeordneten demnächst ihre Ferien anträten.

2>fe Verhandlungen mit Österreich.

Die deutsch-österreichische Antwortnote.

me. Wien, 5. Aug. Der Vertreter des .Reuen Wienec Tagblatts" in St. Gecmain meldet- Di? deutsch-österreichische Antwortnote, die morgen überreicht wird, beschränkt sich hauptsächlich darairf, die Einwendungen gegen die FriedensbcstiinmunA'n zusammenzufasscki und die grund­sätzlichen Forderungen darzulegen, an denen die Delegation festbalten müsse, wenn Österreich nickt wirtschaftlich zu­sammen brechen solle. Die Note tritt nochmals für die ge­reckten Gebietsansprüche Deutsch-Österreichs ein und fetzt klar und überzeugend die schwerwiegenden Folgen der wirt­schaftlichen und sinanziellen Bestimmungen auseinander. AIS Beilagen zu der Note erhält der Oberste Rat Denkschriften und Bemeiki.ngen zu den einzelnen Bestimmungen, die die Gegenvorschläge in endgültiger Fassung nochmals Vorbringen.

Die internationalen Beziehungen.

mz. Berlin, 6. Aug. Die Konferenz zur Wiederauf. nähme der internationalen Beziehungen wird am L. August in Paris zusarnmentreten.

Deutschland und Italien.

mz. Berlin, 6. Aug. LautVossischcr Zeitung" sind schritte eingeleitet. um die Drahtverbindung R o m - B e r l i n wieder herznstellen. Auch mache die Niederanbahnung der deutsch-ltaltenischen Wirtschafts, beziehunfien Fortschritte. Nächster Tage werde ein von der italienischen Negierung beauftragter Ausschuß nach Deutschland abreisen. um zu prüfen, in welchem Um- senge ein Warenaustausch zwischen den beiden Ländern Möglich sei.

China im Friedenszustand mit Deutschlaud.

Amsterdam, 5. Aug. Aus Peking wird über Paris üemeldet. daß die Abgeordnetenkammer ein Gesetz ange- jnotnnien hat. wodurch der Friedenszustand mit Deutsch- foai wieder hergestellt wirk.

Memel soll geräumt werden.

Paris, 5. Aug. Der Oberste Rat hat sich in den jüngsten Tagen wiederholt mit den militärischen Maß­nahmen bezüglich Memels und Danzigs befaßt. Die Litauer hoffen, daß es gelingen wird. Rechte auf Memel zu erwerben. Jedenfalls hat der Oberste Rat beschlossen, daß Memel von den Deutschen geräumt werden muß.

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mz. Memel, 6. Aug. DasMemeler Dampfboot" meldet: DaS aus Memeler Stadtverordneten und Kreistagsabgeord­nete n des abzutretcnten Gebietes nördlich der Memel be­stehende Vorparlament wählte tu einer Sitzung, an der die Natisnal-Litauer nicht teilnahmen. eine Abordnung von fünf Herren, die sich nach Paris bezw. Versailles begeben sollen, um mit den alliierten Regierungen durch Vermittlung des Auswärtigen Amts in Verbindung zu treten, um die Wünsche des Memeler Gebietes zum Ausdruck zu bringen.

Rückkehr ausgewieseuer Deutscher aus Kanada. mz. Rotterdam, 5. Aug. Heute ist der DampferSicilian" aus Montreal mit 81 aus Kanada ausgewiesenen Deutschen an Bord m Rotterdam eingetrösten. _

Ungarn.

Der Truppenvormarsch auf Budapest, mz. Wien, 5. Aug. Die Blätter melden, daß 2500 Mann französischer Truppen von der Szegediner- Front in Budapest einmarschieren werden. Die tschecho-slowa- fliebe Armee rückte gestern über die Demarkationslinie vor und ist mit schwachen Kräften im Anmarsch auf Bu­dapest. Nach derNeuen Freien Presse" seien bereits englische Truppen von Fiume aus nach Budapest unter- Wegs um an der.Besetzung der Hauptstadt teilzu- nehmen. Das.Neue Wiener Tagblatt" meldet, daß zur Sicherung eines einheitlichen Vorgehens der Regie­rung sind angesichts der schwierigen Lage ein drei» gliedriges Direkterium aus zwei bürgerlichen und einem sozialistischen Mitglicde gebildet werde.

mz. Berlin, 6. Aug. König Ferdinand von Rumänietl soll nach Budapest abgereist sein. Von seiten der rumänischen Truppen werde ihm in der ungarischen Hauptstadt ein feierlicher Empfang bereitet werden.

Baucrnunrnhen in Trans-Danubien. mz. Berlin, 6. Aug. Aus Wien wird berichtet: Aus Trans-Danubien, das immer der Herd der Gegenrevolution.war, kommen Nachrichten, nach denen sich die Bauernschaft gegen die Führer der Kommunisten zusammenrottete und mit Sensen, Sicheln und Äxten auf diese losging. Es wurde ein großes Blutbad angerichtet. In einigen Ortschaften richtet sich die Be­wegung der Bauernschaft gegen die Kaufleute und Ge­st erbetreibenden und nimmt einen pogronsiartigen Cha- rakter an. Nach Meldungen aus Ungarn sind die Bauern dort in Hellem Aufruhr. Die Bauern- schaft hat eine Bewegung gegen die zurückgebliebenen Kommunisten organisiert und alle als Bolschewisten ver­dächtige Personen verhaftet, bei denen es sich heraus­gestellt hat, daß sie Gewalttätigkeiten begangen haben. In letzterem Falle wurden die Beschuldigten sofort gehängt. Auf diesem Iustizwege wurden bisher schon über 100 Personen gerichtet.

mz. Berlin, 6. Aug. Weitere Berichte aus Ungarn über das Vorgehen der Bauern gegen die Bolschewisten besagen, daß große Scharen von Bauern mit Gewehren und Sensen bewaffnet in die Städte ziehen, um der Bürgerschaft in ihrem Kampfe gegen den Bolschewis- mus zu 'helfen. ^

Anmeldung deutscher Guthaben und Forderungen in Uugarn auch unter der neue» Regierung.

Zufolge der in großer Anzahl einlnisenLen Anfragen weist der Tentsch-Osterr.-Ungar. Wirtschastsverband in Berlin darairf hin, daß nach einer ihm zugekomncnen unverbindlichen Meldung auch die neue ungarische Regierung die Verordnung über Anmeldung der Forde­rungen und -Guthaben in Ungarn in der bisherigen Form auftecht erhalt. Der getroffenen Vereinbarung gemäß «erden die bei der Cchnystclle sür deutsche Guthaben in Ungarn rechtzeitig eingehenden Anmeldungen als sorui- und fristgerecht ungarischcrs-its amtlich an­erkannt. Der Termin laust vorläufig bis zum 31. August d. I., dock bat die oben erwähnte Schutzstelle Schritte eingeleitet, uni eine Verlängerung des Termins zn erreichen. Interessenten erfahren Näheres bei dem Deutsch-Osterr.-Ungar. Wirtschastsverband, Ab­teilung Schutzstelle sür deutsche Guthaben in Ungarn, Berlin W. 35, Karlsbad 16.

Judenpogrome in der Ukraine. mz. Amsterdam, 5. Aug. LautTelegraas" nieldet der Korre- spondent der ..Times" in Washington furchtbare Einzel­heiten über Judenpogrome in der Ukraine. Die erbitterte Menge nahm den Umsiand, daß eine Anzahl konimunlstischer Kommissare Juden sind, zum Anlaß, um unter der jüdischen Bevölkerung zu morden und p: plündern. Zahlreiche Personen zogen mit Aufschriften herum, die lauteten: Tod den Juden! Rettet Rußland! In Schitiunr sollen 1200 Inden, in Kasan 660, in Felsztin 900, in Jastow und Bcrditschrw 2000 Juden ermordet worden sein.

Die Streiklage in der Schweiz.

mz. Basel, 5. Aug. (Dep.-Agt.) Die Streik laue ist unverä adert. H«tte nacht sind, weiter« Trup­pe u aoaefomaim.

Rheinische Republik,

Eine Kölner Kundgebung

Kola, 8. Aug. Gestern war in dem. Weißen Saale bet Bürgeipesellschaft eine Versammlung zahlreicher Anhänge-« einer Rheinischen Republik, die aus dem ganzen Rheinland, aus Hessen, Rheiuhessen und der Pfalz gekommen, waren. Di« Versammlung stellt, wie der Jta von einem Teilnehmer ge­schrieben wird, eine wichtige Etappe auf dem in dieser Frage leschritkenen Organist,iionsweg dar. Ihr Hauptergebnis liegt m der organisatorischen Vereinigung aller im besetzten Gebiet bestehenden und bisher getrennt arbeitenden Aus­schüsse und in der Gründung eines Hauvtaktionsaus- schusses mit dem Sitz in Köln. Anwesend waren die bekannten Leitet der seinerzeit in Kölner Zentrumskveifen entstandenen Bewegung, aber auch Mitglieder anderer Par­teien Aus allen Reden klang das Bedauern über die Fehler, die man seinerzeit gemacht habe, indem min den Gegnecn Gelegenheit geboten habe, die rheinische Bewegung als Zen- truinssacke hinzustellen und indem man es dann später in der Versammlung am 4. Dezember an dem nötigen Mut« habe fehlen lassen. Alle diese Fehler sollen in Zukunft ver­mieden werden, mit aller Energie und nach einem einheit­lichen Plan soll organisiert und eine möglichst baldige Volksabstimmung in die Wege geleitet werden unter 'Nichtachtung des kürzlich beschlossenenen Sperrsrist- a rti k els,'der al?- eine Beleidigung des rheinischen Volkes bezüchnet wurde. Tie Zentrum Sabge ordneten, die mitverantwortlich find für die Entstehung dieses Artikels, und die es an Entschiedenheit des Auftretens im Sinne der rheinischen Volksmeinnng fehle» ließen, sollen von ihren Wählern zur Verantwortung gezogen bezw. nicht, wieder ge­wählt werden. Katholische Geistliche sprachen sich am schärssten in dvesem Sinne aus. Von allen Seiten und vor ollem von den Vertretern aus Hessen und der Pfalz wurde für äußerste Beschleunigung der Agitation im Interesse des Deutschtums eingetreten, das in der Pfalz, wo eine mächtige Bewegung für die Bildung eines neutralen Staates einjfe- setzt habe, schwer bedroht erscheine und dessen Netsirnq nur durch ISchaffnng eines rheinischen Bn^ideA- staates im Rahmen des Deutschen Reiches möglich fei. Eine besondeve Kritik erfuhr die jüngste Ver­sammlung in Düsseldorf, zu der kein Freund eine? rheini» scheu Freistaates geladen worden se:, obwohl Ministerpräsi­dent Hirsch das Gegenteil behauptet E»<iBe und wo Oberbürger­meister Adenauer aus Köln gesagt baden soll, kein anstän­diger Mensch im Rheinland trete noch ein für einen rheini­schen Freistaat. Nach Reden des Versammlungsleiters und neugewählten Vorsitzenden des Kölner Aktionsausschusses, Dr. Müller, des Justizrats Weber. Oberpkarver Kastert. Ttudienrat Kuckhoff, der Frau Dr. Zackerl und kurzen An- stracken von Herren aus Mainz." Wiesbaden, Bingen, Kreuznach, Koblenz, Aachen. Kevelaer, Cleve usw. wurde eine Entschließung gefaßt, in der e? u. a. heißt: Die am 4. August 1919 in der Bürgergesellschaft zu Köln zahlreich ver­sammelten Frauen und Männer aus allen Teilen des be­setzten Gebietes, die den verschiedensten Parteien angeboren und linier denen Millionen ihrer Mitbürger stehen, erheben Widerspruch gegen die Einführung einer Sperrfrist und werden nicht rasten und ruhen, uni Sturm zu laufen- aeaen diele gegen ihren Willen entstandene Bestimmung. Sie verlangen sofortige Abstimmung über Idie Frage einer Rheinischen Republik zur Klarstellung des VolkAvrllenS. Die Frwindc der Rheinischen Republik werden gebeten, un­verzüglich an alten Orten Organisationen zu schaffen, um den Gedanken des rheinischen Freistaates in di« Tat vmzusetzen. Der unter allgemeinem Beifall gefassten Entschlü-tzung folgte die Wahl eines Aktionsausschusses, dec mit allen bestehenden Ausschiissen rm besetzten Gebiet in Ver­bindung treten soll.

Klaus Krämer.

mz. Berlin, 6. Aug. Wie dieParteipol. Rachr." er- fahren, ist der Oberlebver Dr. Krämer, der im Kabinett Dorten als Kultusminister fungiert und wegen der Untec- ssirtzung der Dortenschen Bewegung auf Veranlassung de» Prot inzialschulkollegiums in Kassel unter Einleitung deÄ Disziplinarverfahrens zum Zweck der Amts«,itsetzung sus­pendiert worden war, auf Veranlassung oer ftanzostschen Besatzungsbehörde unter Auszahlung seines vollen Gehaltes wieter in kein Amt eingesetzr worden. Deutscherseits wird die Rückgängigmachung dieser Maßnahme verlangt wer­den, ka sie die Befugnisse der Besatzungsbehörde übersteige,

Birkenfeld.

mz. Birker-feld, d. Aug. Die vom LandeSauSschutz in keiner Satzung vom 19. Juli gewählte Kommission von vier M'taliedern (LandtagSabg. Rechtsanwalt Doerr-Jdar Sem) Schöffe und Landwirt Groß-Bergen (Bauernbund). PosiKkretär Fabrr-Birkenfeld (Zentr.) und Postassistent Becker-Idar lSoz.I hat sich lautSaarbr. Ztg." am Montag wich Oldenburg begeben. Ihr angeschlossen haben sich drei Abgeordnete aus der Provinz tObecamtsgerichtScar Haitor.g, bishcriner stellvertretender Rente cungSpräsident. Ingenieur Zehntmaier-Türlismühle und Landwirt Wcygand- Oberhosrnbach). Die provisorische Regierung der .Republik Birkenfeld" teilte den, Vorsitzenden des LairdeS- auSschusseS mit, daß sie auf die Entsendung von Mitgliedern der vorläufigen Negierung nach Oldenburg verzichte, da sie das Pertrai en in die Kommission setze, daß diese die Birken-, selber Interessen voll und ganz vertreten werde. Sie ver­langt, daß die später gebildete neue Regierung auf Veran­lassung des LandesausschusseS als erste Amtshandlung dafür: Sorge trage, daß die neue StaatSregiecung eine sofortige Amnestie erläßt für sämtliche an der Ausrufung d«i: Republik Birkenfelü direkt oZgX indireH betetvtztea Personen^.

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